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-Freya-
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#1

Beitrag: # 53286Beitrag -Freya- »


  
Der Ursprung - Die Dunkle Prophezeiung - Der Beginn der kompletten Geschichte
 
Der Wandel der Zeit - Der Moment, an dem diese beginnt...

  


In den Hallen der Legion

Seit Tagen hatte Freya ihr Zimmer nicht verlassen. Sie hatte es gemieden, hinauszugehen und sich dem zu stellen, was sie in ihrem Inneren fühlte. Weder wollte sie irgendetwas glauben, noch wahrhaben und die Angst, mit dem Gegenteil konfrontiert zu werden, war zu gewaltig. Weder konnte sie all das begreifen, noch verstehen.

Doch was genau war geschehen? Im Grunde wusste Freya es selbst nicht wirklich. Weder was noch warum. Egal, wie oft sie darüber nachdachte.

Bereits wochenlang hatte sie Tanuri beobachtet und gesehen, wie sehr sie schweigend litt und sich immer mehr und weiter entfernte. Doch die Priesterin versteckte ihre Befindlichkeiten hinter einer eisigen Mauer. Etwas, dass sie verstand, denn eine Schwäche konnte und wollte jene sich nicht erlauben. Dennoch hatte Freya nach all der Zeit erwartet, dass sie sich entweder fangen oder aber sich wenigstens jemandem anvertrauen würde.
Beides jedoch war eine naive Hoffnung offenbar gewesen. Es war kein Durchdringen gewesen, kein Moment einer Nähe, in der sie auch nur ein Wort darüber verloren hatte, egal wie sehr Freya selbst darum bemüht gewesen war, Brücken zu bauen. Ein stetes Ausweichen und eine Distanz, die gefühlt immer weiter heranwuchs, je mehr Blicke oder Fragen erfolgten. Umso erschütternder war der Einblick gewesen, den sie in ihre Gedankenwelt erhalten hatte. Antworten, die sich erst nach und nach für sie herauskristallisiert hatten und mit der quälenden Frage zurückgeblieben waren, warum sie all die Zeit über geschwiegen hatte. Es waren nur einige Tage, doch mit jedem weiteren, der verstrich, wurde das Gefühl in Freya selbst beklemmender. Sie verstand jetzt so vieles und sah klarer.
   

Zumindest scheinst du verstanden zu haben, dass der Schein einer angeblichen
Nähe und Zuneigung, oft mehr als trügerisch ist.


Egal wie sehr sie dem alten Mann misstraut hatte, der ihre Welt binnen von Minuten zerstört hatte, so schien er in seiner pragmatischen Ansicht mehr als Recht behalten zu haben. Es war trügerisch und erschütternd zugleich, wie verletzbar sie sich gemacht hatte.

Für alles, was er ihr in kürzester Zeit offenbart hatte, hatte er jedoch wohl kaum mit einer direkten Einsicht dahingehend rechnen dürfen. Allein der Schmerz, der sich in ihr aufgebaut hatte, verraten und am Ende vollkommen allein zu sein, hatte sich schmerzhaft in ihren Geist gebohrt. Loslassen. Nicht einmal jetzt war sie tatsächlich dazu bereit, auch wenn ihr vielleicht keine andere Wahl bleiben würde.

Dennoch war Freya bereit gewesen, ihm die Hand zu reichen. Wenn es ihre Bestimmung war, so gab es nichts, was sie am Ende davon abhalten durfte, ihr zu folgen und keines all jener Opfer, welches Tanuri und jene vor ihr gebracht hatten, sollte durch ihren Sturkopf umsonst gewesen sein.

So war es nur ein kurzer Moment gewesen, da sie auf die Stellans Hand gesehen hatte und ihre zögerlich ich entgegenhalten wollte, als es sie im selben Augenblick wie ein Schlag trag. Nicht nur ein solcher, der einen ins Gesicht traf, sondern ein Schlag, der gnadenlos durch Mark und Bein ging. Als hätte jemand ihr den Boden unter den Füßen fortgerissen, hatte sie das Gefühl zu fallen. Ein Fall, frei und tief. Nichts als endlose Schwärze selbst um sich herum – und dann war die Welt finster.

Das Feuer züngelte im Kamin, während ihre Bücher seit Tagen unangetastet auf dem Tisch lagen. Auch der Teller mit Brot und Obst, den Mila ihr gebracht hatte, stand noch immer unangetastet daneben. Doch rührte das Mädchen nichts an. Es schien für einen Außenstehenden, als würde sie sich nicht einmal von der Stelle zu bewegen, als würde sie in der Zeit gefangen in die Dunkelheit hineinstarren. Doch letzten Endes war es keine Magie. Eher eine Frage danach, wer sie war und wer sie sein sollte. Als würde der dunkle Lord ihr vor Augen führen wollen, was sie lernen musste, nachdem sie sich geweigert hatte, ihre Lektion zu lernen.

Es war eine innere Leere, die sie spürte. Noch immer hielt Freya die Scherbe in der Hand, an deren scharfer Kante ihr eigenes Blut klebte. Scherben, die sich schillernd über den Boden hinweg ergossen, nachdem sie den Spiegel aus purem Selbsthass und Verzweiflung zerschlagen hatte, nachdem sie ihren eigenen Anblick nicht mehr hatte ertragen können. Tanuris Abwesenheit war eines, was sie belastete, doch jene Leere erstreckte sich noch viel weiter.

Freya zweifelte nicht, dass eines Tages, früher oder später, auch die Priesterin zurückfinden würde. All die Worte, all das Gerede, die Hypothesen und Mutmaßungen interessierten sie daher nicht. Auch nicht, dass sie nur ihr Bestes wollten. Sie alle hatten keine Ahnung, was wirklich in ihr vorging. Niemand wusste, wie sich diese Leere in ihr anfühlte. Dieses Schweigen, in dem nicht einmal Naheniel ihr noch zu antworten schien. Egal, wie tief die Schnitte selbst in ihr Fleisch drangen. Ja, sie hatte sich auch von ihm verraten gefühlt. Aber dennoch, war dort so viel mehr gewesen. So viel, was sie in einem einzigen Moment in der Stadt der fallenden Berge hatte in ihm sehen können. 

Doch blieben nur die Stille und der Schmerz selbst. Es war so viel grausamer, diese zu spüren und machtlos dabei zu sein. Es war an Ogrimar allein, ihre Strafe zu beenden. So würde ein Zeichen allein ihr genügen.  Noch immer sah sie die Vision vor sich. Bilder, welche für ihr Auge allein in der Finsternis erkennbar waren. Sie musste nur die Kraft finden, den Weg zu gehen.

Sie würde nicht aufgeben. Langsam lösten sich ihre Finger von der Scherbe, welche unter einem leisen zerbersten vor an ihrer Seite auf dem Boden zersprang. Die Leere war eines. Den Weg aus jener hinauszufinden im Zweifel ihre nächste Prüfung.
Bild

♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri 


Geboren aus dem Wissen einer dunkler Vergangenheit - verblaßt mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Lorena
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#2

Beitrag: # 53287Beitrag Lorena »

In den Hallen der Legion

Kaum zu fassen, dass erst wenige Wochen vergangen waren, seitdem sich ihr komplettes Weltbild verändert hatte.
Grundfesten ihrer Überzeugung, an denen sie nie gewagt hätte zu rütteln, wurden von heute auf morgen niedergerissen.
Doch konnte sie nicht die Augen vor der Realität verschließen. Über Wochen hinweg musste sie mit ansehen, wie sich jemand,
den sie einst sehr geschätzt hatte, kläglich zu Grunde richtete. Zu Stolz eine helfende Hand anzunehmen.
Doch das war nur die Spitze eines schier unüberwindbaren Eisberges.

Zwar war sie überzeugt, dass gewisse Worte nur aus grenzenloser Verzweiflung gefallen waren, aber das machte es dennoch
nicht leichter darüber hinweg zu sehen. Denn auch, wenn es wahnhafte Worte gewesen waren, schienen sie aus tiefster
Überzeugung zu kommen. Und bekanntlich sagte man gerade in Momenten des größten Kontrollverlustes, wenn jegliche Masken
gefallen waren, die Wahrheit. Auch wenn es nur die eigene Wahrheit war.


Seit jenem Abend hatte sie also immer und immer wieder darüber sinniert, welche Konsequenzen sie nun aus den aktuellen
Ereignissen ziehen sollte. Doch offenbar befand Ogrimar, dass es Zeit war, ihr noch weitere Prüfungen aufzuerlegen.
Denn ausgerechnet als sie sich zurückziehen wollte, um die Lage für sich zu sondieren und einen klaren Kopf zu bekommen,
überschlugen sich die Ereignisse und sie erreichte eine Hiobsbotschaft nach der anderen.

Sollte es also wirklich erst wenige Wochen zurückliegen, dass sie mit ihren engsten Vertrauten einen ausgelassenen Abend
verbracht hatte, um den Abschied ihres Junggesellinnen Daseins zu zelebrieren? Wo ihre Größte Sorge der Krieg mit der
verdammten Götzensippschaft war? All dies schien ihr in Anbetracht der gegenwärtigen Lage gerade zu lachhaft.
Doch sie war überzeugt davon, dass Ogrimar, ihr all jenes nicht aufbürden würde, wenn sie dieser Last nicht gewachsen wäre.


Nur wenige Tage nach ihrem vermeintlichen Junggesellinnenabschied offenbarten sich ihr neben Befürchtungen,
die sie seit geraumer Zeit nicht wahrhaben wollte, auch gut verborgene Geheimnisse und Abgründe, deren Ausmaß sie
bislang nichtabschätzen konnte. Zwar rückten dadurch auch einige Puzzleteile an ihren rechten Platz und sie erkannte
gewisse Zusammenhänge,doch den Preis den sie dafür zahlen musste, war hoch.


Unbekannte Mächte hatten offenbar beschlossen, dass ihre Zeit gekommen war und sie ihrem Durst nach Zerstörung und
Machtnacheifern konnten. Allerdings zeigten sich jene nicht für jeden offensichtlich, sondern sie schickten ihre Rekruten vor.
So erobertenseit geraumer Zeit immer mehr Piraten Ländereien auf den Inseln und sorgten dafür, dass wichtige Handels- oder
Transportschiffe Schiffbruch erlitten.
Darunter auch das Schiff, mit dem ihr Verlobter zu einer langen Reise aufgebrochen war. Soweit offiziell bekannt, hatte
niemand dieseMeuterei überlebt, doch gut informierte Quellen aus dem Untergrund berichteten, dass dies nur bedingt stimmte.
Was auf hoher Seetatsächlich geschehen war, konnte niemand wissen, der nicht dabei gewesen war, doch bislang war niemand
tatsächlich wiedergekehrt.


Doch würde es einen Unterschied machen, wenn sie jenen Stimmen Glauben schenken würde? Das Resultat wäre im Grunde das
gleiche, er war nicht zu ihr zurückgekehrt. Also brachte es sie nicht weiter über das wie und ob zu sinnieren. Jegliche Gedanken an
die Umstände, die zur gegenwärtigen Situation geführt  hatten, stimmten sie nur noch zorniger, als sie es ohnehin schon war.
Eigentlich wäre sie nun auch gar nicht in die Hallen der Legion zurückgekehrt, doch da sie eine dringliche Nachricht erreicht hatte,
dass die Priesterin an einen unbekannten Ort entschwunden war, ob nun aus freiem Willen oder als Kriegsopfer, konnte niemand klar
benennen, war es für sie selbstverständlich eigene Befindlichkeiten hintenanzustellen und nach Hause zurück zu kehren.


Ihr blieb jedoch keine Atempause vergönnt, als sie im Begriff war, das Anwesen der Legion zu betreten. Eines der Dienstmädchen
steckte ihr direkt nach ihrer Ankunft eine Notiz zu, deren Inhalt sie nicht gerade freudig stimmte. Zwar hatte sie bereits befürchtet,
diese Auskunft auf ihren Ersuch zu erhalten, doch nun hatte sie Gewissheit und somit eine weitere Bürde, der sie sich stellen müsste.
Ihr nächstes Ziel wäre somit gewiss, aber darüber würde sie sich später Gedanken machen. Nun galt es erstmal die Lage innerhalb
der Hallen zu eruieren.


Nachdem jedoch zunächst niemand weiter anwesend zu sein schien, brachte sie erst einmal ihr Hab und Gut in ihre privaten Räumlichkeiten
undmachte sich ein wenig frisch, bevor sie sich in der großen Küche eine Kleinigkeit zu essen organisierte. Ging sie ohnehin davon aus,
dass in den späten Abendstunden zumindest einige ihrer Gildenbrüder und -schwestern wieder hier einkehren würden.
Und so war es dann auch. Wenig später schon hörte sie eine ihr nur allzu vertraute Stimme, die sie einen Moment innehalten ließ.

Nach langer Zeit war ihr Bruder Legolas nun also zurückgekehrt. Ob ihn sein Instinkt zurückgeführt hatte oder er eine andere Intention,
konnte sie leider nicht ausmachen. Viele Monde waren seit ihrem letzten Zusammentreffen vergangen und seitdem war sehr viel geschehen.
Normalerweise hätte sie den Abend nun genutzt, ihm ausführlich auf den Zahn zu fühlen, doch dieses Vorhaben wurde je unterbrochen, als
nun auch Adrian in Begleitung von Kenna heimkehrte und der Abend eine unvorhersehbare Wendung nahm. Nachdem sie gemeinschaftlich die
Ausgangslage analysiert, einander auf den neusten Stand gebracht hatten und im Zuge dessen Pläne für die Zukunft schmiedeten, die ein
jedes Gildenmitglied in gewisser Form in die Pflicht nahmen, ergab es sich obendrein auch, dass Kenna eine Aufgabe zu Teil wurde.


Jene hatte sich zwar im Grunde schon dadurch bewiesen, dass sie diverse Schlachten Seite an Seite mit der Legion ausgefochten hatte und
auch der dunkle General ihren Reizen nicht abgeneigt zu sein schien, doch in Anbetracht der Lage reichte das nicht aus. Die erste Lektion,
die Lorena aus den letzten Wochen gelernt hatte war, verschenke dein Vertrauen nicht leichtfertig. Und auch wenn Kenna ihre Aufgabe so
erscheinen mochte, dass man sie zu einem dahergelaufenen Laufburschen delegierte, hatte dies einen wichtigen und tiefgründigen Zweck.
Ob sich jener ihr jedoch irgendwann offenbaren würde, dass wusste jedoch nur Ogrimar alleine.

 

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~ Großinquisitorin der dunklen Kirche~
~ Mitglied der Familie Zar ~



❖Wer sich auf dünnes Eis begibt, sollte sicher sein, dass er gut schwimmen kann, andernfalls wird er vom ewigen dunklen Meer verschlungen.❖
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Adrian
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#3

Beitrag: # 53302Beitrag Adrian »

Warm knisterte das Feuer in Halams Kamin, während eine enorme Geräuschkulisse den Schankraum erfüllte. Männer und Frauen tranken, lachten und redeten gleichermaßen hemmungslos, während Geena und einige Aushilfen um die Tische herum eilten, um Gläser zu füllen oder leere Humpen einzusammeln.

Menschen, die in ihrer Anspruchslosigkeit sich kaum voneinander unterschieden. Sie alle, ob Bäcker, Schmied, Magd oder Dirne, sie alle folgten ihren Arbeiten, um sich im Anschluss den einfachen Vergnügungen hinzugeben. Keine Bestimmung. Kein höheres Ziel, außer die hungrigen Mäuler daheim zu stopfen und über die Runden zu kommen.

Viele von ihnen waren nichts ahnend, welch Möglichkeiten vor ihren Toren warteten. Manch einer prahlte mit großen Taten, ohne je einem Feind ins Auge gesehen zu haben. Einige erzählten von Mythen und Legenden und wieder andere zerrissen sich ihr Maul darüber, welch Gerüchte kursierten und stellten die kuriosesten Mutmaßungen dazu auf.

Tatsächlich zumeist Idioten. Was auch immer hinter dem Verschwinden Tanuris stehen mochte, er selbst glaubte dabei nicht an vollkommene Kapitulation, auch wenn die Indizien der Inquisition im ersten Moment dafürsprechen sollten.

Der Dunkelmagier sah jedoch einen anderen Zusammenhang. Auch wenn jener noch nicht vollkommen schlüssig war. Doch wann offenbarte sich die Wahrheit schon einmal direkt und offensichtlich? Da Naheniel nicht zu ihrem Treffen erschienen war und seither ebenfalls abgetaucht zu sein schien, witterte Adrian im Gegensatz zu den meisten ein vielleicht viel perfideres Werk. Nach all seinem aggressiven und intriganten Vorgehen war es unmöglich, dass er mit einem Mal von seinen Vorhaben abgelassen hatte.

Aus seinem Blickwinkel heraus konnte es durchaus ein weiterer Plan sein, um das Vertrauen ineinander endgültig zu sprengen und Freya auf diese Weise den letzten verbliebenen Halt zu nehmen. Er wusste, was es bei Lorena und Freya ausgelöst hatte und wie das Verschwinden der Priesterin auf jene wirken mochte nach ihren letzten Disputen.

Die Enttäuschung und die Wut waren beiden anzumerken. Sie schienen beide gleichermaßen und doch auf unterschiedliche Weise einzunehmen. Aber nicht genug damit. Denn beide mussten sich ebenso mit er nun einkehrende Verantwortung auseinandersetzen und sich dieser stellen. Lorena als der Führung der Inquisition, während das Kind sich wiederum Führung des Glaubens einnehmen musste.

Auch wenn er nicht an normale Umstände glaubte, war es ihre Lebensaufgabe gewesen, so mussten sie die Lücken nahtlos schließen und nicht zuletzt die Vorteile ziehen, die Naheniels paralleles Verschwinden mit sich brachte, ohne Tanuris jedoch einfach blind hinzunehmen.

Daher hatte Verlion sich bereits auf den Weg gemacht, dahingehend nach der Priesterin zu forschen, während seine Schwägerin an anderen Orten nach Hinweisen für Naheniel suchte. Diskret, aber ihnen vertraute er am meisten. Er selbst hatte die Zeichen für sich gedeutet, dass sein Platz hier war. Nicht nur, weil er einiges über die Prophezeiung wusste, sondern auch, weil Ogrimar selbst ihn mit weiteren Prüfungen und Herausforderungen band.

Adrian lehnte mit dem Rücken an der Wand, während er angewinkelt einen Fuß auf der Bank neben sich abgestellt hatte. Kühl schienen seine hellen Augen die Menschen zu mustern. Seine Aufmerksamkeit galt jedoch einzig der Gestalt, welche inmitten der Gäste untertauchte und ebenso unscheinbar und unbemerkt verschwand, wie sie gekommen gewesen war. Wachsam hatte er ihr mit seinem Blick zu folgen versucht, aber sie war einfach inmitten der Menschen untergegangen und von einem Augenblick auf den anderen verschwunden gewesen.

Sie wusste zu überleben und sie wusste ihre Geheimnisse zu hüten, die nichts mit ihrem eigentlichen Gewerbe zu schaffen hatten. Ein feines Lächeln schlich sich über seine Lippen hinweg, während sein Finger nachdenklich über den Rand des noch unberührten Glases fuhr und diesen spielerisch nachzeichnete.

„Adrian Al Saher, ich kenne diesen Blick. Ich habe ihn bei vielen Männern gesehen. Bei dir jedoch hätte ich ihn nicht erwartet. Amüsant.“

Rosalinds letzte Worte hallten in seinen Gedanken nach und unterstrichen nur das, was er selbst nicht bereit war zuzugeben, obwohl er bereits wusste, dass es im Grunde zu spät war, es zu leugnen. 
Seine Hand öffnete das kleine Pergament, welches sie ihm zugeschoben hatte, während die Finger seiner anderen sich um das Glas legten. Langsam führte er das Getränk an seinen Mund. Er konnte wahrhaftig etwas Klärendes für seine Gedanken brauchen, auch wenn er wusste, was er als Nächstes zu tun hatte.

Das schummrige Licht der Kerze und Fackeln hüllte das Dunkel seiner Augen ein und erfüllte es mit einem düsteren Glanz, während er die Zeilen las und sich pragmatisch dem ursprünglichen Inhalt ihres Gesprächs widmete, anstatt sich über ihre kleine Anmerkung weiter zu widmen. Er wusste sehr genau, was er wollte und dahingehend würde er sich weder rechtfertigen, noch in irgendeiner Form viele Worte fällen. Daher war es eher die Offenbarung der ehemaligen schweigenden Schwester, die ihn beschäftigte.

„Es ist zerstört worden. Aus gutem Grund. Ich könnte dir ein neues schmieden, auch wenn es mich vielleicht Kopf und Kragen kostet. Danach ist meine Schuld Dir gegenüber jedoch getilgt.“

Zwei Eisenbarren
Zwei Bronzebarren
Sechs Stapel Schwarzholz

Das Amulett, welches Kenna brauchte, war vernichtet, aber die Formel des Zaubers war in einem kryptischen Pergament festgehalten worden. Für ein normales Auge, vermutlich nicht mehr als eine Backformel. Für jemanden, der  allerdings wusste, was die Worte bedeuten sollten und was es brauchte, war es viel mehr. Lorena hatte also recht, dass sie die Dinge brauchten, aber der Grund dafür war ein anderer.

Nicht die simplen Gegenstände an sich sollten sie vor den Hütern ausweisen, sondern das Amulett selbst, dessen Bedeutung weitreichender war, als nur eine Waffe zu befehligen. Es war ein Schlüssel, der am Ende getränkt mit Blut und den richtigen Worten den Zugang öffnen würde und vielleicht die einzige Schneide war, welche ein gewobenes Schicksalsband durchtrennen konnte.

War es also vielleicht alles vorherbestimmt? Dunkelheit und Dunkelheit...vereint zu einer Finsternis.
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖  Bruder des Verlion Al Saher ✟
❖ Gnade oder Mitleid haben noch nie einen Feind besiegt. ❖
❖ Wahre Finsternis herrscht nur dort, wo kein Licht durchdringt, denn sonst wäre sie nichts weiter als ein Schatten.❖
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Kenna de Vil
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#4

Beitrag: # 53303Beitrag Kenna de Vil »

Rückblende

Nachdem sie in den Wäldern das verzauberte Buch geöffnet hatte und sie ihre erste Vision heimsuchte, war Kenna zunächst nach Felsriff gegangen. In den Städten des Königreichs Goldmond hatte sie bislang wenig agiert und kannte dort quasi niemanden, weshalb ihre Wahl auf besagte vertrautere Stadt gefallen war.

Das Buch mit den leeren Seiten im Gepäck, hatte sie sich dort eine Weile im Untergrund bewegt und diverse Kontakte genutzt, die jedoch alle ins Leere führten. Auch wenn ihr ihre Gewaltbereitschaft oder auch ihr Gold so manche Türe öffnete, so wollte doch niemand etwas mit der Angelegenheit zu tun haben, sobald sie das Buch aus ihrem Beutel holte. Regelrecht panisch wurden die Gesichtsausdrücke und manche versuchten sogar zu türmen. Nun gut, Letzteres war die Bognerin gewohnt. In einigen Teilen des Landes eilte ihr Ruf ihr bereits voraus, was es ihr manchmal nicht leicht machte, ihrer Lieblingsbeschäftigung nachzugehen. Der Wegelagerei. So war sie inzwischen gezwungen immer perfidere Methoden anzuwenden. Nichts als Verachtung hatte sie für jene übrig, die ihr mit angstvollen Gesichtern ihr Hab und Gut überließen oder die gewünschten Informationen ohne Gegenwehr preisgaben.

Einige Zeit war bereits ins Land gezogen, als sie beschloss, dass Buch dorthin zurückzubringen, wo sie es entwendet hatte. In den dunklen Hörsaal. Vielleicht würde sie dort einen neuen Ansatz für ihre Suche nach dem Amulett finden, welches sie zwingend brauchte, um die Kontrolle über den Blutdolch zu erlangen. Denn der Ruf der Klinge wurde täglich lauter in ihr und das Mal, mit welchem er Kenna zeichnete, fraß sich weiter durch ihre Adern. Wie die Flüsse auf einer Landkarte, schlängelte sich das Schwarz inzwischen bis zu ihrem Handgelenk.

Doch wie es der Zufall so wollte, war sie in den Räumlichkeiten des Hörsaals nicht allein und so fand sie zunächst keine Möglichkeit ungesehen an die Bücherregale heranzutreten. Stattdessen geriet besagter Abend völlig aus dem Ruder.



Im dunklen Hörsaal

Die Priesterin der dunklen Gemeinde selbst war zugegen. Tanuri var Aesir, der sie stets getreu ihrer Erziehung mit dem nötigen Respekt entgegengetreten war.
Lorena Zar, eine Dame recht fragwürdigen Charms, mit der sie sich bereits oberflächlich angefreundet hatte – ein Umstand der für Kenna selbst verwunderlich war, denn so etwas wie Freundschaften kannte sie bisher nicht. Sie hatte ihre Familie und war sich darüber hinaus immer selbst genug gewesen.
Der Vierte in der Runde war Adrian Al Saher. Ein schweigsamer Geselle, mit beunruhigenden stahlblauen Augen, die sie bereits mehr als einmal herausgefordert hatten. Gerüchte besagte, Kenna und er pflegten eine heimliche Liaison. Doch würde man beide fragen, verneinte sie es wohl und er würde sich schlichtweg gar nicht zu solchem Gemunkel äußern.

Schnell kam das Gespräch auf eine weitere Person. Naheniel. Aus Kennas Sicht eine flüchtige Begegnung mit einer eher unscheinbaren Persönlichkeit. Doch wie sie im Laufe des Abends erfahren musste, war er alles andere als das. Tanuri und Adrian hatten die Bedrohung, die offenbar von Naheniel ausging vor allen anderen verborgen und hatten in gnadenloser Selbstüberschätzung gedacht, der Situation alleine Herr zu werden. Ein Trugschluss. Selbst Lorena hatte keine Ahnung gehabt und das als Inquisitorin, die ihre Augen und Ohren schließlich überall zu haben schien. Konnte es Kenna Adrian also verdenken, dass er sie nicht eingeweiht hatte? Zunächst war sie enttäuscht, denn schließlich war er es gewesen, der ihr gegenüber von Vertrauen gesprochen hatte, um ihr Selbiges im gleichen Atemzug offensichtlich nicht entgegenzubringen.

Doch schluckte sie ihre Befindlichkeiten hinunter. Hier ging es um weit Wichtigeres. Die tragende Rolle Freyas wurde deutlich und dass sie alles daran setzen mussten sie – den Schlüssel – zu schützen.
Aber nicht jeder schien sich dessen bewusst zu sein und so entbrannte ein Streit, geprägt von Wut und Enttäuschung. Aus Kennas Sicht hatten die Priesterin und der General die Kontrolle über die Situation unlängst verloren und es war höchste Zeit, dass man die Personen, die zum direkten Umfeld Freyas zählten, einweihte.

Nachdem Lorena und Tanuri nacheinander den Saal verlassen hatten, blieben Adrian und Kenna allein zurück. Anstatt auf Antworten zu beharren hatte es die Inquisitorin vorgezogen, wutentbrannt das Weite zu suchen. Ebenso wie die Priesterin, die Zusehens die Beherrschung zu verlieren schien. Ein Verhalten, was nicht gerade von Weitsicht zeugte.

Bereits in der Vergangenheit kam es zu Verständigungsproblemen zwischen dem dunklen Magier und der Bognerin, denn wie bereits erwähnt, waren sie gleichermaßen eher schweigsam. So handelten sie eine Art Tauschgeschäft aus. Informationen gegen Informationen.

Nur widerwillig ließ Kenna es zu, dass Adrian ihre Hand untersuchte und schnell erkannte dieser, dass es sich um schwarze Magie handelte, die sich durch ihre Haut fraß. Eine Magie die seiner ähnelte und doch um ein Vielfaches gefährlicher werden konnte. Kenna offenbarte ihm alles über den Dolch und das dazugehörige Amulett – zumindest das, was er ihrer Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt wissen musste. Sie hatte ja keine Ahnung, dass er die Zeichnung, die sie für Lorena angefertigt hatte, in seiner Tasche bei sich trug. Dieses Detail verschwieg er, genauso wie die Tatsache, dass Lorena ihn auf sie angesetzt hatte. Im Gegenzug teilte sie ihr Wissen über den Aufenthaltsort des Dolches nicht mit ihm. Noch nicht.

Schließlich war es an Adrian seinen Teil der Abmachung einzuhalten und so berichtete er ihr ausführlich von Naheniel und dessen Absichten. Von der Prophezeiung und der Rolle des Schlüssels.

Es mochte Momente in Kennas jüngster Vergangenheit gegeben haben, in denen sie bereit gewesen war, sich auf die Seite jenes Mannes zu stellen, der nun zur Opposition gehörte. Doch sie hatte sich bereits lange vor diesem alles verändernden Abend im Hörsaal für Adrian entschieden. Alles was in dieser Nacht ausgesprochen wurde, was in ihren Blicken lag und was sie schlussendlich besiegelten, sollte diese Entscheidung untermauern.

Was niemand zu diesem Zeitpunkt ahnen konnte war, dass die Priesterin nach ihrer wütenden Flucht aus dem Hörsaal nicht mehr zurückkehren sollte. Verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt, hatte sie alles und jeden zurückgelassen.
War es die Tat einer Süchtigen? Anzeichen dafür hatte es genug gegeben, doch hatte Tanuri die helfenden Hände allesamt in den Wind geschlagen. Oder war sie gar von Naheniel verschleppt worden? Möglich war alles und solange sie keine Spuren oder Beweise fanden, würden sie es wohl nie erfahren.
So hatten die Mitglieder der Legion des Schattens Kenna bei sich aufgenommen, damit sie ihre Reihen stärken konnten, in dem Bestreben Freya zu schützen.



Gegenwart

Die Inquisitorin hatte Kenna inzwischen ein paar Aufgaben übertragen, mit der sie ihre Loyalität unter Beweis stellen sollte. Als hätte es einer solchen Maßnahme bedurft.
Einerseits hatte Lorena ihr das Vertrauen bereits geschenkt, hatte ihr vor allen anderen von ihrer Verlobung und ihren Zweifeln berichtet und Kenna hatte sich als vertrauenswürdig erwiesen und alles für sich behalten. Hatte ihr einfach ein offenes Ohr angeboten, als sie es offenbar brauchte. Wodurch sie sogar zu dem erlesenen Kreis auf ihrem Junggesellinnenabschied gezählt hatte.

Als Bündnispartner im Kriegsgeschehen hatte sie selbst auf die Treue der Gilde gezählt und war diesbezüglich auch nicht enttäuscht worden. Seite an Seite hatte man die ein oder andere Schlacht gegen die weiße Brut des Götzengottes für sich entschieden und die Gegner gnadenlos niedergestreckt.

Man konnte regelrecht den Eindruck gewinnen, dass das Gebaren Lorenas ihrem eigenen Streben nach einer Machtposition innerhalb der Gilde entsprang. So hatte Kenna das Ende der Unterhaltung im Kaminzimmer der Legion gar nicht erst abgewartet und war hinaus in die dunklen Wälder aufgebrochen. Der schale Beigeschmack hallte noch immer in ihr nach, wie eine Dienstmagd losgeschickt worden zu sein, um Dinge zu besorgen die angeblich benötigt wurden. Unter anderem hatte man ihr aufgetragen, den Dolch aufzutreiben. Bluttrinker.

Nicht nur, dass damit die Aufgabe für sie unlösbar geworden war, sie war es leid sich immer wieder beweisen zu müssen. So würde sie wohl nicht in die Hallen der Legion zurückkehren. Denn sollte sie sich dem Dolch nähern, ohne das Amulett gefunden zu haben, würde er die Kontrolle über die Bognerin übernehmen. Er würde sie verzehren bis auf den letzten Tropfen ihres Blutes. Ausweglos erschien ihr die Suche nach dem fehlenden Artefakt, denn alle Anhaltspunkte die sie hatte, waren im Sand verlaufen. Existierte das Schmuckstück überhaupt noch oder wurde es irgendwo gut behütet, gar auf magische Weise verborgen?
Sie wollte nicht noch mehr Aufmerksamkeit durch ihr Herumfragen darauf lenken. Sie brauchte einen neuen Plan.

Selbst wenn sie die Kontrolle über die Klinge erlangen würde, wenn es ihr bestimmt sein sollte sie zu führen, ganz sicher würde sie diese Macht nicht leichtfertig jemand anderem übertragen.
Ogrimar allein war es, der ihren Weg wies und dem sie blind folge leistete. So manches Mal offenbarte sich sein Wille auf verworrene Weise oder auch auf Umwegen. War es also Schicksal gewesen, dass sie vor so vielen Monden einer Gestalt begegnet war, die ihr etwas einflüsterte, was ihren Weg stets begleiten sollte? Eine Stimme, die ihr inzwischen so vertraut geworden war…

Dunkelheit und Dunkelheit… vereint zur wahren Finsternis, wo kein Licht durchdringt.
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Dem einen gehorche ich. Dem einen folge ich. Dem einen diene ich.
Doch dir, dir gehöre ich.
Finsternis.
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Lorena
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#5

Beitrag: # 53308Beitrag Lorena »

Bestrebt darin alles ihr Mögliche in die Wege zu leiten, um ihr Schicksal anzunehmen und ihren Part in den kürzlich geschmiedeten Plänen
zu verwirklichen, war sie bereits in den frühen Morgenstunden des Folgetages nach Sturmkante aufgebrochen.
Auch wenn sich alles in ihr sträubte diesen Weg zu beschreiten, die Ausweglosigkeit ihrer prekären Lage, lies ihr keine Wahl.
So fügte sie sich also dem Los das sie gezogen hatte und schloss ein Bündnis, welches sie wohl noch vor einige Herausforderungen stellen würde.

Als sie ziemlich ausgelaugt in die Hallen der Legion zurückkehrte, lastete Die Bürde der Verantwortung schwer auf ihren Schultern.
Bereits im Dienst der Inquisition hatte sie sich um viele Belange zu kümmern, doch nun lag ein Druck nie gekannten Ausmaßes auf ihr.
In dem Bestreben sich lediglich noch eine kleine Stärkung zu genehmigen, ging sie in die große Küche der Hallen, in denen sie die Magd Mila mit
betrübter Miene vorfand. In ihren Händen hielt sie ein Tablett mit nicht angerührter Nahrung.
Auch ohne nachfragen zu müssen, konnte sich Lorena denken, was es damit auf sich hatte.

Die Kleine Mistmade, auch als Freya bekannt, schien sich vollkommenen konträr zu Lorenas eigenen Verhalten, vollends ihrem Verlust und ihrer
Trauer hinzugeben. Wo sie selbst jegliches Fühlen ausgestellt hatte, suhlte sich das Kind regelrecht in den Empfindungen, die sie derzeit zu
beherrschen schienen.

Doch so konnte es nicht weitergehen. Die Zeit drängte und für solche Allüren hatte sie weder die Geduld, noch würde die schwarze Gemeinde
Verständnis für jene haben. Wie auch sie selbst sich nun einer neuen Herausforderung zu stellen hatte, galt das auch für Freya.

Natürlich war das Kind bedeutend jünger und bedurfte Unterstützung bei der Erfüllung ihrer Aufgabe, aber dies war keine Entschuldigung.
Entschlossen ging sie also auf direkten Weg zu den privaten Räumlichkeiten Freyas und betrat diese, nachdem sie ihre Ankunft zwar kurz durch
ein Klopfen angekündigt, allerdings keinerlei Antwort abgewartet hatte.

Wie sie erwartet hatte, fand sie das Kind vollkommen lethargisch und geistesabwesend vor. Bestimmten Schrittes ging sie zu den Fensterläden
und ließ neben Tageslicht auch Frischluft in die Räumlichkeiten des Pumakäfigs, indem sie sich notgedrungen gerade aufhielt.

Einen Augenblick verharrte sie noch wortlos am geöffneten Fenster und zog die eisig kalte Luft in ihre Lungen bevor sie zu sprechen begann.
„Ich verstehe dich. Niemand von uns hätte erwartet in solch eine Situation zu geraten, doch wir können es uns nicht leisten nun zu zerbrechen.“

Ihrer Stimme war anzuhören, dass sie sich deutlich schwer tat in der gegenwärtigen Situation die richtigen Worte zu finden.
Auch wenn es auf unterschiedlichen Ebenen geschehen war, fühlten beide derzeit den gleichen Schmerz.

„Auch wenn es schwer ist Freya, aber die Zeit deiner Kindheit ist nun vorüber. Du bist nun der Schmied deines Schicksals und es liegt an dir
welchen Weg du gehen wirst. Wenn du mich fragst bleiben dir die folgenden Optionen. Erstens du gibst dich weiterhin der kindlichen Illusion hin,
dass alles von alleine wieder gut wird, die Priesterin wiederkehrt und dich an die Hand nimmt, was wohl nicht passieren und dich am Ende nur
zerstören wird. Oder du wählst den selbstbestimmten Weg, übernimmst die Verantwortung für dich, die schwarze Gemeinde und tust alles dafür,
die Fesseln deines Schicksals zu lösen.“


Zwar wusste sie, dass sie das Kind so massiv unter Druck setzte, doch sah sie keinen anderen Ausweg.
Mit einem Blick auf ihre Hand, welche ein frisches Mal eines unbrechbaren Siegels trug, erkannte sie wie ironisch es doch war, dass ausgerechnet
sie gerade von Selbstbestimmung und der Fügung des Schicksals sprach.

Doch ein jeder von ihnen hatte sich den Prüfungen zu stellen, die Ogrimar ihnen auftrug und das war nun eben Freyas.
„Also Freya, wie wirst du dich entscheiden? Nimmst du dein Schicksal an und stellst dich deiner Zukunft oder willst du dich weiterhin hier verstecken?“


 

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#6

Beitrag: # 53314Beitrag -Freya- »

In dem Moment, da die Scherbe auf den Fliesen zerbarst, öffnete sich die Tür. Das Klopfen selbst hatte Freya ignoriert. Sie wollte sich nicht immer wieder die gleichen Tiraden anhören. Verstehen würde es sowieso niemand. Weder den Schmerz noch die Leere und das Gefühl, was jene tief in ihr hinterließen.

Zudem nahm sie im ersten Augenblick eh an, dass es sei Mila, welche abermals auf sie einreden wollen würde. Immer die gleiche Leier, auch wenn sie sicherlich recht haben mochten. Trotzdem bekam sie keinen Bissen hinunter. Alles schmeckte wie bittere Asche und ihr Magen krampfte allein bei dem Gedanken daran, einfach an der Stelle weiterzumachen, als wäre nichts geschehen. Dennoch, was blieb ihr anderes übrig. Wenn ihr Weg bestimmt war, hatte sie doch sowieso keine Wahl.

Während ihrer Gedanken fokussierte der Blick des Mädchens sich zunehmend auf das Spiegelbild im Fenster. Weder das Unmögliche zeichnete sich darin jedoch ab, noch das Wahrscheinliche. Es war weder die Priesterin noch die Hausdame. Stattdessen erblickte sie den Glanz einer blauen Robe, deren Trägerin mit festen Schritten auf sie zukam. Lorena. Seufzend senkte das Mädchen ihre Wimpern.

Natürlich hetzte man den nächsten scharfen Hund auf sie, damit sie die Erwartungen erfüllte. Sollte sie Mila dafür danken? Teilnahmslos beobachtete sie, wie die Inquisitorin das Fenster aufriss und schweigend einen tiefen Atemzug nahm. Auch sie umfing direkt die eisige Luft, welche einen frostigen Schauer auf ihren Armen hinterließ.

Beinahe erwartend, dass sie eine Tirade aus Vorwürfen und Forderungen an sie stellen würde, atmete auch Freya tief ein. Die Luft brannte in ihren Lungen, während sie ihre Lider hob. Leichtes Erstaunen zeigte sich auf ihren Zügen, als Lorena ihr gegenüber da Wort erhob. Worte, die sie vielleicht annähernd erwartet hatte, doch in ihrer Stimme klang dabei weniger kühl, fordernd oder anklagend, als sie angenommen hatte. Vielmehr schien sie unter ihrer eisigen Schale ebenfalls Gefühle zu spüren, die ihr auf ihre Weise ähnlich nahegingen.

Aber es änderte nichts daran, dass Freya nicht wusste, was sie tun sollte. Von einem Moment auf den anderen war ihre Welt ein weiteres Mal zusammengebrochen. Wie oft sollte sie noch aus dem Dreck aufstehen. Die Lektion, sich auf andere zu verlassen, hatte sie jedoch mittlerweile gelernt. Ja, vielleicht hatte Lorena wirklich sogar recht, vielleicht war es an der Zeit, einen eigenen Weg zu gehen. Auch wenn man sie vielleicht nicht bewusst oder gewollt sich selbst überlassen hatte, musste sie weitermachen. Was immer es bedeuten mochte, der Schlüssel zu sein. Es war an ihr, die Bedeutung und den Weg zu finden.

„Schicksal.“ Der pure Zynismus lag in ihrer kindlichen Stimme und ließ sie beinahe befremdet klingen. Ehrlich gesagt hatte sie eigentlich die Nase voll von jedwedem Schicksal, welches sie immer wieder erbarmungslos in die Knie zwang. Doch musste sie sich diesem stellen, ob sie wollte oder nicht.

„Hab ich denn eine Wahl oder hatte sie je?“ Kam es eisig über ihre feinen Lippen, während sich ihre zierliche Gestalt vom Fenster abwandte und auf die Scherben hinter sich blickte. Es war alles auf eine Weise vorbestimmt gewesen. Sie hatte es gesehen. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Einblicke, die vielen verborgen blieben und über die sie nicht offen sprach. Eine Vorhersehung, die sie bereit gewesen war anzunehmen, auch wenn der Blick in den Spiegel sie immer wieder hatte zweifeln lassen.

Doch nun schien alles zerbrochen, so wie sie selbst, denn nichts schien einen Sinn zu ergeben. Niemand würde allerdings kommen, um ihre Tränen zu trocknen, geschweige denn ihr den Weg zu weisen, der jetzt vor ihr lag. Sie musste ihn allein gehen. Die Fesseln des Schicksals jedoch lösen? Niemals. Es war Teil ihrer Bestimmung und sie würde dem Willen des Lords folgen mit jeder Konsequenz, auch wenn sie selbst zerstören würde. Sie vertraute ihm. Sie musste es einfach.

„Diu mirsin.“ Tonlos formten ihre Lippen die Worte, während das glänzende Blau über die funkelnden Scherben hinwegwanderte und sie für einen kurzen Moment die Wimpern senkte, um sich abermals der Leere bewusst zu werden. Was war nur geschehen? Stellan, Tanuri, Naheniel. Es musste eine Erklärung geben, einen Zusammenhang.

Doch sie konnte es nicht in ihrem Zimmer herausfinden, sondern nur, wenn sie den Pfad weiterging, den der Lord für sie vorgesehen hatte. Was für eine Ironie. Fest presste sie ihre Lippen aufeinander, wusste sie, dass sie ihre Gefühle im Zaum halten musste, auch wenn diese zusammen mit jener Verantwortung, die mit dem Verschwinden Tanuris nun auf ihr lasten mochte, sie förmlich erdrückte.

Schwer schluckte Freya all dies hinunter, denn sie war sich bewusst, dass sie irgendwann diesem Gespräch auf die eine oder andere Weise nicht länger entgehen konnte. So sehr es an ihr zerrte, so treffend waren Lorenas Worte. Es würde niemand kommen und sie an die Hand nehmen und während sie sich in Mitleid suhlte, erstarkten vielleicht die Reihen des Götzen.

„Was genau erwartest du von mir? Oder er?“ Freya bemühte sich, ihre Unsicherheit jener Verantwortung gegenüber, ebenso wie ihre Gefühle nicht in ihre Stimme vordringen zu lassen. Mit einem Wimpernschlag wandte Freya ihren Blick der Inquisitorin zu. Auch wenn sie beide oft aneinandergeraten waren und sie bisher wenig verbunden hatte, so schien der Schmerz sie jedoch zu vereinen und eine fragile Brücke zu bauen.

Auch wenn sie nicht erwartete, dass Lorena sie nun leiten und führen würde, so brauchte sie dennoch Unterstützung. Wie sollte sie als Novizin eine Gemeinde führen? Sie war nicht einmal eine geweihte Priesterin und zudem ein Kind. Nein, es würde sicherlich jemand anderes das Amt übernehmen, bis ihre Zeit vielleicht eines Tages kommen würde. Fragend hafteten sich ihre großen blauen Augen auf die Magierin, dem Oberhaupt der Inquisition, deren Rat und Hilfe sie brauchen würde.

„Sag mir Lorena, wie geht es weiter?“

 
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Lorena
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#7

Beitrag: # 53315Beitrag Lorena »

Als sie sich Freya das Wort an sie richtete war sie erstaunt, dass sie offenbar zu dem Kind durchdringen konnte.
Einige andere hatten bereits ihr Glück versucht, stoßen offenbar aber nur auf Lethargie und Trübsal.

Nach einem weiteren tiefen Atemzug wendete sie sich Freya wieder zu und überdachte die Worte des Kindes gründlich.


„Eine Wahl haben wir immer. Die Frage ist nur für welchen Weg wir uns entscheiden.
Ogrimar lässt uns nie auf den einfachen Pfaden wandeln, er stellt uns vor Herausforderungen.
Entweder wir bestehen sie oder wir gehen kläglich zu Grunde, mehr Optionen lässt er nicht zu.“


Während sie ihren Blick über das Kind und das Chaos, welches jenes in ihren Räumlichkeiten angerichtet hatte,
schweifen ließ, erkannte sie eine grenzenlose Verzweiflung und Wut. Nicht nur ihr hatte man den Boden unter den Füßen
weggezogen. Das Rumoren, welche durch den Weggang der Priesterin noch immer in den Gemäuern der Hallen zu spüren war,
war unverkennbar. Ein jeder von ihnen trug nun eine größere Last auf seinen Schultern und musste für sich ermitteln,
ob er dieser gewachsen war.



„Freya genau darum geht es doch. Es geht hier nicht darum, was andere erwarten.
Niemand kann und sollte deine Zukunft definieren. Du musst den Weg gehen, den du selber bestimmst.


In ihren Gedanken hielt sie einen Moment inne und überlegte, ob sie der Kleinen, von dem Gedankengang berichten sollte,
welchen sie in der vergangenen Nacht mit Adrian ausdiskutiert hatte.


„Weiß du, wir können dir nur mögliche Optionen aufzeigen, eine davon ist zwar ziemlich rigoros und unwiderrufbar,
doch vielleicht gerade in der gegenwärtigen Situation genau das richtige für dich.“


Wenn sie sich das Kind so ansah, bedurfte es ihrer Ansicht nach gerade jetzt einer Aufgabe, der sie mit voller Inbrunst
nachgehen konnte. Zwar forderte diese Herausforderung absolute Hingabe und auch ein Stück Selbstaufgabe, doch sollte
sie dem gerecht werden, würde sie daran wachsen.  

„Alles was uns lieb und teuer war wurde uns entrissen. Dir wie auch mir. Das Einzige was uns momentan bleibt,
ist unser Glaube. Ich für meinen Teil, folge ebenfalls diesem Pfad, alle persönlichen Befindlichkeiten beiseitegeschoben,
widme ich mich der Zeit nur dem Willen Ogrimars. Wenn du meinen Rat wirklich hören willst, solltest du dich dem
Fürstentum der Verdammnis stellen und sie darum ersuchen dir die einzig wahre Weihe zuteilwerden zu lassen.
Sicher wäre dies keine leichte Aufgabe, doch mehr könntest du dem Herrn nicht dienen. Bedenke dabei jedoch,
dass du dafür möglicherweise etwas loslassen musst, was dir einst viel bedeutet hat.“

 

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#8

Beitrag: # 53316Beitrag -Freya- »

Ihre Augen ruhten auf Lorena. Etwas in ihnen war zerbrochen. Hinter all dem Blau lag Schmerz, tosende Wut, Unverständnis und doch brach es aus ihr in keiner Form heraus. Im Gegenteil, ihre Züge wirkten wie in Stein gemeißelt.

Erkaltet und ohne jenes Temperament, mit dem Freya ihren Emotionen freien Lauf gelassen hatte, nachdem sie sich im ersten Moment von Tanuri verraten gefühlt hatte, ruhte ihr Blick auf der Inquisitorin.

Auch an ihr schien das Verschwinden selbst nicht einfach vorbeigegangen zu sein, wenngleich Lorena sich sichtlich besser unter Kontrolle zu haben schien, als sie selbst.

„Mögliche Optionen.“ Wiederholte sie leise Lorenas Worte, als wären sie nicht mehr als ein ausgesprochener Gedanke. Immerhin gab es keine andere Wahl, als den Weg weiterzugehen und sich den Hürden zu stellen.


Kurz richtete sie den Blick auf die Scherben, bevor sie tief einatmete und für einen Moment die Wimpern senkte. Was sollte sie noch loslassen, was für sie von Bedeutung war? Es gab nur noch den Glauben selbst, der ihr geblieben war. Oder?

Freya konnte förmlich den Schauer spüren, der ihr über den Rücken fuhr und die feinen Härchen auf ihren Armen aufstellte. Ob das Frösteln jedoch der Einzug nehmenden Kälte zuzuschreiben war oder der Aufgabe, welcher sie sich stellen sollte, wusste nur sie selbst.

Immerhin war sie sich bewusst darüber, dass sie ihre eigenen Befindlichkeiten hinten anstellen musste. Jedweder Schmerz würde sie entweder wachsen lassen oder am Ende zerstören. Ogrimar war grausam, chaotisch und duldete keine Schwäche. Die Frage war also, wer sie sein wollte. Beide Wege hatte sie gesehen. Die zerbrochene Frau oder aber eine gesegnete Dienerin des dunklen Lords.

Fest presste das Mädchen ihre Lippen aufeinander, während sich ihre kleinen Hände zu Fäusten ballten. Sie hatte so vieles gegeben, war bereit gewesen, alles zu opfern. Es wäre ein Scheitern, würde sie nun, nachdem sie den Pfad so lange verfolgt hatte, nicht bereit sein, den letzten Schritt zu gehen.

In der Hinsicht spielte es keine Rolle, was mit Tanuri oder Naheniel geschehen war. Es war ihr Weg und sie musste ihn beschreiten. Niemand würde ihr die Bürde nehmen, diesen zu gehen. Der Tag würde kommen, an dem sich ihr die Wahrheit darüber offenbaren würde, was mit ihnen geschehen war. Doch wie Lorena war es jetzt an ihr, Verantwortung zu übernehmen und ihr Schicksal selbst zu bestimmen.

Langsam schritt sie auf Schreibtisch zu, auf welchem die in schwarzes Leder eingebundene Doktrin lag, welche Tanuris Widmung an sie trug. Seicht fuhr sie mit ihren Fingerspitzen über den Einband hinweg. Sie war vielleicht auf sich gestellt und um die Geheimnisse zu ergründen und ihrer Bestimmung zu folgen, gab es nur tatsächlich nur eine Antwort, die sie Lorena geben konnte. Worte, mit denen sie gleichermaßen die Tatsache für sich annahm, dass das Hoffen an sich nur ein Hadern mit sich selbst war, weiterzumachen.

Auch wenn sie nicht wusste, wie genau ihr die Weihe zuteilwerden sollte oder was ihr dort bevorstehen würde. Diese letzte Lektion, den dunklen Segen des Fürsten des Chaos auf die Weise zu empfangen, fehlte in ihrem Wissen. Doch würde sich der Pfad dorthin ihr noch offenbaren und Lorenas Worte zeugten bereits davon, dass sie der Wegweiser zu sein schien.

Kein Zweifel an sich selbst. Keine Zweifel gegenüber Ogrimar. Sie hatte es geschworen.

So war es nicht mehr als ein Wimpernschlag, mit dem sich das Mädchen er eisigen Zugluft zuwandte, in deren Zentrum selbst die Magierin verweilte. Die Züge des Mädchens wirkten noch immer starr, doch das Dunkle in ihren Augen schien deutlich die Oberhand übernommen zu haben.

„Was auch immer ich dafür tun muss, Lorena.“ Kam es entschlossen über ihre Lippen. Vielleicht deutlich fester als angenommen. „Ich bin bereit. Wenn es sein Wille ist, ist es mein Weg.“
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Lorena
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#9

Beitrag: # 53317Beitrag Lorena »

Nach ihren Worten ließ sie dem Kind einige Momente Zeit, jene zu verinnerlichen und zu überdenken, ob dies eine Möglichkeit für sie sein könnte.
Ohnehin konnte sie nicht abwägen, was gerade in dem Kind vorging. Ihre Mimik glich der einer Maske aus Gleichgültigkeit, ein Umstand der wohl auch auf
sie selbst ebenso zutraf. Sicherlich war ihr bewusst, dass es bei beiden hinter jener Fassade ganz anders aussah, doch dies zu ergründen lag ihr fern.
Dafür war keine Zeit. Irgendwann müssten beide sich zwar garantiert ihren inneren Dämonen stellen, doch der Moment war noch nicht gekommen.

 

Anscheinend war es die richtige Entscheidung gewesen Freya ihre Optionen aufzuzeigen und ihr nicht irgendein Schicksal aufzuzwingen.
Endlich kehrte wieder Leben in das kleine Wrack, dass seit Tagen in diesem Kämmerlein hauste. Als sie sich entschlossen mit der Doktrin in ihren Händen
zu ihr umdrehte, gab es kein zögern oder hadern mehr. Also entschloss sie sich dem Kind mehr zu erzählen, gespannt, ob es dann immer noch auf diesem
Pfad würde wandern wollen.



„Da du nun endlich dazu bereit bist, deinen dir vorbestimmten Weg zu gehen und dein Schicksal anzunehmen, solltest du jetzt einen Schritt nach dem
anderen gehen. Mit der Doktrin im Tempel zu stehen und zu predigen, ist jedoch der Letzte Schritt. Für den ersten benötigst du ein anderes Buch.“



Mit diesem Worten stieß sie sich von der Fensterbank ab, ging zielstrebig zu dem Schreibtisch des Kindes und nahm das Buch mit den Aufzeichnungen über die
Taufen Ogrimars Kinder zur Hand. Einen Moment blätterte sie dort drin, bis sie die gesuchte Passage gefunden hatte und legte es dann für Freya offensichtlich
aufgeschlagen auf den Tisch.


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Ihr war bewusst, dass es das Kind schmerzen dürfte, jene Zeilen abermals zu lesen. Doch sollte ihr so auch klar werden, dass sich bis auf den letzten Punkt
alle anderen inzwischen erfüllt hatten. Da unzählige Nachforschungen der Vergangenheit nicht klären konnten, wer diese Zeilen einst verfasst hatte, lag die
Vermutung nahe, dass sie vom Fürstentum des Chaos selbst niedergeschrieben wurden. Freya schien ihre Auserwählte zu sein.
Doch dieser Umstand alleine würde nicht reichen. Nicht für das Fürstentum und auch nicht für die Akzeptanz innerhalb der Gemeinde.



„Durch die letzten Jahre als Novizin der Priesterin konntest du bereits viele Rituale und Bräuche kennenlernen, die den Grundstein einer Priesterschaft
bilden. Ebenso hast du vielen Taufen, Reinsprechungen und Eheschließungen beigewohnt. Das dürfte somit dein Fundament sein, um eins eine kompetente
Priesterin zu sein. Doch nichts fällt einem einfach in den Schoß. Du weist der Weg Ogrimars ist steinig und schwer und da wir
nicht auf den leichtfüßigen
Pfaden der Götzen wandeln, musst du ein Opfer bringen, um deinen dir vorbestimmten Platz einnehmen zu können.“



Kurz hielt sie inne und gab Freya die Möglichkeit ihre Worte zu reflektieren. Den dies war noch nicht alles, was sie dem Kind zu sagen hatte.
Jeder Priester Ogrimars musste einst seinen Weg finden. Den Weg der Priesterin kannte Freya, doch war es ganz bestimmt nicht der ihre. Doch das Kind
hatte einen Vorteil, den etliche Priester der Vergangenheit nicht hatten.



„Wenn du mich fragst, beginne deine Reise in der Vergangenheit. Jeder Priester stand einst genau an dem Punkt, an dem du nun stehst.
Tanuri ist irgendwann von ihrem Pfad abgewichen, doch dir stehen noch andere Optionen offen.“


Mit einem Nicken deutete sie auf das Körnerfutter in der Fensterbank, bevor sie wieder ihre Stimme erhob.
„Suche die Priester vergangener Zeiten auf. Jeremias Rabenherz und auch der Vater deines Ziehvaters hatten einst jene Positionen inne. Ich bin sicher,
dass sie dir beide nützliche Tipps geben können und dann entscheide du, welches Opfer du bereit bist zu bringen. Ein Opfer welches groß genug ist,
dass dich sowohl das Fürstentum, als auch die schwarze Gemeinde als würdig anerkennt, jene Position einzunehmen.“

 

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Adrian
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#10

Beitrag: # 53332Beitrag Adrian »

Lichthafen – In Halams Taverne

Weder zweifelte er an Bestimmung noch an dem Willen Ogrimars. Jeder fand einen Platz oder einen Nutzen in dem Spiel der Götter.

Nachdenklich griff Adrian nach seinem Glas, während er abermals seine hellen Augen über die elegante Schrift Rosalinds fahren ließ. Schlagartig hatte alles eine Wendung genommen. Ob es unvorhersehbar gewesen war oder er es einfach nicht hatte sehen wollen, spielte dabei keine Rolle. Vielmehr mussten sie alle sich der Situation anpassen und die Chancen, die sich daraus ergaben, nutzen.

Kein leichtes Unterfangen, je mehr er darüber nachdachte. Das Gespräch mit Lorena hatte bereits gezeigt, was alles noch vor ihnen lag. Aber ebenso hatte es veranschaulicht, wie dunkel sich die Schatten aus Enttäuschung, Misstrauen und nicht zuletzt Ungewissheit auf eigene Weise über alles und jeden in ihrer Mitte hinweggelegt hatte.

Nun, mit dem Wissen um Freya und dem parallelen Verschwinden der Priesterin, formte sich alles zu einer vollkommen neuen Herausforderung.

Langsam schob Adrian den Pergamentfetzen in seine Manteltasche und ließ den Blick über die Gäste hinwegschweifen.

Naheniel war zwar verschwunden. Aber das bedeute schlichtweg noch gar nichts. Vielleicht war er es sogar, der dieses Chaos am Ende ausgelöst hatte, indem er ihnen einen Schritt zuvorgekommen war. Ausgeschlossen war es mit Sicherheit nicht, dass jener, in welcher Form auch immer die Weberinnen dazu gezwungen hatte, die Fäden in einem vollkommenen Chaos neu zu legen und durchaus auch im nächsten Moment wieder auf die Spielfläche treten könnte. Seinerseits wäre es ein grandioser Schachzug, der sogar Adrian seinen Respekt abverlangen würde.

Aber noch konnte der Dunkelmagier nur mutmaßen, was wirklich hinter all dem steckte. Noch gab es keinerlei Beweise oder Ansätze und zudem mussten sie sich neben der Suche selbst ihre eigenen Pläne entsprechend vorantreiben. Allerdings konnte er zu jeder Zeit und Augenblick aus den Schatten hervortreten.

Umso rigoroser musste man nun alle Register ziehen. Wem konnte man vertrauen und wer war bereit, im Ernstfall alles für Ogrimars Willen zu opfern?

Langsam führte er den goldschimmernden Alkohol an seine Lippen und nahm einen Schluck.

Es würde viel Koordination brauchen. Immerhin mussten sie davon ausgehen, dass die Priesterin vorerst nicht so schnell gefunden werden würde. Egal, ob ein Verbrechen dahintersteckte oder sie am Ende selbst das Exil gewählt haben mochte. In beiden Fällen war anzunehmen, dass es bis ins Detail geplant gewesen war und sie, wenn überhaupt, nur schwer ihre Spur aufnehmen konnten.

Lorena würde sich dabei um die kirchlichen Angelegenheiten kümmern, jedoch war dies nur eine von vielen Hürden, wenn er darüber nachdachte, wie intensiv die Verbindung letztendlich zwischen Tanuri und Freya gewesen war und wie eng jenes Band sie gleichzeitig an Naheniel gebunden hatte.

Jedoch war ihm bewusst, dass auch die Inquisitorin das Verschwinden jener nicht unberührt gelassen hatte. Adrian konnte sich durchaus vorstellen, dass es herausfordern war, gerade zusammen mit ihren persönlichen Belangen. Doch so wie er es Freya gesagt hatte, galt das Gleiche für die Eismagierin. Ogrimar duldete keine Schwäche. Sie beide mussten aus jener Prüfung stärker hervorgehen. Der Glaube stand an oberster Stelle. So würde die Inquisitorin auch dem Mädchen vorerst zur Seite stehen müssen und zugleich ihre Aufgaben mit äußerster Härte verfolgen müssen. Beide mussten daran wachsen. Auch Freya, die umso mehr nun Stärke beweisen und ihre Kindheit abstreifen musste. Die Geier würden nicht lange auf sich warten lassen.

Leicht fuhr er sich über die Lippen und stellte das Glas nachdenklich ab, während sein Blick immer wieder wachsam über die Gesichter hinweg glitt.

Langfristig gesehen war Lorenas eigener Plan sicherlich ebenfalls nicht von der Hand zu weisen, wenngleich unmöglich kurzfristig umsetzbar, geschweige denn alles andere als ungefährlich, wenn er darüber nachdachte, dass sie einen Eingriff auf das Schicksal selbst vornehmen wollten.

Aber sicherlich würde am Ende jeder noch so kleine Einschnitt Konsequenzen und einen Preis fordern. Er mochte gering sein oder aber auch vielleicht das ganze Reich von Liadans Vater in den Abgrund reißen. Es war unabsehbar, welche Kausalitäten dadurch betroffen sein würden, auch wenn er dahingehend sehr genau überlegte, wie sie vorgehen sollten, doch ging es um den Willen Ogrimars und jener war unantastbar. Weder wusste er, was geschehen würde, noch welche Auswirkungen es haben mochte.

Sein kühler Blick wandte sich auf das Glas, welches er mit zwei Fingern in die Höhe hob. Grüblerisch legte sich dabei Adrians Stirn in Falten, während seine Gedanken sich Kenna zuwandten. Auswirkungen und Kausalitäten. Was für eine Ironie.

Eigentlich hatte er gehofft, dass Tanuri eine Lösung für jenen Fluch aufbringen würde. Aber vielleicht war es der Wille des Lords, dass es auf diese Weise geschehen sollte. Weder wollte er Freya damit in Gefahr bringen, noch hatte er vor, Kenna ihrem Schicksal zu überlassen.

Die dunkle Jägerin hatte den Dolch immerhin gefunden. Jener, dessen Magie einzigartig war und zugleich gefährlich. Er hatte sie auf eine Weise gewählt, vielleicht war dies nun ihre Prüfung. Es spielte eine Rolle. Denn nichtsdestoweniger zählte, dass ein Versagen oder eine Kapitulation keine Option darstellten. Sie brauchten die Jägerin.

Adrians Finger umschlossen das Glas und betrachtete schweigend gegen das Kerzenlicht gerichtet den glänzenden Inhalt, welchen er durch ein seichtes Schwenken in Aufruhr brachte, bevor er es leerte. Heiß rann der selbst Gebrannte von Halam seine Kehle hinab, während er sich erhob und den Kragen seines Mantels aufrichtete.

Im Grunde durfte er sich nicht länger etwas vormachen, sonst hätte er schon längst keine Skrupel gehabt, sich unlängst selbst ihres Fluches anzunehmen, anstatt über Alternativen nachzudenken. Ein dunkler Schatten  überflog das Blau seiner Augen. Scheinbar blieb ihm dahingehend keine Wahl. Nicht nur die Legion brauchte sie. Auch er. 

Mit kühler Miene leerte er sein Glas, bevor er es in die Mitte des Tisches schob, um sich zu erheben. Es gab vieles zu tun. Für die Legion, für ihn und nicht zuletzt für Kenna. Der Stand der Zeit rieselte bereits durch das Stundenglas, sodass es nun in mancher Hinsicht ein baldiges Handeln erforderte.

Beiläufig warf er ein paar Münzen auf den Tisch, bevor er die Taverne verließ, um die mit Dunkelheit geprägte Jägerin aufzusuchen. Wenigstens einen Vorteil schien der Fluch zu haben. 
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖  Bruder des Verlion Al Saher ✟
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#11

Beitrag: # 53334Beitrag Kenna de Vil »

In der Hütte am Waldsee

Wie von selbst hatte sie ihr Weg mal wieder in die Hütte am Waldsee geführt. Noch immer waren die Äste der Bäume nackt und standen dicht an dicht verzweigt, knorrige Zeugnisse des Winters. Der See indes war nicht mehr zugefroren und lag still da. Ab und an kräuselte eine leichte Brise die sonst spiegelglatte Oberfläche. Dabei schien es ihr, als wären Jahre, statt Monate vergangen, dass sie zuletzt hier gewesen war. So viel war inzwischen passiert. Sie hatte sich verändert, doch die Natur hier draußen war uralt und beständig. Der Ort gab ihr die Kraft wieder zu sich selbst zu finden, aufzutanken und ihre Gedanken und Gefühle zu sortieren.

Auf dem schmalen Holzsteg, der ein wenig in den See hineinführte, stand Kenna und sah über das Gewässer hinweg. Der Ort war ihr so vertraut, hier fühlte sie sich mehr zu Hause, als in der Burg ihrer Familie, die inzwischen ohnehin stark verwaist war. Einsamkeit, ein ihr vertrautes Gefühl und so nahm sie es willkommen an. Hüllte sich darin ein und versuchte Ruhe in das unruhige Chaos in ihrem Inneren zu bringen. Wieviel Anteil hatte der Dolch bereits an ihrem Zustand oder waren es einfach die Umstände der Zeit?

Ein Windhauch fuhr in ihr Haar und löste eine einzelne Strähne die einen zornigen Tanz in der Luft aufführte, bevor Kenna sie vehement zurück hinter ihr Ohr schob und ihr Bewusstsein ins hier und jetzt zurückkehrte.
Die reinigende Kälte der Winterluft und die Nebelschwaden, die Zusehens und beinahe mystisch anmutend über den Boden zogen, ließen sie frösteln und sie wand sich der Hütte zu.

Im Inneren der Behausung widmete sie sich den üblichen Tätigkeiten und stellte zunächst ihre Tasche neben der Eingangstür ab. Dann schichtete sie ein paar Holzscheite im Kamin auf und entfachte mit ein wenig Reisig und dem Feuerstein ein kleines Feuer. Auf den Holztisch, welcher in der Mitte des Raums stand, stellte sie ihren Flachmann mit dem Selbstgebrannten ihres Vaters ab, den sie immer bei sich trug. Anschließend breitete sie ihren immer noch feuchten Umhang über einen der Stühle aus, damit dieser trocknen konnte.

Zuletzt war sie mit Lorena hier gewesen, was gefühlt eine Ewigkeit her war. So viel war inzwischen geschehen und doch kam sie nicht umhin, ihren Blick über die schmale Bettstatt in der Ecke grinsend hinwegstreifen zu lassen. Doch so schnell wie sie die Erinnerung erheitert hatte, so schnell erstarrte ihre Mine wieder, denn irgendetwas hatte ihre geschärften Sinne auf den Plan gerufen und sie lauschte. Instinktiv fand ein kleines Messer den Weg in ihre geschlossene Faust, lediglich die Klinge lugte zwischen zwei Fingern hervor.

Blitzschnell wirbelte sie zur Tür herum, die just in dem Moment aufschwang, wobei ihr Zopf über ihre Schulter flog und dort zum Liegen kam. Ihr finsterer Blick sondierte den nun offenen Eingang, bis sie erkannte, wer ihr Besucher war.

„Adrian.“ Kam es leise über ihre Lippen und ihre Körperhaltung entspannte sich etwas, die Faust mit dem Messer ließ sie sinken. Wie hatte er sie gefunden? Nachdenklich zogen sich ihre feingeschwungenen Augenbrauen in der Stirn zusammen, während sie darauf wartete, dass er den Raum vollends betrat und das Wort an sie richtete.
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Dem einen gehorche ich. Dem einen folge ich. Dem einen diene ich.
Doch dir, dir gehöre ich.
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#12

Beitrag: # 53337Beitrag -Freya- »

In den Hallen der Legion

Ihr Blick folgte Lorena, als jene sich von der Fensterbank abwandte und auf sie zuging. Aufmerksam beobachtete sie jede Regung, als der Blick der Inquisitorin über ihre Bücher fuhr. Ein Sammelsurium aus Schriften und doch schienen ihre Augen zielsuchend nach einem bestimmten Einband Ausschau zu halten.

Angespannt verfolgte sie die Suche, bis sich Lorenas Hände nach dem kleinen Buch mit dem ledernen Einband ausstreckten, welches sie im Hörsaal von Tanuri selbst erhalten hatte. Eines er wenigen Verbindungen zu ihrer Vergangenheit, auch wenn nicht mehr als ihr eigener Taufspruch darin vermerkt war.

Fast schon war Freya dabei, Einspruch zu erheben. Es war mehr als wertvoll für sie, auch wenn die Worte ein Leben voller Prüfungen vorhersagten, bevor sie ihre Bestimmung erreichen würde.
Mit geweiteten Augen beobachtete sie, wie Lorena darin blätterte. Empörung und Zorn spiegelte sich in dem klaren, tiefen Blau wider, dass jene so selbstverständlich nach jenen Schriften griff, stiegen in ihr auf, doch bevor das Mädchen Protest einlegen konnte, legte jene es aufgeschlagen vor ihr nieder und führte ihr die Zeilen selbst noch einmal vor Augen.

Worte, die mittlerweile mehr zutrafen, als dass sie es länger verleugnen konnte.

Sie hatte geliebt, gekämpft und vertraut. Empfindungen, deren schmerzhafte Konsequenz sie mehr als deutlich spürte. Eine marternde Leere, in welcher nichts als Dunkelheit herrschte.
Freya schob die Zeilen von sich, bevor sie sich mit einem Wimpernschlag davon abwandte. Sie kannte jedes Wort, jede Kurve der einzelnen Buchstaben, als könnte eine von ihnen vielleicht eines Tages den Urheber dessen preisgeben. 

All die Fragen, woher sie kam, wer sie war oder auch was. Es war an der Zeit, es zu akzeptieren. Den ersten Schritt zu gehen.

Doch hatte sie nicht schon genug gegeben? Genug geopfert? Leicht fuhr sie sich über den linken Arm hinweg, auf denen sie die Worte an Naheniel ohne mit der Wimper zu zucken eingeritzt hatte. Wäre er irgendwo, hätte sie es gespürt. Oder nicht? Was gab es noch, was sie hinter sich lassen konnte? Sie senkte ihre Wimpern und atmete mit bebenden Lippen ein.

Die Wölfe vor den Toren würden sie ohne Skrupel zerreißen, wenn sie ihnen gegenüber Schwäche zeigen würde. Jeder von ihnen, ob Freund oder Feind. Jederzeit konnte sich jenes Blatt wenden. Morgen schon könnte sie aufwachen und wäre auf sich gestellt.

Nachdenklich presste Freya ihre Lippen aufeinander. Sie wusste sehr genau, was Lorena ihr damit sagen wollte, auch wenn sie selbst noch nicht wusste, wie sie jene Erwartungen erfüllen sollte. Insbesondere mit jener Ungewissheit, die in ihren Gedanken keimte. Wie sollte sie sich auf ihren Weg konzentrieren, wenn sie nicht einmal wusste, wo genau sie beginnen sollte.

„In der Vergangenheit?“ Wiederholte sie leise. Es war mehr ein Gedanke als eine Frage, während ihr Blick selbst zu dem Futter, welches sie dem weißen Raben jeden Tag aus Fenstersims stellte, blickte.

„Der Rabe soll dir beistehen, neben den anderen.“

Die dunkle, körperlose Stimme hatte sich in ihre Gedanken eingebrannt. Doch hatte Freya seither nie mehr als einen Schatten zu sehen bekommen, auch wenn sie bei jedem hörbaren Flügelschlag nachgesehen hatte. Die Schale jedoch war immer wieder leer. Aber wie sollte sie einen Rat von jenem erhalten? Oder von dem Vater ihres Vaters, welchen sie nicht einmal kannte. Wie sollte sie jenen finden?

Resignierend schloss sie ihre Augen. Indem sie hier in ihrem Zimmer verweilte, mit Sicherheit nicht. In der bedrückenden Stille, die sich über den Raum gelegt hatte, schien jeder Atemzug, den sie nahm, hörbar zu sein. Keine Schwäche, keine Zweifel, kein Versagen. Es gab keinen Platz für die Willensschwachen und Unentschlossenen, nur durch Entschlossenheit und festen Glauben wird das Heer Ogrimars überleben. Es gab einen Weg, wenn es ihre Bestimmung war. Doch auch wenn es sein Wille war, so musste sie sich den Hürden dennoch stellen.

Für einen kurzen Augenblick sah sie den brennenden Himmel vor ihrem inneren Auge. Die reinigenden Flammen, welche gnadenlos alles Unreine, das sich ihnen in den Weg gestellt hatten, in Asche verwandelt hatten und nichts als einen Pfad aus Knochen zurückgelassen hatten, an dessen Ende die Finsternis selbst auf sie wartete.

Langsam nur erhob sie ihre Lider und blickte mit verdunkelten Augen auf das Feuer. Sie kannte die möglichen Pfade. jene Optionen, die  sie hatte und wohin sie sie führen würden. Was dabei jedoch alles auf sie zukommen würde, konnte sie sich nicht ausmalen. Dennoch lag keinerlei Furcht in ihrer Stimme verborgen, als sie diese entschlossen anhob, während das Feuer des Kamins sich in ihren Augen abzeichnete.

„Du hast recht, Lorena. Es wird Zeit, dass ich mein Schicksal annehme und mich ihm stelle.“

 
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri 


Geboren aus dem Wissen einer dunkler Vergangenheit - verblaßt mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Adrian
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#13

Beitrag: # 53338Beitrag Adrian »

Als Adrian in die Hallen Legion trat, war es wie so oft, dass neben der Wärme im Inneren Mila ihn empfing, um ihm umgehend den feuchten Mantel abzunehmen.

„Die Lady de Vil?“ Kühl wandte Adrians Stimme sich an jene, während sein Blick in Richtung der Kleiderhaken fuhr, nur um festzustellen, dass ihr Umhang noch immer fort war. Das helle Blau seiner Augen richtete sich fragend auf die Hausdame, welche im selben Moment mit ihrer Bewegung ins Stocken geriet.

„Sie ist noch nicht zurückgekehrt.“ Bestätigte Mila seinen ersten Verdacht, woraufhin er kurz resignierend die Lider senkte. „Verdammt.“ Raunte er gereizt, hatte er gehofft, dass sich ihr erhitztes Gemüt sich wieder fangen würde. Umgehend schob Adrian den Wollstoff wieder an seinen Schultern hinauf. Er nahm einen tiefen, klärenden Atemzug, bevor Mila dankend ein Nicken zukommen ließ und sich dann der Tür zuwandte.

Der Abend hatte einen unvorhersehbaren Wandel vollzogen, der ihm nur bedingt zusprechen sollte. Sicherlich hatten sie einen rudimentären Plan, doch hatte der Tonfall Lorenas dafür gesorgt, dass offensichtlich nicht jeder bereit war, seinen Teil dazu beizutragen.

Als Adrian nach draußen trat, schlug ihm der eisige Wind ins Gesicht. Er senkte kurz die Augenlider und fuhr sich resignierend durch das Haar. Normalerweise waren ihm die Befindlichkeiten anderer Menschen egal, aber in diesem Fall war es anders. 

„Fantastisch.“ Raunte er leise. Es war nicht seine Art, einer Frau nachzulaufen. Eine Premiere, wenn man es so auffassen wollte, bei welcher er nicht einmal eine Ahnung hatte, wohin sie geflüchtet war.
Aber es war bedenklich genug, dass Kenna sich unter Umständen in ihrem Aufruhr von dem Fluch hatte leiten lassen würde und je länger er darüber nachdachte, desto weniger gefiel ihm der Gedanke, dass er ihr nicht unmittelbar gefolgt war.

Kühl fuhren seine Augen durch den Regen, welcher jedwede Spuren bereits fortgespült zu haben schien. Offenbar hatte sich eine göttliche Instanz gegen ihn verschworen oder aber man wollte ihn auf die Probe stellen.

Leicht nur hob Adrian seine Hand und ließ seine Finger durch die einkehrende Dunkelheit gleiten, welche alles um ihn herum in eine trügerische Friedlichkeit hüllte. Als würden sie unsichtbare Runen zeichnen oder aber verborgene Fäden zu erfassen, fuhren sie durch die Dämmerung.

Es brauchte einen Moment, bevor seine Konzentration sich von allem anderen lossagte, um sich allein auf sie zu fokussieren. Die dunkle Jägerin und ihr Mal, er konnte es spüren. Zwar nur schwindend gering, aber es war da. Ein zartes Surren finsterer Magie, welches ihm bekannt war. Ein dunkler Lockruf, der nach ihr gegriffen hatte und ihr überall hin folgte, sodass jene Signatur selbst sich für ihn immer deutlicher in der Finsternis offenbarte. Eine Fährte, dessen düsterer Glanz ihn in den Wald führen sollte.

Seine Laune steigerte sich nicht wirklich ob des Regens unter seinen Füßen und dem Weg, den die kleine Diebin scheinbar gewählt hatte, um sich fortzustehlen. Kluges Mädchen einen Pfad zu wählen, dem niemand so leicht folgen konnte, insbesondere da die Spuren sich im nassen Unterholz für das normale Auge vollständig verloren. Immer wieder streiften Adrians Augen umher, um das magische Schimmern nicht aus dem Blick zu verlieren. Wenn sie glaubte, sie würde ihm entkommen, täuschte sie sich.

Er konnte die Kälte in seinen Gliedern fühlen, während der Waldboden unter seinen Schritten förmlich gefror und die Dunkelheit um ich herum immer mehr zunahm.

Wie lang Adrian unterwegs gewesen war, wusste er beinahe nicht mehr. Doch zwischen den kargen Bäumen hindurch herrschte nur noch Dunkelheit, als er in der Ferne die Silhouette einer Hütte ausmachen konnte. Die Bäume schienen sich dahingehen zu lichten, nur um dahinter einen kleinen spiegelnden See freizugeben.

Das schwache Schimmern in der Dunkelheit, welches ihn wie der Faden der Ariadne immer weiter offenbar zu jener Hütte zu führen schien, aus dessen Schornstein bereits Rauch zu erkennen war. War das etwa ihre geheime Zufluchtsstätte?  Was führte sie her? Flucht? Der Ruf des Dolches?

Kurz nur verengte er die Augen, bevor seine Schritte unbewusst an Tempo gewannen und Adrian das unwegsame Unterholz hinter sich ließ. Erst als er die Hütte erreicht hatte, drosselte er sein Tempo. Für einige Atemzüge hielt Adrian inne und ließ seinen Blick auf den See gleiten, auf dessen eisiger, dunkel schimmernden Oberfläche sich der Mond widerspiegeln sollte. Fast idyllisch, aber kaum war er hier, um die Schönheit des abgelegenen Ortes zu bewundern. Tief atmete er ein, bevor eine kleine frostige Wolke seine Lippen verließ. Sicherlich war er Schlimmeres gewohnt, als Kälte auf seiner Haut zu spüren, dennoch konnte er sie fühlen.

Seine Augen wandten sich der Hütte zu, die er für einen kurzen Moment schweigend betrachtete und bis zu deren Tür das feine dunkle Band reichte. Knapp nur ließ Adrian seine Hand sinken, woraufhin der Zauber brach und die Magie sich selbst mit der Dunkelheit vereinte, als würde ein zarter Funkenflug in der Finsternis erlöschen. So war es nur noch ein oder zwei Atemzüge, als er vor die Tür trat und diese ohne ein Klopfen oder dergleichen öffnete.

Düster legte sich sein Blick auf die Silhouette vor ihm, während die Wärme ihm entgegenströmte. Seine Augen jedoch legten sich unmittelbar und vollkommen fokussiert allein auf sie. Er konnte ihre Anspannung spüren.
Ohne nur einen Lidschlag zu machen, sah der Magier ungerührt zu, wie sie direkt auf sein unangekündigtes Erscheinen reagierte. Kühl nur musterte er das Aufblitzen des Dolches im Augenwinkel, während das stechende Blau sich bereits an ihren Blick haftete.

„Kenna.“ Erwiderte er mit einer trügerischen Ruhe. Doch lag nicht nur in seinem kühlen Blick eine Warnung verborgen, sondern auch in dem dunklen Timbre seiner Stimme. Langsam nur bewegte Adrian sich auf sie zu, wobei sein Schatten mit ihm wanderte und sich mit jedem Schritt weiter über sie hinweglegte. Nur mit einer beiläufigen Handbewegung, bei der seine Finger in die Höhe fuhren, ließ der Magier die Tür in seinem Rücken zu fallen, ohne auch nur eine Sekunde seine Augen von ihr abzuwenden. 
 
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖  Bruder des Verlion Al Saher ✟
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Kenna de Vil
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#14

Beitrag: # 53347Beitrag Kenna de Vil »

(ooc: Autoren des folgenden Textes sind Adrian & Kenna zu je 50% 😉)

Noch immer in der Hütte am Waldsee

So schnell wie das Messer in ihrer Faust aufgetaucht war, so schnell verschwand es auch wieder, als Adrian an sie herantrat. Nur allzu deutlich konnte sie das Wechselbad der Gefühle in seinem Blick lesen und schuldbewusst zogen sich ihre Augenbrauen in der Mitte ihrer Stirn nach oben. Sie stellte gar nicht erst in Frage, wie er sie gefunden hatte. Zögerlich streckte sie eine Hand nach ihm aus.

„Ich konnte nicht…“ Sie vollendete den Satz nicht und legte ihre erhobene Hand einfach auf seine Brust, fast so als wollte sie damit sein Chaos besänftigen. Schweigend und eisig sah er auf sie hinab, während die Wärme ihrer Berührung zu ihm durchdrang, ohne jedoch die Kälte aus seiner Stimme zu vertreiben.

„Du konntest was nicht?“ Leicht nur bebten seine Nasenflügel unter ihrer Berührung oder waren es vielmehr ihre Worte, die ihn aufhorchen ließen? Konnte sie nicht länger Lorena gegenüberstehen oder sich einem finsteren Drang widersetzen? Forschend sah er sie an, als würde er die Antwort vielleicht in ihren Augen finden können.

Kenna presste die Lippen aufeinander und senkte den Blick, als der seine so bohrend auf ihr ruhte. „Ich konnte nicht länger dort im Kaminzimmer bleiben.“ Ihr eigener Zorn wollte wieder in ihr aufglimmen und sie holte tief Luft, um dies nicht zuzulassen. „Ich lasse mich doch nicht von Lorena herumkommandieren!“ Beinahe trotzig hob sie den Blick wieder. „Du weißt, dass ich ihr den Dolch nicht übergeben kann und selbst wenn ich es könnte, dies nicht tun werde.“ Die Kälte seiner Stimme, schmerzte und sie wappnete sich innerlich gegen die unbekannte Empfindung.

Langsam nur hob Adrian seine Hand und legte sie unter ihr Kinn, um ihren ausweichenden Blick wieder anzuheben, den sie bereits selbst im selben Moment trotzig auf ihn richtete. Einen Atemzug lang bedachte er sie nur musternd, bevor sein Daumen über ihre Lippen hinwegstrich.
„Und was hattest du vor?“ Seine Stimme war von einer gewissen Herausforderung untermalt, wusste Kenna immerhin, wie er über Fluchtverhalten dachte. „Weglaufen und dann?“
Intensiv sah er in ihre Augen. Er hatte nicht die Erwartung, dass sie sich von Lorena herumschubsen lassen würde. Im Gegenteil. Er war überzeugt davon, dass sie mehr als deutlich ihre Position kannte und fähig war diese zu behaupten.

„Ich weiß es nicht. Ich kam hier her, um nachzudenken.“ Es war unmissverständlich, was sie mit ‚hier her' meinte. Hinter ihnen knackten die Holzscheite wie zur Bestätigung ihrer Worte. Sie stritt gar nicht erst ab, weggelaufen zu sein. „Vielleicht war es ein Fehler, mich der Legion anzuschließen. Ich passe nicht in solche Gefüge.“ Sprach sie offen ihre Zweifel aus, denn Adrian und sie waren längst über den Punkt von Geheimniskrämerei hinaus und sein Blick allein schien in ihr lesen zu können, wie in einem offenen Buch.

„Eine winzige Hürde und du kapitulierst?“ Fast unscheinbar hob sich eine Augenbraue an und formte eine leichte Falte unter seinem feuchten Haar. Ein leichter Tadel schwang in seiner Stimme mit, bevor seine Hand sich von ihrem Kinn löste. Beinahe sanft strich er mit seinen Fingern einige lose Strähnen aus ihrem Gesicht heraus, während seine andere Hand sich um ihre Hüften legte und er sie, entgegengesetzt zu der zarten Berührung der anderen, bestimmend an sich heranzog.

„Winzig?“ Ein kurzes Schnauben unterstrich, wie sie seine Untertreibung fand. „Diese Waffe, die du hier klein redest, ist alles andere als das und wir wissen beide, dass sie nicht in Lorenas Hände gehört.“ Seine sanften Berührungen in ihrem Gesicht und der Tadel in seiner Stimme brachten sie gleichermaßen aus dem Konzept. Als er sie unvermittelt an sich zog, spürte sie seinen warmen Atem auf ihrer Haut, doch sie wollte sich nicht einlullen lassen, so hielt sie seinem Blick weiter stand, ohne sich selbst zu regen.

Ihre Reaktion hinterließen ein düsteres Schimmern in Adrians Augen, ohne dass er seinen Griff lockerte. Keineswegs hatte er vor, ihr eine Flucht dermaßen einfach zu machen, wie sie es sich vielleicht vorstellen mochte. Sie hatte einen Weg eingeschlagen und in seinen Augen gab es kein Zurück. Wenn ihr Pfad sie in eine andere Richtung führen würde, so musste sie dennoch weiter vorwärtsgehen.
„Und das konntest du ihr nicht sagen?“ Hinterfragte er ihr Handeln weiter, wenngleich seine Stimme einen Funken an Wärme gewinnen sollte. Ihm selbst war bewusst, dass es keine winzige Waffe war, sondern eine mehr als finstere Macht, die in jener schlummerte.

„Nein, das konnte ich nicht, denn ich hatte nicht vor, ihr von dem hier…“ Kenna hob ihre Hand, die verborgen unter dem feinen Lederhandschuh auf seiner Brust geruht hatte „… zu erzählen.“
Das Blau ihrer Augen leicht beschattet, ein Zeugnis von der Stimmung, in der sie sich befand.

„Gehört diese Waffe denn in deine Hände?“ Suchend glitt sein Blick über das Azur ihrer Augen hinweg, welches ihre eigentlichen Gedanken hinter einer hartnäckigen Verbissenheit und Trotz zu verbergen versuchten.

„Ob die Waffe in meine Hände gehört, weiß ich nicht, aber sie hat mich erwählt - oder nicht?“ Sie ging seit jeher ihren Weg, stehts aufrecht und landete sie im Dreck, so sprang sie wieder auf die Füße. Niemand zwang sie in die Knie. Allein ihr Stolz würde das verhindern. Manch einer würde es für Trotz halten, doch war es genau das, was sie in ihrer Einsamkeit stark gemacht hatte. In der Zeit, in der niemand ihr zur Seite stand und alles und jeder gegen sie zu sein schien. In der Vergangenheit ebenso wie in der Gegenwart.

Adrians Hand, welche schwebend neben ihrer Wange geruht hatte, legte sich um das weiche Leder, welches sie ihm entgegenstreckte. Behutsam strich er über die verborgenen Linien ihrer Adern hinweg, als würde er die dunkle Macht, welche durch jene drang, deutlich spüren können.
„Sie hat Dich gezeichnet, aber nicht gewählt.“ Widersprach er ihr mit jener ungeschönten Ehrlichkeit, die er ihr versprochen hatte. Egal ob jene ihr gefallen würde oder nicht. „Und dennoch entscheidest du darüber, ob wir die Waffe am Ende in den Händen halten oder nicht.“ Eine Entscheidung, die sie am Ende vielleicht nicht nur für sich, sondern ebenso vielleicht auch für das Mädchen traf.

Am liebsten hätte sie in dem Moment einfach ihren Kopf an seine Brust gelehnt und sich von seinen Armen halten lassen. Ohne Vorwürfe, Tadel und ohne stark sein zu müssen. Doch niemals würde sie solch einer Schwäche nachgeben, so widerstand sie dem plötzlichen Bedürfnis nach seiner Nähe.
„Dann geh Du an meiner statt und hole den ‚Bluttrinker'.“ Sie entzog ihm ihre Hand, sanft aber bestimmt. „Nicht ich entscheide über unser Schicksal, das obliegt einzig und allein unserem Herrscher Ogrimar.“
Schon einmal wollte sie ihm den Dolch überlassen, für Freya. Für das große Ganze. Warum also nicht jetzt gleich? „Ich weiß nicht, wie die Inquisitorin von dem Dolch erfahren hat oder was ihr damit vorhabt und ganz offenbar schließt der Plan mich auch nicht ein, außer mit Botengängen. Doch dafür werde ich mich nicht vor den Karren spannen lassen.“

Ohne einen Einwand ließ er es zu, dass sie ihm die Hand entzog, doch sie selbst gab er nicht frei. Stattdessen legte er seine Hand in ihren Rücken und drückte sie an sich, um seine Stirn an ihre zu legen. „Es sind keine Botengänge.“ Er war sich bewusst darüber, wie Lorenas Worte für sie geklungen hatten. Ein Tonfall und eine Wortwahl, die ihm deutlich missfallen hatten, woraus er auch kein Geheimnis gemacht hatte. „Ihr Plan schließt dich mehr mit ein, als du denkst.“ Versuchte er ihr das zu erläutern, wozu Lorena selbst im Moment nicht fähig gewesen war.
„Lorena vertraut dir den Weg an, vor jene Hüter zu treten, um am Ende eine Macht zu beschwören, die ein Band göttlicher Magie zu durchtrennen vermag.“ Eine Macht, die durchaus auch zu vielen anderen Dingen fähig wäre, wenn diese in falsche Hände geraten würde. Seicht nur strich er instinktiv über ihren Rücken. er vertraute ihr ebenso, die richtige Entscheidung zu treffen. Ohne seinen Blick von ihr zu lösen, betrachtete er das Spiel von Licht und Schatten in ihren Augen und lauschte allein dem Schlagen ihres Herzens. Er wollte nicht, dass sie dem Fluch erlag. Doch ahnte sie überhaupt, wie wichtig sie ihm war?

„Ich habe mich ihr gegenüber mehr als einmal vertrauenswürdig erwiesen und doch zieht sie es vor, irrsinnige Pläne ohne mich zu schmieden. Wer berechtigt sie überhaupt dazu?“ Kenna schüttelte leicht den Kopf, als hätte sie es längst aufgegeben.
„Soll sie machen was sie will, ich vertraue auf meinen eigenen Weg.“ Fest und distanziert klangen ihre Worte, doch seine Hand in ihrem Rücken schien sie zu besänftigen und so wurde der harte Ausdruck in ihrem Gesicht weicher, als er weitersprach. Der Blick mit dem er sie bedachte, verunsicherte sie und gerade als seine Geste ihren Herzschlag zu beruhigen begann, schlug dieses wieder schneller. „Adrian… ich…“ Kurz senkte sie die Lider und unterbrach ihren Blickkontakt, bevor sie ihre gesunde Hand an seine Wange und gleichzeitig ihren Blick wieder zu ihm hob. „... ich weiß einfach nicht was ich tun soll.“ Gestand sie dem dunklen Magier in der Abgeschiedenheit der Hütte ein, ihre Stimme leiser werdend. In seiner Nähe konnte sie die Maske der Unnahbarkeit längst fallen lassen. Er verstand es, sie auf eine Weise in seinen Bann zu ziehen, die ihr bis dato völlig fremd gewesen war. So strichen ihre Finger nahezu liebevoll über seine kurzen blonden Barthaare.

Leicht nur senkte Adrian unter ihrer Berührung die Lider, jedoch nicht vollkommen, um sie nicht aus dem Blick zu verlieren. Weder konnte, noch wollte er sich selbst belügen, dass sie eine Bedeutung für ihn hatte. Ein gefährliches Terrain, je mehr er darüber nachdachte.
„Was du tun sollst? Sei die, die du bist.“ Seine Stimme senkte sich zu einem Flüstern, bevor er seine Lider hob, um die Bedeutsamkeit seiner Worte zu untermalen. „An meiner Seite.“ Er würde im Zweifelsfall einen anderen Weg finden, Freya von ihrem Band zu befreien.

Kenna war bewusst, was es bedeutete, dass er ihr hierher gefolgt war. Dass er sie nicht leichtfertig hatte gehen lassen, obwohl er dies natürlich ohne Weiteres gekonnt hätte. Die sein, die sie war? Sie erkannte sich ja selbst nicht wieder, seit sie ihn getroffen hatte. Doch vielleicht musste sie langsam umdenken. Von ‚ich' zu ‚wir'. Sie musterte sein Gesicht, forschte nach der Bedeutung seiner Worte.
„Wie Dunkelheit und Dunkelheit. Vereint zur tiefsten Finsternis.“ Flüsterte sie ebenso leise, wie zuvor Adrian.
Er kannte ihre Abgründe, hatte selbst schon bis auf den Grund gesehen. Das er immer noch hier war, sprach wohl für sich. „Ich werde Dir sagen, wo Du den Dolch findest. Dann kannst Du ihn Lorena übergeben oder was immer ihr damit vorhabt, tun.“ Sie rückte ein wenig von ihm ab, übergab auch ihr letztes Wissen in seine Hände. Sollte er darüber verfügen, wie er wollte.
„Es gibt einen Mechanismus an einem der Steine hinter dem Altar im Felsendom. Dort wo Du mich zum ersten Mal geküsst hast. Doch sei gewarnt, ohne das dazugehörige Amulett, hat man keinerlei Kontrolle über die todbringende Klinge.“

Nicht nur sie musste sich einer Veränderung stellen. Auch wenn er sich anfangs versucht hatte dagegen zu wehren, musste er sich eingestehen, dass ihre Warnung, dass es ihm zu gut gefallen könnte, nicht unberechtigt gewesen war. Nicht, dass er sich davor fürchtete, doch er hatte immer geglaubt, sich diesbezüglich unter Kontrolle zu haben. Doch hatte sie ihn dahingehend entmachtet. Er scheute sich dennoch nicht davor, ihrem Blick zu begegnen. Ihr auf seine Weise zu sagen, welchen Stellenwert sie für ihn hatte. Sie wissen zu lassen, was er tief in seinem Inneren fühlte.
„Wir.“ Antwortete er leise, aber mit einer klaren Betonung, welche sie unmittelbar miteinschließen sollte. Bestimmend zog er sie wieder näher an sich heran, als würde er es nicht zulassen, dass sich eine Distanz zwischen ihnen breit machen würde.
„Wir werden das tun.“ Sagte er eindringlich, als dass deutlich werden sollte, dass er keinen Widerspruch ihrerseits akzeptieren würde. „Zusammen.“ Flüsterte er an ihre Lippen heran, bereit ihr beim ersten Anzeichen von Widerworten den Atem zu nehmen.

Adrian wusste das sie ihm kaum widerstehen konnte, wenn er ihr so nah kam, da seine Lippen fast die ihren berührten. Durch ihre dichten Wimpern sah Kenna ihn noch immer an. „Wir.“ Gab sie ihm endlich nach. Er würde nicht lockerlassen, das war ihr klar und weiterer Widerspruch war sinnlos. „Zusammen.“ Ein warmer Hauch nur, weniger als ein Flüstern, als sie ebenseine Worte wiederholte und dann ihren Mund auf seinen legte und gleichzeitig die Lider senkte. Ein zartes Lippenbekenntnis, welches sie ihm gab.

Allein ihren Duft einzuatmen ließ das Dunkel in Adrians Augen finster aufschimmern. Sicher würde er sie nicht einfach gehen lassen. Nicht mehr, nicht an diesem Punkt und sicherlich nicht aus diesen Gründen. „Nachdem wir uns um deine Hand gekümmert haben.“ Flüsterte er, wobei er sanft gegen ihre Lippen stieß. Auch wenn jene Dunkelheit ihn zu ihr geführt hatte, würde jene weiter in ihr wachsen und der Fluch selbst sie mit voller Wucht treffen.

Es war ungewohnt für sie, dass sich jemand um ihre Belange scherte, dennoch nickte sie leicht. „Die Frage ist nur - wie?“ Für ihr ganzes Dasein war der Gebrauch ihrer Hand existenziell und schon jetzt spürte sie die Einschränkungen deutlich, auch wenn sie dies bisher geheim gehalten hatte.
„Ich bin da in einer Sackgasse gelandet und mir fehlt jeglicher Anhaltspunkt, das Amulett zu finden. Vielleicht lässt sich der Prozess auch gar nicht mehr aufhalten.“ Das Blau ihrer Augen wurde ein paar Nuancen dunkler und innerlich erfüllte sie eine Ruhe, als wäre die Bürde viel leichter zu tragen, seit er deutlich gemacht hatte, an ihrer Seite zu stehen.

„Ich sagte Dir, es gibt mehrere Wege. Du musst dich nur für einen entscheiden.“ Eindringlich sah er sie an. Sicherlich war Tanuris Hilfe weggefallen, aber dennoch könnte Freya es versuchen oder er. Wenngleich jener Weg nicht nur unkonventionell, sondern auch unangenehm sein würde.
„Wie lange, willst du es noch verstecken?“ Flüsterte er einnehmend an ihre Lippen, ohne seinen Blick von ihr abzuwenden.

Seine Nähe, seine Wärme und seine verführerischen Lippen an ihren, ließen sie kaum einen klaren Gedanken fassen.
„Ich dachte ich hätte mehr Zeit.“ Warm sollte ihr Atem sein Gesicht streifen, als sie sprach und ihre Hände schob sie unter seinen Armen hindurch, um ihn festzuhalten. Sein Blick ließ sie nicht los und sie wagte nicht zu blinzeln.
„Wenn ich aufhöre es zu verstecken, würde man meine Schwäche erkennen. Das kann ich mir nicht erlauben.“ Natürlich war ihr klar, dass die Priesterin nun für sie ausfiel und Freya… nun sie war in ihren Grundfesten erschüttert worden. Ob sie wirklich gerade zu einem solchen Vorhaben im Stande war?

„Mehr Zeit zu warten?“ Erwiderte er, wobei ein leichter Tadel in seiner Stimme mitschwingen sollte, welcher nicht zuletzt auch seine Augen verdunkelte. Er hatte ihr die Entscheidung überlassen, aber dies in der Überzeugung, dass sie jene treffen würde. „Wie weit lässt sich der Bogen noch spannen oder ruhig halten?“ Er zog sie fester an sich, während er die Wärme ihrer Hände an seinem Rücken spürte. Es wäre ihm ein leichtes, ihr die Wahl jederzeit abzunehmen. „Irgendwann wirst du sie nicht mehr verbergen können.“

„Mehr Zeit das Amulett zu finden und wieder Herrin meiner Lage zu werden.“ Antwortete sie schlicht auf seinen Tadel. „Eigentlich sollte nie jemand von alledem etwas mitbekommen. Aber es ist wie es ist.“ Sie seufzte resigniert bevor sie fortfuhr.
„Einen Hasen kriege ich wohl noch erlegt… - wenn er groß genug ist.“ Murmelte sie und hätte am liebsten weggeguckt. „Vielleicht solltest du es einfach tun.“ Ob der Dunkelmagier im Stande sein würde, die Verbindung zwischen ihr und der Klinge zu durchtrennen? Ruhig lag ihr Blick auf seinen verdunkelten Augen, die noch immer leicht vorwurfsvoll auf sie hinab sahen.

„Vielleicht?“ Das Feuer, welches sie entzündet hatte, spiegelte sich in seinen Augen wider, während er sie für einen Atemzug schweigend ansah. Überzeugung und Wille sahen anders aus in seinen Augen, sodass sich einige Falten auf seiner Stirn formten, während er darüber nachdachte, ob sie überhaupt die Absicht hegte, sich davon loszusagen.

Minimal verengten sich ihre Augen, was sollte diese Frage bezwecken? „Den Schmerz scheue ich nicht, falls Du das denkst. Ich zweifle eher den Erfolg an.“
Ein wenig störrisch hob sie ihr Kinn an, während sie seine gerunzelte Stirn durchaus bemerkte, welche wohl signalisierte, dass er ihren Worten wenig Glauben schenkte.

Es ging nicht darum, ob er ihr glaubte. Vielmehr zweifelte er an ihrem Willen, sich von dem Fluch lossagen zu wollen. Er wusste sehr wohl, wie verführerisch die Finsternis einen locken konnte. Es würde erklären, weshalb sie lieber ihre Hand unter dem Leder versteckte, als sich davon befreien zu lassen.
„Also zweifelst du an mir?“ Herausfordernd blickte er in das Blau ihrer Augen.

Kenna hatte sich bisher immer alleine durchgeschlagen, nun auf jemanden angewiesen zu sein, passte ihr gar nicht. Selbst wenn dieser jemand Adrian war. So hatte sie zunächst beschlossen, das Amulett ausfindig zu machen und die völlige Kontrolle über den Bluttrinker zu erlangen. Doch nun standen sie hier, alle anderen Optionen schienen nicht mehr in Frage zu kommen, wenn sie verhindern wollten, dass die Klinge stattdessen weiter die Kontrolle über die Bognerin erlangte.
„Der Dolch ist eine mächtige magische Waffe. Sie ist viel älter, als wir uns überhaupt vorstellen können. Ich kann daher nur hoffen, dass Deine Magie stark genug ist. Hoffnung ist jedoch etwas, auf das ich mich noch nie verlassen habe.“

Kurz fuhr er sich über die Lippen, während seine Hand sich an ihren Arm legte und er seine Finger zwischen ihre fahren ließ, ohne seine Augen von ihr zu lösen. „Für Zweifel haben wir weder Zeit noch Platz.“ Sicherlich war die Waffe eine Reliquie aus längst vergangenen Tagen, getränkt mit uralter Magie, die auch seine Fähigkeiten übersteigen mochte. Sich tatenlos seinem Schicksal zu ergeben, war jedoch etwas, dass in seiner Welt keinen Platz hatte.
„Wenn du es willst, dann treffe ich die Vorbereitungen.“

Sie straffte sich und ein harter Ausdruck legte sich über ihren Blick.
„Ich will es.“
Im gleichen Atemzug löste sie sich von ihm und trat an den einfachen Holztisch heran, auf dem noch immer der Flachmann stand. Sie griff danach, öffnete ihn und trank ein paar Schlucke. Das vertraute wohltuende Brennen, welches der hochprozentige Alkohol hervorrief, rann ihr die Kehle hinunter, bevor sie Adrian das Gefäß hinhielt. Es war also beschlossen. Sie würden sich dem Fluch widmen, mit allen Konsequenzen für sie beide. Denn was das Prozedere Adrian abverlangen würde, darüber konnte Kenna nur spekulieren.

Er folgte dem Wandel auf ihren Zügen und jener Entschlossenheit, die sie aufbrachte. Auch wenn dies zur Folge hatte, dass sie sich von ihm löste. Da war er, der Funken Widerspenstigkeit in ihr, mit dem sie ihn spüren ließ, dass sie keine Schwäche zeigen wollte. Kühl folgten seine hellen Augen ihren Schritten, mit welchen sie eine Distanz zwischen ihnen schuf, während er ihre Worte schweigend im Raum stehen ließ. Schweigend nahm er den Flachmann an sich, allerdings ohne einen Schluck zu trinken.
„Womit lockt dich der Dolch, Kenna?“ Fragte er leise, bevor er sich entschied einen Schluck davon zu nehmen, immerhin hatte sie zugestimmt und ein Zurück würde er nicht mehr akzeptieren.

Sie betrachtete ihn kurz, während er einen Schluck nahm und lenkte dann nachdenklich ihren Blick auf die Flammen, die so ungezähmt und doch beruhigend im Kamin loderten. Sie antwortete ihm nicht sofort, sondern ließ sich Zeit. „Es ist schwer zu beschreiben.“ Sagte sie in Richtung des Feuers. „Wie ein ständiges Summen in meinem Kopf und es wird täglich eindringlicher.“ Sie lehnte sich an die Tischkante und verschränkte die Arme, als könnte sie so etwas festhalten, was längst aus dem Ruder gelaufen war.

Langsam nur trat er neben sie, während er das Spiel des Feuers in ihren Zügen beobachtete. Ohne sie jedoch zu berühren, lehnte er sich an die Tischkante. „Ein Summen.“ Wiederholte er leise, während er ihrem Blick folgte und für einige Atemzüge die Flammen nachdenklich betrachtete. Es klang in seinen Ohren wie eine Form von Sirenengesang, lockend und todbringend, allerdings konnte er dahingehend nur mutmaßen. Schweigend wandte er seine hell schimmernden Augen auf sie und hielt ihr den Flachmann entgegen. Am liebsten würde er sich selbst dessen versichern, dass sie dem nicht erlag, bevor sie sie davon befreien konnten.

Im Augenwinkel sah sie den ihr dargereichten Flachmann und griff danach, ohne hinzusehen. „Weißt du, als ich ihn berührte… und er mein Blut trank…“ Möglicherweise irritierte ihn ihre Wortwahl, doch es traf es ziemlich genau. „... da war es, als hörte ich die Schreie derer, dessen Leben er genommen hatte, ich konnte sie sehen, ihre aufgerissenen Münder, das Blut, konnte die Verzweiflung spüren, die Angst…“ Sie schluckte kurz, als sie in der Erinnerung abtauchte. „Und ich wollte mehr davon.“ Bei ihrem letzten Satz heftete sie ihren Blick auf sein Gesicht, ob er verstehen würde, wovon sie sprach. Welche Mühe es sie seitdem kostete, dem Ruf nicht einfach zu folgen. Tag für Tag. Nacht für Nacht.

Er hatte seinen Kopf leicht in die Schräge gelegt. Sehr genau betrachtete er ihre Züge und Regungen, als könnte er aus jenen herauslesen, wie es sich für sie anfühlen sollte. Ohne selbst dabei jedoch seine Miene zu verziehen, senkte er nur einmal die Lider und streckte seine Hand nach ihr aus, um sie zu berühren.
„Macht ist verführerisch.“ Erwiderte er eindringlich und trat vor sie. Fast sanft legte er einen Finger auf ihr Schlüsselbein, während sein Blick sich an ihren heftete. Bedacht und langsam zeichnete er die Linie zwischen ihren Rippen nach, während er das Pulsieren unter seiner Fingerspitze spüren konnte und bedacht zu lenken versuchte.
„... es lockt einen und doch muss man die Kontrolle wahren…“
Kurz nur hielt er inne. Sowohl in seiner Bewegung, als auch mit seinen ausgesprochenen Gedanken. „Wenn man dem Rausch erliegt, kann der Preis dafür hoch sein.“

Kenna spürte deutlich die Linie, welche Adrian auf ihrer Haut beschrieb, kurz senkte sie die Lider. Kontrolle und Macht. Ging es nicht immer nur darum? Ihr Herzschlag folgte ihm jedenfalls ohne Gegenwehr und sie hob den Blick wieder zu ihm an.
„Ich war bereit jeden Preis zu zahlen. Doch jetzt nicht mehr.“ Ein leicht gequälter Ausdruck überflog ihre Augen, denn inzwischen hatte sie viel zu verlieren, was früher schlichtweg nicht der Fall gewesen war.
Sie stellte den Schnaps beiseite, ohne noch einmal davon getrunken zu haben und stützte sich mit beiden Handflächen auf der Tischplatte ab.

Sein Blick hielt an ihr fest, während er dem sanften, ruhigen Pulsieren ihres Blutes lauschte. Ein Rauschen in ihren Adern, welches über Leben und Tod entscheiden konnte. Langsam strich er die Linie über ihre warme, weiche Haut wieder hinauf, während er den Ausdruck in ihren Augen betrachtete. Seine Hand löste, nur um sie am Ende mit dem Handrücken an ihre Wange zu legen. Ihre Worte hatten eine Bedeutung, von der er annahm, sie zu kennen. Ob er damit richtig lag, wusste er nicht, doch änderte es nichts an dem, was er wollte.
„Ich würde es auch niemals zulassen.“ eine Entschlossenheit schwang in seiner Stimme mit. Zum einen ihr mit Ehrlichkeit zu begegnen und zum anderen, dass er sich eingestand, dass er lieber ihren Zorn auf sich ziehen würde, wenn er sie gewaltsam davon befreien würde, anstatt sie aufzugeben und dadurch zu verlieren.

Sie legte ihren Kopf seitlich gegen seine Hand. Eine Geste gepaart mit seinen Worten und dem Ausdruck seiner Augen, die ihr die Brust eng werden ließen. Er würde seinen Willen durchsetzen, da war sie sich sicher.
„Ich gehe davon aus, dass ich mich gegen die Prozedur wehren werde, wie auch immer diese aussehen wird.“ Meinte sie beinahe entschuldigend. „Aber ich will, dass du vorher eines weißt.“
Sie wich seinem Blick nicht aus, denn sie wusste er legte Wert auf Ehrlichkeit, auch wenn sie es Zeit ihres Lebens gewohnt gewesen war, zu täuschen und zu lügen. Zumindest ihm gegenüber hatte sie diese Eigenschaften nie an den Tag gelegt.

Seicht nur strichen seine Fingerkuppen über ihre Haut hinweg. Fast als würde er dadurch versuchen, ihr die Qual zu nehmen. So leicht jedoch verhielt es sich selten, weshalb er ihr auch nicht vorgaukeln würde, dass sie nichts zu befürchten hatte oder es sich als einfach erweisen würde.
„Kenna.“ Das Blau seiner Augen verdunkelte sich leicht unter ihren Worten, während er sich über die Lippen fuhr und seine Hand sich von ihrer Wange löste, nur um einen Finger auf ihre Lippen zu legen.
„Es gibt ein Nachher.“ Seine Stimme nahm eine warme Farbe an, bevor er seinen Finger über ihre Lippen hinwegstreichen ließ, um seine Hand wieder an ihre Wange zu legen.

Als er seinen Finger nun auf ihre Lippen legte, schwieg sie. Und doch brannte es ihr auf der Seele. So hob sie die Hand und legte ihre Finger über seinen, um diesen fortzuziehen.
„Hör mir zu.“ Forderte sie ihn auf. Ihr Blick unnachgiebig.
„Wenn etwas schief geht, lass mich gehen.“ Möglicherweise war sie überdramatisch, aber sie wollte sichergehen, dass ihm nichts passierte durch ihre Schuld. Er war ihr wichtiger geworden, als ihr eigenes Leben es je war. „Höre rechtzeitig auf, wenn es aussichtslos wird.“ Und sie kannte ihn inzwischen gut genug, um zu wissen, wie starrsinnig er sein konnte, wenn er sich einmal für etwas entschieden hatte.

Seine Stirn legte sich in Falten, während er ihr lauschte und ihre Hand seinen Finger beiseiteschob, bevor er seine Geste vollendet hatte. Das Feuer selbst schien sich kurz in seinen Augen abzuzeichnen. Ein Aufblitzen und Lodern in deren Zentrum, welche beinahe wie eine stumme Antwort auf ihre Forderung wirken sollte.
„Ich werde dir nichts versprechen, was ich nicht halten kann." Entgegnete er mit deutlicher Bestimmtheit, die genug darüber aussagte, dass er nicht loslassen würde.

Sie stieß sich leicht von der Tischplatte ab und kam dadurch noch näher an Adrian heran. Beide Hände umfassten sein Gesicht, die eine normale Hand und die andere gezeichnete, unter dem weichen Lederhandschuh verborgen. Ihr Blick so intensiv und eindringlich, legte sie alle Wichtigkeit in ihr Anliegen. Doch sah sie auch die Unnachgiebigkeit in dem hellen Blau seiner tiefgründigen Augen.
„Das war keine Bitte.“ Raunte sie leise und ihr Atem mit einer leichten Alkoholnote, sollte über seine Lippen hinwegstreifen.

Ohne eine Regung auf seinen Zügen zu zeigen, sah er zu ihr hinab. Ein kühler Ausdruck glitt über seine Augen hinweg, während das Zentrum derer tiefer in Dunkelheit versank.
„Sondern was?“ Seine Stimme war gedämpft, wobei man trotz allem den unverkennbaren Einspruch darin vernehmen konnte, welcher zusammen mit seinem Blick mehr als klar zum Ausdruck brachte, dass er sich dahingehend keine Vorschriften machen ließ.

Kenna sah weiterhin zu ihm auf, die Kälte in seinem Blick und die Unnachgiebigkeit seiner Worte entgingen ihr keineswegs. „Ich könnte es nicht ertragen, dass dir meinetwegen etwas geschieht.“ Sie überging seine Frage und sprach unbeirrt, seinem kühlen Ausdruck zum Trotz. Ihre Hände nahm sie von seinem Gesicht, ließ diese jedoch über seine Arme hinabgleiten und dort liegen, wollte sie die Berührung nicht ganz auflösen. Vielleicht ein subtiler Versuch, ihn milder zu stimmen und zu überzeugen. Suchten ihre Augen auf seinen Zügen nach einer Regung in diese Richtung.

Ein kurzes Aufglimmen tauchte in seinem Blick ein, bevor er seine Lider kurz senkte und sich über die Lippen fuhr. „Und du denkst, ich schaue zu und rette lieber feige mein Leben?“ Antwortete er ihr mit ruhiger Stimme. Eine Ruhe, die sich als trügerisch entpuppen sollte, nachdem er seine Augen wieder öffnete und sie mit ernster Miene nach ihrem Blick griffen. Die noch immer an ihrer Wange liegende Hand, ließ er nach unten hinwegstreichen, während der düstere Glanz in seinen Augen zunahm.
„Lektion eins: Wenn ich mich für etwas entschieden habe, gibt es kein Zurück.“

„Es wäre nicht feige, in einer aussichtslosen Situation das Richtige zu tun. Noch einer weniger, der Freya beschützen kann, damit ist sicher niemandem geholfen.“ Erklärte sie nachsichtig. Bei der Berührung seiner Hand, reckte sie leicht das Kinn, ob seiner Belehrung. Wofür genau hatte er sich entschieden? Ihr in den Tod zu folgen? - Sie war für ihre Gnadenlosigkeit bekannt, doch was Adrian anging, lag ihr der Gedanke schwer auf der Brust. Wie ein Mühlstein, der ihr die Kraft zum Atmen raubte. Doch hatte sie keine andere Wahl.
„Dann bringen wir es am besten hinter uns.“ Lenkte sie erneut ein. Eine gewisse Härte kehrte auf ihre Züge zurück, vielleicht auch um sich selbst vor ihren Gefühlen abzuschotten.

Seine Augen verengten sich leicht unter ihren Worten. Sicherlich hatte sie recht und traf nicht zuletzt damit auch einen Nerv bei ihm. Hörbar ließ es ihn einatmen, doch sah er es auf seine Weise. Es gab kein Scheitern und kein Zweifeln. Noch einmal strich sein Handrücken behutsam über ihre Wange, bevor seine Mundwinkel sich unter ihrer Aufforderung kurz zu einem ungläubigen Lächeln formen sollten.
„Du gehst die ganze Zeit davon aus, dass es nicht funktionieren wird. Wieso?“ Fragend blickte er zu ihr hinab. Er hatte ihr am ersten Tag bereits geschworen, an ihrer Seite zu kämpfen.

Sein Lächeln irritierte sie etwas, doch fuhr sie dann scheinbar unbeirrt fort. „Ich gehe von nichts aus, es ging mir nur darum, für alle Fälle vorzusorgen.“ Sie wich seiner Hand nicht aus und hätte sich am liebsten hineinziehen lassen, in die Sanftheit der Berührung. Noch immer ruhten ihre Finger warm auf seinen Unterarmen und ihr Blick auf seinem.
„Ich habe dir mein Vertrauen bereits geschenkt und ich vertraue dir auch hierbei. Mein Leben ist deins.“

„Ich werde es aber nicht zulassen, dass es dazu kommt.“ Erwiderte er ruhig während sein Daumen über ihre Wange zeichnete. Er wusste um ihr Vertrauen und keineswegs würde er vor einem kleinen Risiko zurückschrecken. Alles hatte sicherlich seinen Preis und wenn er dafür diesen zahlen musste, dann würde er es im Zweifel auf seine Weise auch tun. Ein Leben für ein Leben, das er dem Lord oder jener Waffe zum Opfer bringen würde.
„Ich will dich und ich brauche dich.“ Seine Stimme senkte sich leicht, doch die Entschlossenheit in ihr sollte sich dadurch nicht mindern. Vielmehr bekam sie eine greifbare Bedeutung.

Und sie brauchte und wollte ihn. Dennoch oder gerade deshalb, wollte sie in dieser Sache nicht nachgeben. „Ich weiß, Du wirst tun, was getan werden muss.“ Entgegnete sie. Denn auch Adrian würde erkannt haben, dass es um Wichtigeres ging, als um ein einzelnes Leben.
Sicher hielt das Schicksal noch mehr für sie beide bereit und würde ihre Lebenslinie nicht an diesem Punkt enden lassen. Nicht heute und nicht in naher Zukunft oder auf diese Weise, daran glaubte sie fest. Und wenn ihr Auftrag darin bestanden hatte die Reihen der Götzenanbeter zu dezimieren und die alles entscheidende Waffe seiner rechtmäßigen Bestimmung zuzuführen, dann sollte es so sein.

Kurz sah er auf ihre Hand. Selbstredend könnte er auch ohne weitere Vorbereitungen jederzeit einen Versuch angehen. Jedoch wäre dieser in der Form offensiver Natur und riskanter, da er die dunkle Macht in ihr mehr als deutlich herausfordern würde. Andererseits spielte die Zeit gegen sie. Leicht fuhr er sich über die Lippen, während er darüber nachdachte.

Während er noch nachdachte, löste sie sich entschlossen von ihm. Ihr Blick glitt über die Felle, welche den Boden vor dem Kamin auskleideten und eigentlich für Gemütlichkeit sorgen sollten. Mit zwei Schritten trat sie heran und kniete sich unmittelbar vor dem Feuer hin. Langsam zupfte sie mit der linken Hand an den Fingerspitzen des Handschuhs, welcher die von schwarzen Adern durchzogene rechte Hand bedeckte. Sie streifte den Handschuh vollends ab und ließ ihn achtlos neben sich auf den Boden fallen. Nacheinander krempelte sie beide Hemdsärmel hoch und legte danach beide Hände auf ihre Oberschenkel, die durch das dünne Leder ihrer Hosen bedeckt waren. Weich spürte sie die Tierhaut und die eigene Körperwärme auf den Handflächen.
Dann wandte sie den Kopf zu Adrian empor. Ein warmer Feuerschein umspielte ihre sonst dunkle Silhouette und verlieh ihrem rabenschwarzen Haar einen noch dunkleren Glanz.
„Tu es. Jetzt.“

Wie zur Untermalung oder als Vorbote eines Omens, war entferntes Donnergrollen zu hören und eine aufkommende Windböe ließ die einfache Holztür der Hütte in ihren Angeln klappern.
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Adrian
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#15

Beitrag: # 53353Beitrag Adrian »

In der Hütte am Waldsee


In einem Augenblick der Vergänglichkeit fanden sich Adrians Augen erneut auf Kenna wieder, deren Worte durch ihre Handlungen noch weiter unterstrichen wurden. Der Magier verfolgte aufmerksam ihr Knien auf den Fellen, während das ferne Grollen des Donners, als warnender Hall interpretiert werden konnte. In diesem Moment jedoch war er einzig auf den Klang ihres Herzens fokussiert, welches ihr Blut entschlossen pulsierend und rauschend durch ihre Adern fließen ließ.

Obwohl Adrian keinen Zweifel an sich selbst hatte, wusste er, dass die finstere Magie alt und mächtig war – eine Macht, die er nicht unterschätzte. Doch er dachte nicht daran, Freya -den Schlüssel- in Gefahr zu bringen, denn er wusste, dass diese Kraft sich zur Wehr setzen würde, wenn man sie ihres Gefäßes beraubte. Auch wenn sie die Macht dafür hatte, war sie derzeit zu instabil, als dass er das Risiko eingehen wollte. Insbesondere, da Serajas Fluch die Jägerin noch zusätzlich belegt hatte. Es war eine grobe Schätzung seinerseits, aber er ging davon aus, dass dieser die Macht entweder bereits herausgefordert oder genährt hatte, und das spielte ihnen sowohl als auch nicht in die Hände.

Das kühle Blau strich über die entblößten Arme der Jägerin hinweg. Das schwarz gezeichnete Geflecht aus Ader, welches sich auf der Blässe ihrer Haut abzeichnete, glich beinahe einem finsteren Kunstwerk. Faszinierend und dennoch heimtückisch und gefährlich, lockte es, wie Kenna selbst bereits hatte spüren können, verführerisch mit seiner Macht.

Doch war ihnen beiden bewusst, dass jene Magie darin, so verlockend ihr Ruf auch sein mochte, sie innerlich zerfressen würde. Beherrscht von der Gier nach Blut und Tod würde sie an Kenna zehren, bis kein Funken Menschlichkeit mehr in ihr wohnte. Macht hatte immer einen Preis und zu viel Macht konnte den Verstand rauben.

Fast verführerisch wirkte ihr Anblick, während sie wartend im Feuerschein saß, eingehüllt von dem warmen Licht der Flammen. Unter anderen Umständen würden ihm ganz andere Dinge einfallen. Das Dunkel ihrer Augen jedoch spiegelte ihre Entschlossenheit wider, die er durchdringend auf sich spürte. 

Kurz nur senkte der Dunkelmagier seine Lider und wandte sich herum, um seinen Mantel abzulegen, bevor er resignierend ausatmete. Kenna vertraute ihm und schlussendlich stand der Glaube selbst über allem. Sie hatte recht, wenn sie in den Raum stellte, dass jede Form des Hinauszögerns verschwendete Zeit war, denn es gab nur zwei Optionen. Wenn sie das Band des Schlüssels durchtrennen wollten, führte derzeit kein Weg vorbei.

Den Rücken zu ihr gewandt, streckte er beherrschend seine Arme von sich und spreizte seine Finger. Dunkler Nebel formte sich um sie herum, umspielte diese geradezu. Schatten und Finsternis, umströmten ihn förmlich, als würden sie sich um ihn herum sammeln oder vielmehr sogar aus ihm selbst entsteigen. Eine Schwärze, welche kriechend und schleichend sich über den Boden selbst ausbreitete, als wolle sie alles Licht verschlingen und in tiefste Dunkelheit einhüllen.

„Jetzt.“ Es war ein düsteres Flüstern, welches leise ihre Aufforderung wiederholte. Die Tonlage war jedoch fordernder und bestimmender, während eine kühle Beherrschung darin bereits seinen Einzug fand.
Unmittelbar auf seine Worte hin formten sich zwei Schlieren aus den Schatten heraus und legten sich eisern um die Handgelenke der Jägerin. Ein eisiger, fester Griff, welcher sich wie Fesseln in ihre Haut drängen sollte, während der Raum selbst sich eine nebulöse Finsternis legte, welche jedweden Lichtschein beraubt zu sein schien.

Langsam wandte Adrian sich zu ihr herum, sodass die Dunkelheit in seinen Augen sich direkt auf Kenna legte. Eine Schwärze, in welcher keine Wärme oder Emotion lag, sondern von nichts Anderem eingenommen schien, als der Finsternis selbst. Schmerzhaft sollten die Fäden aus Schatten an ihren Handgelenken zerren, sie zu Boden ringen.

„Bereit?“ Flüsterte Adrian leise, doch war es spürbar keine Frage, sondern vielmehr im selben Atemzug die Herausforderung an die Besessenheit, welche in Kenna schlummerte, hervorzukommen, während ihre Fesseln einen brennenden Schmerz in ihr auslösen sollten. Düster und glimmend flutete es das finstere Geäst unter ihrer Haut, als der Blick des Dunkelmagiers sie traf. Keine Ankündigung, kein Zögern.

Pulsierend zog sich eine finstere Glut durch ihre Adern. Ein feuriges Glimmen unter ihrer Haut, ausgehend von den Schatten, welche die Jägerin immer fester in ihrem Griff umschlossen. Flammen, welche sich scheinbar allein durch seinen intensiven Blick geschürt brennend durch ihr Inneres fraßen, als würden sie nahezu die verderbte Macht in ihr gnadenlos verzehren wollen.
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Kenna de Vil
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#16

Beitrag: # 53357Beitrag Kenna de Vil »

Noch immer in der Hütte am Waldsee

Sie hatte sich niedergekniet, in der Erwartung, Adrian würde einfach ihre Hände ergreifen und sein Voodoo-Ding durchziehen. Doch wieder einmal überraschte er sie.
Als seine magischen Fesseln sich um ihre schmalen Gelenke legten, ohne das er selbst sie berührte, wappnete sie sich innerlich, nichtsahnend was genau auf sie zukommen würde. Ein Zurück gab es nicht mehr. Sie hatte sich ihm ausgeliefert, jetzt zählte nur noch eins: Ertragen und Überleben.

Seine Fesseln rangen sie zu Boden und fixierten sie dort.
Unter anderen Umständen hätte sie sicherlich Gefallen daran gefunden, doch widerstrebte es in diesem Moment absolut ihrem freien wilden Naturell. Eisig gruben sich die Schlingen in ihre Haut, doch gab sie keinen Laut von sich. Seine Frage, ob sie bereit sei, eher eine Ankündigung, dass er beginnen würde. So zog sie es vor zu schweigen.

Ihre Augen sahen intensiv zu ihm und signalisierten ihm stumm, aber eindringlich, dass er anfangen sollte.
Eine ganze Weile hielt sie noch an seinem Blick fest, ließ nicht zu, dass der Schmerz sie übermannte. Teilte jene Empfindungen mit ihm, die nur durch das Tor ihrer Seele erkennbar waren. Das Schwarz ihrer Pupillen, welches sich weitete und die kleinen Schweißperlen, die sich auf ihrer Stirn bildeten, waren Zeugnisse ihrer Anstrengung, das Leid unter Kontrolle zu halten. Der Zauber der sich stetig steigernd durch sie zu fressen begann, wurde so intensiv, dass sie nicht mehr hätte bestimmen können, ob es Kälte oder Hitze war, welche er hervorrief. Schließlich senkte sie die Lider und richtete den Blick nach innen. Ihr Herzschlag beschleunigte sich, was Adrian wie durch ein Echo in sich selbst spüren sollte.

Je weiter sich seine glühenden Schatten den Weg durch ihren Körper bahnten, desto mehr wehrte sie sich. Bäumte sich auf, zog an ihren Fesseln, wobei die Sehnen und Adern an ihrem Hals und allen sichtbaren Stellen deutlich hervortraten.
Auch wenn sie vorgehabt hatte, es stumm zu ertragen, entrang sich ihr ein qualvolles Stöhnen. Ertragen und Überleben. Wiederholte sie innerlich, wie ein Mantra.

Die Macht des Dolches würde sich nicht kampflos geschlagen geben. Damit hatten sie gerechnet. So lag Kennas Körper mit einem Mal völlig still da und im nächsten Atemzug schlug sie die Augen auf. Schwärze füllte das Blau ihrer Augen vollständig aus und der totbringende Blick heftete sich auf Adrian. Kennas Herzschlag war verstummt, zumindest würde er ab jenem Augenblick keinen mehr fühlen können.

Eine tiefe Stimme sprach zu dem Dunkelmagier, welche nichts mehr mit der der Bognerin gemein hatte.
„Ihr glaubt Ihr könnt es mit mir aufnehmen?“ ein befremdliches kehliges Lachen war zu hören, welches wie tausend Nadelstiche in Adrians Kopf widerhallen sollte. Denn diese Stimme war nicht für das menschliche Bewusstsein bestimmt.

Statt die schwarze Macht in Kenna zu bekämpfen, schien diese an der Prozedur noch zu wachsen, sich regelrecht zu nähren und an Stärke zu gewinnen.
„Ich existiere seit tausenden von Jahren und ich werde weitere tausend Jahre jedes Leben nehmen, welches mir beliebt.“

Ein scharfer Blitz tauchte kurzzeitig den Raum in ein gleißendes Licht. Das Unwetter hatte die kleine Hütte im Wald erreicht und schwängerte die Luft mit dem Geruch von Ozon.

Kenna selbst driftete in eine scheinbare parallel Realität ab. Ihr Geist war wie getrennt von ihrem Körper. Sie war zurück im Wald, als sie das Buch mit dem Symbol des siebenzackigen Sterns und dem Auge darin aufgeschlagen hatte und Serajas Fluch sie traf. Erneut durchlebte sie die Vision, als wäre sie real und passierte gerade eben. Realität und Traumwelt schienen zu verschwimmen.
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Adrian
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#17

Beitrag: # 53361Beitrag Adrian »

Adrian spürte jene uralte Magie, die sich des Körpers der Bognerin bemächtigte. Jener Herzschlag, welcher sich übermannt von ihrer Macht beinahe kapitulierend dem Stillstand zuwandte und lautlos verstummte, war ein deutliches Zeugnis dafür, dass jene die Kontrolle über Kenna übernahm.

Kühl beobachtete Adrian den Wandel fernab jedweder Emotion, sondern einzig fokussiert auf sein Gegenüber. Es überraschte ich nicht wirklich, dass jene aufbegehrte und sich ihm gegenüber in aller Härte versuchte aufzubauen. Dass sie sich so schnell hatte hervorlocken lassen, war für ihn ein Zeichen dessen, dass sein Handeln sie herausgefordert hatte, dass sie es spüren konnte, wie die Glut der Hölle selbst die Finsternis verbrennen sollte.

Wie eisige Splitter durchdrang die verzerrte Stimme in sein Bewusstsein ein. Schmerzhaft bohrte sie sich in seinen Geist. Als wären es tausende Schreie sterbender Menschen, die sich zu einer einzigen grotesken Stimme formten, um seinen Geist in ihrem Missklang niederzuringen. Ein verdorbener Klang, der sich grauenhaft versuchte, in seine Gedanken zu bohren und ihm die Beherrschung zu rauben, indem die Worte wie ein Echo in ihm widerhallten.

Der Dunkelmagier konnte es spüren. Jene Arroganz, die meinte, ihn auf diese Art in die Schranken weisen zu können. Doch gehörte Kapitulation nicht zu seinem Wortschatz.

Seine Augen waren von der lebendigen Dunkelheit in seinem Inneren erfüllt. Schatten und Finsternis, die ein Teil seiner selbst waren. Es war an der Zeit zu beweisen, wie sehr sie ihm vertraute. Ein Zurück. Wie so oft betont, gab es keines.

Daher war es an nun an Kenna allein von innen heraus gegen die Dunkelheit anzukämpfen. Jene Manifestation, die sichtlich sie Kontrolle ihrer Hülle übernommen hatte. In welchen Abgrund ihres Geistes ihre Seele dafür verbannt worden war, konnte er nicht sagen. Doch war er sich sicher, dass es sie mit ihren Ängsten und Schwächen nahezu konfrontieren würde, um sie dort in die Knie zu zwingen und einzupferchen und anschließend mit seiner Macht und seinen Versprechen zu brechen.

Fest ruhte sein Blick auf dem Dunkel ihrer Augen. Sein Schwur ihr gegenüber war keineswegs leichtfertig getroffen. Er würde es nicht zulassen.

Doch war ihm von vornherein bewusst gewesen, dass er ihr den Fluch nehmen konnte. Ob ihr Geist sich jedoch entschloss, sich der Finsternis hinzugeben und mit ihr zu vergehen oder ob sie jener trotzte, lag einzig in ihrer Hand.

Seine Augen verengten sich, während er die Drohgebärden des Donners schlichtweg ignorierte. Sein Fokus lag einzig und allein auf dem besessenen Körper, während er gegen den unmenschlichen Widerhall der finsteren Stimme in seinem Geist ankämpfte, die versuchte, mit aller Gewalt ihm zu trotzen.

Leicht bebten seine Nasenflügel, während die Schreie in seinem Kopf immer lauter wurden und sich wie Splitter von gefallenen, verzweifelten Seelen versuchten, ihm die Kontrolle zu nehmen. Schmerzhafte Nadelstiche, die durchaus ihre Wirkung nicht verfehlen sollten und an seiner Kontrolle und seinem Geist zerrten.

Knapp fuhr er sich daher mit dem Ärmel durch das Gesicht und entfernte unbeeindruckt den Blutstropfen der ihm aus der Nase rann. Dennoch war es ein Zeichen dafür, dass er nicht unantastbar war. Seine in Schwärze gehüllten Augen ruhten dennoch herausfordernd auf der Bognerin, während ein düsteres Lächeln seine Lippen einnahm. Er hatte mit Gegenwehr gerechnet und natürlich schöpfte der Bluttrinker Macht aus der Dunkelheit. Adrian hatte nichts anderes erwartet als das Anwachsen und Aufbäumen jener Kraft. War es immerhin nicht bei allen Wesen und Geschöpfen oder wie auch immer man jene Manifestation selbst nennen sollte, dass sie am gefährlichsten wurden, wenn man sie verletzte oder sie fühlten, dass alles verloren war? 

„Du spürst es doch bereits, nicht wahr?“ Seine Antwort auf die Frage, ob er sich jener Macht selbst entgegenstellen wollte, war in seinen Augen widersinnig. Das Glühen in den Adern selbst zeugte mehr als deutlich, wie der Fluch sich durch die Adern Kennas hindurchfressen sollte. Eine glühende Bahn, welche die Schwärze von innen heraus verbrannte und ein wahrlich faszinierendes Bildnis unter ihrer Haut abzeichnete, als würde glühende Finsternis selbst durch jene hindurchfließen.

„Was nutzt dir das Gefäß, wenn ich es töte?“ Flüsterte er mit einem Grinsen, während die Schatten seine Hand umgarnten und er zur Untermalung mit Finger seiner anderen zu einer Faust ballte, wodurch die Schlingen um den Körper Kennas sich enger zogen und in ihre Haut schnitten und ihm zu verdeutlichen, dass er keine leeren Drohungen aussprach.

Langsam trat er an sie heran und beugte sich hinab, sodass ein Flüstern genügte, um seine Worte zu verstehen.

„Nichts.“ Stellte er mit kühler Pragmatik fest und nahm jener Macht die Antwort voraus. Da ein Teil der dunklen Magie des Dolches in Kenna ruhte, ging Adrian davon aus, dass jene sich auch ihre Gedanken und Erinnerungen zu eigen gemacht hatte und sich somit bewusst war, dass er genau wusste, wo der Anker jener dunklen Macht selbst ruhte.

„Dir wird nichts bleiben. Erst nehme ich dir das eine, bevor ich deinen Mythos auf ewig in den Höllenfeuern einschmelze.“

Elegant richte Adrian sich auf, bevor er seine Finger den finsteren Nebel durchstreiften, welcher sich unmittelbar in seiner Hand zu finster rauchender und zugleich pulsierender Materie zu formen schien, der ein grausames Glühen innewohnte. Adrian legte seinen Kopf leicht in die Schräge, ohne sein Gegenüber aus den Augen zu lassen. Düsternis durchstreifte seinen eigenen Blick, während er in der Schwärze, die auf ihn gerichtet war, hineinblickte.

Wie alt auch immer die Macht sein mochte, es schüchterte ihn nicht ein, sondern forderte ihn vielmehr heraus. Auch wenn die Schreie in seinem Geist unentwegt zerrten und der stete Fluss seines eigenen Blute nicht versiegen wollte. Er dachte nicht daran einen Schritt zurückzuweichen. Vielmehr kämpfte er dagegen an und konzentrierte sich und seine Macht einzig und allein auf sein Ziel, sodass die Schatten selbst um den Magier zunahmen. Ein Gespinst aus vollkommener Dunkelheit, die ihn immer mehr erfüllte, gar entstieg und ihn letztendlich wie eine finstere Heerschar umschwebte, bereit jederzeit seinem Geheiß zu folgen oder ihn mit Macht zu tränken.

„Oder möchtest du durch ihre Augen zu sehen, wie du zu nichts anderem als einer Schauergeschichte für kleine Bälger wirst?“

Einer Sache konnte kenna sich sicher sein. Adrian hatte keine Skrupel zu tun, was getan werden musste. Wie viel würde ihr Körper jedoch ertragen, bevor er aufgab? Es war am Ende an ihr, von innen heraus dagegen anzukämpfen. Sich nicht in einer vielleicht barmherzigen Finsternis treiben oder von einem trügerischen Versprechen verlocken zu lassen. Beides führte im Zweifelsfall unvermeidlich nur zu einem.

„Quid pro quo, oder?“

Adrians Finger ließen die Dunkelheit in seiner Hand immer wieder auftanzen, während er die Fesseln um ihren Körper fest umschlungen hielt. Jederzeit könnte er den bereits in Kennas Adern pulsierenden Fluch verstärken, welcher die verderbte Finsternis in ihrem Inneren verbrannte. Doch noch hielt der Magier sich zurück.

Er ließ sich allerdings keineswegs davon einnehmen, dass es Kenna war. Auch wenn er unterbewusst Sekunden schindete, um ihr Zeit zu verschaffen, hatte Adrian durchaus noch mehr im Sinn. Er wusste immerhin, dass das Amulett vernichtet worden war und der Dolch somit niemanden erwählen konnte. Seinen Drang konnte er nur durch jene stillen, die ihn fanden und sich in ihrer unbeherrschten Neugier von ihm zeichnen ließen. Ein kurzes Vergnügen für eine solche sadistische körperlose Macht, die frustrierend sein musste. 

„Und nun, wo ich Deine Aufmerksamkeit habe, die Alternative.“

Aus der Dunkelheit heraus kristallisierte sich ein Stein. Ein schwarzer Diamant, welcher sogar der Finsternis selbst den letzten Funken Lichts beraubte. Ein Geschenk, welches er stets bei sich trug und doch schien es nun vielleicht eine vollkommen andere Bestimmung zu bekommen. Das Auge im Zentrum des Sterns.

Mit einem Nicken deutete Adrian auf jenen Stein, welcher vor ihm zu schweben schien. Wohl kaum musste er dem Fluch des Bluttrinkers offenbaren, was er forderte und ihm bot, indem er das Amulett neu erschaffen lassen würde und der verwunschenen Waffe erlaubte einen Träger zu wählen. Eisig hielt er an dem besessenen Blick fest, bevor er mit kühler Stimme fortfuhr. 

„Ich sorge dafür, dass jemand dich führt und Dein Durst gestillt wird. Allerdings…“

Unmissverständlich formte er die Worte, welche mehr als entschlossen widerspiegeln sollten, dass es daran keinerlei Zweifel geben sollte. 

 „…Sie gehört mir.“
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Kenna de Vil
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#18

Beitrag: # 53364Beitrag Kenna de Vil »

Wortfetzen, Bilder, ja selbst Gerüche aus der Vision im Wald, zogen durch ihren Geist. Verhöhnendes Lachen und abfällige Beleidigungen ließen die Wut in ihr auflodern. Doch bereits Augenblicke später war da wieder nur Schwärze. Fort waren Wald, die Schergen und das wärmende Lagerfeuer. An deren Stelle trat eine kalte Leere, ein Nichts, was keinen Boden und keinen Himmel zu haben schien. Keinen Anfang und kein Ende.
Angestrengt versuchte sie etwas zu erkennen und lauschte. Doch da war einfach nichts! Die Wut, die sie gerade noch erfüllt hatte, wurde nun durch aufsteigende Panik ersetzt.

„Versprich mir, dass du kämpfen wirst.“ Adrians Worte streiften aus irgendeinem verborgenen Winkel ihr Bewusstsein. Als legte er selbst seinen mahnenden Finger unter ihr Kinn und bedachte sie mit diesem fordernden Blick, der kein Widerwort zuließ.
Und sie wollte sich an ihr Versprechen halten. Doch wogegen sollte sie hier ankämpfen?

Die Panik wiederum, wandelte sich in schiere Verzweiflung und drohte gnadenlos über sie hinweg zu schwappen, wie eine mitreißende Woge. Und sie hinauszuziehen in die endlose Weite dieses allumfassenden Nichts.

Doch halt! So einfach würde sie nicht aufgeben. All diese Gefühle, die sie sonst nicht einmal ansatzweise zulassen würde, um ein hundertfaches verstärkt... – war das alles nur eine Prüfung? Oder gar eine Ablenkung? Kenna begann zu schreien. Doch ihre Stimme wurde ebenso verschluckt, wie alles andere nicht zu existieren schien an diesem Ort. So rief sie immer wieder seinen Namen. Ihren Anker in jener Welt, in welche sie unbedingt zurückkehren wollte. Seinetwegen. Adrian!

~~

Während ihres inneren Kampfes, focht ihr Körper ganz andere Schlachten aus. Die brennende Glut unter ihrer Haut ließ sie regelrecht aufleuchten, scheinbar nur durch die dünne Barriere ihrer Zellen in Zaum gehalten und kurz davor durchzubrechen.

Mühelos richtete sich Kennas Hülle auf. Adrians dunklen Fesseln zum Trotz, als wären sie nichts als ein Windhauch. Gelassen erhob sich jene Macht und die Flammen hinter ihr im Kamin loderten auf, verbanden sich mit jener Glut zu einer Art Inferno, untermalt vom Donnergrollen.
Hier hatte nur einer die Kontrolle und das war die Waffe, die noch immer im Felsendom ausharrte und seine Fänge nach all jenen ausstreckte, die ihm nützlich sein konnten oder ihn nähren würden.

„Ich hatte sie schon so weit, bis IHR Euch einen Platz in ihrer Seele verschafft habt.“ Ein bösartiges Grinsen lag auf Kennas Zügen, als sie einen Schritt auf den Dunkelmagier zu trat. „Was sollte mich nun davon abhalten, mir einfach ein neues Gefäß zu nehmen?“
Die Lippen der Bognerin bewegten sich nicht durch die gesprochenen Worte. „Wie wäre es mit Euch? Eure Überheblichkeit gefällt mir. Es wird mir eine Freude sein, Euren Geist zu unterwerfen.“
In Adrians Kopf sollten die Worte zu eindringlichen Qualen werden. Nach seinem Verstand greifen und jenen fast an seine natürliche Grenze treiben.

„35 Seelen hat sie genommen, dieses kleine Persönchen. Es war so leicht sie mit der Aussicht auf mehr zu locken.“
Ein kreischendes Lachen ertönte, als amüsierte sich die Manifestation des Bluttrinkers über einen selbstgemachten Witz.

„Und womit lasst Ihr Euch Verführen, Magier?“

Ohne sich von Adrians kleinen magischen Manövern ablenken zu lassen, welche ohnehin keine Wirkung haben und lediglich Kenna schaden würden, lagen die blicklosen schwarzen Augen ungerührt auf ihm.

Doch als der Diamant in seiner Hand erschien und er die Bedingungen verlauten ließ, verstummten die Schreie in Adrians Kopf.
Mit einem Wimpernschlag legte sich jener Blick auf das Kleinod.
Endlose Minuten oder waren es gar Stunden, schienen zu vergehen. Zeit schien relativ geworden zu sein.
Kennas glühende Hand erhob sich, griff nach dem Gegenstand und verharrte dann doch mitten in der Bewegung, als hielte etwas sie zurück oder als könnte sie den Stein nicht einfach so berühren.

Nach einer gefühlten Ewigkeit erscholl die Jahrtausende alte Stimme erneut.
„Sie ist es also. Euer Schwachpunkt.“ Die Hand zog sich zurück und Adrians Schatten folgten dem glühenden Handgelenk. Hielten es getreu noch immer umwickelt, obwohl längst klar war, dass sie keine Wirkung hatten. Wie Schattenarmreife, ein magischer Zierrat, mehr nicht.

„Ich willige ein. Ihr sorgt dafür, dass ich bekomme was ich will und ihr bekommt, was von der kleinen Bognerin übrig ist.“
„Fast bedauerlich, ich hätte so gerne erlebt, wie sie sich im Blutrausch dem Irrsinn anheimgegeben hätte.“ Ein schrilles Lachen, hallte wie splitterndes Glas durch Adrians Geist und sollte ihm ziemliche Kopfschmerzen bescheren, ihm regelrecht den Verstand rauben.
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Dem einen gehorche ich. Dem einen folge ich. Dem einen diene ich.
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Lorena
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#19

Beitrag: # 53365Beitrag Lorena »

Derweil in den Hallen der Legion

Zufrieden, dass die kleine Mistemade endlich einen Lichtblick sah, verließ sie die Räumlichkeiten des Kindes. Nun lag es an Freya, dass sie ihren Weg
ebnete und nach ihren Bedingungen formte. Natürlich war die Prophezeiung ein Teil von ihr, doch auch wenn sie ihrer Bestimmung folgen würde,
so musste sie für sich festlegen, in welchem Ausmaß sich diese Bürde in ihr Leben fügen würde und nicht anders herum.


Nachdem sich Lorena nun auch um diese Angelegenheit gekümmert hatte, war sie eigentlich auf dem Weg ihre eigenen Räumlichkeiten aufzusuchen,
doch dies schien ihr nicht vergönnt. Das Hausmädchen, welches sie neulich gelehrt hatte, wem ihre Loyalität gebühren sollte, eilte auf sie zu.
Offenbar war jene nun bestrebt, alle Erkenntnisse, die sie erlangen konnte, umgehend mit der Inquisitorin zu teilen. Lästig, wenn es sich nur um
belanglosen Tratsch handelte, dennoch in Teilen durchaus interessant. Heute berichtete sie ihr zum Beispiel, dass der Stallbursche Kevin, genauso wie
Seraja, seit einigen Tagen verschwunden waren. Angeblich wollte ihre Gildenschwester nur in den Wald, um die Vorräte der Kräuterküche aufzustocken,
doch dies benötigte wohl kaum mehrere Tage Zeit und Gesellschaft, insofern die beiden gemeinsam unterwegs waren.


Natürlich stand es jener frei, ihre Zeit, nach eigenem Ermessen zu verbringen, doch durchkreuzte ihre Abwesenheit eben auch Lorenas Pläne.
Ursprünglich wollte sie sich nämlich im Laufe des Tages bei der Magierin nach einem Gegenmittel für den Fluch erkundigen, der zusätzlich zu dem Fluch
des Bluttrinkers auf Kenna lastete.


In Anbetracht dessen, dass Adrian nicht nur erpicht darauf war, die Bognerin von diesem Fluch zu befreien, so war er auch nicht sonderlich angetan,
davon zu erfahren, dass im Grunde sogar zwei Flüche auf jener Person lagen. In ihrem Gespräch am Vortag, hatte er seinem Unmut entsprechend Luft
gemacht und schien nun nur umso entschlossener zu sein, Kenna von ihrer Last zu befreien. Lorena befürchtete jedoch, dass er dabei außer Acht lassen
würde, dass die Möglichkeit bestand, dass beide Flüche ineinander übergehen könnten, sodass er sie nicht einfach nur mit seiner Magie, schmerzhaft
aus dem Kreislauf der Bognerin, bannen könnte. Ein unbestimmtes Gefühl suggerierte ihr, dass der sonst so bedachte dunkle Magier, töricht genug war,
dieses Unterfangen auf eigene Faust anzugehen. In ihren Augen ein Himmelfahrtskommando, welches nur schief gehen konnte, doch war sie sich ebenso
bewusst, dass Adrian vermutlich nicht lange zögern würde, wenn Kennas Leben auf dem Spiel stand.


Aufgrund der Umstände, verwarf sie also abermals ihr Vorhaben sich auszuruhen und überlegte stattdessen, wie sie ohne Seraja an die notwendigen
Informationen kam. Auch wenn jene natürlich nicht ahnen konnte, dass Lorena sie aufsuchen wollte, kam sie nicht umhin, dass ihre Gedanken in eine
ziemlich zynische und düstere Richtung abdrifteten.


Wieder einmal stand sie mehr oder weniger alleine da, waren sie einst ein Gefüge, in dem eine Hand in die andere Griff, so schien derzeit alles einem
Wandel zu unterliegen. Alles war im Umbruch, nach und nach gestaltete sich innerhalb ihrer Reihen eine neue Struktur. Natürlich fand jedes Mitglied
der Legion auch in dem neuen Gefüge seinen Platz, doch auch wenn nach wie vor alle füreinander einstehen würden, so schien ein jeder in gewisser
Weise auf der Hut zu sein. Der Stachel des Verrats, saß tief und besonders bei Lorena war das Misstrauen inzwischen zu einem steten Begleiter
geworden und so verwunderte es sie auch nicht weiter, dass sich erneut eine gewisse Kälte in ihr ausbreitete. Im Gegenteil sie schien sie wie einen
alten Freund zu begrüßen, während sie noch im Flur verharrte, unschlüssig darüber, wie sie nun weiter vorgehen sollte.

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Adrian
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#20

Beitrag: # 53373Beitrag Adrian »

In der Hütte am Waldsee


Adrian beobachtete ruhig, wie die Gestalt der Bognerin umfangen von Glut, Schatten und Flammen sich vor ich erhob. Ein düsterer Glanz überschattete das Dunkel seiner Augen, während er zusah, wie mühelos sie sich aus seinen Fängen losriss, als hätte sie zuvor nur mit ihm gespielt.

Doch war dem so? Wenn ja, war es nahezu faszinierend, welch gewaltige Macht tatsächlich auf dem Dolch ruhte. Bedachte man, er würde nicht nur Kenna, sondern eine Vielzahl weiterer Seelen zeichnen, könnte er eine nahezu gnadenlose Armee führen, welche einzig der Vernichtung und Auslöschung folgen würde.

Nachdenklich fuhr Adrian sich über die Lippen, während er sehen konnte, wie das Glühen selbst an der Dunkelheit bleckte und sie, wenn auch nur langsam zu tilgen schien. Allerdings war Zeit vielleicht kostbar.

„Schwäche?“ Ein kühles Lächeln zeichnete seine Lippen. Er hatte den gebannten Blick durchaus bemerkt, ebenso wie das Zurückziehen der Hand, bevor jene den Stein selbst berühren konnte. Eine ausbleibende Geste, welche vieles bedeuten mochte. Eines jedoch sagte sie deutlich aus. Es konnte oder wollte ihm nicht zu nahe kommen.

„Wenn Ihr es so nennen wollt, dann teilen wir diese offenbar in diesem Augenblick. Ihr Herz steht immerhin, wie lange bereits still? Es braucht nicht mehr lange, dann ist sie nutzlos, nicht wahr?“

Abermals senkte Adrian seine Lider, als das Lachen in seinem Geist ertönte und abermals die Schreie sterbender Seelen sich in verzerrter Form wie Splitter in jenen hineindrängten. Unwirsch schüttelte der Magier den Kopf, um sich davon zu befreien. Konnte diese Ausgeburt eines dunklen Nichts mit diesem Gebaren aufhören oder wollte es ihn in den Wahnsinn treiben?

Für einen Augenblick selbst nach der Kontrolle suchend, entglitt ihm beinahe sein eigener Zauber. Im ersten Moment übermannt von jener grausamen Flut an lauten Stimmen, deren Einklang am Ende ein umso groteskeres Lachen formte, musste Adrian seine Beherrschung wahren. Auch wenn er selbst die besessene Hülle jenes Fluches für sich beanspruchte, so war dem Magier mehr als bewusst, dass nicht sie aus ihm sprach. Doch lag es ihm fern, ihrem Körper weiteren Schaden zuzufügen.

Seine Hand ballte sich zur Faust, wobei die Dunkelheit selbst sich in ihm versenkte und eins mit ihm wurde, bevor er mit einer einfachen Handbewegung eine Druckwelle nach vorn erzeugte, um Kennas Hülle zurückzuschleudern und stattdessen auf diese Weise zum Schweigen zu bringen.

„Was Euch abhalten sollte? Der Gedanke daran, dass es ein kurzes Vergnügen sein wird." Sie beide wussten, dass die Verderbnis selbst den Körper immer mehr heimsuchte und zeichnete. Nicht nur in Form von Nekrose, welche sich deutlich auf dem Arm der Jägerin sich deutlich hervorhob. Auch den Geist selbst befiel sie, sodass jene Gefäße nicht mehr als eine vergängliche Kurzweile versprachen, bis am Ende nichts mehr von ihnen übrigblieb.

Langsam strich Adrian sich abermals das Rinnsal aus dem Gesicht. Er spürte den Schmerz in seinem Kopf. Das Hämmern und Pulsieren seines eigenen Herzens, welches noch immer wie Donnerhall in seinen Ohren widerhallte. Offenbar gestaltete es sich schwerer als angenommen. Aber keineswegs würde er zurückweichen.

Seine Finger umschlossen das schwarze Juwel, bevor er langsam auf die Jägerin zuging. Den Stein zwischen sich und Kenna in der Hand haltend. Auch wenn er noch nicht wusste, ob oder welche Wirkung jener hatte, so war ihm die Gebanntheit zusammen mit der Zurückhaltung nicht entgangen.

„Wie lang wird Deine zugegeben auserlesene Wahl eines Gefäßes noch hilfreich sein?“ Eisig ließ er seine Stimme über seine Lippen kommen. Pragmatisch und fernab von jedweden Gefühlen, die er sich in Anbetracht dessen, dass er wusste, wozu der Stein in der Lage war, nicht erlaubte.

„Den Bogen kann sie kaum noch führen, wie lange braucht es also, bis der letzte Funken in ihr erlischt? Hm?“

Kühl taxierte Adrian sein Gegenüber, während er mit seinem Schatten Kennas Körper überragte. Unbeeindruckt, fast schon mit einer gewissen Form von Überheblichkeit, blickte er auf sie hinab, sodass Adrian mehr als deutlich sein gegenüber wissen ließ, dass er dann keinen Grund mehr hatte sein Wort zu halten und er nicht zusehen würde, wie der letzte Funken Lebens von dem Fluch selbst verzehrt werden würde. War es ein Spiel auf Zeit oder ein aufrichtiges Angebot? Dass sich die Macht von seiner Dunkelheit nährte, war ihm bewusst, aber dennoch konnte er ebenso erkennen, wie jene gleichzeitig davon ebenso zerfressen wurde.

„Eure Güte in Ehren. Aber es ist inakzeptabel.“ Der Sarkasmus in seiner eisigen Stimme war unüberhörbar, wenngleich man die Entschlossenheit hinter der Aussage selbst kaum anzweifeln konnte.
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#21

Beitrag: # 53378Beitrag -Freya- »

Nachdem Lorena ihr Zimmer verlassen hatte, schloss Freya ihre Augen. Nur für einen Moment, bis die Tür zufiel. Das Mädchen wusste, dass sie durchaus mit ihren Gedanken nicht alleine war, doch ging jeder auf seine Weise mit der Situation um.

Allerdings hatte Lorena mit jedem ihrer Worte recht. Egal, was geschehen war, ihre Lethargie änderte nichts an der Situation, geschweige denn, dass das ständige Grübeln es leichter machte.
Seufzend blickte Freya zu den aufwehenden Vorhängen, welche im kühlen Wind umhertanzten und den Raum mit frischer kühler Luft fluteten.

Nein, es wurde nicht besser. Sie verlor höchstens ihre Ziele noch weiter aus den Augen. Ihre Bestimmung, ihren Weg, der eigentlich nicht hier in diesem Zimmer ändern sollte. Sie wollte Antworten und nicht zuletzt war da noch Naheniel.

Ein kleines Lächeln spitze ihre Lippen in die Höhe, während ihre Augen den Sonnenstrahlen folgten.

Wenn man nur immer weiterging, führte einen der Weg irgendwohin. Wohin, nun, das wusste nur Ogrimar alleine. Doch konnte er sich sicher sein, dass jene Wendung sie nur umso entschlossener machte, ihrer Bestimmung zu folgen. Ein Schicksal, welches sie sich nicht eingebildet hatte und nur in ihren Träumen existent zu sein schien, sondern einer ganzen Dynastie zur Berufung geworden war. Doch wie und wo sollte sie anfangen.

Das Blau ihrer Augen folgte den Bewegungen der Vorhänge, welche noch immer im kühlen eindringenden Wind umherflatterten.

Vermutlich wäre ein Bad zunächst das Beste. Sie roch sicherlich wie ein Stall voller Skraugs. So brauchte sie sicher keinem Priester vor die Augen zu treten. Allerdings würden jene auch kaum so leicht zu finden sein.
Wenn Naheniel hier wäre, wüsste er sicher Rat. Obwohl Freya sich darüber im Klaren war, dass er die ganze Zeit von der Prophezeiung gewusst hatte und sein Interesse nur der Tatsache geschuldet gewesen sein konnte, dass sie der Schlüssel war, würde er ihr helfen. Was auch immer seine Gründe waren, er hätte sein Leben für sie gegeben. Er, dessen Schatten sie beschützt hatten, während eine ganze Stadt auf sie hinabgestürzt war.

Eine Dunkelheit, die sie immer wieder hatte spüren können, als wäre sie ein Teil von ihr und doch schien sie weit entfernt. Zu weit, als dass sie für sie greifbar war, egal wie sehr sie sich anstrengte, um nach jener zu suchen.

Resigniert hob das Mädchen ihre Wimpern und ihr Blick fiel auf den zertrümmerten Spiegel, dessen Rahmen nur noch wenige scharfe Kanten des reflektierenden Glases zeigte. Ausschnitte, die nur bruchstückhaft ihr eigenes Antlitz widerspiegelten. Je länger sie jedoch darauf zu schauen schien, desto mehr schienen die Bilder vor ihren Augen zu verschwimmen. Finsternis zeichnete sich ab, welche sich über die Spiegelung legten und für einen Augenblick sich wie eine Decke über ihr eigenes Abbild legen sollte.

 

Eine Dunkelheit, aus welcher heraus sich düstere grausame Tentakel erhoben, um sich um schlanke Handgelenke zu schlagen.
Freya jedoch sah nur Ausschnitte. Bilder, die verstreut in ihrem Zimmer zusammen ein Bild ergeben hätten.
Doch nun glich es vielmehr einem Puzzle.


„Was nutzt dir das Gefäß, wenn ich es töte?“

Hörte sie eine dunkle Stimme wie ein Rauschen, bevor sie erkannte, wen die Schatten umfesselt hielten und
wessen Worte sich in ihren Gedanken geformt hatten.


Kurz nur stockte dem Mädchen der Atem, bevor sie einen Schritt rückwärts zur Tür machte und jene aufriss, um auf den Flur zu eilen. Was immer das zu bedeuten hatte, es war eine Warnung. Eine Warnung, die sie nicht erneut ignorieren oder verschweigen sollte.

„Lorena!“ Kam es wie ein dringender Hilferuf über ihre schmalen Lippen, ehe sie hinter ihr herlief, um sie am Handgelenk zu packen.

Ihre zierlichen Finger umschlossen jenes mit eindringlicher Vehemenz, während ihre geweiteten großen Augen erschrocken zu ihr aufblickten. Das hatte sie nicht gewollt. Ihre Augen sahen auf ihre nackten Finger, während das Mal an ihrem eigenen Handgelenk für einen Wimpernschlag überzogen wurde von einem dunklen Schatten. Doch vermutlich sollte die Magierin in dieser Sekunde etwas vollkommen Anderes sehen, als das Mädchen vor sich oder ihren bestürzten Blick. In diesem Moment war es bereits zu spät.
   


Eine Szenerie, die in einer entfernten Hütte ihren Ursprung hatte. Ein Raum, der gehüllt war in Dunkelheit und lebenden Schatten,
welche Adrian und Kenna umgaben. Worte, welche in weiter Ferne gesprochen wurden und deren Fetzen
nur wie ein Flüstern die Gedanken der Magierin greifen sollten.
Doch nichts von dem wirkte wie ein gutes Omen.
    


Atemlos, riss Freya sich los, um für einen kurzen Augenblick die Wimpern zu senken. Sollte sie sich entschuldigen? Etwas sagen? Vielleicht, doch fehlte ihr hierfür in diesem Augenblick selbst die Luft und nicht zuletzt
die Worte selbst.
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri 


Geboren aus dem Wissen einer dunkler Vergangenheit - verblaßt mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Lorena
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#22

Beitrag: # 53380Beitrag Lorena »

In den Hallen der Legion


Je wurde sie aus ihren düsteren Gedanken herausgerissen, als sie die verzweifelnden Schreie Freyas vernahm. Aufgrund der gegenwärtigen Situation
alarmierte sie der fast hysterische Tonfall, den Freya an den Tag legte, umgehend. Noch Minuten zuvor war alles in Ordnung gewesen und es sah so aus,
als ob sich endlich alles fügen würde. Doch offenbar trog der Schein. Kaum hatte sie sich Freya zugewandt, umfasste ein kleines eiskaltes Händchen ihr
eigenes Handgelenk.

Im ersten Moment wollte sie das Kind fragen, was dies nun werden sollte und weswegen sie solch  einen Aufruhr veranstaltete, doch da formten sich
schon die ersten durchaus beunruhigenden Bilder vor ihrem inneren Auge. Binnen weniger Augenblicke wurde ihr ein Abbild des Grauens zu Teil, wenn dass
was diese Vision ihr suggerierte den Tatsachen entsprach, mussten sie schnell handeln.


Warum mussten sich momentan all ihre Vorahnungen selbstbewahrheiten? Was hatte der verdammte dunkel Magier nicht daran verstanden, dass er nicht
eigenmächtig handeln sollte und sie wohlbemerkt gemeinsam erst den einen und später dann auch den anderen Fluch, der auf Kenna lag, brechen mussten?
Aber nein, natürlich hatten ihre wohl bedachten Worte nur das Ego des gnädigen Herren angekratzt und nun wollte er offenbar etwas unter Beweis stellen.
Sich alleine dieser Angelegenheit zu stellen, würde im ungünstigsten Fall beiden das Leben kosten. Zum Glück konnte sie jedoch den Schauplatz des
Geschehens identifizieren, da sie vor geraumer Zeit selbst an jenem Ort Ruhe und Klarheit gesucht hatte.


Sobald Freya sich von ihr losgerissen hatte, verblassten die Bilder nach und nach und einen Moment sah sie das Kind mit undurchdringlicher Miene an.
Dies war definitiv nicht die erste Vision, die dass Kind hatte, sonst wäre sie niemals im Stande gewesen, jene so selbstverständlich und problemlos mit
Lorena zu teilen. Sowohl die Bilder aus der Hütte im Wald, als auch die Version selbst hinterließen ein pfaden Beigeschmack bei Lorena. Heimlichkeiten,
Lug und Betrug schienen dieser Tage an der Tagesordnung nun sein. Auch wenn beides für sich betrachtet nur Lappalien waren und vermutlich keine
böswilligen Intentionen hinter der Geheimhaltung stecken, triggerten sie etwas in ihr. Jede Entscheidung ob nun bewusst oder unbedacht getroffen,
hatte eben seine Konsequenzen. Doch welche dies in der gegenwärtigen Situation war, würde sich wohl erst an späterer Stelle zeigen.


Im hier und jetzt fehlte ihnen die Zeit dazu. Also verbannte sie ein weiteres Mal jegliche Emotion aus ihrer Stimme, versteckte ihre Gedanken hinter
einer Fassade aus Gelassenheit und Gleichmütigkeit und sah Freya auffordernd an. „Wir müssen uns beeilen, die beiden sind in höchster Gefahr.
Aber sei auf der Hut, auch für uns wird es gefährlich sein, am besten bleibst du im Hintergrund und nutzt deine Lichtmagie, um den Schatten ihren
Lebensraum zu nehmen. Doch ansonsten hältst du dich raus.“
Eindringlich und unmissverständlich sah sie das Kind nochmals an, bevor sie nochmal das
Wort ergriff. „Also dann, nutze deine Runensteintafel und in wenigen Minuten treffen wir uns an dem Steinkreis zu Rabenfels, von dort aus ist es noch
ein kleiner Fußmarsch, doch anders geht es nicht.“


Ohne weitere Worte zu verlieren, nutze sie ihrerseits die Runentafel und nachdem sie sich kurz orientiert hatte, schlug sie ohne umschweife den doch
recht unwegsamen Weg zu der abgelegenen Waldhütte ein. In der Annahme das Freya ihr schon folgen würde, sah sie sich unterwegs nicht weiter nach
ihr um, sondern folgte einzig und allein ihrem Instinkt, der ihr sagte, dass sie möglicherweise zu spät kommen würde.


Bei der Waldhütte angekommen, bemerkte sie die dunkle Magie, die gerade zu greifbar durch die Luft waberte, ein untrügerisches Zeichen dafür,
dass Gefahr in Verzug war. Ein wenig außer Atem stieß sie also die Tür auf und verschaffte sich einen Überblick über die vorliegende Gesamtsituation.
Die Szenerie vor ihren Augen glich jener aus der Vision und so kam sie nicht umhin grollend ihre Stimme zu erheben. „Adrian du bist ein verdammter Idiot.“
Zwar verstoß sie mit dieser durchaus charmanten Wortwahl gegen einen gewissen Verhaltenskodex, doch in Anbetracht der Umstände, konnte sie darauf
gerade keine Rücksicht nehmen.



 

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Kenna de Vil
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#23

Beitrag: # 53383Beitrag Kenna de Vil »

Der Präsenz des Dolches war es völlig egal, welchen Schaden sein Wirtskörper nahm. Er lechzte nur danach, endlich wieder im Kampf geführt zu werden. Er diente keinem Gott, einzig und allein der Tod, die Qualen und das Blut waren es, wonach es ihm dürstete. Schon früher war er dabei von machtgierigen Streitern geführt worden. Hatte etlichen Schlachten beigewohnt. Auf der einen und auf der anderen Seite.

Nur mit Hilfe des Amuletts, konnte es seinem Träger gelingen, nicht von der Kraft des Dolches aufgezehrt zu werden und das Verderben nur gegen seine Gegner zu richten, welches die Waffe mit sich brachte. Das Amulett, geschmiedet aus schwarzem Obsidian und verstärkt durch die Kraft eines Diamanten, der die Form eines sehenden Auges hatte, welches so dunkel und matt war, dass es das Licht selbst zu absorbieren schien.

Doch das Kleinod war vor vielen Jahren vernichtet und der Dolch versteckt worden, um zu verhindern, dass er je wieder sein Unheil über diese Welt bringen konnte. Lange Jahre war er regelrecht in Vergessenheit geraten und beinahe hatten die Gelehrten geglaubt, es handele sich lediglich um einen Mythos. Es hatte zwar Hinweise in den alten Schriften gegeben, aber aus gutem Grund hatte man die Puzzleteile bisher nicht zusammengefügt und jene verstreuten Hinweise verborgen gehalten, bis sich der Schleier des Vergessens immer mehr verdichtete.

Der Diamant, den Adrian gegenwärtig vor sich hielt, hatte zwar nicht die Form des sehenden Auges, doch musste er aus demselben Material geschaffen sein. Anders war seine Wirkung nicht zu erklären. Eine Wirkung, die die einzige Barriere zwischen dem Magier und der Macht darstellte, die verhinderte, dass sie auch auf ihn übergriff. Lediglich von den Schatten konnte sie zehren, die sich nach wie vor um sie wanden.

Der Dunkelmagier hatte völlig recht mit seiner Annahme, dass es ein kurzes Vergnügen darstellte, wenn es der Macht gelang, einen Menschen zu zeichnen. Zu schnell verbrauchte sich die fleischliche Hülle, doch war es sein Mittel zum Zweck, einen neuen Träger zu finden. Da die Bognerin zunehmend nutzlos für ihn zu werden drohte, sah er sich gezwungen auf den Handel des Dunkelmagiers einzugehen.

„Inakzeptabel?“ Ein einziges Wort, welches die Stimme in Adrians Kopf schneidend wiederholen sollte. Das Rinnsal seines Blutes, welches erneut aus seiner Nase rann, ein Zeugnis eben seiner Vergänglichkeit.

Just in dem Moment schwang die Tür zu der kleinen hölzernen Hütte auf und Lorena erschien atemlos im Türrahmen. Draußen tobte noch immer das Unwetter. Die sturmartigen Windböen, die mit Lorenas Eintreten in die Hütte eindrangen, fachten die Szenerie weiter an.
Die Flammen um Kennas Körper loderten bedrohlich auf und schienen mit Adrians Schatten zu verschmelzen, sich an ihnen noch stärker zu nähren. Gleichzeitig schwand die Helligkeit zusehends aus ihr.
Beißender Brandgeruch breitete sich in der kleinen Hütte aus, in Verbindung mit dunklem Rauch, der sich unter der Zimmerdecke sammelte.



Kennas Rufe verhallten ungehört und sie spürte, dass es sie nur unnötig Kraft kostete, deshalb verstummte sie schließlich. Für einige Augenblicke, ließ sie sich einfach treiben. Was konnte sie tun? Sie musste irgendwie zurück, musste die Oberhand zurückgewinnen, die uralte Macht zurückdrängen. Doch wie sollte sie es anstellen? Sie war keine Magierin, keine Seherin oder sonst etwas Vergleichbares. Ihre Fähigkeiten beschränkten sich auf ihr körperliches Können, doch was tat man, wenn man scheinbar keinen Körper mehr hatte?

Du hast immer noch deinen Verstand. Also streng dich an! Denk nach!

Sie hätte wohl tief Luft geholt und die Augen geschlossen, wenn beides hier auf dieser Ebene der Existenz vorhanden gewesen wäre. Doch so blieb ihr nur, ihren Geist zu beruhigen und sich dann zu konzentrieren. Sie erinnerte sich daran, wie sie auf der Jagd manchmal stundenlang bewegungslos im Schatten ausgeharrt hatte. Wie sie sich völlig auf ihr Ziel fokussiert hatte und alles andere in den Hintergrund getreten war. Einatmen. Ausatmen. Verharren. Und dann in dem einen richtigen Moment zuschlagen.

So rief sie all diese Instinkte, die sie in so vielen Stunden verinnerlicht hatte nun ab. Und schließlich hörte sie etwas. Zunächst weit weg und dumpf, ganz so, als wäre es hinter einer dicken Mauer aus dem undurchdringlichen Nichts verborgen. Doch es war da!

„… verdammter Idiot.“
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Dem einen gehorche ich. Dem einen folge ich. Dem einen diene ich.
Doch dir, dir gehöre ich.
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Adrian
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#24

Beitrag: # 53384Beitrag Adrian »

In der Waldhütte


Die Schatten um Adrian wurden immer dichter und bedrohlicher. Er versuchte, sich zu konzentrieren, doch spürte er, wie seine eigene Magie ihm zu entgleiten drohte und die Verderbtheit selbst nach ihm greifen wollte. Das grausame Lachen, welches mit den Stimmen von tausenden sterbender Schreie in seinem Geist verspottete, schien beinahe übermächtig. Nur ein Funken Unbeherrschtheit und die Macht würde ihn gnadenlos überwältigen. Er konnte spüren, wie die Macht selbst an ihm zerrte, doch einen Schritt zurück, gab es nicht mehr.

„Inakzeptabel.“ Wiederholte er mit kühler Stimme, die keinen Einspruch zu erlauben schien. Adrian stand Kenna gegenüber. Er konnte spüren, wie das rote Rinnsal aus seiner Nase weiterhin unablässig floss. Doch lag sein Fokus einzig und allein auf der besessenen Jägerin. Der eisige, finstere Ausdruck in ihren kalten Augen hatte ebenso wenig noch etwas Menschliches an sich, wie ihre Stimme, deren grausames Echo fortwährend in seinem Geist widerhallte.

Wurde es ein Kräftemessen? Vermutlich keines, das Adrian gewinnen konnte. Zumindest nicht, ohne einen Preis dafür zu zahlen. Doch ließ er sich die Schwäche als solche nicht anmerken. Sein Blick verharrte düster auf dem besessenen Körper, dessen dunkle Macht sich von seiner sogar noch zu nähren schien.

„Du wirst mich brauchen.“ Ließ der Magier sie mit abschätziger Miene wissen. Ebenso, wie er sie brauchte. Zumindest, wenn sie es bis zu den Schicksalsweberinnen und ihren Fäden schaffen würden. Andernfalls blieb ihm noch die Alternative, die Waffe einzusetzen. Es wäre es ein Vergnügen, Naheniel den Dolch in den Leib zu rammen und zu sehen, wie sich die Verderbtheit der Waffe an seinem Blut satt trinken würde.

Langsam führte er den Stein zwischen sich und Kenna in die Höhe, sodass dessen dunkler Glanz in ihrer Mitte lag. Er durfte sich keine Schwäche erlauben. Dunkle Schatten schlängelten sich derweil an Adrians Armen entlang. Wie schwarzer Rauch umflossen sie ihn, um sich langsam um Kenna zu legen.

Herausfordernd hielt er an den kalten, unbarmherzigen Augen der besessenen Jägerin fest. Fesselnd und fordernd sah er sie an, während seine Finger den Stein fest in der Hand hielten. Seine Nasenflügel bebten, während das Blut zu Boden tropfte.

„Vis obscura. Malefica potentia in lapidem concludi…“

Seine Stimme gewann mit jedem Wort an Finsternis, während der finstere Nebel sich schattengleich immer mehr in dem Raum ausbreitete und der Stein in einem dunklen Glanz in seiner Hand erstrahlte. Doch mitten in seinen Worten flog die Tür auf. Gefährlich und warnend zugleich zügelten die Flammen auf, deren Schein umgeben von Rauch und Schatten einen bedrohlichen Anblick bieten sollten.

Ein Anblick, der todbringend erschien und es vielleicht sein würde. Langsam nur senkte Adrian die Lider für einen kurzen Moment. So kurz davor war er gewesen und nun? Es waren es nicht ihre Worte, die ihn aus der Konzentration rissen, sondern vielmehr das dröhnende Pulsieren ihrer Herzen. Ohne sich herumzudrehen, wusste er, sie war nicht allein. Er konnte es hören, verbunden mit der Dunkelheit war es beinahe greifbar. Wer war hier der Idiot? Er war so kurz davor gewesen, die Macht zu überzeugen, vielleicht sogar mit Hilfe Kennas in die Knie zu zwingen, da dieser verderbten Urmacht keine Wahl geblieben war. Bis jetzt.

„Wag es." Sagte er mit eiskalter Stimme. Ohne sich zu Lorena zu wenden, blickte er mit verdunkelten Augen entschlossen auf die Jägerin. „Es wird das letzte sein, was du tust.“
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#25

Beitrag: # 53386Beitrag -Freya- »

  
   
In einer Waldhütte
    


   
  
Selbstverständlich und problemlos? Lorena hatte scheinbar nicht die geringste Ahnung, dass es alles andere als gewollt gewesen war. Sie hatte ihr eigentlich nur von der Vision erzählen wollen, doch ein Moment der Gedankenlosigkeit oder vielmehr eine Berührung und es war zu spät.


Noch immer schlug ihr das Herz bis zum Hals, nachdem sie die Bilder unkontrolliert vorbeiziehen lassen musste. Ihr ganzer Körper war von diesem Kribbeln erfüllt, das die feinen Härchen auf ihren Armen aufstellte, wenn die Vorhersehungen sie überkamen.

Stoßweise kam ihr Atem hervor, während Lorena bereits gleichmütig, als wäre es alltäglich, von solchen Bildern heimgesucht zu werden, irgendwelche Anweisungen gab. Worte, die mehr ein Rauschen in ihren Ohren waren, als dass sie eine Form annehmen oder einen Sinn ergeben sollten.

Mit großen Augen sah Freya zu Lorena hinauf und nickte nur, als Lorena die von Runen gezeichnete Tafel hervorholte. Folgen. So viel hatte sie bewusst verstanden, woraufhin sie in ihr Zimmer lief, um die den alten Runenstein von ihrem Schreibpult zu reißen.

Kurz nur glitt ihr Blick durch den Raum, während sie Atem schöpfte und sich einen Moment sammelte, um das Gesehene für sich zu verstehen. Doch fehlte ihr das Wissen selbst darum, was in der Hütte vor sich ging. Bedacht legte das Mädchen ihre Finger auf dessen Oberfläche, ehe sie ihre Wimpern senkte. Ein tiefer Atemzug erfüllte ihre Lungen, bevor ihre Fingerspitzen in gekonnter Manier ein kunstvolles Symbol zeichneten. Sanft begann die Tafel unter ihrer Zeichnung aufzuglimmen. In einem mystischen bläulichen Licht spiegelte sich die Rune von Rabenfels wider, bevor der Schein das Mädchen einhüllte und mit sich trug.

Ein magischer Wirbel, der sie nur Sekunden später an einem alten Ort voller Magie wieder freigeben sollte. Zu deutlich spürte Freya ihre Ankunft, auch wenn sie ihre Lider gesenkt hatte. Eisig umfing die kühle Witterung ihren Körper, der nur durch eine dünne Robe geschützt wurde, während ihre nackten Füße den kalten Boden spüren konnten. Doch sie hatte keine Zeit darüber nachzudenken, sich selbst zu tadeln.

Lorena war bereits weitergegangen, sodass sie nur noch ihre Silhouette vor sich wahrnehmen konnte. Mit eiligen Schritten lief das Mädchen durch das Unterholz, während die Dämonenholzbäume um Graublatt herum ihre Ankunft Eindringen in ihr Territorium ansehen sollten. Ohne auf den Weg selbst zu achten, rannte Freya Lorena über Stock und Stein nach. Die Eile, welche jene gebot, unterstrich ihr eigenes ungutes Gefühl, sodass sie alles andere ausblendete.

Das Mädchen merkte nicht dabei, wie sich die scharfkantigen Steine in ihre Fußsohlen bohren sollten oder dornige Ranken sich in ihre Beine und Arme schnitten. Der Schmerz war ausgeblendet, spürte sie stattdessen etwas anderes. Ein dunkles, verdorbenes Gefühl, welches sie zu beherrschen begann.

Dunkle Nebelschwaden quollen durch die offene Tür und krochen über den Boden, als Freya Lorenas Stimme aus dem Inneren hören konnte.
  
„Adrian, du bist ein verdammter Idiot!“
  
Eisig und kalt züngelten die dunklen Schwaden an ihren Beinen, schlängelten sich an dem Mädchen vorbei, sodass Freya ihren klammen Dunst bis ins Mark spüren konnte.

Kurz fuhr sie sich über die Lippen. Das Herz raste ihr bis zum Hals. Nicht nur der Anstrengung wegen. Sie konnte die Dunkelheit spüren, die sie zuvor gesehen hatte. Adrian zusammen mit einem verzerrten Abbild Kennas, was sie in keiner Weise zu deuten wusste.

Vorsichtig trat sie näher heran, verunsichert, was sie tatsächlich erwarten würde. So anziehend sie selbst sie Finsternis empfand, genauso verkehrt fühlte diese sich an. Sanft nur berührte sie die Tür, während ihre nackten Füße leise einen Schritt vor den anderen taten.

Lautlos und ungemein bedacht blieb sie in Lorenas Schatten, während ihre Augen über Adrian hinweg zu Kenna sahen. Das Feuer loderte bedrohlich auf, umspielte sowohl die Jägerin als auch den Dunkelmagier, während ihre Schatten ineinander überzugehen schienen, als wären sie eins. Eine reine Finsternis, die sie umgab und doch konnte Freya die Verderbtheit fühlen. Eine widerwärtige, korrumpierte Macht, die lechzend im Raum schwebte. Grausam und erbarmungslos, genauso, wie sie es bei er Vision empfunden hatte. Aber was geschah hier?

Freyas Blick streifte unmittelbar auf Adrian, wusste sie, dass Kenna mit Magie selbst nicht viel zu tun hatte. Eine solche Macht schöpfte man jedoch nicht aus dem Nichts.

„...nutzt deine Lichtmagie, um den Schatten ihren Lebensraum zu nehmen. Doch ansonsten hältst du dich raus...“

Lorena schien im Gegensatz zu ihr sehr genau zu wissen, was vor sich ging. Noch immer wütend auf den Dunkelmagier, welcher Naheniel verletzt und sie hintergangen hatte, war Adrian der naheliegende Ursprung des Ganzen. Das unmittelbare Zentrum, auf welches sie sich fokussierte, nachdem auch die Worte der Inquisitorin ihn deutlich gerügt hatten.

Welchen Grund sollte er allerdings haben? Ogrimar, sie dachte schon wieder mehr, anstatt zu handeln. Was hatte Jeremias sie noch gelehrt? Zögern konnte in diesem Augenblick den Tod bedeuten.

Lorenas Anweisung waren allerdings eindeutig gewesen und Zeit zum Hadern oder Hinterfragen blieb ihr nicht. Ob sie jedoch wirklich die Macht dazu hatte, konnte Freya nicht sagen. Bislang waren es nur Spielereien gewesen, ohne tatsächlichen Ernst oder wahren Druck- ausgenommen ihrem Stolz, mit dem sie Adrian während der Lektionen begegnet war. Das hier, – es war etwas vollkommen anderes. Sie konnte die Macht förmlich greifen, jene Dunkelheit, die sie wie Nebel umhüllte.

Langsam trat das Mädchen an die Seite der Inquisitorin. Fixiert ruhte ihr Blick dabei noch immer auf Adrian, bevor sie einen tiefen Atemzug nahm, um ihre Gedanken und Zweifel zum Schweigen zu bringen.
Mit einer Handbewegung rief Freya instinktiv ihre lichte Magie herbei und ließ sie in einer spiralförmigen Bewegung um ihren Arm tanzen. Ein helles Schimmern, welches sie umspielte, als würde das Licht der Sterne sich inmitten der Finsternis um sie herum erheben und ihrem Ruf folgen.

Das Blau ihrer Augen verdunkelte sich, während sie fühlen konnte, wie die Zentren der dunklen Magie vor ihr nahezu pulsierten. Sowohl der Dunkelmagier, auf dem ihr Blick ruhte, als auch eine unerwartete Verderbnis, welche von Kenna Besitz ergriffen zu haben schien.

Sie musste wählen. Die Finsternis in ihren Augen spiegelte das goldene Licht in ihnen wider. Entschlossen hob sie die Hand und die Magie strömte aus ihren Fingern. Ein Schwall aus Licht, welcher sich um die Düsterheit selbst legte. Wie magische Ketten schlängelte es sich um die körperlose Schwärze, sodass der warme Schein mit dem eisigen Dunkel verschmolz. Ein Wirbel aus glitzerndem Licht und schillernder Dunkelheit, welcher das Mädchen in einem gegensätzlichen Verlauf und doch vereint zu umspielen begann.

Freya konnte es spüren, wie ihre Magie jenes verschlingende Licht nach der Finsternis griff. Mit jedem Atemzug, den sie vollzog, schwächte sie ihren Gegner spürbar, indem sie ihn selber Macht beraubte und dabei förmlich selbst daran erstarkte.

Nur langsam wandte sich dabei der verfinstere Blick des Mädchens auf Kenna. Fast golden spiegelte sich das Licht in dem Zentrum ihrer Augen wider, als würde Freya erst jetzt begreifen, wessen Macht sie tatsächlich schöpfte. Wessen unendlich tiefe Finsternis sich berauschend in ihrem Inneren sammelte.

„Du…“ Formten ihre Lippen ausschließlich, bevor ihre Wimpern sich senkten und das Licht, welches in einem spiralförmigen Nebel sich um die Dunkelheit legte, Kenna umhüllte. Ein einziges Wort, welches ihre Magie auf das gewählte Zentrum bündeln sollte, um sich dessen dunkle Magie und Macht zu nehmen.

 
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri 


Geboren aus dem Wissen einer dunkler Vergangenheit - verblaßt mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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