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Buch 4 - Gegenwart Seite 1 Ja. Ein neues Notizbuch, mein liebes Stundenbuch. Etwas Neues hat begonnen. Ich fühle mich heute ganz bei mir. Ganz im Gleichgewicht. Als hätte das Feuer in mir aufgehört zu verbrennen und begonnen zu wärmen. In zwei Stunden werden Hipo und ich zur Wiedergeburt gehen. Ich hätte gedacht, ich würde mehr zittern. Aber da ist nur Ruhe. Die Nacht war größer als ich es beschreiben kann. Der Schlund. Das Seelenmeer. Diese Stille zwischen zwei Leben. Und dazwischen wir. Es ist seltsam. Ich habe schon viele ähnliche Nächte erlebt. Aber noch nie eine, in der ich mich so wenig verloren gefühlt habe. So aufgehoben. So ganz und gar gesehen. So ganz und gar begehrt. Vielleicht, weil ich mich nicht verstecken musste. Nicht vor ihm. Nicht vor mir. Wir haben sehr viel geredet. Aber dann gab es den Moment, in dem wir beide nichts mehr sagen mussten. Keine Rollen. Keine Macht. Keine Aufgaben. Nur Nähe. Nur Begehren. Nicht fordernd. Nicht besitzend. Einfach da. Ich glaube, wir haben uns in dieser Nacht etwas sehr kostbares geschenkt, ohne es zu benennen. Kein Versprechen. Kein Morgen. Nur Vertrauen. Und vielleicht ist das das Seltenste, was zwei Menschen einander geben können. Ich hätte nicht gedacht, dass Nähe sich so ruhig anfühlen kann und feurig zugleich. Ich weiß nicht, was aus uns wird. Aber ich weiß, dass diese Nacht größer war als jeder einzelne von uns. Und dass ich sie nicht festhalten muss, damit sie bleibt. Ich blieb. Er blieb. Wir gehen weiter. | |||
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Angies Notizbücher (geschlossen)
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- Angelique
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#1
Zuletzt geändert von Angelique am Sa 14. Mär 2026, 18:51, insgesamt 3-mal geändert.

Angelique
Tochter von Julien Vanth
Ich kam. Ich sah. (genug) Ich ging. (früher)
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- Angelique
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#2
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Buch 1 - Waisenhaus Seite 1 Ich bin sehr traurig. Letzte Woche hatte ich Geburtstag und ich habe dieses Notizbuch und diese Schreibfeder bekommen. Die Feder schreibt was ich sage. Aber ich sage es viel schneller als sie schreiben kann. Das ist doof. Heute war ein schöner Tag. Ich war unten am Bach und habe mit den Fischen gespielt. Ich habe ihnen ein kleines Wehr gebaut und eine Zone zum ausruhen. Dann kam Tobias und hat alles zerstört. Ich hasse ihn. Immer ärgert er mich. Ich könnte ihm die Augen auskratzen, aber er ist viel grösser. Und stärker. Und er lacht. Ich habe geweint. Und ich habe von einer Familie geträumt. Deswegen kam ich zu spät zum Abendessen. Schwester Traudi hat mich nicht in den Saal gelassen. Sie hat hat gesagt: "Schon wieder zu spät. Geh dich waschen und zur Strafe gehst du ohne Abendessen direkt ins Bett. Ich komme in 10 Minuten kontrollieren." "Nein, nein, nein", habe ich gesagt, nach dem Abendessen ist heute Vorlesestunde. und..." Sie hat mich nicht ausreden lassen. "Mal sehen", hat sie gesagt und mich weggeschickt. 'Mal sehen', heisst vielleicht ja. Wenn man sich Mühe gibt. Also habe ich mich beeilt. Sogar die Fingernägel mit der grässlichen Bürste sauber gemacht. Ich lag brav im Bett als sie mit Schwester Caro kam. Schwester Caro ist ganz nett. Sie ist neu. Schwester Trudi hat ihr erklärt, was es alles zu tun gibt. Und die Zeit verging. Abendessen war schon längst vorbei. Ich habe versucht, was zu sagen. Aber sie wischte es nur zur Seite. Ich saß wie auf glühenden Kohlen. Ich wollte doch so gern die neuen Geschichten hören. Irgendwann hab ich dann aufgegeben. Ich habe mich im Bett umgedreht und in mein Kissen geweint. Schwester Trudi drehte mich an Schulter herum. "So," sagte sie zu mir, "wenn du jetzt nicht geweint hättest, hätte ich dich gehen lassen. Aber nun bleibst du im Bett." Ich wusste nicht, dass man für verpasste Geschichten nicht weinen darf. Ich glaube Waisenhäuser, sind nicht für Kinder gemacht. Ich halte das aus. Ich halte das aus. Ich halte das aus. | |||
Zuletzt geändert von Angelique am Sa 14. Mär 2026, 18:51, insgesamt 1-mal geändert.

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#3
| Buch 2 - Heranwachsen Seite 5 Der Regen fiel in dünnen, kalten Fäden über Lichthafen, als ich das Tor des Waisenhauses hinter mir ließ. Niemand hielt mich auf. Niemand fragte, wohin ich ging. Das war der Moment, in dem ich verstand, dass ich niemandem fehlte. Nicht dem Haus. Nicht den Regeln. Nicht den Menschen, die mir sagten, wer ich sein sollte. Ich hatte nichts mehr. Nur das, was ich tragen konnte. Und das war nicht viel. Der Tempel von Ogrimar lag hinter dem Wald. Ich wusste nicht genau warum ich dorthin wollte. Nur, dass ich irgendwohin musste, wo niemand so tat, als wäre alles gut. „Dann eben du“, murmelte ich. Ogrimar war kein Trost. Aber er war Richtung. Der Wald war still. Zu still. Ich erinnere mich nur an Bruchstücke. Schritte hinter mir. Lachen. Rauhe Stimmen. Hände, die mich festhielten. Sie nahmen mir alles, was ich hatte. Ein paar Münzen. Mein Messer. Den kleinen Beutel mit Brot. Einer von ihnen lachte. „Wenn du wirklich zum Tempel gehst, Mädchen, dann geh leer.“ Dann ließen sie mich im Schlamm zurück. Als ich in Halams Taverne kam, zitterte ich so stark, dass ich kaum die Tür schließen konnte. Drinnen war es warm. Holzrauch. Stimmen. Leben. Ich setzte mich an den Rand. So wie ich es immer tat. Nicht auffallen. Nicht stören. Geena stellte mir Tee hin. Ich sagte nichts. Meine Hände umklammerten die Tasse. Und ich begann wieder das zu tun, was mir half. Schwarz. Wach. Krieg dich. Leise. Wie Atem. Schwarz. Wach. Krieg dich. Immer wieder. Bis das Zittern langsamer wurde. Ich dachte, niemand würde es hören. Ich lag falsch. Am anderen Ende des Raumes hatte jemand den Kopf gehoben. Nicht wegen mir. Wegen des Musters. Er kam nicht sofort. Er beobachtete erst. Wie jemand, der prüft, ob er sich nicht täuscht. Dann kam er. „Darf ich?“ Nicht freundlich. Nicht unfreundlich. Nur direkt. Er setzte sich, ohne zu warten, ob ich nickte. Er stellte ein kleines Glas hin. „Das hilft schneller als Tee.“ Ich sah ihn an. Berechnend. So wie ich gelernt hatte, Menschen anzusehen. Er sah zurück. Nicht wie die anderen. Nicht interessiert. Nicht prüfend. Er hörte. Ich nahm das Glas und trank. Der Schnaps brannte fürchterlich. Aber das Zittern ließ langsam nach. Eine Weile sagte keiner von uns etwas. Dann klopfte er mit zwei Fingern auf den Tisch. Drei Mal. „Der Dreiklang“, sagte er. Ich blinzelte. „Was?“ „Den du murmelst.“ Er wiederholte die drei Klopfer. „Schwarz. Wach. Krieg dich.“ Ich sah ihn überrascht an. „Du hast zugehört.“ „Ich bin Barde.“ Ein kleines Schulterzucken. „Ich höre Dinge.“ Dann musterte er mich kurz. Nicht wie Männer es tun. Nicht wegen meines Gesichts. Wegen meiner Haltung. Dann lächelte er leicht. „Weißt du, was du da gebaut hast?“ Ich schüttelte den Kopf. Er klopfte wieder auf den Tisch. Drei Impulse. „Das ist ein Akkord.“ „Ein was?“ „Musik.“ Er nahm meinen Löffel und schlug ihn leicht gegen die Tasse. Klang. „C-Dur.“ Ich verstand nichts. Er bemerkte es. „Spannung.“ Klopf. „Halten.“ Klopf. „Handeln.“ Dann sah er mich direkt an. „Du hast dir selbst einen Anker gebaut.“ Das hatte noch niemand zu mir gesagt. Er lächelte nicht. „Das machen nicht viele in deinem Alter.“ Eine kleine Pause. „Die meisten zerbrechen oder werden laut.“ Dann, ganz ruhig: „Du wirst gefährlich, wenn du lernst, das bewusst zu benutzen.“ Das war das erste Mal, dass jemand etwas in mir gesehen hat, das kein Problem war. „Schwarz. Wach. Krieg dich.“ Ein kleines Lächeln. „Ein ziemlich guter Akkord.“ In den Wochen danach kam ich öfter. Nicht wegen des Schnapses. Sondern wegen der Gespräche. Der erste Mensch der mich ernst nahm. Er zeigte mir: Dur. Moll. Spannung. Auflösung. "C-Dur ist: Überleben" "Mindestens genauso wichtig ist a-moll: Mensch bleiben. Dann könnte der Dreiklang so klingen: Bleib. Brenn. Sing. Nicht nur funktionieren“, fügte er leise hinzu. „Auch leben.“ Ich begann ihn zu mögen. Da sagte er:"Morgen gehe ich fort." "Warum" Verständnislos. „Du könntest meine Tochter sein.“ „Und wenn es so wäre?“ Er schwieg lange. Dann sagte er: „Weil es sich nicht so anfühlt.“ Eine Pause. „Und genau deshalb muss ich gehen.“ Er wand sich ab. "Und wenn es so wäre, hätte ich dich 20 Jahre lang allein gelassen." Pause. "Das könnte ich mir nie verzeihen." Am nächsten Tag gab mir Geena einen Zettel: "An Angie: Dein C-Dur ist schon sehr gut. An deinem A-Moll solltest du noch arbeiten: Fall nicht. Verschließ nicht. Verstumm nicht. Nicht kämpfen. Fühlen lernen. Zulassen von Schmerz ohne Untergang. PS: Wirkliche Stärke ist selten. Du hast sie. Bleib gefährlich." Was mir von ihm blieb, ist dieses kleines Notizbuch. Ein schmales, abgegriffenes Heft. Darin standen meine Akkorde. Manche stark. Manche roh. Manche nur halbe Ideen. Und später begann ich, auch andere zu notieren. Die Menschen um mich herum. Ihre Rhythmen . Ihre Dreiklänge. Vielleicht war das der Moment, in dem ich verstand, dass Zuhören eine Form von Stärke ist. Und dass Sehen bedeutet, wahrzunehmen. Vielleicht war das der Moment, in dem ich begann, Menschen nicht mehr als Gefahr zu lesen — sondern als Geschichten. Und dass jede Geschichte eine Wunde hat, die jemand sehen muss. Und vielleicht war das der Moment, in dem ich verstand: Hör hin. Bleib weich. Geh weiter. | |||
Zuletzt geändert von Angelique am Sa 14. Mär 2026, 18:51, insgesamt 1-mal geändert.

Angelique
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Ich kam. Ich sah. (genug) Ich ging. (früher)
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#4
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Buch 1 - Waisenhaus Seite 8 Heute war Tag der offenen Tür. Alle mussten sich waschen. Die Haare wurden gekämmt, auch wenn es weh tat. Die guten Kleider. Die, die kratzen. Schwester Traudi sagte: „Wer traurig aussieht, wird nicht genommen.“ Also haben alle versucht zu lächeln. Ich auch. Der große Saal roch nach Seife. Und nach Suppe. Und nach etwas, das sich wie Hoffnung angefühlt hat. Die Erwachsenen gingen langsam durch die Reihen. Sie sahen uns an wie auf einem Markt. Nicht böse. Aber prüfend. „Die ist aber hübsch.“ „Der Junge wirkt kräftig.“ „Die Kleine ist noch jung.“ Als wäre man ein Gegenstand. Ich habe versucht, gerade zu sitzen. Nicht zu sehr. Nicht zu wenig. Neben mir saß Tobias. Er beugte sich zu mir. „Dich nimmt eh keiner“, flüsterte er. „Du guckst immer so finster.“ Ich habe versucht, freundlicher zu schauen. Dann blieb ein Paar vor mir stehen. Der Mann lächelte ein wenig. „Die ist doch ganz süß.“ Mein Herz hat ganz laut geschlagen. Die Frau sagte nichts. Sie sah mich lange an. So, als würde sie etwas suchen. „Komm doch mal her“, sagte der Mann. Ich bin aufgestanden. Da stellte Tobias mir den Fuß in den Weg. Ich habe es nicht kommen sehen. Ich bin gestolpert. Meine Hände suchten Halt. Für einen kurzen Moment dachte ich, die Frau würde mich festhalten. Sie tat es nicht. Ich fing mich selbst. Aber zu spät. Nicht elegant. Nicht ruhig. Die Frau verzog das Gesicht. „Auch noch ungeschickt.“ Der Mann zögerte kurz. Dann gingen sie weiter. Ich habe mich wieder hingesetzt. Meine Knie taten weh. Aber ich habe nicht geweint. Nicht dort. Neben mir beugte sich einer der älteren Jungen zu mir. Ich mochte ihn noch nie. Er roch immer nach kaltem Essen und Spott. Er sah mich an. Nicht böse. Nur wissend. „Heul nur“, sagte er leise. Ich sagte nichts. „Heulen beruhigt.“ Er sagte es wie einen Rat. Wie etwas, das man gelernt hat. Dann lehnte er sich wieder zurück, als hätte er mir etwas Wichtiges erklärt. Ich habe trotzdem nicht geweint. Erst später im Bett. Niemand sagte etwas. Später, als die Erwachsenen gegangen waren, sagte Schwester Traudi: „Man bekommt nur eine Chance, einen guten Eindruck zu machen.“ Ich nickte. Ich glaube, sie dachte, ich hätte verstanden. Heute habe ich gelernt: Manchmal reicht ein einziger Moment, um nicht gewählt zu werden. Am Abend waren weniger Betten besetzt. Ich lag lange wach. Ich habe versucht, nicht mehr zu hoffen. Das tut weniger weh. Nicht fallen. Nicht weinen. Ich halte es aus. | |||
Zuletzt geändert von Angelique am Sa 14. Mär 2026, 19:16, insgesamt 1-mal geändert.

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#6
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Buch 3 - die junge Magierin Seite 25 Heute hat Meister Valen gesagt, ich hätte Talent. Nicht für Feuer. Feuer lernen viele. Für Kontrolle. Er sagte, ich würde nicht zaubern wie jemand, der zeigen will, was er kann. Sondern wie jemand, der weiß, was er tut. Das hat mich gefreut. Mehr als es sollte. Ich lerne schnell. Ich lerne gern. Formeln. Bindungen. Zerstörung. Struktur. Arkan ist ehrlich. Wenn man einen Fehler macht, passiert etwas. Wenn man keinen macht, auch. Das ist einfacher als Menschen. Vielleicht habe ich deshalb Ogrimar gewählt. Nicht wegen der Dunkelheit. Nicht wegen der Macht. Weil er nichts verspricht. Arthek spricht von Hoffnung. Von Licht. Von Güte. Aber Hoffnung hat mich nie geschützt. Klarheit schon. Ogrimar sagt nicht, dass alles gut wird. Er sagt nur: Steh. Das kann ich. Ich brauche keinen Trost. Ich brauche Richtung. Trost macht abhängig. Richtung macht frei. Die anderen Novizen reden viel. Freundschaften. Rivalitäten. Wer wen mag. Wer mit wem schläft. Ich halte mich da raus. Nicht weil ich besser bin. Weil es einfacher ist. Ich weiß, dass Männer mich schön finden. Die Blicke sagen es. Die Art, wie Männer mit mir reden, sagt es. Das ist kein Stolz. Das ist eine Beobachtung. Schönheit verändert Räume. Männer richten sich auf. Stimmen werden tiefer. Blicke bleiben zu lange. Die meisten sind einfach zu lesen. Die Ehrgeizigen wollen gesehen werden. Die Unsicheren wollen bestätigt werden. Die Starken wollen besitzen. Die Schwachen wollen gehalten werden. Viele reden von Macht. Aber man merkt schnell, wer Macht nur spielt. Zu viel Gerede. Zu viel Eindruck. Zu viel Hunger. Ich habe gelernt, ihnen zu geben, was sie suchen. Ein Blick. Ein Lächeln. Eine Nacht. Nicht aus Bosheit. Aus Klarheit. Ich nehme mir, was ich brauche. Sie bekommen, was sie glauben zu wollen. Das ist ein ehrlicher Handel. Manchmal nehme ich mir jemanden. Wenn ich Nähe will. Wenn ich Wärme will. Wenn ich vergessen will, dass alles sonst Kontrolle ist. Keine Versprechen. Keine Namen. Keine Fragen. Das funktioniert gut. Ich lasse niemanden bleiben. Ich habe einmal gesehen, was passiert, wenn jemand bleibt. Und dann doch geht. Die meisten Männer haben Angst vor Stille. Sie füllen sie sofort mit Worten. Mit Versprechen. Mit Plänen. Ich mochte immer die wenigen, die einfach da sein konnten. Ohne zu greifen. Ohne zu beeindrucken. Ohne etwas zu wollen. Die sind selten. Sehr selten Ich glaube, ich habe früh gelernt: Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden. Eine Freundin hatte ich. Kurz. Sie sagte, ich sei schwer zu erreichen. Ich glaube, sie hatte recht. Aber sie hat auch verstanden: Ich stoße nicht weg. Ich lasse nur nicht hinein. Heute habe ich lange Feuer gebunden. Nicht groß. Nicht spektakulär. Nur sauber. Die Flamme stand ruhig in meiner Hand. Ohne zu zittern. Das war ein guter Moment. Manchmal frage ich mich, ob Stärke bedeutet, niemanden zu brauchen. Ich glaube nicht. Ich glaube, Stärke bedeutet, dass man entscheiden kann. Ich habe mich entschieden. Nicht gezögert. Nicht gebeten. Nicht gehofft. Ich bin vor Ogrimar gestorben, wie es sein muss. Ohne Versprechen. Ohne Trost. Nur mit dem, was ich geworden war. Der Tod war klar. Die Rückkehr auch. Als ich wiedergeboren wurde, waren die Flügel da. Schwarz. Nicht wie Nacht. Wie Entscheidung. Ich erinnere mich noch, wie ich sie zum ersten Mal ausgebreitet habe. Nicht groß. Nicht stolz. Nur prüfend. Sie gehorchten. Das war der Moment, in dem ich wusste: Ich gehöre niemandem mehr. Nicht dem Waisenhaus. Nicht der Angst. Nicht der Hoffnung. Nur meiner Entscheidung. Manche haben Angst vor schwarzen Flügeln. Ich nicht. Ich habe sie mir verdient. Vielleicht ist das meine Stärke: Nicht brauchen. Nicht hoffen. Entscheiden. | |||

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#7
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Buch 4 - Gegenwart Seite 5 Seitdem ich mit Hipo am See war, haben sich manche meiner Sichtweisen verändert. Ich habe lange geglaubt, dass alles, was uns passiert, uns wichtig macht. Wer leidet, wird tiefer. Wer kämpft, wird stärker. Wer liebt, wird größer. Am See habe ich etwas anderes gesehen. Der See weiß das alles nicht. Er weiß nicht, wer mutig war. Nicht, wer grausam war. Nicht, wer geliebt hat. Alles wird gleich. Nicht gerecht. Nicht ungerecht. Einfach gleich. Ich glaube, ich habe dort etwas verstanden, was ich nicht erwartet habe. Der See nimmt alles. Aber vorher gehört es uns. Das Leben gehört uns. Nicht dem See. Nicht den Göttern. Nicht dem Schicksal. Uns. Vielleicht ist genau das der Punkt. Nicht was bleibt. Sondern was wir tun, solange es uns gehört. Ich glaube, Hipo hat den See gesehen. Ich glaube, ich habe gesehen, was davor ist. Seitdem hören sich manche Dinge für mich anders an. Macht. Verdammnis. Verlorene Seele. Ewige Strafe. Ketzerei. Das sind große Worte. Am See habe ich nichts davon gesehen. Nur Seelen. Manche ruhig. Manche verloren. Manche festhaltend. Aber keine Strafe. Niemand hat gerichtet. Niemand hat gezählt. Niemand hat gefragt, wer gehorsam war. Ich diene Ogrimar. Nicht aus Angst. Nicht wegen Versprechen. Weil er nichts beschönigt. Ogrimar sagt nicht, dass wir gut sind. Nicht, dass wir böse sind. Er sagt "Steh" Das verstehe ich. Was ich nicht verstehe: Warum Menschen glauben, sie könnten in seinem Namen richten. Chaos braucht keine Richter. Ich frage mich seitdem: Wenn selbst Ogrimar uns unseren Weg gehen lässt – warum glauben Menschen, sie müssten ihn für andere bestimmen? Vielleicht brauchen Menschen das. Vielleicht ist es einfacher, andere zu richten, als sie einfach leben zu lassen. Heute habe ich verstanden: Drohungen machen Menschen klein. Angst macht sie lenkbar. Vielleicht glauben manche, das sei Ordnung. Ich glaube nicht, dass Ogrimar Ordnung braucht. Ich habe gesehen: Der See braucht keine Drohungen. Und Ogrimar auch nicht. Heute war mein Dreiklang Sehen. Fragen. Selber denken. | |||

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#8
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Buch 1 Seite 18 Heute habe ich gelernt, dass laut werden gefährlich ist. Ich wollte nur mein Brot behalten. Nach dem Unterricht durften wir noch kurz draußen bleiben. Ich saß auf der Bank neben der Mauer. Ich hatte mein Stück Brot noch vom Mittag. Ich hebe mir manchmal etwas auf. Für später. Tobias kam mit den anderen. Er ist der Größte. Wenn er kommt, gehen die Kleinen meistens weg. Ich bin sitzen geblieben. Ich dachte, wenn ich ruhig bin, passiert nichts. Er hat mein Brot gesehen. „Gib mal“, hat er gesagt. Ich habe den Kopf geschüttelt. Nicht schnell. Nicht trotzig. Einfach nein. Er hat gelacht. Die anderen auch. „Du brauchst das nicht“, hat er gesagt. „Du bist doch immer so brav.“ Er hat es mir aus der Hand genommen. Ich habe versucht es zurückzuziehen. Nicht stark. Nur fest. Dann haben sie angefangen, es sich gegenseitig zuzuwerfen. Wie ein Spiel. Nur dass ich nicht mitspielen durfte. Ich bin hinterher gelaufen. Ich wollte es nur zurück. Sie haben schneller geworfen. Einer hat gesagt: „Spring doch.“ Ich bin gesprungen. Nicht hoch genug. Sie haben gelacht. Dann ist das Brot in den Dreck gefallen. Sie haben es liegen lassen. Ich habe es aufgehoben. Ich wollte es noch essen. Man darf nichts verschwenden. Da hat Tobias es mir wieder aus der Hand geschlagen. Da habe ich geschrien. Nicht laut. Aber plötzlich. Es ist einfach rausgekommen. Dann kam Schwester Traudi. Alle waren sofort still. „Was ist hier los?“ hat sie gefragt. Niemand hat etwas gesagt. Ich wollte was sagen, aber Schwester Traudi hat gesagt "Du bist ruhig. Das ist doch dein Brot." Sie sah das Brot im Dreck. Sie sah mich. Sie sah die anderen. „Immer bist du im Mittelpunkt“, hat sie gesagt. Ich wollte sagen: Ich war das nicht. Aber meine Stimme war weg. „Wenn du nicht ständig Aufmerksamkeit bräuchtest, gäbe es hier auch keinen Aufruhr.“ Ich habe nicht verstanden, wie man Aufmerksamkeit braucht. Sie hat mich am Arm gepackt. Nicht fest. Aber so, dass ich mitgehen musste. „Heute kein Hof mehr. Und kein Nachtisch.“ Die anderen durften bleiben. Ich habe mich nicht gewehrt. Heute habe ich gelernt: Manchmal reicht es, dass man da ist, um schuld zu sein. Vielleicht ist es besser, wenn man nichts sagt. Vielleicht ist es besser, wenn man nichts will. Vielleicht ist es besser, wenn man nichts braucht. Nichts wollen. Nichts sagen. Nichts brauchen. | |||

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#9
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Buch 1 Seite 84 Heute bin ich dreizehn geworden. Ich dachte immer, wenn man älter wird, wird es leichter. Jetzt weiß ich: Man wird nur besser darin, sich zu verstecken. Es ist fünf Uhr morgens, und die Kälte in den Waschräumen schneidet wie ein Messer durch mein dünnes Nachthemd. Ich sitze auf dem Holz, aber ich bin nicht hier, um mich zu erleichtern. Ich bin hier, weil ich Aufwärmdienst habe. Meine Aufgabe ist so simpel wie eckelhaft: Ich sitze auf dem Klodeckel, die nackte Haut meiner Oberschenkel presst sich gegen das eiskalte Holz. Mein Auftrag ist es, diesen Ring mit meiner eigenen Körperwärme aufzuheizen. Wenn Schwester Traudi oder eine der anderen Schwestern gleich aufsteht, sollen sie es bequem haben. Sie sollen nicht erschrecken, wenn sie sich setzen. Ich starre auf die grauen Fliesen zwischen meinen Füßen. Meine Zähne klappern, aber ich beiße sie fest zusammen, damit niemand das Geräusch hört. Ich fühle, wie die Kälte langsam in meine Knochen kriecht und wie sie mir meine eigene Wärme raubt. Angelique. Die Wärmflasche der Schwestern. Plötzlich geht die Tür mit einem Knall auf. Die schweren Schritte hallen von den Wänden wider. Ich springe auf, stelle mich stramm, den Rücken an die kalten Kacheln gepresst. Mein Herz rast. Schwester Traudi tritt in die Kabine. Sie sieht mich nicht an, würdigt mir keines Blickes. Sie streckt nur die Hand aus und legt ihren Handrücken flach auf den Sitz, den ich gerade verlassen habe. Sie prüft die Temperatur, als wäre ich ein kaputtes Haushaltsgerät. „Lauwarm“, sagt sie leise. Ihre Stimme ist vollkommen emotionslos, was viel schlimmer ist als Zorn. „Setz dich wieder hin, du kleine Versagerin. Wenn ich in zehn Minuten wiederkomme, will ich, dass es glüht.“ Sie dreht sich um und geht. Die Tür fällt ins Schloss. Ich setze mich wieder auf das Holz, das durch den kurzen Moment an der Luft schon wieder abgekühlt ist. Ich spüre, wie eine Träne meine Wange hinunterläuft, aber ich wische sie sofort weg. Wenn mich jemand weinen sieht, wird die Strafe nur noch länger dauern. Später trete ich in den Speisesaal, und das Dröhnen von Hunderten Stimmen schlägt mir wie eine physische Wand entgegen. Der Geruch von fettigem Haferbrei und Bohnerwachs hängt schwer in der Luft. Meine Oberschenkel brennen noch immer von der Kälte der Klobrille, aber nach außen hin muss ich funktionieren wie ein Uhrwerk. Ich trage das schwere Tablett mit dem silbernen Teeservice für die Schwestern. Meine Hände zittern so stark, dass das Porzellan leise klirrt – ein Geräusch, das in meinen Ohren wie eine Alarmglocke klingt. Wenn ich jetzt stolpere, wenn nur ein Tropfen danebengeht, war die Stunde im Waschraum erst der Anfang. Ich erreiche den Tisch der Erzieherinnen. Schwester Traudi sitzt am Kopfende, die Bluse tadellos, das Haar perfekt gerichtet. Sie lacht gerade über einen Witz, ein helles, herrisches Lachen. Als ich mich nähere, bricht sie nicht ab. Sie macht nicht einmal Platz obwohl sie mich sieht. Ich muss mich zwischen die Stühle zwängen, um ihr den Tee einzuschenken. Dabei geschieht das Schlimmste: Ihr Blick streift mich für eine Sekunde. Aber es ist kein Blick von Mensch zu Mensch. Es ist der Blick, den man einem Hocker zuwirft, der im Weg steht. In ihren Augen bin ich die Leere. Sie erinnert sich nicht einmal daran, dass ich vor zehn Minuten halbnackt in der Kälte saß, um ihren Sitz zu wärmen. Für sie war das so selbstverständlich wie das Atmen. Ich spüre die Blicke der Anderen an den Nachbartischen. Sie schauen weg. Sie sehen meine Schande, weil sich ihre eigene darin spiegelt. Niemand hilft, niemand lächelt mir aufmunternd zu. In diesem Haus ist jeder ein einsames Teilchen, das nur darauf wartet, nicht als Nächstes dran zu sein. Ich stelle die Tasse ab. Meine Finger berühren für den Bruchteil einer Sekunde den Tischrand, und ich ziehe sie sofort zurück, als hätte ich mich verbrannt. Ich trete zwei Schritte zurück, senke den Kopf und warte auf die Entlassung. „Zucker, Angelique“, sagt sie, ohne mich anzusehen und führt ihr Gespräch einfach fort. Ich greife nach der Zange. Mein Herz rast und für die Welt um mich herum ist das der Normalzustand. Ich lerne gerade, dass ich unsichtbar bin, bis ich einen Fehler mache. Ich greife nach der silbernen Zange. Meine Finger sind weiß, so fest presse ich sie zusammen. Während ich den Zuckerwürfel langsam in ihren Tee gleiten lasse, spüre ich, wie sich in meiner Brust etwas zusammenzieht. Es ist kein Schmerz mehr, es ist eine kalte, schwarze Wut. Ich schaue auf ihren Nacken, auf diesen perfekt sitzenden Kragen. Sie lacht schon wieder über einen Witz, den ich nicht verstehen darf. In diesem Moment stelle ich mir vor, wie die heiße Teekanne in meiner Hand über ihre tadellose Bluse kippt. Ich sehe vor meinem inneren Auge, wie der heiße Dampf aufsteigt und ihr arrogantes Lachen in einem Schrei erstickt. Aber meine Hand bewegt sich nicht. Sie führt den Befehl aus, präzise und unterwürfig. Dieser innere Widerspruch ist das Schlimmste. Mein Verstand schreit nach Vergeltung, aber mein Körper ist bereits so weit abgerichtet, dass er gehorcht. Ich hasse sie dafür, dass sie mich herabsetzt – aber ich hasse mich selbst noch mehr, weil ich dort stehe, den Kopf senke und warte, bis sie mich mit einer herablassenden Handbewegung entlässt. Ich spüre, wie dieser Hass meine eigene Identität zerfrisst. Er ist das Einzige, was mir noch gehört, mein geheimes Eigentum. Ich füttere ihn mit jeder Sekunde, in der ich hier als Nichts in ihrem Leben herhalten muss. Ich lerne in diesem Moment: Wenn Liebe und Respekt in dieser Welt keinen Platz haben, dann wird Gewalt die einzige Sprache sein, die übrig bleibt. Ich trete zurück in den Schatten der Säulen. Ich bin wieder das unsichtbare Kind. Aber in mir drin, ganz tief vergraben, brennt jetzt ein Feuer, das nur darauf wartet, alles in Schutt und Asche zu legen. Ich bin nicht mehr das jüngste Kind hier. Früher dachte ich, das hier passiert nur mir. Heute sehe ich, wie es bei den anderen beginnt. Die Neuen zittern. Die Älteren werden still. Nicht weil es weniger weh tut. Weil sie gelernt haben, dass Schmerz hier nichts Besonderes ist. Ich sehe jetzt Dinge, die ich früher nicht gesehen habe. Wer laut ist, wird gebrochen. Wer weint, wird länger behalten. Wer widerspricht, wird vorgeführt. Und wer still wird, wird in Ruhe gelassen. Ich glaube, ich verstehe langsam, was sie wollen. Nicht dass wir gut sind. Dass wir gehorchen. Dass wir funktionieren. Dass wir nicht auffallen. Das Licht im Schlafsaal erlischt mit einem harten Metallklacken. Ich liege in der Dunkelheit, die Decke bis zum Kinn gezogen, aber mein Körper ist ein Drahtseil, das kurz vor dem Reißen steht. Um mich herum höre ich das gleichmäßige Atmen der anderen, doch in mir drin herrscht Totschlag. Ich starre an die Decke. Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich Schwester Traudis Gesicht. Ich sehe das beiläufige Nicken, mit dem sie mich wie einen Hund weggeschickt hat. Mein ganzer Körper bebt vor einem Zorn, der so groß ist, dass mein kleiner Brustkorb ihn kaum fassen kann. Ich kralle meine Finger in die Matratze. Ich stelle mir vor, wie ich aufstehe. Ich gehe rüber zum Trakt der Schwestern. Ich habe kein Messer, aber ich habe meine Wut. Ich sehe mich im Geist, wie ich über ihrem Bett stehe und meine Hände um ihren Hals lege – nicht um sie zu verletzen, sondern um ihi nur für eine Sekunde das Gefühl der Ohnmacht zurückzugeben, das sie mir den ganzen Tag lang eingeimpft hat. Aber ich bewege mich nicht. Ich liege vollkommen starr. Und das ist das eigentliche Verbrechen an meiner Seele: Dieser Hass hat kein Ventil. Er hat keinen Ort, an den er fließen kann. Also fließt er nach innen. Ich beginne, mir selbst wehzutun. Ich beiße mir so fest in den Handrücken, dass ich den Abdruck meiner Zähne spüre. Ich brauche diesen physischen Schmerz, um den psychischen Terror zu übertönen. Ich hasse dieses Waisenhaus, ich hasse diese Schule, aber am meisten hasse ich mich selbst, weil ich morgen früh wieder aufstehen werde. Ich werde wieder die Toilette wärmen. Ich werde wieder den Zucker reichen. Ich merke, wie mein Herzschlag langsam kälter wird. Der Zorn verwandelt sich in etwas Festes, Versteinertes. Ich lerne in dieser Nacht, dass Gefühle gefährlich sind. Wenn ich überleben will, muss ich werden wie sie: eisig und grausam. In dieser Dunkelheit verstehe ich: Wenn ich so werde wie sie, gewinnen sie. Ich habe immer gedacht, Dunkelheit bedeutet Angst. Heute merke ich, dass Dunkelheit auch etwas anderes sein kann. Ein Ort, an dem man nichts vorspielen muss. Vielleicht ist das der Grund, warum mich die Dunkelheit nicht mehr abschreckt. Warum mich Ogrimar nicht erschreckt. Sogar anzieht. Hass ist ein Feuer. Man kann daran verbrennen. Oder lernen, es zu nutzen, ohne daran zu zerbrechen. Ich werde es nutzen. Nicht um zu zerstören. Um nicht zerstört zu werden. Weil ich überleben will. Still werden. Wach bleiben. Nicht brechen. Niemand wird mich brechen. | |||

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#10
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Buch 4 – Gegenwart Gestern bin ich gegangen. Aus dem Orden. Weg von ihm. Ich habe nichts erklärt. Nicht weil ich nichts zu sagen gehabt hätte. Sondern weil ich gemerkt habe, dass manches nicht durch Worte getragen wird. Heute merke ich, dass ich etwas Neues gelernt habe. Nicht weil es leichter wurde. Sondern weil ich anders geworden bin. Ich habe nicht gewartet, bis ich übersehen werde. Ich habe gemerkt, wann es Zeit ist zu gehen. Das hätte ich früher nicht gekonnt. Früher wäre ich geblieben. Still. Tapfer. Unsichtbar. Heute nicht mehr. Nicht aus Stolz. Nicht aus Verletzung. Aus Klarheit. Ich hätte gern gewusst, ob er es bemerkt. Nicht mein Gehen. Das war sichtbar. Sondern den Moment davor. Den, in dem man merkt, dass etwas leiser wird. Er hat nichts gesagt. Und ich glaube, das ist seine Art gewesen, es stehen zu lassen. Vielleicht ist das sogar richtig so. Nicht jede Verbindung braucht ein Ende. Manche hören einfach auf zu tragen. Ich nehme ihm das nicht übel. Ich hätte es gern anders gehabt. Das bleibt wahr. Aber ich habe gelernt: Nicht alles, was still bleibt, ist Gleichgültigkeit. Manches ist nur Unfähigkeit, den richtigen Ton zu finden. Und manchmal ist Schweigen auch nur Schweigen. Ich hätte gern gesehen, was daraus geworden wäre, wenn man gemeinsam weitergeht. Aber ich habe auch gelernt: Gemeinsam ist kein Ort. Es ist ein Wegabschnitt. Und wenn er endet, darf man es bemerken. Ich bin gegangen, bevor ich angefangen hätte zu warten. Das war wichtig. Nicht um stark zu sein. Um ehrlich zu bleiben. Einige waren enttäuscht. Vielleicht auch wütend. Ich verstehe das. Wer bleibt, sieht Gehen immer anders als der, der geht. Aber ich kann nicht bleiben, nur damit andere sich sicher fühlen. Gewagt. Gehalten. Losgelassen. Ich musste nicht mehr bleiben, um nicht allein zu sein. Manche Wege trennen sich nur, damit sie sich anders begegnen können. Ich gehe nicht weg. Ich gehe weiter. Der Weg bleibt offen. Ob er ihn sieht? | |||

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#11
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Buch 1 - Waisenhaus Seite 93 Heute musste ich wieder ins Zimmer der Erzieherinnen. Das Schlimmste ist nicht der Schmerz. Das Schlimmste ist die Stille davor. Man hört den Rohrstock. Man hört den Atem. Man hört nichts, was einen retten könnte. Drei Dinge. Ich merke mir Dinge besser, wenn ich sie in drei Teile zerlege: nicht zittern. nicht bitten. nicht hoffen. Als ich eintrete, riecht es nach Bohnerwachs und altem Tee. Die vier Erzieherinnen sitzen da, als würden sie über das Wetter reden. Schwester Traudi schaut nicht einmal richtig auf. Sie richtet nur ihre Blusenknöpfe und sagt nebenbei: „Angelique! Du weißt, warum du hier bist. Du hast zu viel Eigensinn. Das ist unschicklich.“ Mein Herz hämmert gegen meine Rippen. Mein Gesicht bleibt still. Angst ist für sie Treibstoff. Ich merke: Man kann Angst haben. Man kann Schmerz fühlen. Man kann trotzdem stehen bleiben. Auch drei Dinge. „Beug dich über den Tisch.“ Ich tue es. Mein Atem geht flach. Das kalte Eichenparkett unter meinen Socken fühlt sich an wie Eis. Das Holz ist glatt und kühl unter meinen Händen. Ich starre auf einen Kratzer im Tisch. Nur darauf. Wenn man nur auf eine Sache schaut, wird der Rest kleiner. Ich höre, wie sie den Rohrstock aufnimmt. Sswitsch. Sie prüft ihn in der Luft. Dann wieder diese Stille. Ich entscheide mich: Ich bin jetzt nicht mein Körper. Ich bin der Punkt, der auf den Kratzer schaut. Der Rest kann passieren. Sekunden werden lang. Mein Körper wartet. Ich versuche, an etwas Schönes zu denken. Ich stelle mir vor, ich wäre nicht hier. Ich stelle mir vor, meine Mutter würde mich festhalten. Aber alles in mir weiß, wo der Schlag landen wird. Dann kommt er. Der erste Schlag ist Hitze. Wie ein glühender Schnitt durch den unteren Rücken. Ich beiße mir auf die Lippe, bis ich Blut schmecke. Nicht schreien. Schreien macht es nur schlimmer. Ich teile mich innerlich auf: Der Körper. Der Schmerz. Der Teil, der zusieht. Der dritte Teil ist der wichtigste. „Sieh uns an“, sagt Schwester Caro. Ich hebe den Kopf. Vier Gesichter. Keine Regung. Schlag folgt auf Schlag. Tränen nehmen mir die Sicht. Meine Hände klammern sich am Tisch fest. Ich schreie nicht. Als es vorbei ist, richte ich mich auf. Meine Beine zittern. Ich bleibe stehen. Schwester Traudi sieht mich jetzt an. Ihr Blick ist leer. Als hätte sie gerade eine Wand gestrichen. „Du kannst gehen, Angelique. Und vergiss nicht: Das war zu deinem Besten.“ Ich gehe in den dunklen Flur. Etwas in mir ist gerade sehr leise geworden. Und etwas anderes ist an seine Stelle getreten. Etwas Kaltes. Etwas Dunkles. Nicht schwach. Nicht verletzt. Still. Noch. Notiz an mich: Stillhalten. Nicht brechen. Bei mir bleiben. | |||

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#12
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Buch 2 – Seite 74 Erste Wiedergeburt Ich bin allein durch das Orakel gegangen. Nicht weil ich musste. Weil ich wissen wollte, ob ich es kann. Die meisten lassen sich führen. Ich nicht. Im Herz des Schicksals habe ich angehalten. Weil ich gespürt habe, dass ich hier stehen bleiben muss. Ich weiß nicht, wer ich bin. Aber ich weiß, dass ich nicht mehr die bin, die ich war. Ich habe drei Linien in eine Baumrinde geritzt. Eine gerade. Eine gebrochene. Eine, die sich selbst sucht. Ich glaube nicht, dass das Wege sind. Ich glaube, das bin ich. Der Teil, der weitergeht. Der Teil, der zerbrochen ist. Der Teil, der verstehen will. Vielleicht gehört das zusammen. Vielleicht nicht. Aber ich lasse es hier. Falls ich irgendwann zurückkomme. Um zu sehen, ob ich es verstanden habe. Haus 1 war keine besondere Herausforderung. Nur nervig. Die Zeithüter-Bäume waren hingegen heftig. Sie kamen zum Glück nur einzeln. So konnte ich zumindest kurz verschnaufen nach jedem Kampf. Natürlich bin ich den kurzen Weg gegangen. Ich wusste, was mich erwartete. Ich hatte den Zauber Zuflucht erlernt. So gab es keine Probleme. Die Kammern von Haus 2 waren unangenehm. Aber die grösste Herausforderung - war die Geduld. Ein ums andere Mal teleporiert, der Schlüssel zerfallen, der Drache nicht da. So oft davor aufzugeben. Aber doch immer weiter gegangen. Ogrimar war nicht da. Das war das Erste, was ich bemerkt habe. Nur das Orakel. Es spricht nicht wie eine Person. Es spricht wie mehrere Gedanken gleichzeitig. Als würden Stimmen aus verschiedenen Richtungen kommen. Es hat mich nicht geprüft. Es hat nur gefragt: Wem gehörst du? Ich habe zuerst gesagt: Ogrimar. Dann: Mir selbst. Beides war nicht richtig. Die richtige Antwort war: Niemandem. Ich glaube, darum ging es. Ich war bereit. Dann war das Orakel plötzlich weg. Keine Stimmen mehr. Keine Fragen mehr. Nur ich. Und Fallen. Ich dachte, Wiedergeburt wäre ein Moment. Ist es nicht. Es ist eher ein langsames Auseinandernehmen. Nicht nur der Körper. Nicht nur der Kopf. Etwas dazwischen. Das, was beides zusammenhält. So hat es sich angefühlt: Als würde jemand mit stiller Kraft die Haut herunterziehen. Ganz langsam. Als würde jemand sehr ruhig und sehr genau jede einzelne Faser lösen. Nicht brutal. Eher unerbittlich. Faser für Faser. Und jede einzelne wird ersetzt. Nicht repariert. Nicht geheilt. Neu gemacht. Als würde man denselben Gedanken noch einmal schreiben. Nur mit anderen Worten. Es tat weh. Aber nicht wie eine Verletzung. Eher wie ein Aufhören. Wie das Ende von etwas, das man so lange war, dass man vergessen hat, dass es einmal begonnen hat. Etwas in mir, das lange nur auf Überleben ausgerichtet war, ist ruhiger geworden. Anpassen. Aushalten. Nicht auffallen. Das war richtig. Damals. Jetzt nicht mehr. Es verschwindet nicht plötzlich. Es wird einfach weniger. Wie ein Werkzeug, das man nicht mehr ständig braucht. Langsam. Unauffällig. Endgültig. Danach bleibt etwas anderes. Nicht Mut. Nicht Wut. Eher Erlaubnis. Ich darf Raum einnehmen. Ich darf bleiben, wenn andere ausweichen. Ich darf ich sein, ohne leiser zu werden. Das fühlt sich nicht neu an. Eher wie etwas, das mir sehr früh genommen wurde. Vielleicht verändert Wiedergeburt einen nicht wirklich. Vielleicht legt sie nur Schichten frei. Vielleicht wird man nicht jemand anderes. Vielleicht wird man nur ehrlicher. Die ersten Federn - schwarz. Natürlich. Nicht schön. Nicht beeindruckend. Einfach schwarz. Mit roten Spitzen. Wie etwas, das nicht vorgibt, etwas anderes zu sein. Ich habe sie berührt. Sie fühlen sich warm an. Nicht fremd. Eher wie etwas, das zu lange gefehlt hat. Ich habe mich gefragt, wie es sich anfühlen sollte. Ich glaube: Gar nicht besonders. Keine Macht. Keine Euphorie. Kein Gefühl, auserwählt zu sein. Nur Klarheit. Als würde etwas in mir aufhören zu diskutieren. Ogrimar war nicht da. Das ist wichtig. Wenn er da gewesen wäre, hätte ich vielleicht gedacht, ich mache das für ihn. So weiß ich: Das hier gehört mir. Das Orakel hat gefragt, ob ich Angst habe. Nein. Nicht weil ich mutig bin. Weil Angst nichts ändert. Ich habe nichts versprochen. Niemandem. Nicht einmal mir. Ich will erst verstehen, was ich geworden bin. Schwarz bedeutet vielleicht nicht Dunkelheit. Vielleicht bedeutet es: Nichts beschönigen. Nichts vergessen. Nichts vorspielen. Die Flügel fühlen sich nicht wie ein Geschenk an. Eher wie Verantwortung. Ich glaube nicht, dass sie mich verändern. Ich glaube, sie zeigen nur, was schon da ist. Wenn das die erste Wiedergeburt ist, dann bedeutet das wohl: Es kommen noch mehr. Ich bin gespannt, ob ich mich dann noch erkenne. Oder ob genau das der Punkt ist. Notiz an mich selbst: Nicht vergessen, warum ich allein gegangen bin. Nicht stärker werden wollen. Nicht besonders werden wollen. Nur echter. Schwarz. Neu. Ich. | |||

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#13
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Buch 3 - Gegenwart Seite 18 3. Wiedergeburt Reloaded Ich habe die dritte Wiedergeburt wiederholt. Nicht weil ich versagt habe. Sondern weil sie nicht mehr zu mir passte. Nach der 3.Wiedergeburt bin ich Behüterin geworden. Heilerin. Weil Hipo mich darum gebeten hatte. Weil der Orden jemanden brauchte. Weil ich nützlich sein wollte. Und auch, weil es sich gut angefühlt hat. Heilen ist leicht zu verstehen. Es geht darum, Wunden zu schließen, Schmerz zu lindern und Stabilität zurückzugeben. Das konnte ich. Was ich weniger gut konnte, war das Dazugehören. Ich war im Orden. Ich war bei Hipo. Und trotzdem war ich allein. Mehr als vorher. Die eigentliche Erkenntnis war nicht, dass ich gegangen bin. Sondern dass ich verstanden habe, dass ich schon vorher allein gewesen war. Heilerin zu sein ergibt Sinn, wenn man bleibt. Wenn man Teil von etwas ist. Wenn man weiß, für wen man es tut. Als ich gegangen bin, ist dieser Zusammenhang verschwunden. Übrig blieb nur die Fähigkeit. Ohne den Grund. Das fühlte sich falsch an. Wie ein Werkzeug, das noch funktioniert, aber keine Aufgabe mehr hat. Also bin ich zurückgegangen. Zur dritten Wiedergeburt. Noch einmal. Diesmal allein. Nicht, weil jemand es brauchte. Sondern weil ich verstehen wollte, wer ich ohne Aufgabe bin. Früher dachte ich, Wiedergeburt wäre ein Einschnitt. Ein Moment, nach dem alles anders ist. Heute glaube ich, dass sie eher ein Sortieren ist. Ein langsames Ordnen dessen, was wirklich zu mir gehört, und dessen, was ich nur eine Zeit lang getragen habe. Bei der dritten Wiedergeburt damals habe ich eine Aufgabe angenommen. Es fühlte sich richtig an zu heilen, zu stabilisieren und gebraucht zu werden. Vielleicht, weil es mir zum ersten Mal das Gefühl gab, einen Platz zu haben. Diesmal war es anders. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas Neues werden zu müssen. Eher das Gefühl, Dinge zurücklegen zu dürfen, deren Zeit vorbei war. Es war kein Schmerz wie früher. Mehr ein ruhiges Verstehen. Dass manches im Leben nicht falsch war, sondern einfach nur zeitgebunden. Dass ich den Orden nicht verlassen habe, weil ich gescheitert bin, sondern weil mein Weg dort zu Ende war. Dass ich Hipo nicht verlassen habe, weil er mir nichts bedeutet hat, sondern weil ich nicht bleiben konnte, ohne mich selbst dabei zu verlieren. Das ist ein Unterschied, den ich früher nicht verstanden hätte. Ich glaube nicht, dass ich bei dieser Wiederholung etwas dazugewonnen habe. Ich habe nur aufgehört, etwas festzuhalten, das ich nicht mehr sein musste. Vielleicht ist genau das Wachstum. Diesmal gab es keine Suche und keinen inneren Widerstand. Eher das Gefühl, aufzuräumen. Dinge zurückzugeben, die ich eine Zeit lang getragen habe, weil sie gebraucht wurden. Dabei habe ich verstanden: Ich bin nicht Heilerin geworden, weil ich heilen wollte. Ich bin Heilerin geworden, weil ich bleiben wollte. Bei ihm. Beim Orden. Bei der Idee von Zugehörigkeit. Diese Zeit ist vorbei. Nicht bitter. Nicht traurig. Nur klar. Allein sein fühlt sich heute anders an als früher. Früher bedeutete allein sein, dass niemand da war. Heute bedeutet allein sein, dass ich da bin. Und das reicht. Notiz an mich: Ich muss nicht gebraucht werden, um meinen Platz zu haben. Ich muss mich nicht festhalten lassen, um zu bleiben. Ich muss nicht bleiben, wenn ich innerlich schon gegangen bin. Oder einfacher gesagt: Allein. Ganz. Frei. Wer gebraucht wird, ist nicht frei. | |||

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Buch 2 - die junge Magierin Seite 94 Heute kam ein Brief für mich an. Ich weiss nicht so recht, was ich damit anfangen soll.
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Buch 2 - die junge Magierin Seite 94 Heute kam ein Brief für mich an. Ich weiss nicht so recht, was ich damit anfangen soll.
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#16
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Buch 2 – die junge Magierin Seite 97 Ich hätte auch umdrehen können. Niemand hätte es gewusst. Das Tor stand noch genauso da wie früher. Dunkles Holz. Eisenbeschläge. Zu hoch für Kinderhände. Ich bin trotzdem stehen geblieben. Nicht lange. Nur lange genug, um sicher zu sein, dass ich nicht aus Gewohnheit gehe. Dann bin ich weiter. Der Hof war kleiner als in meiner Erinnerung. Das überrascht mich nicht. Alles wirkt kleiner, wenn man nicht mehr das Kind darin ist. Der Geruch war derselbe. Stein. Seife. Ein Hauch von kaltem Essen. Bohnerwachs. Haferschleim. Pfefferminztee. Mein Körper hat ihn sofort erkannt. Alle Härchen gingen auf 'Hab acht'. Unwillkürlich zogen sich meine Schultern zusammen. Das fand ich interessanter als die Erinnerung selbst. Schwester Caro hat mich zuerst nicht erkannt. Das war mir recht. Ich habe meinen Namen gesagt. Sie wurde still. Nicht erschrocken. Eher… vorsichtig. „Angelique“, sagte sie schließlich, als würde sie ein altes Buch aufschlagen. Ich habe genickt. Wir haben nicht über früher gesprochen. Das war auch nicht nötig. Menschen wie sie sprechen nicht über Dinge, die sie getan haben. Sie sprechen über Abläufe. Sie sagte mir, Schwester Traudi sei vor einigen Monden gestorben. Ich habe nichts dazu gesagt. Ich habe gewartet, ob ich etwas fühlen würde. Da war nichts. Das war interessant. Dann sagte sie etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Dass sich im Nachlass von Schwester Traudi ein Umschlag mit meinem Namen befunden habe. Sie sagte es sachlich. Als würde sie über eine Inventarliste sprechen. Ich habe gefragt, warum ich nie informiert wurde. Sie sagte, man habe nicht gewusst, wo ich sei. Ich habe nichts erwidert. Sie erklärte, dass persönliche Dinge von Verstorbenen gesammelt werden. Was nicht zugeordnet werden kann, komme ins Archiv. „Dachboden“, sagte sie. Als wäre das ein neutrales Wort. Ich erinnere mich noch, wie wir Kinder glaubten, dort oben wären Gespenster. Vielleicht hatten sie recht. Der Umschlag sei bestimmt auch dort. Zusammen mit den anderen Dingen von Schwester Traudi. Sie fragte, ob ich ihn sehen wolle. Ich habe nicht sofort geantwortet. Nicht aus Angst. Ich wollte nur sicher sein, dass ich aus Entscheidung antworte. Ich sagte: „Ja.“ Notiz für mich: Manche Wege enden nicht. Sie warten nur, bis man stark genug ist, sie noch einmal zu gehen. | |||

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#17
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Buch 2 – die junge Magierin Seite 98 Der Weg durch das Haus war länger als ich erwartet hatte. Nicht weil er sich verändert hatte. Weil ich jeden Schritt bewusst setzte. Die Flure waren heller als früher. Mehr Fenster. Mehr Licht. Oder ich war einfach größer. Kinderstimmen. Leiser als in meiner Erinnerung. Ein Junge saß auf einer Bank und nähte einen Riss in seinen Ärmel. Zu ordentlich für sein Alter. Ein Mädchen stand zu gerade an der Wand. Hände hinter dem Rücken. Blick nach unten. Ich kannte diese Haltung. Nicht Disziplin. Vorsicht. Eine Gruppe ging an uns vorbei. Niemand sprach. Zu viele Augen, die zu schnell lernen mussten. Ich merkte, wie mein Atem flacher wurde. Nicht bewusst. Der Körper erinnerte sich zuerst. Ich hörte Schritte hinter mir und hatte für einen Moment den Impuls, zur Seite zu gehen. Platz machen. Nicht auffallen. Es dauerte einen Moment, bis ich verstand, dass ich das nicht mehr musste. Das war… irritierend. Wir gingen eine Treppe hinauf. Das Holz knarrte noch genauso. Ich wusste vorher, welche Stufe lauter sein würde. Mein Fuß wich ihr automatisch aus. Das war der Moment, wo mir klar wurde: Man vergisst nichts. Man hört nur auf, bewusst daran zu denken. Mir wurde plötzlich übel. Nicht stark. Nur dieses langsame Ziehen im Magen, wenn der Körper schneller ist als der Verstand. Ich sagte nichts. Ich wollte sehen, wie weit ich gehen kann, ohne stehenzubleiben. Die Luft wurde kälter, je höher wir kamen. Dann kam der Geruch. Staub. Altes Holz. Feuchtigkeit. Und etwas anderes. Abgeschlossene Luft. Der Speicher. Schwester Caro öffnete die Tür. Das Licht reichte nicht weit. Staub bewegte sich in den Strahlen wie langsamer Regen. Spinnweben in den Balken. Kisten. Vergessenes. Mein Blick ging sofort nach links. Ich wollte das nicht. Aber er tat es. Die kleine Tür war noch da. Unauffällig. Zu niedrig für Erwachsene. Zu stabil für Kinder. Ich fragte nicht danach. Sie erklärte es auch nicht. Manche Orte brauchen keine Erklärung. Ich wusste noch, wie es dort roch. Kein Licht. Keine Wärme. Keine Zeit. Ich erinnere mich nicht an Schreien. Nur an Warten. Mein Körper machte einfach zu. Nicht Angst. Eher Abschaltung. Weniger Gefühl. Weniger Atmung. Weniger alles. Ein alter Mechanismus. Ich ließ ihn zu. Er hatte mir früher geholfen. „Hier“, sagte Schwester Caro irgendwann. Eine einfache Holzkiste. Nicht besonders. Nur ein Name auf einem kleinen Zettel. Traudi. Sie öffnete sie. Papier. Ein paar persönliche Dinge. Nichts Bedeutendes für Außenstehende. Alles bedeutend für jemanden. Dann nahm sie einen Umschlag heraus. Mein Name. In ihrer Handschrift. Ich erkannte sie sofort. Das überraschte mich. Nicht der Brief. Dass ich die Schrift noch kannte. Für einen Moment wurde es zu viel. Nicht emotional. Physisch. Zu viele Signale gleichzeitig. Zu viele alte Verbindungen. Ich merkte, wie meine Finger kälter wurden. Also griff ich zu. Bewegung hilft. Ich nahm den Umschlag. Das Papier war schwerer als es sein sollte. Ich sagte nichts. Sie auch nicht. Das war gut. Ich nickte nur. Dann ging ich. Schneller als normal. Ohne Blick zurück. Nur raus. Die Treppe hinunter. Durch den Flur. Durch die Tür. Erst draußen merkte ich, dass ich den Umschlag sehr fest hielt. Notiz: Der Körper erinnert sich länger als der Kopf. Und manche Türen öffnet man nur, um endlich hindurchzugehen. | |||

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#19
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Buch 2 – die junge Magierin Seite 99 Aus dem Nachlass von Schwester Traudi Der Umschlag enthielt ein einzelnes gefaltetes Pergament. Die Schrift war kantig, sauber und ohne jede Verzierung.
Dem Brief liegt ein schweres Medaillon bei, dunkel angelaufen, mit einem Symbol, das ich nicht zuordnen kann. | |||||||||||||||||||||||

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#20
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Buch 2 – die junge Magierin Seite 100 Ich habe den Brief zweimal gelesen. Nicht weil ich ihn nicht verstanden hätte. Weil ich prüfen wollte, ob ich etwas dabei fühle. Beim zweiten Mal wusste ich: Doch. Aber anders als erwartet. Gold. Ein Name. Ein Gegenstand. Das sind Fakten. Fakten sind einfacher als Erinnerungen. Ich habe das Medaillon lange in der Hand gehalten. Es war wärmer, als Metall sein sollte. Oder meine Hand war kälter. Schwer zu sagen. Ich habe es nicht geöffnet. Interessant ist nicht, dass jemand mich abgegeben hat. Interessant ist, dass jemand vorbereitet hat, dass ich eines Tages danach fragen könnte. Ich versuche herauszufinden, ob das etwas ändert. Bisher nicht. Ich bin noch dieselbe Person, die heute Morgen hier angekommen ist. Das ist beruhigend. Was sich verändert hat: Es gibt jetzt einen Anfangspunkt. Vorher war ich einfach da. Jetzt weiß ich, dass jemand entschieden hat, dass ich da sein soll. Ich weiß noch nicht, was ich davon halte. Ich bin nicht wütend. Das überrascht mich etwas. Vielleicht später. Notiz: Nicht jede Wahrheit fühlt sich groß an. Manche sitzen einfach da und warten, bis man bereit ist, weiterzufragen. (kleiner Abstand, als hätte sie später noch etwas ergänzt) Ich habe das Medaillon doch geöffnet. Nur kurz. Ich weiß nicht, was das Zeichen bedeutet. Aber ich bin mir sicher, dass es jemandem etwas bedeutet. Das reicht fürs Erste. Ich verstehe jetzt warum Thuryn gesagt hat, ich solle nicht in der Vergangenheit wühlen. Wunden wurden aufgerissen. Und im Grunde genommen weiss ich nichts. Ich bin immer noch dieselbe Angie. Und muss mit dem leben, was jeder Tag bringt. Vielleicht eines: mein Name ist mir vielleicht etwas weniger verhasst. | |||

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#21
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Buch 3 – Gegenwart ohne Datum Es gibt Orte, an denen man lernt, still zu werden. Nicht weil man es will. Weil es einfacher ist. Im Waisenhaus gab es eine Bank im Flur. Dort saßen die, die gerade keinen Platz hatten. Nicht bestraft. Nicht ausgewählt. Einfach nicht gebraucht. Man wartete dort. Bis jemand entschied, wohin man gehörte. Küche. Waschraum. Kapelle. Oder wieder zurück auf die Bank. Damals hatte ich geglaubt, das sei Ordnung. Heute weiß ich: Es war nur das Leben anderer Leute, das über mein Leben bestimmte. Ich erinnere mich an die Hände auf meinen Schultern. Nicht grob. Nicht freundlich. Lenkend. Herrische Stimmen: „Hier entlang.“ „Nicht dort.“ „Das ist nichts für dich.“ Ich hatte gelernt zu folgen. Nicht weil ich schwach war. Weil ich dazugehören wollte. Im Fels ist es anders. Oder ich habe geglaubt, es sei anders. Hier sind es keine Kinder. Hier sind es Entscheidungen. Aber das Gefühl ist vertraut. Nicht die Worte. Nicht die Menschen. Das Gefühl. Dort stehen. Warten. Eingeordnet werden. Dabei ist die Erkenntnis sehr einfach: Ich bin kein Kind mehr. Und ich warte nicht mehr auf jemanden, der mir sagt, wo ich hingehöre. Es war ein seltsamer Moment. Nicht wie Trotz. Nicht wie Befreiung. Mehr wie eine Tür, die man von innen schließt. Leise. Ich werde bleiben, weil mein Weg hier ist. Und wenn der Rat entscheidet, dass er dort nicht mehr ist, werde ich gehen. Nicht weil sie mich wieder weggeschickt haben. Sondern weil ich gelernt habe: Mein Platz ist kein Raum, den andere mir zuweisen. Mein Platz ist der Weg, den ich gehe. Merkwürdig. Diesen Satz sah ich neulich in die Mauer eines Friedhofs geritzt: "No hay caminos Hay que caminar"(1) "Es gibt keine Wege und trotzdem müssen wir gehen." oder wie Thuryn es singt: "Es gibt keine Wege. Es gibt nur das Sich-Bewegen." (1) Antonio Machado oder Louis Nono je nachdem welcher Quelle man Glauben schenkt | |||

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Buch 2 – die junge Magierin Seite 102 Ich habe das Medaillon noch einmal geöffnet. Das Pergament war klein. Mehrfach gefaltet. Alt, aber nicht brüchig. Als wäre es nicht vergessen worden. Nur… zurückgehalten. Die Schrift war ruhig. Kein Zittern. Keine Eile. Ich habe nicht viel verstanden. "Wenn du dies liest, bist du weiter gegangen, als man es dir zugetraut hat." Einige Zeilen dazwischen waren kaum noch zu entziffern. "Der Name, den man dir gab, war kein Trost. Und kein Schutz. Er ist eine Erinnerung." Ich habe den Satz mehrmals gelesen. "Er sollte dich erinnern, wenn du beginnst, dich selbst zu vergessen." "Du gehörst nicht zu dem, was sich ordnet. Nicht zu dem, was sich bindet. Und nicht zu dem, was sich führen lässt. Du wirst es lange versuchen. Weil du verstehen willst. Weil du dazugehören willst." "Das ist kein Fehler. Aber es wird dich nicht halten." Das hätte man mir früher sagen können. Ich hätte es trotzdem nicht verstanden. "Man hat dich nicht fortgegeben, um dich zu verlieren. Sondern weil du dort, wo du herkommst, nicht hättest bleiben können, ohne dass man dich gebrochen hätte." Ich habe lange an dieser Stelle innegehalten. Die letzten Zeilen waren dichter geschrieben. Als hätte jemand gewusst, dass nicht mehr viel Platz blieb. "Wenn du an einen Ort kommst, der antwortet, ohne zu sprechen, dann bleib einen Moment." "Du wirst wissen, was gemeint ist." Keine Unterschrift. Kein Zeichen. Nur ein letzter, einzelner Absatz, fast an den Rand gedrängt: "Du bist nicht dazu bestimmt, deinen Platz zu finden. Du bist dazu bestimmt, ihn zu verändern." Ich glaube, ich beginne zu verstehen. „Wenn du zweifelst, vertrau dem Fels der zuhört." | |||

Angelique
Tochter von Julien Vanth
Ich kam. Ich sah. (genug) Ich ging. (früher)
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- Angelique
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#23
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Buch 3 - Gegenwart Man hat entschieden, dass ich nicht dazugehöre. Das war zu erwarten. Ich kehrte zurück, um mit Freunden und Familie weiter zu gehen. Ich fand: Keine Freunde. Keine Familie. Kein Weitergehen. Sondern: Waisenhaus 2.0. Zwang. Demütigung. Unterordnung. Nicht als Prüfung. Als Demonstration. Sie behaupteten mich auf Loyalität und Treue prüfen zu wollen, haben es aber mit Unterordnung, Unterwürfigkeit und Gehorsam verwechselt. Als ob sich jemals ein Anhänger Ogrimars hätte derart demütigen lassen. Dort: sinnlose Gewalt gegen Kinder. Hier: Gewalt gegen Erwachsene. Keine Gruppierung um zu Bleiben. Und Familie? Fae? Es ist frei erfunden, dass ich das Haus verlassen hätte. Das keiner sieht, dass sie als Adoptivkind nur Angst um ihren Platz hat. Egal. Ich dränge mich nicht auf. Die leibliche Mutter kann mir keiner nehmen. Aber vielleich war ich im Waisenhaus ja doch besser aufgehoben als in dieser Familie. Erfreulich war allein der Fels. Ich höre ihn. Er hört mich. Der Rest verliert an Bedeutung. | |||

Angelique
Tochter von Julien Vanth
Ich kam. Ich sah. (genug) Ich ging. (früher)
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