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Die dunkle Prophezeiung

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Naheniel
Kräuterkundiger / Kräuterkundige
Beiträge: 16
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#26

Beitrag von Naheniel » Fr 16. Aug 2019, 23:14

So leicht wie er sich das gedacht hatte, schien sie nicht zu überzeugen. Aber das sollte kein Hindernis darstellen. Auf dem restlichen Weg durch das Orakel hatte er lange genug Zeit gehabt, sie zu studieren, ihre Bewegungen zu erforschen, in ihrem Blick in ihre Gedankenwelt hinabzusehen. Wenn sie durch die Visionen verbunden waren, dann hatte sie auch das gesehen, was er gesehen hatte.
Leichenberge, Düsternis, die Asche von den Toten.
War auch sie magisch angezogen worden von diesen Bildern? Sie war hier alleine gewesen, und das obwohl sie an ihrer Robe das Siegel einer Gilde trug. Waren Gildenschwestern und Gildenbrüder nicht stets füreinander da? Und standen einander zur Seite? Er hatte sie hier völlig alleine angetroffen, sichtlich verwirrt noch dazu.
Vielleicht war sie ja von ihrer Gilde verstoßen wurden und trug das Wappen unerlaubt weiter.
Vielleicht hatte sie von der Vision erzählt und war belächelt und hinfortgejagt worden. Wie auch immer, er würde sie dazu nicht befragen können. Nicht in dieser kurzen Zeit. Deshalb musst er es riskieren. Ein Wagnis, dessen Ende er noch nicht herbeisehen konnte, doch was blieb ihm anderes übrig? Für ihn zählte einzig und alleine diese Verbindung zu trennen, denn, so glaubte er immer mehr, sie war nicht von Ogrimar geschmiedet worden.
Was sollte dieses kleine Kind für einen Zweck in seinem großen Plan haben? 
 
„Ich finde wirklich, dass Ihr das großartig gemacht habt, kleine Lady. Alleine hätte ich diesen Weg niemals geschafft. Dafür, dass Ihr noch so klein seid, scheint Ihr Eurer Magie wirklich sehr sicher zu sein.
Er setzte wieder dieses Lächeln auf, welches er bereits dem Bibliothekar geschenkt hatte, ein Lächeln, das niemals etwas Böses vermuten lassen würde. 
„Wisst Ihr, das mag seltsam für Euch klingen... aber es scheint mir, als wäre ich schon einmal hier gewesen. Ich kann Euch nicht einmal beschreiben, warum ich das denke.
Es kommt mir alles so vertraut vor. Lächerlich, nicht wahr? Als Kind hatte ich häufiger seltsame Träume. Träume, die sich so real anfühlten. Einmal habe ich meinen Eltern davon erzählt, weil ich dachte...“

er lachte kurz peinlich berührt auf, „weil ich wirklich so dumm war und dachte, der einzig Wahre hätte mir diese Träume geschickt um mich durch diese Welt zu leiten. Das Ende vom Lied war, dass sie mich verstießen. So jemand wie ich war für unsere ehrfürchtige Familie nicht mehr tragbar.“

Er brachte diese Lüge so glaubhaft vor, dass er schon fast versucht war, sie selbst zu glauben.
Erkannte er Mitleid in ihrem Gesicht?
Oder war es vielleicht sogar ein Teil der Selbstidentifikation?
Hatte er etwa genau den Nerv getroffen, den er treffen wollte?

„Heute schäme ich mich dafür, dass ich jemals geglaubt habe, dass ich zum Kreis derer gehören würde, durch den Ogrimar spricht.“ Er zuckte ergeben mit den Schultern und hielt einige Augenblicke mit gesenktem Kopf inne.
Die Versuchung war sehr groß jetzt in ihr Gesicht zu blicken und aus diesem zu lesen, was sie dachte.
Doch er widerstand. Leise, aber fast mit kindlicher Unschuld sprach er weiter:
„Aber wisst Ihr, irgendwie haben mich diese Träume niemals losgelassen. Heute habe ich sie nicht mehr, vielleicht, weil ich sie später verleugnet habe? Aber diese Faszination und gleichzeitige Angst die sie in mir ausgelöst haben … und bis heute tun, diese ist ungebrochen. Aber es ist auch etwas anderes... etwas, von dem man gar nicht sprechen darf... Vielleicht ein klein wenig Faszination?"
Nun wagte er es, ihr direkt in die Augen zu sehen. Und was er dort sah, erfreute ihn so sehr, dass es ihm nur schwer fiel, nicht laut loszulachen.
Er hatte sie erwischt.

Sie nickte, zwar sehr zögerlich aber sie nickte. Mit einem gespielten Erstaunen betrachtete er sie weiter und flüsterte ganz leise:
„Ihr versteht mich?“
Wieder ein Nicken, nicht mehr ganz so zögerlich:
„Ich kenne diese Träume …“
Die Worte kamen ihr so leise über die Lippen, dass er sie kaum verstand. Doch sie waren ausgesprochen worden. Triumph breitete sich in ihm aus.

Aber er wusste, dass die Schlacht noch nicht geschlagen war.
Sie musste ihn zum Orakel begleiten. Nach diesen wenigen Worten war er sich sicher, dass sie es war, nach der er suchte. Sie war jung, unbedarft und völlig alleine hier. Niemand konnte sie lenken, ihr irgendetwas einflüstern.
Nur er.

Und so war es jetzt an ihm, ihre kindliche Unerfahrenheit, ihre Ängste und doch auch … nun wenn sie ein klein wenig so war wie er als Kind, als er zum ersten Mal die Visionen hatte … diese Neugier nach dem Unbekannten, nach der Finsternis die nach ihnen gegriffen hatte.
Vorsichtig ging er einen Schritt auf sie zu, immer noch im gebührenden Abstand zu ihr um sie nicht zu verschrecken, aber doch, um etwas Nähe zu schaffen, damit sie sich nicht fürchten musste vor ihrer eigenen Angst und vor ihren eigenen Gedanken und der verworrenen Gefühlswelt die sie erfasst hatte, seitdem sie die Visionen gehabt hatte. 

„Hast Du je dahin gestrebt, wo das Unerforschte lebt? Ganz weit fort, an einen Ort, wo die Finsternis ihre Geheimnisse verdeckt? 
Zieht das Düstere Dich an, schlägt es auch Dich in seinen Bann? Willst Du es sehen und verstehen, was die Dunkelheit verbirgt?“
Seine Stimme wurde immer leiser. Fast schon zögerlich sah er auf sie hinab, gar so, als würde er sich für seine Worte schämen und Angst davor haben, was sie für diese Offenbarung von ihm halten würde. 
„Wenn die Dämmerung beginnt, spürst Du das dort Dinge sind... Dinge die noch keiner sah und auch Du fühlst Dich ihnen nah?“ Ohne eine Antwort abzuwarten sprach er weiter, jetzt wieder mit etwas lauterer, von sich überzeugterer Stimme und einem nur schwer deutbaren Funkeln in den Augen. 
„Bist Du innerlich erhitzt, wenn Du Grenzen übertrittst? Fühlst Du Dich mit der Dunkelheit verwandt, wie durch ein unsichtbares Band? Treibt Dein Sinn Dich dorthin, wo das Verbotene sich verbirgt? Wenn die Nacht ihr Haupt erhebt, spürst Du wie es in Dir bebt? 
Betrittst Du dann diesen Ort, spürst Du den Einen dort, dort wo die Zeit nicht verrinnt und der nach Deinen Träumen beginnt? 
Fühlst Du dort Dinge, die kaum aussprechbar? Fern von einfach und greifbar? 
Mit einer kurzen Geste seiner rechten Hand wies er den Säulengang hinab und ließ dabei seinen Blick auf ihr ruhen. Seine blauen Augen betrachteten sie, neugierig, auffordernd und immer noch mit etwas, das sie nicht zu deuten vermochte. 
 
"Folgst Du mir nun dorthin, wo das Wissen um die Ungewissheit sich verbirgt?"
 

 
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-Freya-
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#27

Beitrag von -Freya- » Sa 17. Aug 2019, 19:01

Ihr Körper fühlte sich müde und matt an und am liebsten wäre sie unter anderen Umständen einfach in ihr Bett gekrochen und hätte die Augen zugemacht. Doch jenes war weit entfernt und nicht zuletzt waren es seine Worte, die sie spürbar immer mehr in seinen Bann zogen.

Trotz aller Erschöpfung, die ihr ins Gesicht geschrieben stand,  sah sie mit großen Augen zu Naheniel hinauf. Das, was er ihr da erzählte. Es klang alles so vertraut und es konnte unmöglich ein Trick sein. Niemand wusste davon, mit niemandem hatte sie darüber gesprochen und zwar genau aus jenen Ängsten, deren Berechtigung er ihr mit seiner Geschichte bestätigte. Woher sollte er es also wissen, wenn er es nicht selbst erlebt hatte. Nur jemand, der es selbst gesehen oder gespürt hatte konnte es auf diese Art beschreiben.  


Es tat ihr dabei mehr als leid, dass niemand ihm scheinbar geglaubt hatte und sich seine Familie von ihm abgewandt hatte. Das war gemein und grausam und nicht zuletzt auch ihre größte Angst, welche nicht zuletzt der Grund dafür war, dass sie selbst darüber geschwiegen hatte. Um nichts in der Welt wollte sie von ihrer Gilde, die ihr wie eine Familie vorkam, verstoßen werden. Ebenso wenig wie sie wollte, dass einem von ihnen etwas schlimmes zustieß. Beides wäre eine Katastrophe.

Während er sprach, klebte sie förmlich an seinen Lippen, denn mit vielem hatte sie bis hierher gerechnet, aber nicht mit einer solchen Offenbarung und dem Zufall einer solchen Gemeinsamkeit, durch welche sie sich ihm gegenüber irgendwie mit einem Mal verbunden fühlte. Dass ihre Gedanken, vielleicht sogar Gefühle ihr dabei ins Gesicht geschrieben standen und er in ihm lesen konnte, wie in einem offenen Buch, erahnte sie nicht einmal annähernd. Denn das alles, was über seine Lippen kam schien ihr so vertraut, so als könnte er der erste sein, bei dem auch sie sich öffnen konnte, dass er sie vielleicht sogar verstehen würde oder helfen konnte, wie es die anderen Erwachsenen sicherlich nicht vermochten.

All dies - die Angst vor dem Ungewissen, dem Wieso und Warum, aber gleichzeitig auch die Faszination und Neugier, ein klein wenig zu erfahren oder zu sehen, das anderen verborgen blieb. Ja sie kannte es zu gut. Jedes seiner Worte schien sie daher aufzusaugen und es wurde mit jedem Satz, den er sprach, schwieriger all die Fragen zurückzuhalten, die sich ihr auftaten.  Allem voran die Frage nach seiner Vision von dem Säulengang und ob sie darin vorgekommen war. Doch dazu kam sie nicht. Nein, so viel sie auch hinterfragen wollte, sein erwartungsvoller Blick ruhte spürbar auf ihrer kleinen Gestalt und erwartete eine Antwort, welche ihre Augen bereits verrieten, bevor sie selbst ihre Entscheidung bewusst traf.  Sollte sie ihm folgen? Aber was, wenn er sich doch als das entpuppte, vor dem sie gewarnt worden war.

Da war noch immer die Angst. Doch wich diese nach und nach der Faszination, zumindest so wie er es ihr schilderte und dabei durch seine Wortwahl und Betonung dem ganzen irgendwie einen vollkommen anderen Blickwinkel verlieh. Die Träume, die Worte, welche in ihren Gedanken auftauchten, und nicht zuletzt die körperlose Stimme, welche allerdings erst zur ihr gesprochen hatte, nachdem sie die Warnungen ignoriert hatte. Mit niemandem hatte sie es teilen können. Bis jetzt. Das war einfach unfassbar!

Zögerlich machte sie einen Schritt auf ihn zu, sah zu ihm auf, in seine Augen in denen sich das Licht der Fackeln warm widerspiegelte.  Es schien ihr gar unmöglich, dass ihm diese kalten berechnenden Augen gehörten. Und doch brannte die Frage danach unter ihren Nägeln, ob er sie in einem seiner Träume gesehen hatte oder es vielleicht sogar derselbe gewesen war. Und wenn, warum man sie vielleicht gar vor ihm hatte warnen wollen.

Doch schien er auf eine Weise genauso verwirrt und zu sein wie sie und bei Ogrimar, nun da sie jemanden vielleicht zum Reden gefunden hatte, würde sie sich das nicht durch irgendwelche, vielleicht sogar selbst gesäten Zweifel wieder nehmen lassen. So sah sie mit einem unschuldigen Augenaufschlag zu ihm hoch und deutete ein Nicken als Zeichen dafür an, dass sie gewillt war mit ihm zu gehen, ganz egal ob es ein Spiel mit dem Feuer sein mochte. Der Reiz des Verbotenen und die Hoffnung, dass er vielleicht sogar Antworten haben würde, waren zu groß, als dass sie sich wieder in ihr Schneckenhaus verkriechen wollte.

„Bist Du vielleicht auch deswegen hier? Um Antworten zu finden?“ sprach sie leise, aber etwas wohnte ihrer Stimme inne, das darauf hindeutete, dass sie langsam ihm gegenüber auftaute. Seine Ausstrahlung auf sie war mitreißend, lockend und nicht zuletzt ermutigte er das Mädchen. Weshalb auch immer er das tat und was auch immer seine Gründe dafür sein mochten.

Fast unmerklich hob sie dabei ihre Hand, um seine zu nehmen und ihm zu folgen.  Eine vermutlich unerwartete Geste für ihn, doch ebenso überraschend durchfuhr sie ein blitzartiges Gefühl, als ihre Fingerspitzen ihn streiften. Es war nur der Bruchteil einer Sekunde, in dem sie seine Hand berührt hatte und sogleich etwas Magisches und zugleich Schmerzhaftes dafür Sorge trug, dass sie ihre Hand unmittelbar wieder zurückzog. War dies eine Warnung? Sie wagte es nicht dabei seinen Blick zu suchen oder ihn darauf anzusprechen, denn sie war sich sicher, dass auch er es gespürt hatte.


Aber auch wenn dies das mulmige Gefühl der Gefahr in ihrem Bauch noch weiter verstärkte, diese düstere Ahnung, dass sie dabei war einen großen Fehler begehen, so überzeugt schien sie dennoch, dass sie kurz davor war den Schleier zu lüften. Nun wegzulaufen würde sie vielleicht der einzigen Chance berauben mit jemandem zu sprechen, der sie verstand, der vielleicht schon mehr wusste, als sie selbst und der bereit war bis zum Ende zu gehen. 

Selbstredend würde sie auf sich aufpassen, aber sie durfte sich weder von ihrer Angst lenken noch von Misstrauen von ihrem Ziel abbringen lassen. Zumindest redete das Mädchen sich dies ein. Nicht jetzt, wo sie sich zum ersten Mal verstanden vorkam. Ihn nun offen gar als Mörder und Wahnsinnigen einzustufen würde sowieso zu weit gehen und sich einfach abzuwenden ,würde sie nicht minder von jenen unterscheiden, die sie in seiner Geschichte verurteilt hatte und welche sie dazu bewog daran zu glauben, dass alles was geschah einen tieferen Sinn ergeben würde. Dass es vielleicht sogar eine Prüfung des Schicksals selbst sein mochte und sie zusammen am Ende das finden würden, wonach sie suchten.

So trat das Mädchen in den Säulengang und folgte diesem an seiner Seite mit ruhigen Schritten ohne ihn oder seinen Schatten, der sich im Fackelschein tanzend nebenher bewegte aus den Augen zu lassen. Um von diesem kleinen elektrisierenden Schlag schnell abzulenken oder vielmehr so zu tun, als habe sie ihn eigentlich gar nicht verspürt, plapperte sie neugierig eine der Fragen heraus, die ihr auf der Zunge brannten.

„Wenn nicht er es war, der zu uns sprach, was denkst Du, wer ist es dann?“ Die geweckte Begeisterung und Neugier in ihrer Stimme konnte sie dabei nicht unterdrücken. Ihrer Meinung nach lief nämlich alles bisher nur an einer Stelle zusammen - all die Bilder, Visionen und Worte, welche ihr immer wieder wie ein Déjà-vu vorgekommen waren. Sie alle hatten, neben der Tatsache, dass sie alle wahr geworden waren, eine Gemeinsamkeit gehabt - den dunklen Lord.  Und wenn nicht er dahinter steckte, war die Frage mehr als berechtigt. Oder nicht?

Ein wenig verunsichert fuhr sie sich mit den Fingern um ihr Handgelenk. Dort an jene Stelle, wo jemand oder etwas sie im Traum gepackt hatte. Wenn es nicht er war, wer hatte dann versucht sie zu warnen oder zu verunsichern und weshalb? 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


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Naheniel
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#28

Beitrag von Naheniel » So 18. Aug 2019, 22:40

Er hatte es auch gespürt, dieses kurze elektrische Knistern zwischen der ihrigen und der seinen Hand, an den Fingerkuppen war es gewesen, als hätten sich kleine gefährliche Blitze entladen.
Doch er war nicht zurückgeschreckt.
Lieber wollte er dieses Zeichen mit Vorsicht genießen und das Mädchen nicht gleich wieder verschrecken. Schien sie doch immer noch zögerlich ihm gegenüber zu sein.
Dummes, kleines Gör. Wie schwer konnte es den sein, ein kleines Kind von seiner Rechtschaffenheit zu überzeugen? 
Noch würde er sie gewähren lassen.
Doch sah er diese Berührung als Warnung an. Er war sich nahezu sicher, dass sie aus dem feindlichen Lager geschickt wurde. Vielleicht wusste sie selbst gar nichts davon, dass sie nur benutzt wurde.
Das würde so einiges erklären, schließlich verplapperten sich so kleine Kinder recht häufig.
Aber, dass sie sich nicht berühren konnten, das musste einfach eine Warnung des dunklen Herrn sein.
War sie gar wirklich eine Dienerin des Götzengottes im falschen Gewand?
Eiskalt lief es ihm bei diesem Gedanken den Rücken hinab. Da konnte er sich nur glücklich schätzen, dass er diesen Abschaum nicht angefasst hatte.
Finsternis legte sich über seinen Blick, als er daran dachte, dass er es fast zugelassen hatte, dass jemand von diesem widerwärtigen Pack seine Haut berührt hätte. Rein und gesegnet von Ogrimar.
Wohl war sie nun in ihrem aufgeregten Eifer doch etwas unvorsichtig geworden und einige Schritte vor ihn getreten. Hingerissen von seinem Zorn auf sich selbst und seinem fahrlässigen Verhalten war er versucht,
ihr jetzt und an dieser Stelle das Leben zu nehmen, welches ihr wohl von den Dienern dieses falschen Gottes eingehaucht worden war.
Seine Hand fuhr mit gespreizten Fingern fast schon zärtlich der Rundung ihres kindlichen Kopfes entlang, jedoch ohne diesen zu berühren.
'Kleines, unschuldiges Mädchen. Wenn Du nur die Tragweite Deiner Anwesenheit hier erahnen könntest.. ' dachte er bei sich.
Abrupt drehte sie sich zu ihm um und sah ihn mit fragendem Blick an, als würde sie auf die Antwort einer Frage warten.
Hastig zog er seine Hand zurück. Nein, es wäre nun verkehrt, den Kopf zu verlieren. Er musste sich in Geduld üben, denn er wusste nicht, was nach diesem Säulengang noch auf ihn wartete.
Schließlich wollte sie ihn zuerst alleine weiter schicken. Wer weiß, ob dies nicht am Ende eine Falle gewesen wäre und noch weitere bösartige Wesen auf ihn lauerten. 
 
Wenn er sie also durch den Prozess der Wiedergeburt riss und sie stand hier, auf der Seite Ogrimars, würde der Eine sie tatsächlich in Stücke zerreißen, sobald die Worte gesprochen waren.
Was für ein herrlicher Gedanke das war. Und er wäre Zeuge dessen! Zeuge über diese Macht des einzig Wahren.
Für dieses Bild und diese Genugtuung, dem Götzengott ein Schnippchen zu schlagen, würde er sich zu gerne gedulden. Verzückung erfüllte ihn, die das Mädchen nun deuten könnte als ähnliche Aufregung, die sie ob seiner Worte gepackt hatte. Sollte ihm nur recht sein. 
„Das ist eine gute Frage. Ich hatte die Hoffnung, dass uns das Orakel diese Fragen beantworten kann. In der Bibliothek wurde mir nämlich verraten, dass das Orakel alles weiß!“ er sah mit etwas ungläubigem Blick auf sie herab. „Ich kann mir zwar beileibe nicht vorstellen, dass jemand wirklich ALLES weiß, aber auf einen Versuch kann man es ja ankommen lassen, nicht wahr?“
er lächelte ihr aufmunternd zu. „Und außerdem..“ verlegen strich er sich durch sein blondes Haar. „Selbst wenn wir keinen Erfolg beim Orakel haben, den Lohn für die Mühen diesen Ort hier zu betreten, habe ich schon bekommen. Schließlich habe ich Euch hier gefunden kleine Lady.
Endlich jemanden, der mich versteht und mich nicht für meine Träume auslacht. Wisst Ihr, seid damals, habe ich das nämlich niemandem mehr erzählt.“


Mit diesen Worten schritten sie gemeinsam weiter durch den Säulengang, sie wieder direkt neben ihm, nun wieder in gebührendem Abstand und mehr darauf bedacht, dass sie keinen Schritt vor ihm ging.
Und wie sie da so gingen, erreichten sie die letzte Treppe, die letzte Türe, die sie noch von dem Raum des allwissenden Orakels trennte.
Ein leichtes Schauern packte ihn, als er sich zurückerinnerte an die Vision, wie das Mädchen vor ihm lag,
die schwarze Asche, die auf ihr Haupt regnete.
Fast schon war es, als wäre er wieder direkt in dieser Szene. Welch ein Genuss würde es sein, sie aus diesem Leben zu reißen. Doch von all diesen Gedanken ließ er sich nichts anmerken.

Im Gegenteil, charmant verneigte er sich vor ihr, bevor sie den letzten Raum betreten sollten und deutete ihr mit einer galanten Handbewegung den Vortritt. „
My Lady, der letzte Schritt zu diesem mächtigen Wesen soll Euch gebühren!“ wieder blickte er auf ihren mit schwarzen Haaren bedeckten Kopf hinab mit einem schelmischen Lächeln auf den Lippen. „Schreitet ruhig voran, dann wenn ich ehrlich bin,
fürchte ich mich nun doch ein wenig und hoffe auf Euren Schutz!“
 ... 'Und auf Deinen baldigen Tod... dass dieses leidige Band getrennt sein möge.' fügte er in Gedanken hinzu.
 

 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#29

Beitrag von -Freya- » Mo 19. Aug 2019, 16:21

Sicherlich waren da noch immer die Bilder ihrer Vision in ihren Gedanken und säten Zweifel im Vertrauen darauf, dass er als Diener des Einen ihr wohlgesonnen sei. Doch seine Worte selbst vermochten es, sie nach und nach immer mehr in seinen Bann zu ziehen.

Ob sich dies auf ihrem Gesicht widerspiegelte, nun das konnte durchaus sein, denn darüber machte sie sich als solches keine Gedanken, außer, dass sie versuchte die innere Stimme, die in ihrem Bauch laut wurde, zu unterdrücken.

Immerhin waren es gemischte Empfindungen, mit denen sie an seiner Seite den Säulengang entlang geschritten war. Zuerst erschien es ihr einfach wundervoll jemanden gefunden zu haben, der diese Bilder teilte, doch war er sehr engagiert dabei, sie bis zum Ende mitzunehmen.

Kurz dachte sie an das Gefühl, das sie gespürt hatte, als sie ihn berührt hatte. Dieses Kribbeln, abschreckend, aber nicht weniger magisch.  Eine weitere Mischung aus Faszination und Angst. Und mit jener Euphorie und Begeisterung er von seinen Visionen erzählte,  liess sie wahrlich unvorsichtig werden.

Ein leichtes Glänzen huschte über ihre Augen bei dem Gedanken mit jemandem Reden zu können und von jemandem, der ganz bestimmt schon viel mehr gelernt hatte  wie sie, vielleicht über die Bedeutung dessen zu erfahren. Da waren so unendlich viele Fragen. Fragen an das Orakel, Fragen an ihn. Und doch war da bei all der Neugier noch immer die Angst, die sie tief im inneren beherrschte, diese auszusprechen. Die Furcht vor der Antwort.

Es war ein ernüchternder Wimpernschlag, welcher für den Bruchteil einer Sekunde die Bilder beinahe wieder lebendig vor ihr inneres Auge führte und sie fühlen liess, wie sie denselben Weg durch das Zwielicht und den Ascheregen hinweg über die Leichen bereits gegangen war.  Sie konnte fast Bitterkeit die Asche schmecken und das süße verbrannte Fleisch riechen. Kurz blickte sie nach oben - über sich - so als erwarte sie dort irgendetwas zu entdecken. Etwas, das darauf hindeuten würde, dass sie die Schwelle zwischen Traum und Realität durchschritten. Doch nichts dergleichen geschah.

Stattdessen bemerkte sie, dass sie bereits ein paar Schritte vor ihm lief. Er in ihrem Rücken. Kurz musste sie schlucken. Fast bedrohlich wirkte der Schatten, den er im Fackelschein warf und welcher  hinterrücks über ihrem Kopf wie das Schwert des Damokles schwebte. Für einen Augenblick wurde ihr übel und das Ziehen in ihrem Bauch fühlte sich wie ein Dolchstoß an. Oh nein.

Abrupt blieb sie stehen und drehte sich mit großen Augen zu ihm herum, voller Erwartung etwas Goldenes vor sich aufblitzen zu sehen.  Doch alles was sie sah, war Nichts. Erleichtert stellte sie jedoch fest, dass es nur seine Hand allein war, die sich nach ihr ausgestreckt hatte und mit der er ihr offenbar lediglich über das Haar hatte streichen wollen. Eine Geste, von der sie ihn vermutlich durch ihr stoppen abgehalten hatte.

Kurz musste sie lächeln. Ihre Fantasie ging wohl wirklich mit ihr durch. Das Blau ihrer Augen wanderte musternd über ihn und wurde dabei ein wenig weicher und offener. Denn da war kein Dolch, keine eiskalten Augen und erst recht nirgendwo war der Tod zu sehen.

Nur der fremde Mann, der sie liebevoll 'kleine Lady' nannte und der ehrwürdige Ort der Wiedergeburt, der vor ihm lag. Nein, das wollte sie nun keinesfalls zerstören.

Nicht ihm, dem sie so viele Fragen stellen wollte und der sie trotz ihrer Skepsis immer mehr in seinen  Bann zog. ~Hör auf damit Freya...~ tadelte sie sich innerlich selbst.

Aber auch wenn sie diesen Vorsatz für sich hegte, achtete etwas in dem Mädchen unterbewusst darauf an seiner Seite zu bleiben und nicht wieder vorzulaufen, da sie das Gefühl des Unbehagens nicht vollkommen abschütteln konnte.

"Ich würde niemals über die Träume eines anderen lachen. Aber ich weiß genau, wie Du Dich fühlst." nickte sie nur zustimmend. Wobei sie nicht Angst davor hatte, dass man sie auslachte, sondern eher für verrückt erklärte und sie dadurch ihre ‚Familie‘ verlieren würde. Gerade wollte sie noch die Frage stellen, was er in dem Säulengang in seinem Traum gesehen hatte, ganz unverfänglich, als sie jedoch den letzten Treppenabsatz bereits erreicht hatten. Wie ein Geistesblitz kam ihr dabei der Gedanke, dass er vielleicht selbst Bedenken hatte. Es war eigentlich nachvollziehbar, dass er aufrichtig waren und sie beide einfach nur vor der gleichen Sache Angst hatten. Also mehr oder weniger, denn die Tante Tanuri oder Morrigan und den Rest der Legion kannte er natürlich nicht, aber er hatte sicher auch Freunde und hatte die bestimmt dann stattdessen gesehen. Ja, das musste es sein, denn wenn sie ehrlich war, standen sie ja schon fast am Ziel und bisher war nichts von allem eingetreten.

Vielleicht liess er sie deshalb und aus dem gleichen Grund vorlaufen, wie sie danach strebte an seiner Seite zu bleiben. Hm vielleicht war er nämlich genauso unsicher wie sie. Hatte er ähnlich verstörende Bilder gesehen?


"Wir gehen zusammen. Oder vertraust du mir nicht?" Ein leichtes Grinsen huschte über ihre Züge, doch aufgrund ihrer inneren Angst, erreichte jenes nicht vollkommen ihre Augen, um diesen den aufmunternden neckenden Glanz zu verleihen. "Du hast mir noch gar nicht erzählt, was Du in dem Gang gesehen hast in deinem Traum." Mutig nahm sie aller Zweifel zum Trotz und ohne zu wissen, ob er ihren Worten folgte, die erste Stufe und schaute nur kurz mit fragenden Augen und einem neugierigen Lächeln auf den Lippen über die Schulter hinweg zu ihm. Immerhin hatte sie nun das Gefühl eine gute Erklärung für sein Drängen zu haben und alles weitere nun das würden sie dann zusammen das Orakel fragen. Ganz genau! 
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Naheniel
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#30

Beitrag von Naheniel » Mo 2. Sep 2019, 21:21

Dummes kleines Kind, konnte sie nicht endlich Ruhe geben und ihre Fragen zurückhalten? Es wurde ihm langsam lästig, immer und immer auf sie einzugehen. Dabei wollte er doch nur endlich den Weg zum Orakel vollenden und sich ihrer entledigen.
Aber nein, ständig dieses unnötige Geplappere. Hätte er gekonnt, hätte er die Augen verdreht.

Doch natürlich musste er sich weiter zurückhalten und in Geduld üben. Bei Ogrimar, das war wirklich eine harte Prüfung, die er sich zu unterziehen hatte.
Er hatte Kinder noch nie gemocht. Selbst als er eines gewesen har, waren sie ihm immer nur auf die Nerven gegangen. Seiner Meinung nach waren sie vollkommen unnötig für diese Welt. Dieses unschuldige Lächeln, die großen fragenden Augen, überall verursachten sie nur Müll und Scherereien. 

Seine Eltern hatten ihn bereits früh als Erwachsenen erzogen, auch sie mochten keine Kinder und hatten ihm immer wieder gesagt, dass er nur dem einen Zweck diene, Ogrimar treu ergeben zu sein und seinen Lehren bis aufs kleinste Wort zu folgen.
Er war gezeugt worden, um eine Unterstützung für den einzig Wahren im Kampf gegen die Diener des Götzengottes zu sein. Nicht weniger. Kind sein kannte er nicht und verurteilte er deshalb.

Als er noch ein kleiner Junge war, so um die 3 Jahre, hatte ihm ein Gaukler auf dem Markt einen kleinen Bären aus Stoff geschenkt.
Wohl weil er diesen mit so großen Augen betrachtet hatte, kannte er das doch nicht von zu Hause. Fasziniert hatte er den Bären in seinen Händen gehalten und ihm verwundert über den Kopf gestreichelt.
Seltsame Gefühle hatte es in ihm ausgelöst und das Bedürfnis, dieses Ding, was nur ihm gehörte, fest an sich zu drücken und zu beschützen.
Als seine Mutter den Bären in seinem Arm sah, hatte sich ein grausames Lachen über ihr Gesicht gezeichnet.
Bis heute hatte er das nicht vergessen, den Klang und wie kalt ihre Augen dabei gewirkt hatten.
Sie hatte ihn ausgelacht für seine kindlich unangemessenen Gefühle und den Teddybären mit einem kurz geflüsterten Feuerzauber zu Asche in seinen Händen verwandelt.
Tränen waren in seine Augen gestiegen, doch hatte er sie schnell heruntergeschluckt. Er wusste, hätte er auch nur den Hauch eines Gefühls gezeigt, wäre sie bitter enttäuscht von ihm gewesen.



Und nun stand er hier und hatte dieses Kind an seinem Robenzipfel kleben. So unschuldig war sie, schien noch nicht viel Böses von der Welt gesehen zu haben. Wäre die Lage eine andere, hätte er sich durchaus vorstellen können, sie für seine Zwecke zu benutzen.
Oh ja, sie wäre bestimmt ein wunderbares Werkzeug.
Doch traute er ihr nicht einmal soweit, wie er spucken konnte. Sie musste zu den Anhängern des weißen Götzengottes gehören, anders ließ sich diese Situation in die er geraten war einfach nicht erklären.
 „Aber natürlich vertraue ich Euch! Ich meine... Seht Euch nur einmal um! Ihr habt mich hier durch feuerspeiende Drachen geführt, einfach so. Als wäre es nichts. Wenn man es genau nimmt...“ er schnippte einmal kurz mit den Fingern zur Untermalung des Gesagten und betrachtete sie mit großer Bewunderung, „habt Ihr ja schon auch ein wenig Euer Leben für das meine riskiert.
Und dabei kennen wir uns doch überhaupt nicht. Wenn ich nicht Euch vertrauen sollte, kleine Lady, wem denn dann?“

Als er zu ihr herabsah zuckte er leicht mit den Schultern. „Sonst habe ich doch auch keinen, dem ich vertrauen könnte. Also muss ich wohl oder übel auf Eure Gunst vertrauen, nicht wahr?“ Ein amüsiertes Schmunzeln huschte über seine Lippen. 


Mein Traum...“ er schüttelte sich ein wenig, gar so, als würde er damit versuchen die schlimmen Erinnerungen die damit verbunden waren loszuwerden. „Wisst Ihr, ich kann mich nur noch bruchstückhaft daran erinnern. Aber … Es hat mir ein wenig Angst gemacht.“
Seine letzten Worte flüsterte er, es klang fast so, als würde er sich schämen.
„Verzeiht, kleine Lady, Ihr müsst mich für ziemlich nutzlos und ängstlich halten. Alleine durchs Orakel schaffe ich es nicht und von einem Traum fürchte ich mich so lange danach immer noch ein wenig. Aber glaubt mir, ich kann auch recht mutig sein.“ er grinste sie verschmitzt an,
„Als ich noch ein wenig jünger war, habe ich einem Jungen der mit mir die Lehren Ogrimars studierte ein Säckchen bunter Bonbons geklaut, weil er immer so frech zu mir war. Ich muss dazu sagen, er war mindestens einen Kopf größer als ich!“

Auch seine Augen lächelten bei der Erzählung mit. Im Lügen war er schon immer recht gut gewesen, das Gefühle vortäuschen hingegen lernte er noch. Ob es bei ihr fruchten würde?
 Während er so dahin erzählte und damit von ihrem eigentlichen Thema ablenkte, kamen sie dem Orakel immer näher.

Nur noch wenige Augenblicke würden ihn von seinem Triumph trennen und die Belohnung die der einzig Wahre für ihn bereithielt ließ ihn bereits bei dem Gedanken daran wohlig erschauern.  
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So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

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-Freya-
Bauer / Bäuerin
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#31

Beitrag von -Freya- » Mi 4. Sep 2019, 14:11

Schweigsam schritt sie neben Naheniel her und hatte nicht einmal bemerkt, dass sie in einer zunehmenden Faszination immer mehr an seinen Lippen klebte, während sie seiner Geschichte lauschte. Ihre Wangen unter dem leicht zerzausten Zopf  waren ein wenig gerötet, was nicht nur den Anstrengungen des Weges geschuldet war, sondern auch ein wenig der Verlegenheit entsprang, die er mit seinen schmeichelnden Worten in ihr hervorrief, auf die sie jedoch nicht weiter einging.

Es vermittelte ihr jedoch das Gefühl, dass er ihr vertraute und hey, da er, ein großer Mann, sogar über seine Ängste sprach, war sie sich sicher, dass er wohl kaum ein eiskalter meuchelnder Schurke sein konnte. Nein der wäre garantiert unerschrocken, eiskalt und gnadenlos gewesen und nicht so nett wie er. Tatsächlich musste sie sich selbst eingestehen, dass sie ihn irgendwie sogar ein wenig zu mögen begann, weil er sich ihr gegenüber so offen gab.

Kurz nur hob sie, ob dem, was sie hörte, ihre Augenbraue in Tantchenmanier und sah zu ihm hoch. "Pssst... Auch wenn er es verdient hat, man beklaut keinen Glaubensbruder! Das hört der einzig wahre sicher nicht gern."

Zur Untermalung ihrer Worte legt sie den Zeigefinger ihrer rechten Hand auf ihre eigenen kleinen, noch von einem Lächeln gezeichneten Lippen. Eine Geste, bei der ihr Robenärmel ein wenig verrutschte und den Rand ihres Mals preisgab. Etwas, worüber sie sowieso nicht nachdachte.  Nein.

Vielmehr kreisten ihre Gedanken um Naheniel, den sie in ihrem Inneren in bisher fast jeder Hinsicht nur zu gut verstehen konnte. Oh ja. Der Sloan ärgerte sie ja auch immer wieder und ihre Bonbons hatte der auch mal weggenommen. Vielleicht sah Ogrimar bei kleineren Vergeltungen hinweg. Vielleicht wär ein Rückdiebstahl ja auch ganz was anderes. Bei dem Gedanken lächelte sie ein wenig verwegen zu Naheniel und strich sich mit der rechten Hand eine aus ihrem Zopf gelöste Haarsträhne hinter ihr Ohr. Na und wenn - ihn hatte ja auch nicht der Blitz getroffen.

"Du bist nicht ängstlich oder nutzlos. Ganz bestimmt nicht. Ich finde Du bist mutig. Oh ja Immerhin bist Du ja allein hierhergekommen und wolltest den Weg zurücklegen, und bestimmt hättest Du das auch allein geschafft. Ganz sicher! Du konntest ja nicht wissen, ob noch jemand hier ist. Und nun sind wir beide eben zusammen bis zum Orakel gegangen." versuchte sie seine Zweifel zu zerstreuen und zu ermutigen, denn sie hatte nicht die geringste Ahnung von seiner Doppelzüngigkeit und Täuschung und wollte ihn daher umso mehr aufmuntern, da er sie wirklich mit seinem Lob ganz verlegen machte.

Dabei glitt ihre Hand weiter auf die Mauer hinüber, über welche sie mit ihren Fingerspitzen strich und um die sie nur noch herumgehen mussten, um dann dem Orakel persönlich gegenüberzustehen. Oh ja. sie konnte es schon spüren oder vielmehr sie - die ehrfurchtgebietende Aura, welche mit der Weisheit von vermutlich ganz vielen Jahren und Ausgewogenheit der absoluten Neutralität  diesem Ort innewohnte.

Puh. Nun war sie an ihrem Ziel und ihre Ängste waren am Ende vollkommen unbegründet gewesen.
Nichts aus dem Traum hatte sich in irgendeiner Form bewahrheitet. Und jedwede Angst schien nahezu unbegründet gewesen, weshalb diese sie nun endlich verließ. Im Gegenteil,  sie hatte endlich jemanden getroffen, der sie verstehen und dem gegenüber sie sich vielleicht öffnen konnte ohne das Gefühl dabei zu haben, verrückt zu sein.

Mit einem Blinzeln sah sie zu ihm rauf und in ihren Augen spiegelten sich die Aufregung und nicht zuletzt die Ehrfurcht regelrecht wieder, die der Moment selbst in ihr hervorrief. Er würde nun vor den einzig wahren schreiten und vielleicht würde sie endlich erfahren, warum der dunkle Lord in ihren Träumen mit ihren Ängsten gespielt hat, um sie fernzuhalten. Oder war es doch am Ende alles nur eine Einbildung und sie sollte ihre Fragen besser unausgesprochen lassen? Sollte es sie vielleicht gar genau an diesen Punkt führen, so dass sie beide aufeinander trafen? Vielleicht hatte sie ihn begleiten sollen, um mit ihm gemeinsam die Antworten zu finden.

Aber was, wenn nicht? Wenn er, der ihre Träume, Ängste und Zweifel teilte, nun vor den einzig Wahren trat und sie ihn danach vielleicht nie wieder sehen würde, was dann? Dabei fiel ihr auf, dass sie nicht einmal seinen Namen kannte. Wie sollte sie später jemanden suchen, von dem sie nicht einmal wusste, wie er hieß? Das war aber auch alles zum Haare raufen.

Bevor sie nun um die Mauer herumschritt, wandte sie sich daher Naheniel zu und stellte sich ihm gegenüber, so dass sie nun zwischen ihm und dem Orakel selbst stand, welches er mit einem Blick über sie hinweg deutlich erkennen konnte, sofern sie nicht seine vollkommene Aufmerksamkeit mit dieser simplen Frage für den Moment auf sich lenken würde. "Bevor ich es vergesse und wir uns vielleicht nie wiedersehen... also ich bin die Freya. Und Du?" Erwartungs-, oder nein, vielmehr hoffnungsvoll sahen ihre großen blauen Augen zu ihm auf und es schien, als suchten sie dabei fast spürbar Anzeichen in seinem freundlichen Gesicht dafür, dass er ihr diese Angst, dass er mit den gleich folgenden Schritten wieder aus ihrem Leben verschwand, mit dem nächsten Satz nehmen würde.
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


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Naheniel
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#32

Beitrag von Naheniel » Mi 11. Sep 2019, 23:03

Wäre er ein anderer gewesen, hätten ihn ihre Worte vielleicht geschmeichelt. Doch so einer war er nicht. Was waren schon bloße Worte?
Nichts konnten sie bewirken in dieser Welt. Taten waren es die zählten, und zwar nur die Taten, die für den einzig Wahren vollbracht wurden. Wobei, ihre kindlichen Aufmunterungsversuche
erheiterten ihn doch ein klein wenig. Versuchte sie doch sichtlich auch ein wenig mehr das Kind in sich abzulegen und mit den Erwachsenen aufzuschließen.

Dummes Ding. Lang würde sie sowieso nicht mehr am Leben sein, sollte sie ihre letzten Momente als unschuldiges kleines Balg noch ausnutzen. Als sie den Zeigefinger kurz auf ihre Lippen legte, erkannte unter ihrem Robenärmel nur ganz flüchtig eine kleine Zeichnung.
War es etwa das letzte Zeichen, auf welches er gehofft hatte?
Wollte Ogrimar ihm dadurch sagen, dass er richtig lag mit seiner Annahme? 
Eigentlich hatte er so oder so schon längst keinerlei Zweifel mehr daran.
Aber dieser letzte Wink war es gewesen, denn er von ihm gebraucht hatte.
Jetzt konnte er sich seiner Sache nur noch sicherer sein. Er hatte zu ihm gesprochen, ein weiteres Mal. Gänsehaut überzog seine Arme bei dem Gedanken daran, dass auch jetzt der dunkle Fürst an seiner Seite stand und ihn leitete.

„Oh, wie unhöflich von mir, dass ich mich Euch nicht vorgestellt habe, kleine Lady. Nun, das will ich sogleich nachholen. Mein Name lautet Naheniel.“ er verneigte sich vor dem Kind, so dass sein Blick nun fast auf einer Ebene mit dem ihrigen war.
Ein Funkeln, welches für sie vielleicht unergründlich war, überzog seine blauen Augen als er in Gedanken anfügte: `Naheniel, der Verdammnisbringer und Dein Untergang.'

Kurz hielt er in seiner Verbeugung inne. Es wäre ihm ein leichtes gewesen, den eisigen Dolch aus seinem Beutel zu ziehen und ihr die Kehle durchzuschneiden.
So unschuldig stand sie vor ihm, nichtsahnend.
Er merkte, wie er nach und nach ihr Vertrauen gewonnen hatte. Innerlich triumphierte er. Er war nur einen Wimpernschlag von ihr entfernt, eine Armesbreite.
Ganz einfach könnte er mit seiner Hand die kleine dünne Kehle packen, den Dolch in ihren Bauch rammen und ihr dabei zusehen, wie ihr Lebenslicht langsam erlosch. Und doch richtete er sich wieder auf und lächelte sie breit an. Vor dem Orakel konnte er sie nicht ermorden, am Ende würde es ihm die letzte Prüfung versagen. Das dürfte er nicht riskieren.

„Und verratet Ihr mir auch Euren Namen, kleine Lady?“
Freya knickste höflich, als sie ihm ihren Namen nannte.
Es war fraglich, ob er sich diesen Namen merken würde. Schließlich wäre auch sie nur eine kleine Figur in diesem bevorstehenden Krieg der Götter gewesen.
Vielleicht ein kleiner Bauer, dessen Verlust man durchaus verschmerzen konnte. Doch was hatte ihm einst sein Vater gelehrt? Unterschätze nie die Bauern, sie können am Ende das ganze Spiel entscheiden.

„Nun werte Freya, dann werde ich die Gunst nutzen, Euch an meiner Seite und zu meinem Schutz zu haben und das Orakel zu unserer Situation befragen.“ er grinste sie verschwörerisch an und murmelte leise: „Nicht, dass uns der Gute am Ende noch einschläft. Von so jungen Jahren wird er auch nicht mehr sein.“

So trat er vor den weiß gewandeten Mann. Er konnte nicht verleugnen, dass sein Herz nun doch ein paar Schläge schneller schlug. Viele Jahre hatte er auf diesen einen Moment hingearbeitet. Vor seinen Gott zu treten, nicht nur in den Visionen die er ihm schenkte, sondern sein Leben für ihn zu lassen und allein durch seine Macht wiedergeboren zu werden.
„Wertes Orakel, meine Begleitung und ich sind heute vor Euch getreten um Euch einige Fragen zu stellen, wenn Ihr das erlaubt. Man sagt, Ihr seid allwissend.
So bitten wir Euch um Eure Gunst und ein Erleuchtung.“


Das Orakel blieb vor den beiden stehen und musterte sie aufmerksam.
Vielleicht um zu ergründen, ob sie seiner Antworten auch würdig waren oder weil es zu so später Stunde niemanden mehr erwartet hatte.
Aber kannte das Orakel eigentlich den Begriff der Zeit?

Es sprach mit weicher und doch alles einnehmender Stimme zu den beiden:
„Nun denn, was ist Euer Begehr. Sprecht."
Naheniel warf einen kurzen Blick auf Freya, der fast schon unsicher wirkte.
Dann atmete er einmal tief ein und aus: „Wir, also Freya und ich würden gerne mehr über gewisse Visionen erfahren. Was sie zu bedeuten haben.“

Das Orakel blickte Richtung Freya, dann zurück auf Naheniel.
„Freya, Euch bin ich bereits einmal begegnet. Ihr habt den Test vor mir abgelegt.
Doch Euch, junger Mann,“
sein Blick wanderte wieder gen Naheniel, „Euch sehe ich hier zum ersten Mal.
Zuerst müsst Ihr Euch vor mir beweisen.
Nehmt diesen Schlüssel an Euch und tretet in die Prüfungskammer ein.
Solltet Ihr erfolgreich sein, werde ich bereit für Eure Fragen sein.
Und vergesst nicht, dass Euch sämtliche Magie sowie Ausrüstung untersagt ist.“

Mit diesen Worten drehte das Orakel den beiden wieder den Rücken zu.

Naheniel hatte bereits von dieser Prüfungskammer gehört, sich aber bisher nicht vorstellen können, dass dies auch der Wirklichkeit entsprach.
Nackt kämpfen ohne auch nur einen Zauber des Schutzes?
Was sollte das für eine Prüfung sein?
Er sah sich hilfesuchend zu Freya um. Doch diese grinste ihn nur mit ihrem Zahnlückenlächeln an und zuckte knapp mit den Schultern: „Da mussten wir alle mal durch!“ 
Er seufzte ergeben und verschwand hinter einer Mauer, um sich seiner Kleidung langsam zu entledigen. Widerwillig zog er auch den Siegelring seiner Familie ab und legte ihn vorsichtig
zwischen die Robe und seine ledernen Handschuhe. Seine Tasche verstaute er ganz unter dem Kleiderberg und hoffe inständig, sie käme nicht darauf, diese zu durchsuchen. 
Und so machte er sich auf den Weg zu seiner letzten Prüfung.
Es war nicht leicht Gaenen Elthorn zur Strecke zu bringen, doch nach einem schmerzhaften Handgemenge und einigen blauen Flecken mehr auf seiner Brust war es ihm letztendlich doch noch gelungen. 

Wieder betrat er den Raum, welches das Orakel beherbergte. Freya stand immer noch dort, wo er sie zurückgelassen hatte. Sie schien wohl wirklich kein Interesse daran gehabt zu haben, seine Sachen zu durchwühlen. Gutes Kind.
Er stellte sich nah an das Mädchen heran und lächelte ihr verschmitzt zu: „Zäher Bursche da drin, das kann ich Euch sagen!“ 

„Wie ich sehe, Naheniel, habt Ihr vor mir Eure Reinheit des Geistes und der Seele bewiesen. Er seid nun bereit, vor Euren Gott zu treten. Denn dadurch werden all Eure Fragen beantwortet. Ich bin nur der Wächter zu den Toren der Götter.
Deshalb frage ich Euch, Naheniel, seid Ihr bereit, wiedergeboren zu werden?“ 
Er ließ seinen Blick kurz zu Freya wandern, welche ihm aufmunternd zulächelte und nickte, gar so, als wollte sie ihm sagen: Los, mach schon!

Somit schloß er seine Augen und holte tief Luft. Dieser Augenblick musste genossen werden. Er spürte bereits, wie die Macht Ogrimars ihn durchströmte, jede einzelne Faser seines Körpers auf seine Seite zog und ihn endlich zu einem Krieger an seiner Seite machte.
Als er seine Augen wieder öffnete, war das Blau aus seinen Augen fast verschwunden, eher ähnelten sie loderndem Feuer, als er sprach:
„Ich bin bereit, wiedergeboren zu werden!“
In diesem Moment, als er die letzten Worte sprach, versuchte er Freya an ihrem Arm zu packen
und mit sich zu ziehen. Sie hatte sich nicht bewiesen, weder vor ihrem Götzengott und schon gleich gar nicht vor dem Seinigen.
Aber nur kurz berührten seine Finger ihre helle Haut.
Was er da sah, drückte ihm schlagartig sämtliche Luft aus den Lunge. 
Über ihm brach der Himmel zusammen, Meteore aus Feuer und Verderben schlugen auf den Erdboden ein, Städte waren der Zerstörung unterworfen, tiefe Risse hatten sich im Boden gebildet in denen nach und nach alles versank.
Das Gefieder der weißen Seraphen des Götzengottes zerfielen brennend zu Asche. Kreischende Schreie drangen an seine Ohren.
Ein heißer Sturm fegte über alles, was nicht schnell genug war zu flüchten und sich zu verstecken.
Althea stand in Flammen. 

Und vor sich, da sah er vollkommen unversehrt von all der Zerstörung die um sie wütete, eine junge Frau.
Ihre schwarzen langen Haare umspielten, vom Wind getragen, ihren schlanken Körper.
Ihre großen blauen Augen glühten, aufgeladen von all der Macht, die sie selbst freigegeben hatte.
Ein kleines, fast schon grausam zufriedenes Lächeln zeichnete sich auf ihren zarten Lippen ab.
All dies, schien von ihr auszugehen.
Sollte etwa sie das Chaos bringen, welches solange vorausgesagt worden war?
War sie am Ende die dunkle Prophezeiung? 

Bevor er seine Gedanken und die Vision richtig greifen konnte, wurde sein nackter Körper von den prächtigen Schwingen des dunklen Herrn enthüllt.
Ein wütender, gellender Schrei machte sich in dem schwarzen Raum breit, in welchem er soeben aus den Flammen entstieg als das Orakel laut über Althea verkündete: 
 

 Wir gratulieren Naheniel zu seiner ersten Wiedergeburt!  
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So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#33

Beitrag von -Freya- » Do 19. Sep 2019, 19:28

Fast ungeduldig schien das Mädchen zu sein, in der Erwartung seiner Wiedergeburt und nicht zuletzt in der Hoffnung im Anschluss darauf mit ihm zusammen auch Antworten zu finden. So lächelte sie vorfreudig, als er die Worte sprach und zuckte auch nur leicht zusammen, während seine Hand nach ihr griff. Eine Geste, welche sie seiner Unsicherheit, was auf ihn zukommen würde, zuschrieb.

Ermutigend neigte sie den Kopf zur Seite und sah ihn mit glänzenden Augen an. „Keine Angst.“ weiter kam sie nicht. Denn während der einzig Wahre seinen Körper davon trug und ihn mit seiner Macht segnete, war es, als würde ihr Körper gar vom Blitz getroffen. 
Plötzlich und vollkommen unerwartet durchfuhr ein Gefühl ihren Körper. So machtvoll und nicht ungleich unheimlich. Sie konnte es spüren. Die Kraft, die Stärke, wie sie ihren Körper berührten, so als wäre sie selbst durch die Tore der Götter getreten. Eine unbeschreibliche Energie, ähnlich jener, welche sie bei ihrer ersten Segnung verspürt hatte.

„Es ist wundervoll.“ beschrieb sie mit flüsternder Ehrfurcht den Machtrausch, welcher sie überraschend und unmittelbar ebenfalls traf ohne selbst vor den einzig wahren zu schreiten.  So als würde sie fühlen, was er fühlte.

Das war durchaus merkwürdig, immerhin hatte sie bei Verlion und Ellà nichts dergleichen erfahren, doch es würde dauern, bevor sie nur ansatzweise daran einen Gedanken verlieren würde. Denn anstatt zu hinterfragen, liess sie die Macht in sich strömen und genoss das Kribbeln in ihren Adern, während sie sich überwältigt um ihre eigene Achse drehte.


Erst als die Stimme des Orakels ihre Gedanken berührte und die Wiedergeburt Naheniels verkündete, verebbte langsam der Rausch, welcher sie für einige Momente gefangen gehalten hatte. „Oh?!“ Für einen kurzen Augenblick musste sie sogar die Orientierung wieder finden. Denn im ersten Augenblick hatte sie vermutet, dass er sie womöglich auch unabsichtlich mit sich gerissen hatte. Doch die Stimme rief ihre zweite Segnung nicht aus.

„Was war das?“ fragte sie mehr oder minder sich selbst, während das Kribbeln ihren Körper langsam verließ und sie sich bewusst wurde, dass sie noch immer vor dem Orakel verweilte und keineswegs vor den Herrn getreten war. Aber er war fort. Naheniel! Oh nein! Ob sie ihn je wiedersehen würde?
Unbewusst hatten sich ihre Augen auf der Suche nach ihrem Weggefährten dem Orakel zugewandt, dessen Blick wohl schon einige Minuten  auf dem Mädchen ruhte. Sollte es gar der Aufruf des einzig Wahren gewesen sein nun den zweiten Schritt zu gehen? Es Naheniel gleichzutun? Eine Demonstration dessen, was sie erwarten würde?

Kurz schluckte das Mädchen. Nein, erst wollte sie, dass das Orakel ihnen die geschuldete Antwort gab. Oh je es war gar nicht so einfach die richtigen Worte zu finden, auch wenn sie annahm, dass das Orakel genau wusste, was sie fragen würde. Aber das war eigentlich auch blöd, da Naheniel war nicht mehr an ihrer Seite war und ihn vermutlich kein Zauber der Welt hier wieder hintragen würde. Also  musste sie nun alleine die richtigen Worte und Entscheidungen treffen. Das Blau ihrer Augen ruhte für einen Moment schweigend auf dem androgynen Wesen, welchem man nicht einmal ein Alter zuschreiben konnte, bevor sie den Mut fasste und tief Luft holte. „Wertes Orakel. Er hat seine letzte Prüfung bestritten. Seid Ihr nun bereit, die Frage zu beantworten?“ erwiderte sie voller Ehrfurcht.

„Freya.“ Seine Stimme  schien von zeitloser Weisheit durchströmt zu sein und als er ihren Namen aussprach weiteten sich die blauen Augen des Kindes vor Aufregung, endlich Antworten zu finden. In seinem Blick lag eine unbeschreibliche Ruhe und Ausgeglichenheit. „Ihr habt Recht. Er hat seine Prüfung bestanden und wurde als würdig angesehen.“ nickte es mit ruhiger Stimme, bevor er offenbar einen Augenblick lang über die Antwort nachdenken musste. „Eure Visionen. Sie können vieles bedeuten und doch zugleich auch nichts. So es denn Visionen sind, sind sie von den Göttern gegeben und nur sie allein wissen um deren Bedeutung.“

Ihre Augenbrauen zogen sich leicht zusammen, während das Orakel sprach und die Worte  geisterten durch ihre Gedanken geisterten, wo sie diese versuchte zu sortieren und irgendeinen Sinn darin zu finden. „Also wird das nich‘ passieren?“

Die geduldige samtene Stimme des Orakels erhob sich ruhig. „Die Antwort ist ebenso lang wie am Ende unmöglich zu geben ohne dadurch vielleicht den Lauf der Dinge zu verändern, mein Kind.“
Na klasse. Was immer das nun wieder heißen sollte. Doch das konnte sie nicht aussprechen. Das wäre immerhin respektlos. Also dachte sie einen Augenblick nach und ging das ganze mit ihrer kindlichen Logik an. „Hm heißt es, wenn Du es mir verrätst, geschieht das alles nicht?“ Ja das wäre dann doch genau das, was sie wollte.  Ein Funkeln suchte das Blau ihrer Augen heim, während sie das Orakel erwartungsvoll ansah.„Ja und nein mein Kind. Die Zukunft ist noch nicht geschrieben und was immer morgen geschehen wird, hängt von den Entscheidungen ab, die man im heute oder gestern getroffen hat. Ich weiß, die Antwort ist nicht die, nach der Du suchst oder auf die Du gehofft hast. Doch ich werde Dir nicht sagen können, was Du tun sollst oder ob Deine Visionen die Zukunft zeigen. Noch nie haben wir uns in die Belange der Sterblichen oder die der Götter eingemischt. So war es stets und so wird es immer sein.“

Na in einem Punkt hatte es recht. Das wollte sie nicht hören. Und dies liess sich in ihrem Gesicht, nicht zuletzt an der kleinen Falte, welche sich aus Missmut auf ihrer Stirn gebildet hatte, auch ablesen. Aber mit dem Missmut kehrte auch der eigentliche Mut zurück, so dass sie es ein wenig forscher anging, als eigentlich angedacht, denn aus ihrer Sicht konnte es doch gar nicht so schwer sein eine einfache klare Antwort auf ihre Frage zu geben.

„Aber wenn es Visionen sind, wie Du ja nun bestätigt hast, wieso sehe ich sie dann, wenn sie nicht eintreten? Sie müssen dann doch etwas bedeuten. Und wieso hab ich sie? Was habe ich mit allem zu tun? Ich habe nix gemacht. Ich will nur meine Freunde, meine Familie schützen.“ plapperte sie unüberlegt ihre Gedanken heraus, während sie untermalend  und vor Trotz ihre Hände in die Hüften stemmte. „Ich finde, Du könntest da schon etwas deutlicher werden, denn auch Du warst tot.“  Die Überdeutlichkeit ihrer Worte schien für den Bruchteil einer Sekunde eine kurze Regung in den sonst undurchschaubaren Zügen des Wesens sichtbar werden zu lassen. Doch es konnte auch eine Einbildung sein, dass sie ein Aufblitzen in seinen Augen hatte erkennen können.

Dennoch wenn er oder es wusste, wovon sie sprach, von all der Zerstörung und dem Tod, sogar seinem eigenen, warum sagte er ihr nicht, wie sie es aufhalten konnte oder wenigstens, was sie damit zu tun hatte. Als das Orakel ihr jedoch antwortete, schien diese Regung verebbt zu oder gar wahrhaft ihrer Einbildung entsprungen gewesen zu sein.

„Nun Euer Freund hat sich bewiesen. Seine dunkle Majestät hat Euch beide für würdig erachtet seine Insignien zu tragen.  Ihr werdet die Antworten auf eurem Weg finden. Jedoch nicht hier, sondern in euren Reihen und eurem Glauben. Das Wissen liegt dort verborgen. Doch vertraue nicht allem, woran Du glauben willst, sondern nur dem woran Du wahrhaft glaubst. Damit habe ich bereits mehr gesagt, als ich sollte. Und nun ist es Zeit für Dich zu gehen!“

Na fantastisch. Sie hatte doch in sämtlichen Büchern schon nach Antworten gesucht. Und  er als eine letzte Lösung warf sie freundlich hinaus? Oh nein! Gerade noch will sie ihm widersprechen,  denn wie konnte das Orakel sich sicher sein, dass sie nicht vor den einzig Wahren treten wollte, denn wie hatte es so schön gesagt? Vielleicht würde sie im Glauben ihre Antworten finden. Doch  jenes erhob seine Hand aus welcher ein magisches Schimmern entglitt, welches sie sanft umnebelt.  Trotzig ruhte ihr Blick auf dem Wesen, doch die Magie umfing sie, bevor sie etwas sagen oder sich gar gegen dessen Zauber wehren konnte. „Es ist Zeit mich ein wenig auszuruhen und für Dich...“

Bevor die letzten Worte ihr Ohr erreichen konnten, fand sie sich in Lichthafen wieder. Enttäuscht über sich selbst und wütend über die Antwort des Orakels, welche in ihren Augen keine Berechtigung hatte sich eine solche zu schimpfen,  blickte sie sich schnaufend um. Zum Grott nochmal. Somit hatte sie wieder versagt. 

Aber nein, sie würde nicht aufgeben. Nein. Sie musste mit der Suche nur von ganz vorne beginnen, aber wenigstens wusste sie jetzt, dass es jemanden gab, der nach den gleichen Antworten suchte wie sie. Und wenn es der Wille des Einen gewesen war, dann würde er ihre Wege erneut sich kreuzen lassen.
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


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Re: Die dunkle Prophezeiung

#34

Beitrag von Waechter der Tore » Do 26. Sep 2019, 19:28

Und so war ein weiteres mal einer der Gläubigen vor ihn getreten. So viele hatte er schon auf den letzten Schritten begleitet, so viele hatten sich seiner Prüfung unterzogen.Trotzdem hatten sie alle noch immer nicht begriffen, dass es nicht darauf ankam, von welcher Farbe die Schwingen waren, die sie dann trugen.Alle wünschten sich die Zerstörung des jeweilig anderen Gottes, damit nur ihr Gott alleine auf der Welt regieren konnte. Sie alle dachten, dass nur ihr Glaube alleine, der einzig richtige wäre.

Wie sie sich doch alle irrten.


Der Torwächter legte nachdenklich seine Stirn in Falten. Es war nicht an ihm zu urteilen und zu entscheiden. Seine Aufgabe war einzig und alleine, den Weg zu den Hallen der Götter zu schützen und zu entscheiden, ob die Anhänger vorgelassen werden sollten, oder nicht. Doch die Beweggründe hatten ihn nicht zu interessieren. Auch nicht, vor welchen Gott sie treten sollten. Doch, tief in seinem Inneren, da erschreckte es ihn hin und wieder doch, mit welcher Vehemenz gegen den anderen Glauben vorgegangen werden sollte. Viele sahen nur aus der Zerstörung heraus die Lösung. 

 

Aber sie begreifen nicht, dass der Eine ohne den Anderen nicht existieren kann. Beide Götter regieren diese Welt, sie sind wie die Sonne und der Mond. Voneinander abhängig und im steten Einklang. Beginnt die Sonne zu schwinden, so wäre ewige Nacht. Lebewesen könnten nicht mehr gedeihen, die Pflanzen würden langsam sterben und somit die Lebensgrundlage für alle hier.
Würde hingegen ewiger Tag sein, würden sie alle nicht mehr in den erholsamen Schlaf finden und ziellos und erschöpft über die Welt wandern. Die Gezeiten würden verschwinden und mit ihnen die Meeresbewohner.
Alles ist im Einklang, so auch Artherk und Ogrimar.
leise murmelte er seine Gedanken vor ich hin, wohlwissend, dass niemand ihn bei seinen Ausführungen hören würde.Gerne würde er denjenigen kennenlernen, der sich einst in den Kopf gesetzt hatte, dass es nur einen Gott auf diesen Welten geben dürfte. Dass nur einer, der einzig Wahre sein könnte.

Fast schon seufzend drehte er seine Runde durch den Raum weiter fort. Was hatte das kleine Mädchen gesagt? Alle hatte sie tot gesehen. Selbst ihn. Nun, das erschütterte ihn nicht, denn er wusste, dass der Tod unweigerlich auf das Leben folgte. Bisher wurde der Dienst des Wächters immer weitergegeben, wenn die Zeit gekommen war. Er verrichtete seinen Dienst nun schon viele Jahre, gezählt hatte er sie nicht. Wozu auch? Er war hier, um die Hallen zu schützen. Dies war seine Aufgabe und dafür war er erschaffen worden aus den Götterhänden selbst.
Was ihm jedoch Sorgen bereitete war, dass er diese Zukunft nicht gesehen hatte. Wenn der natürliche Tod des Torwächters, des Orakels, nahte, dann sah dieses schon bald die Schatten eines Nachfolgers in den Hallen umherwandern, die Geburtsstunde eines neuen Orakels war dann hereingebrochen und alles begann von vorne, so, wie es schon immer gewesen war, so wie es auf Ewig sein sollte.
Doch hier waren keine Schatten.

Er war nach wie vor allein.

Bedeutete dies, dass der natürliche Lauf der Dinge unterbrochen werden würde?
Wenn auf ihn niemand folgte, dann würden die Tore zu den Göttern unbewacht sein. Und was dies bedeutete ... Zugang für jeden ins Reich der Götter, ganz gleich, von welcher geistigen Natur sie waren. Doch nicht nur der Eintritt wurde gewährt, sondern all jene konnten die Welt der Götter verlassen, die auf diesem Erdboden eigentlich nichts verloren hatten. 
Das lang 
ersehnte Chaos würde ausbrechen, doch ganz anders, als sie es sich alle vorgestellt und erwünscht hatten.
Aber es würde nicht an ihm sein, dies aufzuhalten. Er war nicht erschaffen worden, um die Geschehnisse zu lenken, zu bewerten oder zu kommentieren. Sehr leise seufzte er:

 

So lasst uns diese Geschichte beginnen.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#35

Beitrag von Tanuri » Fr 27. Sep 2019, 12:41

Stille.  

Eine angenehme Ruhe war in die Hallen der Legion eingekehrt. Wobei diese Ruhe auch oft genug erdrückend war. Tanuri vermisste vieler ihrer Gildenbrüder und -schwestern. Auch wenn sie es nicht zugegeben hätte, waren sie ihr doch ans Herz gewachsen. Doch vor allem fehlte ihr ihre Schwester. Sie war vor vielen Wochen zu einer unbekannten Reise aufgebrochen. Noch hoffte sie, dass sie unbeschadet den Weg zurückfinden würde.

So wie alle, die das Wappen der Legion an ihren Mänteln trugen. Wohin sie alle aufgebrochen waren, das konnte sie nicht mit Bestimmtheit sagen. Die einen wollten stärker und weiser werden, wieder andere suchten das Abenteuer. Doch sie wusste, würden sie zurückkehren, würden sie wissen, wo ihre Heimat war. 

Immer noch Stille die sie umfing, ihren Körper durchdrang. Nur ihr Atem klingelte ihr schon fast unverschämt laut in den Ohren. Diese wenigen Augenblicke der Ruhe, die ihr geblieben waren, genoss sie mittlerweile in vollen Zügen. Seitdem Freya Einzug in die Gilde genommen hatte, waren diese Momente sehr rar geworden, Momente in denen sie in Zwiesprache mit dem einzig Wahren war und sich seiner Allmacht immer aufs Neue bewusst wurde. Aber wie sie nun so daran dachte fiel ihr auf, dass sie das Mädchen schon eine ganze Weile nicht mehr gehört hatte. Ob sie sich wohl in Morrigans Labor endgültig die Finger verbrannt hatte? Es würde ihr nicht schaden, endlich den nötigen Respekt vor der Macht der Magie und des Feuers zu lernen. Noch immer ging sie damit um, als wäre es nur Spielzeug. 
Was auch immer das Kind trieb, sie vernachlässigte mit Sicherheit ein weiteres Mal ihre Studien und Aufgaben.

Noch immer hatte sie es nicht geschafft, wieder vor das Orakel zu treten. Ständig hatte sie ihren Kopf und ihre Augen woanders und wurde davon abgelenkt, ihre Pflichten für Ogrimar nachzugehen. Aber das hatte sie ihr jetzt lange genug durchgehen lassen. Es reichte ihr damit, dass ihr Freya immer wieder auf der Nase herumtanzte und ständig vergaß, zu welchem Zwecke sie hier auf Althea war, einzig und allein um dem dunklen Herrn zu dienen und Kraft dafür zu sammeln, seine Gegner auszumerzen. 

Mit diesem Gedanken machte sie sich auf die Suche nach Freya. Viele Plätze sollte es in den Hallen der Legion nicht geben, an denen sie sich herumtreiben konnte. Am wenigsten wohl bei dem Hüter des Wissens, bei dem sie eigentlich ihre Stunden zu verbringen hatte.Somit machte sie sich zunächst auf, um die Räumlichkeiten Morrigans zu besuchen. In den letzten Wochen hatten die beiden ständig ihre Köpfe zusammengesteckt, sie mochte sich gar nicht ausmalen, was dabei herausgekommen war.

Aber sowohl die kleine Zauberküche, sowie auch das Schlafgemach waren verlassen. Nun, weit konnte sie nicht sein. Noch bevor Tanuri es bis zu Freyas Zimmer schaffte, lief ihr eine der Dienerinnen über den Weg. Sie trugt gerade einige frische Laken in der Hand, als sie etwas verschreckt vor Tanuri zu stehen kam. „My Lady.“ sagte sie leise und verneigte sich leicht.

Tanuri nickte nur knapp zum Gruße und fragte sie sogleich, ob sie etwas über den Aufenthaltsort des Kindes wüsste. Etwas verwirrt blickte Mila, die Dienerin, drein. Sie hätte gedacht, dass sich Freya aufgrund ihrer Verletzungen die letzten Tage einfach gesund geschlafen hatte und sie deshalb nichts mehr von ihr gehört hatte. Sie hatte Wort gehalten und ihrer Herrin nichts von den Vorkommnissen erzählt.
Doch nun war sie doch besorgt. Welche Flausen hatte das kleine Kind nun schon wieder im Kopf?
„Nein Herrin, ich habe Freya nicht gesehen seit... nun..“ sie kämpfte mit sich. Ihr Gehorsam galt eigentlich der Herren dieser Hallen, und dazu zählte die Lady nun einmal. Dennoch mochte sie das Mädchen doch sehr, hatte sie sich immer so sehr eigene Kinder gewünscht. Aber Ogrimar hatte ihr diesen Wunsch leider verwehrt. Sie wollte Freya nicht enttäuschen und sie verraten. Doch sie wusste, würde Tanuri jemals herausfinden, dass sie ihr eine wichtige Information verheimlichte, würde das ihr Ende bedeuten. 

„Sie fühlte sich nicht wohl und legte sich nieder. Doch, nun, wie soll ich es Euch sagen? Das ist nun schon einige Zeit her. Wenn nicht sogar Tage. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie mit diesen Verletzungen an Fußsohlen irgendwohin gegangen sein kann.. Das müssten ja höllische Schm...“ weiter kam sie nicht. Sie hatte es selbst gar nicht gemerkt, dass sie unvorsichtig einfach weitererzählt hatte. Das, was sie sich eigentlich denken wollte, war einfach aus ihrem Mund gekommen. Sie hätte sich ohrfeigen können. Aber vielleicht war es am Ende besser, wenn die Herrin nun Bescheid wusste.
Wobei... sie bezweifelte dies doch ein wenig, nachdem sie das zornige Funkeln in den Augen Tanuris sah. Nur ihr von eisiger Kälte durchzogener Blick reichte aus, um Mila zum schweigen zu bringen.

„Verletzungen? An den Fußsohlen?“ scharf sog sie die Luft ein, bevor sie gen der Dienerin zischte: „Und warum, in Ogrimars Namen, erfahre ich davon erst jetzt?“ Mila zog den Kopf zwischen den Schultern ein und wagte es nicht, noch etwas darauf zu antworten, wusste sie ohnehin, dass, egal welche Antwort sie nun geben würde, es die falsche wäre. Somit blieb sie einfach stehen und blickte zu Boden. 
Tanuri hingegen bedachte die Dienerin mit einem abfälligen Blick, bevor sie sich umdrehte und auf Freyas Zimmer zuging, welches sie natürlich leer vorfand. Wie hätte es auch anders sein sollen. Gefährlich leise ließ sie die Türe wieder ins Schloss fallen. Nach einigen Atemzügen schloss sie ihre Augen und flüsterte so leise, dass nicht einmal Tiere mit den besten Ohren es hören konnten: "Freya!"

Sie wusste, das kleine Mädchen würde es ganz genau hören.  
  ~~ Leiterin der Legion des Schattens ~~     
  
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Ungesättigt gleich der Flamme, Glühe und verzehr´ ich mich.
Licht wird alles, was ich fasse, Kohle alles, was ich lasse,
Flamme bin ich sicherlich
*Nietzsche* 

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-Freya-
Bauer / Bäuerin
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#36

Beitrag von -Freya- » So 29. Sep 2019, 14:31

Nicht einmal in den Tempel des Herrn hatte das Orakel sie gebracht. Das war wirklich nicht nett. Nun stand sie hier auch noch ausgerechnet vor dem Götzentempel und wenn die Tante vorbeikäme, würde sie sicherlich einiges zu hören bekommen. Die Tante, oh weia...

Wie lange war sie eigentlich weg gewesen? Nicht lange, oder doch? Bei ihrem letzten Besuch im Orakel hatte sie bereits bemerkt, dass die Zeit dort anders verlief. Mal schneller, mal kürzer, so als gäbe es keinerlei Regeln dafür. Wer weiss, wie lange sie dieses Mal dort verbracht hatte. Das Mädchen blickte sich um und versuchte die Tageszeit auszumachen. Verdammt. Sie hatte das Gefühl, dass es sicher aus Sicht des Hüters und der Tanuri zu lange gewesen sein musste.

Es war schon beinahe so, als könne sie bereits förmlich schon das gefährliche Flüstern ihres Namens auf Tanuris Lippen hören. Ein Gedanke, bei dem sie unverweigerlich kurz schlucken musste. Sie wollte doch eigentlich nur eines und zwar von ihr gemocht werden, doch egal, was sie anfasste und versuchte, es ging jedes Mal ohne Wenn und Aber nach hinten los.

Aber dieses Mal hatte sie doch für alles eine gute Erklärung, oder nicht?  Ja genau. Sie war im Orakel gewesen, das wollte Tanuri doch immer. Dass das Orakel sie nicht ohne ein Wort der Erklärung hier her geschickt hatte, obwohl es vor Naheniel die Reinheit ihres Geistes und ihrer Seele bestätigt hat, dafür konnte sie ja immerhin nix. Und zudme hatte sie ihm geholfen. Ihm einen Diener des Herrn, der nun nicht zuletzt mit ihrer Hilfe seinen Segen empfangen hatte.

Nein. Verdammt, vermutlich würde Tanuri ihr kein einziges Wort glauben und ihr nur wieder unterstellen, dass sie sich herumgetrieben hatte und einfach nur faul sei. Und der einzige Zeuge, der alles klarstellen konnte, war irgendwo da draußen.

Verflixt nochmal sie musste schnellstmöglich zum Tempel des dunklen Lords. Vielleicht würde sie ihn noch erwischen. Er könnte alles bestätigen. Bestätigen, dass sie, die Freya ihn durch das Orakel geleitet hat und ihrer Pflicht nachgekommen war einem Diener des Herrn den Weg zu weisen.

Eilig drängte sie sich durch die Straße an Halams Taverne vorbei an den ganzen Erwachsenen und bahnte sich einen Weg in Richtung des Heiligtums. Aufmerksam schaute sie jedoch, ob sie irgendwo das freundliche Gesicht des Mannes wiedererkennen konnte. Immerhin, vielleicht hatte er auch den Tempel bereits verlassen. Oh weia. Das wäre schlimm, denn dann würde sie ihn bestimmt nie wieder finden. Zumindest nicht so einfach. Und Tanuri würde sie die halbe Bibliothek zur Strafe abschreiben lassen, bis ihr die Finger bluten würden.

Nein, nein, nein! Er musste einfach noch da sein. Wie ein geölter Blitz rannte sie ungestüm über das Gras vor dem Friedhof, wo die Krypta stand, die nicht zuletzt als Eingang zum Tempel diente, wobei sie wie ein Mantra zu sich selbst die ganze Zeit flüsterte. „Einzig Wahrer. Ich flehe Dich an, lass ihn noch da sein... bitte... bitte... bitte... ich verspreche immer zu lernen und dir zu diene, aber bitte lass ihn da sein."   

Mit wehender Robe und fliegenden Haarsträhnen rannte sie an dem Hüter der heiligen Hallen vorbei und den Gang entlang, wobei sie einiges an Staub aufwirbelte. „Nahenieeel!“ rief sie aufgeregt und außer Atem. Doch das einzige, was sie hörte, war der Widerhall ihrer Schritte sowie das Echo ihrer eigenen hellen Stimme. „Naheniel?“ rief sie fragend in die quälende Stille der Leere, während sie auf den verlassen scheinenden Altarraum blickte. Verdammt. Sie hatte ihn verpasst.

Seufzend  ging sie die Reihen der Bänke entlang, bevor sie vor dem Altar innehielt. Nicht einmal der dunkle Abt schien zugegen zu sein, so dass sie ihn hätte fragen können, ob er Naheniel gesehen hatte.

Und nun? Das würde so einen Mordsärger geben. Aber sie wollte im Grunde im Augenblick nichts lieber, als sich ins Bett legen. Die Euphorie hatte ihren kleinen Körper wieder fast verlassen, so dass die Erschöpfung und nicht zuletzt der Schmerz in ihren Füssen zurückkehrte. Aber sie fühlte sich im Moment nicht in der Lage sich der Schimpftirade Tanuris zu stellen. „Autsch verdammt... Das ist doch alles Mist...“ murmelte sie leise vor sich hin fluchend. Wenn ihr kein grandioser Einfall kam oder Ogrimar ihr half, dann hatte sie sicher mal wieder ein großes Problem. Niemand würde ihr glauben und sie würde wochenlang nur über den Büchern hocken.

Mit einem Hauch von Verzweiflung, weil alles was sie tat generell daneben zu gehen schien, liess sie sich auf die Knie sinken.  Das Blau ihrer Augen ruhte dabei auf dem nackten kalten Stein, als würde sie dort die Antwort finden, was sie nun tun sollte. Doch das einzige worauf ihr Blick fiel, war das triste grau des Bodens .. und eine glänzende schwarze Feder. Ein kurzes Lächeln huschte über ihre Lippen. War das ein Zeichen? Aber wie sollte sie ihn finden?

Sie war einfach nur müde und ihre Füße pulsierten förmlich vor Schmerz, aber sie würde ohne einen Beweis für ihren Fleiß nicht heimkehren können. Nein. Ihre kleinen Finger griffen nach der tiefschwarzen Feder. Fast liebevoll strich sie über jene, als wäre sie ein Zeichen des Herrn für sie, während sie gedankenversunken nach einer Lösung suchte.

So senkte sie die Lider. Immerhin, was hatte das Orakel noch gesagt? Die komplizierten Antworten auf ihre Frage würde sie im Glauben finden. Vielleicht fand sie dann auch eine einfache Lösung für dieses kleine Problem.
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.


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