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Von der Ewigkeit der Zeit

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Landru
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Beiträge: 320
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Von der Ewigkeit der Zeit

#1

Beitrag von Landru » So 24. Nov 2019, 17:29

Erstaunlich wie Zeiten verrinnen. Ehe man sich versieht ist erneut ein Jahr vergangen. Der Krieg hatte Opfer gefordert, auf allen Seiten. Manche sind verschwunden, manche gefallen, alles in allen war die Festung geschrumpft. Manche Teile waren zerstört worden und es schien nicht nötig sie wieder so groß aufzubauen wie einst. Stattdessen hatte er mehr in die Verteidiung gesteckt. Die Mauern wieder hoch gezogen, die Türme ausgebaut und den Graben füllen lassen. Somit war die Festung kleiner geworden, aber sicherer. Auf dem Vorhof Platz stand ein Ankh, dass an jene erinnern sollte, welche im Krieg gegen die Fanatiker gefallen waren. Mancher hatte Namen in den schwarzen Stein gemeiselt. Er besuchte das Denkmal wann immer er vorbei kam, strich mit den Fingerkuppen über die Namen, wie im stillen Gedenken. 

Er war aus dem Krieg nicht unversehrt zurück gekommen. Selbst wenn er es korrigieren könnte, hat er es teilweise nicht getan. So waren manche Brandspuren auf dem Oberkörper geblieben. Latoria hatte er nicht getötet. Noch nicht. Bald würde er jedoch entscheiden müssen was er tut. Momentan ruhte sie. Er würde mit der einzigen Person sprechen, die geblieben war und der er immer noch vertraute, auch wenn sie ihre Streitigkeiten hatten. Seine Schritte lenkten vom Denkmal durch den breiten Flur des Schlosses. Er war ordentlich, aufgeräumt, die Schäden beseitigt, die der Krieg hinterlassen hatte. Einzelne Attentäter die vom Hochlord durch ihre Verteidigung gebrochen waren und doch das Schloss erreichen konnten. Einen Moment hielt er inne, ehe er zielsicher ins Arbeitszimmer schritt und das Buch der Namen vom Podest hob. All die Jahre hatte man es geführt, immer wieder erneuert. Namen ausgestrichen, neue eingefügt. Immer wieder, immer wieder.. es war Zeit diesen Kreis zu durchbrechen. Mit dem schweren Wälzer in der Hand suchte er das Kaminzimmer auf, dass noch geblieben war als Treffpunkt. Er setzte sich ans Feuer, aber mit genug Abstand um sein innerstes Tier nicht zu sehr zu reizen.

Der weißhaarige lenkte den Blick auf das Feuer, dass in den eigenen Augen schimmerte wie flüssige Lava. Dann öffnete er die Schnalle des Buches und strich über die Seiten des Buches. Namen, über Namen, eine über Generationen weite Geschichte. Ein Name blieb er besonders lange hängen. Yinglu..  sogar ein kurzes Zucken des Mundwinkels zeugte davon, dass selbst der Fluch nicht alles in ihm ausgemerzt hatte. Ein Funken blieb übrig. Ein Funken der ihn immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Die Finger folgten dem Lauf der Zeilen, landeten bei einem weiteren Namen. Desiree. Kurz kratzte der Nagel über den Namen. Es folgten andere flüchtigere Bekanntschaften, die nie den Funken berührten, aber in der Zeit ein wenig Abwechslung brachten. Doch statt wirklich zu studieren was im Buch stand, begann er die ersten Seiten heraus zu reißen und zerknüllte die Liste der Namen mit einer Hand und warf sie ins Feuer. Natürlich gab es Abschriften davon in der Bibliothek, aber gerade wollte er es vernichten. Ausbrechen.. aus dem Kreis der Aufzeichnungen und Namen. Die am Ende nur Worte auf Papier schienen. Oder ein Denkmal auf dem Hof. 

Wenn er etwas gelernt hatte in all den Jahrzehnten, die er auf Althea wandelte, als Mensch, als Ghul, als Vampir.. und Jäger, dann das die Existenz selbst immer Verlust beinhaltete. Man verlor etwas. Selbst das treuste und teuerste an seiner Seite ging verloren. Erneut knisterte das Papier als er die nächste Seite zusammen drückte. Ihr nachsah, wie das Feuer gierig nach dem alten Papier griff um es zu verspeisen. Im Moment war es ihm egal ob er dafür von Vater oder Mutter Ärger bekommen würde. Es sollte einfach fressen. Das Feuer sollte fressen und endlich den Lauf der Dinge ändern. Am Ende blieb nur Verlust. Er beneidete Mutter und Vater, die in all den Jahren immer zusammen geblieben waren. Egal was kam, sie waren eins. Sowas war selten, sowas war kostbar und er glaubte in der letzten Gefährtin gefunden zu haben was er suchte. Doch seit dem Krieg war auch sie nicht mehr gesehen, geschweige die Kinder oder der Ritter. Vielleicht haben sie die Insel verlassen, vielleicht war sie tot. Er wusste es nicht. Nur das sie nicht hier waren. Er brannte die nächste Seite mit Namen ab. Namen.. Erinnerungen.. leider ließ sich mit dem Feuer nicht alles auslöschen. Dieser eine winzige Funken der noch im Stande war zu fühlen und zu brennen, brennt schmerzlich. Aber er wusste es wird weitergehen, immer weiter. Immer wieder. So war der Lauf der Zeit. 

Das Gefühl jemand sieht ihn an lässt ihn langsam vom Feuer gen Tür sehen. Eine vertraute Gestalt. Doch zuletzt hatten sie ein eher angespanntes Verhältnis. "Stehst du schon lange da?" Hakte er nach, durchbrach die knisternde Feuerstille mit der eigenen tiefen Stimme.
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#2

Beitrag von Lillyth » Mo 25. Nov 2019, 19:53

Vieles war dem Krieg zum Opfer gefallen. Nur wenige waren nach der Schlacht zurückgekehrt und es blieb vorerst ein Rätsel, ob jene Vermissten am Ende ausgelöscht worden waren oder anderer Orts eine sichere Zuflucht gefunden hatten. Dennoch hatten sie durch ihr Fehlen Lücken hinterlassen. Für den einen mehr, für einen anderen weniger.  Aber sie waren dennoch für jeden spürbar.

Lillyth war in die Festung eingekehrt, um zu hören, ob es mittlerweile eine Bestätigung für den Tod des al Ad Bastards gab, denn auch wenn sie es sich nicht eingestand, so hatte sie auch etwas verloren und wollte nun jemanden dafür brennen sehen. Doch solange das Ableben des selbsternannten Hochlords nicht bestätigt war, schien die Obrigkeit des Clans noch mit der Exekution der Abtrünnigen zu warten. So wollte sie hören, ob es bereits Neuigkeiten gab. 

So folgte sie den Informationen der verbliebenen Dienerschaft und machte sich mit katzengleichen Schritten auf in Richtung des Kaminzimmers. Dort, wo der Regent sich zurückgezogen haben sollte. Ein Blick durch die halboffene Tür bestätigte dies,  während sie sich lautlos in den Rahmen lehnte und ihn dabei beobachtete wie er eine Seite aus dem Buch riss und in den Kamin warf.

Das Feuer loderte auf, während eine weitere Seite alten Pergaments seinen Weg hinein fand. Entspannt kreuzte Lillyth die Arme vor der Brust und betrachtete das doch recht ungewöhnliche Spektakel aus der ersten Reihe heraus ohne dabei auch nur einen Laut von sich zu geben.

Immerhin erkannte jene das Buch. Diesen schweren Wälzer und sie wusste um dessen Bedeutung, ebenso wie der Tatsache, dass viele Seiten von ihm gefüllt worden waren.

Bedrohlich spiegelten sich dabei die vernichtenden Flammen in dem Dunkel ihrer Augen wider, während sie ihn einfach nur beobachtete, wie er einen Namen nach dem anderen aus den Büchern tilgte und dem Feuer übergab. Eine Form der Verbitterung,  nahm sie an. Etwas, das in Zeiten des Trotzes auch von ihr hätte kommen können, besonders, weil sie zu gern den einen oder anderen Namen für immer aus der Geschichte heraus gebrannt hätte.

Erst als Landru ihre Anwesenheit bemerkte und sie ansprach, gab Lillyth eine Regung von sich. Leicht neigte die Tochter Kains ihren Kopf in spielerischer Manier zur Seite, so dass ihre blonden Locken über ihre Schulter hinweg nach vorne fielen und ihre jungen, aber kühlen Züge umrahmten. „Lange genug...“ antwortete sie mit dem Unterton einer Schwester, die ihren Bruder auf frischer Tat bei etwas Dummen ertappt hatte. Ihre Augenbraue war leicht hochgezogen, während sie ihn betrachtete. „... um Zeuge deines kleinen Akts der Verbitterung zu werden.“ 

Sicherlich hatte sie eine Vorahnung, was der Hintergrund seines Handelns sein mochte, eine Vermutung, die sie jedoch nicht direkt namentlich aussprach. Nein,  denn schließlich hatte ihr Gemahl selbst  vor dem Krieg ein ähnliches Vorhaben gehabt, welches einen Nerv bei dem Regenten hatte treffen und ihn mit etwas Glück auch zu Fall zu hätte bringen sollen. Ein Vorhaben,  als eine Form der gerechten Strafe dafür, dass man ihre Ehe immer wieder versucht hatte zu zerreißen. Aber es war alles anders gekommen. Doch verzeihen oder gar vergessen würde sie sein Handeln niemals, auch wenn im Augenblick durch die Geschehnisse eine Form von Waffenstillstand herrschte.

"Sei froh, dass ich nicht Enoia bin.“ Noch immer blieb sie in ihrem Urteil harsch und nannte jene noch immer einfach nur beim Namen. „Sie würde es als Affront am Andenken jener ansehen, die ihr Leben für den Clan gegeben haben... also nicht sehr rühmlich für einen Regenten..." Ein leichter Tadel schwang in ihrer Stimme mit, als sie ihre Mutter nachahmte, wobei sie sich einen Hauch von Sarkasmus einfließen liess, anstatt des vermutlich eher  angebrachten Ernst. Während sie sprach,  entschloss Lillyth sich offenbar dem kleinen Freudenfeuer anschließen zu wollen und trat in den Raum ein. Zielgerichtet bewegte sie sich dabei auf den Tisch mit dem Branntwein zu, um sich ein Glas einzuschenken und ihm beiläufig aber nicht minder bewusst die Möglichkeit einzuräumen, sich zu äußern.
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Shilana
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#3

Beitrag von Shilana » Do 28. Nov 2019, 09:12

Eben noch scheinbar kurz vorm Einschlafen wirkt es als reiße den Ghul jemand empor, so fährt er auf, bevor er sich hektisch daran macht die kleine Pforte in dem gewaltigen Tor zu öffnen. Und die Erleichterung ist ihm deutlich anzusehen, als offenbar wird, dass er es wohl rechtzeitig geschafft hat.
Ein kurzes Nicken in Richtung eben jenes Ghule, während sie den Hof des Schlosses betritt bevor sie nach ein paar Schritten innehält. Mit einer leichten Geste streicht sie die Kapuze ihres Umhangs von ihrem wilden Haar während ihr Blick über die verwitterte Fassade streicht.
Ungeachtet der letzten Geschehnisse hat es nichts von seiner Aura eingebüßt…uralt, verwittert, geheimnisvoll und düster. Allein der Anblick vermittelt die Botschaft, dass man sich besser fernhält. Und doch….auch wenn der Tod das Gemäuer bewohnt…kommt ihr der vergleich in den Sinn, wie es früher doch mit Leben erfüllt war. Nun sind nur wenige geblieben….sowohl von den Herren des Schlosses als auch vom Gefolge. Ein leises Seufzen ist zu hören, bevor sie weiter auf das Portal des Schlosses zu schreitet.

Oft waren ihre Streifzüge erfolglos…nicht die leiseste Spur von den noch immer Vermissten. Stattdessen stößt sie noch immer auf einzelne versprengte Lager von jener Armee, die mit dem Verschwinden ihres Anführers regelrecht zerfallen ist.
Ein kühles Lächeln streicht über die zarten Züge. Zumindest in jener Hinsicht war die Nacht erfolgreich gewesen. Nicht ohne eine gewisse Genugtuung hat sie beobachtet wie eines der Lager, eines der größeren, einem erfolgreichen Raubüberfall zum Opfer fiel. Eine Sorge weniger die man im Auge zu behalten hatte. Auch wenn der Gedanke an den Urheber des Überfalls das Lächeln aus ihren Zügen verschwinden lässt.
Sie schüttelt unwirsch den Kopf. Ihre privaten Belange tun in diesem Falle wenig zur Sache, auch wenn ihr deutlich bewusst ist, dass sie sich jenen und ihm über kurz oder lang würde stellen müssen. Aber wann und wo…das entschied sie.

An den Großen Eingangstüren angekommen, streicht ihr Blick kurz zum Stall, bevor sie entschlossen, fast gleicht es einer Flucht, das Schloss betritt. Den Gang zum Stall kann sie sich sparen, denn auch ihre geliebte Stute war aus der Schlacht nicht zurückgekehrt.

In der Großen Halle hält sie kurz inne…unschlüssig wohin sie sich wenden soll. Nun ja….allzu viele Räume werden im Schloss zurzeit nicht genutzt, also ist die Auswahl gering…und von allen erscheint ihr das Kaminzimmer noch am erfolgversprechendsten. Deutlich gemäßigten Schrittes macht sie sich auf den Weg durch die langen dunklen Flure.
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Landru
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#4

Beitrag von Landru » Sa 7. Dez 2019, 12:48

Er hielt inne damit Namen auf Papier zu verbrennen. "So ist die Zeit, nichts.. ist von Dauer, nichts währt ewig." Normalerweise. Sie bildeten da wohl eine Ausnahme. Jeder der ihren der lange genug seinen Kopf behält bildete eine Ausnahme. "Mutter wäre vermutlich nicht begeistert und doch, steht im Hof ein Denkmal.. das jenen Namen gedenkt. Unübersehbar." Was ihren Zorn vielleicht mildern wird, oder auch nicht. Er wusste es nicht. Namen auf Papier waren für ihn Namen auf Papier, immer schon gewesen. Wenn gleich ihre Bedeutung viel tiefer reichte und er es irgendwo sicher auch verstand. Die Zeiten haben sich gewandelt, wenn auch scheinbar schleichend wird ihm die krasse Veränderung jetzt wirklich bewusst. "Ich war letztens in der Ruine.. nichts ist übrig geblieben, sie ist komplett zerfallen. Erstaunlich wie Dinge, die solange so viel Bedeutung hatten, plötzlich bedeutungslos werden. Einfach.. ein Zeugnis von Vergangenheit." Die Fingerkuppen strichen über die noch verschonten Seiten des Buches. Ein leichter Gelbstich verriet das Alter dieses Werkes und so viele Namen von großer Bedeutung weckten ehrfurchtsvolle Gedanken. Manche Namen weckten zwar eine Erinnerung, aber das Gesicht dazu ist schon verblasst. Ein fahler Schimmer in den Gedanken eines alt gewordenen Untoten. Wie musste es da erst Vater oder Mutter gehen? "Selbst deinen Gemahl vermisse ich nun. Mir fehlen seine Anfeindungen.. seine Sticheleien, seine Paranoia ich würde ihm immer zu schaden wollen." Ein altes leidige Thema, aber immer noch aktuell. Er weiß Lillyth war noch immer nachtragend und es gab gewiss ein oder andere Dinge, die sogar berechtigt waren, wenn auch aus anderen Gründen als Verachtung. Doch war er müde geworden, stets die Erklärung zu geben und zu suchen, also ließ er sie im Glauben den sie so verzweifelt glauben wollen. 

Er klappte das Buch zu. "Melli ist auch  nicht zurückgekehrt, ebenso wenig wie mein Weib." Erklärte er nun doch mit dem niederschlagen der Augen. War vielleicht mehr Emotion im Spiel als er sich zugestanden hätte oder allgemein gelaubt hätte es zu empfinden. Zumindest was Melli betraf war die Bindung sehr eng geworden. Eine Art Verbundenheit, die weniger auf Liebe als auf Verwandtschaft fokussiert war. Doch wenn er an sie dachte, an ihre unbedarfte Art, die sie selbst in Jahrhunderten ihrer Existenz nie abgelegt hatte, obwohl sie stets ein kleines Mädchen geblieben war, versetzte es ihm einen Stich. Solange hatte sie dafür gekämpft ihn für sich zu gewinne, schließlich gewonnen und jetzt.. vermisste er sie sogar. "Die Kinder der Dame Niobe haben wir in einer Felshöhle versteckt.. zusammen mit einem Ritter. Als ich mich erholt hatte, war die Höhle leer. Vielleicht sind sie fort gegangen.. vielleicht wurden sie von umherziehenden Truppen des Hochlords gefunden." Schlimmer als Gewissheit zu haben, war dieses vielleicht. Vielleicht lebten sie, vielleicht waren sie tot, vielleicht gefangen? Vielleicht einfach gegangen. Vielleicht hatte Niobe den Avancen des Ritters nachgegeben, auch wenn er diese Möglichkeit fast ausschloss. Sie war nicht der Typ Frau, die sich nach wirklicher Liebe sehnte. Die Hand strich über das eigene Wappen, dass sich geringfügig verändert hatte seit ihrer Hochzeit. Den eigenen Familiennamen wollte er nie hergeben, also wurde das Wappen um die Signatur des Hauses Xyn ergänzt. 

"Vielleicht sind sie tot. Vernichtet und in den Winden des Krieges verstreut und niemand wird es mir sagen." Eine fürchterliche Ungewissheit. Denn es machte unsicher was zu tun ist. "So auch dein Gemahl, nicht wahr? Verschwunden?" Einen Moment schloss er die Augen rief sich das Bild des Kriegers in Erinnerung. Einer der wenigen die wirklich immer zwischen seinem Respekt und seiner Verachtung schwankten. Dann schien er die Erinnerung einfach zu ignorieren um seine Schwester direkt anzusehen. "Aber du hast überlebt.. es ist irgendwie schon eine Regel, dass WIR überleben. Egal welche Widrigkeit.. egal welches Chaos, am Ende bleibt das Geschlecht Kains, derer Vykos übrig." Ein Funkeln huschte über die rötlichen Iriden. Es war wie ein Tag der immer wiederkehrte. Ein immer gleiches Spiel. "Blicken wir also mit .. aufrechten Hauptes in die Zukunft." Ein bitteres Lächeln huschte über die Züge, denn auch das war nichts Neues mehr. Die Ewigkeit konnte lang werden und man verlor immer wieder was man schätzen gelernt hatte. Seits ein Kind, eine Frau oder den Schosshund. 
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#5

Beitrag von Lillyth » Sa 7. Dez 2019, 20:54

Während Lillyth den honigfarbenen Branntwein in eines der kristallenen Gläser einschenkte, gewährte sie ihm sich zu rechtfertigen. Sein Handeln - das Verbrennen des Buches, auch wenn es sie im Grunde nicht wirklich, ob die Seiten zu Staub und Asche wurden. Weshalb auch, denn es waren bis auf einige sehr wenige, die man an einer Hand abzählen konnte, nur unbedeutende Namen, nachdem sie sich mit dem Clan überschlagen hatte.

Bevor der Ruf des Krieges die Inseln ereilt hatte, hatte sie bereits beschlossen gehabt den Clan für immer zu verlassen. Lillyth hatte die Differenzen einfach als unüberbrückbar angesehen und die Wahl zwischen dem Clan und dem einzigen Mann für den sie je wahre Liebe empfunden hatte, war trotz aller Um- und Widerstände leicht gewesen. Nur die Kriegstrommeln und das kleine Wunder, ihre kleine Finsternis Neomi, hatten Norax und sie diesen Weg noch einmal  einschlagen lassen, ein letztes Mal für den Clan gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen.

Aber zu welchem Preis? Im Grunde teilten Landru und Lillyth ein ähnliches Schicksal, indem sie nicht nur ihren Gefährten, sondern ihre Kinder verloren hatten. Selbstredend, dass Lillyth ihren Schmerz als schlimmer ansehen würde, wenn sie ihn sich je eingestand. Für sie fühlte es sich nur einen Wimpernschlag entfernt an, als sie noch den Herzschlag Neomis direkt unter dem ihren hatte spüren können. Etwas, dass er niemals nachempfinden konnte. Ein Augenblick des vollkommenen Glücks, der nun je wie Staub zerfallen war. Und nun... Nein, sie würde sich nicht hinreißen lassen, auf Landrus Frage bezüglich Norax verschwinden einzugehen. Es war sowieso vermutlich nur rhetorisch gemeinte Spitze seinerseits, denn Landrus Schmerz war für sie offensichtlich, während Lillyth ihren eigenen nicht zulassen wollte.

Selbstredend hatte sie darüber nachgedacht, die Toten zu befragen, oder gar selbst einen Blick hinter den Schleier des Todes zu werfen, aber genau darin lag im Augenblick ihre größte Angst. Nein die Hoffnung war ihr vorerst dabei ein besserer Gefährte, als die vielleicht verfluchte Gewissheit. Immerhin war Norax immer eines Tages heimgekehrt, ein Glaube, an den sie sich auch jetzt klammerte, ebenso wie daran, dass er das Kind beschützte. Die quälende Frage, ob sie eines Tages wieder ein Teil davon sein würde oder aber es nur dieser kurze Moment sein würde an den sie sich für immer erinnern sollte, war da weitaus weniger schmerzhaft und gab ihr im Moment Kraft ihre Fassade aufrecht zu erhalten und die Stärke weiterzukämpfen. Zumindest bis sie vielleicht irgendwann den Mut und Willen aufbrachte,  sich auch dem schlimmsten Szenario zu stellen.

M
it dem Glas in der Hand schritt sie katzengleich auf einen der Sessel zu und liess sich auf der Armlehne nieder ohne ihren Gedanken Einzug auf ihre Züge zu erlauben. „Und nun, nach diesem schicksalsträchtigen Krieg sitze ich ausgerechnet mit Dir vor dem Kamin.“ Erwidert sie für einen Moment fast in alter gewohnt stichelnder Manier. Trotz aller Differenzen und der Verachtung, die sie für die Taten des Clans empfand, war sie dennoch hier. Somit verband sie offenbar noch immer ein Teil mit den ihren, auch wenn es ein verschwindend geringer sein mochte. Aber er war scheinbar da und reichte aus, dass sie wieder zurückkehrt war. Vorerst.

"
Weißt Du, als ich ein Kind war –jung, unschuldig und lebendig-, habe ich mich oft gefragt, weshalb viele es einen Fluch nennen.“ Kurz blinzelte die Tochter Kain im Schein des Feuers, als würde sie sich fragen, warum sie ihm das überhaupt erzählte. Aber da sie begonnen hatte, also musste es nun auch zu Ende bringen. „Heute meine ich darauf die Antwort zu kennen.  Alles was wir aufbauen und erschaffen, werden wir auch eines Tages zerfallen sehen. Es ist unser Schicksal, dass alles um uns herum vergeht, denn nichts in der Welt war je für die Ewigkeit gedacht. Und doch wagen wir es der Natur zu widersprechen und trotzen dem Ganzen.“

Ihre Stimme wirkte für einen Augenblick außergewöhnlich ruhig. In dem Zusammenspiel mit für sie solch ungewöhnlich philosophischen Worten, konnte es vielleicht schon fast ein wenig unnatürlich wirken, aber was spielte es für eine Rolle. Im Grunde hatte ihr Bruder mit seinen Worten Recht. Weshalb ihm also widersprechen oder eine Spitze verteilen? Kurz schwenkte sie ihren Kelch und hielt ihn gegen das Feuer, so dass es bernsteinfarben in dessen Schein schimmerte.  Es war ein sanfter Wimpernschlag, während sie den Blick ihres Bruders suchte, um seine Worte aufzugreifen.

„Ja, Du hast Recht, wir haben überlebt, aber wir müssen den Preis dafür bezahlen. Entweder wir lernen mit den Verlusten umzugehen oder wir gehen daran zugrunde.“

Sacht schwenkte sie das Glas in ihrer Hand ohne ihren Blick abzuwenden. Kurz dachte sie an die Zeit zurück, wo sie auch für ihn durchs Feuer gegangen wäre. Eine weit vergangene Zeit, in welcher sich inzwischen viele unüberwindbare Mauern aufgebaut hatten. Trotzdem, so pragmatisch wie er über Melli und Niobe sprach, fragte sie sich unverweigerlich, ob er je das gleiche für sie getan hätte, wie sie es für ihn bereit gewesen wäre zu tun oder ob er ihren Namen, wie jene aus dem Buch, einfach zu Asche hätte werden lassen. Mittlerweile war sie sich dahingehend sehr sicher bei ihrem jetzigen Verhältnis die Antwort zu kennen.

 „Ein wirklich hoher Preis in diesem Fall, besonders, wenn man bedenkt, dass Du diesen Bastard hättest töten können, als er noch ein Balg mit ein wenig Flaum um den Mund gewesen war.“ Kurz nippte die Tochter Kains an ihrem Glas. Der Blick hatte sich den Flammen zugewandt, welche sich im Dunkel ihrer Augen widerspiegelten. Niobe, nun der Bezug zu ihr war nie wirklich ein großer gewesen und nach allem, was sie gehört und gesehen hatte, war es ihr beinahe gleich und schon fast recht, dass sie fort war. Melli jedoch, nun das kleine Ding. Früher hatte sie sich ihr sehr verbunden gefühlt und ihr gegenüber einen Beschützerinstinkt gehabt. Jene hatte so vieles gesehen, durchgemacht und überdauert. Nein bei ihr hoffte ein kleiner Funke, dass sie eines Tages aus dem Nichts heraus wieder auftauchen würde.

Schließlich hatten sie immer irgendwie überdauert, waren gar auferstanden aus der Asche. Kurz reckte sie ihr Kinn und liess ihren Blick zurück auf ihren Bruder gleiten. Ein leichtes Funkeln huschte über ihre Augen, denn ein solches Szenario, wie dieses hier vor dem Kamin mit ihrem Bruder zu erleben, 
hätte Lillyth nach allem gesagten und geschehenen kaum noch einmal erwartet. Auch wenn sie sich die Spitze zu Castiel nicht hatte nehmen lassen.

Zudem war es nichts als die Wahrheit. Es hätte beendet sein können, bevor es eigentlich begonnen hatte. Trotzdem oder vielleicht nur deshalb und aus diesem Grund saßen sie nun hier zusammen und teilten ein Schicksal.

 „...aber was zählt ist, wir haben überlebt.“ wiederholte sie seine Worte, wobei dem Ganzen ein leicht schmerzhafter Unterton innewohnte, der schwer deutbar zwischen Ehrlichkeit und Sarkasmus liegen mochte. Etwas, dass man in manchen Fällen bei ihr nur schlecht einzuschätzen wusste und worauf nur Lillyth selbst die Antwort kannte.

Kurzerhand führte sie ihr Glas an die Lippen, um es zu leeren und damit auch direkt das Thema zu wechseln, bevor die Wunden wieder zu sehr schmerzen würden und sie vielleicht die Kontrolle oder am Ende gar noch ihr Gesicht und damit ihren Stolz verlieren würde.  Und außerdem gab es ja noch immer jemanden, an dem sie ihre Wut auslassen und ein Exempel statuieren konnten. „Apropos überlebt. Was wird nun eigentlich aus Latoria?“
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Shilana
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Registriert: So 19. Dez 2010, 21:01

Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#6

Beitrag von Shilana » Mo 9. Dez 2019, 13:49

Lautlos bewegt sie sich durch die Gänge, während sie wieder ihren Gedanken nachhängt.
Vielleicht weiß Landru etwas über Argonar...schließlich war jener an ihn gebunden. Eine vage Hoffnung, aber immerhin besser als keine. Vielleicht sollte sie auch in der Schwertfeste nach dem Rechten sehen. Und herausfinden, was es mit den Kindern auf sich hat, die Valia da in Sicherheit gebracht hatte.
Sie seufzt leise, während sie mit einer raschen Geste die wilden Haare zurückstreicht. Es hilft nichts…, wenn, wäre, hätte, vielleicht….alles was zählt sind die Tatsachen so wie sie sind…so unbequem oder schmerzhaft diese auch sein mögen.

Unverhofft stockt ihr Schritt und sie hebt lauschend den Kopf. Also hat ihr Gefühl sie nicht getrogen, als sich entschied diesen Ort aufzusuchen.Entschlossen geht sie weiter und kann nicht umhin die letzten Fetzen der Unterhaltung aufzufangen.

Zukunft? Haben wir denn eine Zukunft?

Natürlich…man hat immer eine Zukunft so man es denn will, aber sie ist müde, müde des Kämpfens, müde ein ums andere Mal jene zu verlieren die ihr wichtig waren…und doch würde sie nicht aufgeben…so schwer es auch fällt, den Weg weiter beschreiten.

Wir sollten sie behalten…solange das Schicksal des Bastards ungeklärt ist…wird sie sicher noch ihren Nutzen haben.

Erklärt sie mit der ihr noch immer eigenen Sanftheit in der Stimme, der auch die kühle keinen Abbruch tut, während sie das Kaminzimmer betritt.

Dem Blut zum Gruße

holt sie die gebotene Höflichkeit nach, während sie mit raschem Blick das Szenario zu erfassen sucht.

Das Verbrennen der Bücher bringt sie weder zurück, noch löscht es die Erinnerung..

Erklingt es ruhig nach einem kurzen Blick auf das Buch in Landrus Händen, bevor sie sich ohne zu Fragen Lilith anschließt, zumindest was die Wahl des Getränkes betrifft.
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