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Von der Ewigkeit der Zeit

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Landru
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Von der Ewigkeit der Zeit

#1

Beitrag von Landru » So 24. Nov 2019, 17:29

Erstaunlich wie Zeiten verrinnen. Ehe man sich versieht ist erneut ein Jahr vergangen. Der Krieg hatte Opfer gefordert, auf allen Seiten. Manche sind verschwunden, manche gefallen, alles in allen war die Festung geschrumpft. Manche Teile waren zerstört worden und es schien nicht nötig sie wieder so groß aufzubauen wie einst. Stattdessen hatte er mehr in die Verteidiung gesteckt. Die Mauern wieder hoch gezogen, die Türme ausgebaut und den Graben füllen lassen. Somit war die Festung kleiner geworden, aber sicherer. Auf dem Vorhof Platz stand ein Ankh, dass an jene erinnern sollte, welche im Krieg gegen die Fanatiker gefallen waren. Mancher hatte Namen in den schwarzen Stein gemeiselt. Er besuchte das Denkmal wann immer er vorbei kam, strich mit den Fingerkuppen über die Namen, wie im stillen Gedenken. 

Er war aus dem Krieg nicht unversehrt zurück gekommen. Selbst wenn er es korrigieren könnte, hat er es teilweise nicht getan. So waren manche Brandspuren auf dem Oberkörper geblieben. Latoria hatte er nicht getötet. Noch nicht. Bald würde er jedoch entscheiden müssen was er tut. Momentan ruhte sie. Er würde mit der einzigen Person sprechen, die geblieben war und der er immer noch vertraute, auch wenn sie ihre Streitigkeiten hatten. Seine Schritte lenkten vom Denkmal durch den breiten Flur des Schlosses. Er war ordentlich, aufgeräumt, die Schäden beseitigt, die der Krieg hinterlassen hatte. Einzelne Attentäter die vom Hochlord durch ihre Verteidigung gebrochen waren und doch das Schloss erreichen konnten. Einen Moment hielt er inne, ehe er zielsicher ins Arbeitszimmer schritt und das Buch der Namen vom Podest hob. All die Jahre hatte man es geführt, immer wieder erneuert. Namen ausgestrichen, neue eingefügt. Immer wieder, immer wieder.. es war Zeit diesen Kreis zu durchbrechen. Mit dem schweren Wälzer in der Hand suchte er das Kaminzimmer auf, dass noch geblieben war als Treffpunkt. Er setzte sich ans Feuer, aber mit genug Abstand um sein innerstes Tier nicht zu sehr zu reizen.

Der weißhaarige lenkte den Blick auf das Feuer, dass in den eigenen Augen schimmerte wie flüssige Lava. Dann öffnete er die Schnalle des Buches und strich über die Seiten des Buches. Namen, über Namen, eine über Generationen weite Geschichte. Ein Name blieb er besonders lange hängen. Yinglu..  sogar ein kurzes Zucken des Mundwinkels zeugte davon, dass selbst der Fluch nicht alles in ihm ausgemerzt hatte. Ein Funken blieb übrig. Ein Funken der ihn immer wieder in Schwierigkeiten brachte. Die Finger folgten dem Lauf der Zeilen, landeten bei einem weiteren Namen. Desiree. Kurz kratzte der Nagel über den Namen. Es folgten andere flüchtigere Bekanntschaften, die nie den Funken berührten, aber in der Zeit ein wenig Abwechslung brachten. Doch statt wirklich zu studieren was im Buch stand, begann er die ersten Seiten heraus zu reißen und zerknüllte die Liste der Namen mit einer Hand und warf sie ins Feuer. Natürlich gab es Abschriften davon in der Bibliothek, aber gerade wollte er es vernichten. Ausbrechen.. aus dem Kreis der Aufzeichnungen und Namen. Die am Ende nur Worte auf Papier schienen. Oder ein Denkmal auf dem Hof. 

Wenn er etwas gelernt hatte in all den Jahrzehnten, die er auf Althea wandelte, als Mensch, als Ghul, als Vampir.. und Jäger, dann das die Existenz selbst immer Verlust beinhaltete. Man verlor etwas. Selbst das treuste und teuerste an seiner Seite ging verloren. Erneut knisterte das Papier als er die nächste Seite zusammen drückte. Ihr nachsah, wie das Feuer gierig nach dem alten Papier griff um es zu verspeisen. Im Moment war es ihm egal ob er dafür von Vater oder Mutter Ärger bekommen würde. Es sollte einfach fressen. Das Feuer sollte fressen und endlich den Lauf der Dinge ändern. Am Ende blieb nur Verlust. Er beneidete Mutter und Vater, die in all den Jahren immer zusammen geblieben waren. Egal was kam, sie waren eins. Sowas war selten, sowas war kostbar und er glaubte in der letzten Gefährtin gefunden zu haben was er suchte. Doch seit dem Krieg war auch sie nicht mehr gesehen, geschweige die Kinder oder der Ritter. Vielleicht haben sie die Insel verlassen, vielleicht war sie tot. Er wusste es nicht. Nur das sie nicht hier waren. Er brannte die nächste Seite mit Namen ab. Namen.. Erinnerungen.. leider ließ sich mit dem Feuer nicht alles auslöschen. Dieser eine winzige Funken der noch im Stande war zu fühlen und zu brennen, brennt schmerzlich. Aber er wusste es wird weitergehen, immer weiter. Immer wieder. So war der Lauf der Zeit. 

Das Gefühl jemand sieht ihn an lässt ihn langsam vom Feuer gen Tür sehen. Eine vertraute Gestalt. Doch zuletzt hatten sie ein eher angespanntes Verhältnis. "Stehst du schon lange da?" Hakte er nach, durchbrach die knisternde Feuerstille mit der eigenen tiefen Stimme.
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#2

Beitrag von Lillyth » Mo 25. Nov 2019, 19:53

Vieles war dem Krieg zum Opfer gefallen. Nur wenige waren nach der Schlacht zurückgekehrt und es blieb vorerst ein Rätsel, ob jene Vermissten am Ende ausgelöscht worden waren oder anderer Orts eine sichere Zuflucht gefunden hatten. Dennoch hatten sie durch ihr Fehlen Lücken hinterlassen. Für den einen mehr, für einen anderen weniger.  Aber sie waren dennoch für jeden spürbar.

Lillyth war in die Festung eingekehrt, um zu hören, ob es mittlerweile eine Bestätigung für den Tod des al Ad Bastards gab, denn auch wenn sie es sich nicht eingestand, so hatte sie auch etwas verloren und wollte nun jemanden dafür brennen sehen. Doch solange das Ableben des selbsternannten Hochlords nicht bestätigt war, schien die Obrigkeit des Clans noch mit der Exekution der Abtrünnigen zu warten. So wollte sie hören, ob es bereits Neuigkeiten gab. 

So folgte sie den Informationen der verbliebenen Dienerschaft und machte sich mit katzengleichen Schritten auf in Richtung des Kaminzimmers. Dort, wo der Regent sich zurückgezogen haben sollte. Ein Blick durch die halboffene Tür bestätigte dies,  während sie sich lautlos in den Rahmen lehnte und ihn dabei beobachtete wie er eine Seite aus dem Buch riss und in den Kamin warf.

Das Feuer loderte auf, während eine weitere Seite alten Pergaments seinen Weg hinein fand. Entspannt kreuzte Lillyth die Arme vor der Brust und betrachtete das doch recht ungewöhnliche Spektakel aus der ersten Reihe heraus ohne dabei auch nur einen Laut von sich zu geben.

Immerhin erkannte jene das Buch. Diesen schweren Wälzer und sie wusste um dessen Bedeutung, ebenso wie der Tatsache, dass viele Seiten von ihm gefüllt worden waren.

Bedrohlich spiegelten sich dabei die vernichtenden Flammen in dem Dunkel ihrer Augen wider, während sie ihn einfach nur beobachtete, wie er einen Namen nach dem anderen aus den Büchern tilgte und dem Feuer übergab. Eine Form der Verbitterung,  nahm sie an. Etwas, das in Zeiten des Trotzes auch von ihr hätte kommen können, besonders, weil sie zu gern den einen oder anderen Namen für immer aus der Geschichte heraus gebrannt hätte.

Erst als Landru ihre Anwesenheit bemerkte und sie ansprach, gab Lillyth eine Regung von sich. Leicht neigte die Tochter Kains ihren Kopf in spielerischer Manier zur Seite, so dass ihre blonden Locken über ihre Schulter hinweg nach vorne fielen und ihre jungen, aber kühlen Züge umrahmten. „Lange genug...“ antwortete sie mit dem Unterton einer Schwester, die ihren Bruder auf frischer Tat bei etwas Dummen ertappt hatte. Ihre Augenbraue war leicht hochgezogen, während sie ihn betrachtete. „... um Zeuge deines kleinen Akts der Verbitterung zu werden.“ 

Sicherlich hatte sie eine Vorahnung, was der Hintergrund seines Handelns sein mochte, eine Vermutung, die sie jedoch nicht direkt namentlich aussprach. Nein,  denn schließlich hatte ihr Gemahl selbst  vor dem Krieg ein ähnliches Vorhaben gehabt, welches einen Nerv bei dem Regenten hatte treffen und ihn mit etwas Glück auch zu Fall zu hätte bringen sollen. Ein Vorhaben,  als eine Form der gerechten Strafe dafür, dass man ihre Ehe immer wieder versucht hatte zu zerreißen. Aber es war alles anders gekommen. Doch verzeihen oder gar vergessen würde sie sein Handeln niemals, auch wenn im Augenblick durch die Geschehnisse eine Form von Waffenstillstand herrschte.

"Sei froh, dass ich nicht Enoia bin.“ Noch immer blieb sie in ihrem Urteil harsch und nannte jene noch immer einfach nur beim Namen. „Sie würde es als Affront am Andenken jener ansehen, die ihr Leben für den Clan gegeben haben... also nicht sehr rühmlich für einen Regenten..." Ein leichter Tadel schwang in ihrer Stimme mit, als sie ihre Mutter nachahmte, wobei sie sich einen Hauch von Sarkasmus einfließen liess, anstatt des vermutlich eher  angebrachten Ernst. Während sie sprach,  entschloss Lillyth sich offenbar dem kleinen Freudenfeuer anschließen zu wollen und trat in den Raum ein. Zielgerichtet bewegte sie sich dabei auf den Tisch mit dem Branntwein zu, um sich ein Glas einzuschenken und ihm beiläufig aber nicht minder bewusst die Möglichkeit einzuräumen, sich zu äußern.
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Mutter ihres kleinen Sternenlichts Neomi ~ Tochter seiner Lordschaft Kain Vykos und seiner Gattin Enoia Vykos
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Shilana
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#3

Beitrag von Shilana » Do 28. Nov 2019, 09:12

Eben noch scheinbar kurz vorm Einschlafen wirkt es als reiße den Ghul jemand empor, so fährt er auf, bevor er sich hektisch daran macht die kleine Pforte in dem gewaltigen Tor zu öffnen. Und die Erleichterung ist ihm deutlich anzusehen, als offenbar wird, dass er es wohl rechtzeitig geschafft hat.
Ein kurzes Nicken in Richtung eben jenes Ghule, während sie den Hof des Schlosses betritt bevor sie nach ein paar Schritten innehält. Mit einer leichten Geste streicht sie die Kapuze ihres Umhangs von ihrem wilden Haar während ihr Blick über die verwitterte Fassade streicht.
Ungeachtet der letzten Geschehnisse hat es nichts von seiner Aura eingebüßt…uralt, verwittert, geheimnisvoll und düster. Allein der Anblick vermittelt die Botschaft, dass man sich besser fernhält. Und doch….auch wenn der Tod das Gemäuer bewohnt…kommt ihr der vergleich in den Sinn, wie es früher doch mit Leben erfüllt war. Nun sind nur wenige geblieben….sowohl von den Herren des Schlosses als auch vom Gefolge. Ein leises Seufzen ist zu hören, bevor sie weiter auf das Portal des Schlosses zu schreitet.

Oft waren ihre Streifzüge erfolglos…nicht die leiseste Spur von den noch immer Vermissten. Stattdessen stößt sie noch immer auf einzelne versprengte Lager von jener Armee, die mit dem Verschwinden ihres Anführers regelrecht zerfallen ist.
Ein kühles Lächeln streicht über die zarten Züge. Zumindest in jener Hinsicht war die Nacht erfolgreich gewesen. Nicht ohne eine gewisse Genugtuung hat sie beobachtet wie eines der Lager, eines der größeren, einem erfolgreichen Raubüberfall zum Opfer fiel. Eine Sorge weniger die man im Auge zu behalten hatte. Auch wenn der Gedanke an den Urheber des Überfalls das Lächeln aus ihren Zügen verschwinden lässt.
Sie schüttelt unwirsch den Kopf. Ihre privaten Belange tun in diesem Falle wenig zur Sache, auch wenn ihr deutlich bewusst ist, dass sie sich jenen und ihm über kurz oder lang würde stellen müssen. Aber wann und wo…das entschied sie.

An den Großen Eingangstüren angekommen, streicht ihr Blick kurz zum Stall, bevor sie entschlossen, fast gleicht es einer Flucht, das Schloss betritt. Den Gang zum Stall kann sie sich sparen, denn auch ihre geliebte Stute war aus der Schlacht nicht zurückgekehrt.

In der Großen Halle hält sie kurz inne…unschlüssig wohin sie sich wenden soll. Nun ja….allzu viele Räume werden im Schloss zurzeit nicht genutzt, also ist die Auswahl gering…und von allen erscheint ihr das Kaminzimmer noch am erfolgversprechendsten. Deutlich gemäßigten Schrittes macht sie sich auf den Weg durch die langen dunklen Flure.
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Landru
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#4

Beitrag von Landru » Sa 7. Dez 2019, 12:48

Er hielt inne damit Namen auf Papier zu verbrennen. "So ist die Zeit, nichts.. ist von Dauer, nichts währt ewig." Normalerweise. Sie bildeten da wohl eine Ausnahme. Jeder der ihren der lange genug seinen Kopf behält bildete eine Ausnahme. "Mutter wäre vermutlich nicht begeistert und doch, steht im Hof ein Denkmal.. das jenen Namen gedenkt. Unübersehbar." Was ihren Zorn vielleicht mildern wird, oder auch nicht. Er wusste es nicht. Namen auf Papier waren für ihn Namen auf Papier, immer schon gewesen. Wenn gleich ihre Bedeutung viel tiefer reichte und er es irgendwo sicher auch verstand. Die Zeiten haben sich gewandelt, wenn auch scheinbar schleichend wird ihm die krasse Veränderung jetzt wirklich bewusst. "Ich war letztens in der Ruine.. nichts ist übrig geblieben, sie ist komplett zerfallen. Erstaunlich wie Dinge, die solange so viel Bedeutung hatten, plötzlich bedeutungslos werden. Einfach.. ein Zeugnis von Vergangenheit." Die Fingerkuppen strichen über die noch verschonten Seiten des Buches. Ein leichter Gelbstich verriet das Alter dieses Werkes und so viele Namen von großer Bedeutung weckten ehrfurchtsvolle Gedanken. Manche Namen weckten zwar eine Erinnerung, aber das Gesicht dazu ist schon verblasst. Ein fahler Schimmer in den Gedanken eines alt gewordenen Untoten. Wie musste es da erst Vater oder Mutter gehen? "Selbst deinen Gemahl vermisse ich nun. Mir fehlen seine Anfeindungen.. seine Sticheleien, seine Paranoia ich würde ihm immer zu schaden wollen." Ein altes leidige Thema, aber immer noch aktuell. Er weiß Lillyth war noch immer nachtragend und es gab gewiss ein oder andere Dinge, die sogar berechtigt waren, wenn auch aus anderen Gründen als Verachtung. Doch war er müde geworden, stets die Erklärung zu geben und zu suchen, also ließ er sie im Glauben den sie so verzweifelt glauben wollen. 

Er klappte das Buch zu. "Melli ist auch  nicht zurückgekehrt, ebenso wenig wie mein Weib." Erklärte er nun doch mit dem niederschlagen der Augen. War vielleicht mehr Emotion im Spiel als er sich zugestanden hätte oder allgemein gelaubt hätte es zu empfinden. Zumindest was Melli betraf war die Bindung sehr eng geworden. Eine Art Verbundenheit, die weniger auf Liebe als auf Verwandtschaft fokussiert war. Doch wenn er an sie dachte, an ihre unbedarfte Art, die sie selbst in Jahrhunderten ihrer Existenz nie abgelegt hatte, obwohl sie stets ein kleines Mädchen geblieben war, versetzte es ihm einen Stich. Solange hatte sie dafür gekämpft ihn für sich zu gewinne, schließlich gewonnen und jetzt.. vermisste er sie sogar. "Die Kinder der Dame Niobe haben wir in einer Felshöhle versteckt.. zusammen mit einem Ritter. Als ich mich erholt hatte, war die Höhle leer. Vielleicht sind sie fort gegangen.. vielleicht wurden sie von umherziehenden Truppen des Hochlords gefunden." Schlimmer als Gewissheit zu haben, war dieses vielleicht. Vielleicht lebten sie, vielleicht waren sie tot, vielleicht gefangen? Vielleicht einfach gegangen. Vielleicht hatte Niobe den Avancen des Ritters nachgegeben, auch wenn er diese Möglichkeit fast ausschloss. Sie war nicht der Typ Frau, die sich nach wirklicher Liebe sehnte. Die Hand strich über das eigene Wappen, dass sich geringfügig verändert hatte seit ihrer Hochzeit. Den eigenen Familiennamen wollte er nie hergeben, also wurde das Wappen um die Signatur des Hauses Xyn ergänzt. 

"Vielleicht sind sie tot. Vernichtet und in den Winden des Krieges verstreut und niemand wird es mir sagen." Eine fürchterliche Ungewissheit. Denn es machte unsicher was zu tun ist. "So auch dein Gemahl, nicht wahr? Verschwunden?" Einen Moment schloss er die Augen rief sich das Bild des Kriegers in Erinnerung. Einer der wenigen die wirklich immer zwischen seinem Respekt und seiner Verachtung schwankten. Dann schien er die Erinnerung einfach zu ignorieren um seine Schwester direkt anzusehen. "Aber du hast überlebt.. es ist irgendwie schon eine Regel, dass WIR überleben. Egal welche Widrigkeit.. egal welches Chaos, am Ende bleibt das Geschlecht Kains, derer Vykos übrig." Ein Funkeln huschte über die rötlichen Iriden. Es war wie ein Tag der immer wiederkehrte. Ein immer gleiches Spiel. "Blicken wir also mit .. aufrechten Hauptes in die Zukunft." Ein bitteres Lächeln huschte über die Züge, denn auch das war nichts Neues mehr. Die Ewigkeit konnte lang werden und man verlor immer wieder was man schätzen gelernt hatte. Seits ein Kind, eine Frau oder den Schosshund. 
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#5

Beitrag von Lillyth » Sa 7. Dez 2019, 20:54

Während Lillyth den honigfarbenen Branntwein in eines der kristallenen Gläser einschenkte, gewährte sie ihm sich zu rechtfertigen. Sein Handeln - das Verbrennen des Buches, auch wenn es sie im Grunde nicht wirklich, ob die Seiten zu Staub und Asche wurden. Weshalb auch, denn es waren bis auf einige sehr wenige, die man an einer Hand abzählen konnte, nur unbedeutende Namen, nachdem sie sich mit dem Clan überschlagen hatte.

Bevor der Ruf des Krieges die Inseln ereilt hatte, hatte sie bereits beschlossen gehabt den Clan für immer zu verlassen. Lillyth hatte die Differenzen einfach als unüberbrückbar angesehen und die Wahl zwischen dem Clan und dem einzigen Mann für den sie je wahre Liebe empfunden hatte, war trotz aller Um- und Widerstände leicht gewesen. Nur die Kriegstrommeln und das kleine Wunder, ihre kleine Finsternis Neomi, hatten Norax und sie diesen Weg noch einmal  einschlagen lassen, ein letztes Mal für den Clan gegen einen gemeinsamen Feind zu kämpfen.

Aber zu welchem Preis? Im Grunde teilten Landru und Lillyth ein ähnliches Schicksal, indem sie nicht nur ihren Gefährten, sondern ihre Kinder verloren hatten. Selbstredend, dass Lillyth ihren Schmerz als schlimmer ansehen würde, wenn sie ihn sich je eingestand. Für sie fühlte es sich nur einen Wimpernschlag entfernt an, als sie noch den Herzschlag Neomis direkt unter dem ihren hatte spüren können. Etwas, dass er niemals nachempfinden konnte. Ein Augenblick des vollkommenen Glücks, der nun je wie Staub zerfallen war. Und nun... Nein, sie würde sich nicht hinreißen lassen, auf Landrus Frage bezüglich Norax verschwinden einzugehen. Es war sowieso vermutlich nur rhetorisch gemeinte Spitze seinerseits, denn Landrus Schmerz war für sie offensichtlich, während Lillyth ihren eigenen nicht zulassen wollte.

Selbstredend hatte sie darüber nachgedacht, die Toten zu befragen, oder gar selbst einen Blick hinter den Schleier des Todes zu werfen, aber genau darin lag im Augenblick ihre größte Angst. Nein die Hoffnung war ihr vorerst dabei ein besserer Gefährte, als die vielleicht verfluchte Gewissheit. Immerhin war Norax immer eines Tages heimgekehrt, ein Glaube, an den sie sich auch jetzt klammerte, ebenso wie daran, dass er das Kind beschützte. Die quälende Frage, ob sie eines Tages wieder ein Teil davon sein würde oder aber es nur dieser kurze Moment sein würde an den sie sich für immer erinnern sollte, war da weitaus weniger schmerzhaft und gab ihr im Moment Kraft ihre Fassade aufrecht zu erhalten und die Stärke weiterzukämpfen. Zumindest bis sie vielleicht irgendwann den Mut und Willen aufbrachte,  sich auch dem schlimmsten Szenario zu stellen.

M
it dem Glas in der Hand schritt sie katzengleich auf einen der Sessel zu und liess sich auf der Armlehne nieder ohne ihren Gedanken Einzug auf ihre Züge zu erlauben. „Und nun, nach diesem schicksalsträchtigen Krieg sitze ich ausgerechnet mit Dir vor dem Kamin.“ Erwidert sie für einen Moment fast in alter gewohnt stichelnder Manier. Trotz aller Differenzen und der Verachtung, die sie für die Taten des Clans empfand, war sie dennoch hier. Somit verband sie offenbar noch immer ein Teil mit den ihren, auch wenn es ein verschwindend geringer sein mochte. Aber er war scheinbar da und reichte aus, dass sie wieder zurückkehrt war. Vorerst.

"
Weißt Du, als ich ein Kind war –jung, unschuldig und lebendig-, habe ich mich oft gefragt, weshalb viele es einen Fluch nennen.“ Kurz blinzelte die Tochter Kain im Schein des Feuers, als würde sie sich fragen, warum sie ihm das überhaupt erzählte. Aber da sie begonnen hatte, also musste es nun auch zu Ende bringen. „Heute meine ich darauf die Antwort zu kennen.  Alles was wir aufbauen und erschaffen, werden wir auch eines Tages zerfallen sehen. Es ist unser Schicksal, dass alles um uns herum vergeht, denn nichts in der Welt war je für die Ewigkeit gedacht. Und doch wagen wir es der Natur zu widersprechen und trotzen dem Ganzen.“

Ihre Stimme wirkte für einen Augenblick außergewöhnlich ruhig. In dem Zusammenspiel mit für sie solch ungewöhnlich philosophischen Worten, konnte es vielleicht schon fast ein wenig unnatürlich wirken, aber was spielte es für eine Rolle. Im Grunde hatte ihr Bruder mit seinen Worten Recht. Weshalb ihm also widersprechen oder eine Spitze verteilen? Kurz schwenkte sie ihren Kelch und hielt ihn gegen das Feuer, so dass es bernsteinfarben in dessen Schein schimmerte.  Es war ein sanfter Wimpernschlag, während sie den Blick ihres Bruders suchte, um seine Worte aufzugreifen.

„Ja, Du hast Recht, wir haben überlebt, aber wir müssen den Preis dafür bezahlen. Entweder wir lernen mit den Verlusten umzugehen oder wir gehen daran zugrunde.“

Sacht schwenkte sie das Glas in ihrer Hand ohne ihren Blick abzuwenden. Kurz dachte sie an die Zeit zurück, wo sie auch für ihn durchs Feuer gegangen wäre. Eine weit vergangene Zeit, in welcher sich inzwischen viele unüberwindbare Mauern aufgebaut hatten. Trotzdem, so pragmatisch wie er über Melli und Niobe sprach, fragte sie sich unverweigerlich, ob er je das gleiche für sie getan hätte, wie sie es für ihn bereit gewesen wäre zu tun oder ob er ihren Namen, wie jene aus dem Buch, einfach zu Asche hätte werden lassen. Mittlerweile war sie sich dahingehend sehr sicher bei ihrem jetzigen Verhältnis die Antwort zu kennen.

 „Ein wirklich hoher Preis in diesem Fall, besonders, wenn man bedenkt, dass Du diesen Bastard hättest töten können, als er noch ein Balg mit ein wenig Flaum um den Mund gewesen war.“ Kurz nippte die Tochter Kains an ihrem Glas. Der Blick hatte sich den Flammen zugewandt, welche sich im Dunkel ihrer Augen widerspiegelten. Niobe, nun der Bezug zu ihr war nie wirklich ein großer gewesen und nach allem, was sie gehört und gesehen hatte, war es ihr beinahe gleich und schon fast recht, dass sie fort war. Melli jedoch, nun das kleine Ding. Früher hatte sie sich ihr sehr verbunden gefühlt und ihr gegenüber einen Beschützerinstinkt gehabt. Jene hatte so vieles gesehen, durchgemacht und überdauert. Nein bei ihr hoffte ein kleiner Funke, dass sie eines Tages aus dem Nichts heraus wieder auftauchen würde.

Schließlich hatten sie immer irgendwie überdauert, waren gar auferstanden aus der Asche. Kurz reckte sie ihr Kinn und liess ihren Blick zurück auf ihren Bruder gleiten. Ein leichtes Funkeln huschte über ihre Augen, denn ein solches Szenario, wie dieses hier vor dem Kamin mit ihrem Bruder zu erleben, 
hätte Lillyth nach allem gesagten und geschehenen kaum noch einmal erwartet. Auch wenn sie sich die Spitze zu Castiel nicht hatte nehmen lassen.

Zudem war es nichts als die Wahrheit. Es hätte beendet sein können, bevor es eigentlich begonnen hatte. Trotzdem oder vielleicht nur deshalb und aus diesem Grund saßen sie nun hier zusammen und teilten ein Schicksal.

 „...aber was zählt ist, wir haben überlebt.“ wiederholte sie seine Worte, wobei dem Ganzen ein leicht schmerzhafter Unterton innewohnte, der schwer deutbar zwischen Ehrlichkeit und Sarkasmus liegen mochte. Etwas, dass man in manchen Fällen bei ihr nur schlecht einzuschätzen wusste und worauf nur Lillyth selbst die Antwort kannte.

Kurzerhand führte sie ihr Glas an die Lippen, um es zu leeren und damit auch direkt das Thema zu wechseln, bevor die Wunden wieder zu sehr schmerzen würden und sie vielleicht die Kontrolle oder am Ende gar noch ihr Gesicht und damit ihren Stolz verlieren würde.  Und außerdem gab es ja noch immer jemanden, an dem sie ihre Wut auslassen und ein Exempel statuieren konnten. „Apropos überlebt. Was wird nun eigentlich aus Latoria?“
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Shilana
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#6

Beitrag von Shilana » Mo 9. Dez 2019, 13:49

Lautlos bewegt sie sich durch die Gänge, während sie wieder ihren Gedanken nachhängt.
Vielleicht weiß Landru etwas über Argonar...schließlich war jener an ihn gebunden. Eine vage Hoffnung, aber immerhin besser als keine. Vielleicht sollte sie auch in der Schwertfeste nach dem Rechten sehen. Und herausfinden, was es mit den Kindern auf sich hat, die Valia da in Sicherheit gebracht hatte.
Sie seufzt leise, während sie mit einer raschen Geste die wilden Haare zurückstreicht. Es hilft nichts…, wenn, wäre, hätte, vielleicht….alles was zählt sind die Tatsachen so wie sie sind…so unbequem oder schmerzhaft diese auch sein mögen.

Unverhofft stockt ihr Schritt und sie hebt lauschend den Kopf. Also hat ihr Gefühl sie nicht getrogen, als sich entschied diesen Ort aufzusuchen.Entschlossen geht sie weiter und kann nicht umhin die letzten Fetzen der Unterhaltung aufzufangen.

Zukunft? Haben wir denn eine Zukunft?

Natürlich…man hat immer eine Zukunft so man es denn will, aber sie ist müde, müde des Kämpfens, müde ein ums andere Mal jene zu verlieren die ihr wichtig waren…und doch würde sie nicht aufgeben…so schwer es auch fällt, den Weg weiter beschreiten.

Wir sollten sie behalten…solange das Schicksal des Bastards ungeklärt ist…wird sie sicher noch ihren Nutzen haben.

Erklärt sie mit der ihr noch immer eigenen Sanftheit in der Stimme, der auch die kühle keinen Abbruch tut, während sie das Kaminzimmer betritt.

Dem Blut zum Gruße

holt sie die gebotene Höflichkeit nach, während sie mit raschem Blick das Szenario zu erfassen sucht.

Das Verbrennen der Bücher bringt sie weder zurück, noch löscht es die Erinnerung..

Erklingt es ruhig nach einem kurzen Blick auf das Buch in Landrus Händen, bevor sie sich ohne zu Fragen Lilith anschließt, zumindest was die Wahl des Getränkes betrifft.
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Landru
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#7

Beitrag von Landru » Mi 18. Dez 2019, 12:11

Er strich über das Einband. Sicher war es falsch seinen Unmut an dem unschuldigen Buch auszulassen. "Ausgerechnet mit mir, so ist es. Dabei sollte es anders sein. Du solltest mit Gemahl und Kind vor dem eigenen sitzen.. und doch.. da sind wir nun. Die Geschichte wiederholt sich." Ein leichtes Lächeln huschte über die Züge. "Eigentlich wissen wir es ja. Wir existieren für jede neue Nacht. Wir wissen .. es werden welche fallen und andere überleben. So viele große Namen.. sind nur noch Erinnerung.. aber ihre Erinnerung macht sie wahrlich unsterblich, nicht?" Eine wahre Unsterblichkeit, jene Namen, die nie vergessen wurden, weil sie sich eingebrannt haben. Weil sie bedeutsames Geleistet hatten oder eben auch .. das Gegenteil. Er erinnerte sich oft zurück als sein Geist unruhig war, als er deutlich aggressiver war. Doch er war an so vielem gewachsen. "Wenn wir vorher wüssten was aus Kindern wird, hätte ich es vielleicht getan. Dann hätte ich die Brut ausgelöscht.. ohne zu zögern und doch, hat Melli mir sowas wie Achtung vor dem Leben beigebracht. Nun.. Achtung wäre vielleicht das falsche Wort, aber sowas wie.. Nachgiebigkeit." Und einmal mehr bereute er es.. 

"Er wäre nie groß geworden und hätte nie diesen Wahnsinn gehabt. Er hätte unsere Schwester nicht angesteckt mit seinen merkwürdigen Idiologien." Ein einfacher Dolchstoß oder Drehung mit den Händen, hätte es beenden können bevor es begonnen hätte. "Norax hat sich für dich entschieden.. ich hatte glaube ich .. die Hoffnung die Überlebenden täten es ähnlich." Wie närrisch. Zu glauben, dann man die Eltern tötet oder Kinder im Krieg groß werden, das sie keine Rache wünschen. Er musste gestehen, dass manche Emotion noch immer nicht ganz für ihn nachvollziehbar waren. Oder er sie falsch .. verstand. "So gesehen warten nun viele darauf.. was wir tun.. Argonar.. Kyrana.. Latoria. Ich schätze.. unsere Schwester wird vorerst unsere Gastfreundschaft genießen, bis wir uns erholt haben und wissen was mit dem Rest ist. Zeit ist.. für uns relativ, also.. vielleicht könntest du einen Bann wirken oder sowas, damit sie nicht flieht. Wer weiß was der Hochlord ihr alles für Unfug beigebracht hat." Er kannte sich mit Magie nicht aus, aber .. die Zauber waren mächtig gewesen. 

Der Blick richtete sich auf die Rose. "Kain mit dir Shilana.. und ja du hast Recht. Aber für einen Moment war es unglaublich befriedigend." Warum konnte er nicht sagen. Er betrachtete die Rose eine Weile. "Warum sollten wir keine haben? Wir sind hier.. wie schon seit Jahrhunderten. Sicher sind wir momentan nicht so stark wie einst, aber ist das wichtig? Wie viele wir sind solange wir einander treu sind?" Der Blick richtete sich auf Lillyth. "Wir haben alle möglicherweise viel zu viel im Krieg verloren.. aber wenn es der Preis ist, den wir für den Sieg zahlen müssen.. " Er machte eine Pause. "Dann ist es so.. und er wird gezahlt." Womit er wohl auch Melli und Niobe opfern würde, wenn der leidige Krieg damit sein Ende fand. Aber all jene Schicksale sind ungewiss. 

 
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#8

Beitrag von Lillyth » Fr 20. Dez 2019, 14:13

Den Worten Landrus folgend, erhob Lillyth sich ein weiteres Mal. Allein die Tatsache, dass sie hier in die Mauern des Clans verweilte, sorgte für den latenten Wunsch dies auf einen Alkoholrausch schieben zu können. Ein vergeblicher Wunsch und doch verleitete es sie unterbewusst es trotz allem ein weiteres Mal zu versuchen.

„Du hattest die Hoffnung die Überlebenden täten was?“ kam es fast ein wenig überrascht aus ihr heraus, doch verstummte sie umgehend nachdem sie bemerkte, dass der zynische Gedanke sich über ihre Lippen gestohlen hatte. Wohl kaum konnte er meinen, dass irgendjemand sich für sie entschieden und ihrem absolut exemplarisch hervorstechenden Beispiel an Loyalität entschieden hätte. Nein es waren seine wortwörtlichen Schafe gewesen. Bis auf wenige Ausnahmen, wie sie  sich aufgrund einiger Wendungen insgeheim hatte eingestehen müssen.

Kurz schüttelte sie mit den Kopf. Ob wegen der missverstandenen Worte oder gar Landrus restlicher Aussage über Tod, Verlust und Erinnerungen, liess sie dabei im ersten Moment nicht verlauten. Mit wenigen grazilen Schritten bewegte sich Lillyth auf den Tisch mit der Karaffe zu. Sacht strich sie ihre Locken wieder aus dem Gesicht wischte dabei gleichzeitig den Gedanken ihren Gefährten und das Kind an diesen unnützen Krieg verloren zu haben wieder von sich fort. Niemals.

Aber auch der Glaube liess weder die Sorge noch die Leere in ihrem erkalteten Herzen schwinden. Wie auch. Immerhin war er derjenige, in dem sie einen Seelengefährten meinte gefunden zu haben. Jemanden für den sie das unmögliche möglich machen würde, koste es was es wolle. Bei Kain, sie würde darüber kein Wort verlieren vor niemandem und erst recht nicht vor ihrem Bruder. Nein, nicht nach allem was geschehen war.

Also liess sie ihre kühle Miene auf dem Gesicht und spielte entsprechend ihre Rolle als Tochter des ersten so gut sie es verstand, auch wenn es noch immer einen bitteren Beigeschmack hatte. „Die Totgesagten leben länger mein Guter.“ Erwiderte sie kurz und knapp, während sie den Pfropfen aus der Flasche zog. „Trotzdem oder genau deswegen halte ich es für einen Fehler unnötig Zeit zu vergeuden.“

Ihr Blick wandte sich ihrem Bruder zu, den das Dunkel ihrer Augen einmal mehr warnend anfunkelte.

„Der Preis wird jedes Mal höher, Landru. Und irgendwann wird uns eine solche Nachlässigkeit den Kopf kosten.“ schalte sie ihn offen. „Wir sind nicht mehr viele. Und...“ das Dunkel ihrer Augen wanderte von Landru zu der eintretenden Shilana hinüber, „die Kluft, welche zwischen den unseren herrscht, hätte zuletzt kaum größer sein können. Bedenke allein, wie die Welpen unserem Vater gegenüber aufgetreten sind.“ Wo sie wieder bei den Schafen angelangt war.

Sicherlich erwähnte  Lillyth nicht ihr eigenes Zerwürfnis mit diversen Mitgliedern oder gar den Moment vor dem Krieg, in dem sie Landru ihr Wappen sprichwörtlich um die Ohren gehauen hatte. Schließlich hatten sich alle nicht mit Ruhm bekleckert und dennoch wähnte Lillyth sich noch immer im absoluten Recht. Und bei ihrem Blute es war weder etwas vergeben, noch vergessen.

Aber im Grunde sah sie in all dem den Auslöser für die Angriffsfläche, die der Clan seinen Feinden geboten hatte. Trägheit, Gnade und Inkonsequenz. Wenn es eine Zukunft geben sollte, dann würde sich etwas gravierend ändern müssen. Etwas, dass ihr Bruder und sie beide auch ohne es direkt auszusprechen, wussten, auch wenn sie dabei vermutlich an unterschiedliche Dinge dachten.


Es war ein kaum merkliches Nicken mit dem die Tochter Kains die Rose begrüßte. Es mochte vielleicht noch immer nach außen hin unterkühlt wirken, jedoch die Tatsache, dass sie kommentarlos ein weiteres Glas füllte, während ihr Bruder sprach, deutete auf eine leichte Wandlung ihrer Meinung hin.

Mit leicht hochgezogener Augenbraue hielt sie es Shilana entgegen, bevor sie selbst sich ein zweites füllte und es ihr gegenüber, wie zu einem stummen Gruß hin, erhob.

Wie amüsant, wenn man es von außen her betrachtete. Richter und Henker, die ihren Herrn Gemahl also versucht hatten zu bekehren und zu brechen, und sie trank hier zusammen mit ihnen Branntwein. Ein Idiot, wer nicht dahinter einen gewissen Eigennutz vermuten würde und sei es nur der simple Grund Schutz oder Informationen zu erhalten.

„Wir haben viel verloren und es wird noch mehr, wenn wir weitermachen wie bisher. Unsere Feinde wittern unsere Schwäche und zudem ...“ Ihr Blick wanderte von Landru zu Shilana hin und wieder zurück, während sie eine kurze Pause machte, „hat einer von euch die Leiche des al Ad Bastards gesehen? Kann irgendjemand den Tod des Hochlords bestätigen?“  Schwungvoll wandte sich Lillyth herum und setzte sich wieder auf die Armlehne des Sessels. Das Feuer spiegelte sich im Dunkel ihrer Augen wieder, welches die gesamte Iris ausfüllte. Noch nie gefiel ihr der Gedanke überhaupt eine Schwäche oder einen wunden Punkt eingestehen zu müssen, aber nun bevor sie sich wieder träge und müde in ihren Mauern herumflanieren würden, musste einer aussprechen, was niemand hören wollte. „Wir alle wissen, dass die Antwort 'Nein' lautet.“

Kurz nippte sie an ihrem Branntwein und liess nicht zu, dass der Gedanke sie heimsuchte, was gewesen wäre, wen sie einfach mit Norax und Neomi geflohen wäre. Kain hätte es ihr nie verziehen und gleich dem, wie tief ihre Loyalität gegenüber ihrem Gefährten verankert war, so war sie noch immer von Kains Blute und seine Meinung hatte eine Bedeutung für sie.

„Ich soll einen Bannzauber wirken?“ Leichter Unglaube lag in ihrem Blick,  während das Zucken ihrer Mundwinkel fast schon darauf hindeutenden mochte, dass sie ein Auflachen unterdrückte. Zum einen war das nicht unbedingt etwas, an dem sie sich bisher in irgendeiner Form je versucht hatte und sowieso war es auch der vollkommen falscher Ansatz. „Ist es das, was der Clan wieder vorhat? Gras über alles wachsen zu lassen? Ist es nicht vielmehr an der Zeit schnell und konsequent zu handeln? Ein Exempel zu statuieren?“ Aus ihrer Sicht war es deutlich ein grundliegender Fehler sich auf den Lorbeeren eines vermeintlichen Sieges nun auszuruhen und wieder in alte Gepflogenheiten und Trägheit zurückzukehren. „Verflucht Landru. Wir dürfen nicht nachlassen. Keine Schwäche zeigen. Und erst recht keine Angst, sondern Härte, Konsequenz und Stärke.“

Mit einem leichten Augenaufschlag wandte sie ihren herausfordernden Blick herum auf die Rose und ihren Bruder, den sie sehr wohl bewusst nicht als solchen titulierte oder ansprach. Und ja genau, sie unterstellte ihnen Schwäche und Angst, ob der Aussage die Dirne im Keller als eventuelles Druckmittel zu halten und abzuwarten. „Es wird Zeit, dass die Welt uns wieder fürchten lernt.“ kam es abschließend leise über ihre Lippen, bevor sie ihr Glas an jene führte, da sie vorerst überzeugt war, ihren Standpunkt zu dem Ausgang des Krieges deutlich gemacht zu haben. 
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Shilana
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#9

Beitrag von Shilana » Mi 25. Dez 2019, 13:01

Schweigend nimmt sie das Glas, bevor sie sich grazil in einen der Sessel niederlässt und ihr Glas gen Lillith erhebt. Allein dieser Umstand zeigt, dass die Tochter Kains nicht die einzige ist, deren Gesinnung hier und da eine leichte Wandlung zu durchleben scheint.
Welch ein Witz…genau betrachtet. Das was Landru an Nachgiebigkeit hinzugewinnt, scheint ihr verloren zu gehen. Als würde immer und jederzeit ein Ausgleich gesucht.

Genau aus diesem Grund Zweifel ich an jener Zukunft. Es hat einen derartigen Angriff gebraucht, um die Kinder Kains aus ihrer Lethargie zu reißen….die alten Werte wieder zu erwecken und der Preis, der gezahlt wurde war hoch.

Gibt sie zu bedenken. Den Welpen kann man kaum einen Vorwurf machen, denn wer hätte es sie lehren sollen, wenn niemand da ist, der ihnen Respekt und Benehmen beibringt. Ein Gedanke, der sie wieder zu den beiden Menschenkindern führt, die noch immer in der Schwertfeste verweilen. Sie sollte wirklich mal erkunden, was es mit eben jenen auf sich hat. Doch das wird warten müssen.

Es ist mir gleich was mit der Dirne passiert….doch auch in diesem Fall ist Wissen macht…

Ihrer gewohnt samtigen Stimme fehlt die Wärme, welche diese sonst stets in sich getragen hatte, und auch ihre Miene zeugt von einer gewissen Ausdruckslosigkeit, ohne dadurch jedoch die von Natur gegeben Schönheit einzubüßen. Nicht dass sie auf jene Schönheit noch angewiesen wäre, aber sie vereinfacht einiges doch hin und wieder….und mittlerweile hat sie auch keinerlei Skrupel mehr jene einzusetzen wann immer sie sich einen Vorteil davon verspricht.

Dem Bastard jedoch….ist sicher nicht gleich was mit ihr passiert. Und weiß er sie in unseren Händen wird er sie zu befreien versuchen.

Ob das gut oder schlecht ist mag dahingestellt sein.

Und wenn nicht…

Sacht zuckt sie mit den schmalen Schultern.

Können wir sie immer noch töten…

Tatsächlich zaubert der Gedanke ein Lächeln auf ihre Züge, während sie erneut am Glas nippt.In einem hatte Lillith tatsächlich recht…es wurde Zeit das der Clan wieder Zähne zeigt…allein der Name wieder für Furcht uns Schrecken sorgt, sich wieder den Respekt verschafft, der ihm zusteht.
Ein Gedanke den sie, vorerst, noch nicht ausspricht. Lediglich eine kurze zustimmende Kopfbewegung folgt den Worten Lilliths.
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#10

Beitrag von Landru » Mo 20. Jan 2020, 13:11

Er dachte einen Moment über Lillyths Argumente nach. War er weich geworden? Einst war er bekannt dafür unnachgiebig und grausam zu sein, aber ein wenig war von diesem Horror was verloren gegangen. Zugeben, er war ruhiger geworden. Nicht annähernd mehr so laut wie eins und so Streitsüchtig, aber daran war die Rolle, die er für den Clan übernommen hatte, nicht ganz unschuldig. Er musste lernen was es heißt Diplomatie und Kompromisse einzugehen. Ohne jenes wäre er nur ein Tyrann gewesen und das hätte auf lange Sicht den Clan zerstört. Auch wenn eine Hierachie immer wichtig war, war ihm wichtiger der Clan war aus freien Stücken einander loyal als erzwungen und selbst trotz dieser Einsicht, war er manchmal nicht in der Lage gewesen jedem das Gefühl zu geben, im Endeffekt gleich wertig zu sein. Lillyth Gatte gehörte dazu. Ein Unruhestifter.. rebellischer Geist, der fast schon systematisch seine Entscheidungen in Frage gestellt hatte. Doch Entscheidungen mussten gefällt werden, so oder so, ob sie allen zusagten oder nicht. War er weich geworden? Gnädig? Die Nachlässigkeit wie viele den Respekt gegenüber den Urvater mangeln ließen, hat ihn ebenso schockiert, aber die Zeit war ebenso ungeeignet darüber zu richten. "Ich gebe dir recht, dass wir keine Gnade zeigen sollten. Aber die Vernichtung, wäre ein Fehler. Zumindest was Latoria betrifft. Solange wir nicht wissen ob der Hochlord noch lebt. Shilana hat nicht unrecht, wenn er noch lebt, dann wird er seine .. Gespielin möglicherweise retten wollen. Verstehe mich nicht falsch, sie erfährt keine Gnade, weil sie meine Blutsschwester ist, sondern vielmehr wird sie der Speck mit dem ich die letzten Überlebenden aus ihren Löchern locken will.Wenn sie stirbt hat er keinen einzigen Grund sich zu zeigen. Dann wird er möglicherweise sich zurück ziehen, neue Kräfte Sammeln und erneut aufmarschieren." Er wiegte den Kopf. "Denn ja, es war ein Fehler sie am Leben zu lassen, wie wir jetzt wissen. Einst habe ich ein ganzes Waisenhaus vernichtet, denn jedes Kind wächst einmal und wird erwachsen und will Rache. Doch damals stieß mein Handeln auf wenig Verständnis. Jetzt.. versteht ihr es." So schließt sich der Kreis, wieso er einst keinen Unterschied zwischen Kind und Erwachsenen gemacht hatte. Wieso das Massaker von einst nötig gewesen war. "Erstaunlich wie sich Dinge wiederholen, nicht wahr?" Wobei er fairer Weise sagen musste, dass es damals nicht Lillyth war, die davon wenig angetan war. Eher diverse andere Vampire, die sein Vorgehen so hart verurteilt hatten. Nicht das es einen Unterschied gemacht hätte. "Schade das diejenigen nicht mehr daraus lernen können, die meine Entscheidung einst so anfechteten."

Noch würde Latoria existieren. Bis sie sicher waren was mit dem Hochlord geschehen war. Sie zu töten  könnte den einzigen Vorteil zerstören, den sie gerade hatten. Selbst wenn es keine Liebe war, so maß der Hochlord ihr genug zu, um sie als Besitz zu halten. Er selbst wusste aus Erfahrung, dass man Besitz nur sehr ungerne wieder hergab. Sie war eine Trophäe und bedeutete ihm was, wenn es auch kaum was mit der romantischen Liebe zu tun hatte, die viele glaubten zu sehen. "Bliebe noch Argonar und Kyrana." Er tippte mit den Fingern über den Einband des Buches. "Gras wird über alles wachsen, früher oder später. Aber nein.. wir werden nicht sitzen bleiben und warten, dass ein neuer Feind sich aus der Asche des alten Krieges erhebt. Wir werden die Überlebenden zusammen treiben. Sie sind Marionetten in den Händen der Heerführer, aber für uns können sie wenigsten noch Nahrung sein und einige werden wir für Experimente behalten. Wir brauchen Testobjekte um zu sehen was diese Halsbänder tun und wie sie funktionieren." Es war immer besser die Waffen des Feindes verstehen zu können. Diese Halsbänder schienen was besonderes zu sein. Fesseln.. die den Träger zu Gehorsam zwingen und bestrafen, wenn es verweigert wird. Das könnte wahrlich nützlich sein. "Oder wie sind eure Vorschläge? Wir sind wahrlich nicht mehr viele, aber.. das macht die Entscheidung, was wir tun leichter für alle zur Zufriedenheit zu treffen." Er beobachtete seine Schwester und die Rose. 

 
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Fenja
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#11

Beitrag von Fenja » Mi 22. Jan 2020, 20:58

Tropf. Tropf. Tropf. 

Sie wusste schon gar nicht mehr, wie viel Zeit vergangen war, seitdem sie hier unten mit ihrem kleinen Schatz gesessen war. Waren es Tage? Wochen? Gar Monate?  Was war schon die Zeit für jemanden der unsterblich war? Unwichtig. Vollkommen unwichtig. Viel wichtiger war es, mit wem man diese Zeit verbrachte. 

Tropf. Tropf. 

Weitere Wassertropfen lösten sich von der Decke der Kellerwand und fielen unaufhörlich auf den Kopf ihres kleinen Zitronentörtchens. Ganz nass war ihr dunkelbraunes Haar bereits, von den Tropfen, die sich dort langsam sammelten. Einen Menschen hätte es wahrscheinlich mit der Zeit verrückt gemacht, diese kalten Wassertropfen wie Nadelstiche auf der Kopfhaut zu spüren. Doch bei Latoria? Konnte sie noch verrückter werden, als sie es sowieso schon war? Fenja kicherte innerlich, wohl kaum. Aber wenn, dann würde es ihr eine diebische Freude bereiten, wenn sie es war, die dafür sorgte. 

Aber sie musste zugeben, es langweilte sie mittlerweile doch ein wenig, diesem sturen kleinen Biest dabei zuzusehen, wie es verbissen in eine Ecke starrte und versuchte, sie zu ignorieren und so zu tun, als würden ihr die Ketten in die sie gelegt war nicht ausmachen. Oder als würde es sie kalt lassen, nicht zu wissen, was mit ihrem kleinen Hochlördchen geschehen war. Ob er noch lebte oder längst am Grunde des tiefen Meeres lag und sein Körper dort langsam verrottete. 

Der Gedanke entlockte ihr ein verzücktes Kichern. Was für eine wunderbare Vorstellung wäre es, dass er, der dachte, er würde die Vampire zu Fall bringen nun von kleinen Fischen und Krabben angeknabbert wurde. Kleinste Lebewesen, die einen Mann in seine Bestandteile zerlegen, der sich einst für etwas Größeres hielt. Hach, wie schön wäre es, wenn dies der Wahrheit entsprach. Es würde ihr eine Freude machen, die Fische für Latoria zu fangen, die Castiel nun in sich trugen und ihr diese als Speise dar zu bieten. Doch sie wusste es besser. Nein, eine Absicherung gab es nicht, dass er nicht doch den Tod gefunden hatte, so schwach und demoliert wie sein Körper gewesen war. Doch alles was in jener Nacht geschehen war, sprach dagegen. Verspielt setzte sie sich bei dieser Erinnerung im Schneidersitz vor Latoria.
Umso mehr Freude würde es ihr bereiten, Castiel vor ihren Augen langsam einen Dolch in sein Herz zu stoßen und dabei das ewige Lebenslicht in ihren Augen erlischen zu sehen. Wie wunderbar würde dieser Tag nur werden. Wie einmalig würde es sein, sie endgültig brechen zu sehen. 

Ein weiterer Wassertropfen löste sich von der Decke, wanderte langsam von Latorias Kopf über ihre Stirn und hinab zu ihrer Nasenspitze. Fenja strich mit ihrem Zeigefinger den Wassertropfen von Latorias Nase und betrachtete diesen im schummerigen Licht der Fackeln. 

"Hach mein Zitronentörtchen... Ich genieße diese besondere Zweisamkeit mit Dir wirklich sehr. Aber Dein ständiges Schweigen ermüdet mich doch etwas. Geht es Dir etwa nicht gut?" fast schon besorgt legte sie den Kopf schräg. "Fühlst Du Dich hier nicht wohl? Sag es mir, wie kann ich Deinen Aufenthalt hier zu etwas ganz besonderem machen?" Mit diesen Worten griff sie nach einer dünnen Ratte, die gerade aus ihrem Loch gekrochen kam und laut aufquiekte, als sie den Griff um ihren kleinen Körper spürte. "Schmeckt Dir etwa das Essen hier nicht?" Sie hielt Latoria die dreckige Ratte unter die Nase. "Dabei gebe ich mir doch solche Mühe, Dich mit den besten Köstlichkeiten zu versorgen." Sie seufzte enttäuscht, als sie auf die Ratte blickte, die sich verzweifelt unter ihrem Griff hin- und herwand. 
 
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#12

Beitrag von Lillyth » Do 23. Jan 2020, 19:13

Ungewöhnlich ruhig hörte die Tochter Kains sowohl der Rose, als auch ihrem Bruder zu, liess sie ausreden ohne eine Bemerkung über ihre Lippen kommen zu lassen, während ihr Blick jedoch eisig auf dem Feuer ruhte, welches im Kamin prasselte.

Offenkundig sah die Tochter Kains manche Dinge anders. Daraus machte Lillyth keinen Hehl, doch wartete sie wohl wissend auf den richtigen Moment, um ihre Meinung kund zu tun, anstatt ihre Gedanken direkt auf der Zunge zu tragen.


“Der Durst nach Rache.” kam der Gedanke einem Flüstern gleich über ihre Lippen, als ihr bewusst wurde, dass Landrus Frage im Raum stand. Doch, bevor sie sich seinem kompletten Gedankengang widmen würde, wollte sie ihre Überzeugung nicht länger zurückhalten. Zu gut, wusste sie, wie tief der Durst nach Rache brennen konnte. Es war etwas, wofür die meisten Lebewesen ungewöhnliche Wege einschlugen oder gar ihre Existenz riskierten. Nicht wahr?Kaum merklich zuckte eine Augenbraue, als das Dunkel ihrer Augen sich vom Feuer löste und zu Landru glitt, als seine Worte sich dem Ende näherten. Doch die Flammen züngelten noch immer als Spiegelbild in ihnen wieder. Es machte also die Entscheidungen seiner Meinung nach leichter. Natürlich war dies auch eine Weise die Ausdünnung ihrer Art zu betrachten. Aber keine die sie offenbar teilte.“Ein Fehler sagst Du? Du nennst sie ein Lockmittel, ein Druckmittel gegen ihn. Interessant wie ihr es einzusetzen gedenkt. “ Ein leicht spöttisches Lächeln überzog ihre Lippen, während sie ihre Beine übereinanderschlug und einen tiefen Atemzug nahm.

“Ernsthaft? Shilana… Bruder?” Das Dunkel ihrer Augen wanderte von der einen auf den anderen. ”Auch wenn er uns nicht vernichten konnte, er hat uns vieles genommen. Er hat uns unsere Schwächen auf einem Silbertablett präsentiert und war kurz davor uns wie Maden zu zerquetschen in dem er sich genau diese zu Nutze gemacht hatte, eben weil er die Gelegenheit bekommen hat an Stärke zu gewinnen und nach Lücken zu suchen.”Mit einem Kopfschütteln quittierte sie die Einstellung der beiden, bevor ihr Blick von der Rose zu ihrem Bruder glitt. Entweder um bei ihm eine Regung zu entdecken oder aber um ihn direkt anzusprechen. Wie auch immer er es auffassen wollte.

“Ist es nicht langsam an der Zeit, dass wir die Regeln diktieren, anstatt nach der Pfeife irgendwelcher Sterblichen herumzutanzen. Wenn er dort draußen wirklich noch herumgeistern sollte, dann gebt ihm einen verfluchten Grund aus seinem Rattenloch heraus zu kriechen. Ein Ultimatum. Lasst ihm keine Zeit zum Atmen. Gönnt ihm keinen Moment Kräfte zu sammeln.“ kurz sog sie einen tiefen Luftzug ein, um sich zu bremsen und  nahm einen Schluck von dem Branntwein.„Sollte ich mich täuschen, dann schleppt sie meinetwegen ins Orakel oder macht mit ihr was ihr wollt, um Euer Faustpfand zu halten und einfach nur abzuwarten.” Mit einem Wimpernschlag und einem kurzen Lächeln, das sicher nicht der Heiterkeit entsprang, wandte Lillyth ihren Blick von den beiden wieder ab und zuckte nur kurz mit den Schultern. Sie hatte sich nicht einmischen wollen. Nie wieder. Die Schlacht sollte das letzte Mal gewesen sein, denn eigentlich war sie fertig mit dem Ganzen. Kurz schwenkte sie die honigfarbene Flüssigkeit in ihrem Glas und musste sich selbst belächeln.

"Da ihr aber bis zum Sankt Nimmerleinstag warten wollt,  bis er sie als Held in schimmernder Rüstung befreien kommt. Bitte. Dann gewährt ihm die Zeit sich zu sammeln.”  Kurz nippte sie an ihrem Glas, um den Rest ihres Gedankenganges hinunterzuspülen. Im Grunde ging es sie nichts an, aber ebenso wenig würde sie sich einem möglichen Aussitzen des Problems anschließen. Wenn dies der Plan ihres Bruders und der des Clans war, nun dann würde sie auf eigene Faust Jagd auf den Hochlord machen und vielleicht vorher noch dem Ding im Keller einen Besuch abstatten.

“Immerhin, wer bin ich, dass ich die Worte des Rates in Frage stelle.” kam es leise über ihre Lippen, womit sie das Thema um die Gespielin des Hochlords vorerst enden liess. Im Grunde war sie sich sicher, dass der Gedanke, der sie in ihren Gedanken kreiste, wesentlich subtiler und zweckdienlicher, als sie einfach verrotten zu lassen. Und ja es würde ihren Rachedurst auch ein wenig stillen.  Man hatte ihnen keine Zeit zum Handeln gelassen, also warum ihm diese nun gönnen, sofern er wirklich noch unter den Sternen wandelte.

Was Argonar und Kyrana betraf. Nun Lillyth wusste, dass sie den Rosen und nicht zuletzt auch  Argonar etwas schuldete und wenn sie etwas in er Regel tat, dann ihre Schulden begleichen. Und Kyrana? Nun jene, war im Grunde nicht ihr Problem, sondern das von Landru. Alles was sie beide verband war das Wissen um einen Botengang und ein kurzes Gespräch, bevor das Chaos ausbrach und jedwede Fürsprache für sie hatte jene abgelehnt.  Von daher würde sie einen Teufel tun und sich in das Chaos des Regenten einmischen. Etwas, das auch nicht nötig war. Da beide bisher nicht zurückgekehrt waren, war es vorerst irrelevant, sich darüber den Kopf zu zerbrechen.
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#13

Beitrag von Shilana » Fr 24. Jan 2020, 15:28

Sie schwenkt die goldene Flüssigkeit in ihrem Glas und beobachtet scheinbar fasziniert wie das Feuer diese scheinbar zum Leben erweckt.
Auch wenn ihre scheinbar unbeteiligten Gesichtszüge eher das Gegenteil vermuten lassen, lauscht sie sehr genau den einzelnen Ausführungen…den verschiedenen Ansichten und für ein kurzen Augenblick scheint sich ein Lächeln auf ihre Lippen stehlen zu wollen.
An und für sich haben beide Recht und beide auch durchaus vernünftige Argument für ihren Standpunkt.

Sie lehnt sich ein wenig in dem Sessel zurück und nippt an ihrem Glas, bevor sie ihre Aufmerksamkeit erneut dem Gespräch zuwendet und doch auch ihren eigenen Gedanken nachhängt. Der Hochlord hat sie wahrlich getroffen. Er hatte ihre Schwächen trefflich zu nutzen verstanden und der Clan hat den Preis dafür bezahlt…so wie jeder einzelne von Ihnen. Grund genug, um jeden Gedanken an Nachsicht oder gar Mitleid auszulöschen. Gedanken, die sich unablässig im Kreis drehen und doch weder an einen Punkt noch zu einem Ergebnis führen…ebenso wie das Gespräch, dem sie lauscht.
Ohne den Blick von ihrem Glas zu heben, fragt sie beinahe beiläufig.

Wie würde denn dein Plan aussehen Lillith?

Ihre sanfte Stimme wirkt beinahe fehl am Platze angesichts der hitzigen Diskussion und auch ob des Themas. Und doch...vielleicht aus eben diesem Grund...scheint sie den Raum zu beherrschen.
Es bedarf nur einer geschmeidigen Bewegung, um sich zu erheben und an den kleinen Tisch zu treten. Sie schenkt sich ein wenig nach bevor sie die Flasche gen Lillith erhebt. Sie wartet nicht auf die Antwort…füllt deren Glas einfach,bevor sie sich erneut in dem Sessel niederlässt.

Immerhin ist noch nichts entschieden

Eine Feststellung, die sowohl auch die Frage beinhaltet wie ihr Blick gen Landru offenbart.

Tatsächlich muss sie zugeben, das Lillith Argumente so einfach nicht von der Hand zu weisen waren. Im Gegenteil. Viele Attribute hatte sie schon vernommen, welche die Tochter Kains beschreiben sollten…doch dumm war mit Sicherheit keines davon.

Ein kühles Lächeln zeichnet die zarten Züge der Rose….und selbst in seiner Kühle vermag es immer noch zu bezaubern…so dass man fast geneigt ist die begleitende frage zu überhören.

Gibt es denn noch einen Rat?

Fragend ruht der Blick der ausdrucksvollen dunklen Augen auf Landru, während sie erneut scheinbar entspannt zurücklehnt und die Beine übereinanderschlägt.

Noch hat man keine sicheren Beweise wer zu den Opfern zählt. Und somit schwebt immer noch ein kleiner Funke Hoffnung im Raume….solange keine Überreste gefunden wurden, konnte jeder einzelne von Ihnen den Krieg überstanden haben. Eine schwache Hoffnung…doch ausreichend, um fortzufahren…nicht aufzugeben.Doch derlei Gedanken gehören ihr allein und würden sich zu dem eigentlichen Thema wenig hilfreich erweisen.
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#14

Beitrag von Landru » Fr 24. Jan 2020, 18:48

Sicherlich war er offen für Vorschläge. Lillyth hatte nie einen Hehl aus ihrer Meinung gemacht und das war gut so. Allerdings .. hatte sie eine merkwürdige Art es mitzuteilen. Eine die er nicht immer verstand. Der Wunsch sich rauszuhalten und doch dann die Entscheidungen anzuzweifeln war eben ein Widerspruch. Wenn man sich raus hielt, dann musste man damit leben, was entschieden wurde. Genau das hatte immer wieder Mitglieder davon getrieben. Sie hatten keine eigene Meinung, noch sie kund getan, aber unzufrieden, wenn die Entscheidung gefällt wurde. Dann zogen sie Konsequenzen, statt es vorher zu tun. Loyalität war, wenn man auch zu einander stand, obwohl einem nicht alles gefiel. Etwas was viele nicht begriffen haben. "Ein Ultimatum.. " Wiederholte er nachdenklich. "Latoria.. war eine von uns.. sicherlich auf dem falschen Weg, aber einst hat sie ihrem Vater sehr loyal und treu gedient, mehr als mancher anderer, der dennoch Chancen bekam, seine Fehler zu tilgen. Obwohl er sie nie sah.. " Natürlich spielte er auf Norax an. Ein Rebell.. es war kein Problem ein Rebell zu sein, allerdings war er es müde gewesen irgendwann. Lillyth möchte sich nicht einmischen, nie mehr. Sie wollte gehen, dem Clan den Rücken kehren, wegen eines Mannes.. war das nicht nach den alten Gesetzen ihres Vaters auch Verrat? Natürlich stand das gerade nicht zur Diskussion, aber ihm war diese.. Doppelmoral öfter schon aufgefallen. 

"Es ist nie falsch.. und das habe ich oft genug gesagt, dass ich langsam wahrlich müde werde, es zu wiederholen, noch dafür zu kämpfen, dass es endlich in euren Schädel geht. Egal ob Rat oder Regent.. es ist egal.. denn ihr seid ein Teil davon und ich habe nie Maulsperre verhängt oder?" Schnaubte er doch ein wenig genervt. "Du hast Recht.. wir sollten nicht warten bis er sich erholt, wenn er sich noch erholen kann. So wenig wie sie Druckmittel ist für ihn, dürfte es ihn auch nicht schmerzen sie sterben zu sehen. Aber was solchen Menschen weh tut.. oder was auch immer er ist, ist.. ihren Besitz zu zerstören. Nicht in Form von Tod.. in Form von.. Veränderung. Er hat irgendwas in ihr Gesehen und vielleicht ist das mit dem Orakel gar nicht so .. abwegig. Was wenn sie nicht mehr ist was sie vorher war, was er so an ihr mochte. Würde es ihn nicht .. reizen, wenn man sein Eigentum verändert. Ich denke nur nach.. denn im Gegensatz zu vielen ist der Tod .. keine Strafe in meinen Augen. Die Vernichtung der Existenz ist viel mehr eine Art sich aus der Verantwortung zu stehlen. Den Kopf abschlagen.. ist ein Moment.. der innerhalb eines Augenblickes vorbei ist. Aber was, wenn sie jede Nacht ein wenig stirbt oder jede Nacht aufs neue." Der Hochlord wollte sie auslöschen. Sicher wäre es einfach das ebenso zu handhaben. "Du bist die Tochter Kains, somit hast du durchaus ein Recht.. tu nicht so als wäre es anders." Erwidert er ebenso schneidend. Nein, zwischen ihnen war noch lange nicht alles wie einst. Wird es vielleicht nie wieder sein. Manche Dinge.. veranlassten ihn zu bereuen, jemals das Erbe angetreten zu haben, auch wenn Erbe zu viel gesagt ist. "Wir haben uns.. die Zukunft ist nicht geschrieben, nicht mal in den Traditionen. Im Laufe der Jahre sind wir weniger geworden. Ich habe verzweifelt versucht.. die wenigen zusammen zu halten und das stieß nicht immer auf Gegenliebe. Vielleicht  bin ich damit gescheitert." Er machte eine kurz Pause. "Ich bin damit gescheitert und habe gerade die letzten nicht mehr gut geführt. Vielleicht wäre es Zeit jemand anderen diese Aufgabe zu Teil werden zu lassen." Er wiegte den Kopf. "Momentan besteht der Rat aus allen die noch da sind. Vielleicht sind manche auch einfach .. desertiert. Haben ihre Chance ergriffen die Inseln zu verlassen und irgendwo in der Ferne neu zu beginnen? Manche sind Gefallen.. sollte Kyrana noch leben.. werden wir dann über sich richten, wie es brauch ist, wenn es soweit ist. Sollte sie noch leben rufe man die Blutjagd nach ihr aus." So eine Frau fiel sicher auf. Obwohl er sie gemocht hattel, konnte er jetzt da keinen Unterschied machen. Sie war fort, verschwunden, also musste er von Flucht ausgehen und davon das sie ihre Chance genutzt hatte. Hätte mancher vielleicht getan, aber so blieb ihm keine Wahl. "Also.. was sind wir.. wo stehen wir.. wohin wollen wir? Oder.. willst du auch gehen, Schwester?" Er traute es ihr zu, aber sie würde es nicht tun. Denn obwohl sie ihm so einiges krumm nahm, war sie Kain.. loyal. Sie könnte nicht akzeptieren, dass sie das Erbe dem Untergang überlassen hatte. "Da wäre Mutter.. Vater, die Rosen, du, ich.. und Fenja, wenn sie noch irgendwo rumläuft. Coryla weiß ich das sie im Irrenhaus ruht, warum sie nicht gekommen ist, weiß ich nicht. Melli, Niobe und der Rest sind unklar, ob gefallen oder verschwunden." Chaos traf es gerade sehr gut bei ihnen. Sehr gut. 
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#15

Beitrag von Latoria » Fr 24. Jan 2020, 20:10

Herrje es war so sterbenslangweilig. Da wünschte man sich schon fast, dass jemand kommen würde, um ein wenig für Spaß zu sorgen. Brandeisen, Zangen irgendetwas amüsantes. Hach...  aber einzig und allein quälte man sie mit immer dem gleichen Geschwätz. Blablabla. Da waren die Tropfen sogar noch eine willkommene Abwechslung. 
  
~Siebenundzwanzigtausenddreihundertundachtzehn.~

Hach nicht einmal das spendete noch wirklich einen tröstenden Zeitvertreib. Eine vermutlich gerechte Strafe für ihr Versagen. Vermutlich würde der Hochlord sie zappeln lassen, damit sie ihn am Ende zu schätzen wusste. Ja ganz sicher, denn er war vieles, aber sicher nicht tot. Nein niemals, denn er gehörte zu den würdigen!

Hach und nun quasselte die kleine Prinzessin wieder herum. Was wollte sie denn hören? Dass sie sehr bemüht war? Oh ja! Es war ja fast herzergreifend, wie die kleine Lumpenprinzessin, darin erpicht schien, dass sie sich wie zuhause fühlte. Die Ketten, hach und die Menüauswahl. Beinahe würde sie sich zurückversetzt fühlen, zu jener Zeit, als der Hochlord auf diese Weise um sie geworben hatte. Hach es war so wundervoll... Besonders, weil er äußerst einfallsreich gewesen war. Etwas, dass man dem kleinen Prinzesschen hier nicht unbedingt auf die Fahne schreiben konnte.
 
~ Platsch... neunzehn~

Nun sie hatte sich aber stets bemüht. Etwas, dass sie der kleinen Tochter des Königs nicht vergessen würde und was durchaus für sie sprach. Allerdings würde sie sich auch merken, dass das Wasser ihre schöne Robe ruiniert hatte und jene war ein Geschenk Castiels gewesen. Ihr Lieblingsstück. Hach, das machte nun wieder alles zunichte. Schade kleine Prinzessin.
 
~ Platsch... zwanzig... nur nicht verzählen! ~

„Was möchtest Du denn hören, kleine Lumpenprinzessin? Hm? Oh ich glaub, ich weiß es!“ Fast euphorisch über ihre Erkenntnis blinzelte sie sich aus der Lethargie des ewigen ‚Platsch‘- Geräusches heraus und liess ihren fast unschuldig erscheinenden Blick zu Fenja gleiten, während die Tropfen über ihre Wangen rannen, als seien sie gar menschliche Tränen und sie sich kurz räusperte.

„Oh biiitte lass Gnade walten. Ich bereue meine Taten zutiefst?“ Kurz blinzelte sie, um einen aufrichtigen Eindruck zu erwecken. Doch jener war nicht von langer Dauer, denn ein  kehliges Lachen drang über ihre Lippen. Trocken und unmelodisch, da ihr Hals, aufgrund dessen, dass das kleine Miststück ihr nicht mehr als notwendig zu trinken gab, sich so ausgedörrt und trocken anfühlte wie ein Reibeisen. Verfluchtes Rattenblut.

Immer nur Ratten. So einseitig und langweilig. Was würde sie jetzt für ein Tröpfchen des Barons oder dem kleinen süßen Pfau geben. Aber ja Geduld machte sich stets bezahlt. In ihren Gedanken würde sich diese strenge Diät eines Tages ganz bestimmt auszahlen. Ja da war sie sich sicher. Der Tag würde kommen, an dem sie das Blut ihrer kleinen dreckigen Peinigerin auf ihren Lippen kosten durfte und sie würde es wahrlich genießen.

Ein gar zauberhaftes Lächeln verwandelte ihre Züge in eine Grimasse aus grausamer Schönheit.  „Komm, gib zu. Das war ganz gut? Aber nein sicher nicht das, was Du wolltest. Nein. Das ist alles Quatsch. Also ,Du willst sicher die Wahrheit hören. Wie entzückt ich bin, Dein Gast sein zu dürfen, denn soll ich Dir etwas verraten? Ich werde mittendrin sein, wenn der Hochlord sich erhebt und den Clan wie Ungeziefer zertritt!“
 
~ Plitsch.. Platsch... Verdammt, waren das nun ein oder zwei Tropfen gewesen? Das war nun nicht fair! Kurz wog sie überlegend ihren Kopf hin und her. Hm ... einundzwanzig? Zweiundzwanzig?  Noch einmal machst Du das und ich sorge dafür, dass nie wieder etwas hier tropft!~

Hallo? Sie strengte sich hier gerade massiv an ihrer Rolle als Opfer gerecht zu werden. Da war es wirklich unfair, dass die Tropfen nun neue Spielregeln einführten!  Es war echt schon anstrengend genug sich bei diesem ohrenbetäubenden Lärm  zu konzentrieren und die Contenance zu wahren.  Entweder konnte sie zählen oder diesem ermüdenden Geplänkel folgen.  Ein wenig bedrohlich funkelten ihre dunklen Augen im Fackelschein auf. Bedrohlich und gleichzeitig mit einer unschuldig wirkenden Naivität. Sicher war ihr Angebot nur eine spöttische Floskel. Das wussten sie wohl beide. Aber vielleicht würde ja mal etwas spannendes passieren, wenn sie das Spielchen ein Weilchen mitmachte „Nun aber wenn Du mir einen besonderen Gefallen erweisen willst, kleine Lumpenprinzessin, wie wäre es, wenn Du die Ketten los machst und ich mich aufrichtig für Deine Mühen bedanken kann...“
 
~Platsch... dreiundzwanzig... und ich ihr den Hals umdrehen kann, da ich mich beinahe wegen dir verzählt habe!~

„Verzeiht Tochter des Königs, aber der Lärm macht mich langsam verrückt.“ Lächelte sie mit kindlicher Schuldlosigkeit. „Ich hatte ganz vergessen, Du hast die Ketten ja nicht zum Spaß angebracht. Wie konnte ich nur.“ Eine kleine Falte formte sich auf den engelsgleichen Zügen, während sie gespielt nachdachte. „Hm weshalb war es noch gleich? Ach ja.. Angst, nicht wahr?“ Ein wenig aufgeregt, so wie ein Kind, das etwas vollkommen Neues lernte, sah sie zu Fenja. „Sag wie fühlt es sich an? Geht es in die Eingeweide? War ich ein böses Mädchen? Und wo wir dabei sind.. wie geht es Deiner ehrwürdigen Mutter und unserem mutigen Bruder?“ Das Lächeln blieb auf ihren Lippen, während die Neugier in ihren Augen der Vorfreude auf etwas Großes zu weichen schien, während ihre Stimme einen verheißungsvollen Klang annahm. „Ich hoffe sie sind wohl auf und bereit für das große Finale?“
   
~ Platsch! - Ja Du wirst mich holen und dann werden es die Tropfen ihres Blutes sein, die wir zählen... Mist wo war ich gleich... das Geschnatter bringt mich ganz durcheinander! Vierundzwanzig! ~

Erneut blinzelte sie und ein kleiner Ausdruck von Gereiztheit lag verborgen in dem Dunkelbraun ihrer Augen. Ein Tuch wäre schon wunderbar. Aber nebensächlich.

Oh ihr war sehr wohl klar, warum man sie nicht gleich dem Urteil der Sonne überlassen hatte. Leicht neigte sie ihren Kopf zur Seite, während sie Fenja von oben bis unten musterte. Nein, die kleine Prinzessin kläffte nur wie ein Hund,  aber beißen würde sie wohl kaum. Vermutlich weil der König ihr dafür den kleinen adligen Prinzessinnenhintern versohlen oder sie dem Drachen zum Frass vorwerfen würde. Hach. Schade eigentlich. Tja dann musste sie es wohl so hinnehmen, aber nicht ohne es ihr unter die Nase zu reiben. „Nun schau nicht so, kleine Lumpenprinzessin. Wir wissen doch beide, warum ich Deine Gesellschaft ertragen muss. Nicht wahr? Ihr wisst, er ist irgendwo dort draußen und das kleine nagende Gefühl in Euren Bäuchen, was euch abhält mich zu vernichten das nennt man Angst...“
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Würdest du für mich sterben? ... Nein, das wäre zu einfach. Würdest du für mich leben?
Du solltest diesen Eid auf keinen Fall unbedacht leisten... ~ Seine Worte an ihrem Ohr - Ja, sie wollte es - für ihn allein ~

Verlangen wird zu Hingabe, Hingabe wird zu Macht... und sie gab sich ihm - dem Wahnsinn- hin
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#16

Beitrag von Lillyth » Sa 25. Jan 2020, 19:09

Selbstredend war Lillyth stetig kritisch Landru gegenüber gewesen. Nicht etwa aus einem Anflug von Neid heraus, sondern vielmehr, weil ihr Vertrauen in ihn viele Narben trug.  Aber ob es jemals zu einer Klärung kommen würde, war fraglich.  Denn ebenso oft, wie er das Gespräch gesucht hatte, hatte er es aus ihrer Sicht geschafft jene wieder im Sande verlaufen zu lassen. Im Grunde bedauerlich, wenn sie so darüber nachdachte, wie gut sie schon mal harmoniert hatten. Zumindest auf eine verschrobene Art und Weise, wie es unter Geschwistern oftmals der Fall war. Doch auch diese Dynamik schien mehr als offensichtlich nicht mehr dieselbe, wenn nicht gar verloren zu sein.

Kurz zuckte sie mit den Schultern und hob gegenüber Shilana nur eine Augenbraue, als er sie tatsächlich tadelte. Vielleicht ein wenig überraschend, aber seine harschen, an sie gerichteten Worte schienen zumindest für den Moment etwas erreicht zu haben. Sicher war sie Kains Tochter, aber auf dieses Privileg hatte sie sich nie wirklich berufen und erst recht nicht auf das Recht eines Erbes.

Dass sie hier war, sollte im Augenblick wohl Zeichen genug dafür sein, auch wenn sie vor der Schlacht noch eine ganz andere Richtung hatte einschlagen wollen. Einen Pfad, den der Clan sicherlich als Verrat ansah. Inwiefern ihr Bruder eine Gelegenheit hatte dies publik zu machen, nun vermutlich keine und in Anbetracht dessen, dass sie und nicht zuletzt ihr Gemahl sich dem Clan in dem Krieg angeschlossen hatten, sollten vorerst diese Schuld aufwiegen oder klar machen, dass es hierbei nicht um Illoyalität ging. „Führung bedeutet Respekt und Vertrauen in die Hierarchie.“ Ein kleines Funkeln huschte über das Dunkel in ihren Augen. Sie konnte es nicht lassen, was vielleicht daran lag, dass sie nicht glauben wollte, dass der Drache seinen Biss komplett verloren haben sollte oder gar gegen Selbstzweifel eingetauscht haben mochte.

Dankend nickte sie zu Shilana, als jene ihre Gedanken offenbar gelesen haben mochte und ihr nachschenkte. Offenbar herrschte mittlerweile ein stummes Verständnis auf eine Art zwischen den beiden. „Ich habe nie gesagt, dass Du gescheitert bist oder dass es jemand besser machen könnte. Außer Vater, selbstredend.“ Erwiderte sie, wobei ihr Tonfall deutlich machte, dass sie es vielleicht gedacht haben mochte, aber wer konnte schon genau sagen, was in ihrem Kopf vorging. Wäre sie ein Mensch würde sie diese Worte später dennoch ganz sicher auf den Alkohol schieben, sollte sie jemand daran erinnern oder sie gar zitieren. Aber bis dahin würde ihr hoffentlich auch eine bessere Ausrede einfallen, denn bedauerlicherweise zählte dieser Vorwand bei ihr wohl weniger. Trotzdem, bevor sie ihm zuviel des Lobes zukommen liess, war ein Themenwechsel wohl die beste Entscheidung.

„Du willst sie also umkonditionieren?“ nun der Gedanke weckte eine sichtliche Neugier und ihr Blick glitt kurz zu Shilana, während sie anerkennend eine Augenbraue hob. Mit einem lobenden Wort hielt sie sich jedoch zurück. Immerhin gab es Zeugen und sie würde sicherlich keine Zugeständnisse machen, wenn dies hinterher die Runde machen könnte.

„Ein interessanter Ansatz.“ Gab sie lediglich zu, was schon einer Anerkennung  entsprechen sollte, über den sie weiter nachdachte, während Landru weitersprach. Immerhin hatten sie so etwas ja mit ihrem Gemahl versucht und sie würde lügen, würde sie behaupten ihnen dies nicht noch immer nachzutragen.

So fiel ihre Antwort auf seine an sie gerichtete Frage relativ kurz aus. Sicherlich steckte sie in einem Zwiespalt. Und wie so oft sagte sie das eine und tat dann doch das andere. Auch das war ihr bewusst.  Dennoch, im Grunde hinterließ die Frage ein kleines Funkeln im Dunkel ihrer Augen zurück. „Ich war hier, als der Clan mich brauchte und ich bin es noch. Wenn dir das als Antwort nicht genügt, dann sag es nur.“

 „Und soweit ich weiß, treiben sich Varzil und Tristan auch noch irgendwo herum. Aber ich hab nur wenige Worte mit ihnen gewechselt.“ Versuchte sie nun den Fokus in eine andere Richtung zu lenken, bevor sie das Glas an ihre Lippen führte ohne eine direkte Stellung zu beziehen.
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Gemahlin von Norax Vykos
Mutter ihres kleinen Sternenlichts Neomi ~ Tochter seiner Lordschaft Kain Vykos und seiner Gattin Enoia Vykos
† Es ist schon immer eine gefährliche Unterschätzung des Bösen gewesen, ihm zu unterstellen, es kenne keine Liebe. †
† Lieben zu können ist kein Vorzug des Guten, sondern das einzige, was es mit dem Bösen verbindet. †

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Shilana
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#17

Beitrag von Shilana » Mi 29. Jan 2020, 13:32

Nach kurzem Umherschweifen hat sich ihr Blick wie schon so oft in dem Bild über dem Kamin verfangen.
Das Gespräch plätschert scheinbar unbeachtet an ihr vorbei. Doch wer die Rose kennt weiß, dass ihr kein einziges Wort entgeht.
Das Bild hängt schon lange bevor sie das erste Mal dieses Zimmer betreten hat, an seinem Platz…und noch immer hat es nicht seine Faszination verloren. Tatsächlich schweifen ihre Gedanken ein wenig in die Vergangenheit…ihre ersten Schritte im Clan.
Ein Lächeln huscht über feinen Zügen.

Kain hat den Clan mit harter Hand geführt, aber nie ungerecht. Man hat ihn respektiert und gefürchtet…so wie seinen Sohn auch. Vermutlich gibt es keine andere Art den Clan zu führen. Gewiss...ein jedes Kind der Nacht verfügt über enorme Persönlichkeit und ein fast übergroßes Ego und weißt man sie nicht in ihre Schranken kommen sie gern auf die absonderlichsten Ideen. Sie benötigen eine gewisse Härte….allein schon für den Respekt.

Sie schüttelt unwillkürlich leicht den Kopf. Gerade unter den Jüngeren hat sich dies mit aller Deutlichkeit gezeigt.
Sie nippt an ihrem Glas während sie noch immer versonnen das Bild betrachtet.

Landru hat stets als besonders grausam gegolten….und doch...wie viele, sie selbst nicht ausgenommen, haben es riskiert ihn zu provozieren, seine Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Selbst den unweigerlich folgenden Schmerzen war es ihm stets gelungen eine besondere Note beizufügen…sofern er es denn wollte. Eine Note, die einen wahrhaft in Versuchung führte, eine erneute Bestrafung zu provozieren. Ein Meister der Schmerzen….durchaus. Und niemand wäre es eingefallen ihm den Respekt zu verwehren. Denn ohne jene besondere Note waren seine Strafen durchaus nicht erstrebenswert.

Menschlichkeit..

Erklingt ihre samtene Stimme unversehens…begleitet von dem Hauch eines spöttischen Untertones.

Wir sind keine Menschen!

So einfach schien es…auch wenn es aus dem Mund einer Rose geradezu absurd wirkt.

Manchmal braucht es die Peitsche, um sich Respekt zu verschaffen.

Es kling einfach, doch selbst sie weiß, dass es das beileibe nicht ist. Für Wesen wie sie es sind funktioniert eine Demokratie wahrhaft nicht. Jeder würde nur versuchen seine ureigensten Interessen zu wahren und durchzusetzen.
Ähnlich wie in einem Wolfsrudel. Es gibt ein Alpha…und dem hat man zu folgen und Respekt zu zollen. Ohne diesen Alpha zerbricht das Wolfsrudel im Chaos. Beinahe erschreckend wie sehr es an die eigene Situation derzeit erinnert.
Und schließlich hat es sich bewährt….über viele Jahrhunderte hinweg. Man hat die alten Traditionen geachtet und gewahrt…und die Gesetze der Nacht. Die Jüngeren wussten nicht einmal das solche Gesetze existieren. Trieben zügellos und ohne nachdenken wonach ihnen der Sinn stand, bis sie vollkommen außer Kontrolle geraten, ohne wirkliche Bindung an den Clan und den Werten, für die er steht.
Wie so oft, wenn etwas scheinbar reibungslos funktioniert, gerät man in Gefahr es schleifen zu lassen, es zu vernachlässigen. Doch damit es funktioniert bedarf ununterbrochener Pflege.

Zum ersten Mal wendet sie ihren Blick der Bild ab und mustert Landru….fast abschätzend. Sie brauchen niemand der ihre Händchen hält…ein Gedanke dessen Fortsetzung sie laut ausspricht

Was der Clan braucht, ist ein starker und harter Regent, der fähig ist zu tun was getan werden muss. Und du hast bewiesen das du der sein kannst.

Sie bewegt sich leicht, um ich etwas bequemer zu setzen und leert ihr Glas. So langsam beginnt ihr das Zeug tatsächlich zu schmecken.

Die Idee mit der Umerziehung gefällt mir…

Wechselt sie scheinbar abrupt das Thema, nicht ohne ein Schmunzeln auf ihren Lippen. Das könnte durchaus interessant werden. Zumal Melyndras Ausführungen auf eine doch sehr vielfältige Persönlichkeit schließen lassen.Ihr Blick schweift erneut zu dem Gemälde.Was sind wir? Nun….ein müßige Frage wie ihr scheint. Wo sie stehen wird sich zeigen müssen. Und wohin sie wollen? Ein wahrlich gute Frage...zumal ein jeder von ihnen sicher ganz eigene Vorstellungen und Interessen hat. Vielleicht einmal Zeit den Spieß umzudrehen. Ihr Augenmerk wendet sich wieder Landru zu und sie richtet sich etwas auf.

Was bist du? Wo stehst du? Und wo willst du hin?

Der Weg des Regenten ist der Weg des Clans. Ob ihm das nun gefällt oder nicht. So war es schon immer....
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Fenja
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#18

Beitrag von Fenja » Sa 8. Feb 2020, 07:06

Fenja hatte sich das verliebte Gerede des kleinen Schoßhündchens des „Hochlords“ gelangweilt angehört. Sie hatte sie nicht unterbrechen wollen, war es doch fast schon zu schade, ihre zuckersüße Stimme so selten zu hören. Nein, eigentlich hatte sie das Schweigen im Nachhinein betrachtet sehr genossen. So konnte sie den Stimmen in ihrem Kopf besser lauschen, von denen sie zugegebenermaßen, oft selbst nicht wusste, ob sie sich nun nur in ihrem Kopf befanden oder es vielleicht vergessene Opfer aus den benachbarten Kellerabteilen waren, denen sie versprochen hatte, schon gleich wieder zu kommen. Wie auch immer, was kümmerte sie die anderen?

Aber das Zitronentörtchen schien wohl redebedarf zu haben. Was war sie hier? Die Seelsorge Lichthafens? Wollte dieses Ding nun wirklich ihr nun wirklich etwas von der großen, ewig währenden Liebe zu Castiel erzählen? Fenja kicherte, innerlich. Dann begann sie herzhaft zu gähnen und streckte sich.

„Entschuldige bitte, wie unhöflich von mir, mein Desinteresse gegenüber Deiner Liebesgeschichte so zum Ausdruck bringen zu müssen. Soll ich Dir Feder und Pergament bringen? Vielleicht solltest Du diese herzzerreißende Romanze zwischen Dir und Deinem kleinen Lördchen zu Papier bringen. Die Geschichte findet bei den vertrockneten Hausfrauen Altheas bestimmt reißenden Absatz. Aber vergiss dabei die kleinen schlüpfrigen Details nicht, ja?“

Fenja strich Latoria eine nasse Strähne aus dem Gesicht und betrachtete sie dabei fast schon zärtlich. „Du wirst lange genug Zeit haben, um ganze Bibliotheken mit deiner vor Romantik und Liebe triefenden Geschichte zu füllen. Wie lange ist schon die Ewigkeit? 100 Jahre? 500 Jahre? 1000 Jahre? Wir werden es sehen. Du wirst hier sitzen, Dir Deine hübschen Fingerchen wund schreiben, während Du sehnsuchtsvoll an Dein kleines Lördchen denkst und Dir immer neue Möglichkeiten davon ausmalst, wie wunderbar es doch für Dich war, dass er Dich in seiner Nähe geduldet hat. Jeden einzelnen Tag, wirst Du Dich daran zurück erinnern, sein kleines – dennoch recht unwichtiges – Spielzeug gewesen zu sein.“ Ein abfälliges Grinsen zeichnete sich auf Fenjas Gesicht, während ihre grünen Augen nun freudig zu leuchten begannen.

„Jawohl, unwichtig. Auch an diesen Gedanken, wirst Du Dich gewöhnen müssen, denn …“ Mit einer geschmeidigen Bewegung, die man ihr nicht unbedingt zugetraut hätte, hatte sie sich Richtung der Kellertüre bewegt und deutete nun auf diese, gar so, als würde sie einen Zaubertrick präsentieren wollen. „Denn, Lady Latoria, nur damit wir uns richtig verstehen: Seit Deiner Ankunft hier bei ist eine mittlerweile nicht unerhebliche Zeit verstrichen. Gemäß der Annahme, dass Dein Hochlördchen noch lebt, scheint sein Interesse Dir gegenüber nicht besonders hoch zu sein. Denn…“ theatralisch hielt sie kurz inne, bevor sie mit einem Schubser die schwere Holztüre öffnete die knarrend zur Seite schwang und nichts anderes Preis gab, als eine schwarze Leere, die nur hie und da von dem Schein einer Fackel durchbrochen wurde. „Wie Ihr seht, hochverehrtes Publikum, seht Ihr nichts!“

Fenja verneigte sich schwungvoll, beide Arme von ihrem Körper gestreckt, vor ihrem imaginären Publikum und schien den nichtvorhandenen Applaus zu genießen.
Fast schon wie ein kleines Kind hüpfte sie mit ein paar Schritten zurück zu Latoria und ließ sich vor ihr im Schneidersitz nieder, stützte ihre Ellenbogen auf ihren Knien ab und legte ihren Kopf in beide Hände.
„Verrätst Du mir das Ende Deiner fulminanten Romanze? Wie Du Dein altes tatteriges Lördchen mit Suppe und Wasser füttern wirst, während er langsam vor Dir dahinsiecht, Dich nicht mehr erkennt oder Dich gar für seine Mutter hält? Während Du ganz und gar unberührt von der Zeit neben ihm sitzen wirst und ihm zusiehst, wie er jeden Tag ein wenig mehr stirbt?“  
Bild
~~
Sól tér sortna, sígr fold í mar,
hverfa af himni heiðar stjörnur;
geisar eimi ok aldrnari,
leikr hár hiti við himin sjalfan
.

~~

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Niobe
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#19

Beitrag von Niobe » Di 11. Feb 2020, 18:09

Soldaten befolgen Befehle. Und zwar so lange, bis der Kommandant eine neue Order ausgibt. 
Der Befehl der kleinen, wackeren Truppe in den Wäldern lautete: Kiste mit gefährlichem Inhalt behüten! Und zwar so lange, bis der Hochlord oder einer seiner Vasallen bestimmt hat, wo sie hingebracht werden soll!

"Kameraden, Kameraden! Die Kiste ist leer! Und der Kommandant ist wie vom Erdboden verschluckt!"...

Kommandanten verschwinden nicht einfach. Sie desertieren. Oder werden gefangen genommen. Oder bekommen einen neuen Befehl....was dann gemeinhin auch für ihre Einheit gilt. Oder sie haben andere gute Gründe.

Dieser hier hatte in der Tat einen guten Grund. Er war auserkoren, seine Angebetete sicher nach Hause zu geleiten.
Wie es dazu gekommen war, ist eine Geschichte, die später einmal anderen Ortes erzählt werden wird.

In seinem Kopf wiederholten sich die Bilder von leidenschaftlichen Liebesnächten. Heiße Lippen wanderten über kühle, samtige Haut....kräftige Finder gruben sich in seidige, goldblonde Locken.....gehauchte Schwüre versprachen Hingabe bis weit über den Tod hinaus....
War es Wahrheit oder nur in seiner Phantasie vorhanden? Er wusste es nicht...

Wie lange sie inzwischen unterwegs waren? Tage, Wochen, Monde? Auch das wusste er nicht...Schritt um Schritt strebte er voran, stets diese zarte Hand haltend, welche Halt suchend auf seinem Arm ruhte. Fürsorglich bog er vorwitzige Äste beiseite und bedeckte schlammige Pfützen mit seinem Umhang, damit seine Liebste unbeschadet voran schreiten konnte. Ihre Anmut und Schönheit verschlugen ihm den Atem...ihr Lächeln ließ sein Herz höher schlagen...wenn sie mit den Fingern durch ihre Locken strich, kannte seine Verzückung keine Grenzen. Gäbe der Hochlord Befehl, sie zu töten....er würde jenen ohne mit der Wimper zu zucken ins Jenseits befördern.
Am Tage bereitete er ihr ein Lager auf moosigem Grund fernab der Waldwege im sicheren Dickicht und behütete ihren Schlaf....des Nachts verharrte er an ihrer Seite, während sie auf der Suche waren. Wegelagerer Banditen und anderer Abschaum fielen gnadenlos seiner Klinge zum Opfer, denn seine oberste Pflicht war ihr sicheres Geleit.

Zunächst war eine große Höhle tief in den Wäldern ihr Ziel, in welcher seine Angebetete ihre Familie vermutete. Wie es sein konnte, dass eine Göttin in einer schäbigen Höhle hauste, hinterfragte er nicht. Zumal niemand dort zu finden war. Es war offensichtlich, dass die Bewohner erst kürzlich das Weite gesucht hatten, denn allerlei verwaistes Utensil lag auf dem sandigen Boden verstreut. 
Tränen auf den Wangen seiner Liebsten brachten ihn zur Verzweiflung.... Die Art, wie sie auf ein einsames Pergament starrte, welches auf einem Felsvorsprung gelegen hatte, zerriss ihm das Herz.

Nur mit Mühe gelang es ihm, sie zur Umkehr zu bewegen, fort von diesem verlassenen Ort. Er beschloss, mit ihr die Stadt aufzusuchen. Lichthaven. War es  seine Idee....oder ihre?...
An einem kleinen Haus verhielt sie ihre Schritte, blickte auf die Bank neben der Pforte, auf die dunklen Fenster, welche davon kündeten, dass wohl niemand daheim war. Wieder sah er Tränen auf ihren Wangen...und fragte sich, wer hier wohl wohnen mochte. Waren es Anverwandte, die durch den Krieg ausgelöscht wurden....vielleicht geflohen waren? Inzwischen hasste er diesen Krieg....war er doch der Grund dafür, dass seine Liebste schreckliche innere Qualen litt.

Nein, hier wollte sie nicht bleiben. Es zog sie zurück in den Wald...ein Schloss war als neues Ziel auserkoren. Und sogleich war ihm klar, dass dies der wahre Ort ihrer Herkunft sein musste. Eine Königin gehörte in keine Höhle....in kein Stadthaus...ihr gebührte mehr. Viel mehr. Ein Schloss war da das Mindeste.
Frohgemut geleitete der Kommandant seine Angebetete ihrer wahren Bestimmung entgegen. Schwach beleuchtet von einem Wolken verhangenen Vollmond arbeiteten sie sich immer dichter in den Wald hinein. Aufkommende Nebelschwaden verbreiteten eine unangenehme Kälte, weshalb er ritterlich seinen Umhang um ihre schmalen Schultern legte, während sie schweigend neben ihm her schritt.

Stunden waren sie wohl so gegangen...begleitet von gelegentlichem Grollen, welches aus dem dichter werdenden Nebel drang, und ihm schier das Blut in den Adern gefrieren ließ... als seine Liebste abrupt stehen blieb....den Blick hob und flüsterte: Sieh doch...wir sind da....Er ist hier....ich spüre es.

Sein Blick hob sich zu den mächtigen Mauern empor, welche sich wie Schemen aus dem Nebel schälten. Ihr Vater. Natürlich. So musste es sein. Er war es, von dem sie dachte, dass er hier sei....Oder vielleicht ihr Bruder?...
Sanft ergriff er ihre kühle Hand, drückte sie aufmunternd und nickte ihr zu.
Dann führte er sie der Pforte in der großen Wehrmauer entgegen.
~Lady des Lord Landru Vykos~
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~Mami des Ebenbildes ihrer Jüngsten ~ Nahm das Schattenkind Lycin in ihr Haus auf~

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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#20

Beitrag von Latoria » Fr 14. Feb 2020, 21:59

Bedrohlich funkelnd folgten die dunklen Augen Latorias jeder Bewegung  der Prinzessin. Noch bedrohlicher jedoch war die Tatsache, dass ein grausames, fast irrsinniges Lächeln auf ihren Lippen ruhte. Oh ihr brannten viele kleine Bösartigkeiten auf den Lippen. Aber sie musste sich das einteilen, bis Castiel sie hier rausholen würde. Wer wusste schon, wie lange es brauchen würde und vielleicht liess er sie sogar noch ein wenig länger unter dem Geschwätz hier leiden. Als Strafe für ihr versagen. Kurz kniff sie die Augen zusammen. Nein so teuflisch war er nicht.

Verdammt nun hatte sie das Zählen vergessen. Kleines Miststück. Nun hatte sie es doch geschafft. Das war nun richtig frustrieren. Danke kleine Lumpenprinzessin. Jetzt konnte sie tatsächlich noch einmal von vorne beginnen. Aber nicht ohne sich ihrem Frust Luft zu machen.

Theatralisch verdrehte sie die Augen.  „Erstmal, Du bist ein miserabler Gastgeber. Und nicht genug damit, dass Du mich mit deinem Geschwafel langweilst, nein, Du beleidigst hier meine Intelligenz... Wenn er noch lebt. Pah!“  so als hätte Fenja etwas schier Unmögliches behauptet, schüttelte sie lachend den Kopf und liess das strähnig nasse Haar über ihre Schultern gleiten.

„Nun hör mir gut zu, kleine Prinzessin. Lass mich Dir etwas verraten, was vermutlich jeder hier, außer Dir begriffen hat.“ Ihre Stimme senkte sich zu einem geheimnisvollen verschwörerischen Flüstern, bevor sie weitersprach. „Der Hochlord existiert noch.“  Ein leichtes Funkeln in ihren Augen untermalte ihre Worte, gefolgt von einem süffisanten Lächeln.

„Naja zumindest auf die eine oder auf die andere Art und Weise, aufgrund eines ungeahnten Rückschlages.“ Bemerkte sie mit leichter Selbstkritik, wobei ihr Kopf abwägend von rechts nach links wippte.  Sie hatte Mist gebaut und er trug die Konsequenzen. Aber nicht ganz ohne Netz und doppelten Boden. Aber dafür würde sie sich später irgendwann rechtfertigen dürfen. Und immerhin sprach das Argument des Mitdenkens für sie!
„Aber ~das Wie~ spielt im Endeffekt ja auch keine Rolle.“  Womit sie es gleich wieder hinunterspielte. Immerhin war das Wasser verschüttet und bereits versickert. Da spielten die Gründe warum wieso weshalb auch keine Rolle mehr. Etwas anderes war da erstmal viel wichtiger.


Leicht zuckte ihre makellose Augenbraue nach oben, so als wolle sie sehen, ob ihre Wächterin diese kleine Tatsache mittlerweile in ihr kleines von Maden zerfressenes Gehirn bekam. Also wo war sie gleich? Ach ja!

Latorias Blick wandte sich der Dunkelheit zu, welche irgendwo an ihrem Ende hinauf zum König und dem Drachen führte. „Jeder scheint es zu wissen und nicht nur anzunehmen, Herzchen.“

Na begriff das kleine zerlumpte Königskind nun endlich, wie das Spiel hier funktionierte? Hach, es musste wahrlich frustrierend sein, wenn man mit mangelndem Intellekt gestraft wurde und das Ungeziefer an dem ungewaschenen Leib über mehr Verstand verfügte, als man selbst sein Eigen nannte. Aber gut, dann noch einmal langsam und auch gerne zum Mitschreiben, damit die kleine Prinzessin ihre kleine romantische Geschichte für einsame Abende bekam,  in denen sie sich dann später in ihr Kissen in den Schlaf weinen konnte. Zumindest sinnbildlich.

„Überlegen wir mal, Liebes, womit die Erhabene versucht haben könnte ihn zu heilen. Hm Magie? Nein, niemals, verflixt das hatte er ja unterbunden. Also was könnte es dann gewesen sein? Hm ja.. eine gute Frage, nicht wahr?“ Ihre Stirn legte sich in kleine nachdenkliche Falten, bevor sie erkennend die Augen aufriss. „Hm Ach ja! Ich Dummerchen. Er hatte unsterbliches Blut in seinen Adern. Zuletzt, sofern ich mich nicht irre, von Eurer geschätzten Erhabenen selbst.“ Oh ja, den Blick hatte sie wahrgenommen. Schweigend, aber dafür mit tödlicher Sicherheit. Selten schien die erhabene etwas aus dem Gleichgewicht zu bringen, aber sie würde beim Hochlord selbst darauf schwören, dass dies eine solche Situation gewesen war. Hach, wie gern würde sie mit ihr ein paar Worte darüber wechseln. Aber erstmal musste sie sich mit dem zerlumpten Gör abgeben. Lächeln, Latoria, Lächeln!

„Nun spinnen wir mal Deine wunderbare Annahme weiter. Sollte er wider Erwarten tatsächlich dahingeschieden sein.  Was könnte dann nur als nächstes geschehen sein? Huch?!“ Ihre angeregte Erzählweise wurde von einem kleinen entsetzten Aufschrei unterbrochen, während sie mit einem Blick der Erkenntnis Fenja anstarrte, abwartend, ob jene auch bei ihr eintraf. Aber nein, dafür war sie zu ungeduldig.„Ja... nein.. oder doch... Nun vermutlich hättest Du einen neuen Bruder, Kleines. Und die Erhabene hätte endlich einen Sohn, der sie mit Stolz erfüllen kann. Man könnte euch dafür gratulieren.“ Provokant und nicht zuletzt erheitert funkelten ihre Augen zu Fenja. „Ja genau. Nun fällt die Münze auch endlich bei Dir, Schätzchen.“ Mit einem kühlen und teilweise sogar selbstzufriedenen Lächeln bedachte sie die kleine Lumpenprinzessin, bevor ihre Augen zur Decke wanderten. „Ich kann es förmlich hören...“ lachte sie, während ihr Blick zu Boden glitt, wo sie die imaginäre Münze fallen sah.“Pling!“

„Hach, aber nun zu dem eigentlichen Geheimnis, Liebes.  Und ich hoffe, Du verrätst es niemandem weiter.“ Erneut senkte sich ihre Stimme geheimniskrämerisch. „Wenn die da oben noch pissen könnten, ich schwöre Dir, genau deshalb würden sie sich in die Hosen machen. Denn genau aus diesem Grund sitze ich hier. Putzmunter. Mit Dir.“

Ihre Stimme bekam einen Hauch von Sarkasmus. „Eben weil ich vollkommen unbedeutend bin. Vielleicht hast Du ja sogar Recht. Aber vielleicht sollte Deine Hoffnung auch eine ganz andere sein. Vielleicht sitzt Du hier sogar zurecht dazu verdammt, um auf mich aufzupassen. Schau, der weise König, der scharfsinnige Drache...  sie scheinen darauf zu vertrauen, dass ich zumindest ein gewisses Maß an Bedeutung habe. Warum haben sie mich noch nicht wegen Hochverrat zu verurteilt? Ich glaube, die Traditionen fordern hierbei die umgehende Auslöschung, oder?"  Natürlich kam es einer Folter gleich einem dummen romantikverliebten dummen Gör die Welt zu erklären, aber diese Strafe würde sie eines Tages aufwiegen. Hach Du kleines vielleicht sogar unschuldiges Ding, dass im Dreck spielen musste, während die Erwachsenen sich den unabwendbaren Dingen der Existenz zuwandten.  Das weckte schon fast so etwas wie hm Mitgefühl?


„Es tut mir aufrichtig leid.  Nein, wirklich...   Denn Dich, kleines Nesthäkchen, verdammen sie dazu ein Auge auf mich zu haben, während die erwachsenen da oben verzweifelt überlegen, wie sie ihren Kopf aus der Schlinge bekommen, wenn er zurückkehrt. Und sei Dir gewiss, er wird irgendwann zurückkehren. Lassen wir sie leben, töten wir sie, hach oder warten wir besser ab.“ Fast ein Hauch von Mitleid, auch wenn es gespielter Natur war, schlich sich in ihre Züge ein, während ihr Blick nun wieder den der Lumpenprinzessin suchte.

„Sie reden darüber, was sie machen sollen, schmieden Pläne und jeder darf seine Gedanken zu beitragen. Außer Du, denn Du sitzt hier bei mir und dich lässt man die kleine  Kerkermeisterin spielen. Und nun sag mir Liebes. Wer ist die Unbedeutende von uns beiden?“ Ihr Kopf neigte nachdenklich zur Seite, auch wenn die Antwort darauf  für sie offensichtlich war.

 
~Platsch!~ Stimmt da war noch was. Ja genau! Siebenundzwanzigtausenddreihundertundfünfundzwanzig! 
Bild
Würdest du für mich sterben? ... Nein, das wäre zu einfach. Würdest du für mich leben?
Du solltest diesen Eid auf keinen Fall unbedacht leisten... ~ Seine Worte an ihrem Ohr - Ja, sie wollte es - für ihn allein ~

Verlangen wird zu Hingabe, Hingabe wird zu Macht... und sie gab sich ihm - dem Wahnsinn- hin
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#21

Beitrag von Landru » Di 17. Mär 2020, 11:59

Ein kleines Lächeln bildet sich auf den Lippen. "Oh.. gewiss. Sie wird daran zerbrechen irgendwann.. oder sie wird uns helfen ihren ach so geliebten Fürsten zu vernichten. Aber sie ist unsere Möglichkeit.. die Chance an ihn heran zu kommen, ihn aus seinem Versteck zu ziehen. Niemand weiß wo er ist und ob er noch lebt, aber ich gehe davon aus bis ich seine Leiche zu einem Regal gebogen habe." Gnade ja, er hatte es oft mit Gnade versucht. Denn der Grat zwischen Bestrafung und Gnade war schmal. Gerade wenn es als Ungerecht empfunden wurde, war es leicht zu sagen, es sei Willkür. Aber in Wahrheit hatte er immer nur einem gerecht werden wollen. Dem Clan und seinem Vater. Doch hatte er selbst Fehler gemacht, die sich nicht so einfach ausmerzen ließen. "Ich weiß das du zu Vater stehst.. wenn es darauf ankommt, Schwester. Und dieser Clan wird immer nur einen wahren Herrscher haben, dass ist er.. war immer er.. wird er immer sein solange er existiert. Aber du kennst ihn. Es ist ebenso wenig leicht zu erkennen was er sich für diese Gemeinschaft wünscht. Das sie wächst und gedeiht und gefürchtet wird. Ja.. bringen wir es doch zurück. Aber das kann ich nur mit euch allen.. sowohl mit dir, als auch mit Norax.. er soll mich nicht heiraten, er soll mich nicht lieben, aber vielleicht ist seine Treue Kain gegenüber noch ungebrochen, dann wenigsten für ihn." Er weiß das sie da sind, wenn sie ihn brauchen, aber es gab eine Zeit, da war man für sie oder gegen sie. "Vater wollte die Vampire einen und nicht, dass alle verstreut sind, wer nicht für uns war, war gegen uns. Ich versuche im Grunde zu verhindern eine Entscheidung treffen zu müssen, die mir nicht behagt, denn ich weiß das du ihm gegenüber Loyal bist. Ein Dilemma.. nicht wahr?" Er schmunzelte leicht. Ehe er zu Shilana sah. "Ich bin Kains Erbe.. WIR sind Kains Erbe. Ich stehe zum Clan, bis zum endgültigen Tod.. und wo wollen wir hin?" Das Lächeln erlosch. "Das der Name wieder mit Furcht auf den Lippen und erbleichten Gesichtern zittrig von den Lippen perlt. Nun gut.. " Er machte eine Pause und strich über das Buch in seiner Hand. "Kyrana soll für ihr Vergehen bestraft werden. Aber sie soll lange darüber nachdenken.. also werden wir sie zur Regungslosigkeit verdammt in einen Sarg sperren und auf den Grund eines Sees versenken unfähig sich zu befreien. Das Wasser wird das Holz zersetzen.. und ihren Körper in Mitleidenschaft ziehen. Sie wird es nicht verhindern.. können. Mit etwas Glück wird ihr irgendwann der Kopf abgenagt, aber mit Pech.. liegt sie dort hundert Jahre." Er zuckte mit den Schultern. "Einwände?" Bevor sie sich dem wirklichen Problem zuwenden. Latoria und ihrem Liebhaber. Das ließe sich sicher nicht so leicht lösen.
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Lillyth
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#22

Beitrag von Lillyth » Di 17. Mär 2020, 14:06

Eine harte Hand. Nun sie selbst hatte nur selten Strenge erfahren, sondern stattdessen ihren Kopf meistens durchgesetzt.

Etwas, dass vielleicht daran gelegen hatte, dass sie ihrem Vater schon zu Lebzeiten nachgeeifert hatte und stets versucht hat mit allen Mitteln sich seinen Respekt zu verdienen und seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.

Nun seine Art der Erziehung war sicherlich etwas, dass sie dahingehend bis heute geprägt hatte. Er hatte sie oft genug vom Pferd fallen lassen oder sogar dafür gesorgt, dass es scheute und sie fiel. Alles mit nur zu einem Zweck -  damit sie lernte selbst wieder aufzustehen und ihre Fehler früher oder später selbst zu erkennen.

Dennoch war dies vermutlich auch der Grund, weshalb sie seither immer wieder über die Grenzen hinausschritt.  Einfach um zu sehen, was geschah oder auch nicht. Wer nicht auf das Eis geht, wird niemals erfahren, ob es ihn gehalten hätte. Doch nur das wenigste hatte in irgendeiner Form bleibende Konsequenzen mit sich gezogen und daher war sie wie sie war. Jemand, der tat, was sie für richtig hielt ohne sich großartig zu scheren.

Aber dennoch wusste Lillyth sehr wohl, dass der Erste nicht bei jedem so nachsichtig gewesen war. Nein eigentlich bei keinem anderen, wenn sie so darüber nachdachte. Oft waren seine Worte direkt und sein Handeln konsequent, wenn nicht gar vernichtend gewesen.  Gleich dem, ob Freund oder Feind, ob Mutter, Bruder, Sohn oder Gemahlin.

Ja sie war ihrem Vater gegenüber loyal und auch als Kain seinerzeit Landru als Regenten erwählt hatte, hatte sie keinen Einspruch und erst recht Anspruch erhoben. Nein er war damals ihrem Vater noch in einigen Dingen so ähnlich gewesen, dass man hätte denken können, er wäre aus seiner Rippe geschnitzt worden und sie selbst hatte diese Form von Macht und Verantwortung niemals angestrebt.

Im Grunde hatte sie in ihm einen würdigen Erben gesehen, dem sie es zugetraut hatte und welcher auch die Ambitionen aufgezeigt hatte, die  Führung zu übernehmen.

Doch jene Loyalität und das Vertrauen... kurz nur senkte sie ihre langen Wimpern, denn immerhin wussten sie beide, dass ihr Verhältnis seither sehr getrübt worden war. Sie stand zu ihrem Gemahl. Und nach allem, was vor der Schlacht geschehen war, mehr denn je. So viel zu Konsequenzen. Somit war es egal, welche was immer man ihr androhen würde, sie würde nicht lange hadern sich gegen die ganze Welt für ihn zu stellen.

Das Dunkel ihrer Augen spiegelte die Flammen der Fackeln wieder, während sie über den Rand ihres Glases hinweg zuerst Shilanas Blick streifte, um sich dann ihrem Bruder zu zuwenden. Kurz nippt sie an der Flüssigkeit und zog somit die Antwort ein wenig hin. Vielleicht, um genau ihren Standpunkt damit zu verdeutlichen? Langsam liess sie das Glas sinken, ohne ihren Blick von den aschgrauen Augen des Regenten abzuwenden, bevor sie ihm die darauf geschuldete Antwort ruhig über ihre Lippen kommen liess.

„Ich werde mit ihm darüber sprechen, sobald ich ihn sehe.“ Nickte sie ohne sich dabei zu einer Entscheidung hinreißen oder sich gar ein Ultimatum stellen zu lassen. Etwas, dass sich sowieso durchaus auch als schwierig erweisen würde, da sie sich seit der Schlacht nicht mehr gesehen hatten. Trotzdem würde sie ihn nicht hintergehen, für niemanden.

Ihr Blick musterte Landru für einen kurzen Moment. Er wusste, dass sie so antworten würde, oder? Von welchem Dilemma sollte er sonst sprechen, wenn es nicht gar eine Anspielung darauf gewesen war, dass er wusste, wem ihre Loyalität und das viele Dinge die Fronten verhärtet hatten? Ein kleines Blitzen huschte über ihren Blick, während sie über die wohl platzierte Drohung nachdachte. Dennoch sollte ihm ihrer Meinung nach die Bedeutung ihrer Anwesenheit vorerst ausreichen.  Wenn ihm dies für den Moment nicht genügte, nun so sollte er es aussprechen oder sie herausfordern. Sie hatte keine Angst und keinerlei Bedenken. Kurz formten sich ihre Lippen zu einem engelsgleichen Lächeln mit dem sie ihn wissen liess, dass sie diese Frage für sich vorerst abgehakt hatte.

Somit knüpfte sie direkt nahtlos weiter an Landrus Worte an. Zeit für Einsprüche hatte er später noch. Sofern ihre Ablenkung von sich fehlschlagen würde.

„Was Kyrana betrifft“,  ein kleines Blitzen huschte über ihre Augen, denn im Rahmen jener Anklage hatte Landru seinerzeit nicht zuletzt auch auf Norax gezeigt. Das ein Funken Wahrheit vielleicht dabei gewesen sein könnte, war ihr egal. Es war etwas, dass das Zerwürfnis zwischen ihnen beiden verstärkt hatte. Erst recht, da sie damals eine Entscheidung treffen sollte, die ihr Bruder nicht hatte gewinnen können. Eine Entscheidung, die sie ihn mehr als deutlich hatte wissen lassen.

Nun eine Stellung zu beziehen und ein Urteil zu fällen? Hach, dafür fehlte ihr das Vertrauen zu ihrem Bruder mittlerweile. Immerhin wer sagte, dass er sich dies nicht wieder zu Nutzen machen würde, wenn Norax und ihre Entscheidung Landru nicht gefallen würden. Sicher die Schwere der Schuld Kyranas und nicht zuletzt das Urteil dafür waren klar, zumindest, wenn sie es objektiv betrachtete.

Dabei spielte das Versprechen, was sie Kyrana gegeben hatte, keinerlei Rolle mehr. Jene hatte ihre Fürsprache zum einen deutlich abgelehnt und zum anderen war sie vermutlich sowieso geflohen, da Tür und Tor offen gewesen waren und man ihr die Chance dazu gewährt hatte. Es wäre das klügste. Aber wer wusste schon, wie sie handeln würde und welcher Intention das Handeln entspringen würde.

„Sofern sie nicht die Beine in die Hand genommen hat, Landru.“ gab sie lediglich zu bedenken. Eine Augenbraue zog sich dabei leicht in die Höhe, bevor sie einen Schluck von dem Branntwein nahm und diese vielleicht kleine Vergessenheit den beiden ins Gedächtnis rief.

Langsam lösten sich ihre Lippen von dem Glas und sie blickte auf die Flammen. „Tu ,was getan werden muss.“ nickte sie mit einer gewissen Allgemeingültigkeit, vielleicht sogar einer versteckten Herausforderung dahinter, die er in ihrem Blick erkennen könnte.

Oh sie war durchaus gespannt, ob die Entwicklungen wirklich dafür gesorgt hatten ihn wach zu rütteln und er die ihren wieder zurück auf den einstigen Kurs führen konnte. Ob er die Härte zeigen würde, von der er sprach. Etwas, dass mehr als maßgeblich für manche Überlegung sein würde.
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† Es ist schon immer eine gefährliche Unterschätzung des Bösen gewesen, ihm zu unterstellen, es kenne keine Liebe. †
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#23

Beitrag von Shilana » Do 19. Mär 2020, 10:18

Nachdenklich betrachtet sie das leere Glas, als gäbe es etwas Interessantes darin zu sehen, was jedem sonst wohl entgeht, während sie den Worten Landrus lauscht, aufmerksamer als es womöglich den Anschein hat. Mit einer anmutigen Geste stellt sie schließlich das Glas auf dem kleinen Tisch neben ihrem Sessel ab.
 
Ihr Blick legt sich auf Landru und streicht dann zu Lillith, bevor er sich erneut im Tanz der Flammen des Feuers im Kamin versenkt.
Es gibt Themen aus denen sie sich, so sie die Möglichkeit hat, heraushält. Norax ist definitiv eines davon. Vor allem, weil sie, so absurd dies auch erscheinen mag, bedenkt man wie sie selbst zu Norax steht, den Standpunkt, aber vor allem die Loyalität Lilliths durchaus nachvollziehen kann. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt.

Erst als sie Landrus Blick spürt, hebt sie erneut den Kopf und erwidert jenen Blick, während ein kühles Lächeln mit ihren Lippen spielt. Leicht nur, aber doch deutlich genug, neigt sie zustimmend den Kopf. Auch wenn er weder ihre noch die Zustimmung irgendwen anders benötigt. Und ob er auf den notwendigen Weg zurückfindet wird sich letztendlich doch erst zeigen müssen. Jedoch sind die ersten Schritte wohl getan….Schritte, die scheinbar wieder in die richtige Richtung führen.

Kyrana…sie hatte sie bereits aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Vermutlich war jene mittlerweile über alle Berge. Wenn nicht, sie tatsächlich dumm genug gewesen ist die Chance nicht zu nutzen…auch gut….Dummheit gehört bestraft. So oder so… jene Strafe scheint mehr als angemessen für ihr Vergehen.

Keine Einwände..

Antwortet sie kühl, bevor ihr Blick zu Lillith streift, durchaus gespannt auf deren Antworten. Allerdings bezweifelt sie, dass Lillith sich tatsächlich zu einer mehr als vagen Antwort wird hinreißen lassen.
Ein kurzes Lächeln huscht über ihre Züge als jene gleich darauf ihre Einschätzung tatsächlich bestätigt.

‘Tu, was getan werden muss‘…eine Aussage, der sie sich nur anschließen kann, aber müßig jene zu wiederholen. 
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#24

Beitrag von Landru » Do 19. Mär 2020, 18:40

Natürlich wird es sich zeigen müssen. Er dachte darüber nach.. aber egal welche Seite er betrachtete, weder die eine noch die andere war richtig. Aber vielleicht gab es einfach kein Richtig. Vielleicht sollte er aufhören danach zu streben, es möglichst für alle gerecht zu machen, sondern mehr darauf besinnen was die Traditionen sagten? "Dann sollte sie bereits weit weit weg sein, denn wenn wir sie finden.. wird sie ihrem Schicksal kaum entkommen. Sie soll gejagt werden dürfen. Festgesetzt und dann ihrer Strafe zugeführt." Kurz dachte er an die weißhaarige Hexe. Daran wie bestützt sie gewesen war, aber auf der anderen Seite. Schwäche war im Moment keine Option. Manches war lange einfach lapidar behandelt worden. 

Sein Blick legte sich auf Lillyth und ihre Worte bedachte er mit einem Nicken. Momentan genügte es, dass sie hier war. Aber es wird nicht auf Dauer genügen, eine klare Ansage war sicher besser und nach Latoria wäre sie ein schmerzlicher Verlust für den Clan. Um so mehr will er sie nicht bedrängen, aber auch nicht, dass sie glaubte ihre Entscheidung wäre einfach. Sie hätte Konsequenzen.. denn nichts hätte darüber zu stehen. Über die Loyalität, nicht mal das was sie Liebe nennen. Er selbst hatte genug Enttäuschungen erlebt, genug Frustration erlitten, genug Hoffnungen gehabt. Es gab nicht mal mehr einen Funken, der noch überlebt hätte. Das letzte bisschen war mit Melli verschwunden, der letzte Funken mit Niobe im Nichts versunken. "Dann werde ich mal mit unserer abtrünnigen Schwester sprechen." Womit er Lillyth das Buch hinhielt. Es hatte zwar ein wenig gelitten, aber das meiste war noch intakt. Allerdings.. war die Zeit des Redens, der Diplomatie wohl zu Grabe getragen worden. "Shilana.. wäre es dir möglich eine Liste der möglichen Gefallenen aufzustellen? Jener die vermisst sind? Und jener.. die als Abtrünnig gelten?" Nein, es gab keinen Platz für Nachsicht mehr. Blieb zu sehen was nun vom Scherbenhaufen noch übrig war. Welcher Loyal war, wer sich distanziert um weiteres zu beschließen. "Jeder wird Vater erneut die Treue schwören.. jeder einzelne.. " Ob vor Kain persönlich oder vor einem Vertreter dessen ist ihm gleich. Aber er brauchte etwas, was klar eine Ansage war. "Wie in guten alten Zeiten.. soll jeder auf seine Existenz Kain die Treue schwören und dem Clan, nicht mir,  nicht euch, nicht irgendwem, sondern IHM. Und wem er die Vollmacht erteilt, werden wir nicht in Frage stellen und jenem gehorchen als wäre es von Kain persönlich. Kain selbst soll entscheiden ob er meine Führung noch wünscht oder ob er einen anderen als fähiger erachtet und ich werde mich dem beugen." Damit wandte er sich um. Es galt zwei Gespräche zu führen. Zum einen mit Vater selbst um ihm seine Absichten mitzuteilen und ihn um eine öffentliche Kundmachung zu bitten, des weiteren mit der Schwester.. die im Kerker auf ihr Schicksal wartet.
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Re: Von der Ewigkeit der Zeit

#25

Beitrag von Lillyth » Fr 20. Mär 2020, 13:14

Das Dunkel hielt für einen Moment an seinem Blick fest. Nur kurz, wobei ihre Augenbraue ein wenig hinaufglitt.  Wortlos nahm sie das Buch an sich und blickte auf den ein wenig lädierten Einband, der einige Federn oder vielmehr Seiten hatte lassen müssen.

Ein kleines aber nicht minder feines Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie es direkt wieder auf den Tisch legte. Vielleicht konnte es Shilana noch für ihre anstehende Aufgabe brauchen, welche Landru jener übertragen hatte, und wenn nicht, nun dann würde sie sicherlich nicht den Laufburschen spielen und es dorthin zurückbringen oder sich mit dem Vandalismus in Verbindung bringen lassen, sofern dieser jemandem ins Auge fiel.

Ein Wort dazu verlor Lillyth dennoch nicht. Im Gegenteil. Sie liess Landru fast unkommentiert aussprechen. „Deine Schwester“, fügte sie einzig als Korrektur an, während sie sich grazil aus dem Sessel erhob und nur leicht ihren Kopf zur Seite neigte, fast als wolle sie ihren kleinen Tadel damit untermalen.

Doch der darauf folgende Augenaufschlag sollte jene kleine Bissigkeit umgehend entschuldigen. Aber ob diese Geste als solche oder aber nur als weitere kleine Spitze aufgefasst werden würde, konnte sie nicht abschätzen. Vielleicht blieb es auch unbemerkt. Immerhin hatte sich die Wahrnehmung von Gesten und Worten zwischen ihnen beiden verändert, so dass sie auch nicht weiter darüber nachdachte, ob und wie er es auffassen würde.

Dass er vorerst ihre Antwort als solche akzeptierte, nahm sie dennoch zur Kenntnis. Vermutlich ein Zugeständnis seinerseits, weil er durchaus wusste, dass sie sich nicht bedrängen lassen würde und es nur die Fronten abermals zwischen ihnen verhärten würde, da er es nicht nachvollziehen konnte oder wollte.


So stellte sie das Glas neben das Buch auf den Tisch, bevor sie nach ihrem Umhang griff. Im Augenblick sah sie keinen großen Anlass zu bleiben. Besonders nicht, da sie keine Ambitionen dazu hegte, dass am Ende vielleicht doch noch der Fokus wieder auf ihren Gemahl und sie fiel und sie sich zu irgendwelchen Loyalitäten rechtfertigen sollte. Sie hatte einen Eid geleistet, einen Eid, dem sie bis zum heutigen Tage treu war und wenn man daran Zweifel hegte, sollte man es aussprechen. „Nun ich denke, Ihr habt alle zu tun.“

Mit diesen Worten warf sie sich den Umhang über die Schultern und hob ihre wilden locken unter den dunklen Schatten der Kapuze, um sich zurück zu ziehen. Sicherlich hätte sie Shilana zur Hand gehen können oder aber schauen können, was ihr Bruder mit der Dirne in den Kerkern zu besprechen hatte. Vor langer Zeit hätte sie das ein oder andere sogar in Betracht gezogen, aber jetzt sah sie darin keine Notwendigkeit, außer vielleicht der schwindend geringen Neugier, welch Namen auf den Listen der Rose erscheinen würden oder welch Worte Landru in den Kerkern finden würde. Ein kurzes Blitzen huschte über ihren Blick, bevor ein Wimpernschlag den Gedanken beiseite strich. Nein sie würde sich keinesfalls hinreißen lassen ihre Hilfe anzubieten.

Ihre Finger lösten sich vom Saum der Kapuze, welche ihre Züge in ihrem Halbschatten verschwinden liess. Kurz nickte sie Landru zu und nur das aufblitzende Dunkel ihrer Augen schien in dem Halbdunkel erkennbar zu sein, als sich ihr Blick Shilana zuwandte. Sofern sie beide ihren Aufgaben nun nachgehen und keinerlei Anstalten machen würden, um Lillyth selbst in irgendeiner Form gar in jene mit einzubeziehen, würde sie die beiden sich selbst überlassen.
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Gemahlin von Norax Vykos
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† Es ist schon immer eine gefährliche Unterschätzung des Bösen gewesen, ihm zu unterstellen, es kenne keine Liebe. †
† Lieben zu können ist kein Vorzug des Guten, sondern das einzige, was es mit dem Bösen verbindet. †

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