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Der Laurer
Knecht / Magd
Beiträge: 8
Registriert: Sa 20. Aug 2022, 18:19

#76

Beitrag: # 53593Beitrag Der Laurer »

In Lichthafen

Halam's Taverne, ein Gebäude, das im Laufe der Zeit zweifellos an Alter gewonnen hatte. Dennoch blieb dieses traditionelle Gasthaus ein Ort, an dem unterschiedliche soziale Schichten und Glaubensrichtungen auf unterschiedlichste Weise miteinander verschmolzen. Aus welchem Interesse heraus, war sicherlich eine andere Angelegenheit und entsprang meist Neugier, einer geschäftlichen Absicht oder dem kurzweiligen Vergnügen.

Manch einer schien dabei bereit zu sein, über den Tellerrand seiner eigenen Weltanschauung hinauszublicken, während andere dies wiederum mit versteinerter Miene beobachteten.

Hier fanden die meisten Menschen in der Regel, wonach sie suchten – sei es auch nur das neueste Gerücht über die Mächtigen in den Tempeln oder großen Familien.

Klatsch und Tratsch waren allgegenwärtig, und die einfachen Leute sprachen oft über diejenigen, die auf irgendeine Weise die Spitze der Gesellschaft erreicht hatten. Selbstredend waren es nicht immer schmeichlerische Worte. Neid und Missgunst waren oft unterschwellige Begleiter. Doch hörte man genau hin, konnte man oft das Selbstmitleid deutlich erkennen, bei denen sich manche als arme, von der Herrschaften unterdrückte Seelen darstellten und ihre Probleme auf andere schoben, anstatt zu allererst ihre eigene Unfähigkeit und Untätigkeit zu betrachten.

Ehrlich gesagt schenkte er diesen illustren Geschichten weniger Beachtung, war jeder doch am Ende seines eigenen Glückes Schmied. Vorausgesetzt, er hatte den Willen und den Mut, den ersten Schritt in eine solche Richtung zu gehen.

Mit Erheiterung lehnte er in einer der Ecken der Taverne und lauschte einfach nur. Ein Bein hatte er auf der Bank angewinkelt, während sein linker Arm entspannt auf seinem Knie ruhte. Seine rechte umfasste den mit Met gefüllten Humpen, während seine aufmerksamen Augen über die verschiedenen Gestalten im Raum schweiften.

Natürlich gab es auch gewisse, nun ja, Gerüchte, die tatsächlich sein Interesse weckten. Auch wenn vieles davon nicht mehr war als Geschwätz, versprachen einige der Geschichten dennoch wertvolle Informationen oder lukrative Geschäfte. Wissen war Macht und mancherorts mehr wert als jede mit Edelsteinen gefüllte Schatzkammer. Und es gab einige, die ihm nur zu gern bei einem Glas Wein oder Humpen Met ihr Herz ausschütteten. Ein Talent, dass ihm zusammen mit einem gewissen Charme in die Wiege gelegt worden war.

Ein lohnenswertes Geschäft, wenn man es wollte. Ebenso wie es Menschen gab, die genau danach suchten. Die Kunst selbst lag nur darin, dass man das eine mit dem anderen zusammenbringen musste.

Seine kleine Nachricht zu einer seiner Geschäftspartnerinnen war vielleicht auch schon dort angekommen, wo sie sollte.  Vielleicht aber auch nicht. Wer wusste schon, ob oder wem der Umschlag vielleicht aufgefallen war, geschweige denn inwiefern er tatsächlich irgendwann sein Ziel erreichen sollte und wann. Jedoch waren Schulden etwas, das mit Ehre behaftet war und auch wenn jene vielleicht ihr Interesse an den Informationen verloren hatte, so spielte dies keinerlei Rolle in ihrem Vertrag.

Seine Augen hefteten sich auf die zarte, blonde Schönheit, die kürzlich begonnen hatte, Geena bei der Bewirtung der Gäste nach Einbruch der Dunkelheit zu helfen. Zweifellos ein reizendes Mädchen, wenn auch noch etwas schüchtern. Auch wenn sie noch ziemlich jung war für seinen Geschmack, war sie eine wirkliche Augenweide.

Er amüsierte sich dabei, sie mit seinen Blicken nervös zu machen, ihr ein Lächeln zu schenken oder ihren Wangen einen Hauch von Röte zu entlocken, indem er ihr zwanglos zuzwinkerte. Es war schon fast niedlich, wenn ihr die Humpen aus der Hand rutschten und sie beschämt ihren Blick senkte.

Diese vergnüglichen Momente versüßten ihm tatsächlich den Abend, nachdem er den Lohn seines letzten Auftraggebers eingestrichen hatte. Das Leben konnte so einfach, vielfältig und unbeschwert sein, wenn man die Ketten der gesellschaftlichen Erwartungen sprengte und jeden Tag und jede Hürde als ein Abenteuer zu schätzen lernte.
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Verlasse dich niemals auf etwas oder vertraue irgendwem,
denn selbst dein eigener Schatten verlässt dich wenn es dunkel wird.
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Samoel
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 21
Registriert: Mo 17. Jul 2023, 18:25

#77

Beitrag: # 53594Beitrag Samoel »

Die halbe Nacht verbrachte Samoel damit magische Zeichen innerhalb des Kreises anzuzeichnen. Um den Bannkreis mit Magie zu füllen, dazu reichte ihm seine Kraft noch nicht. Doch ermöglichte das Blut des Mädchens ihn die Energie zu geben um alle Formeln aus seinem Gedächtnis abzurufen.
 
Wenn gleich er wusste das es nicht absehbar war wann er diese Zelle jemals wieder verlassen würde. Die Besuche der jungen Magd mochten sein Dasein in diesen Mauern angenehmer gestalten. Die Magd jedoch sollte nicht sein einziger Zeitvertreib bleiben. Wenn man ihm hier unten schon keine Beachtung schenken wollte, dann konnte er um so mehr seinen Fokus auf das Gemäuer der Legion lenken.
 
Bis vor kurzen war er noch Unsichtbar gewesen, nur wenige wussten um seine Existenz. Wenn doch nahm ihn kaum einer wahr. Samoel hielt sich gerne im Hintergrund auf, selbst in den Reihen der lichten Gemeinde war er so gut wie Unsichtbar gewesen. Er war nie gerne in der Gemeindehalle. Wofür er natürlich auch seine ganz eigenen Gründe hatte. Auf Anordnung des Priesters ließ er sich dennoch Pflichtbewusst dort sehen. Denn auch wenn es nicht zum Ton der Gemeindehalle gehörte, durfte er dort seiner Profession als Diener nach gehen. Seine Aufgaben erledigte er gerne im Stillen ohne großes Aufsehen zu erregen. Selbst Etoh wusste oft nicht wie er es schaffte zum Teil mehrere Arbeiten zugleich zu seiner Zufriedenheit zu erledigen, wenn gleich er diesen Mann schon viele Jahre begleitete. Es gab Dinge von denen es besser war wenn man nicht so genau wusste wie diese Wirklich funktionieren. Trotz all seiner Aufgaben hatte Samoel auch immer Zeit gefunden sich um seine eigenen Interessen zu kümmern.
 
Samoel wandert durch den Raum und befühlt die Wände. Sie waren anders als im Kerker zuvor in der Burg de Vil. Dort war der Stein kalt und stumm gewesen. Das Zeugnis eines verwaisten Hauses. Hier jedoch spürte er Leben durch den Stein wabern. Leben wie es nur in einem bewohnten und bewirtschafteten Haus vor kam.
Er legt sein Ohr an die Wand und lauschte. Es waren zu viele Stimmen zu viele Schritte die er vernehmen konnte. Der Morgen musste angebrochen sein, denn das Treiben im Haus wurde reger.
Samoel wich von der Wand zurück. Am Tag waren seine Kräfte zu eingeschränkt, wenn gleich ihn in diesem Kerker kein Sonnenstrahl erreichen sollte. Er würde warten müssen bis die nächste Nacht angebrochen war. Vielleicht würden schon ein oder zwei weitere Besuche des Mädchens reichen damit auch er wieder seine vollen Ressourcen ausschöpfen konnte.
 
Das Brot welches ihm die junge Magd bei ihrem ersten Besuch schenkte, hatte Samoel nicht angerührt. Gerne roch Samoel daran, doch schmecken würde er nichts. Er versuchte sich an den Geschmack von Brot zu erinnern, doch wollte es ihm nicht mehr in den Sinn kommen. Bedauernd, doch wie ein Kleinod schlägt er das Brot in seine zusammengelegte Robe ein. Wer weiß für was er es noch brauchen konnte, doch so sollte es vor unerwünschten Fressfeinden erst einmal sicher sein. Er wollte Vorbereitet sein, sollte er noch einmal auf das widerliche Ungeziefer zurückgreifen müssen.
 
Samoel setzt sich auf den Boden an die Wand gegenüber der Türe. Er lehnt sich an dieser an und schließt die Augen, doch schlafen würde er nicht. Es war eher ein Ruhen. Ein bewusstes hinabgleiten in einen erwünschten durch seine Gedanken gesteuerten Traum.
 
 
Traue der Dunkelheit nicht. Die Wahrheit siehst du nur im Licht.

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geboren aus dem Schoß der Schwester, gezeugt vom gemeinsamen Vater, der erste seiner Art.
Von Familie und Clan verstoßen - seiner Berufung folgend
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Nichts ist wie es scheint und liegt der Wahrheit doch so nah.
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Etoh
Dorfältester / Dorfälteste
Beiträge: 176
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#78

Beitrag: # 53595Beitrag Etoh »

.

Es gab Tage an denen wurde Etoh sich seines Amtes überdrüssig. Warum sich nicht einfach zurück ziehen? In ein Kloster gehen und dort allein im Gebet und mit den Schriften leben? Neue Bücher schreiben, alte Bücher restaurieren und die täglichen Geschäfte anderen überlassen?
 
Doch wäre das 'er'? Nein!
Er war ein Mann des Volkes, suchte seit je her den Kontakt und den Bezug zu den Leuten. Oft zum Verdruss seiner Kollegen und Vorgesetzten auch immer wieder die Konfrontation. Etoh war ein Kämpfer, manchmal ein Unruhe Stifter, aus den Reihen der Kirche ließ man ihn jedoch jeden dieser Kämpfe bestreiten. Oft ging er dabei einen unorthodoxen Weg. Doch auch die Wege Artherks waren nicht immer gerade aus. Letzten Endes ging es immer darum die Gebote Artherks zu verteidigen und den Glauben aufrecht zu erhalten. Mit welchen mitteln auch immer.
Aber gerade seine Nähe zum Volk, zu den Gläubigen in den eigenen Reihen, ließen schnell die Grenzen zwischen einem Freund und die zum Priester verschwimmen. Einerseits erwartete er einen gewissen Respekt vor seinem Amt und damit auch seiner Person, auf der anderen Seite erschwerte der enge Bezug den viele zu ihn hatten diese Haltung anzunehmen und einzuhalten.
 
In den eigenen Hallen, natürlich im Tempel aber auch auf den Straßen oder auf dem Markt kannte und erkannte man den Priester und Apostel Artherks. Ganz gleich ob er in offizieller priesterlicher Gewandung oder eher in einem schlichteren Aufzug unterwegs war.
 
Und dann gab es da noch eine Art neutralen Boden. Auch wenn Etoh nicht oft die Zeit dazu hatte, ganz Privatmann war er nie, außer in seinen eigenen 4 Wänden zu Hause. Doch in Halams Taverne war es selbst dem Priester egal ob ihn ein Trunkenbold im Gedränge sein Bier über die Robe schüttete. Hier gab es Tratsch und Neuigkeiten, Gerüchte an denen ein kleines Fünkchen Wahrheit dran sein konnte und natürlich erfuhr man auch vieles über sich selbst. Ob einem das schmecken mochte oder nicht, Etoh selbst sah es immer als eine Bereicherung und ein Anstoß an sich selbst zu arbeiten.
Stets wenn Etoh die Taverne aufsucht ist er in eher schlichterer Kleidung unterwegs. Selbst wenn man ihn erkennen sollte, musste es nicht immer gleich so offensichtlich sein. Hier war er einer von ihnen, einer mit dem man bei einem Humpen Bier auch gerne per Du sein konnte.
 
So auch an diesen Abend. In einem eher schlichten ockerbraunen Umhang gekleidet betrat er die Taverne. Beim vorbeigehen berührt er Geena kurz am Arm um ein Bier zu bestellen und deutet ihr an wo er sitzen würde. Anschließend setzt er sich an einen Tisch an dem ein paar Leute sitzen die er bereits kannte.
Natürlich war Etohs Ansinnen nicht nur die illustere Gesellschaft angetrunkener Männer und Frauen. Während er sich mit den Leuten unterhielt sah er sich immer wieder wie beiläufig in der Taverne um. Nicht das er jemanden suchen würde, es war eher ein Gespür das er just an diesem Abend zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein könnte.
 
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Heiler zum Beruf - Priester aus Berufung
"Du weißt nicht, wie schwer die Last ist, die du nicht trägst"
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Landru
Gelehrter / Gelehrte
Beiträge: 401
Registriert: Mo 7. Jun 2010, 02:16

#79

Beitrag: # 53596Beitrag Landru »

Wie schlau und gewitzt die Nager doch waren. Durch Ritzen und Winkel, unter Dielen und Wände finden sie einen Weg. Natürlich war es nur ein kleiner Schritt. Ein Schritt in die richtige Richtung nach Informationen. Der Tag fordert von ihm wie stets den Tribut der Tagstarre, er war am Tag also nicht zu gebrauchen. Wie tot liegt er in der eigenen Erde in der er einst bestattet worden war. Nicht das seine Makel irgendwie automatisch jeden anderen betrafen, aber sie hatten sich nie geändert. Alles im Allen was er gehört hatte, an dem was der Prediger hat fallen lassen, so war er durchaus neugierig auf dieses Wesen so voller Wunder, welches quasi die Antworten - wofür so viele gestorben waren in seinen Experimenten die Schwächen auszumerzen - scheinbar in die Wiege gelegt bekam.

Die ersten Nager kehrten ernüchternd zurück. Keine Spur, keine Hinweise. Es gab durchaus Gerüchte, aber zu erwarten das Nager einen wirklichen Bericht abliefern war eher unwahrscheinlich. Das was blieb war die Gewissheit sich zu allen Seiten absichern zu wollen. Es wurde also Zeit sich selbst ein wenig unter das Volk zu mischen. Die fahle Haut unter schwarzen Stoff verborgen, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen zieht es ihn in der nächsten Nacht nach Lichthafen. Das Haus eines Schneiders ist sein Ziel, eine Kreatur wie er konnte nicht einfach irgendwelche Leute fragen ohne das sie nicht versuchen mit Heugabeln und Fackeln ihn in die Flucht zu schlagen.

Magret war gerade mal 6 Jahre alt und schon der ganze Stolz der Familie. Sie erwachte als erste als es an dem Fenster leise klopfte. Als sie aber hinaus sah konnte sie nichts sehen, außer einen Schatten der sich in die Büsche verzog. Auf dem Fensterbrett aber lag eine süsse Frucht. Für arme Leute war Obst so unglaublich teuer und daher war diese Traube die da lag so ein süsses verlockendes Geschenk. Sie öffnete das Fenster und erblickte während die Finger die Traube in den Mund stopften eine ganze Staude. In den knochigen Fingern einer verhüllten Gestalt. Die Augen des Mädchens wurden groß. "Möchtest du mich nicht reinlassen? Dann gehören sie dir." Flüstert die dunkle Stimme aus dem Schwarz der Kapuze. Das Mädchen starrte auf die reifen Früchte in den Händen des nächtlichen Besuchers. So voller Hoffnung. Die eine Traube hatte nur den Hunger geweckt noch viel mehr zu bekommen. Das Mädchen schob sich wieder ins Haus und tapsend auf kleinen Füßen ging es zur Türe. Der Riegel wurde geöffnet und die Tür öffnete sich mit dem Kind in der Mitte. Noch unsicher aber viel zu naiv musterte das Kind erneut den Besucher. "Hallo..." Kam es dann leise von den Lippen. Sich halb an den Türrahmen schmiegend. Wie als täte sie was furchtbar Verbotenes. "Darf ich reingekommen? Ich habe noch mehr Geschenke." Flüstert es verlockend, aber auch mit dem unterschwelligen Tonfall eines Raubtieres. Das Mädchen presste die Lippen zusammen. "Ja.. " Stimmte sie zu und brach damit die Barriere die zwischen ihnen stand.

Der Schneider erwachte als erstes als er sein Kind schreien hörte. Sofort war er aus dem Bett gefolgt von seinem Weib. Was sie sahen will kein Elternpaar sehen. Die Klinge aus Knochen an dem schlanken Hals. Wobei es war keine Klinge, es war als wuchs sie aus seinem Finger, wie ein.. langer Knochensporn der sich zur Klinge krümmte. "Ich habe einen Auftrag für dich, Schneider. Erfülle ihn zu meiner Zufriedenheit und ich lasse euch auf Lebens in Ruhe. Wenn nicht.. " Kurz zuckte der tödliche Finger an der Kehle des Kindes. "Wird ihr weit schlimmeres passieren als nur der Tod." Der Mann wirkte hilflos. Verzweifelt. "Bitte tut ihr nichts, wir haben nichts zu geben. Wir sind arme Leute." Versicherte er und versuchte sein weinendes Weib unter Kontrolle zu bekommen. "Ich will von euch nichts materielles. Ihr könnt mir wahrlich nichts bieten. Ich will das du dich umhörst. Solange kommt das Kind mit mir. Suche Informationen für mich. Suche einen Samoel. Finde heraus wo er steckt oder wohnt oder was auch immer. Hörst du Schneider, Samoel ist der Name. Ein Vasall von Etoh dem weißen Prediger. Man munkelt er sei .. kein Mensch. Finde also heraus wo er ist oder was mit ihm passiert ist." Der Mann sah zwischen Klinge und der Fratze des Unholds hin und her. "Ich  bin nicht sehr geduldig." Der Blick ruckte zu wieder zum Gesicht. "Verzeiht.. Herr.. ich.. ja.. wie finde ich euch?" Der Unhold lächelte leicht und zieht eine Pfeife. "Du solltest gute Informationen haben, wenn du sie bläst. Sehr gute." Damit war alles gesagt und er trat mit dem Kind hinaus in den Garten. Beide sahen dem Unhold nach als er mit dem Kind in der Nacht verschwand.

Der Mann verlor keine Zeit. Zog sofort los um den neusten Gassentratsch zu erfahren. Lauschte hier und da und doch keine Hinweise die ihm geboten worden. Am Ende landete er wie viele rastlose Seelen bei Halam und bestellte ein Bier. Niedergeschlagen, verzweifelt und am überlegen. Der Blick des Mannes huschte über die Gäste. Vielleicht sollte er jemanden hier fragen, aber wen? Er trank sich Mut an.
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
"Es widerspricht meiner Moral, mich an eure zu halten!"
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Lorena
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 52
Registriert: Do 16. Dez 2021, 17:03

#80

Beitrag: # 53599Beitrag Lorena »

Auf den Weg nach Lichthafen

Nach Vollendung ihres Werkes, sickerte der Sand nur noch träge durch die Verengung des Stundenglases. Behutsam verstaute sie das kostbare
Relikt wieder in ihrem Rucksack, dem sie kurz zuvor ihre Runensteintafel entnommen hatte. Jener Transportstein sollte sie binnen kürzester
Zeit nach Arakas teleportieren. Da Eingriffe in die Zeitachsen immer im gewissen Maße strapaziös waren, regelrecht einer kleinen
Opferdarbringung ähnelten, war es wohl eine gute Entscheidung, die Magie der Rune zu nutzen, um die eigenen Ressourcen zu schonen.


Alle notwenigen Handgriffe führte sie aus, ohne großartig darüber nachzudenken. Inzwischen war es ihr in Fleisch und Blut übergegangen, sie
wusste was passieren würde, kannte das kräftezerrende Gefühl, welches sich nur wenige Minuten später einstellen würde, doch eins hatte sie bei
ihrem Tun nicht bedacht. Dies war ihr erster Eingriff in das Zeitgeschehen, seitdem sie nicht mehr ‘alleine‘ war. Zwar fühlte sie sich dieses Mal
nicht so erschlagen, wie die letzten Male, doch dafür wurde ihr Handeln prompt überaus wehleidig und empört kommentiert.
~Verdammter Mist, was war denn das? Ich glaub wir sterben. Tue gefälligst etwas damit das aufhört! Ich bin viel zu hübsch, um so qualvoll zu verenden. ~


Dieses theatralische Gejammere quittierte die Inquisitorin jedoch lediglich mit einem genervten Augenrollen. Was gäbe sie manches Mal doch nur
dafür, wenn sie wieder die alleinige Herrin ihrer Sinne wäre. Um dem quengeligen Dämon jedoch nicht noch mehr Raum für die Inszenierung seiner
Leidensgeschichte zu geben, beschleunigte sie ihre Schritte, um schnellstmöglich in die Stadt zu gelangen. Dort gab es immerhin an jeder Ecke neue
Sinneseindrücke und potentielle Gefahren, die ihren Untermieter in Schach halten würden.


Als sie nur wenig später in Lichthafen eintraf, mäßigte sie ihre Schritte und lief bedacht durch die dunklen Gassen der Stadt bis sie ihr Weg
letztendlich doch zu dem altbekannten Wirtshaus führte. Dort angekommen öffnete sie die Tür zum Schankraum und ließ ihren achtsamen Blick
über die dort zahlreich vertretenen Gemüter streifen.


Die einen waren in Feierlaune, vernichteten Unmengen an Alkohol und erquickten sich an der vermeintlich tollpatschigen Barfrau. Beobachtete man
sie jedoch genauer, war schnell klar, dass dies nur eine primitive Masche eben jener war, um ihr Trinkgeld aufzubessern. Sie gab sich als unschuldiges
hilfloses Weibchen, doch ihre Kluft und das eng geschnürte Mieder, welches überdeutlich eine zur Schaustellung ihrer fleischlichen Auslagen
zelebrierte, sprachen eine andere Sprache. Wie praktisch, wenn dann noch ein Humpen zu Boden ging und sich die Lederhose um ihr Gesäß spannte,
während sie sich bückte. Zwar verstand Lorena nicht, wie man sich derart anbiedern konnte, doch vielleicht war dies einfach auch das Los einer
einfachen Bediensteten.


Da sich die Inquisitorin jedoch nicht wirklich für dieses Schauspiel interessierte, glitt ihr Augenmerk nun zu den anderen Besuchern der Taverne.
An ihren Tischen ging es deutlich gediegener zu. Anscheinend versuchten sie ihren Alltag oder eben den Kummer des Tages in ihren gut gefüllten
Krügen zu ertränken. Zwar glaubte Lorena nicht, dass dies irgendwie zielführend sein könnte, doch wer war sie schon, dass sie sich ein Urteil über
Fremde anmaßte. Leider war sie jedoch mit dieser Denkweise offenbar alleine, denn kaum hatte sie ihren Gedanken im Geiste zu Ende geführt,
vernahm sie wieder einmal die Stimme ihres Dämons. ~Sind sie nicht alle hier einfach nur erbärmlich? Los lass mich ein Gutmensch sein und ihrem
Leid ein Ende setzen, ich könnt sie alle töten hier und jetzt, na los was sagst du dazu? Du musst auch nichts weiter tun, als mich mal eben deinen
Körper übernehmen zu lassen, den Rest erledige ich! ~


Mit einem kaum sichtbaren Kopfschütteln tat sie die Forderung ihres Mitbewohners ab und schritt, da sie vorerst kein bekanntes Gesicht erblickt
hatte, sicheren Schrittes Richtung Aushang der Gesuche voran. Zwar hatte sie grundsätzlich nichts dagegen, wenn ihre Widersacher zu Tode gequält
oder gefoltert wurden, doch bislang hatte ihr niemand in diesem Wirtshaus etwas getan, noch wollte sie sich unnötig in den Vordergrund drängen.
Lieber wollte sie sicher gehen, dass sich die Geschichte nicht wiederholen würde und sich jemand erdreistete sie per Steckbrief suchen zu lassen. 



 

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~ Großinquisitorin der dunklen Kirche~
~ Mitglied der Familie Zar ~



❖Wer sich auf dünnes Eis begibt, sollte sicher sein, dass er gut schwimmen kann, andernfalls wird er vom ewigen dunklen Meer verschlungen.❖
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Samoel
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 21
Registriert: Mo 17. Jul 2023, 18:25

#81

Beitrag: # 53603Beitrag Samoel »

Samoels Traum
 
Im Kamin brannte ein Feuer, auf dem Boden vor ihm lagen über dem hölzernen Parkettboden große, weiche, von Hand geknüpfte, Teppiche. Er fand sich vor einem mannshohen ovalen Spiegel wieder. In selbigen betrachtete er sich selbst. Einen Jungen von 9 Jahren. Gekleidet in einem dunkelblauen maßgefertigten Anzug, darunter ein weißes rüschen Hemd das am Kragen mit einem blauen schmalen Seidenband zu einer Schleife gebunden, geschmückt war. Selbe Stoffwucherungen traten an seinen Handgelenken hervor. Am untersten Ende seiner Hose blitzen sauber polierte Lackschuhe hervor. Eine Aufmachung die jegliches Spielen oder Toben unmöglich machen sollte.
Samoel erinnert sich das dies die morgendliche Prozedur war, ehe sein Vater ihn des Tages den Hauslehrern und seiner Mutter überließ, welche jedoch oft Krank zu sein schien und das Bett hütete. Dies war Normalität für den Jungen.
Im Hintergrund waren die Vorhänge von der Nacht noch zugezogen, doch wusste Samoel das der Tag noch nicht angebrochen war.
Seit er denken konnte war dies die tägliche Prozedur. Sein Vater wollte ihn sehen. Jeden Morgen und Abends oft bis in die Nacht hinein.
Der Junge im Spiegel lächelt etwas, er scheint Zufrieden zu sein. Er dreht sich um und sah seinen Vater mit strahlenden Augen an. Er war es gewohnt ihn im Spiegel nicht sehen zu können und stelle dies als Kind auch nie in Frage.
 
Bereits mit 5 Jahren brachte man ihn das lesen und schreiben bei, ein Jahr später das rechnen. Später folgten Numerologie, Alchemie und Hermetik. Man Lehrte ihn Geschichte, Kunst und höfisches Benehmen, dazu Tanz, Kultur und zwei weitere Sprachen.
Es waren Glückliche Jahre an die sich Samoel gerne zurück erinnerte. Mit seinen Lehrern konnte er trotz aller Disziplin auch Scherze machen. Abends Fragte ihn sein Vater über gelerntes ab und er berichtete ihn jeden Abend mit Stolz von seinen Leistungen und sein Vater zeigte sich stets zufrieden.
 
Er drehte sich wieder um und sah erneut in den Spiegel. Es war ein anderes Zimmer, ein anderer Boden und die Teppiche fehlten.
Ihm blickte sein 17 Jähriges selbst entgegen. Die Farbe seines Maßanzuges hatte sich zu einem silbergrau gewandelt. Sein Hemd aus weinroter Seide mit offenen Revers lies die erste Brustbehaarung bereits durch blitzen. Im Rücken spürte er den missbilligenden Blick seines Vaters. Egal in welchen Alter er war, dieser Ritus hatte sich nie geändert. Des Morgens fragte er ihn über sein Wohlbefinden der Nacht ab, am Abend über seine Studien am Tag. Oft Philosophierten sie in großen Ohrenlehnsesseln sitzend vor dem Kaminfeuer bis in die Nacht hinein.
 
Zu dieser Zeit war er noch ein normaler junger Mann. Rein geboren in ein Haus der höheren Kreise. Seine Mutter sah er zu dieser Zeit wie seinen Vater auch des Tags nie. Nachts bevorzugte sie ein ausschweifendes Leben. Sie wolle das Leben genießen so lange sie noch jung war, pflegte sie zu sagen. Und alle ließen sie gewähren. Samoel wusste nicht das wievielte mal sie bereits Umgezogen waren. Doch länger als 2 Jahren blieben sie nie an einen Ort.
 
Plötzlich befand sich Samoel in mitten einer tanzenden Gesellschaft. Es wurde ausgelassen gefeiert, gelacht und viel Wein getrunken. Es war der 1.Mai, das Dorf feierte das Beltane Fest und Samoel sollte in dieser Nacht in seinem 28 Lebensjahr das erste mal die Vereinigung sowohl mit einer Frau wie auch mit einem Mann erfahren. Ob die beiden bereits ein Pärchen waren, oder ob auch diese sich erst an diesen Abend gefunden hatte wusste Samoel nicht. Was in seiner Erinnerung geblieben ist war das reisende Gefühl der Wollust. Gerade im höchsten Punkt der Ekstase spürte er das tiefe Verlangen und den unkontrollierbaren Impuls dem Mann unter ihm in den Hals zu beißen und sich an seinem Blut zu laben. Die junge Frau die unter ihnen beiden lag, war unter dem Gewicht der beiden Männer gefangen. Sie schrie, doch Samoel konnte nicht aufhören. Eine neue nie dagewesene Kraft durchströmte seinen Körper. Es war sein erstes mal, niemand hatte ihn darauf Vorbereitet und Samoel wusste nicht was er tat, kannte keine Grenze und trank sich satt an ihrer beider Blut.
Nachdem dieser erste Blutrausch verklungen war, sah Samoel voller entsetzen auf das was er getan hatte. Geschwind suchte er sich seine Kleider zusammen und flüchtete vom Ort des Geschehens.
 
Es war die versteinerte Miene seines Vaters die Samoel als nächstes in seinem Traum sah, als er vor ihm kniete und ihm das Blut der Nacht vor die Füße kotzte. Für das erste mal war es wohl zu viel gewesen.
'Es ist so weit' sprach sein Vater. Plötzlich wurde Samoel von beiden Seiten unter die Arme gepackt und angehoben. Man brachte ihn rücklings gezogen in den Keller des Hauses. So sehr sich Samoel auch wehren wollte. Er spürte er hatte keine Chance. Sie waren einfach zu stark für ihn. Die beiden Männer blickten ihn mit einem kurzen grinsen an, wobei Samoel zum ersten mal ihre scharfen spitzen Zähne sehen konnte. Sein Vater folgte ihnen und ehe Samoel sich versah wurde er in einen Sarg gelegt. Seine Mutter kam mit angelaufen und blieb vor dem offenen Sarg stehen. Sie strich ihn über die Wange und sah ihn liebevoll an. 'Mein schöner Junge, endlich ist es so weit' Freude und das lächeln waren in ihrer verklärten Stimme zu hören. Sein Vater jedoch schob sie auf Seite. 'Schweig Tochter, und gehe.' Das letzte was Samoel sah war das Gesicht seines Vaters, als er den Deckel über ihn zumachte.
 
An diesem Tag ist die Familie und der ganze Hausstand wieder umgezogen....

 
 

Samoel ist doch tiefer eingeschlafen als er es wollte. Als ob er noch immer die Erschütterungen des Sarges beim Umzug spüren könnte bewegt sich sein Kopf an der Wand gelehnt hin und her.
 
 
 
Traue der Dunkelheit nicht. Die Wahrheit siehst du nur im Licht.

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Cordula
Kräuterkundiger / Kräuterkundige
Beiträge: 13
Registriert: Do 26. Okt 2023, 20:12

#82

Beitrag: # 53604Beitrag Cordula »

Sobald die Sonnenstrahlen in den frühen Morgenstunden ihre Nase kitzelten, öffnete die Magd schlaftrunken ihre Augen. Die nächtliche Euphorie war trister Ernüchterung gewichen. Das Mädchen fühlte sich ausgemergelt, regelrecht verkatert und ein leichtes Schwindelgefühl sollte sie sie auf Schritt und Tritt begleiteten. Unkonzentriert und liederlich, kam sie ihren Aufgaben nach.

Sie konnte nur hoffen, dass niemand ihre Schludrigkeit bemerken würde, andernfalls befände sie sich mit Sicherheit in großen Schwierigkeiten. Mehrfach ermahnte sie sich selbst zur Ordnung. Hoffnungslos kämpfte sie darum ihre Sinne beieinander zu behalten. Ihr Blick schweifte jedes Mal, wenn sie den Flur passierte, zu dem unbeobachteten Kellereingang. Der Drang wieder hinabzusteigen und sich erneut von diesem gottlosen Geschöpf in andere Sphären geleiten zu lassen, war einfach unglaublich verlockend.

Unschlüssig verbarg sie sich in den späten Mittagsstunden in einer kleinen Nische neben der Kellertür. Konnte sie es erneut wagen, was wäre, wenn sie erwischt wurde? Der Auftrag von Lady Zar war klar gewesen, gehe in den Keller, schließe die Luke und verschwinde wieder. Theoretisch hatte sie die Anweisungen ausgeführt, es war ihr nicht untersagt worden mit dem Geschöpf im inneren der Kammer zu reden und die Luke verschloss sie ebenfalls nach jedem ihrer Besuche wieder. Außerdem konnte sie auch nichts Verwerfliches daran finden, dass Samoel sich frische Kleidung und Wasser zum Waschen wünschte.

Sicher war er nur einsam und benötigte einen Freund, vielleicht war er einfach nur zutiefst missverstanden. So wie sie die Herrschaften kannte, waren sie sicher nicht zimperlich mit ihm umgegangen. Alleine der Gedanke daran versetzte sie schier in Panik, nein ganz bestimmt hätte sie in solch einer Situationen keinen Ton rausbekommen. Hin und hergerissen zwischen dem, was ihr Gewissen ihr sagte und dem Wunsch nach erneuter Glückseligkeit ließ sie einige Lid- und Herzschläge verstreichen, bevor ihr körperliches Verlangen ihren Verstand außer Kraft setzte.

Als würde sie dem lockenden Ruf einer Sirene folgen, setzte sie einen Fuß vor den anderen und navigierte wie von Geisterhand gelenkt, zielstrebig zu dem tief in den Katakomben verborgen Verließ. Geübt kletterte sie auf den bereitgestellten Stuhl und öffnete die Luke der Durchreiche um erneut ins Innere zu spähen. Konnte sie es immerhin kaum noch erwarten endlich ihre nächste Injektion Glück verpasst zu bekommen. Suchend blickte sie sich einen Moment in der schwach beleuchteten Zelle um, bis sie Samoel an der gegenüberliegenden Wand sitzend entdeckte. Bei dem Anblick krauste sie ihre Nase, ob er wohl schlief oder sollte er gar vor Hunger zusammengebrochen sein. Geht es Euch gut? Frage sie mit brüchiger Stimme. Mit angehaltenem Atem wartete sie, ob sie eine Antwort erhalten würde. Hibbelig wrang sie ihre Hände ineinander und plapperte aufgrund ihrer Nervosität einfach weiter. So sprecht doch mit mir. Ich bin wiedergekommen, wollte nach euch sehen. Ihr wisst doch mir könnt ihr vertrauen.  
 



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 Es ist nicht jeder Mensch dazu bestimmt frei zu sein, doch wenn es bestimmt ist, wird es geschehen.
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Der Laurer
Knecht / Magd
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Registriert: Sa 20. Aug 2022, 18:19

#83

Beitrag: # 53605Beitrag Der Laurer »

Der Raum war erfüllt von den verlockenden Essensdüften und diverser Alkoholsorten. Doch ebenso konnte man hin und wieder den unverkennbaren Geruch von Schweiß der einfachen Leute und das aufdringliche, beißende Parfüm der gehobenen Gesellschaft wahrnehmen. Fragte sich, ob letztere bemerkten, dass sie nicht immer so unauffällig waren, wie sie es gern glaubten? Ein einfaches Gewand machte noch keinen einfachen Mann, ebenso wenig, wie eine noble Robe oder eine Krone jemanden zum König erhob.

Seine Augen wanderten mit nur einem Blinzeln zu dem Mann, der vor wenigen Minuten eingetreten war und nur eine flüchtige Geste mit Geena ausgetauscht hatte. Gemeinsam mit einigen anderen Leuten saß er nun an einem der Tisch und schien sich seinen Gesprächen zu widmen. Ob die junge Bedienung wohl wusste, wer sich unter den schlichten Gewändern verbarg? Er fand es erheiternd, wie das Mädchen ihm einen randvollen, schwappenden Humpen hinstellte und dabei ungeschickt etwas Bier auf dem Tisch verschüttete.

Entspannt nahm der vermummte Beobachter einen Schluck aus seinem Humpen. Auch einem solchen Mann sollten die Freuden des Lebens erlaubt sein. Auch wenn er bei Tage seine Schäfchen hütete, wobei es keine Rolle spielte, ob sie schwarz oder weiß waren, so war er immer noch irgendwo ein Mann.

Jeder hatte dahingehend seine eigenen Vorlieben und sicherlich stand es ihm nicht zu, darüber ein Urteil zu fällen.

Es sollte ihm vergönnt sein, den einfachen Vergnügungen nachzugehen. Alkohol, Frauen, Spaß oder wenn es ihm mehr behagte, eine gepflegte Konversation oder das Spenden von Trost und Hoffnung für den Mann, der sich nur einen Tisch weiter gerade nach einem Platz umsah. Heiterkeit stand jenem nicht gerade ins Gesicht geschrieben.

Kurz fuhr sich der Dunkle nachdenklich über sein unrasiertes Kinn.

Wenn er sich nicht irrte, handelte es sich um einen Schneider aus dem Ort. Nicht, dass er ihn persönlich kannte, aber das Wissen über Menschen und ihre Gesichter gehörte zu seinem Geschäft. Sein Gesicht strahlte Verzweiflung aus. Liefen die Geschäfte etwa schlecht oder war seine Frau mit einem Stallburschen durchgebrannt?

Nun, vielleicht würde der Priester ihm bei einem Bier ein Ohr leihen, denn weder Kummer noch Frust waren gute Trinkgefährten.

Seine Aufmerksamkeit sollte jedoch abschweifen. Ein frischer Luftzug erfüllte den Raum zusammen mit einem Hauch von Kälte, die ihm mehr als bekannt war. Es war ein kurzes unscheinbares Blinzeln, mit dem er sich der kühlen Erscheinung zuwandte, die durch die Tür hindurchschritt.  Ein Anblick der seinen Augen einen überraschten Glanz verlieh, als er gerade seinen Humpen anhob, um einen Schluck zu trinken. Ehrlich gesagt, hatte er nicht damit gerechnet.

Sein Blick glitt über ihren Umhang hinweg, unter welchem edler Stoff zum Vorschein kam. Eine vielleicht von vielen und doch hob sich jene durch ihre eisige Aura hervor. Ihr Erscheinen hatte eine gewisse Anmut, die man nicht unbedingt ihrem direkten Wesen zuschreiben mochte. Ganz und gar nicht. Dieses Mundwerk war gefährlicher als so manches Schwert und ihre Zunge schärfer als die Dolche von Assassinen.

Ja, er hatte einst eine gewisse Herausforderung gesehen, sie sich zu Willen zu machen. Daraus machte er kein Geheimnis. Sie hatte ihm einst einen Korb gegeben. Doch Jahre verstrichen und auch wenn diese weder ihrem Mundwerk noch ihrem nicht zu verachtenden Aussehen etwas angehabt hatten, so hatte er jedoch seine Profession und seine Freiheit mittlerweile zu schätzen gelernt. Eine gewisse Unbeschwertheit, in der das Vergnügen nicht zu kurz kam, aber in der es keinen Platz für emotionale Verpflichtungen gab.

Er fand es allerdings umso erheiternder, wie schnell sie seinem Ruf gefolgt war. War es die Sorge um ihren Ruf oder vermisste sie seine Gesellschaft? Nichtsdestoweniger, ein bemerkenswert gehorsames Mädchen, wie er dachte.
Ein amüsiertes Lächeln huschte über seine Lippen, als er ihrem zielstrebigen Gang zur Treppe folgte, an deren Aufgang der ein oder andere Steckbrief hing. Hatte sie ihn für so ungeduldig gehalten und befürchtet, er könne ihren Ruf gefährden? Noch nicht. Jeder hatte seine Gelegenheit, seine Schuld zu begleichen.

Er lehnte sich entspannt zurück und ließ seinen Blick schweifen. Alles zu seiner Zeit. Warum sollte er sich den Spaß verderben, bevor er überhaupt begonnen hatte? Nein, vielleicht würden sich noch unerwartete und äußerst interessante Interaktionen ergeben, die er vorerst als stiller Beobachter genießen konnte.

Durchaus wusste der Laurer sich unauffällig unter das Volk zu mischen und nicht zwischen all den Menschen in irgendeiner Form hervorzutreten. Seine Blicke waren geübt genug, um verborgen zu bleiben.

Was für eine illustre Gesellschaft sich doch zusammenfand und ein fast schon wunderbares Spielfeld für einen Zuschauer bot. Man musste eben die Momente auskosten, die sich einem boten. Und er wäre ein Idiot sich dies nehmen zu lassen und aus den Schatten zu treten, bevor es begann.

Erwartungsvoll blickte er über seinen Humpen hinweg und ließ seine Augen über die sich ihm bietende Szenerie schweifen.

Ob die kaltherzige Magierin sich dessen bewusst war, wer alles in diesem Raum verweilte? Wenn ja, würde sich die Inquisition der dunklen Kirche es sich nehmen lassen, dem lichten Priester in seiner lockeren Kleidung einen Gruß zu überbringen? Oder war es am Ende der Priester selbst, der zuerst ins Rampenlicht treten würde?
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Verlasse dich niemals auf etwas oder vertraue irgendwem,
denn selbst dein eigener Schatten verlässt dich wenn es dunkel wird.
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Landru
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#84

Beitrag: # 53606Beitrag Landru »

Der Schneider Islaf
 
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Er knetete die Finger nervös. Er dachte an sein Kind. Fern verschleppt, alleine und voller Angst. Was wird das Ungetüm mit ihr machen? Wird er seine kleine Sternschnuppe wiedersehen? Er fürchtet sich wie ein Vater nur um sein Kind fürchten kann. Er muss sich überwinden. Es war nicht wenig los in der Taverne. Doch er war seltener hier. Seit sein Weib nieder gekommen war, hatte er sich in die Arbeit gestützt um seine Familie zu ernähren. Ganz selten war er mal in der Taverne um ein Bier zu trinken. Gerade wenn die Ernten schlecht waren und die Bauern ihren Zehnt nur mühsam berappen, bekam auch er weniger Aufträge und damit weniger Ertrag um es zu Halam zu bringen. Gerade war aber alles egal. Jede Münze, jeder Stoff, jeder Auftrag schien zweitrangig. Er dachte an sein Weib, dass zu Hause verzweifelt auf und ab stromerte. Sie wird ihm böse Vorwürfe machen, wenn er nicht irgendwas nach Hause brachte. Diese Situation prüfte ihre Ehe auf härteste. Zum einen will er niemals einem Dämon dienen, er war aufrichtig, er war sogar jemand der öfter im Tempel ein Gebet sprach. Sie waren stets bemüht 'gute' Menschen zu sein. Doch gerade merkte er, dass er viel für sein Kind und Familie tun würde. Sehr viel.

Er betrachtete den Mann der eintrat. Er kannte Etoh nicht, dafür war er zu einfach, vermutlich hatte er mal von Hören Sagen von ihm Kenntnis genommen, aber ein Priester würde auch den Schneider nicht kennen. Er war ein Bewohner Lichthafens und das ziemlich am Rande der Gesellschaft. Für die meisten im Tempel war er unsichtbar wie auch für die Wachen oder dem höheren Volk. So war es leider immer. Er kannte sie nur aus Worten und dem was ihnen gesagt wurde. Der Blick wanderte weiter und er löste die verkrampften Hände voneinander um den Krug zu greifen und zu trinken. Er wirkte als würde er frieren, aber es war die Anspannung die ihn zittern ließ. Erneut öffnet sich die Türe und eine Frau trat ein. Verdammt wäre er öfter hier gewesen wüsste er wo er suchen muss. Aber so war er gehemmt. Er wollte auch nicht das jemand aufmerksam wird. Seinem Kind war nicht geholfen, wenn er plärrend wie ein Waschweib seine Not klagte, sondern er musste irgendwie geschickt an die Sache gehen. Seine Kleidung verriet aber einiges über seine Situation. Sie war alt, verschlissen und geflickt. Man möchte meinen ein Schneider hatte schönere Kleidung, aber weit gefehlt, denn er machte sie für andere, nicht für sich selbst. Für das einfache Volk, war auch der Schneider dann sehr einfach. Er schlug den Schal zurück. Die Haare waren gekämmt, nicht verfilzt aber fettig. Jeden Tag eine Dusche war eben nicht drin. Aber er roch noch nicht nach altem Tag und Schweiß, was davon zeigte erbärmlich war sein Leben noch nicht. Er leerte den Krug und rieb sich die Finger.

Mit dem leeren Krug näherte er sich dann Halams Tresen. Er beugte sich vor stellte ihn ab und legte das Geld dazu. "Halam.. Freund. Du weißt nicht zufällig was so vor sich geht. Ich war so viel mit Arbeiten beschäftigt, ich bekomme kaum was mit und bis auf die Zahlen eines Maßbandes.. kann ich die ganzen Schriften nicht lesen." Der Mann lächelte und der Schneider war nicht der erste der dieses 'Problem' hatte. "Hör einfach zu.. und du erfährst was in der Welt vor sich geht. Und es verspricht Interessant zu werden, wenn man sich die Kundschaft anschaut." Er schmunzelte und für ihn war klar, dass es nur Interessant werden konnte. Alles war möglich. Es war keine Antwort die ihm half, aber Halam konnte er nicht groß bezahlen um Informationen zu bekommen. Also drehte er sich an der Theke ein und musterte die beiden, die Halam kurz mit seinem Satz und Blick gestriffen hatte. Wer mögen sie sein.. er wartete. Er wartete auf seine Chance.
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
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Etoh
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#85

Beitrag: # 53611Beitrag Etoh »

Jedes öffnen und schließen der Türe wurde mal mehr mal minder von vielen Augenpaaren verfolgt. Es lag in der Natur der Menschen mehr oder weniger diskret die eigene Neugierde zu stillen wer denn das Wirtshaus betreten würde. Als Priester besaß Etoh die Gabe auch aus dem Augenwinkel heraus die Dinge wahrnehmen zu können. Seine Aufmerksamkeit auf zwei Dinge gleichzeitig lenken zu können. Dabei fielen ihn Gesichter oder die Gestalt von ihm bekannten Persönlichkeiten eher auf als Menschen denen er nicht so oft begegnete.
 
Zwei dieser Leute die Etoh tatsächlich auch erkannte befanden sich bereits in der Schankstube beziehungsweise betrat sie diese nach dem Priester. Zum einen Isalf, der Schneider. Er hatte ihn schon das eine oder andere mal mit Weib und Kind im Tempel sitzen sehen. Ein einfacher frommer Mann, der es nicht immer schaffte zu jeder Andacht zugegen zu sein, doch einer der wenigen der auch einmal stehen blieb, wenn Etoh die Worte Artherks auf die Straße trug. Ein Wort hatte er mit dem Mann selber bisher noch nie gewechselt. Sein Antlitz schien vom Kummer gezeugt und die vermeintliche Bestellung des dritten Humpen Bieres -bei Halam direkt- schien dem beobachtenden Priester die monetären Verhältnisse des Schneiders langsam zu übersteigen. Ein verhalten das ein Mann an den Tag legte wenn er entweder ein gutes Geschäft zu feiern hätte, oder seine Sorgen einfach in Alkohol ertränken wollte. Die Sorgenfalten in seinem Gesicht zeugten in diesem Fall jedoch nicht von einem guten Geschäft.
 
Wie schon erwähnt, ganz Privatmann war Etoh nie und er überlegte ob er sich nicht einfach mit seinem Humpen Bier zu dem Schneider gesellen sollte um ihn nach sein Leid zu fragen.
 
In diesen Moment ging jedoch die Türe auf und Lorena betrat den Gastraum. Die eisige Kälte die diese Frau ausstrahlte ließ jede Diskretion ihrer Person im Nu weichen. Der eine oder andere wandte seinen Blick auch sogleich von Lorena ab und schenkte ihr angestrengt keine weitere Aufmerksamkeit. Andere Augen blieben wohl einen Moment länger an ihr hängen, verfolgten ihre zielstrebigen Schritte zu den Aushängen. Ihr flüchtiger Blick schien ihn in der Menge vorerst nicht zu erhaschen. Missbilligend folgt er vorerst nur mit den Augen ihren Weg. Ausgerechnet jenes Weib das ihm unverhohlen in unangebrachter Triumphalität ins Gesicht sagte das sie seinen Abgesandten im Kerker verhungern lassen wollte. Die Tags zuvor noch seine Tochter mit einem verfluchten Zauber belegt hatte, dessen Auswirkung er noch nicht einzuschätzen vermochte. Sollte er die Kontrahentin ihrer Wege ziehen lassen, ihr tun und Handeln vorerst einfach nur beobachten, oder sie gleich erneut Konfrontieren.
 
Was in Halams Taverne jedoch auch immer auffällig war, waren jene Besucher die auffällig unauffällig leger in irgend welchen Ecken saßen. Sich mit niemanden unterhielten und das Geschehen im Raum nur zu beobachten schienen. Meist düsteres Volk das selten gutes im Sinn hatte. Sie passten selten in die Gesellschaften in denen irgendwer irgendwen immer kannte. Wo man immer einen Gegenüber für ein Gespräch finden konnte. Sich einer solchen Person einmal zuzuwenden hätte durchaus einmal seinen Reiz gehabt. Sie aus der Deckung ihres Verstecks lösen, doch nicht an diesen Abend.
 
Gerne hätte der Priester sich um die Not und das Problem des kleinen Schneiders erkundigt, doch drängten ihn seine eigenen Sorgen. Ein Weg zu mehr Erkenntnissen und der Lösung seines Problems stand eben, in Form von Lorena, an der Treppe. Ein Problem das sie sich, durch die Fügung der Verworrenheiten dieser Zeit, decken sollte. Die Suche nach dem einen, der es zeitlebens versuchte zu vermeiden im Fokus der Öffentlichkeit zu erscheinen. Aktuell war Lorena seine einzige Quelle von der er sich noch mehr Informationen erhoffte. Auf dem offiziellen Weg hatte man ihn in aller Dreistigkeit stehen lassen, als er das Gespräch im dunklen Dom suchte. Auch seine eigentliche Widersacherin Kenna de Vil war wie vom Erdboden verschluckt. So dass er diese auch nicht weiter nach dem Verbleib von Samoel befragen konnte.
 
Etoh erhebt sich von seinem Stuhl und entschuldigt sich bei seinen Gesprächspartnern. Es gab noch einen Grund warum er gerade heute diesen neutralen Boden besuchte. Er ging zu Halam rüber und schenkte dem Schneider einen nickenden Gruß, ehe er sich an den hinter ihm befindlichen Halam wendete. Aus der Falte seiner Robe zog er ein Schuhkarton großes Kästchen, das er Halam neben den Durchgang zu seinem Tresen hinter diesem auf eine Ablage schob. Es hat seine Dienste erwiesen und ich gebe es euch zur Verwahrung zurück. Sprach er zu Halam. Dieser nahm das Kästchen schnell an sich und lies es in einer Schublade verschwinden.
 
Der Priester drehte sich um und legte dem Schneider unvermittelt die Hand auf die Schulter. Ich sehe das euch Sorgen plagen, doch was immer eure Sorgen sind. Seid zuversichtlich, so wie Artherk uns die Zuversicht und Hoffnung schenkt. Sein Licht wird euch den richtigen Weg zeigen und dann auch die Lösung eures Problems sein. Seine Worte und Berührung sollten dem Schneider Trost und wärme schenken, ehe Etoh auch schon weiter auf Lorena zu ging.
Mit ruhigen Schritten trat er hinter Lorena, er beugte sich etwas vor und sprach sie leise von hinten, seitlich neben ihren Ohr, an. Guten Abend Babysitterin, hat man euch für diesen Abend vom Balg der Priesterin frei gestellt, oder habt ihr es bereits im nächsten Gaben entsorgt? Nicht sehr Diplomatisch und auch etwas provokant, doch würde sie in dem Verhältnis und in Anbetracht der Vorkommnissen der letzten Tage in denen sie miteinander verstrickt waren, wohl auch nichts anderes von ihm erwarten. Sein Blick geht über ihre Schulter an ihr vorbei und er überfliegt die Aushänge welche sich am schwarzen Brett befinden.
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Heiler zum Beruf - Priester aus Berufung
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Samoel
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#86

Beitrag: # 53612Beitrag Samoel »

Träume kamen und Träume gingen. Man konnte sich in einen Traum hinein wünschen, doch in der Folge des Träumens konnte man kaum den Hergang oder Weg bestimmen welchen sie nehmen würden. Am grausamsten waren auch immer jene Träume an die man sich nach dem erwachen erinnern konnte. Erinnern weil sie aus der Erinnerung heraus entsprungen sind. Es gibt Träume die einen Gefangen halten mit ihren wohligen Gefühlen der Geborgenheit und Hingabe, mit denen man sich in inniger Verbundenheit dem Erleben gerne immer und immer wieder hin gibt. Dann gibt es jene die dich mit voller Wucht aus dem Reich der Träume heraus Katapultieren, häufig mit dem körperlichen Gefühl des Fallens verbunden. Meist aus traumatischen Erlebnissen und Erfahrungen entsprungen. Wenn zu solch einem Traum noch äußere Reize dazu kommen reist die verbindende Schnur mit solch einem Ruck, das der Träumer in diesen Moment jegliche Orientierung verliert und von außen betrachtet nur wenige Sekunden, für sich selbst eine kleine Ewigkeit empfindend, jegliches Zeit und Raumgefühl erst wieder finden muss.
 
Zu kurz ist sein Schlaf gewesen, das spürt Samoel in dem Moment indem diese, seine Schnur gerissen ist. Mit seinem einschlafen ist sein Lichtzauber erloschen und nur der Schein des Lichts durch die Luke fiel direkt auf Samoel nieder. Die Stimme der Magd drang an sein Ohr und Samoels Kopf blieb mit einem mal starr an der Wand liegen. Der Schreck fuhr ihn in die Glieder, was von außen betrachtet sich nur durch das plötzliche Aufschlagen seiner Augenlider kenntlich machen sollte. In diesen Moment setzte bei ihm die Phase der Orientierung ein.
 
Samoel braucht noch einen kurzen Moment in dem er sich sammeln konnte um sich im klaren darüber zu werden das er eben nicht in dem engen Sarg lag, sondern sich auf dem harten Boden in seiner Zelle befand. Ein Gefängnis war beides. Die Magd plapperte unterdessen weiter. So sehr er selber mit der Dunkelheit vertraut war zog Samoel es vor das Licht für sich zu nutzen. Noch ehe er der Magd antwortete sprach er den einen allgemeingültigen Lichtzauber. Der Raum erhellte sich und die Magd konnte nun erkennen das Samoel die Kleidung trug die sie ihm gebracht hatte. Sein Gesicht war gewaschen, die Haut ebenmäßig, doch etwas blass. Seine Reh-braunen Augen starrten sie ausdruckslos an. Weder war Freude noch Verärgerung, Hass oder Enttäuschung darin zu sehen.
Über seinem Kopf würde die Magd den Satz lesen können den er an die Wand schrieb.
 
Ihr kommt zu früh. War seine nüchterne Antwort auf ihr erscheinen.
 
 
Traue der Dunkelheit nicht. Die Wahrheit siehst du nur im Licht.

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geboren aus dem Schoß der Schwester, gezeugt vom gemeinsamen Vater, der erste seiner Art.
Von Familie und Clan verstoßen - seiner Berufung folgend
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Cordula
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Registriert: Do 26. Okt 2023, 20:12

#87

Beitrag: # 53617Beitrag Cordula »

Enttäuschung spiegelte sie für wenige Lidschläge in ihren Augen, als sie die Bedeutung seiner Worte verstand. Auch wenn sie nur eine einfache Magd war, wusste sie den Wink mit dem Zaunpfahl zu deuten.
Sie war nicht erwünscht. Augenscheinlich sah er in ihr ausschließlich nur ein Mittel zum Zweck. Er war also keinen Deut besser, als die Herrschaften, die Haus und Hof verwalteten.
Kein Muskel in ihrem Gesicht sollte verraten, was hinter ihrer Stirn vor sich ging. Wahrscheinlich lachte er sich hinter vorgehaltener Hand längst ins Fäustchen, dass sie nun schon wieder zu ihm kam.  

Meinetwegen, dann ich gehe wieder.


Im Begriff sich anzuschicken die Katakomben wieder zu verlassen, huschten ihre Augen noch einmal durch die kleine Kammer, die momentan Samoels zu Hause war. Je mehr sie dabei im Schein seines Lichtes
erblickte, umso größer wurden ihre Haselnussbraunen Augen.
Bei Ogrimar noch eins, Seid Ihr des Wahnsinns? Wie könnt ihr mich so verraten? Aufgrund ihres Standes war es ihr nicht möglich die Bedeutung
seiner Worte an der Wand über ihm zu entschlüsseln, aber trotzdem erkannte sie exakt in diesem Moment den Wahrheitsgehalt eben jener. In der Dunkelheit war er ihr zuträglich gewesen, sie haben
miteinander paktiert und sich gegenseitig geholfen. Nun bei Tageslicht zeigte sich sein wahres Gesicht. Er war distanziert und irgendwie auch abweisend. Des Weiteren wurde ihr im Schein des Lichtes klar,
dass sie ein Problem haben würde, sobald einer der Herrschaften erneut den Weg ins Verlies fand. Die frische Robe und das Wasser würden in kürzester Zeit verschlissen beziehungsweise aufgebraucht sein,
doch wie sollte sie die besudelten Wände und den Fußboden erklären, den er ebenfalls in einem Anflug von Langeweile vollgekritzelt hatte.


Panik breitete sich in ihrem Laib aus und sie begann unkontrolliert zu zittern. Mit klammen Fingern hielt sie sich am Stuhl fest, der ihr zuvor als Kletterhilfe gedient hatte. Verzweifelt setzte sie sich hin, zog ihre
Beine an und umklammerte diese, wollte sie sich so doch selbst zumindest ein wenig halt geben. Am Besten sie wartete hier, bis die Nacht einbrechen und Ruhe im Anwesen einkehren würde. So könnte sie
schnell ihre Kammer aufsuchen, ihr Hab und Gut zusammenraffen und eiligst, so schnell ihre Füße sie tragen, auf nimmer Wiedersehen verschwinden. Im Tumult um Freyas Verschwinden, würde das einer
unbedeutenden Magd sicher nicht weiter auffallen. In diesen Hallen würde sie vermutlich ohnehin keine Zukunft mehr haben.

 



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 Es ist nicht jeder Mensch dazu bestimmt frei zu sein, doch wenn es bestimmt ist, wird es geschehen.
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Lorena
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Registriert: Do 16. Dez 2021, 17:03

#88

Beitrag: # 53618Beitrag Lorena »

In der Taverne zu Lichthafen


An ihrem vorläufigen Ziel angekommen, studierte die Magierin die zahlreichen Gesuche. Hier fanden sich mehrere
Vermisstenanzeigen, wenige Steckbriefe und eine nicht unerhebliche Anzahl Zeugnisse verletzter Egos. Auf den
ersten Blick wirkte es fast so, als wäre es eine Art Volkssport seine schmutzige Wäsche in der Öffentlichkeit,
hinter dem Rücken der Betroffenen, zu waschen. Warum andere so agierten, erschloss sich der Inquisitorin jedoch
nicht, sie selbst bevorzugte dahingehend eher die direkte Konfrontation. Sicher waren die Worte, die sie dafür
wählte, meist harsch und nicht sonderlich schmeichelhaft, doch das war eben ihre bevorzugte Art, mit derartigen
Problemen umzugehen. Letztendlich gab es nur zwei Möglichkeiten, wie ein derartiges Gespräch ausgehen konnte.
Entweder legten beide Parteien offen ihre Karten auf den Tisch und reflektierten ihr Verhalten, sodass es am
Ende des Tages zumindest einen Kompromiss oder gar eine Aussprache gab oder aber es zeigte sich, dass der
Gegenüber absolut beratungsresistent war und weitere Worte nur vergebene Mühe waren. Je nach
Gesprächsausgang zog Lorena für sich persönlich ihre Konsequenzen und passte ihr Verhalten der Person
gegenüber entsprechend an. Im Grunde ganz simple und vor allem bedeutend effizienter, als seine Konflikte
über die Rücken anderer auszutragen.


Entsprechend erfreut war sie, dass ihr Bekannter nicht abermals diesen unwürdigen Weg gesucht hatte, um sich
erneut an ihrer Gesellschaft zu erfreuen. Generell verstand sie seine Ungeduld jedoch nicht. Selbstredend suchte
sie nach wie vor noch nach den Relikten und würde, wenn die Zeit gekommen war, ihren Teil der Vereinbarung
ebenfalls einhalten. Er sollte aber auch beachten, dass Lorena hierbei eine gewisse Vorsicht walten lassen musste.
Immerhin würde es zu viele Fragen aufwerfen, wenn sie permanent mit Abwesenheit glänzte. Außerdem war keins
der Relikte leicht zu finden. Sie konnten sich überall befinden und alle möglichen Formen und Farben haben,
immerhin waren sie mehrere Jahrhunderte alt. Zudem hatte sich bereits bei der Sanduhr gezeigt, dass die Relikte
überaus machtvoll sind und ihre derzeitigen Besitzer oder Hüter nicht unbedingt erpicht darauf waren, diese an die
Magierin auszuhändigen. Der Letzte von ihnen hatte jedenfalls aufgrund mangelnder Kooperationsbereitschaft sein
Leben lassen müssen.  So sollte es den Laurer also nicht wundern, dass sie ihm nicht permanent am Rockzipfel hing,
widersprach solch ein anhängliches und bedürftiges Verhalten ohnehin absolut nicht ihrem Naturell. Aber dennoch
fand sie den Gedanken erheiternd, dass man direkt zu unterschwelligen Drohungen gegriffen hatte, anstatt einfach
um ein weiteres Treffen zu bitten. Waren sie doch ohnehin so verblieben, dass er sie kontaktieren würde, wenn er
weitere Hinweise für sie hätte.


Aber auch dieses Mal sollte es ihr nicht vergönnt sein, mit ihren Gedanken lange alleine zu sein. Ihre Hoffnung, der
Dämon würde sich im Hintergrund an der ihm gebotenen Szenerie ergötzen, wurde direkt wieder zerschlagen, da er
offenbar etwas oder jemanden entdeckt hatte, der sein Interesse weckte. ~ Na schau an, den kennen wir doch.
Ob er wohl immer noch auf der Suche nach seinem kleinen Liebling ist? Wollen wir ihn noch ein bisschen verhöhnen
oder darf ich seinem ermüdenden und hoffnungsvollem Gerede ein Ende bereiten? ~


Unweigerlich ließen sie die Worte des Dämons aufhorchen. Der Szenerie im Schankraum nach wie vor den Rücken
zugewandt, lauschte sie einen Moment auf das Stimmengewirr im Hintergrund. Tatsächlich konnte sie schon bald
eine, ihr bekannte, Stimme identifizieren und sie dem Götzenprediger zuordnen. Seine Worte sollten für sie
vorerst jedoch keinen Sinn ergeben. Großartig Gelegenheit sich über deren Relevanz Gedanken zu machen, bekam
sie aber auch nicht.

Denn nur wenige Augenblicke später richtete er direkt das Wort an sie. Da es ihr nicht sonderlich behagte, wenn er
ihr mehr oder minder in den Nacken atmete, wand sie sich seiner Person zu und sah ihn geringschätzig an, um ihm
eine nicht minder provokante Antwort zu geben. Falls er glaubte, dass er Lorena mit seinem forschen Auftreten in
irgendeiner Form einschüchtern konnte, so täuschte er sich gewaltig. Im Gegensatz zum Pfaffen wählte sie für ihre
Antwort jedoch eine normale Zimmerlautstärke, hatte sie im Gegensatz zu anderen immerhin nichts zu verbergen.


Das Ihr das Erteilen einer Lektion nicht vom Hüten eines Kindes unterscheiden könnt, kann ich euch wohl nicht zum
Vorwurf machen. Zieht ihr eure Brut ja offenbar nur heran, um sich eifrig zu mehren. Aber ich kann euch beruhigen,
würde ich mich ihrer entledigen wollen, wäre die Gosse kein geeigneter Ort dafür.
Nachdem sie sich vergewissert
hatte, dass er ihren Worten die angemessene Aufmerksamkeit entgegenbrachte, stahl sich ein kaltes Lächeln auf
ihre Züge.

Ich denke, dies wäre eher ein Ort für euren Lakaien Samoel. Aber da er wohl, ähnlich wie Ungeziefer aus der
Kanalisation, immer wieder einen Weg ins Freie finden würde, ist ein modriges Kellerverlies wohl doch der geeignetere
Aufbewahrungsort für solch eine gottlose Kreatur. Denkt Ihr nicht auch?


Ihre absolut emotionslos gesprochenen Worte sollten nicht nur von einer tiefen Gleichgültigkeit zeugen, sondern eben
auch ihre Wirkung vollkommen entfalten. Daher ließ sie ihren Blick ungetrübt durch den Raum schweifen, geradezu als
würde sie einen unterhaltsameren Gesprächspartner suchen und als hätten sie lediglich über etwas derart belangloses
wie den Aufenthaltsort des stillen Örtchens gesprochen.

 

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~ Großinquisitorin der dunklen Kirche~
~ Mitglied der Familie Zar ~



❖Wer sich auf dünnes Eis begibt, sollte sicher sein, dass er gut schwimmen kann, andernfalls wird er vom ewigen dunklen Meer verschlungen.❖
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Islaf
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#89

Beitrag: # 53621Beitrag Islaf »

Vielleicht sollte man dem Priester eine Sehhilfe organisieren, der Schneider hatte einen Bierkrug gehabt und diesen konsumiert und bezahlt. Aber er hatte Recht die Sorgen standen ihm ins Gesicht geschrieben. Auch wenn er ziemlich perplex schien als ein für ihn fast nahe zu unerreichbarer und fremder Mann eine Hand auf die Schulter legte um ihm was von Artherk zu erzählen. Sicherlich im Lichthafener Tempel war er öfter mal und bat um dieses oder für seine Liebsten, aber wirklich fest.. gläubig das sättigt die Familie nicht und bringt kein Geld nach Hause, aus dem Grunde hatte er es nie sehr .. fest mit dem Glauben genommen. Je nach dem wie es lief. Die Lippen zucken dennoch einen Moment dankend. "Äh.. ja.. " Da war der Priester auch schon weiter und wo er eben noch versuchte Trost zu spenden war er ziemlich schnippisch unterwegs. Er wollte noch hinterher, weil immerhin hatte der Mann ihn angesprochen und gar angefasst, aber so war es ihm möglich zumindest in der Hörweite des Satzes der Frau zu sein. Dieser Satz zog seine Aufmerksamkeit auf sie. Das könnte er sein oder? Der Gral.. die Information die sein Kind rettete. Er lächelte fast freudig. Das könnte es sein. Aber noch war es nur ein Satz, irgendein Kellerverlies, das wird nicht genügen. Er war also recht aufdringlich könnte man meinen als er sich dazwischen schob und von einem zum anderen blickte.

"Verzeihung die Herrschaften. Ich bin Schneider und würde gerne .. euch meine Dienste anbieten, Ma'am." Er neigte den Kopf respektvoll tief auf die Brust. "Ich bin ein Meister meines Handwerkes und würde nach Maß fertigen was ihrer Herrschaft beliebt. Auch euch .. Herr." Ging letzteres an Etoh. Es war eine Taverne und da war eigene Werbung nicht selten, feilbieten und Dienste anbieten an der Tagesordnung. Wo lässt sich besser Tratsch auffangen während man von einem Schneider Maß genommen bekommt. Oder ganz unverfangen mit der Zofe spricht während der Schneider den Stoff absteckte. Er sah eine Möglichkeit, an vieeeel mehr Information zu kommen um das Untier zufrieden zu stellen und dann war seine kleine Sternschnuppe bald wieder zu Hause.
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Der einzige Mensch, der sich vernünftig benimmt, ist mein Schneider.
Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch.

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Samoel
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#90

Beitrag: # 53623Beitrag Samoel »

~Nein, bitte bleibt~ Erklang Samoels Stimme in vertrauensvoller fast flehender Tonlage. Langsam zieht er das eine Bein unter das andere, um leichter aufstehen zu können. Im ersten Moment fällt es ihm noch schwer einen Schritt vor den anderen zu machen um zu ihr an die Luke heran treten zu können. Dabei achtet er darauf den Kreis und die Zeichen darin nicht zu verwischen. ~Ich habe geträumt und ihr habt mich erschreckt~ Spricht er milde weiter. Er musste schnellstens wieder Boden wett machen. Sonst würde seine einzige Chance an Kontakt mit der Außenwelt verpuffen.
 
So lange das Mädchen noch durch die Luke blickte, sah Samoel sie mit den gleichen braunen Augen an. Er laß die Panik in ihren Augen, im selben Moment taten ihn seine gesagten Worte auch schon Leid.
~Des Wahnsinns? Ja, das könnte sein. Doch nun bringt mir eure Anwesenheit wieder Ruhe in meinen verzweifelten Geist.~
 
Samoel lehnt sich mit dem Rücken gegen die Türe und legt seinen Kopf an der Türe ab. Trotz dessen das sie die Türe trennte konnte er die Aufregung und aufkeimende Verzweiflung der Magd spüren. Ihr ganzer Körper schien nach Flucht zu schreien und doch ist sie starr wie ein Kaninchen vor der Schlange. Es galt sie zu halten um weiter ihr Vertrauen zu genießen. Er musste Diplomatischere Worte finden. Es wäre um ein vielfaches leichter gewesen ihr Vertrauen wieder zu gewinnen wenn sie ihn besser sehen konnte, gar berühren. Doch im Moment blieb ihm nichts anderes übrig als ihr seine Worte zukommen zu lassen.
 
Sein Blick fällt auf die Wand gegenüber, sah was sie sehen musste, was jeder sehen musste der durch die Durchreiche blicken würde. Was jeder auf seine Art anders Interpretieren würde. Er wusste nicht das sie nicht lesen konnte. An die Türe angelehnt spricht er in den Raum hinein.
~Dieser Satz, er hat für mich eine Bedeutung. Er gibt mir Kraft.~ erklärt er die Worte ~Bei uns zu Hause heißt es. Der Dolch findet im Dunkeln schneller sein Ziel als im Licht. Im Lichte kannst du deine Freunde und Kameraden sehen. Du siehst aber auch wer den Dolch in der Hand hat~
Das dieser Satz in seinem Fall auch noch eine ganz andere Bedeutung haben könnte, verschwieg er geflissentlich. Auch wenn sie seine Natur bereits kannte und sich derer auf eigene Kosten gerne bedienen wollte, wusste sie nicht zu was er noch fähig war. - Wenn er nicht gerade von dritter Seite daran gehemmt wurde.

Er drehte sich um und beugte sich herab um nach ihr zu sehen. Sie saß auf dem Stuhl und zitterte wie Espenlaub. Nun war es an Samoel ihr seine Hand, durch die Luke entgegen zu strecken. Er musste sich ein wenig beugen und verdrehen, doch letztendlich spürte er ihren Kopf unter seinen Fingern. Langsam tastet er diesen entlang bis er ihr mit einzelnen Fingern über die Wange streicheln konnte.
~Ich habe keinen Dolch in der Hand, Meine Liebe. Es war nicht mein Ansinnen euch zu verraten. Bitte lasst uns weiter Freunde sein.~ erklärt er schmeichelnd mit einem Unterton von flehen in seinen Worten.
 
 
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Cordula
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#91

Beitrag: # 53625Beitrag Cordula »

Aufgrund ihrer schier unendlichen Verzweiflung drangen Samoels Worte kaum zu ihr durch. Ihr Herz schlug aufgeregt in einem schnellen Rhythmus und ein Engegefühl in ihrer Brust
erschwerte ihr die Atmung. Was hatte sie nur getan? Wie konnte sie ihre Zukunft so leichtfertig aufs Spiel setzen? Ihre Familie stammte aus ärmlichen Verhältnissen und es war ein Segen
gewesen, dass sie seiner Zeit die Stelle ihrer Mutter hatte übernehmen können. Nur dadurch war es ihr möglich gewesen ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Sie verdiente zwar keine
Reichtümer, doch durch die Anstellung bei der Legion konnte sie immerhin eine kleine Stube im Personaltrakt ihr Eigen nennen. Ein Privileg, dass sie sicher verlieren würde, käme man ihr
auf die Schliche. Aber wie sahen die Alternativen aus? Zu ihren Eltern konnte sie nicht mehr zurück. Seit Jahren weilten sie nicht mehr unter ihnen. Dann bliebe da nur noch ihr Bruder,
aber auch ihn hatte sie seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen.


In ihrem Kopf herrschte ein wildes Chaos aus sich überschlagenden Gedanken, ihre hastigen Finger strichen immer wieder nervös durch ihr langes lockiges braunes Haar, sodass sich bereits
einige Strähnen aus ihrem hochgesteckten Haar lösten und das Häubchen, welches ihren Stand als Magd unterstrich, ebenfalls nicht mehr an Ort und Stelle saß.


Egal wie sie es drehte und wendete ihre Misere schien aussichtslos. Wahrscheinlich war es wirklich das Beste, wenn sie erstmal ihren Bruder aufsuchen würde, vermutlich konnte er sie zwar
nicht in seinem Haus unterbringen, aber vielleicht würde er ihr sagen können, was nun zu tun war. Sich an diesen Gedanken festhaltend, beruhigte sich ihre Atmung langsam wieder, ihr Körper
wurde derweil aber immer noch von einem unkontrollierbaren Zittern gebeutelt. Der Nebel, der in ihrer Panik alles um sie herum, ausgeblendet hatte, lichtete sich allmählich, sodass nun auch
wieder Samoels Worte zu ihr durchdrangen.


Seine Stimme nahm wieder eine ganz andere Klangfarbe an, wirkte einschmeichelnd und sanft. Schweigsam und keinerlei Regung zeigend, lauschte sie seinen Ausführungen. Aber als sie plötzlich
und ohne jegliche Vorwarnung berührt wurde, erstarrte sie regelrecht zur Salzsäule. Vielleicht mochte er keinen Dolch in seinen Händen führen, aber dennoch war es sicher nur ein kleines
Unterfangen für ihn, ihre Kehle mit seinen Pranken zu zerquetschen. Er sprach von Freundschaft und Vertrauen, aber bestimmt folgte er, wie die feinen Herrschaften oben, nur eigenen Motiven.
Jetzt war es also an der Zeit geschickt zu verhandeln. 
Wenn Ihr meine Freundschaft, mein Vertrauen und meine Loyalität zurückerlangen wollt, müsst Ihr mir dafür im Gegenzug etwas geben.


Mit jedem Wort, welches ihrer ausgedörrten entschlüpfte, wurde ihre anfangs noch recht raue und kratzige Stimme, fester und bestimmter.
Ich brauche eine Art Versicherung, die mich nicht als Verräterin entlarvt, wenn die Herrschaften zurückkehren. Ein Geheimnis oder irgendwas, dass mir Schutz bietet. Könnt Ihr mir das geben?

 



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Etoh
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#92

Beitrag: # 53628Beitrag Etoh »

Er sah Lorena ob ihrer Worte bezüglich der Kinder mit Gleichmütigkeit an. Sollte sie sagen oder denken was sie wollte. Jeh weiter sie sich ihre eigene Welt zusammen sponn, um so weniger würde sie den Blick auf die Wahrheit erhalten. Darum ging er darauf auch nicht weiter ein.
 
Er konnte dieses Weib einfach nicht Leiden. Ihre überhebliche Arroganz gepaart mit aufgesetzter Gleichgültigkeit. Doch ihre Worte verrieten ihm das sie wohl noch nicht den Hauch einer Ahnung davon hatte wer Samoel war. Gut sie mochte hinter einem Teil der Wahrheit seiner Natur gekommen sein. Doch wollte Etoh noch immer um jeden Preis verhindern das sie noch tiefer graben würde.
Etoh rief sich selber zur Ordnung. Er war in dieser Sache kein Privatmann mehr, wenn gleich Samoel tief in seinem privaten Bereich mit rein spielte. Aufrecht steht er vor ihr und sah auf die etwas kleinere Frau vor sich herunter. Das Spiel der Regungslosigkeit konnte Etoh genau so spielen.
 
Ihr könnt es mir so oft unter die Nase reiben wie ihr wollt. Wir wissen beide das ich nicht einfach in euren modrigen Keller spazieren werde um ihn aus eurer Gefangenschaft zu befreien. Ich frage mich weiterhin mit welchem Recht ihr ihn in eurer Obhut behaltet. Außer in der Hoffnung das ihr ihn durch Wahnsinn in eure Reihen treiben könntet. Ihr würdet ihn in mehrerlei Hinsicht doch überhaupt nicht in euren Reihen haben wollen.
 
Die Taverne schien nicht der richtige Ort für Verhandlungen zu sein, doch wo sie nun einmal da waren... Zu anderen Zeiten, so hatte er einmal gelesen wurden Verhandlungen nackt in Schwitzhütten abgehalten. Nicht das er Lorena dringend hätte nackt sehen wollen. Doch hatte diese Art der Verhandlungen durchaus etwas für sich. Zum einen, nackt waren alle gleich, es gab keine Kleidung die einen über den Stand eines anderen stellte, keiner konnte eine Waffe verstecken und die Ergebnisse der Verhandlungen zogen sich nicht in die Länge, da das oberste Gesetz war das die Verhandlungen Abgeschlossen sein müssen, ehe man die Schwitzhütte wieder verlässt. Wurde man sich nicht einig oder erhitzten sich die Gemüter zu sehr wurde einfach ein bisschen mehr Wasser auf die heißen Steine gegeben...
 
Also was wollt ihr, um seine Freilassung in Betracht zu ziehen? Seid ihr überhaupt in der Position verhandeln zu können? Oder an wen werde ich mich diesbezüglich wenden müssen?
Er deutet auf den Schneider und schenkt ihm dabei einen freundlichen Blick. Seht auf den guten Mann hier. Er kennt sein Handwerk, weiß was er will und was er im Gegenzug dazu anbieten kann.
Etoh ging davon aus das der Schneider lediglich sein Handwerk anbieten wollte um seine finanziellen Sorgen zu entlasten. Vielleicht hätte er dem Schneider einfach ein bisschen mehr Aufmerksamkeit und Zeit widmen sollen, anstatt gleich seinen eigenen Angelegenheiten nach zu eifern.
 
Von euch kann ich dies jedoch nicht behaupten. Ihr haltet einen der unseren Gefangen, ohne eine Forderung oder ein Angebot für welches ihr ihn wieder heraus geben würdet. Ich nehme an das tut ihr mit jeden, egal ob er sich etwas zu schulden hat kommen lassen oder nicht. Ohne Reue und auch nur einen Schimmer von Menschlichkeit. Egal was ihr von unseren Glauben und unserem Gott Artherk halten mögt. In diesem Fall gibt es keine Frage wer hier die gottlosere Kreatur ist. Zumal ihr dazu angedeutet habt ihn verhungern zu lassen.
 
Dem Priester war bewusst das der Schneider jedes Wort verfolgen würde. Da dieser sich ja bereits zwischen sie drängte und seine Dienste feil bot. Sollte er doch hören mit welcher Art von 'Kundschaft' er es bei Lorena zu tun hätte.
Daraufhin wendet er sich dem Schneider gänzlich zu um nicht nur über ihn sondern auch mit ihm zu sprechen.
Entschuldigt guter Mann das ihr hier gerade zwischen die Fronten geraten seid. Sein Groll den er eben noch gegen Lorena hegte war mit einem mal verschwunden. Er sah den Schneider mit klaren freundlichen Gesichtszügen an. Ihr seid also Schneider. Stellt er noch einmal fest. Wenn euch eure Auftragsbücher sorgen bereiten, dann kommt doch morgen nach der Morgenandacht zu Khiliam. Sagt ihm das euch Pater Etoh schickt. Dabei legt er dem Schneider wieder die Hand auf die Schulter um noch einmal durch die Nähe Vertrautheit und Zuversicht zu übermitteln.
 
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Samoel
Bauer / Bäuerin
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#93

Beitrag: # 53630Beitrag Samoel »

Bei seiner Berührung spürte Samoel das das Mädchen plötzlich Stock steif da zu sitzen schien. Er hatte das Gefühl als wagte sie kaum zu atmen. Er lauschte ihren Worten. Konnte die Angst und Panik vor dem Entdeckt werden hören. Womöglich Angst davor gleich in der Zelle neben ihn zu landen, wenn sie nicht des Hauses verwiesen wurde.
Langsam zieht er seine Hand zurück, löst die Berührung und legt beide Hände an die Luke.
~Gebt mir eure Hände. Ich verspreche euch, euch nicht zu verraten. Doch dazu brauche ich noch einmal eure Hilfe.~ spricht er mit ruhigem Ton. Durch die Durchreiche sehen sie seine Augen liebevoll und zugleich hilfesuchend an.
~Meine Möglichkeiten hier innen sind begrenzt, aber wenn ihr mir einen anderen runter bringt....vielleicht einen jungen Mann....dann sage ich das ich die Dinge hier von ihm bekommen habe.~ Samoel musste sich nicht sonderlich anstrengen Ehrlichkeit in seiner Stimme mit klingen zu lassen. Meinte er jedes Wort auch so wie er es gesagt hatte.
 
Würde sie auf den Vorschlag eingehen? War sie stark und taff genug um ihre eigene Haut zu retten, dafür einen anderen zu opfern? Abwartend sah er sie an was sie dazu sagen würde, ehe er ihr genau sagen würde wie sie es womöglich fertig bringen konnte.
 
Samoel wusste warum sie schon so früh wieder zurück gekommen war. Es war allerdings 'zu' früh und er wollte ihr keinen Schaden zufügen. Immerhin brauchte er sie noch eine Weile. Noch war sie einfach irgend ein Mädchen für ihn. Vielleicht ein bisschen einfältig dafür aber hübsch und wohlschmeckend. Vielleicht wäre es aber gar nicht so verkehrt ihr noch eine kleine Dosis Glück dann mit auf dem Weg zu geben. Doch musste er erst noch ihre Antwort abwarten.
 
 
Traue der Dunkelheit nicht. Die Wahrheit siehst du nur im Licht.

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Cordula
Kräuterkundiger / Kräuterkundige
Beiträge: 13
Registriert: Do 26. Okt 2023, 20:12

#94

Beitrag: # 53633Beitrag Cordula »

Als seine Hände aus ihrem Blickfeld verschwanden, atmete sie fast erleichtert auf. Der Vorstoß, den sie gewagt hatte, war sehr riskant gewesen. Neben dem Fakt, dass sein Ursprung nicht menschlicher Natur war, handelte es sich bei Samoel unbestreitbar um einen Mann, der ihr mit Sicherheit auch unabhängig von seinen Fähigkeiten, kräftemäßig überlegen war. Er war zwar uneingeladen in ihre Intimsphäre eingedrungen, aber ebenso schnell zog er sich aus jener auch wieder zurück, nachdem er erkannte hatte, wie unbehaglich sie sich durch seine Nähe fühlte.

Fast schon scheu blickte sie mit ihren großen haselnussfarbenen Augen zu ihm auf, schienen seine treuherzigen Augen ihren Blick regelrecht in einer Art Bann gefangen zu halten. Keinerlei Kalkül oder Durchtriebenheit konnte sie in den Augen erkennen. Sie glaubte fest daran, dass die Augen der Schlüssel zur Seele waren und weil sie keine böswilligen Absichten in den seinen erkennen konnte, folgte sie seinen Worten. Ein wenig ungelenk erhob sie sich von dem Stuhl, nutze diesen abermals als Kletterhilfe, und noch während sie den Blickkontakt zu ihm aufrecht hielt, streckte sie ihm vertrauensvoll eine ihrer Hände entgegen, während sie die andere nutze, um sich auf ihrer Seite der Luke abzustützen. Ich hoffe, ich werde es nicht bereuen, dass ich Euch mein Vertrauen geschenkt habe.

Kurz nur wagte sie, ihre Lider zu schließen. Ihr Brustkorb hob und senkte sich nach wie vor in schnellen Zügen, aber sie würde nicht kneifen. Sie hatte sich entschieden und nun stellte sie sich ihrer Bestimmung. Als sie die Augen wieder öffnete, begegneten sich ihre Blicke auf Augenhöhe. Er bot ihr einen Ausweg an, aber konnte sie das mit ihrem Gewissen vereinbaren? Dies war wahrlich keine leichte Entscheidung. Den Kopf leicht in die Schräge legend und das Stupsnäschen krausend, dachte sie über sein Angebot nach.

Aber wie soll ich das anstellen? Ich bin nur eine kleine unbedeutende Magd, niemand würde mir Gehör schenken, noch meinen Worten folgen.


Wieder sollte sich ein kurzes Schweigen über sie legen, nachdem ihre leisen Worte im Raum verklungen waren. Auch wenn sein Vorschlag sich in der Theorie gut anhörte, nagten Selbstzweifel und Unsicherheit an ihr. Bestimmt konnte er die Verzweiflung und Sorge in ihren hoffnungslosen Augen lesen, trotzdem verspürte sie kein Bedürfnis es vor ihm zu verbergen. Im Moment war er ihr einziger Halt. Immerhin schien er sowas, wie einen Plan zu haben, um sich selbst und auch ihre Zukunft zu sichern. Also wollte sie auf ihn und seine Zuversicht vertrauen.
 



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Der Laurer
Knecht / Magd
Beiträge: 8
Registriert: Sa 20. Aug 2022, 18:19

#95

Beitrag: # 53634Beitrag Der Laurer »

Natürlich gab es unter den Gästen auch den ein oder anderen, der glaubte ihn in irgendeiner Form zu erkennen. Doch war dem wirklich so? Er wäre nicht sehr weit in seinem Geschäft gekommen, würde ihm dergleichen auf die Stirn tätowiert stehen und er sich auf eine Weise aus der Masse selbst hervorheben.

Weder war er ein herausgeputzter Gockel, der aus der Menge hervorstach, noch jemand der sich in Schatten einhüllte und mit irgendeiner finsteren Macht hausieren ging oder gar einen Heiligenschein trug. Er war einer unter vielen Gesichtern. Ein niemand für viele und doch für jene, die mit ihm Bekanntschaft gemacht hatten, jemand, der seinem Ruf alle Ehre machte. Er hatte wahrhaftig viele Züge und Facetten. Er konnte in einem Moment im Rampenlicht stehen und die Blicke der Massen auf sich ziehen, nur um im nächsten Augenblick in der Menge unterzutauchen und in ihr zu verschwinden.

Diejenigen, die ihn jedoch erkennen oder finden sollten, taten es zweifellos und zwar genau dann, wenn er es wollte.

Kurz nur streiften seine Augen an dem hübschen Hinterteil der kleinen Schankmaid vorbei, ehe sich sein Blick wieder auf die kühle Eisheilige legte. Selbstredend schien die Magierin nicht nur seine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt zu haben. Es hätte ihn verwundert, wäre es anders.

Es war berechenbar gewesen. Der Vertreter des lichten Glaubens und die vernichtende Inquisition der dunklen Kirche. Ein Zusammenprallen der beiden war unvermeidbar. Was jedoch vielmehr die Frage oder den Reiz dabei ausmachte war, wer den ersten Schritt gehen sollte. Wer von beiden tat den ersten Zug, um den anderen herauszufordern?

Erheitert musste er feststellen, dass dieser Punkt in der ersten Runde an den Priester zu gehen schien. Knapp nur beobachtete er, die wenigen Regungen und steifen Züge, die sich im gedämpften Licht abzeichneten. Nichts, woraus man ablesen konnte, worüber die beiden sprachen oder in welcher Form sie sich einen Schlagabtausch lieferten. Allerdings ging er davon aus, dass die kühle Zunge Lorenas ihren minimalen Rückstand nach Eröffnung des Spiels sicherlich mit Worten aufzuholen wusste.

Geduld war eine Tugend und ob die Thematiken von Relevanz oder Wichtigkeit waren, würde sich früher oder später noch zeigen. Dafür musste er sich nicht erheben. Ohren gab es überall. Der Rest war nur eine Frage des Preises. Berechnend blickte er auf den Schneider und weiter zu Halam. Es kam immer darauf an, wie viel einem die Informationen wert waren.
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Lorena
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Registriert: Do 16. Dez 2021, 17:03

#96

Beitrag: # 53635Beitrag Lorena »

In der Taverne zu Lichthafen


Das ein dahergelaufener Dorfschneider es wagte, sich in ihr Gespräch zu drängen und dabei ausgerechnet den Moment wählte,
in dem sie gedachte den Götzenprediger bis aufs Blut zu reizen, quittierte die Inquisitorin lediglich mit einem eisigen und
ungehaltenen Blick. Seine Dienste feilzubieten war das Eine, deswegen eine derartige Indiskretion an den Tag zu legen und ihr
Vorhaben zu torpedieren, war hingegen etwas vollkommen anderes.


Noch bevor der Prediger seine Stimme erheben konnte, registrierte Lorena, wie die Dunkelheit in ihrem Inneren ihrer eigenen
Kälte wich. Ihr Dämon würde zwar immer irgendwo verborgen unter der Oberfläche lauern, doch in der gegenwärtigen Situation
hatte er sich zurückgezogen, um der dominanten Persönlichkeit der Eismagierin den Vorzug zu lassen.


Die Abscheu, die Etoh gegenüber Lorena hegte, spiegelte sich sowohl in seiner Körperhaltung, als auch in seinen Worten wider.
Dabei sollte man doch meinen, dass gerade ein Apostel, gesandt von welcher Gottheit auch immer, mehr Weitsichtigkeit an den
Tag legte. Aber weit gefehlt, er ließ sich ebenso von Gerüchten, Vorurteilen und persönlichen Befindlichkeiten lenken, wie der
gewöhnliche Pöbel. Er hatte nicht die Courage, einen Schritt zurückzutreten, das Gesamtbild zu betrachten und gegebenenfalls
auch einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Bedauerlich, doch nicht zu ändern.


Seht Ihr Priester und eben da liegt das eigentliche Problem. Ihr versteht uns und unsere Beweggründe nicht. Ebenso könnte ich
die Frage gleichermaßen zurückgeben. Warum wollt Ihr dieses Geschöpf wieder in euren Reihen willkommen heißen? Ihr habt es
entsandt, damit es zur Begleichung Eurer Verfehlungen sein Leben lässt und sich für eine übergeordnete Sache opfert.
Warum lasst ihr es dann nicht in Frieden ruhen?


Natürlich wäre es ein leichtes gewesen, Etohs Abneigung ihrer Person gegenüber weiter zu schüren. Doch wie es schien, hatte
der Pfaffe inzwischen eine Art Eingebung gehabt. Selbstredend würden sie Samoel nicht ohne Weiteres wieder freigeben.
Alles im Leben hatte seinen Preis. Schließlich musste sogar für den Tod selbst, mit Leben bezahlt werden.

 
Innerhalb der Führungsriege der Legion scherrte sich jedoch augenscheinlich bislang niemand um den Verbleib des
Wiedergängers. Ursprünglich war es zwar Adrian gewesen, der Kennas Aufforderung gefolgt war, ihren ‘Abfall‘ zu entsorgen,
doch nun, da seine Natur identifiziert war, schienen sowohl Adrian als auch Tanuri jegliches Interesse an ihm verloren zu haben.
Da der Rest der Führungsebene derweil anderen Angelegenheiten nachging, oblag es also alleine Lorenas Entscheidungsgewalt,
wie sie gedachte weiter mit dieser Kreatur zu verfahren.


Bedenkt eure Wortwahl, Pfaffe! Maßt euch nicht an, ein Urteil über mich, meine Aufrichtigkeit und meine Vorgehensweise zu
fällen. Nur weil mein Handeln und meine Ziele nicht so durchschaubar erscheinen mögen, wie die des Schneiders, bedeutet dies
noch lange nicht, dass sie niederträchtig, verlogen oder falsch sind. Ihr kennt weder mich noch die Person hinter dem Amt,
welches ich bekleide. Sicher zeichnet sich mein Wesen nicht im Geringsten durch Nächstenliebe aus, aber bevor ihr euch
hinstellt  und es wagt den ersten Stein zu werfen, tut mir den Gefallen und reflektiert Euer eigenes Verhalten.
All ihre Worte
wählte sie durchaus bedacht. Sicher, sie waren direkt, unterkühlt und ebenso frei von Emotionen gehalten, wie bislang jedes
vergangene Gespräch mit Etoh. Dennoch enthielten sie eine unmissverständliche Botschaft.


Ihr wart es, der einen Verbündeten geopfert hat, der Euch vertraut hat. Ihr seid es, der nun vor mir steht und mit Forderungen
um die Ecke kommt, ohne mir auch nur einen Anreiz zu liefern, Euren Begehren entsprechen zu wollen. Ihr seid derjenige, der es
sich hier in der Taverne gut gehen lässt, obwohl Ihr angeblich so besorgt seid, dass Euer Lakai derweil qualvoll verhungert. Sagt
mir, Etoh wie passt das alles zusammen? Wäre es demnach nicht an Euch sich Gedanken zu machen, was seine Freiheit Wert ist?

Fast schon herausfordernd lag der Blick der Inquisitorin auf dem Geistlichen.


Andernfalls liegt es wohl an mir herauszufinden, was ihr gewillt seid zu tun, um diesem gottlosen Geschöpf seine Freiheit zurück
zu schenken. Aber seid euch eines gewiss, obliegt es mir, Euch einen Pfad aufzuzeigen, wird dieser Euch vor einige
Herausforderungen stellen und nicht sonderlich komfortabel sein.


Nun lag es an Etoh selbst, ob er bei seinem Vorhaben bleiben würde, ihr den Rücken zu kehren, um sich den Belangen des
Schneiders zu widmen oder aber ob er gewillt war sich selbst zu hinterfragen.

 

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~ Großinquisitorin der dunklen Kirche~
~ Mitglied der Familie Zar ~



❖Wer sich auf dünnes Eis begibt, sollte sicher sein, dass er gut schwimmen kann, andernfalls wird er vom ewigen dunklen Meer verschlungen.❖
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Samoel
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#97

Beitrag: # 53638Beitrag Samoel »

Sie stimmte seinem Vorschlag zu, so war der erste Vorstoß getan. Samoel drückte ihre Hand und legt demütig seine Stirn auf ihre Fingerspitzen. Er wusste noch nicht wie sein Weg aus seinem Gefängnis aussehen sollte, doch wollte er zumindest eine Seele in diesen unheiligen Mauern wissen, die ihm, wenn es darauf an kam, den Weg nach draußen zeigen konnte. Danach würde er zwar Etoh irgendwie erklären müssen warum er sich eine Gespielin aus dem Hause der Legion mit nahm. Doch darum würde er sich später Gedanken machen. Vielleicht gab es die Möglichkeit das er es ja auch erst gar nicht wissen müsste. Vorerst galt es dem Mädchen Sicherheit zu bieten um sich selber machte er sich dabei erst einmal keine weiteren Gedanken.
 
Nun da sie wieder auf Augenhöhe waren und sie sich beim Sprechen auch gut sehen konnten sprach Samoel leise als hätten die Wände Ohren und jedes ihrer Worte würde sofort in der ganzen Legion gehört werden.
 
~ Sucht euch einen Burschen aus eurem Stand. Erzählt ihm von dem Ungeheuer, dem weißen Seraphen, der im Keller gefangen gehalten wird. Neckt ihn und fragt ihn um eine Mutprobe, ob er es wagen würde mit euch herunter zu steigen. Packt ihn bei seiner Ehre und fordert ihm auf euch seinen männlichen Mut zu beweisen. Vielleicht wollt ihr ihm auch einen Kuss versprechen, wenn er sich trauen würde nicht nur einen Blick herein zu werfen, sondern auch seinen Arm durch die Luke zu strecken.~
 
Verschwörerisch spricht er zu ihr, diesmal küsst er ihre Finger. Kurz blitzt ein lächeln über seine Gesichtszüge. ~ Sollte er sich zieren, dann streckt ihr euren Arm als erstes durch die Luke und nennt ihn einen Feigling.~ Seine Gesichtszüge wurden wieder etwas ernster. ~Was jedoch danach geschieht, müsst ihr nicht mit ansehen. Er wird danach nie weder aufstehen. Er wird uns nicht verraten können~
 
Seine Augen wanderten in den ihren hin und her. Er wusste das dieser Plan riskant war, doch glaubte er daran das er auf diesem Weg das Mädchen würde schützen können. ~Sobald ich einen Weg hier raus gefunden habe, werde ich kommen und euch Abholen. Dann werden wir gemeinsam von hier fliehen.~ verspricht er ihr. Geflohen ist er schon oft in seinem Leben. Vor Menschen, vor anderen Vampiren, doch auch vor sich selbst. Jedes mal wenn es einen Todesfall gab...Er spürte die Sehnsucht nach seinem Herrn in sich aufkommen. Seinem sicheren Hafen, der ihn die Ruhe schenkte, einen Weg aufzeigte und ermöglichte ein Leben ohne ständiger Flucht zu führen.
 
Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, gepaart mit der Erkenntnis das diese Möglichkeit versiegt ist spiegelte sich kurz in seinen Augen wieder. Doch dann lächelt er sie wieder zuversichtlich an. ~Ich schenke euch noch ein Geheimnis. Als Zeichen für mein Vertrauen in euch. Mein Name ist Samo-el~ vertraut er ihr seinen richtigen Namen an.
 
Im Augenwinkel glaubte Samoel eine Ratte in der Wand verschwinden zu sehen. Die Nager schienen sich wieder in seine Zelle vor zu stoßen wagen.
 
 
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Cordula
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#98

Beitrag: # 53640Beitrag Cordula »

Ehrfürchtig und aufgewühlt sah sie zu, wie Samoel sein Haupt senkte. Im ersten Moment nahm sie an, dass er sie erneut bezirzen wollte, um sie mit Hilfe seines Giftes gefügig zu machen. Allerdings sollte sie sich in diesem Fall irren. Seine Lippen strichen zwar, wie das Hauchen einer Feder, über ihr zartes Fleisch, doch seine scharfkantigen Reizzähne sollten sich nicht in eben diesem vergraben. Aufgeregt lauschte sie seiner lockenden Stimme, so wie er es erklärte, klang es spielend leicht. Natürlich war es schmeichelhaft, dass er ihr zutraute, sie könne einen der Burschen spielend leicht betören, sodass er ihr überall hin folgen würde. Aber die Realität war eben eine Andere. Vom Gemüt her war sie eher schüchtern und ängstlich. Wo sollte sie da das Selbstbewusstsein hernehmen, jemanden derart die Sinne zu vernebeln.
So seht mich doch an, was sollte einer der Burschen schon an mir finden?

 
Geradezu als wolle sie ihre Worte unterstreichen, ließ sie den Blick einmal an sich selbst hinabgleiten. Sie war zwar sicher kein kleines hässliches Entlein, aber eben auch keine einnehmende Schönheit. Viele der anderen Mägde zogen bedeutend mehr Aufmerksamkeit auf sich, und wussten ihre Vorzüge im Umgang mit dem männlichen Geschlecht deutlich besser in Szene zu setzen.

Meist ging sie den Burschen eher aus dem Weg. Dieses draufgängerische und überhebliche Gehabe der Knechte beeindruckte sie einfach nicht. Im Geiste ging sie jeden Einzelnen von ihnen durch, bis sie bei einem Namen hängen blieb. Vielleicht, weiß ich da doch jemanden. Murmelte sie immer noch mit ihrem Gewissen ringend. Gab es da doch einen einfältigen Tölpel, der jedem Rockzipfel nacheiferte. Sehr von sich selbst überzeugt, brüstete er sich in der Stallgasse immer damit, dass ihm noch kein Mädchen widerstehen konnte.

In den Stallungen ist momentan nicht allzu viel zu tun, möglicherweise wäre er also einem Abenteuer nicht abgeneigt. Aber was meint Ihr damit, dass er nicht wieder aufstehen würde? Könnt Ihr ihn mit Euren Kräften in solch einen tiefen Schlaf versetzen, dass man ihn statt meiner verdächtigen würde, wenn er hier schlafend vorfinden würde?


Mit jedem ihrer Worte schöpfte sie mehr Hoffnung. Jedoch stutzte sie wenige Augenblicke später bei seinen Worten. Warum müsste ich denn dann noch fliehen, wenn ich nicht mehr verdächtigt werde? Ich meine ich verstehe natürlich, dass Ihr Euch nach eurer Freiheit sehnt, aber was solltet Ihr mit mir wollen? Ich wäre Euch doch sicher nur ein Klotz am Bein. Langsam aber sicher wich ihr Hochgefühl wieder ihren Selbstzweifeln. Sagte er all diese Nettigkeiten vielleicht nur, damit sie ihm einen neuen Lebensspender brachte? War ihr eigenes Blut nicht gut genug oder gar von minderer Qualität? Auf ihrer Unterlippe kauend suchte sie abermals seinen Blick.

Noch immer zweifelte, sie ob sie auf die Zuversicht in seinen gutmütigen Augen vertrauen konnte, aber da er nun sogar soweit ging und ihr ein Geheimnis anvertrauen wollte, konnte er doch nichts Böses im Sinn haben. Samo-el. Wiederholte fast ehrfurchtsvoll, den Namen, den er ihr soeben anvertraut hatte.
 



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Islaf
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#99

Beitrag: # 53641Beitrag Islaf »

Er sah zwischen beiden Parteien hin und her. Die Informationen waren Gold wert. Sicherlich. Er sagte dazu eigentlich nichts mehr, außer das er ihnen freie Bahn ließ ihre Worte laut kund zu tun. So nahe konnte er ihnen Folgen ohne zu folgen. Hören ohne das es gewollt war und lauschen ohne das es gleich als solches erkannt wurde. So wurde er gleich in mehrfacher Hinsicht für seine Geduld belohnt. Etoh war der Herr der so .. freimütig ständig den Körperkontakt suchte. Es war ihm unangenehm und es vermittelte sicherlich vieles aber nicht Trost und Zuversicht wenn fremde Menschen oder auch Seraphen einen einfach ungefragt anfassen. Trotzdem lächelte er höflich. "Verstehe. Ich werde es in.. Erwägung ziehen." Ging es damit an Etoh. Der Mann wirkte nicht verschlagen oder besonders hinterlistig, eher vorsichtig und wie man sagt ein wenig einfach.

Der Blick der Frau ließ ihn kurz weg schauen. Unangenehm die zweite. Er räusperte sich verlegen und schob sich dann etwas seitlich um beiden ihren Platz zu lassen. "Ich bedaure die Unterbrechung.. Ma'am". Dann zu Etoh nickend. "Pater." Sich nicht weiter einmischend, suchte er sich wieder einen Sitzplatz und doch versuchte er in ihrer Nähe zu bleiben um weiterhin so gut zuhören zu können. Immerhin - so stellte er sich vor - je mehr er dem Unhold erzählen kann, um so eher wird dieser gewogen sein, seine Tochter wieder unversehrt frei zugeben. Er beurteile beide nicht, weder den Priester noch die Frau. Egal was sie sagten, er äußerte sich nicht dazu. Was er zu sagen hatte sagte er und nun würde er sich wieder in die Rolle des Zuhörers begeben außer er würde noch angesprochen werden. Doch im Moment schienen die beiden Klärungsbedarf zu haben, oder zumindest irgendwie eine verbale Auseinandersetzung war das schon. Er musste nur hier bleiben und es verfolgen.
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Er nimmt jedesmal neu Maß, wenn er mich trifft, während alle anderen immer die alten Maßstäbe anlegen in der Meinung, sie paßten auch heute noch.

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Etoh
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#100

Beitrag: # 53673Beitrag Etoh »

Der Schneider schien es vorzuziehen seine Angelegenheiten auf einen günstigeren Moment zu verschieben und ließ Lorena und Etoh augenscheinlich unter vier Augen zurück. Wenn gleich in einer mehr oder minder vollen Taverne es kaum ein vier Augen Gespräch gab das nicht von irgend einer Seite stets mit belauscht wurde.
 
Beinahe hätte der Priester auflachen müssen, zugleich ärgerte er sich in seinem inneren. Natürlich würde die Inquisitorin der Dunklen Kirche sein Handeln nicht nachvollziehen, geschweige den verstehen können.
 
In Frieden ruhen? In eurer Obhut, an einem Ort der Grausamkeiten an dem er niemals Frieden finden würde? Ich sehe das unserer beider Vorstellung von Frieden wohl zu weit auseinander liegen, als das wir uns darüber einig wären 'was' genau Frieden für 'uns' und speziell für 'ihn' bedeutet.
 
Etoh wusste nicht wie viel Lorena bereits über Samoel heraus finden konnte. Er hatte auch nicht vor irgend Etwas in der Art lauthals in der Taverne heraus zu posaunen. Abgesehen davon das er als Mann der Kirche Artherks Freundschaft zu einem Vampir pflege, ihn sogar in seine Dienste stellte, wusste er nur zu gut welche Panik allein das Wissen über die Existenz eines solches Wesens in der gemeinen Bevölkerungsschicht ausrufen konnte. Zu schwer war es ein Gerücht, an welchen sogar die Wahrheit dran hing, wieder aus der Welt zu schaffen.
 
So empört er auf ihre ersten Worte reagiert hatte, so ernst wurden seine Gesichtszüge wieder während er schweigend ihren weiteren Worten zuhörte. Leicht neigte er anschließend seinen Kopf und dreht diesen mit Blick auf einen freien Tisch an der Wand. Der deutet mit der Hand eine einladende Geste auf den Tisch an. Dabei überließ er ihr den Vortritt und die Wahl des Platzes an dem sie sich nieder ließ.
 
Nun, Inquisitorin, es ist Wohl an der Zeit das wir ein offenes Gespräch führen. Wenn gleich dieser Ort nicht unbedingt meine erste Wahl dafür gewesen wäre. Doch als ich im Dom nach einem Gesprächspartner suchte, wollte man mir kein Gehör gewähren. Also haltet euch bitte mit euren Anschuldigungen zurück ich würde mich nicht um das Wohl meines Abgesandten sorgen.
 
Etoh folgte Lorena und setzte sich ihr gegenüber. So wie beide saßen kam auch schon Halam selbst geeilt um sich nach einer Bestellung zu erkundigen. In all den Jahren in denen er diese Schenke nun schon bewirtschaftete kannte er seine Gäste und wusste auch über ein jeden mehr Bescheid als mancher über sich selbst. Er war stets ein guter Zuhörer, wen gleich er selber oft sehr schweigsam war. Er konnte kleinste Zeichen deuten und verstand somit auch sofort das Etoh und Lorena nicht vor hatten eine Bestellung aufzugeben, indem Etoh ihm ein Goldstück zwischen zwei Finger geklemmt entgegen hielt. Halam nahm das Goldstück an sich und bestätigte beiden mit einem nicken dass sie nicht gestört werden wollten.
 
Etoh verschränkt die Arme vor sich und stützt sich damit auf dem Tisch auf. Er beugt sich etwas vor, seine Stimme ist im ersten Satz noch gedämpft.
Im Übrigen hat sich euer Spion den ihr meiner Tochter angehängt habt mit einem jähen Schrei im Lichte aufgelöst.
Entspannt lehnt er sich nun zurück und sieht Lorena nüchtern, ohne weiteren Groll an. Allein die Tatsache das sie den Fluch relativ schnell bemerkt haben und auch ausmerzen konnten gab Etoh eine gewisse Genugtuung und Befriedigung. Darüber wollte er sich keinen weiteren Groll mehr erlauben.
 
Ich denke Artherk lenkt mich zur rechten Zeit an den rechten Ort. Wie es mir scheint sollte dies heute wohl die Taverne gewesen sein. Sonst säßen wir uns hier nun nicht gegenüber. Dabei deutet er kurz mit einer Hand in den Schankraum  Verzeiht wenn ich euch bei euren anderen wichtigen Aufgaben nun dabei unterbreche. Ein kurzes Entschuldigendes lächeln huscht ihn über die Lippen. Seine Stimmlage blieb nun weiter ruhig und eher geschäftlich wirkend.
Ihr habt Recht, Samoel vertraut mir und auch ich vertraue ihm. Noch mehr jedoch vertraue ich auf Artherk, dass er uns beiden einen Weg aufzeigen wird um ihn nach Hause holen zu können. Samoel ist nicht ausgezogen einen Krieg zu beenden nur um einen neuen zu entfachen. Ich hoffe doch sehr das dies auch in eurem Interesse ist. Auch wenn wir...Lorena... allein durch unseren Glauben an unsere Götter und deren Lehren niemals auf einen gemeinsamen Nenner kommen werden, heißt das nicht dass es nicht eine Koexistenz geben kann.
 
Also was wäre eure Forderung zum Austausch für meinen Mann?
 
Abwartend sieht er Lorena an, was mag 'ihre' Forderung sein? Es war nicht die erste Verhandlung die Etoh bezüglich eines entführten Familienmitglieds führen musste. Kaum einem ist seine Geschichte bekannt, noch weniger welche Schritte Etoh bereit war zu gehen.
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Heiler zum Beruf - Priester aus Berufung
"Du weißt nicht, wie schwer die Last ist, die du nicht trägst"
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