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Haus Zardoz

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Lyrielle
Bürger / Bürgerin
Beiträge: 315
Registriert: Di 8. Jun 2010, 12:53

#776

Beitrag von Lyrielle »

Der kleine Rubin rief sie.
So wie die Vampiress immer gerufen wurde wenn Jayla auf Althea an dem Stein rieb.
Im Schatten versteckt, sah sie dem Kind, welches keines mehr war nur nach.
Wir haben beide zu viel erlitten.
Sie zog die Kapuze tiefer in ihr Gesicht.
Weg war sie nicht nur gut versteckt um aus dem Schatten zu wachen.
Herrin der Falkenburg
Bild
Lhyra Zardoz
Knecht / Magd
Beiträge: 9
Registriert: Fr 27. Mär 2026, 10:25

#777

Beitrag von Lhyra Zardoz »

Lhyra hielt Jaylas Blick noch einen Moment fest, als würde sie sich vergewissern wollen, dass dieses leise Nicken wirklich da gewesen war… dass sie es sich nicht nur eingebildet hatte.
Dann senkte sie kaum merklich den Kopf und wandte sich langsam ab.
Ohne ein weiteres Wort setzte sie sich in Bewegung.
Ihre Schritte waren ruhig, bedacht, nicht zu schnell – als würde sie darauf achten, Jayla nicht zu verlieren… und sie gleichzeitig nicht zu drängen. Immer wieder glitt ihr Blick kurz zur Seite, prüfend, ob Jayla ihr folgte.
Der Weg führte sie fort von der Taverne, weg vom Lärm, hinein in die ruhigeren Gassen… bis sich die Umgebung langsam öffnete.
Ein Park lag vor ihnen.
Weitläufig, still, beinahe friedlich. Verschiedene Blumen in sanften Farben säumten die Wege, Büsche und alte Bäume warfen lange Schatten im Licht der Laternen. In der Mitte plätscherte ein großer Brunnen, dessen Wasser sich in einer leichten Fontäne erhob, bevor es wieder ruhig hinabfiel. Mehrere Bänke standen darum herum, als hätten sie schon unzählige Geschichten miterlebt.
Lhyra blieb kurz stehen, ließ den Blick über den Ort gleiten… prüfend.
Dann ging sie weiter, direkt auf eine der Bänke am Brunnen zu.
Erst dort hielt sie inne.
Langsam ließ sie sich nieder, ihre Bewegungen noch immer vorsichtig, als hätte sie Angst, selbst die Stille zu stören. Für einen Moment legte sie die Hände in ihren Schoß, doch ihre Finger fanden keine Ruhe – sie verschränkten sich, lösten sich wieder, suchten Halt.
Lhyra wusste, dass Lyrielle sich von Anfang an in die Herzen geschlichen hatte… auf eine Weise, die man kaum verhindern konnte. Und vielleicht hatte sie es auch nie wirklich gewollt. Sie hatte gesehen, wie Jayla sie ansah… wie leicht es für Lyrielle gewesen war, da zu sein, wo sie selbst gefehlt hatte.
Und sie konnte es Jayla nicht einmal verübeln.
Es war ihre eigene Schuld.
Sie hatte geschwiegen… zu lange geschwiegen. Nur, weil Saerdna keinen Widerspruch duldete.
Ja… er hatte ein großes Herz. Das war es gewesen, was sie einst so an ihm geliebt hatte.
Doch am Ende… war darin kein Platz mehr für sie gewesen.
Und genau deshalb war sie gegangen.
Langsam hob Lhyra den Blick wieder zu Jayla.
Ihre Augen waren ruhig… aber schwer. Voll von Dingen, die viel zu lange unausgesprochen geblieben waren.
Ohne ein Wort machte sie eine kleine, vorsichtige Bewegung mit der Hand neben sich auf der Bank. Keine auffordernde Geste… eher ein stilles Angebot.

Wenn du willst.

Mehr sagte sie nicht.
Sie wartete einfach Still.
Und ließ Jayla die Entscheidung.
Lhyra Zardoz - Wüstenblume - Man kann nicht ungeschen machen was einst war - Man lernt und wächst mit seinen Fehlern. Hat nie aufgehört zu Lieben was sie im Herten trägt.
Jayla Zardoz
Knecht / Magd
Beiträge: 8
Registriert: Mi 25. Mär 2026, 11:11

#778

Beitrag von Jayla Zardoz »

Jayla sagte nichts, als Lhyra sie bat mitzukommen, sondern folgte ihr ruhig und ohne Eile, jedoch mit etwas Abstand.

Sirr blieb dicht an ihrer Seite, der kleine Wüstenfuchs mit gespannten Ohren, immer wieder prüfend in die Schatten blickend als hätte er Lyrielle bemerkt.

Sie vernahm kein Geräusch und spürte nur dieses vertraute Ziehen irgendwo tief in ihr, ein leiser Hauch von Anwesenheit, der sich kaum bemerkbar machte und doch sofort erkannt wurde. Sie wusste, wer dort war, noch bevor der Gedanke sich ganz formte, dieses Gefühl, das sie immer dann erreichte, wenn die Vampiress besonders über sie wachte… sie fühlte sich sicher und geborgen.

Jay ging weiter, Schritt für Schritt ohne zu wissen, wohin Lhyra sie führen würde. Als sie den Ort erreichte den sie ausgesucht hatte blieb Jayla einen Moment stehen als müsste sie erst überlegen ob sie bereit war, sich wirklich zu setzen. Dann ließ sie sich langsam neben ihr nieder ihren Blick auf das Wasser gerichtet welches leicht schimmerte.

Sie wartete ab was Lhyra ihr zu sagen hatte, weil sie verstehen wollte, was all die Jahre unausgesprochen geblieben war, und was das alles mit Lyrielle zu tun haben sollte…. Immer wieder erinnerte sich Jayla zurück… an jenem schicksalshaften Tag ihrer Entführung wollte sie zu ihrem Großvater und zu Lyrielle reisen, da sie sich mit ihrem Vater zerstritten hatte.
Aus meiner Verzweiflung, meiner Dunkelheit strecke ich dir flehend meine Hand entgegen,
taste nach einem Lichtstrahl, und greife ins Leere. Meine stummen Schreie verhallen im Rauch der Gleichgültigkeit.
-eingefrorene Gefühle-
Lhyra Zardoz
Knecht / Magd
Beiträge: 9
Registriert: Fr 27. Mär 2026, 10:25

#779

Beitrag von Lhyra Zardoz »

Als Jayla sich schließlich neben sie setzte, hielt Lhyra einen Moment inne.
Sie rückte nicht näher. Ließ ihr Raum. Genug Luft zwischen ihnen, damit es sich nicht wie ein Zwang anfühlte… sondern wie eine Entscheidung.
Ein leiser Atemzug.
Dann begann sie zu sprechen.
Ruhig. Langsam. So, als müsste sie jedes Wort erst durch all die Jahre hindurch tragen.

„Du warst nie der Grund… warum ich gegangen bin, Jayla.“

Ihre Stimme war leise, aber klar. Und ehrlich.
Für einen Moment schweifte ihr Blick ab, verlor sich irgendwo im Spiel des Wassers im Brunnen, während Erinnerungen in ihr aufstiegen.
**Ich erinnere mich noch genau… an seine Worte.“
Ein kaum merkliches Zucken ging durch ihr Gesicht.
„‚Ich dulde keinen Widerspruch… und keine Unruhe im Haus.**
Sie schluckte leicht.

„Und ich habe geschwiegen.“

Ihre Finger verschränkten sich fester ineinander.

„Dir zuliebe… ihm zuliebe… dem Frieden zuliebe.“

Ein bitteres Lächeln huschte über ihre Lippen.

„Ich habe gedacht, wenn ich still bleibe… wenn ich nachgebe… dann bleibt alles zusammen.“

Langsam senkte sie den Blick.

„Aber das Gegenteil ist passiert.“

Ein kurzer Moment der Stille.

„Lyrielle…“

Ihr Atem stockte kaum merklich bei dem Namen.

„Sie hat sich ihren Platz genommen. Nicht mit Gewalt… nicht offen… sondern leise. Stück für Stück.“

Lhyra hob den Blick wieder, sah Jayla an.

„Und ich habe es zugelassen.“

Da war kein Ausweichen in ihren Augen. Keine Rechtfertigung.
Nur Wahrheit.

„Ich habe gesehen, wie sie näher an euch beide heranrückte… wie ich selbst immer weiter in den Hintergrund trat… bis ich irgendwann… kaum noch da war.“

Ihre Stimme wurde leiser.

„Wie Luft.“

Ein zittriger Atemzug.

„Und irgendwann… konnte ich nicht mehr.“

Sie machte eine kleine Pause, als müsste sie die Kraft sammeln, weiterzusprechen.

„Deshalb habe ich dir Ricco gegeben…“

Ein Hauch von Wärme lag kurz in ihrer Stimme bei dem Namen.

„Weil ich wollte, dass wenigstens ein Teil von mir bei dir bleibt.“

Ihre Augen wurden weicher… trauriger.

„Und dann bin ich gegangen.“

Stille.
Nur das leise Plätschern des Brunnens zwischen ihnen.

„Ich habe gewartet, Jayla.“

Ihre Stimme wurde brüchiger, auch wenn sie versuchte, sie ruhig zu halten.

„Ich habe gehofft… jeden Tag… dass ein Zeichen kommt. Ein Brief. Ein Wort. Irgendetwas… das mir sagt, ich soll zurückkommen.“

Ein langsames Kopfschütteln.

„Aber es kam nichts.“

Ihre Finger lockerten sich langsam.

„Und irgendwann… habe ich angefangen zu glauben, dass ihr… ohne mich glücklicher seid.“

Die Worte hingen schwer zwischen ihnen.

„Also bin ich geblieben, wo ich war. In der Wüste… in dem Leben, das ich kannte.“

Ein schwaches, fast fernes Lächeln.

„Lange Zeit… ganz allein.“

Sie atmete leise aus.

„Bis ich irgendwann wieder unter Menschen gegangen bin… und sich mein Leben… langsam verändert hat.“

Dann wurde sie still.
Für einen Moment sagte sie nichts mehr.
Nur ihr Blick blieb auf Jayla ruhen.
Vorsichtig.
Fragend.

„Und du…?“

kam es schließlich leise. „Wie… ist es dir ergangen?“
Eine kleine Pause.

„Ich sehe… dass du viel in dir trägst.“

Ihre Stimme war sanft, aber ehrlich.

„Mehr, als du zeigst.“

Kein Druck lag darin nur echtes Interesse.
Und vielleicht… ein vorsichtiger Versuch, wieder einen Schritt auf ihre Tochter zuzugehen.
Lhyra Zardoz - Wüstenblume - Man kann nicht ungeschen machen was einst war - Man lernt und wächst mit seinen Fehlern. Hat nie aufgehört zu Lieben was sie im Herten trägt.
Jayla Zardoz
Knecht / Magd
Beiträge: 8
Registriert: Mi 25. Mär 2026, 11:11

#780

Beitrag von Jayla Zardoz »

Jayla sitzt noch immer vollkommen reglos da, während Lhyras Worte über Lyrielle in der kühlen Abendluft verhallen.
Die Verwunderung in ihrem Blick weicht langsam einer kalten Gewissheit. Ein leises.. fast tonloses Lachen entweicht ihren Lippen, während sie den Blick vom Brunnen abwendet und Lhyra direkt in die Augen sieht.

​Du erzählst mir von Lyrielle... flüstert sie.. und ihre Stimme zittert . Du sprichst von Reisen während ich dich frage.. warum niemand kam..Warum erzählst du mir Geschichten von anderen Dingen wenn die Wahrheit doch so viel näher liegt? Du warst im Haus.. Lhyra.. Du hast gesehen wie die Tage verstrichen und auch du hast entschieden das mir keiner hilft....Ich habe eben den Zettel in die Taverne gelegt, weil ich Antworten wollte.. sagt sie leise.. aber mit einer Bestimmtheit.

Du erzählst mir von Lyrielle und dass sie wie eine Mutter zu mir war und damit hast du recht.Sie war da als ich sie brauchte aber Lyrielle war lange vorher in die Burg zurück gekehrt, sie hatte sich von Saerdna getrennt.

Es geht mir auch nicht darum wie oft du auf Reisen warst oder wo diese Reisen hingingen, denn als ich entführt wurde warst du nicht verreist.... du warst bei Saerdna... Ich will wissen... warum mich niemand gerettet hat.. Habt ihr damals überhaupt irgendetwas versucht.. Habt ihr auch nur einen Finger gerührt.. Was genau hast du versucht.. Lhyra..Das ist es.. was mich all die Jahre in der Dunkelheit beschäftigt hat.. während ich gewartet habe.


Jayla lässt den Blick sinken und starrt auf ihre Hände, ein bitteres Lächeln auf ihre Lippen während sie den Kopf langsam wieder hebt.
​Wie es mir ergangen ist.. wiederholt sie leise.. fast tonlos.. Es ist mir ergangen wie jemandem.. der lernt.. dass man sich auf die Stille verlassen kann.. wenn die Menschen.. die man liebt...schweigen.. In den Nächten hatte ich viel Zeit zum Nachdenken.
​Sie sieht Lhyra nun wieder direkt an und ihr Blick ist klarer härter als zuvor. Du sagst.. ich trage viel in mir.. Das stimmt.. Ich trage die Jahre der Ungewissheit in mir.. Ich trage den Geruch von Staub und die Kälte in mir. ​Jayla atmet tief ein.

Sag mir.. Lhyra.. wenn du heute an diesen Tag zurückdenkst, an dem du bei Saerdna standest und von meiner Entführung erfahren hast, was hast du in diesem Moment wirklich gefühlt.. War es Angst um mich, oder war es die Erleichterung, das du dich nicht mehr um mich kümmern musstest weil du viel zu sehr mit deinen eigenen Wegen beschäftigt warst?
Aus meiner Verzweiflung, meiner Dunkelheit strecke ich dir flehend meine Hand entgegen,
taste nach einem Lichtstrahl, und greife ins Leere. Meine stummen Schreie verhallen im Rauch der Gleichgültigkeit.
-eingefrorene Gefühle-
Lhyra Zardoz
Knecht / Magd
Beiträge: 9
Registriert: Fr 27. Mär 2026, 10:25

#781

Beitrag von Lhyra Zardoz »

Lhyra hörte ihr zu, ohne sie zu unterbrechen.
Mit jedem Wort, mit jedem Vorwurf… sah man, wie etwas in ihr arbeitete. Wie es sie traf. Tief. Härter, als sie es nach außen zeigen wollte.
Doch sie blieb ruhig.
Zumindest äußerlich.
Erst als Jayla geendet hatte, verging ein Moment… dann löste sich Lhyra langsam von der Bank. Ohne Hast, ohne plötzliche Bewegung. Sie stand auf, als müsste sie erst wieder festen Boden unter den Füßen finden.
Wortlos ging sie ein paar Schritte zum Brunnen.
Das leise Plätschern des Wassers füllte die Stille zwischen ihnen.
Sie blieb stehen, den Blick auf die Wasseroberfläche gerichtet, in der sich das Licht brach. Ihre Hände ruhten am Rand des Steins, doch ihre Finger spannten sich leicht an.
Ein ruhiger Atemzug.
Dann sprach sie.
„Glaubst du das wirklich…?“
Ihre Stimme war leise. Ruhig. Aber schwer.
Langsam hob sie den Blick ein Stück, ohne sich ganz umzudrehen.
„Dass du mir egal warst…?“ Ein kaum hörbares Schlucken folgte. „Dass ich so über dich denke…?“
Stille.
Nur das Wasser.
„Du kennst mich, Jayla…“ fuhr sie leise fort, ihre Stimme fester werdend, ohne laut zu werden. „Glaubst du wirklich, ich hätte zugelassen, dass dir etwas geschieht… wenn ich davon gewusst hätte?“
Jetzt drehte sie den Kopf leicht zur Seite, gerade so weit, dass ihr Blick Jayla streifen konnte.
Da war Schmerz in ihren Augen. Und etwas, das sich wehrte.
„Ich wusste nichts davon.“
Die Worte kamen klar. Ohne Zögern.
„Und genau das… ist es, was mich zerreißt.“
Ein kurzer Moment, in dem sie den Blick wieder ins Wasser senkte.
Dann atmete sie leise aus.
„Mein Vorwurf an Lyrielle… liegt genau darin.“ Ihre Stimme blieb ruhig, aber sie gewann an Tiefe. „Sie hat sich vom ersten Tag an zwischen uns gestellt. Zwischen mich… und Saerdna… zwischen mich… und dich.“
Ein bitterer Hauch lag in ihren nächsten Worten.
„Und sie hatte Erfolg damit.“
Ihre Finger zogen sich leicht am Rand des Brunnens zusammen.
„Erst sich in eine Familie drängen… sie Stück für Stück auseinanderreißen… und dann… selbst einfach verschwinden.“
Ein leiser, schwerer Atemzug.
„Und jetzt… stehe ich hier… und werde dafür verurteilt.“
Langsam drehte sie sich nun ganz zu Jayla um.
Ihr Blick war ruhig… aber nichts daran war unberührt.
„Wenn sie immer da war… wie du sagst…“ Ihre Stimme blieb leise, aber klar. „Wo war sie dann, als du sie gebraucht hast?“
Die Frage hing zwischen ihnen.
Nicht laut gestellt. Nicht scharf.
Aber sie traf.
Lhyra machte einen kleinen Schritt zurück, als wollte sie bewusst Abstand wahren.
Ihre Hände sanken langsam wieder an ihre Seiten.
„Ich spüre, warum du hier bist…“ sagte sie schließlich, ruhiger, fast müde. „Du bist mir gefolgt… nicht, um mir zuzuhören… sondern um mir das alles entgegenzuhalten.“
Kein Vorwurf in der Stimme.
Nur Feststellung.
Und dahinter… etwas, das sich kaum noch verstecken ließ.
„Und du hast jedes Recht, wütend zu sein.“
Ein kurzer Blick zu Boden.
Dann wieder zu Jayla.
„Aber bitte… glaub nicht, dass du mir je egal warst.“
Lhyra Zardoz - Wüstenblume - Man kann nicht ungeschen machen was einst war - Man lernt und wächst mit seinen Fehlern. Hat nie aufgehört zu Lieben was sie im Herten trägt.
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