Willkommen im D4O-Forum

Wichtiger Hinweis für Benutzer die sich hier im Forum registrieren möchten : Es gelten für den Benutzernamen die gleichen Regeln wie auch auf den Servern von D4O !! 

<<< Ihr findet die Forenregeln hier : 
Forenregeln / Leitfaden 
>>>

Die dunkle Prophezeiung

Hier könnt ihr eure Rollenspiele die den Server Schicksalswind betreffen, weiterführen oder neue anfangen.
Forumsregeln
Bezgl. Urheberrecht

Bitte beachtet, das fremde Texte nicht so einfach benutzt werden dürfen. Es hilft auch nichts, wenn man die Namen ändert oder einzelne Wörter austauscht. Benutzt ihr für eure RP fremde Texte, muss eine Quellenangabe bzw. die Erlaubnis des Erstellers vorliegen.
Bei Verstoß dagegen erfolgen folgende Strafen :

1. Verstoß

Verwarnung des Users, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

2. Verstoß

Forumsperre für ALLE Accounts des Users für 48 Stunden, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

3. Verstoß

Dauerhafte Sperrung sämtlicher Forenaccounts des Users, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

Dieses betrifft nur eure Accounts hier im Forum und nicht eure Spielaccounts für Die 4te Offenbarung.
Bewerte dieses Thema
Antworten
Benutzeravatar
Tanuri
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 74
Registriert: Sa 30. Dez 2017, 09:57

Re: Die dunkle Prophezeiung

#51

Beitrag von Tanuri » Fr 24. Jan 2020, 09:17

Nach einiger Zeit klopfte es zögerlich an Tanuris Gemach. "My Lady?" hörte sie es dumpf durch die Türe. Es war wieder Mila, wohl um sie daran zu erinnern, dass der Gast nun schon länger in einem Nebenraum der Hallen verweilte. Leise seufzte Tanuri und schloss kurz die Augen. Nicht einmal seinen Wein konnte man genießen. Kurz blickte sie abwesend hinaus aus einem der Fenster. Ein prächtiger Vollmond zeichnete sich am dunklen Nachthimmel ab und erhellte ihre warme Kammer. Einige Schneeflocken tanzten wild vor ihrem Zimmer, gar so, als würden sie ihr zeigen wollen, dass sie genug gesessen hatte und es an der Zeit war aufzustehen und sich auf den Weg zu machen. Lautlos fielen sie auf das Fenstersims und blieben dort liegen. Ihr dunkelgrünes samtenes Kleid umschmeichelte ihren schlanken Körper, als sie sich erhob und mit ihrer Hand eine pechschwarze Strähne aus ihrem Gesicht und hinter ihr Ohr strich. 

Fast schon lautlos bewegte sie sich durch die Gänge der Legion, eine Treppe hinab bis zu dem Raum, in dem Gäste zunächst in Empfang genommen wurden. Entschlossen und mit erhobenem Kopf betrat sie das Zimmer. 

"Jeremias, was für eine besondere Freude Euch in diesen Hallen begrüßen zu dürfen." Wie ernst er nun die "Freude" nahm sollte ihm überlassen bleiben. Sie war es Leid, sich um Gepflogenheiten zu kümmern. Schließlich war er es gewesen, der zum Ende ihr Vertrauen in die Kirche des einzig Wahren so erschüttert hatte. Sie deutete mit einer einladenden Handbewegung gen einen weichen Ohrensessel, der nahe am wärmenden Feuer des Kamins stand. "Setzt Euch doch, bitte." Alt war er geworden, der Priester. Doch es waren nicht nur die Jahre, die ihn hatten altern lassen. Nein, sie erkannte sehr wohl auch, dass es die vielen Bürden waren, die mitverantwortlich dafür waren, dass sich tiefe Furchen in sein Gesicht gezeichnet hatten. 

"Darf ich Euch etwas zu trinken anbieten?" Mit einer grazilen Bewegung ging sie zu einem kleinen Tisch, der neben dem Kamin stand und auf dem sich mehrere Flaschen und einige Gläser befanden. "Nach was steht Euch der Sinn? Wasser? Wein? Met? Oder soll Euch meine Dienerschaft etwas aus der Küche kommen lassen, um Eure müden Knochen zu beleben?" Ohne eine Antwort abzuwarten, füllte sie zwei Gläser mit dem besten Honigmet Lichthafens, wendete sich ihm dann wieder zu und ließ einige schweigende Augenblicke verstreichen. 

Natürlich war sie neugierig, warum Jeremias gerade jetzt zu ihr gekommen war. Es war viel Zeit verstrichen, seit sie sich zuletzt begegnet waren, seitdem sie den letzten Schlagabtausch - der nicht gerade von Höflich-  und Freundlichkeiten gespickt war - miteinander geführt hatten. Würde er sie ein weiteres Mal davon überzeugen wollen, dass es möglich war eine Inquisition zu gründen? Nun, sollte dies sein Begehr sein, so würde dieses Gespräch nicht von langer Dauer sein. Zu jener Zeit hatte er seine Hoffnung in die falschen Personen gesetzt. Dessen durfte er sich mittlerweile schmerzlich bewusst geworden sein. Sie wusste aber auch um ihre Respektlosigkeiten der schwarzen Kirche gegenüber. War er gekommen, um ihr dafür die Strafe zukommen zu lassen?

"Sagt mir, Priester, was führt Euch in meine Hallen?"
  ~~ Leiterin der Legion des Schattens ~~     
  
  Bild

Ungesättigt gleich der Flamme, Glühe und verzehr´ ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse, Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich
*Nietzsche* 

Benutzeravatar
-Freya-
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 51
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#52

Beitrag von -Freya- » So 26. Jan 2020, 17:05

Erschöpfung körperlicher und geistiger Natur forderte ihren Tribut, so dass das Mädchen in der Bettdecke eingewickelt unausweichlich in den Schlaf fiel. Es war ein tiefer Schlaf, der sie heimsuchte.

Dennoch friedlich war ein relativer Begriff. Immerhin waren ihre Träume aufwühlend, wenn gleich sie diesmal sicher war, dass sie sich von jenen unterschieden, die sie sonst peinigten. So als würde etwas oder jemand über ihren Schlaf wachen.

 


~Ziellos rannte sie in jenen durch Lichthafen und suchte nach jenem blonden Mann, der ihre Geschichte bestätigen konnte. Doch jedes Mal wenn sie meinte ihn gefunden zu haben und sich die Person zu ihr umdrehte, sah sie in Tanuris funkelnde Augen, die sie tadelnd anblickten. So rannte sie von einem zum anderen, wahllos, suchend, nur um immer wieder ihrer Tante ins Gesicht zu blicken.Wie lang sie diesen Träumen gefolgt war, wusste sie nicht. Aber irgendwann hatte ein Sonnenstrahl sie geblendet, grell und kitzelnd, so als wolle er ihr den Weg zeigen. Sie wollte ihm folgen, doch musste sie blinzeln, um etwas gegen das Licht zu erkennen.~
 



Es war ein Lichtstrahl, der durch den Spalt zwischen den Vorhängen hindurch auf ihre Nasenspitze fiel und sie wach kitzelte. Kurz krauste Freya die Nase und öffnete unter einem verschlafenen Blinzeln die Augen. Oh!

Für einen Moment war sie vollkommen orientierungslos, da sie im Halbschlaf nicht wusste, ob sie noch träumend einem Phantom hinterherjagte oder gerade in einem fremden Bett aufgewacht war.

Mit einem kurzen suchenden Blick sah sie sich um und sah die Lyvia zugedeckt im Sessel friedlich schlafen. In diesem Moment erinnerte sich das Mädchen wieder, dass die Lyvia sie mitgenommen  und ins Bett gebracht hatte, auch wenn es alles ein wenig verschwommen wirkte.

Ganz leise, um sie ja nicht zu wecken, krabbelte das Mädchen aus dem Bett und bemühte sich so lautlos wie möglich auf Zehenspitzen zum Sessel zu schleichen. Autsch!  Kurz durchzuckte das Mädchen ein Schmerz und sie biss sich blitzschnell auf die Zunge, um die Lyvia nicht zu wecken. Das Pulsieren hatte nachgelassen, so dass sie beinahe die Schnitte unter ihren Fußsohlen vergessen hatte. Manchmal war sie wirklich dumm und vergesslich. Also musste sie jeden Schritt noch bedachter machen, ganz langsam und vorsichtig.

Vor dem Sessel blieb Freya stehen und schaute zu Lyvia hinauf, wie jene friedlich schlief. In einem langsamen Rhythmus hob und senkte sich ihre Brust, während sie gleichmäßig atmete. Oh weh. Nun hatte sie die Lyvia vermutlich auch noch mit reingezogen, schoss es ihr durch den Kopf. Das wollte sie doch eigentlich gar nicht, denn es reichte schon, wenn man sie immer von oben herab mit diesem komischen Blick bedachte.

Ganz vorsichtig versuchte sie daher über die Lehne zu ihr hinaufzuklettern. Ganz langsam und leise, wobei sie beim ersten Mal leicht abrutschte und  sich gerade noch so auf den Zehenspitzen abfedern konnte, was sie jedoch fast wieder dazu brachte, sich auf die Zunge zu beißen. Sie hatte wirklich ein Händchen immer wieder auf die Nase zu fallen. Kurz schien die Tante sich zu regen - ein kleines Schnaufen und ein leichtes Wenden. So verfiel sie einen Moment in Starre und versuchte einfach nur die Luft anzuhalten, um keinen Mucks von sich zu geben.

Da Lyvia allerdings in ihrer neuen Position ruhig weiteratmete ging Freya davon aus, dass sie sie nicht geweckt hatte. Puhhh. Also ein zweiter Versuch und schon saß sie auf dem Schoss von Lyvia.


Ganz behutsam hob sie die Decke an, um darunter zu krabbeln. Behutsam kuschelte Freya sich dann an die Tante, während ihre blauen Augen diese im Schlaf neugierig beobachteten. Sie hatte auf sich so lieb um sie gekümmert und über ihren Schlaf gewacht. So etwas war sie nur von wenigen Menschen gewohnt. Aber warum hatte sie das gemacht? Warum war sie aufgetaucht, wenn es nicht Tanuri gewesen war, die sie geschickt hatte und  weshalb hat sie sie nicht direkt zu ihr gebracht?

~Weil ich auch sehe... ~ Kurz überlegte sie, ob die Lyvia das wirklich gesagt hatte und ob sehen auch fühlen bedeutete. Wenn es keine Einbildung gewesen war, so  war es ein kleiner Hoffnungsschimmer, immerhin hatte sie auch gesagt. ~Es muss nicht so kommen, es kann vieles bedeuten~  Was immer es zu bedeuten hatte, vermutlich würde sie es bald herausfinden. Ihre Augen wanderten über die friedlichen Züge der Tante Lyvia, bevor sie ihren Kopf an deren Schulter lehnte und die Feder zwischen ihren Fingern tanzen liess.

Und da war ja noch das andere Problem. Sie erinnerte sich an ihren Traum. Bestimmt war Tanuri nun auch noch richtig sauer. Sie war einfach weggelaufen, hatte den Unterricht versäumt und hatte sich auch noch verletzt. Sie würde bestimmt toben. Und alles, womit sie es begründen konnte war eine einzelne Feder. Hoffentlich konnte sie die Lyvia da raushalten. Immerhin es reichte ja aus, wenn einer den Ärger abbekam.
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


Benutzeravatar
Lyvia
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 23
Registriert: Fr 14. Jan 2011, 12:52

Re: Die dunkle Prophezeiung

#53

Beitrag von Lyvia » Do 30. Jan 2020, 13:51

Wüsste sie um die Sorgen der Kleinen würde sie wahrscheinlich sogar lachen. Noch nie hat es sie gekümmert ob sie wegen etwas Ärger bekam…ob sie etwas tun sollte oder nicht. Sie hat stets das getan was sie selber für richtig hielt, ungeachtet der Konsequenzen.

Das leichte Gewicht auf ihrem Schoss weckt sie aus ihrem leichten Schlaf. Und vorsichtig legt sie einen Arm um das schmächtige Mädchen um sie zu halten.
Sie blinzelt ein wenig während sie die Augen öffnet, und ein Lächeln zeigt sich auf ihren Lippen.

Gut geschlafen?

Fragt sie leise, während sie die Decke sorgfältig zurechtrückt.

Magst du erst Frühstück oder erst Antworten?

Auch wenn es sehr viele Jahre her ist, erinnert sie sich noch gut an ihre erste Vision...wie sehr sie diese verstört hat. Dir Furcht sich jemand anzuvertrauen, denn wer glaubt einem kleinen Kind schon so etwas?
Sie hatte Glück gehabt und Vargus…und auch wenn es ihm nie gelungen war ihr Temperament zu zügeln, welches sie unweigerlich immer wieder in Schwierigkeiten brachte, so hat er sie doch unmerklich, aber bestimmt auf ihren Weg geführt und stets unmerklich geleitet.
Vorsichtig streicht sie Freya die Haare aus der Stirn und lacht vergnügt.

Was hältst du von Frühstück im Bett?

Sie deutet auf Freyas Füße..

Da kannst du die auch noch ein bisschen schonen.

Das wichtigste dabei jedoch ist….es würde sie niemand stören. Sie hätten alle Zeit die Freya braucht. Und sofern sie sich an sich selbst erinnert, sind es viele Fragen gewesen. Sehr viele Fragen. Noch heute bewundert sie Vargus, für seine unendliche Geduld damals. Bleibt nur zu hoffen, dass sie dieselbe Geduld beweist.
Sie deutet auf die Feder

Ein Andenken?

Fragt sie behutsam während sie nach Alma läutet und ihr erklärt, dass sie hier zu frühstücken wünschen…im Bett. Die gute Alma….anscheinend ist sie so einiges von ihr gewohnt denn sie verzieht nicht einmal das Gesicht, sondern nickt nur gutmütig.
Und anscheinend hatte sie bereits alles vorbereitet denn nur Minuten später erscheint sie mit einem fast riesigen Tablett, welches sie kurzerhand mitten auf dem Bett abstellt.Eier, Schinken, Käse, süße Marmelade…sogar Pfannkuchen dazu frische Brötchen, wohl gerade aus dem Ofen gekommen, sind angerichtet. Ein großer Krug mit frischer Milch rundet das ganze ab.
Ihr Magen knurrt vernehmlich und rasch sie deutet auf das Bett, um davon abzulenken.

Wollen wir?

Eine überflüssige Frage denn sie ist bereits dabei sich zu erheben…mit dem Kind auf dem Schoss nicht ganz einfach. Aber das Kunststück gelingt. Vorsichtig setzt sie Freya auf dem Bett ab und macht es sich ihr gegenüber bequem.
Bild

Benutzeravatar
-Freya-
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 51
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#54

Beitrag von -Freya- » Mo 3. Feb 2020, 16:26

Ups! Hatte sie die Lyvia etwa geweckt? Ein kleines reumütiges Lächeln zauberte kleine Grübchen auf ihre Wangen, denn das war nicht ihre Absicht gewesen. „Und wie!“ kam es mit einem Grinsen über ihre Lippen.

Sie hatte bis auf ihren Alptraum gut geschlafen und fühlte sich schon viel, viel besser. Einzig Tanuri bereitete ihr ein bisschen Bauchweh. Oder war es einfach nur Hunger?  Kurz erfüllte ein leises Grummeln den Raum und ein wenig verlegen legte sie ihre Hände auf den Bauch. Wie verräterisch Du dummer Magen. Mit einem Blinzeln wollte sie gerade ihrem Bauchgefühl beipflichten und dem Frühstück zustimmen, als.... Hoppala!

Da saß sie schon auf dem Bett.  Ihre Augen wanderten über die Eier hinweg zu den Pfannkuchen. Ein kleines Funkeln huschte über das strahlende Blau ihrer Augen. Seit sie die mal mit der Morrigan zusammen gemacht hatte, liebte sie frische Pfannkuchen!

So hockte sie sich auf das Bett und legte die Feder neben sich, um sich eine der der duftenden Leckereien zu schnappen. „Die ist von Naheniel.“ erklärte sie dabei beiläufig, bevor ein Stück Pfannkuchen in ihren Mund wandert. Genüsslich schloss das Mädchen die Augen und kaut darauf herum. „Mhhh ist das lecker...“ Sie hatte gar nicht geahnt wie hungrig sie eigentlich war. Ihr Blick wanderte über all die anderen Leckereien, während sie überlegte, was sie als nächstes kosten wollte  und fällt dabei kurz auf die Feder.

Oh! Erst jetzt kommt ihr der Gedanke, dass die Lyvia Naheniel ja gar nicht kennt. Mit einem kurzen Blinzeln schaut sie von der Feder zu Lyvia. „Tschuldigung. Der Naheniel is der Mann, den ich durch das Orakel begleitet habe. Ich hatte gehofft, er könnte der Tanu sagen, dass ich ihm nur geholfen habe und er würde mir dabei helfen, dass sie mir glaubt. Aber ich muss ihn wohl im Tempel verpasst haben. Er war wirklich nett und...“ kurz gerät sie in ihrem Redefluss ins Stocken. Da hätte sie doch beinahe ausgeplaudert, dass auch er von solchen Träumen heimgesucht worden war. Hm nein das konnte sie so ja nicht einfach ausplaudern, obwohl? Nein erstmal besser nix sagen. „...erwachsen.“ ergänzte sie dann ganz schnell, während sie in ihrem Pfannkuchen herumstocherte. Ja er wäre ihr vermutlich eine große Hilfe gewesen, um sich vor Tanuri zu erklären und schuldig wäre er es ihr alle Male gewesen. Aber da er einfach weg gewesen war und sie nur die Feder hatte, würde jeder vermutlich wieder sagen, dass sie ihn sich ausgedacht hätte.

Verflixt! Sie hätte auf die Warnung des Einen hören sollen. Er sagte, er würde ihr alles nehmen können und im Augenblick hatte sie das Gefühl, dass sie ganz nah dran war, alles wieder zu verlieren. Vielleicht hatte sie mit ihrem Alleingang zum Orakel seinen und den Geduldsfaden der Tante nun überstrapaziert. Bestimmt würde Tanuri sie nun zurück ins Waisenhaus schicken oder direkt auf die Insel der Verrückten.


Kurz blickte sie mit sie zu Lyvia, während sie sich einen weiteren Bissen vom Pfannkuchen in den Mund schob und ihn kaute. Doch eine kleine verräterische Falte auf ihrer Stirn enttarnte, dass unter dem kleinen dunklen Haarschopf viel mehr tat, als es beiläufig wirken mochte. Immerhin hatte sie  seine Warnung ignoriert und war, ohne jemandem Bescheid zu geben oder sich beim Hüter zu entschuldigen, in das Orakel gegangen. Somit hatte sie nicht nur Tanuris sondern vielleicht auch seinen Zorn auf sich gelenkt. Aber das konnte sie unmöglich so sagen oder die Lyvia nach Rat fragen. Immerhin wer weiß, wie oder was die Lyvia da gestern gemeint hatte mit dem sehen. Vermutlich würde sie alles nur schlimmer machen, wenn sie es so aussprechen würde und man würde sie gleich auf die Insel zu den Wahnsinnigen schicken. Kurz schloss das Mädchen die Augen und schluckte den mittlerweile wahrlich gut durchgekauten Bissen hinunter „Meinst Du sie ist sehr wütend?“  
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


Benutzeravatar
Lyvia
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 23
Registriert: Fr 14. Jan 2011, 12:52

Re: Die dunkle Prophezeiung

#55

Beitrag von Lyvia » Mi 5. Feb 2020, 19:26

Da hat Alma sich wieder selbst übertroffen stellt sie fest während sie sich eines der noch warmen Brötchen schnappt. Aufmerksame lauscht sie Freya während sie sich den süßen Honig auf das Brötchen streicht.

Naheniel?

Fragend blickt sie kurz auf, als Freya ihr auch schon mehr oder weniger erklärt um wen es sich handelt. Sie runzelt die Stirn und hakt kurz nach.

Mit diesen Füßen hast du noch jemand durch die Prüfungskammern geführt?

Nicht Unglauben liegt in ihrer Stimme, sondern tatsächlich ein Hauch von Bewunderung. Doch das kurze Stocken in Freyas Stimme ist ihr durchaus aufgefallen Sie ignoriert es...vorerst.
Genüsslich beißt sie von dem Brötchen ab.

Warum glaubst du das Tanuri dir nicht glauben wird?

Fragt sie schließlich behutsam, nachdem sie heruntergeschluckt hat. Gewiss hat sie mitbekommen wie das Kind um die Aufmerksamkeit und ein wenig Anerkennung von Seiten Tanuris kämpft. Doch um alle Zusammenhänge tatsächlich zu begreifen, ist sie wohl noch nicht lange genug bei der Legion. Zumal sie auch noch auf dem Anwesen der Familie wohnt und nicht im Haus der Legion.

Was denkst du denn wird passieren, wenn sie dir nicht glaubt?

Offensichtlich hat Freya ziemlich Angst davor….und wenn das Kind, dass einen fremden Mann allein mit wunden Füßen durch die Prüfungskammern geleitet, vor etwas Angst hat, muss das wohl ziemlich schlimm für sie sein.
Aufmunternd schiebt sie Freya den Teller mit den Pfannkuchen ein Stück näher, auch wenn es diese Aufforderung kaum benötigt. Kein Wunder…ihrer Meinung nach macht Alma sowieso die besten Pfannkuchen aller Zeiten.

Seit wann hast du diese Visionen?

Fragt sie unvermittelt und doch behutsam.

Ich habe sie so lange ich mich erinnern kann

Fügt sie an….wohl auch um es ihr zu erleichtern darüber zu reden. Zu gut weiß sie noch wie es damals bei ihr war. Erst hat man ihr nicht geglaubt …es einfach als lebhafte Träume abgetan. Als sie jedoch, klein wie sie war, beharrlich darauf bestand, dass es keine Träume sind, wurde man schnell ungeduldig…ja…bezichtigte sie sogar zu lügen um der Aufmerksamkeit willen. Das war furchtbar….und so hat sie früh gelernt es zu verbergen…für sich zu behalten. Bis zu dem Tag als sie Xyron traf.
Ein verträumtes Lächeln legt sich auf ihre Züge und ihre Gedanken drohen in Erinnerungen abzuschweifen. Rasch schüttelt sie den Kopf, um eben jene Erinnerungen abzuschütteln. Eine andere Zeit...ein anderes Leben…doch nun ist sie hier.
Bild

Benutzeravatar
-Freya-
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 51
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#56

Beitrag von -Freya- » Sa 8. Feb 2020, 19:48

Für einen Moment glänzte der Stolz in ihren Augen und das Lächeln zog sich von einem Ohr zum anderen.  Sie hatte die Zähne zusammengebissen gehabt und es am Ende geschafft. „Ja und der dunkle Vater hat ihn gesegnet.“ strahlt sie für einen Augenblick, in dem ihr Blick ins Leere gleitet und sie sich an das Kribbeln auf ihrer Haut und das Gefühl von Macht erinnert, dass sie in jenem Moment verspürt hatte, als er vor den dunklen Lord getreten war. Es war... unbeschreiblich gewesen..

Aber vermutlich würde es nun Konsequenzen haben. Die Stimme in ihren Gedanken hallte noch immer nach und führte ihr vor Augen, dass sie sich seinem Willen widersetzt hatte. Er hatte ihr gegeben, wonach sie gesucht hatte und trotzdem hatte sie nach Antworten gesucht, anstatt ihm zu vertrauen. Nun würde er vielleicht seine Drohung wahr machen. Er konnte ihr alles wieder nehmen. Kurz senkte sie andächtig ihre Lider und sich über ihre nackten Ärmchen. Vielleicht war es Zeit es einfach mal auszusprechen.

 
„Solange ich denken kann, hatte ich schon solche Träume, die anders waren, als die normalen. Es fühlte sich an, als würde mir jemand etwas zeigen. Dinge, Menschen, Sachen, die ich dann finde, sehe und entdecke. Also die wahr wurden. So als würde mir jemand den Weg weisen, weißt Du.“ versucht sie es grob zu beschreiben, während sie nach einem Glas greift und sich etwas einschenkt. Klar wusste Lyvia es. Zumindest wenn sie nicht flunkerte, wovon sie mal ausging, und dann könnte sie ihr vielleicht helfen.

„Nur die Stimme kam später. Ungefähr kurz bevor er mich mit Tanuri zusammengebracht hat. Und dann wurden die Träume immer merkwürdiger und ich wusste manchmal nicht, ob ich wach war oder träumte.“ Wie ein Fingerzeig, was sie mit merkwürdig meinte,  wanderte ihr Blick auf ihre Füße. Je intensiver sie nach Antworten gesucht hatte, umso schlimmer war es geworden. Aber diese kleinen Details hielt Freya zusammen mit den Bildern der letzten Vision zurück. Wie viel und was Lyvia  davon gesehen hatte, wusste sie nicht.
 „Mit Tante Tanu konnte ich darüber nie wirklich reden. Immer wenn ich es wollte, hat sie herumgeschimpft und hatte keine Zeit.“Kurz nippte sie an ihrer Milch. Sie wusste nur, dass sie jetzt die Konsequenzen dafür tragen musste, dass sie ihm nicht vertraut hatte und dickköpfig ins Orakel gegangen war, um Antworten zu finden, die Tanuri ihr vermutlich niemals geben würde.

„Weißt Du, Tanuri glaubt mir selten etwas. Meist sagt sie ich sei faul und mach nur quatsch, ohne dass sie mir überhaupt zuhört. Nein nicht nur meistens, sondern eigentlich immer. Und dabei stimmt das gar nicht. Ich lern wirklich und versuch sie stolz zu machen. Aber alles was sie sieht, ist nur, dass ich nicht vor Ogrimar treten dar...“ schnell korrigiert sie sich, als sie merkte, dass sie wie ein Wasserfall plapperte. „... will. Und ich mach das ja weil ich sie gern hab. Aber das wird sie mir nich glauben.“ Das Mädchen stellte das Glas auf dem Tablett ab und schaute zu Lyvia. Hoffentlich hatte sie das nun nicht gemerkt, denn sie wollte nicht über das Reden, was sie gesehen hatte. Denn auch wenn Tanuri streng war, so hatte das Mädchen die Tante gern und es würde ihr Tränen in die Augen treiben, wenn sie darüber reden musste. Außerdem würde sie dann auch zugeben, dass sie wider besseren Wissens ins Orakel gegangen war. Etwas, dass ihr nun selbst klar war.

„Die wird sicher sowas sagen wie...“ Freya straffte sich und richtete sich kerzengerade im Bett auf. Leicht hob sich –ganz nach Tanuris Manier- die Augenbraue des Mädchens an, während sie Tanuris strengen abwertenden Blick nachzuahmen versuchte.

„Natürlich Freya, Du warst im Orakel und hast jemanden begleitet. Du ganz allein. Wo ist er denn, dieser jemand? Hm? Ich sehe ihn nirgendwo. Und wo wir schon dabei sind, warum bist Du nicht gleich selbst vor den Herrn geschritten. Erspar uns beiden Deine Lügen, junge Dame“  versuchte sie die Tiraden, die sie schon des Öfteren hatte hören musste annähernd nachzuspielen, bevor sie ihre Schultern wieder hängen liess und Lyvias Blick suchte. Es sollte nicht anmaßend wirken, sondern vielmehr wie ein Resüme aus vielerlei Situationen, in denen man ihr nicht zugehört hatte.


„Ich hätte auf die Warnungen des Einen hören sollen, nun hab ich auch noch den Naheniel verloren und Tanuri wird auch wieder enttäuscht sein und mir kein Wort glauben. Bestimmt schickt sie mich wieder ins Waisenhaus zurück. Damit hat sie schon oft gedroht.“

Das Mädchen nahm den Teller mit dem Pfannkuchenrest und stellte ihn auf dem Tablett ab, denn der Gedanke daran schlug ihr auf den Magen. „Ich versteh sie ja. Wer glaubt schon an sowas.“ schloss sie vorerst ihren Redefluss und strich sich eine verirrte wilde Strähne ihres dunklen Haars aus dem Gesicht. Auch wenn ihre Erzählungen an einigen Stellen sehr lückenhaft waren, so hatte sie Lyvia jetzt schon mehr erzählt, als jedem anderen.

Sie hatte nie um irgendwelche komischen Visionen gebeten, sondern hatte nur einfach eine Familie finden wollen, die sie mochte und die ein bisschen stolz auf sie sein würden. Und das hatte sie jetzt davon. Sie hatte seine eindeutige Warnung nicht ernst genug genommen.

~Ich kann Dir alles nehmen, was ich Dir gegeben habe.~ Kurz schluckte sie, als die Worte in ihren Erinnerungen auftauchten. Er hatte es ihr prophezeit. Hoffentlich war es nicht zu spät, das wieder gerade zu biegen.
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


Benutzeravatar
Lyvia
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 23
Registriert: Fr 14. Jan 2011, 12:52

Re: Die dunkle Prophezeiung

#57

Beitrag von Lyvia » Mi 12. Feb 2020, 09:55

Schweigend hat sie einfach nur zugehört, das Kind reden lassen. Es tut gut, wenn man endlich jemand hat, der einen glaubt, zuhört und nicht nur alles als Lüge oder Fantasie abtut. Erklärungen und Fragen sind geduldig und können warten. Ein Kind, das bisher nicht viel von Leben hatte, darf ungeduldig sein.
Die Art und Weise wie Freya jedoch Tanuri imitiert lässt sie leise lachen, so gelungen scheint es.
Dennoch schweigt auch sie einen Moment nachdem das Kind verstummt, bevor sie mit einem Lächeln auf den Lippen leise sagt.

Nun….ich glaube sowas.

Und oftmals reicht schon ein Mensch aus, der einem glaubt. Sie richtet sich etwas auf und mustert Freya nachdenklich. Es gibt immer noch viele Fragen, auf die sie selbst tatsächlich auch keine Antwort hat und vermutlich auch nie eine erhalten wird, viele Fragen deren Antworten sicher sorgfältig abgewogen sein wollen. Doch ebenso Fragen die eine Antwort verlangen und sicher auch verdienen.

Weißt du...ich glaube Tanuri wurde oft in ihrem Leben angelogen und enttäuscht. Vielleicht ist sie deswegen so. Aber irgendwas sieht sie sicher in dir. Warum hätte sie dich sonst aufnehmen sollen. Auf ihre Art will sie ganz bestimmt nur das Beste für dich. Und als Kind wird einem das nicht immer so klar. Da sieht man eben nicht nur die Tatsachen, sondern will auch einfach mal nur gelobt oder in den Arm genommen werden. Erwachsene vergessen das leider sehr oft.

Ob es sich bei Tanuri wirklich so verhält oder nicht weiß sie nicht. Es wäre eine mögliche Erklärung…aber ebenso möglich, dass Tanuri zu so etwas wie Gefühlen vielleicht gar nicht fähig ist.

Aber eines kann ich dir versprechen. Ins Waisenhaus musst du nicht zurück. Wenn sie dich wirklich wegschickt, was ich nicht glaube…

Denn das konnte nicht einmal sie sich vorstellen.

Kommst du erstmal zu mir. Wir haben hier viel Platz…und viele Pfannkuchen

Fügt sie mit einem Grinsen an. Wenn alle Stricken reißen hätte sie auch immer noch ihre Kammer im Felsendom. Und von Vargus könnte die Kleine sicher ebenso viel lernen wie sie damals. Und sie war ein ungewöhnlich wildes und eigensinnig Kind gewesen. Wenn er mit ihr fertig geworden ist, wird er auch Freya richtig zu nehmen wissen. Wie viele seiner grauen Haare mochte Vargus wohl ihr verdanken? Sie schmunzelt insgeheim, bevor sie etwas ernster fortfährt.

Und was die Warnungen betrifft…nun ja…

Sie lächelt und senkt einen Moment den Kopf, bevor sie fortfährt.

Der Eine sagt uns so gut wie nie was er von uns erwartet. Er schickt uns Bilder, Hinweise, zeigt und seine Macht, wozu er fähig ist….aber so gut wie nie, sagt er uns genau was er erwartet.

Erklärt sie vorsichtig und sieht Freya ernst an, bevor sie fortfährt.

Meist sind die Visionen noch nicht mal für uns, sondern wir sollen sie nur weitergeben. Wir dürfen sehen, aber die Interpretation obliegt meist anderen.

Sie schmunzelt leicht.

Obwohl ich auch immer wieder der Versuchung erliege, Worte, die er mir mitteilt, wortwörtlich zu nehmen, Visionen, Bilder, Gefühle selber erklären zu wollen. Und manchmal sollen wir das auch….. aber manchmal teilt er uns auch etwas mit und meint etwas gänzlich anderes, als das was wir darin sehen. Es ist wohl seine Art…er ist das Chaos.

Eine bittere Erfahrung die sie bereits hinter sich hat, inclusive der damit verbundenen Strafe.

Aber eines hast du richtig erkannt. Er weist uns den Weg….sorgt dafür, dass wir da sind wo er uns gerade brauchen kann.

Sie zuckt leicht mit den Schultern.

Warum sonst sollte er das tun? Er war es ja auch der mich gestern zu dir führte. Also hast du wohl nichts gemacht, was seinen Unmut erregt hätte. Sonst hätte er dich gestraft und nicht mich geschickt, um dir zu helfen.

Sie kichert unerwartet los und ihre Augen funkeln vergnügt auf.

Naja,...vielleicht bin ja auch ich deine Strafe...ich kann ne echte Plage sein.

Doch dann wird sie wieder ernst, fast nachdenklich gleitet ihr Blick einen Moment in die Ferne, bevor sie leise fragt.

Warum willst du denn nicht vor Ogrimar treten?

Obwohl sie sich fast sicher ist die Antwort zu kennen….aber fast sicher ist nicht gleichbedeutend mit ganz sicher,
Bild

Benutzeravatar
-Freya-
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 51
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#58

Beitrag von -Freya- » Fr 14. Feb 2020, 12:53

Aufmerksam lauschte sie der Lyvia. Das Blau ihrer Augen ruhte dabei auf der Erwachsenen, während sie schweigsam an ihrer Milch nippte und die Worte aufsog wie ein Schwamm. Vielleicht hatte die Lyvia ja Recht, und Tanuri mochte sie ja doch. Irgendwie. Und die Tante konnte es nur nicht zeigen. Irgendwie macht dies die Vorstellung nun umso schlimmer, sie wieder enttäuscht zu haben und ihr wurde erneut bei dem Gedanken heimzukehren ein wenig flau im Magen.

Erst, als das vergnügte Funkeln in Lyvias Blick eintraf, liess sie sich mitreissen und  kicherte ebenfalls leise. Nur für einen Moment, denn auch wenn Lyvia recht haben mochte, so war es ihr ein Rätsel, was sie selbst hätte missverstehen sollen. Viel deutlicher konnte der Eine kaum werden. Nein aus ihrer Sicht gab es da nix was sie hätte falsch verstehen können.Kurz schwieg sie deshalb auf die Frage nach dem Warum. Ein kleiner Moment, in dem sie innerlich ihren Mut zusammen nahm. Wenn er die Lyvia geschickt hatte, und das schien ihr einleuchtend, denn auch das Orakel hatte ja gesagt, die Antwort würde sie im Glauben finden, nun dann musste sie auch darüber reden.

Für einen Augenblick senkte sie ihre Lider, holte dann kurz tief Luft, während die Finger ihrer beider Hände das Glas mit Milch umschlossen, als würde sie daran ein wenig Halt suchen.

„Weil alle, die ich gern hab, dann sterben.“ Kam es leise über ihre Lippen.  Die kleinen Knöchel ihrer Finger traten weiß hervor, als sie zu Lyvia aufsah. „Anfangs habe ich gedacht, es wäre ein böser Traum. Aber das hat sich geändert. Denn jedes Mal, wenn ich in das Orakel gegangen bin, wurden diese Träume deutlicher und grausamer.“  Unter einem kurzen Blinzeln schwenkte der Blick auf ihre Füße, bevor er weiter ins Leere glitt und sie die Bilder in ihren Gedanken wieder einholten. „Er hat es mir immer wieder gezeigt. Immer und immer wieder und jedes Mal ein wenig deutlicher.“ 

 

"Keinen Schritt weiter! Du solltest nicht hier sein... " erklang es düster und gleichzeitig warnend in ihren Gedanken. Worte, von denen Freya wusste, dass sie nicht von dem Orakel kamen. Doch war es nicht die körperlose Stimme, welche sie plötzlich und abrupt innehalten liess, sondern ein gleißender Schmerz, der sie sogleich daraufhin durchfuhr.

Ihr Blick senkte sich langsam und mit weit aufgerissenen Augen hinab, während das warme Licht um sie herum langsam einer erneuten Finsternis wich. Einer Finsternis, die sie auf die Knie zwang,. Ihre Hände legten sich auf ihren Bauch und sie konnte in den Schatten und unter ihrem eigenen Blut nur kurz den Blick auf dein Griff eines goldenen Dolches erhaschen, bevor die Welt um sie herum vollkommen verschwamm.


Das Mädchen musste kurz schlucken, als der letzte Moment ihres letzten Traumes, aus dem sie mit den Wunden unter ihren Füssen erwacht war, an ihr abermals vorübergezogen war. Abwehrend schüttelte mit dem Kopf. Untermalend und gleichzeitig die Bilder von sich abschüttelnd. „Nochmal kann ich da nicht hin.“ kam es leise über ihre Lippen. Leise aber dennoch entschlossen. Ein weiteres Mal würde sie das sicher nicht riskieren. Im Grunde war sie froh, dass sie aufgewacht war ohne sich mit dem Dolch im Bauch und in ihrem eigenen Blut wiederzufinden, nachdem sie trotz aller Warnungen dorthin gegangen gewesen ist.  Aber es war nicht der Wiedergeburt wegen gewesen, sondern um Antworten zu finden. Und vielleicht war genau das der Unterschied gewesen. Vielleicht hatte er es gesehen. Aber das nun herauszufinden und ihn dabei noch einmal herausfordern, um seinen Zorn abermals auf sich ziehen? Nein das wollte sie ganz sicher nicht.

„Vielleicht bin ich einfach nicht würdig.“ Klang es fast schon wie ein trauriges Resümee, als die großen blauen Augen sich wieder auf Lyvias Blick legten.
„Und vielleicht sieht Tante Tanuri das genauso.“ Abermals musste sie schlucken. Sie hatte die Tante wirklich gern. Egal wie streng sie war. Nichts war ihr wichtiger. Fast nichts und umso schlimmer zog sich ihr Magen bei dem Gedanken zusammen, dass sie Ogrimar und auch ihre Tante erneut enttäuscht hatte. 

„Kannst Du mitkommen, wenn ich nach Hause muss?“ Zwar war Lyvia nicht Naheniel und konnte ihre Geschichte auch nicht bestätigen. Doch schien Lyvia ihr wenigstens Glauben zu schenken. Vielleicht würde Tanuri ihr durch ihre Anwesenheit wenigstens zuhören. Und vielleicht war sie dann auch weniger enttäuscht.
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


Benutzeravatar
Lyvia
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 23
Registriert: Fr 14. Jan 2011, 12:52

Re: Die dunkle Prophezeiung

#59

Beitrag von Lyvia » Do 20. Feb 2020, 16:40

Sie hat sich etwas zurückgelehnt während sie Freya aufmerksam zu hört. Innerlich jedoch seufzt sie leise. Es ist schwierig…schwierig und kompliziert. Manch Erwachsener würde dies kaum verstehen, wie sollte es da ein kleines Mädchen. Zumal Freya die Angst ins Gesicht geschrieben steht.
 
Bei Ogrimar…das ist nicht fair..Denkt sie innerlich. Doch Ogrimar ist vermutlich nicht fair….denn das würde so gar nicht zum Chaos passen.
 
Und ihr würde es kaum an einem Morgen gelingen, Freya die Feinheiten ihrer Gabe, aber auch die Gefahren alle näher zu bringen. Also am besten eines nach dem anderen…

Weißt du, nicht immer zeigen die Bilder das, was passieren wird oder soll. Manchmal sind es auch Metaphern…Bilder, die für etwas bestimmtes stehen, ohne dies wirklich zu zeigen. Z.B der Gang vor dem Orakel…wir alle gehen dorthin, um uns vor IHM zu beweisen. Für IHN zu sterben, um wiedergeboren zu werden. Und stets ist der Weg schmerzhaft. Es ist eine Prüfung. Und während dieser wandeln wir auf den Knochen derer, die während der Prüfung versagt haben.

Die Visionen können vieles bedeuten und oft wird es einem erst klar, wenn es bereits geschehen ist. Nur sehr selten sind sie klar und deutlich in ihrer Aussage.

Zudem…

Fährt sie behutsam fort.

Du kannst nie sicher sein, ob es wirklich er ist der sich dir mitteilt. Vielleicht versucht auch eine andere Macht dich zu beeinflussen.

Gibt sie leise zu bedenken. Und derer Mächte gibt es nicht wenige, wie sie nur zu gut weiß.

Du musst lernen deinen Instinkten zu Vertrauen, deinem Gefühl. Akzeptiere die Visionen, aber lasse nicht zu das sie dein Leben bestimmen. Du wirst irgendwann wissen, welche nur für dich sind, oder welche auf ihre Erfüllung noch warten. Es ist nicht leicht…doch oft muss man sich in Geduld üben.

Sie greift über das Tablett nach der Hand des Kindes und drückt sie sanft.

Warum hat er dir Naheniel geschickt, um ihn zu führen? Erfolgreich! Wenn er es nicht gewollt hätte wärst du gescheitert. Doch du musst deinem Gefühl vertrauen. Du wirst wissen, wenn du soweit bist diesen Schritt ebenfalls zu gehen. Und so lange du zweifelst ist es richtig das du wartest.

Ein sanftes Lächeln streicht über ihre Lippen, während sie den Blick Freyas erwidert und doch leicht, aber sehr bestimmt, den Kopf schüttelt.

Wärst du nicht würdig hätte er dich nicht erwählt diese Visionen zu empfangen. Doch diese Gabe beinhaltet ebenso, dass du dich dein ganzes Leben lang immer wieder seinen Prüfungen wirst unterziehen müssen. Und jene sind oft schmerzhaft und grausam. Aber wärst du nicht würdig, wärst du nicht erwählt worden.

Ihre Stimme war eindringlich geworden und kurz noch bleibt ihr Blick in den großen blauen Augen ruhen, bevor sie die Beine aus dem Bett schwingt und Freya aufmunternd zulächelt.

Natürlich begleite ich dich.

Allein hätte sie das Kind sowieso nicht gehen lassen, zumal sie ahnt das Tanuri nicht so nachsichtig reagieren wird und die Seelenqual Freyas noch verschlimmert.

Und…egal was ist, also wenn du Fragen, Zweifel oder Angst hast, oder einfach mal jemand zu reden oder ankuscheln brauchst…ich habe immer für dich Zeit und bin für dich da.

Sie sieht Freya von der Seite an, ob jene das auch wirklich gehört und verstanden hat. Sie ist nicht allein und würde diese Last auch nie wieder allein tragen müssen…doch muss ihr dies auch klar sein. Nur dann würde sie dem Kind wirklich eine Hilfe sein können.
Bild

Benutzeravatar
-Freya-
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 51
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#60

Beitrag von -Freya- » Mo 24. Feb 2020, 16:37

Ohne die Lyvia auch nur einmal zu unterbrechen, hatte sie zugehört. Natürlich brannten gefühlte einhundert Fragen auf ihrer Zunge, aber sie biss sich fleissig und nicht minder tapfer auf jene, um nicht los zu plappern.

Angefangen davon, wie die Lyvia das alles so genau wissen konnte, was sie gesehen hatte. Die kleinen Einzelheiten, wie hatte sie das nur gemacht? Das war schon ein bisschen erschreckend, aber gleichzeitig gab es ihr auch den Funken Vertrauen, den es brauchte, um es jener wahrhaftig zu glauben und den Mut zu finden, es aussprechen zu können. Ja denn so war sie sich sicher, dass auch die Lyvia ihr glauben musste.

Ein kleines Lächeln huschte über ihr Gesicht und hinterliess kleine Grübchen auf ihren Wangen, bevor sie der Lyvia direkt hinterher vom Bett hüpfte. Noch immer ein wenig vorsichtig auftretend, ging sie mit ihren  mehr oder minder nackten Füssen auf sie zu und ehe jene auch nur den Anflug eines Einspruch erheben konnte, hatte sie schon ihre kleinen Arme um jene gelegt. „Danke!“ flüsterte sie leise. Ein Danke, dass sowohl ihm, dem einzig wahren, aber zugleich auch der Lyvia galt. Eine Geste, die davon zeugte, dass sie sehr wohl verstanden hatte, was man ihr gesagt hatte.

Für einen Moment schloss sie einfach nur die Augen denn das wohlige Gefühl, endlich nicht mehr allein zu sein war unheimlich warm und beruhigend. 
Und es tat einfach gut zu wissen, dass sie nicht mehr alleine damit umgehen musste, sondern jemand da war, der ihr zuhören würde. Der ihre Fragen beantworten würde. Oh und sie hatte so viele Fragen. So viele, dass sie sich kaum vorstellen konnte, dass die auch nur Lyvia erahnte, wie viele es tatsächlich sein mochten. Aber das würde später noch Zeit haben. Immerhin musste sie der Tante Tanu das ganze noch erklären.

Doch noch war sie nicht bereit los zu lassen. Nein einen kleinen Moment noch wollte sie das noch geniessen. 
nur für einen kurzen Augenblick wollte sie sich erst einmal an die Tante Lyvia kuscheln, während die ganzen anderen Worte von jener noch immer in ihren Gedanken herumgeisterten. Aber wenigstens wusste sie nun mit Sicherheit, dass sie nicht verrückt wurde und das würde die Tanu auch glauben müssen.
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


Bewerte dieses Thema
Antworten

Zurück zu „Bücherei der Geschichten (Schicksalswind)“