Die Hitze lag schwer über dem Anwesen, aber im Rosengarten war es anders.
Hier roch es nach Honig, Erde und blutroten Blüten.
Die Sonne stand hoch und ließen die Blumen glühen, als wären sie aus Feuer geschnitzt.
Sharlyn stand barfuß zwischen den Beeten. Bienen summten träge zwischen den Blüten und die Luft flimmerte.
Ihr weißes Kleid waren vom Staub des Sommers gezeichnet, und Dornen hatten feine Linien an ihren Unterarmen hinterlassen. – Sie kümmerte sich nicht darum.
In ihren Händen eine schwarze Rose, die es eigentlich nicht geben dürfte.
Sie war tiefer als Schatten, und doch schimmerte sie im Sonnenlicht wie Öl auf Wasser.
„Sie wächst trotzdem“, … „selbst hier. Selbst jetzt,“ flüsterte sie fast ehrfürchtig.
Der Garten war in voller Blüte, …rot, …weiß, …gold. Ein Meer aus Leben und Duft. Aber ihre Augen ruhten nur auf der einen, unmöglichen Rose.
Denn sie wusste: wo Rosen blühen, war auch immer Dorn und wo schwarze Rosen wachsen, da folgt etwas Dunkleres.
Sie hob die Blüte an ihre Nase und atmete tief ein. Für einen Moment sah es aus, als würde sie lächeln. Aber es war keines aus Freude.
Es war ein Lächeln von Jemanden, der die Macht der Dunkelheit genauso kennt.
Schwarz. Still. Ohne Duft.
Ein einzelnes Beet an der Steinmauer. Dort wuchs diese eine einzige Pflanze, und obwohl sie sie pflückte, dieser Trieb schenkte ihr immer wieder diese Kostbarkeit.
Kein Busch. Kein Beet. Nur ein einzelner Trieb – schwarz wie Tinte, gerade und stolz, ohne ein einziges Nebenblatt.
Und an seiner Spitze: Eine einzige schwarze Rose.
Die anderen drängten sich, überboten sich an Blüten, wucherten wild.
Aber diese eine Trieb nahm keinen Platz weg, er forderte ihn.
Er blühte nicht trotz des Sommers. Er blühte, weil der Sommer ihm nichts anhaben konnte.
Sie zog einen Beutel aus groben Hanf hervor, den sie an ihrem Gürtel trug. Sorgfältig bettete sie ihn hinein, als wäre es Glas.
Die Schnur zog sie fest, aber nicht brutal. Fast ehrfürchtig.
Dann stand sie auf. Ihr blick glitt ein letztes Mal über das Beet.
Dort, wo eben noch der einzig schwarze Trieb aus der Erde ragte, war nun nur noch nackte, aufgerissene Erde.
Kein Stumpf, keine Wurzelspitze. Nichts.
Es war, als wäre er nie dort gewesen.
Sie verließ den Rosengarten nicht mit leeren Händen. In ihrem Arm einen schweren Bund aus bunten Blüten.
Rot wie Wein, Weiß wie Schnee, Golden wie die späte Sonne.
Ihr Ziel lag jenseits der Felder. Ein Tempel aus hellem Stein, ein Zufluchtsort, ein Anfang, keine Menge.
Doch ein Ritual, welches sie seit Kindheitstagen in sich trug.
Jeden Tag eine frische Rose.
Eine einfache Geste – mit viel Bedeutung.
So war sie den Stufen gar nicht weit mehr entfernt. *