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Die dunkle Prophezeiung

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Adrian
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#1851

Beitrag von Adrian »

In der Zwischenzeit an einem anderen Ort.

Wo war Adrian? Eine Antwort, die Tanuri noch bekommen würde, wenn sie die richtigen Fragen stellte.

Das Licht der Morgensonne drang durch die Fenster des Arbeitszimmers inmitten der Gärten von Silberstreif. Adrian saß in einem der opulenten Sessel und schnippte mit den Fingern, nur um einen Funken zu entzünden. Ein leichtes Aufzüngeln an seinen Fingerkuppen, das er spielerisch über seine Hand tanzen ließ, während er es betrachtete.

Sein Blick ruhte auf der Flamme, deren Wärme keinen Einzug in das eisige Blau seiner Augen fand. Kontrolliert führte er das Feuer, ließ es wachsen, bis er die Hitze spürte, nur um sie im entscheidenden Augenblick in einer wegwerfenden Geste in den offenen Kamin zu entlassen, bevor er das Spiel von vorn begann.

„Ob ich sie gefunden habe?“ Seine Stimme klang samtig, doch im Nachhall vibrierte unüberhörbar der Nerv, den diese Frage freigelegt hatte. Ein kaum merkliches Zucken ging über seine Kiefermuskeln, bevor er kurz die Lider senkte.

Gefunden hatte er sie. Doch es war zu spät. Er hätte sich von niemandem abhalten lassen dürfen. All die Verzögerungen und fadenscheinigen Argumente waren der Grund dafür, dass er nur noch mitansehen konnte, wie Naheniel Freya mit sich nahm. Ihre Hand, die sich nach ihm ausgestreckt hatte.

Alles, was Adrian nach Hause brachte, waren die sterblichen Überreste seiner Schwester. Alyssa, die nun frei war.
   

 
Die Nacht war still und kalt. Adrian stand allein am Ufer des schwarzen Sees, an dem er viel Zeit mit Verlion und Alyssa verbracht hatte.
Vor ihm erhob sich der Scheiterhaufen aus sorgfältig aufgeschichteten Eichenstämmen und trockenem Kiefernholz, hoch genug, dass die Flammen weit in den Himmel reichen würden.

Alyssa lag auf dem Holz, in ein einfaches weißes Leinen gehüllt, das er selbst um ihren Körper gewickelt hatte.
Ihre Hände ruhten gefaltet auf der Brust, der Ehering an ihrem Finger.

Adrian trat näher. Seine Stiefel knirschten leise auf dem Kies.
Die Schatten um ihn herum lagen ruhig, doch sie waren dicht und schwer, als hielten sie den Atem an.

Er hob die rechte Hand. Ein einzelner Funke sprang von seinen Fingern auf das Holz über.
Die Flammen züngelten zuerst zögernd, dann fraßen sie sich gierig in das trockene Holz.

Er stand regungslos da, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, die Kiefer fest aufeinandergepresst.
Die Hitze schlug ihm ins Gesicht, doch er wich nicht zurück. Das Feuer knisterte laut, knackte, als die ersten Äste barsten.
Rauch stieg auf, schwer und beißend, und trug den Geruch von verbranntem Holz und Fleisch in die Nacht.

Adrians Blick blieb auf Alyssas Gestalt gerichtet, bis die Flammen sie ganz umschlossen.
Ein einzelner Muskel an seiner Schläfe zuckte. Er sagte kein Wort. Kein Gebet. Kein Abschied.

Nur das Prasseln des Feuers und das leise, tiefe Summen der Schatten existierten, die sich um seine Beine legten und langsam höher krochen, als wollten sie ihn stützen oder festhalten.

Die Flammen stiegen höher. Funken stoben in den dunklen Himmel wie verlorene Seelen.
Adrian blieb stehen, bis das Feuer alles verzehrt hatte, bis nur noch Glut und Asche blieben.

Alyssa hatte nun ihren Frieden gefunden.

Mit einem Blinzeln wandte er sich ab. Mehr hatte er nicht tun können.Weder für seine Schwester noch für Freya.
Er war zu spät gekommen.

Er hätte Naheniel aufhalten können, hätte er sich nicht auf die Argumente anderer eingelassen und unnötig Zeit verschwendet.
Doch nun hatte sein Freund endgültig Grenzen überschritten und dafür würde den Preis bezahlen.
   

   
Abermals schnippte Adrian und ein Funke sprang auf, ehe er mit scheinbarer Gelassenheit sah er zu Rosalind. Weder brauchte er ihren Zuspruch noch war ihm danach darüber zu sprechen. Es war lang genug geredet worden.
Geduldig und ruhig wanderte die Flamme über seinen Handrücken, ehe sich seine Finger drehten, bis sie im Zentrum seiner Handfläche lag.

„Ich bin nicht hier, um Fragen zu beantworten, sondern um Antworten zu erhalten.“

Kalt griff sein Blick nach Rosalind und hielt sie durchbohrend fest, während sich seine Hand zur Faust schloss und die Flamme darin erstickte. Keine Regeln mehr. Keine Widersprüche.

„Ich wiederhole mich ungern, also? Wo ist das Nordmädchen?“
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖ Gemahl der PriesterinTanuri Al Saher
❖ Bruder des Verlion Al Saher ❖ Vater der Freya Al Saher ❖
Gnade oder Mitleid haben noch nie einen Feind besiegt. ❖

 
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Landru
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#1852

Beitrag von Landru »

Altes Gewölbe

Angst weben war nicht schwierig, wenn einem klar war was wichtig für die Personen ist. Eine Mutter würde, so sehr sie es versucht zu verbergen immer ihr Kind schützen. Ein Kind sah zu seinen Eltern auf als wären es Götter. Dem Mann ist seine Familie heilig und mancher unbedarften Jungfer ihre Freundin. Alles in allen aber gibt es nur wenige die keine sozialen Kontakte auf irgendeine Weise genossen. Unter Schmerzen geboren ist die Mutter fast immer dazu verdammt ihr Kind zu lieben. Ob sie will oder nicht. So sehr Tanuri ihr Kind mit Ablehnung straft öffnet sie damit nur noch mehr Türen. Ein Kind das verzweifelt nach der Liebe und Anerkennung bettelt wird irgendwann woanders danach suchen. Eine Zwickmühle, denn egal wie man es dreht oder wendet, es gibt keinen vollkommenen Schutz vor der dunklen und grausamen Welt. 

Das Mädchen pflückte weiter ihre Kräuter und summte vor sich her. Das ruhige Schlagen ihres Herzens verriet sie war nicht aufgeregt oder gar erschreckt. Es war heller Tag, was sollte sie auch fürchten, wenn die Sonne alles ins Licht tauchte. Im Schatten der kalten Mauern konnte er sie beobachten, wenn auch nicht erreichen. Das war nicht nötig. Der Untot war geduldig. 

"Purrrrr.... Miau." Eine kleine gestreifte Katze rieb sich am Gestein und hob den Hintern ein wenig vor Genuss an. Das Köpfchen strich sich immer wieder und dann ruckte der Kopf mit wachsamen Ohren in seine Richtung. Die meisten Tiere scheuen seine Anwesenheit, aber mit ein wenig Blutmacht, waren sie manchmal gewillt zu gehorchen. Es war ein leiser schnurrender Laut der über die Lippen des Unholds kam. Verwechselnd ähnlich dem einer Katze. Die Ohren entspannen sich langsam. Der Schweif windet sich achtsam hin und her. Ein Tier bewertet nicht über gute Tat oder schlechte Taten. Ein Tier entschließt einfach zu tun oder nicht zu tun je nach Instinkt der es leitet. Ein Tier kennt kaum Moralische Prinzipien und so war es der Katze egal was der Unhold erbittet. Für sie war das nichts, für ihn konnte es eine Menge sein. Die Katze wandte sich um. Strich sich am Mauerwerk entlang ins Sonnenlicht. Das Mädchen wurde aufmerksam. 

"Oh na wer  bist du denn kleines." Fragte sie verzückt und lenkte ihre Hand langsam in Richtung Tier das dort hockte und sie betrachtete. Die Schnauze musterte kritisch die Hand bevor die Nase begann zu schnuppern und schließlich den Kopf in die Handfläche zu drücken. "Du bist ja hübsch." Das Mädchen lächelte selig. Wie ein kleines Tier und eine sanfte Geste so viel Freude und Glück auslösen konnte. "Gefällt dir das?" Ein bestätigendes schnurren und der Katzenleib der sich der streichelnden Hand entgegen streckte. Der Blick der aussah wie: Hör bloß nicht auf. Ein sanftes Band an Vertrauen das geknüpft wurde zwischen Tier und Mensch.

"Purrrr."

Das Unheil ist geduldig im Schatten. 
Er kann warten. 
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
"Es widerspricht meiner Moral, mich an eure zu halten!"
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Tanuri
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#1853

Beitrag von Tanuri »

 
Der Anblick des kleinen Mädchens, das so verzweifelt den Bären umklammerte, versetzte ihr einen Stich, den sie aber weiterhin gekonnt hinter einer Maske aus Kälte verbarg. Nymerias hoffnungsvoller Blick und ihre leise, sanfte Stimme machten es nur schlimmer und so flackerte für einen winzigen Moment etwas in ihrer Brust auf - vielleicht jener mütterliche Instinkt, den ihr so viele absprachen - doch sie erstickte es sofort, bevor es sich ausbreiten konnte. 
 
Anstatt diesem also nachzugehen, starrte Tanuri Nymeria zunächst schweigend an, ohne eine wirkliche Ahnung zu besitzen, wie sie mit ihr und der Bitte umgehen sollte. Es schien ihr wie eine Ewigkeit her, als Nymeria an diesem einen gemeinsamen Abend auf ihrem Schoß gesessen war. Stunden des Abschieds, in welchen sie die Zweisamkeit genossen hatten und von denen Tanuri fest überzeugt gewesen war, dass es die letzten Momente mit ihrem Kind seien.

Vielleicht war es ihr deshalb so leicht gefallen, die Nähe, die Nymeria von ihr einforderte, zu geben und nicht weiter darüber nachzudenken, was diese früher oder später bedeuten würde. Und obwohl sie einander doch kaum kannten und Tanuri ihre Tochter bisher immer zurückgewiesen hatte, waren diese Stunden so vertraut und so innig, als wären vor jenen schon viele gewesen, die genauso waren. Aber wozu hatte es geführt? Dass Nymeria sich Hoffnung machte. Eine Hoffnung, die doch enttäuscht werden würde. 
 
Kontrolliert atmete Tanuri ein, straffte ihre Schultern noch etwas mehr und richtete ihren Blick bewusst über Nymerias Kopf hinweg, anstatt ihr direkt in die Augen zu sehen. "Frühstück wäre nicht notwendig gewesen."

Das war nicht einmal eine Lüge. Sie verspürte keinen Hunger oder auch nur irgendeine Form von Appetit. Am Abend zuvor hatte eine Magd ihr eine dampfende Suppe mit Gemüse und Huhn und ein wenig Brot gebracht. Von beidem hatte sie gekostet und es schon nach wenigen Löffeln beiseite gestellt. Es schmeckte lasch und fahl und alles in ihr sträubte sich danach, etwas zu essen. War das nun also das Leben, zu dem sie von ihrem eigenen Mann verdammt worden war? In kurzer Zeit nicht mehr wie eine wandelnde Leiche? 
 
Bei diesem Gedanken krauste sie kurz ihre Nase und ihr Mund verzog sich zu einer schmalen, verärgerten Linie. Sie hätte ihn ja dazu befragt, nicht nur zu dem, was er getan hatte, sondern auch dazu, was sie nun genau war. Aber er war ja nicht hier. 
 
Stattdessen spürte sie Goswins Blick auf sich ruhen, in welchem die stumme Aufforderung lag, sich dem Wunsch des Kindes zu fügen und sich einer trauten Familienidylle mit Tochter und Vater hinzugeben. Recht mutig, wenn man bedachte, welche Stellung der einfache Soldat bekleidete und was er sich bisher ihr gegenüber innerhalb kürzester Zeit geleistet hatte. Jedoch versuchte sie gar nicht erst, ihn fortzuschicken und ihm zu befehlen, das Mädchen gleich mitzunehmen. Was auch immer Adrian getan hatte, damit der Soldat ihm gehorchte, es schien Eindruck hinterlassen zu haben. 
 
Einen weiteren, schier endlos scheinenden Moment, blieb sie reglos stehen. Achtete man aber auf die kleinen verräterischen Bewegungen ihrer Hände und den nahezu unsichtbaren Veränderungen in ihrem Gesicht, merkte man, wie sehr sie sich dagegen sträubte, nachzugeben. Tanuri wollte nicht nach unten gehen, sie wollte sich nicht dem Gesinde aussetzen und das erwartungsvolle Strahlen in Nymerias Augen ertragen, das sie ohnehin enttäuschen würde. Was sie wollte, war die Welt und die Menschen auszusperren, ganz so wie sie es schon oft genug getan hatte, als ihr Mann noch nicht ihr Mann war und sie niemandem für irgendetwas Rechenschaft schuldig war. 
 
Doch sie wusste, dass sie keine Wahl hatte. Nicht jetzt. Nicht vor Goswin, der so vehement darauf pochte, ihr an ihren Fußsohlen zu kleben und schon gar nicht vor ihrer Tochter. 
 
So löste sie mit Widerwillen die ineinander verschränkten Hände und strich einmal glättend über ihre Robe. Eine kleine, eigentlich recht unbedeutende Geste, die aber in diesem Augenblick ihre Unsicherheit verbergen sollte. "Nun gut. Ich werde mit hinunterkommen. Ruhe werde ich hier ja anscheinend keine finden."

Knapp hob sie eine ihrer Brauen und warf Goswin dabei einen eisigen Blick zu, der ihm deutlich machen sollte, dass sie seine Vorgehensweise nicht vergessen würde. Sie machte eine flüchtige, herrische Geste in Richtung der Tür, um dem Soldaten zu deuten, dass er zur Seite treten solle. Dann sah sie wieder zu dem Kind und nickte diesem auffordernd zu. "Geh voraus, Nymeria."

Es war kein sanftes "Komm, lass uns gemeinsam gehen.", sondern viel eher einem deutlichen Kommando gleich, das genauso distanziert klang, wie ihre gesamte Haltung es war. Die Priesterin machte keinen Schritt auf das Mädchen zu, bot ihr nicht die Hand an und berührte sie nicht. Anstelle dessen blieb sie weiterhin bewusst auf Abstand und hielt dabei die unsichtbare Linie aufrecht, die keine von ihnen zu überschreiten hatte. 
 
Gemeinsam - und doch jeder für sich - gingen sie in Richtung der Treppen, während von etwas weiter das tockende Geräusch eines Stocks zu hören war. 

 

Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya ~~ 

Anführerin der Legion des Schattens
Frau des Adrian Al Saher 
Mutter der Nymeria Al Saher 
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Rosalind
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Registriert: Fr 6. Mai 2022, 20:03

#1854

Beitrag von Rosalind »

In Silberstreif
 
 

 
Unerwarteter Besuch. Sollte sie überrascht sein? Nicht wirklich. Schließlich was sollte sie vor mehr Unglauben stellen, als das Aufeinandertreffen mit Tanuri. Rosalind war sich bewusst darüber, dass Adrian seine Pläne verfolgte und seinen Willen durchsetzte. Diese Form von Willen jedoch war ein neuer Wesenszug mit dem er gleichzeitig Mächte herausforderte, die rücksichtslos ihren Preis einforderten. Früher oder später. Niemand spielte mit dem Tod und gewann am Ende, außer es war der Wille der Götter. Was auch immer der General getan hatte, er spielte ein mehr als gefährliches Spiel. Doch um all das zu hinterfragen war jetzt icht der richtige Zeitpunkt. 

Das Arbeitszimmer in Silberstreif war ein Raum, der Widersprüche liebte. Schweres dunkles Holz und üppige Bücherregale standen im Kontrast zu dem Morgenlicht, das ungehindert durch die bodenhohen Sprossenfenster fiel und goldene Bahnen über den Boden zog. Träge tanzten Staubkörnchen in den Lichtstrahlen, während Rosalind sich anmutig durch den Raum bewegte.

Sein Blick, der sie für einen kurzen Moment einfing, wirkte nicht nur ernst, sondern schlichtweg gnadenlos.  Er war zu weit gegangen, das wusste er, oder? Rosalind verengte musternd die Augen, ohne ihre Gedanken oder ihre Skepsis auszusprechen. 

„Natürlich, General.“ Leicht krauste sich ihre Nase, bevor sie sich von ihm abwandte und mit müheloser Eleganz durch den Raum schritt. Das dunkelgrüne Kleid folgte ihr wie ein Schatten, der Stoff schwang in ruhigen Wellen um ihre Beine, während das offene blonde Haar ihr über die Schultern fiel und im Licht beinahe zu leuchten schien.

Ihre Hand streckte sich nach einer der drapierten Kristallflaschen aus und den Stopfen entfernte. 

„Das Nordmädchen." Sie ließ die Worte auf der Zunge zergehen, als koste sie einen Wein, dessen Jahrgang sie bereits kannte. Ein kleines, schiefes Lächeln erschien auf ihren Lippen, während sie langsam etwas von der goldenen Flüssigkeit in zwei Gläser goss. Nicht mehr als zwei Finger breit. Sie war sich bewusst, dass Adrian sie nicht aus den Augen ließ. Jedoch nicht aus einem Begehren oder einer Lust heraus, sondern weil er auf ihre Antwort wartete.

„Ich habe sie gefunden." Entgegnete sie mit einem sanften aufgelegten Lächeln.  Verborgen vor ihm weiteten sich ihre Augen in dem Wissen, dass ihm der restliche Teil der Antwort weniger gefallen würde. Zärtlich strich sie über die Flasche, ehe sie den Stopfen griff und sie wieder verschloss.

Ein kurzer tiefer Atemzug, ehe Rosalind nach einem der Gläser griff und sich zu ihm herumdrehte, nur um direkt von seinem Blick getroffen zu werden. Hell und wach schimmerten ihre Augen und streiften ihn mit einer Leichtigkeit, die nichts von der Schärfe verbarg, die dahinter lauerte.

Sie ließ die Pause wirken, bevor ihre andere Hand sich nach dem zweiten Glas ausstreckte. Sanft schmiegte die Seide sich um ihren Körper, als sie einen Schritt näher an ihn herantrat und das Glas neben ihm auf den kleinen Tisch bei seinem Sessel abstellte. „Sie war hier. In Silberstreif.“  

Ruhig wandte Rosalind sich dem anderen Sessel zu und ließ sich auf der Armlehne nieder. Leicht senkte sie ihr Wimpern, ohne Adrian aus den Augen zu lassen und führte ihr Glas an die Lippen. Nachdenklich nahm sie einen kleinen Schluck, ehe sie weitersprach. „Nicht allein, wohlgemerkt. Naheniel war bei ihr. Aber das hattest du ganz offensichtlich geahnt."

Rosalind neigte den Kopf ein wenig zur Seite, das Haar glitt über ihre Schulter. Ihr Lächeln blieb, doch etwas darin wurde schmaler. Dass Naheniel wohl wenig Skrupel gehabt hätte, womöglich an ihr als Adrians Botin, ein Exempel zu statuieren, war ihnen beiden bewusst. Ebenso, dass er sie an einen anderen Ort bringen würde. Was hatte der General erwartet? 

„Du wusstest, dass er sie nach deiner Provokation fortbringt.“ Ihre Stimme hatte jetzt einen anderen Unterton, sachlicher und direkter. Ein tadelndes Echo, das sich in ihren Tonfall schlich, auch wenn sie nur ahnen konnte, was in den Zeilen der versiegelten Botschaft gestanden hatte. Aber ganz gewiss war es kein Friedensangebot an Naheniel gewesen, weshalb die Reaktion mehr als vorhersehbar gewesen war. Mit einem prüfenden Blick sah sie zu Adrian und hob eine Augenbraue an. Es würde ihm nicht gefallen, doch die Wahrheit blieb nunmal die Wahrheit. „Wohin jedoch, kann ich dir nicht zu sagen." 
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※ Bereue nur jene Sünden, die du nie begangen hast ※ 
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Nymeria
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#1855

Beitrag von Nymeria »

Worüber auch immer Mutter in diesem Moment nachdachte, was sie innehalten und zögern ließ, wusste Nymeria nicht. Doch sie sah, wie sie die Lippen zu einer schmalen Linie zusammenpresste und sie keines wirklichen Blickes würdigte.

Wusste Mutter, was geschehen war? Dass sie beinahe wegen ihr nie wieder aufgewacht wäre? Dabei hatte sie wirklich nur bei ihr sein und ihre Hand halten wollen. War das so falsch gewesen? Nymeria blinzelte, während sie durch die flaumigen Locken hindurch zu Tanuri blickte. Ihre kleinen Finger nestelten an dem Bären.

Es war ein Unfall. Nein – es war seine Schuld. Aber sie würde es wiedergutmachen. Mila hatte gesagt, sie würde sich bestimmt freuen.

Sie war sich ganz sicher, dass es ihr gefallen würde. Dass es irgendetwas in ihr bewegen würde, irgendetwas, das die Mundwinkel ein kleines Stück nach oben zog. Es musste ihr gefallen. Und Hunger hatte sie bestimmt auch, nach der langen Zeit, die sie ...

Unwirsch krauste sich Nymerias kleine Nase, als sie sich halb zu ihr umdrehte. „Mila sagt, Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit."

Dass Goswin ihnen die Treppe hinab folgte, kümmerte das Mädchen wenig. Sie ging neben ihrer Mutter, die Schritte gleichmäßig, den Bären fest unter den Arm geklemmt, während sie dem Flur folgten. Im Bauch kribbelte es, warm und aufgeregt, auch wenn es im nächsten Moment wieder seltsam wurde. Ein komisches, flaues Flattern, das sie nicht wirklich beschreiben konnte.

Kurz vor der Küchentür griff Nymeria nach der Hand ihrer Mutter. Der Geruch von frischem Brot schlug ihnen warm und schwer und vertraut entgegen, zusammen mit dem Duft von Speck und gebratenen Eiern, Schinken und Honig. Ihre kleinen Finger schlossen sich fest um die ihren und zogen sie sanft mit, als sie bereits im Türrahmen standen.

„Wir sind da." Nymeria blinzelte zu der Hausdame hinüber. Der Tisch war gedeckt. Ordentlich und mit reichlich zu Essen. Karaffen mit Saft und Krüge mit Milch sowie Tee standen bereit, während Mila selbst durch die Küche wirbelte und im ersten Moment zusammenzuckte.

Mit einem Lächeln sah sie zu Tanuri, während sie eine Schale mit Quark in den Händen hielt. Erstaunt weiteten sich ihre Augen, als hätte sie Zweifel gehabt, ob das Mädchen sie wirklich mitbringen würde. Doch was immer der wahre Gedanke dahinter war, sie verbarg ihn unmittelbar, während sie die Schüssel auf den Tisch stellte.

„Priesterin. Guten Morgen." Eilig wischte sie sich die Hände an ihrer Schürze ab und zog den Stuhl für Tanuri zurück, um ihr den Platz zu zeigen, den das Mädchen extra für ihre Mutter hergerichtet hatte. Sie wusste ihre Unsicherheit zu verbergen, auch wenn ihr Blick für einen kurzen Moment länger als nötig prüfend auf Tanuri lag, als würde sie sich fragen, ob sie wirklich lebendig war und was für eine Magie der General da heraufbeschworen hatte. „Kommt, setzt Euch."

Goswin war ihnen bis in den Türrahmen gefolgt, wo er nun stehen blieb. Keine weiteren Schritte, kein Wort. Er lehnte sich kaum merklich gegen den Pfosten, die Hände ruhig, den Blick still in den Raum gerichtet, doch ließ er weder Tanuri noch ihre Tochter für einen Moment aus den Augen.

Nymeria zog Tanuri weiter mit sich, bis sie den Platz erreicht hatte, an dem ein kleiner Strauß einfacher Gänseblümchen in einem Glas Wasser standen. 
Nachdem das Mädchen sich gesetzt hatte und ihren Bär auf dem Schoß drapiert den Platz mit ihr teilte, sah sie erwartungsvoll hinauf zu ihrer Mutter, um sich zu überzeugen, dass es ihr gefiel und sie sich freute. Leicht und ein wenig unsicher zuckten ihre Lippen zu einem Lächeln. „Adrian hat ihr jeden Tag die Blumen gebracht und gesagt, dass Mutter sie mag."
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⚜ Tochter der Priesterin und Hüterin Tanuri Al Saher- Enkelin des Hütervaters Stellan var Aesir ⚜
⚜ Kleines Halbblut ihrer Schwester Syndra ⚜ Stieftochter des Adrian Al Saher ⚜

~ Alle doof, außer Mutter!~
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Der Fuchs
Bauer / Bäuerin
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Registriert: Sa 14. Mai 2022, 21:11

#1856

Beitrag von Der Fuchs »

Aus Gottes Hand empfing sie das Leben,
unter Gottes Hand versuchte sie es zu gestalten,
und in Gottes Hand gab sie es zurück. 


Die dunkle Kirche - bis zur Weihe der Adeptin vertreten durch Vargus - gibt den Tod der Priesterin Tanuri Al Saher bekannt.


 
Kadir überflog die weiteren Zeilen und legte das Pergament dann zur Seite, um zu seinem Gegenüber aufzusehen. "Nicht tot?" 

Der Mann schüttelte langsam den Kopf, machte es sich ein wenig bequemer und schlug lässig seine Beine übereinander, während ein wissendes Lächeln seine Lippen umspielte. 
"Nein." 

Mit einem tiefen Seufzen fuhr der Fuchs sich über sein Gesicht und seinen rotblonden Bart, bevor er nachdenklich die Stirn in tiefe Falten legte. "Wie sicher bist du dir?" Der Mann lachte auf, sagte aber sonst erstmal nichts, sondern ließ seinen Blick durch das Arbeitszimmer schweifen. Es war das erste Mal, dass er diesen Raum betreten durfte, obwohl er für den Fuchs schon seit Jahren die Ohren offenhielt. Der Mann war ein Wanderarbeiter, mal hier, mal dort, nie wirklich lange an einem Ort und nie an Menschen gebunden. Genau das war es, was ihn für Kadir wertvoll machte. Wenn auch nicht so wertvoll, wie der Mann von sich dachte. 

"Die Soldaten der Legion haben darüber beim Würfeln gesprochen." Sagte er schließlich und sah Kadir nun direkt in die Augen. "Das sind keine Klatschweiber, die sich nur wichtig machen wollen. Gute Männer, die wissen. Loyal. Sie wissen genau, zu wem sie gehören und was ein solches Gerücht für sie bedeuten könnte, wenn es sich als falsch herausstellt." 
Er wartete kurz ab, wohl um zu sehen, ob darauf reagiert wurde, fuhr dann aber fort, als er nur Schweigen erhielt. "Ihnen gehts gut bei der Legion. Der Lohn ist mehr als angemessen und die Ausbildung gut. Sie wären dumm, dass alles für eine Lüge zu aufs Spiel zu setzen." 

Ein leises, unzufriedenes Brummen drang aus Kadirs Kehle und er schloss für einen Moment seine Augen. Das änderte einiges. Mehr, als ihm lieb war. Er lehnte sich in seinem schweren Sessel zurück, ließ den Kopf gegen die hohe Lehne sinken und atmete langsam aus. 

Das flackernde Licht der dicken Kerzenstumpen warf lange, unruhige Schatten über den Tisch und tanzte über ausgebreitete Karten, beschriebene Pergamente und versiegelte Briefe, die in kontrollierter Unordnung ausgebreitet auf diesem lagen. Genauso wie der kirchliche Aushang, den man an die Tempel- und Stadtmauern genagelt hatte. 

"Sie lebt also." Murmelte er schließlich nach einer langen Weile des Schweigens mehr zu sich selbst als zu seinem Informanten. Die Erklärung war glaubhaft. Kadir wusste um die treue Gefolgschaft der Soldaten der Legion, genau wie es bei fast allen großen Gilden der Inseln immer noch der Fall war. In dieser Welt bedeutete es noch etwas, wenn man in den Dienst einer solchen Vereinigung trat, um sie im Krieg wie auch im Frieden zu schützen und zu verteidigen. Wer seinen Eid durch eine Lüge brach, nur um sich irgendwie wichtig zu machen, wäre nicht nur dumm, sondern meist auch bald tot. So handhabte er es und viele andere Gilden, völlig zurecht, auch. 

In einem langsamen, nachdenklichen Rhythmus trommelten seine Finger auf das dunkle Holz, während er versuchte, die Zusammenhänge zu verstehen. War sie nun tot gewesen? Oder war alles nur ein raffiniert inszeniertes Schauspiel? Dann öffnete er seine Augen wieder und sah auf das Pergament. Die Kirche hätte eingeweiht werden müssen und er war sich nicht sicher, ob jemand wie Vargus für solche Streiche zu haben war. Aber wie in der Götter Namen war es möglich, den Tod zu überlisten und aufzuerstehen? 

Fraglich, ob er jemals eine Antwort darauf erhielt. Alles in allem war es aber nicht erfreulich. Nicht, weil er ihr den Tod gewünscht hätte, sie kannten einander lange und er konnte sie gut leiden. Zumindest dann, wenn sie ihre Rechnungen bezahlte. Aber eine lebende Priesterin bedeutete unvorhergesehene Komplikationen. "Wie ungünstig." 
Sein Gegenüber, der im weiteren Verlauf der Geschichte nicht weiter wichtig war und deshalb keinen Namen tragen musste, zog leicht eine Braue in die Höhe. "Dass sie lebt?" 

Kadir antwortete nicht, sondern erhob sich stattdessen in einer geschmeidigen, nahezu lautlosen Bewegung von seinem Sessel und trat um den Tisch herum. "Wir sind fertig für heute."  Aus seiner Manteltasche zog er einen kleinen Beutel Gold, warf ihm dem Mann entgegen und lehnte sich daraufhin abwartend, dass dieser gegen die Tischkante. 

Der Informant schien überrascht, hatte er doch damit gerechnet, aufgrund so einer brisanten Neuigkeit länger bleiben zu können, mehr zu erfahren und vielleicht tiefer in die Geheimnisse der Diebe eintauchen zu dürfen. Der Gesichtsausdruck und die Körperhaltung des Fuchses war aber doch recht deutlich, weshalb er mit einem Nicken aufstand, sich freundlich verabschiedete und aus der Tür hinaus verschwand. 

Kadir wartete. Er kannte die Macht der Neugier und wie dünn selbst die dicksten Türen waren. Erst, als er sich sicher war, dass der Mann wirklich fort war, drehte er den Kopf leicht nach rechte. Einer seiner Diebe, der vorhin noch in einer schlecht beleuchteten Ecke, von dem Gast unbemerkt, verharrt hatte, trat nun hervor. Er war, so tuschelten es zumindest jene aus Kadirs engsten Kreis, so etwas wie seine rechte Hand, weshalb der Dieb es sich wahrscheinlich auch erlauben konnte, den Fuchs in diesem Moment mit unverhohlener Erheiterung zu betrachten. "Du bist nicht zufrieden, wie mir scheint." 

Als Antwort hob er seine Lippen zu einem sarkastischen Lächeln und verschränkte die Arme vor seiner Brust. "Mhm." Nein, das war er tatsächlich nicht. Den Ring von einer Toten zu stehlen, war schon eine heikle Angelegenheit gewesen. Bei einer Lebenden, noch dazu, da es sich um den Priesterring handelte, wurde es jetzt zu einem ganz anderen Spiel. Das Geschäft war jedoch besiegelt und nur weil sich Voraussetzungen änderten, galt das nicht für die Vereinbarung. 

Was er sowieso schon über die Familie Vykos wusste und in den letzten Stunden seit der Begegnung mit Landru herausgefunden hatte, ließ nichts Gutes für ihn ahnen, falls er nicht hielt, wofür man ihn bezahlen wollte. Er sah wieder nach vorn und starrte in Richtung der Tür, als könne diese ihm Hilfe liefern. Natürlich gab sie ihm keine, weshalb einer seiner Mundwinkel verstimmt nach oben zuckte. "Ich habe ein Problem."
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Es ist nicht wichtig, wer das Spiel beginnt, sondern wer es beendet.
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Stellan
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 71
Registriert: Mo 5. Dez 2022, 16:26

#1857

Beitrag von Stellan »

Es war Bewegung im Haus. Er hörte es wohl, aber sah es noch nicht. Doch wo Geräusche waren, waren in der Regel auch Leute. Das Klappern von Geschirr und eifrigen Schritten lockten ihn an. Langsam. Bedächtig. Keine Eile. Es mögen also nur wenige Minuten vergehen, als er vor der Tür stand die Goswin bewachte und ihm Sicht wie auch Eingang versperrte. Er schmälerte den Blick. "Muss ich eine Parole sprechen, oder kann ich so eintreten?" Fragte er mit einem undurchsichtigen Lächeln. Es hatte einen kleinen Hauch von Bissigkeit über den Umstand das er überhaupt fragen musste, aber natürlich war dies nicht sein Haus. Trotzdem. Er wurde warten gelassen und er war geduldig blieben obwohl Geduld nicht seine Stärke war. Scheinbar war der General wie Wasser, immer verschwunden in den kleinsten Ritzen. Nicht greifbar. Um so greifbarer war wohl was in der Küche stand. Vermutlich wird Goswin ihn nicht behindern, er war schließlich Familie, oder?

Über ihn konnte man vieles sagen. Egal ob man ihn mochte, was er jeden so schwer wie möglich machte oder nicht. Er war oft ziemlich ehrlich. Was leider immer nicht von Vorteil war. Seine Ehrlichkeit war verletztend, manchmal herabwürdigend und auch beleidigend. Vielleicht dachte er nicht genug darüber nach, bevor er Dinge sagte, dass mag stimmen. Es gab nicht viel was ihn noch überraschte, aber eine tote Tochter in der Küche stehen zu sehen, war schon durchaus eine kleine Gesichtsentgleisung wert. Sie währte kurz aber deutlich. Er hätte es nicht verhindern können. 

Einen Moment dachte darüber nach ob er sie sich einbildete. Das wäre ja nun nicht neues, aber so wie es aussah, wurde sie auch von den Anderen gesehen. Das erklärte auch Goswin in der Tür. "Oh." War es ein Possenspiel? Eine Falschmeldung um Feinde zu verwirren? War es geplant? Er war sich gerade nicht sicher ob er den Plan oder die Idee hinter der Vortäuschung eines Todes fand. Es verkomplizierte alles. Wobei für ihn nicht viel. "Wie mir scheint hast du dich entschieden mich doch noch eine Weile zu überleben. Mh?" Die raue Stimme des Hüters flog in den Raum mit einem Hauch von Sarkasmus. Normale Väter würden sich freuen. Würden ihre Tochter vielleicht glücklich in die Arme schließen und an sich drücken, erleichtert, dass sie noch lebte. In dem Blick Stellans lebte eine Mischung aus Irritation, Härme und Spott. Als würde er sagen: Selbst sterben kannst du nicht vernünftig. Er sprach es nicht aus, aber hielt es offensichtlich für keine Glanzleistung. Als hätte er nicht anderes erwartet. Trotzdem die Überraschung war gelungen. 

"Hallo Nymeria." Der Blick wandte sich der Kleinen zu. Weswegen er eigentlich gekommen war und irgendwie nie an sie heran kam oder an einen Entscheidungsträger. Aber jetzt war die erste Instanz scheinbar quicklebendig. Die Frage war nur wie weit würde Tanuri es zulassen, dass er das Kind an sich nahm, wo sie ihn doch kannte. "Darf ich mich setzen? Oder ist das so ein .. Mutter und Tochter Ding?" Er blieb auf den Stock gestützt und deutete auf einen freien Platz.
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Das Chaos wird entbrennen und aus diesem die ewige Dunkelheit geboren.
Und dann, wenn das Heer des Meisters sich erhebt, wird niemand ihm noch widerstehen können.
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Adrian
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#1858

Beitrag von Adrian »

Gefährlich flammte das dunkle Zentrum in Adrians Augen auf, ohne dass er seinen Fokus verlor. Eine verhängnisvolle Dunkelheit, die sich ausweitete und für einen flüchtigen Moment das Blau seiner Augen vollständig verschlang.

„Du weißt es nicht, Rosalind?“ Seine Stimme nahm eine eisige Süffisanz an, deren trügerische Wärme nur die Bedrohung dahinter schärfer hervortreten ließ. Nicht die Antwort allein, sondern auch Rosalinds Tonfall missfiel ihm.
War sein Auftrag derart missverständlich ausgefallen, das Nordmädchen ausfindig zu machen? Sie zu finden und wieder zu verlieren war sicherlich nicht das, was man erfolgreich bezeichnen würde. Und dass Naheniel um Syndra herumschwirrte, war ihm bewusst. Doch hatte er nie davon gesprochen, dass es einfach wäre.

Entschlossen legte Adrian seine Hände auf die Sessellehnen und erhob sich in einer geschmeidigen Bewegung daraus, während sein Blick der Herrin der Schmetterlinge folgte. Dunkel legte sich sein Schatten entgegen dem Lichteinfall über den Raum und ihre Gestalt hinweg, als er in fließenden Schritten auf sie zuschritt. Keinerlei Zucken oder Regung schien in seinen verhärteten Zügen erkennbar. Nur die kühle körperlose Berührung der Schatten, sie über ihren Körper hinwegstrich.

Langsam hob er seine Hand und umfasste bestimmend ihr Kinn. Ein grober Griff, der unmissverständlich war. Seine Stimme hingegen senkte sich zu einem warmen Flüstern, in welchem ein enttäuschter Unterton beherrscht und doch gefährlich mitschwang.

„Ich denke, du wolltest sagen, du weißt es noch nicht.“ Kühl schimmerte sein Blick ihr entgegen, während er ihren an sich band und forschend in ihre Augen sah. Immerhin sollte sie nicht vergessen, wer sie war. Was sie war, und warum überhaupt sie war. Es wäre für sie beide sicherlich unglücklich, müsste er dahingehend Erinnerungen wachrufen. Was er gab, konnte er ebenso nehmen und bei Ogrimar, sie vertraute besser nicht darauf, dass er Zurückhaltung beherrschte.

„Nicht wahr?“ In einer konträren Sanftheit strich sein Daumen über ihre Wange, bevor er mit einem düsteren Lächeln seine Hand ihren Hals entlang fahren ließ.

„Finde sie. Das sollte deine oberste Priorität sein.“ Seine Stimme war warm und weich, während seine Brauen sich in der Stirn zu einer Linie zusammenschoben und er schweigend die Regungen auf Rosalinds Zügen ruhig musterte, ob sie seine Bitte verstanden hatte. „Du wirst sie finden und nicht nochmal verlieren.“

Behutsam griff er nach einer Strähne ihrer Locken, während er ihren Blick taxierte, in dem er eine gewisse Motivation auflodern sah. Sacht ließ er die Locke durch seine Finger hinab auf ihren Rücken gleiten. Die Herrin der Schmetterlinge hatte schließlich Verbindungen, sollten ihre eigenen Möglichkeiten nicht ausreichen. Oder?

Ebenso konnte sie sich die Antwort ohne Zweifel aus seiner Reaktion ablesen, auch wenn die unmittelbare Vermutung, dass er Syndra etwas antun wollte, nicht wirklich korrekt war. Was genau sie erwarten würde, hing ganz von ihrer eigenen Entscheidung ab.

Ruhig wandte Adrian sich herum und ging auf den Tisch zu, auf dem das volle Glas im Schein der Sonne schimmernde Facetten warf. Es wäre bedauerlich für das Nordmädchen, wenn sie ihn zu anderen Schritten zwingen würde und sich nur auf eine Weise für ihn nützlich erwies. Eine unnötige Verschwendung, doch letztendlich möglicherweise notwendig, wenn sie sich widersetzte.

Ohne seinen Gedanken daher auszusprechen, streckte sich seine Hand nach dem Glas aus, schließlich war es ebenso Vergeudung, den Whiskey unbeachtet stehen zu lassen.

„Drei Tage, drei Nächte.“ Beherrscht und doch mit deutlicher Autorität in der Stimme hob er das Glas an. Mehr Zeit gewährte er nicht, ohne Ergebnis. Es sollte ausreichen, um sie zu finden, vor sich herzutreiben und Naheniel aus den Schatten zu locken.

„Dann erwarte ich das Nordmädchen oder ihren Standort.“ Knapp hob Adrian eine Braue, während er auf die Flammen sah. Mit zwei Fingern stellte er das Glas wieder lautlos auf den Tisch, ehe er mit einem Blinzeln seinen Blick ein letztes Mal zu Rosalind schweifen ließ. Ein kalter, gnadenloser Glanz lag in seinen hellblauen Augen und streifte über sie hinweg, ehe er sich zum Gehen wandte.
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖ Gemahl der PriesterinTanuri Al Saher
❖ Bruder des Verlion Al Saher ❖ Vater der Freya Al Saher ❖
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Tanuri
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#1859

Beitrag von Tanuri »

Als Nymeria plötzlich nach ihrer Hand ergriff und sie sanft mit sich zog, versteifte sich Tanuris gesamter Körper. Für den Bruchteil einer Sekunde wollte sie die Hand zurückziehen, als hätte sie sich an ihrer Tochter verbrannt. Stattdessen ließ sie es geschehen – äußerlich reglos, innerlich jedoch stürmte das Chaos ihrer eigenen Gefühle.

Es war ihr anzusehen, dass sie nicht wusste, wie sie mit der Nähe ihrer Tochter umgehen sollte. Wo andere Eltern sich freuten, die Wärme des Kindes zu spüren und jede Sekunde des Beisammenseins genossen, war es ihr nicht möglich, irgendetwas davon zuzulassen. Im Gegenteil, alles in ihr pochte darauf, es abzuwehren und Nymeria, so wie sie es bisher immer getan hatte, schroff abzuweisen.

Irgendetwas in ihr aber hielt sie zurück, so zu handeln, wie sie es sonst tat. Die Begeisterung des Kindes war zu groß, so dass dieses die unsichtbaren Grenzen, die eigentlich immer deutlich gewesen waren, ohne groß nachzudenken übertrat. 
 
Und so kamen sie gemeinsam in der Küche an, aus der ihr der Duft von frischem Speck, warmen Brot und allerlei anderen Dingen entgegen schlug. Das Sonnenlicht tanzte durch die Fenster und zeichnete ein Spiel aus Licht und nur wenigen Schatten in den Raum, was ihn umso behaglicher machte.

Den Flur entlang gab es zwar einen größeren Speisesaal, in welchem für jeden genug Platz war, doch am Ende trafen sich die meisten immer hier, in dem gewölbten Raum, dessen dicke Steinmauern selbst im Sommer eine angenehme Kühle bewahrten. In der Mitte der Küche dominierte ein großer, offener Kamin aus rußgeschwärtzen Backstein, in dem selbst jetzt am frühen Morgen ein kräftiges Feuer knisterte. Darüber hingen schwere Eisenketten, an die man entweder einen der großen kupfernen Kessel befestigen konnte oder ein Gitterrost, um darauf Pfannen zum kochen oder Fleisch zum braten zu platzieren. 
 
Eine Arbeitsfläche, deren Oberfläche von Messerschnitten und den Spuren heißer Töpfe gezeichnet war, befand sich entlang des Fensters und an einer Stelle sah man sogar noch den Mehlstaub, wo Nymeria zuvor fleißig geholfen hatte, Teig für das frische Brot zu kneten. Über den Köpfen derer, die hier arbeiteten oder auch auf andere Weise ihre Zeit verbrachten, hingen kopfüber von den dunklen Deckenbalken zahlreiche Kräuterbündel, die einen angenehmen Duft von Rosmarin, Thymian, Salbei und Lavendel ausstrahlten. Es war ein durch und durch gemütlicher Raum, der Gesinde wie auch Gildenmitglieder immer wieder zum längeren verweilen einlud.
 
Entlang des langen, massiven Eichentisches, der gesäumt war von Bänken und einigen Stühlen, ließ sich nun das Kind gemeinsam mit ihren Bären nieder, um erwartungsvoll zu ihrer Mutter aufzusehen. Der Blick jener glitt über den liebevoll gedeckten Tisch, die Gänseblümchen und den Platz, den ihre Tochter extra für sie hergerichtet hatte. Was Adrian ihr wohl noch erzählt hatte, während die Mutter tot geglaubt war?

Überrascht von dem, wie Adrian anscheinend zu ihrer Tochter gewesen - und und auch davon, mit wie viel bedacht von dieser alles vorbereitet worden war, zog sie ein wenig ihre Brauen zusammen und für einen kurzen, wenn auch verräterischen Moment, wurden ihre Züge etwas weicher.
"Danke." Es war nicht viel, das sie sagte und immer noch blieb der Klang ihrer Stimme kühl. Trotz ihrer nach außen zur Schau gestellten Zurückhaltung, war eine leichte Veränderung in ihrer Körperhaltung zu sehen, als sie sich neben ihr Kind setzen wollte. 
 
Das änderte sich allerdings schlagartig, als sie die Stimme ihres Vaters, oder besser des Mannes, der diese Rolle nur sehr entfernt ausfüllte, in ihrem Rücken hörte. Als hätte er sie bei etwas ertappt, zog sie eilig ihre Hand von Nymerias fort und sog scharf die Luft ein. Bisher war keines der Aufeinandertreffen zwischen ihr und ihrem Vater in irgendeiner Art und Weise familiär gewesen.

Ganz im Gegenteil. Das einzig Väterliche, was er ihr gegeben hatte, war wohl die Ohrfeige gewesen, nachdem sie dachte, dass Lorena von Landru in Stücke gerissen worden wäre und dass sie Adrian verloren hätte. Vor Jahren hatte er ihr das Erbe der var Aesirs übergeben, jedoch gewiss nicht, weil sie seine erste Wahl war. Das hatte sie seither bei jeder Begegnung zu spüren bekommen. Aber das war es eben, was ihre Familie ausmachte. Keine falschen Gefühle, keine falschen Höflichkeiten, kein falsches Lächeln, keine falschen Hoffnungen. 
 
"Father." Als sie sich zu ihm umdrehte, senkte sie ihren Kopf und somit auch ihren Blick. Es war ihre Art der Ehrerbietung, die sie ihm jederzeit gab, denn trotz all der gegenseitigen Ablehnung, die sie füreinander übrig hatten, respektierte sie ihn zutiefst. Er war der Hüter vor ihr gewesen, oder je nachdem, wie man es auslegte, war er es noch.

Stellan hütete die Tradition der Familie und die Aufgabe, die ihnen durch Ogrimars Willen zugekommen war, ohne Rücksicht und ohne vor allem ohne Nachsicht, weshalb er wohl aus Enttäuschung über ihr angebliches Scheitern ob des Schicksals, das die Familie trug, die Mutter seiner beiden Kinder einst ermordete.

Wäre es Tanuri möglich, ihren Mann zu töten, wenn sie die Erfüllung der Prophezeiung und somit Ogrimars Macht in Gefahr sah? Könnte sie selbst jemals soweit gehen, nur um vor dem einzig Wahren zu zeigen, dass die Bestimmung über allem stand, was sie liebte? Wobei es tatsächlich mehr als fraglich war, ob Stellan jemals so etwas wie Liebe zu seiner Frau empfunden hatte. 
 
Nur langsam hob sie wieder ihren Blick und sah ihm fest in die Augen, als sie ihm mit einem angedeuteten Nicken einen Platz an dem langen Tisch anbot. "Setzt Euch und leistet uns Gesellschaft, Vater." Kurz hielt sie inne, um das von Häme und unverkennbaren Spott gezeichnete Gesicht zu betrachten, das ihn zu dem machte, was er eben nun einmal war. 

"Auch wenn Ihr mir freiwillig nichts geben würdet, tut mir zumindest für jetzt den Gefallen und drosselt Eure Unzufriedenheit darüber, dass ich immer noch hier bin. Das war nicht meine Entscheidung." 

 

Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya ~~ 

Anführerin der Legion des Schattens
Frau des Adrian Al Saher 
Mutter der Nymeria Al Saher 
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Nymeria
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#1860

Beitrag von Nymeria »

Was Adrian ihr Nacht für Nacht erzählt hatte, bis ihre Augen zugefallen waren, würde sie vielleicht eines Tages erfahren. Nymeria hatte jedenfalls an seinen Lippen gehangen. Kaum ein Detail war ihr entgangen und jedes hatte das krampfende Gefühl, dass Mutter für immer fort sei, ein bisschen besser gemacht. Ein Versprechen, das er gehalten hatte, denn sie war wieder hier. Ihre Hand war wirklich, auch wenn sie spürte, wie flau es im Magen wurde, wenn sie daran dachte, dass ihre Mutter beinahe über den Fluss der Seelen fortgegangen wäre. 

Aufrecht saß Nymeria auf dem Stuhl neben ihrer Mutter. Ruhig und beinahe erstarrt, doch offenbarte der Glanz in ihren Augen, die weiterhin auf Tanuri ruhten, dass sie diesen kleinen Moment wahrgenommen hatte. Dieses eine Wort, das ihre Mutter gesagt hatte. Die Bewegung, mit der sie sich neben sie hatte setzen wollen. Etwas, das ein vages, Lächeln auf ihre Lippen schrieb. 

Dann drang die Stimme in die Küche.

Die schlagartige Veränderung, die sie mit sich brachte, ließ auch Nymeria zur Tür sehen. Als die Hand ihrer Mutter zurückwich, richteten sich ihre Augen auf den Mann, der eintrat. 

Ohne sich zu regen, sah sie auf ihn. Kein Wimpernschlag durchbrach ihren Blick, der ihm in den Raum hinein folgte, während sich kaum wahrnehmbar wie ein Schatten eine körperlose Gestalt aus den Schwaden löste, die ihm zu folgen schienen. Eine Frau. Geisterhaft und dennoch von solcher Schönheit, dass sie den Blick auf sich zog. Sie schien Nymerias Anwesenheit nicht zu bemerken. Oder sie ignorierte sie. Wer wusste das schon.

War sie da oder auch nicht? Sah man sie? Vielleicht war sie selbst nicht mehr als der Nebel, der an allem haftete und den Raum in dieser Ebene auf gespenstische Weise erfüllte. Eine Ebene, die seit jener Nacht, über die Nymeria nicht nachdenken wollte, leer und still geworden war. Bis jetzt.

„Sie leben. Beide." Eine Feststellung, so einfach wie die Wahrheit selbst, glitt wie ein leises Flüstern über ihre Lippen. Ob Wunder, Schicksal oder Bestimmung war dem Mädchen gleich. Es brauchte keine Erklärung für etwas, das sich richtig anfühlte.

Mit jedem Schritt, den die Gestalt machte, wurde das Abbild der geisterhaften Frau deutlicher, bis jene an Stellans Seite stehen blieb. In dem fahlen Licht, das durch das Küchenfenster fiel, schimmerte ihr Haar auf und rahmte bildschöne Züge, deren Augen kühl wie ein Wintermorgen auf den alten Mann gerichtet waren. 

Nymeria löste ihren Blick nicht von ihr, als jene sich in dem Raum umsah, ohne von irgendjemand anderem wahrgenommen zu werden. Niemand, der ihr einen Platz anbot oder ihr einen guten Morgen wünschte. Aber das wunderte sie ebenso wenig, wie ihr ätherischer Anblick, durch den man hindurchsehen konnte.

Abrupt huschte ein Schimmern über Nymerias Augen, als sie ihren Namen hörte. Blinzelnd sah sie zu Stellan, der auf einen der freien Stühle deutete. 

Genau wie sie es bei ihrer Mutter zuvor beobachtet hatte, senkte auch sie kurz den Blick, nur um diesen danach auf den Stuhl zu richten. Unmerklich öffneten sich Nymerias Lippen einen Spalt, kaum hörbar, beinahe wie ein Echo.

„Abūo."

Einen Herzschlag lang ruhte ihr Blick auf Stellan. Dann glitt er an ihm vorbei an seine Seite. Dort wo niemand stand und sich doch die schemenhafte Gestalt einer Frau vor ihren Augen bewegte. Durch ihre dunklen flaumigen Locken hinweg fing Nymeria den Blick im Sonnenlicht auf. Ein winziger Moment, der ein kleines Zucken auf ihren Mundwinkel hinterließ. Ein Lächeln, das über ihre Lippen huschte.
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⚜ Tochter der Priesterin und Hüterin Tanuri Al Saher- Enkelin des Hütervaters Stellan var Aesir ⚜
⚜ Kleines Halbblut ihrer Schwester Syndra ⚜ Stieftochter des Adrian Al Saher ⚜

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Landru
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#1861

Beitrag von Landru »

Der Fuchs hatte eine schwierige Mission zu erfüllen. Natürlich wird auch er über seinen Auftraggeber recherchiert haben und festgestellt haben, dass der Name schon bekannt ist. Weit zurück reichend der Geschichte des Landes. Sehr weit zurück gehend. Ebenso wie die Geschichten die sich ranken und die vermutlich sogar nicht mal unwahr sind. Von den Schlachten die geschlagen wurden, von denen sich mancher noch erinnert, an die Fedhen die Wellen geschlagen haben. Genauso wie die schicksalhafte Nacht als Lichthafens Waisenhaus der Platz eines Massakers wurde. Auch dort munkelt man und erzählt es Kindern wenn sie unartig sind von dem Monster das sie holen kommt. Das erschreckende war, es gab einen wahren Kern. 

Natürlich hatte der Fuchs seine Möglichkeiten sich zu wehren, aber konnte das manche seiner Zufluchten und kleinen Diebischen Füchsinformaten auch von sich sagen? So manches Untergrund Bordell wäre fluchs geräumt noch ehe sie Achtung sagen können. Er war nicht für seine moralischen Hemmungen bekannt. Also was tut der Fuchs, wenn die Priesterin sich so quicklebendig zeigt mit dem Ring vermutlich am Finger und nicht gewillt den herzugeben. Was kann er tun? Vielleicht die Neuigkeit überbringen? Aber tatsächlich hat Landru nicht durchblicken lassen, ob das was ändern würde. Lebendig oder tot. Es könnte unangenehm werden. Schwierige Situation für den Fuchs. Aber er war ja ein gewitzter Meister seines Faches, also wird er sicherlich Wege finden oder Möglichkeiten. 

Die Katze streckte sich den kraulenden Fingern entgegen und dann wandte sie sich ab und huschte gen Ruine. Das Mädchen sah dem Tier hinterher. Doch dieses sah nicht zurück. Es hatte sich gegen Landru bitte entschieden und auch das ist möglich. Tiere haben ihren eigenen Willen und entweder tun sie einem einen Gefallen oder nicht. In dem Fall also nicht. Doch das Mädchen schien neugierig. Das war bekanntlich selten gut. Sie näherte sich dem Gang in dem die Katze verschwunden war. "Hey Kätzchen, Kätzchen? Kätzchen? Wo bist du hin?" Hier war es schattig und kühl. So ein krasser Unterschied zu den wärmenden Strahlen. "Vorsicht. Man weiß nie was im Dunkeln lauert." Flüstert er leise und sie zuckte erschrocken merklich zusammen. Die Augen zusammen kneifend starrte sie ins immer dunkler werdene Eck aus dem die Stimme gekommen war. Diese tiefe rauchige Stimme, mit dem leisen raunenden Unterton, fast animalisch. "Wer ist da?" Fragte sie die Standartfrage der Fragen. "Niemand den ihr treffen wollt. Kehrt ins Licht zurück, das Dunkel wird euch verschlingen." Die hob ein wenig herausgefordert ihr Kinn. Sie war schließlich erwachsen und hatte sicher keine Angst vor Stimmen die aus dem Dunkel kamen. Sie glaubte doch eher an einen Bauernjungen der sich einen Spass erlaubte. Aber nicht mit ihr. Sie würde schon beweisen wie mutig sie ist. "Ah ja? Vielleicht seid ihr auch nur ein Bursche dem das Ausmisten zu langweilig geworden ist. Also stellt er dem Weibsvolk nach." Meinte sie scharf und keck, machte sich dabei etwas größer auf ihren Zehenspitzen als könnte sie dann erkennen was aus dem Dunkel zu ihr spricht. Aber das konnte sie nicht. Noch nicht. "Vielleicht. So wie euch das Weben zu langweilig wurde?" Sie errötete leicht verlegen. "Eher das Spinnen, ihr habt mich erwischt. Aber das Wetter ist so wunderbar um nur im Haus zu spinnen. Ich wollte ein paar Blumen holen." Sie hielt ihren Korb mit den Pflanzen hoch. "Ich hab wohl die Zeit vergessen." Fügte sie kleinlauter an. "Mhm.. also wer seid ihr?" 

Einen Moment schlossen sich im Dunklen die Augen und ein verdächtiges Zucken huschte über die Lippen. "Ich verrate euch wer ich bin, wenn ihr versprecht mich nicht zu verraten, dass ich das Stallmisten schwänze." Sie kicherte leise und nickte. "Keine Sorge. Ich schwänze ja .. irgendwie auch. Ich bin Pria und wer seid ihr?" Einen Moment schwieg es aus dem Gestein. Sie dachte fast schon er wäre davon geschlichen. Doch dann kam es fast schon milde und sanft im Tonfall. "Nennt mich Landru." 
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
"Es widerspricht meiner Moral, mich an eure zu halten!"
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Der Fuchs
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#1862

Beitrag von Der Fuchs »

"Ich dachte immer, es sind erst die Probleme, die deine Arbeit für dich reizvoll machen, Kadir." Der Mann, der nun vollends aus den Schatten trat, benutzte den Namen nur, wenn sie allein waren. Es war keine Abmachung zwischen ihnen, die erst laut ausgesprochen hätte werden müssen, sondern das Wissen, wie wichtig Diskretion innerhalb ihrer Reihen war. "Es gibt reizvoll und es gibt lebensmüde." Der Fuchs löste seinen Blick von der immer noch schweigenden Tür und sah zu seinem Gegenüber. Das Gesicht des Mannes war von etlichen Narben gekennzeichnet, die er sich vor einigen Jahren bei einem missglückten Brandanschlag zugezogen hatte. Die Zeichnungen zogen sich von der linken Wange bis hinauf zur Schläfe, wo sie unter dunklem Haar verschwanden und gaben ihm ein gefährliches, fast verwüstetes Aussehen. Etwas, das der Fuchs besonders an ihm schätzte, hinterließ es schließlich zumeist nicht selten einen gewissen recht imposanten Eindruck. 

"Mein Auftrag lautet, den Ring einer Toten zu holen. Nicht einfach, aber grundsätzlich eine saubere und spurenlose Sache, wenn mans richtig macht. Jetzt aber atmet diese Tote noch, trägt den Ring an ihrem lebendigen Finger, steht wieder unter dem Schutz der Kirche und ihres jüngst geehelichten Mannes, Adrian Al Saher." Kurz ließ er seine Worte in dem Raum verklingen, bevor er mit von Ironie getränkter Stimme fortfuhr: "Ah, und als wäre dem nicht genug, hat sie eine ganze Gilde hinter sich." Jorim, vielleicht hieß er so, vielleicht auch nicht, stieß ein leises, pfeifendes Geräusch aus, das in ein Husten überging. Seine Lunge hatte einst von der erhitzten Luft des Brandes Schaden genommen, weshalb er sich manchmal schwer mit der richtigen Atmung tat. Als Dieb jedoch arbeitete er nach wie vor und war besser denn je, da er sich schwor, nie wieder einen solchen Fehler wie damals zuzulassen. Jorim lehnte sich mit der Hüfte gegen den schweren Tisch, betrachtete das nachdenkliche Gesicht Kadirs und wartete zunächst ab, bevor er die Frage stellte, die ihn eigentlich am meisten interessierte. "Wer dich angeheuert hat, verrätst du nicht?" 

Der Fuchs zog aus seiner Manteltasche die Münze, die Landru ihm gab. Kurz betrachtete er sie, bevor er sie Jorim zeigte. "Landru Vykos." Überrascht zog sein Gegenüber die Brauen nach oben, griff nach der Münze und wendete sie im Licht der Kerzen einige Male hin und her. "Der Vampir?" 

"Du kennst ihn?"

Jorim schüttelte seinen Kopf. "Kennen, nein. Aber ich kenn Geschichten. Wie wahr sie alle sind, kann man nicht sagen. Von einer aber weiß ich, dass sie nicht gelogen ist, denn es gibt Zeugen, die es gesehen und, so denken sie wahrscheinlich drüber, es "leider" überlebten." Kadir hob interessiert seine Augenbraue.

"Leider?" 


"Eine von ihnen findest du bei Madrigan. Das sollte dir genug der Erklärung zu dem "leider" sein."  Es gab Verrückte und es gab Verrückte und bei Madrigan, das war allgemein bekannt, landeten nur jene, die nicht zu retten waren. "Schon einmal etwas von dem Massaker gehört, das einst im Lichthafener Waisenhaus stattfand?" Kadir legte seinen Kopf in den Nacken und schloss ergeben für einen langen Atemzug seine Augen. Natürlich hatte er davon gehört. Wie viel davon der Wahrheit entsprach und wie viel der regen Fantasie der Leute, konnte er nicht sagen. Dass die Götter nun aber beschlossen hatten, dass der Dieb ausgerechnet mit jenem den Weg kreuzte, der anscheinend etwas mit den Geschehnissen von damals zu schaffen hatte, zeugte schon von einem außerordentlichen Humor. Oder dem Willen, ihn für sein bisheriges Leben zu strafen. Je nachdem, von welcher Seite man es betrachtete. "Du willst wissen, mit wem du ein Geschäft gemacht hast? Dann fang bei dem kleinsten Glied an, das dir etwas darüber erzählen kann." 

"Als hätte ich nicht schon genug zu tun." Er wusste, dass Jorim recht hatte. Ob es am Ende etwas brachte oder nicht, war dabei egal. Jede Information, mochte sie auch noch so klein sein, konnte für ihn entscheidend sein. Vor allem jetzt, da er wusste, dass die Erfüllung seines Auftrags auf Messers Schneide stand. Das flackernde Kerzenlicht zeichnete harte Schatten unter seine Augen, während sein Blick zurück zu dem kirchlichen Aushang auf dem Tisch wanderte. "Ich verschaffe mir Zugang zu Madrigans Haus. Freiwillig lässt er mich nicht rein, also muss ich es auf meine Art machen. Kannst du dafür die Priesterin beschatten und herausfinden, was da vor sich geht? Die Kirche hat den Tod öffentlich gemacht. Entweder wurde für uns alle ein großes Lügenkonstrukt gebaut oder jemand hat den Tod selbst bestochen. So oder so: Ich will mehr darüber wissen." 

Jorim strich sich mit zwei Fingern über die Narben, eine alte Gewohnheit von ihm, wenn er nachdachte. "Und dann? Glaubst du, sie gibt dir ihren Ring freiwillig?" Er zweifelte doch sehr stark daran, aber er wusste auch nicht, ob Kadir nicht womöglich ein Druckmittel gegen sie in der Hand hatte. Lange genug war die Frau schließlich immer wieder Gast in den unterirdischen Gewölben gewesen. 

"Nein. Es ist der Priesterring, den Landru will. Und so wie ich das bisher herausgefunden habe, wird dieser von Priester zu Priester weitergegeben. Es ist also nicht nur ein simples Schmuckstück, das in Gold oder Edelsteinen aufzuwiegen ist." Der Fuchs stieß sich von der Tischkante ab und begann langsam durch das Arbeitszimmer zu gehen, hin zu einer großen, mit feinen Schnitzereien verzierten Kiste, in der er seine Waffen untergebracht hatte. Aus dieser zog er nun zwei frisch geschliffene Dolche, deren glänzende Klingen er für einen Moment prüfend gegen das schummrige Licht hielt. 

"Wenn sie ihn freiwillig nicht hergibt…" Knapp zuckte Jorim mit seiner Schulter. Er hatte keine Verbindung zu der Priesterin, weshalb sie für ihn eine Frau wie jede andere war. "... musst du vielleicht dafür sorgen, dass das Pergament von Vargus nicht länger eine Lüge ist." Kadir steckte den einen Dolch in den Schaft seines Stiefels, den anderen in seinen Gürtel, erhob sich wieder und trat, ohne sich nochmal nach Jorim umzusehen, zur Tür. "Ja, vielleicht muss ich das."
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Es ist nicht wichtig, wer das Spiel beginnt, sondern wer es beendet.
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Rosalind
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#1863

Beitrag von Rosalind »

Rosalind beobachtete ihr Gegenüber sehr genau. Ihr war keineswegs die darunterliegenden Botschaften entgangen. Wohlbemerkt, ein Plural, der ein Schimmern in ihren Augen hinterließ. Adrian hatte ihr den Rücken zugekehrt, während sie sich die Lippen befeuchtete. Seine Worte ließen sie vorsichtiger, aber auch hellhöriger werden. 

Ihr Blick ruhte auf seiner dunklen Gestalt, deren Aura spürbar über dem Raum lag. Wohlwissend, dass jedes falsch gewählte Wort das Fass zum Überlaufen bringen konnte, senkte sie ihre zarten Wimpern. 

„Gedankenlesen ist nicht deine Stärke, General.“ Tadelte sie ihn mit einem verspielten Lächeln, das nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Rosalind wachsam war. 

„Aber es ist schmeichelhaft, dass du meine Hilfe offenbar brauchst.“ Elegant schlug sie ihre Beine übereinander und nahm eine entspannte Haltung ein. Ihr Blick wanderte von Adrian kurz auf das Glas, was sie noch immer auf Augenhöhe hielt. 
Sie würde sicherlich keine Reue dafür zeigen, dass sie Syndra verloren hatte. Zugegeben, es ärgerte sie mittlerweile, aber es war vorhersehbar gewesen und großes Interesse daran, dass der Schmetterlingsmörder erneut seinen Blick auf sie wandte, hatte sie nicht. Somit war Adrians 'Bitte'  nicht so schmeichelhaft, wie es ihre Worte beschrieben. 

Ernst kniff Rosalind die Augen zusammen, während sie den Inhalt des Glases betrachtete. Ihre sonst so sorgenfreien und verspielten Züge trugen einen Schatten aus Bedenken. So viele Mädchen, die dieser Naheniel wie ein Mahnmal umgebracht hatte. Blut, das bis kurz vor ihre Tür geführt hatte und gleichzeitig auch zeigte, dass Naheniel Adrian und sie in eine Verbindung brachte. Was dieser alte Freund des Generals also tun würde, wenn sie sein kleines Nordweib an Adrian auslieferte, war ein simples Gedankenspiel. Ein Szenario, das ihr allerdings in keiner Form gefiel.

Nachdenklich fischte Rosalind sich die verbliebenen Tropfen des Alkohols von den Lippen, ehe sie mit einem hauchdünnen Augenaufschlag ihren Blick wieder zu Adrian wandern ließ. Leicht nur neigte sie ihr Haupt zur Seite, sodass ihre hellen Locken im Sonnenlicht golden aufschimmerten. 

„Sollte ich sie finden, werde ich dich als ersten informieren.“  Wenn Adrian damit persönlich zu ihr kam, gab es einen guten Grund. Er hatte seine Frau geopfert, um seine Tochter zu retten. Was immer seitdem geschehen war, das Resultat schwebte in einer unsichtbaren Präsenz über den Raum. Adrian hatte sie verloren. Ein Schmerz, den sie durchaus bedingt nachempfinden konnte. 

Jedes ausgeblutete Mädchen war ihr wie eine Tochter. Eine leichte Falte zeichnete sich auf ihre Stirn. Beim dunklen Allvater, sie hatte nicht die Gabe, Seelen aus dem Jenseits zu befreien. Aber sie spürte dieselbe Wut in ihrem Inneren, die Vergeltung forderte. Doch war überstürzte Rache die Antwort auf alles? Ein hauchdünnes, zartes Lächeln spielte über ihre Lippen. Nur für einen kurzen Moment, ehe Rosalind das Glas langsam sinken ließ. Eine unbändige Wut vernebelte wie jede tiefgreifende Emotion den Blick. Das wusste auch Adrian, nicht wahr? Oder vielmehr gerade er sollte es wissen, nachdem er sich diesen immer wieder versagt hatte. Nun stellten sie erkennbar eine Herausforderung dar, seinen Fokus wiederzufinden. 

„Bevor du einfach verschwindest, noch ein Rat unter Freunden.“ Mahnend schimmerte das Grün ihrer Augen zur Tür und dem General, der sie keines weiteren Blickes würdigte. Es wäre vermutlich auch zu verräterisch, was sie trotz der kühlen Beherrschtheit und Selbstdisziplin in seinen Augen sehen würde. Umso deutlicher ließ sie ihre Worte fallen. „Der dunkle Lord hat seinen eigenen Willen. Du dienst ihm? Dann schau nicht auf das was genommen wurde, sondern auf das, was er dir gewährt hat. Das, was du zurückgeholt hast.“
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※ Bereue nur jene Sünden, die du nie begangen hast ※ 
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#1864

Beitrag von Der Fuchs »

Er hatte es eilig, weshalb er nicht seine sonstige Art zu reisen, nämlich zu Fuß oder auf dem Pferd, wählte, sondern sich von den Magiern in Sturmkante und deren Zauberkünsten helfen ließ. Zwar musste er trotzdem noch einen kurzen Marsch zurücklegen, sparte sich aber trotzdem viele Stunden des Reisens vom einen Ende zum anderen Ende der Insel. Sein restlicher Weg führte ihn entlang eines von Bäumen gesäumten Pfades, durch deren Kronen das Tageslicht fiel, bis er schließlich eine Brücke erreichte, hinter der sich eine weite Wiese erstreckte.Hier draußen, fernab jeglicher Stadtmauern, herrschte eine drückende Stille, die nur von einem gelegentlichen Krächzen der Raben und dem Rascheln unsichtbarer Tiere unterbrochen wurde. 

Inmitten der Wiese stand es, das Haus von Madrigan. Einst ein abgelegenes Kloster, heute die Heimat derer, die keiner mehr haben wollte. Die hohen Mauern waren von Efeu und dunklen Flechten überwuchert, die Fenster mit dicken Eisengittern versehen und einige der Läden fest verschlossen. Der Haupteingang wurde von zwei gelangweilten Wärtern bewacht, die sich leise unterhielten und einen Krug hin und her reichten. Arme Gesellen, die Tag ein, Tag aus nicht viel zu sehen bekamen, außer hin und wieder einen Verrückten, der versuchte, das Weite zu suchen oder einen mutigen Besucher, der allerdings nicht selten das Haus nie wieder verließ. 

Eine andere Absicherung außer den Wärtern die dort standen und vielleicht noch dem ein oder anderen, der über die kleine Insel patrouillierte, gab es nicht. Wer sollte auch schon freiwillig in ein Irrenhaus einbrechen wollen? So war es für Kadir ziemlich einfach, sich durch das hohe Gras zu schleichen und das Haus nach einem anderen Zugang abzusuchen. Alte Gebäude hatten alle ihre gleichen Schwächen, noch dazu, wenn sie früher für etwas ganz anderes gedient hatten. Mönche waren nicht in Gefahr und deshalb gab es Bereiche, die leicht zugänglich waren. So auch hier, am hinteren Teil des Gebäudes. Eine Luke, durch die damals, vielleicht auch noch heute, das Holz für die Kamine und Öfen angeliefert und im dahinter liegenden Keller gelagert worden war. Kadir kniete nieder, schob den schweren Verschluss zur Seite und hob mit beiden Händen die schwere Luke an. Ein modriger, kalter Luftschwall schlug ihm entgegen, doch stieg er ohne zu zögern die steilen, ausgetretenen Steinstufen hinab und zog die Luke über sich leise wieder zu. 

Im Keller empfing ihn eine nahezu vollkommene Düsternis, die nur an einigen Stellen von dünnen Lichtstrahlen durchbrochen wurde, die durch einige Ritzen der Decke fielen. Der Gestank nach Fäulnis, Urin, Schimmel und altem Blut machte ihn fast ohnmächtig. Aber er riss sich zusammen und bewegte sich vorsichtig vorwärts, eine Hand an der Wand entlang, die von herab tropfenden Wasser ganz feucht war. Ratten huschten vor ihm davon, als er über etwas Rasselndes stolperte. Sein Blick senkte sich auf eine verrostete Kette inmitten von zerbrochenen Knochen. Er beschloss, es nicht weiter zu hinterfragen, ob es menschliche oder tierische Knochen waren, die dort verstreut lagen. 

Als er das Ende des Kellergewölbes erreichte, führte eine schmale Treppe nach oben und mit jedem Schritt auf den knarrenden Stufen wurde der Lärm der Bewohner immer deutlicher hörbar. Das Wimmern, durchbrochen von schrillem Kichern und dumpfes, rhythmisches Schlagen von Schädeln gegen Stein und Holz. Es war wirklich kein Ort, an dem er gerne sein wollte. Jetzt war er aber nun einmal hier, und ein Umkehren gab es für einen wie ihn sowieso nicht. 

Langsam schob Kadir deshalb die nur angelehnte Türe auf, die in einen der Gänge des Erdgeschosses führte. Wachsam sah er sich um, immer auf der Hut vor dem Personal, das, so hieß es zumindest, mindestens genauso verrückt war wie die, die hier lebten. Jedoch war niemand hier, zumindest jetzt gerade nicht, weshalb er lautlos und ungesehen durch das Erdgeschoss schleichen konnte, entlang der Wände die mit Kratzspuren, manche alt und verkrustet, andere frisch und blutig, übersät waren.

Von weiter vorn, weggesperrt hinter schweren Türen drangen einige miteinander vermischende Stimmen zu ihm.
"... sieh hinauf in den Himmel…dort sind die Engel. Aber die Engel haben scharfe Zähne… und sie beißen… sie beißen dich tot!" 
"Gib mir meine Haut zurück…. gib mir meine Haut… ich will sie wiederhaben!" Ein anderer sang mit weinerlicher Stimme ein Kinderlied, das immer wieder in ein verzweifeltes Schluchzen überging. Mitgefühl verspürte der Fuchs allerdings keines, viel eher war es beklemmend, sich vorstellen zu müssen, dass diese Menschen, wer auch immer sie waren, in ihren eigenen Gedanken gefangen waren und wahrscheinlich nie wieder einen Ausweg aus diesen fanden. 

Nach einigen weiteren Schritten öffnete sich der Gang in eine größere Halle. In der Mitte stand ein Tisch der anstelle einer Tischdecke mit weißen Roben bedeckt war und auf dem sich nur Löffel befanden, aber keine Gabeln und Messer. Wahrscheinlich, damit sich niemand verletzte. Was ziemlich umsichtig war, bedachte man, wie es sonst so in diesem Haus zuzugehen schien. 

Kadir stieß die Tür ein wenig weiter auf, um besser in das Innere blicken zu können. Ein Junge mit leeren Augen schaute ins Nichts, direkt durch ihn hindurch. Ein alter, kahlgeschorener Mann grinste ihm dafür breit entgegen und zeigte dabei seine schwarzen Zahnstümpfe.
"Kommst du, um die Würmer rauszuholen?" Hoffnungsvoll erhob er sich von seinem Platz und hielt dem rothaarigen Fremden einen Löffel entgegen. Kadir lächelte fast schon sanftmütig und trat näher. "Vielleicht später. Erstmal suche ich jemanden."


Der Alte begann zu kichern und verschluckte sich fast an seinem eigenen Lachen. "Hier kommen viele her, um etwas zu suchen. Aber jemanden?" Er schüttelte seinen Kopf. "Jemanden sucht eigentlich niemand." Der Fuchs ließ seine Augen durch den Raum wandern, weiterhin bedacht, nicht direkt einer der Pflegerinnen in die Arme zu laufen. Am Ende würden sie ihn mit einem Patienten verwechseln und ihn in einem der vielen Zimmer verschwinden lassen. Schließlich klang es ziemlich verrückt, wenn er sagen würde, in einem Haus wie diesem genau das nicht zu sein. "Kannst du mir sagen, wo die Frauen untergebracht sind?" Jorim hatte von einer Überlebenden gesprochen, das war momentan sein bester, wenn auch ziemlich dürftiger Anhaltspunkt. 

Die Züge des Alten verdunkelten sich auf Kadirs Frage und erbost zog er seinen Löffel zurück. "Alle wollen immer nur die Frauen! Dabei sind sie böse, böse, böse!" Er spuckte auf den Boden und sprang einen Schritt zurück. "Unartig war die eine! Deshalb müssen sie diese Woche allein im oberen Stockwerk essen und der Doktor schaut, dass sie es nicht mehr machen. So sein, wie sie sind!" Der Alte riss die Augen weit auf, dann entspannten sich seine Züge plötzlich und er begann wieder zu grinsen und hielt dem Fuchs den Löffel erneut entgegen, als hätte er das Gespräch schon wieder vergessen. "Kommst du, um die Würmer rauszuholen?" Kadir nickte kaum merklich und sprach in einem leisen, beruhigenden Tonfall. "Ja, dafür bin ich hier." Begeistert drückte der Alte den Löffel an sich und trat zurück an seinen Platz, um sich dort niederzulassen. Seine Züge wurden entspannt und ganz weich, als er müde die Augen schloss und murmelnd einschlief. "Das ist gut. Du bist hier ganz richtig."

Auf leisen Sohlen, um nicht auch noch die Aufmerksamkeit der anderen in dem Raum auf sich zu ziehen, verließ er das, was wohl der Speisesaal sein sollte und machte sich daran, so unbemerkt wie möglich den Treppenaufgang zu suchen. 
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Es ist nicht wichtig, wer das Spiel beginnt, sondern wer es beendet.
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