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Jeremias Rabenherz
Bürger / Bürgerin
Beiträge: 399
Registriert: Do 6. Mai 2010, 17:46

#1051

Beitrag: # 54472Beitrag Jeremias Rabenherz »

Im Zwielicht oder doch nicht?

Die Raben waren seit Urzeiten Bringer von Botschaften. Mal guter, mal schlechter. Sie waren Wanderer zwischen den Welten, Ebenen und mancher behauptet sie wüssten sogar wann jemand gehen muss. Oder waren in der Lage Seelen zu schützen. Der Rabenherzfluch hatte ihn verdammt in der sterblichen Welt ewig ein Tier zu sein. Mit dem Verstand und Verhalten eines Tieres. Er selbst hatte es so entschieden, es war der einzige Weg. Jeder trifft irgendwann die Entscheidungen die nötig waren. Er hatte seine Angelegenheiten vorher geregelt und diente dem dunklen Lord nun auf völlig anderer Weise. Als Wegweiser vielleicht oder eine Art Bote. Sein seraphiner Verstand war hier im Zwielicht gefangen. Er vermag durch Schatten und Zwischenwelten zu reisen, aber keine stoffliche Welt mit vollen Bewusstsein zu betreten. Es gab noch keine Lösung dafür, vielleicht wird es sie auch nie geben. Jene die dem Tode nahe sind, träumen oder bewusst diese Ebenen betreten können, können seinen Weg kreuzen.

Tanuri hatte nicht gemerkt wie die Erschöpfung an ihr nagte als sie begann zu träumen. Als sie für einen Moment einnickte, dämmerte oder vielleicht sogar gänzlich tief in einen Schlummer fiel. Ausblenden was um sie war. In dieser Ebene gab es gerade nichts. Als hätte sie alles gelöscht. Als wäre es ein blankes Papier ihres Verstandes um nicht daran kaputt zugehen, was ihr momentan zu schaffen machte. Normal vermag er das ein oder andere in zu sehen, da sich das Zwielicht teils aus dem Unterbewussten formte. Doch hier war nichts. Nur eine schwarze Fläche mit etwas Wasser das sich unendlich erstreckte. Ebenso Schwärze im Himmel. Durchzogen von leichten Nordlichtähnlichen Funkeln nur eben in Grautönen.

"Tanuri."

Ein Widerhall der die Stimme des Greises verzerrte und doch vertraut erschallen ließ. Sie kannte die Stimme auch wenn sie jene ewig nicht gehört hatte. Sie waren nicht immer einer Meinung gewesen und doch, er kannte teilweise die Kriege, welche sie mich sich ausfechten musste und mit Anderen. Nur konnte er ihr nicht wirklich helfen. Vielleicht aber konnte er ihren Geist stärken und ihren Willen etwas bekräftigendes zurück geben.

"Tanuri."

Flüstert es fast etwas väterlicher um sich ihrer Bewusst zu machen. Die Umgebung ist nass, aber sie selbst trocken, es war ein Ort der Surrealität und sie kann selbst entscheiden ob sie ihn als real oder als Produkt ihres Verstandes wertet. Fakt aber war das ihr Jeremias in sterblicher Form erschien. Der alte von Brandnarben entstellte Greis mit den weiß-grauen vollen Haaren. Den stechenden fast gelben Augen und leicht gebeugter Haltung. Das Alter hatte ihm zugesetzt. Am Ende war er ziemlich krank gewesen und vielleicht hatte er daher entschieden, seine Existenz zu verändern und dem Fluch nachzugeben wie er einst bestimmt war.

"Ihr werdet sicher nicht in diesem Käfig sterben. Also seht mich an. Ihr wollt mich doch nicht enttäuschen?"

Es klang ein wenig provozierend, denn natürlich will er ihren Trotz wecken und ihren Stolz. Sie hatte in seinen Augen immer eine gewisse Arroganz gehabt und genau diese empfand er als unglaublich produktiv für die Sache. Man musste Nerven haben für das Amt im Klerus. Zweifel von Außen und noch größere Zweifel von Innen. Stimmen die einen stets zerstören wollen, anzweifeln nur weil man nicht der gleichen Meinung war. Doktrin die je nach Gutdünken für eigene Fedhen ausgelegt und angeprangert wurden. Er kannte die vielen Momente, wo man sich fragte, ob es wirklich das alles wert war oder ob es nicht ein eigenes Häuschen am Rande des Nirgendwo im Dienste des Herrn auch tat. Er hatte sich durchgebissen. Sie auch.

"Denkt nach. Was wisst ihr über dieses Wesen. Jede Information kann euer Leben retten. Wir wissen nicht wann Hilfe kommt, wenn sie kommt. Also müsst ihr nachdenken."

Er war sich sicher, sie wird sich nicht ergeben. Sie wird nicht als irgendeine groteske Abart ihrer Selbst vegetieren.

"Ihr habt ihn schon mal überlebt, erinnert ihr euch?"

War er wirklich hier? Konnte er das wissen oder war er nur ein Symbol ihrer Gedanken. Nur ein Echo ihres Verstandes und ihrer Träume? Wer weiß. Vielleicht war er mehr Rabe als man denkt. Doch wie auch immer es war, er war hier um sie zu stärken und nicht um sie zu schwächen oder zu tadeln. In dieser Trostlosen Ebene.
 
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Rabenvater •  Stammbaum Rabenherz
"Ich diente dem HERRN bis er mich rief, jetzt diene ich ihm erneut."
<<Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen.>>
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Tanuri
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#1052

Beitrag: # 54474Beitrag Tanuri »

 
Gekleidet in einer schlichten, weißen, ärmellosen Robe, die die zahlreichen Zeichnungen auf ihren Armen entblößte, stand sie auf dieser weiten, grenzenlosen Ebene, die keinen Anfang und kein Ende kannte. Das Wasser, das ohne Temperatur war, berührte sacht ihre nackten Fußsohlen, erreichte aber nicht den Saum ihres Kleides. Graue Schlieren, die mal heller, mal dunkler in dieser fremden Landschaft schimmerten, spiegelten sich in ihrem kühlen Blick wider. 
 
Es wäre sinnlos, die Antwort danach zu suchen, wo sie war, genauso wie zu fragen, ob es nur ein Trugbild ihres hungrigen Geistes war. Umgeben von der endlosen Schwärze und grauem Licht, wusste sie aber mit einer unerklärlichen Gewissheit, dass dieser Ort aus Nichts und zugleich aus Allem bestand. Ebenso wie die Stimme, die überall zu hören war und doch von einem gewissen Punkt ihren Ursprung hatte. Einst, da war diese zum Sterben verstummt und längst gegangen, vergessen aber war sie nicht. 
 
"Jeremias." Es war ein leises, unwirkliches Flüstern, das sich erhob, jedoch ohne, dass sie dabei ihre Lippen bewegte. Uneinig waren sie sich oft gewesen, gleichzeitig aber waren sie verbunden durch die Innigkeit des Glaubens. Ob tot oder lebendig, im Geist und im Herzen, blieb ein Priester ein Priester. Und es war unerheblich, ob die eigenen Ansichten zur Ausführung des Wortes des Herrn radikal oder gemäßigt waren. Für sie alle zählte nur eins, die Treue auf Ewigkeit zur dunklen Majestät. 
 
Warum aber war Jeremias hier? War er tatsächlich, war er wahrhaftig? Oder war es nur ein Traum? Ein Gespinst in ihrer müden Seele, die danach verlangte, schlafen zu dürfen? Sie lebte. Das wusste sie. Ob sie aber noch ganz war? Und war alles noch dort, wo es hingehörte? Gehörte sie noch sich selbst und falls ja, war sie noch sie? 
 
Tanuri senkte ihre Lider, holte Atem, um sich selbst zu spüren. Zu erfühlen, was geblieben und was längst vergangen war. Wie lange wartete sie schon? Nicht auf Rettung. Denn das wäre genauso sinnlos wie die Frage danach, wo sie sich befanden. "Hilft es denn, mich zu erinnern, wenn letztendlich die Erinnerungen immer bei mir bleiben?"
 
Wassertropfen lösten sich von der Oberfläche und flogen in gleichmäßiger Größe, Abstand und Geschwindigkeit nach oben, zurück in Richtung des Himmels, den es hier nicht gab. Sie ging einige Schritte, immer vorwärts, auch wenn kein Ende in Sicht war.

Sie war nicht nur eine Gefangene in dem kleinen Käfig, dessen Türe Landru hinter ihr geschlossen hatte. Schon längst war sie eine Gefangene von sich selbst. Verschlossen in einem Käfig, gebaut aus Zweifeln, aus Lügen, aus Ängsten, aus Versprechungen und Hoffnungen und einem Wissen und einer Wahrheit, die sie nicht besitzen wollte. 
 
Wie ein rastloses Tier bewegte sie sich in ihrem eigens geschaffenen Gefängnis der Gedanken, welches um sie immer kleiner wurde und sie zu erdrücken drohte. Mit der Gewissheit der Unmöglichkeit, sich daraus zu befreien. 
 
Die Fußsohlen berührten das Wasser, strichen darüber hinweg, während weitere Tropfen sich von der Oberfläche lösten und wie Regen nach oben fielen. "Überlebt." Ihre eigene Stimme war nicht wirklich und doch war sie da. Hallte durch die endlose Ebene und verklang, so wie es jene von Jeremias getan hatte.

Tanuri blieb stehen, sah sich um, suchte nach einem Anhaltspunkt, an dem sie sich festhalten konnte.
"Welchen Pfad soll ich beschreiten? Denn gleich, welche Richtung ich wähle, alles ist kalt … so kalt." 

 
~~~
Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya Chakai ~~ 
~~ Anführerin der Legion des Schattens ~~ 
~~ Mutter der Nymeria var Aesir ~~ 
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-Freya-
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#1053

Beitrag: # 54475Beitrag -Freya- »

Leise und gleichmäßig, wie ein unheimlicher Herzschlag, der nicht der ihre war, hallte das stumpfe Pochen in ihren Ohren wider. Ein dröhnender Klang, der sie bis ins Mark durchfuhr und ihr eigenes Herz stocken ließ.

Ein Gefühl der Lähmung suchte Freya unmittelbar heim, als würde die Zeit stillstehen und doch wusste sie, dass sie handeln musste. Zitternd streckte sich ihre Hand aus, um durch die Tür ins Zimmer zurückzukehren. Kein Zögern. Doch noch bevor ihre Fingerspitzen den Knauf erreichen konnten, blieben sie eingefroren in der Luft hängen.

Tock.- Tock. - Tock. Ihr Blick war starr auf die Tür gerichtet, während Freya spürte, wie ihr Mund trocken wurde. Der bittere Geschmack der Angst breitete sich auf ihrer Zunge aus und ließ das Mädchen schwer schlucken. Es war zu spät!

Noch bevor ihre Fingerspitzen den Knauf berühren konnten, begann das Metall vor ihren Augen zu altern. Ein Schleier der Zeit legte sich über die Tür, und die Verrottung breitete sich unaufhaltsam aus.

Das Holz moderte, die Farben an den Wänden schälten sich ab, während die Metallbeschläge anliefen und rosteten. In einem unbeschreiblichen Tempo überwucherten Schimmel, Grünspan und Flechten alles, als würde die Welt um sie herum in einem beschleunigten Verfall vergehen. Der stechende Geruch der Vergänglichkeit legte sich beißend in ihre Nase, fast so, als würde der Raum selbst atmen und verrotten.

„Lauf…“ Formten ihre Lippen stumm, als ihre Augen sich beinahe panisch weiteten. „Lauf!“ Ein verzweifelter Befehl, der zu spät kam. Ihr Blick wanderte zu Haedinn, doch was sie sah, ließ ihr das Blut in den Adern gefrieren. Die ledrige Haut des Katers spannte sich grotesk über seinen Schädel, während seine Augen trüber wurden und schließlich verschwanden. Zwei leere Augenhöhlen starrten sie an, aus denen sich eine verdorbene Finsternis hervor schlängelte.

Kopfschüttelnd starrte Freya zu Haedinn. Das Blau ihrer Augen war vor Angst geweitet, als sie auf die Überreste hinabblickte, die zu Staub zerfielen, während die Schwärze um sie herum sich weiter ausbreitete und die Welt um sie herum in einer zunehmenden Finsternis verschwamm.

Unsicher und stockend ging Freyas Atem, ihr Blick sich eilig der Tür zuwandte. Die Geräusche waren verklungen. Eine unheilvolle Stille schwebte über sie hinweg. Eine Ruhe, unter der das Mädchen jedoch umso deutlicher glaubte, die Präsenz direkt hinter der Tür spüren zu können. Das unheilvolle Gefühl, zu wissen, was sie erwarten würde, wenn sie diese nun öffnete. Sie war da, sie sah alles. ~Ich bin bei dir, für immer.~

Ihre Haut prickelte, als würde sie jemand beobachten und sie wusste, dass sie nicht sicher war. Ihre Hand wanderte zum Türknauf, während ihr Herz bis zum Hals schlug.
~Ogrimar, steh mir bei~ Dachte Freya, während sie den Atem anhielt. Sollte sie die Tür wirklich öffnen? Oder sollte sie einfach ganz still warten und hoffen, dass die Gefahr vorüberging?

Keine Furcht, keine Angst. Zeige sie nicht. Sei ihrer Herr.

Freya schloss ihre Augenlider fest und versuchte, die Angst zu unterdrücken, die wie ein stummer Schrei in der Dunkelheit ihrer Gedanken widerhallte, untermalt von dem Trommeln ihres Herzschlags. Umspielt von dem weißen Nachthemd spürte sie den kalten Schauer, den ihre Furcht hervorrief. Ein Schaudern, das sie beinahe versteinerte. Doch war es nicht die Finsternis, die sie fürchtete.

Unsicher und zitternd näherte sich ihre zierliche Hand der verrotteten Tür. Es musste eine Illusion sein, ein Trugbild ihrer eigenen Ungewissheit.

Tief atmete Freya ein, während ihre großen blauen Augen regungslos auf die Tür sahen. Die Schatten um sie herum wurden dichter. Sie spürte die Kälte, die sie ausstrahlten. Eine Kühle, die sich erdrückend und niederschlagend nicht nur Besitz von einem Körper ergriff, sondern sich bis in den Geist hervordrängte, um sich wie eine gnadenlose Fessel um die Seele zu legen. Nein, sie durfte sich nicht davon einnehmen, geschweige denn beherrschen lassen. Sie durfte es nicht zeigen, ganz gleich, ob es real war oder nur ein Traum.

Als könnte sie sich selbst zum Erwachen aus einem Albtraum zwingen, senkte das Mädchen ihre Wimpern abermals. Eine schwindende Hoffnung, mit der ihre Fingerspitzen unter einem zittrigen Atemzug das kalte Metall der Türklinke berührten und sie langsam hinabdrückten.
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri var Aesir 


Geboren aus dem Wissen einer dunklen Vergangenheit - verblasst mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Haedinn
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#1054

Beitrag: # 54476Beitrag Haedinn »

Der Katzenkörper, bisher doch recht lebendig, wurde leichenblass, verlor an sämtlicher Farbe, als ob diese selbst vor der Angst fliehen würde. Die Verwesung und der Verfall, grinsten ihm mit ihrer grässlichen Fratze entgegen und verzehrten jeglichen noch vorhandenen Mut. Schwer legte sich die Tatsächlichkeit auf sein Herz, drückte es zusammen, als wollte diese darüber bestimmen, ob es weiterschlagen durfte oder nicht. Mit einem kläglichen Miauen warf Haedinn sich zu Boden, wand sich, kratzte sich mit seinen scharfen Krallen über den dürren Körper, als ob es ihm damit gelingen konnte, das unerbittliche Trugbild der Verrottung, das sich in diesem Moment allerdings äußerst real anführte, abzuschütteln. 

Aber egal, wie sehr der Kater sich auch Mühe gab und sich malträtierte, das Bild blieb, brannte sich in seine Augen und blieb unauslöschlich. Das drohende, mahnende und wissende Tocken hinter der Tür verstärkte die Eindrücke zusätzlich. Als wäre es sein Herzschlag, der noch im Gleichklang mit dem Leben war, doch schon im nächsten Moment plötzlich verebbte. 

Erst Freyas Worte rissen ihn aus dem Wirbel aus Verwesung und dem aufsteigenden Ekel, der sich durch seine Magengrube windete. "Lauf." Hallte es in seinem verbliebenen Ohr wider und schwoll zu tausenden von Echos an. Er konnte dem Kind nicht helfen, aber sich selbst. Soll das dumme, nutzlose schlechte Gewissen ruhig an seinen Eingeweiden zerren und seine Gedanken in Trübsinnigkeit fesseln, alles war besser als das hier. Besser als diese schaurige Residenz, die starren Augen der verlorenen Kinder und das Tocken dieses vermaledeiten Stocks.

Haedinn hatte nie hier sein wollen, nahm man es genau, war es nicht einmal sein freier Wille gewesen, Freya zu folgen. Genau! Und der freie Wille war schließlich unantastbar. Oder irgendwie so ähnlich. Er hatte nur einem Befehl gehorcht und hatte sich bisher alle Mühe gegeben, diesem zu gehorchen. Wohin hatte ihn der Gehorsam aber gebracht? Nun stand sein eigenes Wohl auf dem Spiel und es brachte ihm rein gar nichts, diesen achtlos fortzuwerfen. Er musste sich jetzt wieder um sich selbst kümmern, denn was brachte ihm seine Freiheit, wenn nur ein kümmerlicher Rest von ihm übrig blieb. 


Von der Panik getrieben, sich selbst nochmals ins Gesicht sehen zu müssen, verschwand er, immer noch farblos, in die Unsichtbarkeit. Kopflos, obwohl er zumindest diesen noch fest auf seinen Schultern trug, rannte er mit weiten Sprüngen davon. Er achtete nicht darauf, was das Mädchen tat, ob es zurück in das Zimmer ging oder ihrer eigenen Aufforderung folgte und floh.  

Ein weiter Tritt und ein weiterer Sprung, nicht schauend, wohin seine Pfoten ihn trugen, lief er immer weiter. Fort von dem Mädchen, fort von sich selbst. Doch mit jeder Berührung seiner Pfoten auf dem Boden krümmte sich sein Hirn und wurde durchstochen von dem bisschen Charakter, den er noch besaß.

"Wie kannst du das Mädchen allein lassen? Hast du den letzten Funken Anstand beim Kartenspielen verwettet?" 

"Lass mich doch in Ruhe! Was bringt mir Anstand, wenn das Verderben mich verrotten lässt?" Es war ein verzweifelter Schrei, ein Protest gegen die Wahrheit, der aber kein Verständnis fand. 

"Wohin hat dich dein Leben bisher mit deinem Egoismus geführt? Schau dich doch an. Oder nein, das kannst du ja nicht mehr." 

"Ich hab gesagt, sei still!" Was für ein Zwietracht, der da in seinem Innersten laut polterte und in rasantem Tempo auf ihn niederging.

"Warum soll ich schweigen? Es ist nur ehrlich. Sie soll an dir ruhig nagen, dummer und rücksichtsloser Kater." Da war sie endlich, die Treppe. Schier endlos war ihm der Weg, bis er sie erreichte, vorgekommen, obwohl es wahrscheinlich nur der Zeitraum von wenigen hektischen Atemzüge war. 

"Ja, ja, lauf nur. Wie feige. Das bist du doch. Feige und eigennützig. Schäm dich." Er schämte sich nicht, soweit würde es noch kommen. Doch tief in ihm, ganz tief, da rumorte es. Er konnte sie nicht ignorieren und verdrängen, die Worte, die nur von ihm und nicht von den ihm innewohnenden Stimmen kamen. 

"Irgendjemand muss sie doch beschützen…" Mit einem schnellen Blick über seine dünne Schulter zurück in Freyas Richtung, riss Haedinn seine Augen, die nach wie vor an Farbe vermissen ließen, weit auf. Noch im nächsten Sprung, zu dem er bereits angesetzt hatte, versuchte er sich zu drehen, verlor aber den Halt und prallte mit knochenbrechender Wucht gegen das Treppengeländer. Auch wenn der Schmerz des Aufpralls sich in der Heftigkeit eines Gewitters in ihm entlud, wurde er nicht sichtbar, musste aber bewegungsunfähig dabei zusehen, wie die Tür sich öffnete. 


 
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Wie willst du vor dem fliehen, was in deinem Kopf ist?
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Gesichtsloser Erzaehler
Schmied / Schmiedin
Beiträge: 83
Registriert: Do 22. Jul 2021, 21:49

#1055

Beitrag: # 54477Beitrag Gesichtsloser Erzaehler »

Die Gräfin

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Lauf nur Kater, lauf. Der Ort hat dich genauso gefangen wie jeder der herkommt, bevor die Gräfin sie verkauft. Es war wie ein Sumpf. Wie ein Morast in den man trat und je mehr man versuchte zu entkommen, um so mehr greift er nach einen und zieht sich fest. Ein Ort ihrer eigenen Ängste, ein Ort der ein Kampf gegen einen Gegner aufzeigte, dessen Lösung nirgends geschrieben steht. Denn jede Angst war individuell, jeder eigene innere Krieg, der eigene Sumpf, der eigene Abgrund und Morast in den finsteren Winkeln des Seins war anders. Den Kopf zu überlisten und Trugbild von Wahrheit zu unterscheiden war schwer. Je länger man verweilte. Die Gräfin - oder das Wesen - wusste es und nährte sich davon wie eine Made im Speck. Sie wusste allzu genau wie Bilder wirken, Selbsterhalt und Fluchtgedanken spielten immerzu in die Hände. Der Kater küsst das Geländer, purzelt die Stufen herab nur um zu sehen wie sich die Maserungen des Holzes aufbröseln wie Ranken die sich aus dem Holzfleisch reißen und nach ihm greifen.

"Du wagst es dich einzumischen!" Konnte Haedinn hören, wie es scharf aber verzerrt, teils Frau, teils Mann, teils irgendwas unmenschliches in seinem Schädel donnert. Fest wollen Ranken den Katzenleib halten und mager wie er war, reibt es unschön an seinen Knochen. "Jetzt wirst du zusehen müssen wie du versagst. Du wirst sehen, genau hinsehen wie sie stirbt. Immer wieder. Immerzu. So viele Arten zu zerbrechen. Wie viele Tode erträgt eine Seele. Wie viele Szenarien." Es knackt unschön als Haedinn glaubt sein Körper zerberstet. Jeder einzelne Knochen bricht unschön knackend zu grotesken Formen verbogen. Beine die sich in einen unmöglichen Winkel auf den Rücken verbiegen, Der Schweif der sich ums den Katzenhals schmiegt und das Rückgrat - sonst so elastisch und dehnbar - wie zum steifen Brett gestaucht. Das am Ende nur ein Quadrat bleibt, dass mit einem Katzenohr zuckt und im Schmerz badet.

Alles in allen dauerte die Illusion bei Haedinn nicht lange. Auch wenn der Schmerz und das Knacken so real sich anfühlte und er sehen konnte wie sich seine Gliedmaßen unmöglich verdrehten, so war im nächsten Moment er wieder ganz, am Geländer das brav da blieb wo es war. Aber der Schmerz hallt nach und die Bilder in seinem Kopf bleiben. "Gefällt es dir? Hahaha, ich denke ich beziehe dich mit ein." Flüstert es wieder lustvoll und fast schon mit einem sadistischen Genuss. Es war in seinem Kopf. Es war da drin und hatte ihn entdeckt.

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Freya sah es nicht was Haedinn sah. Freya sah ihre eigene Welt im Netz der Kreatur. Der Präsenz, welche hier herrschte. Die Finger berühren die Türe, öffnen sie und dahinter war nichts, nur ein großer dunkler Flur mit zuckenden Lichtern. Dort waren sie alle versammelt. Alle Gesichter die sie kennt und liebt waren da. Sie standen mit dem Rücken zu ihr und bildeten eine Gasse, links und rechts am Flur und in der Mitte kann sie hindurch gehen. Schienen sie zu ignorieren. Starrten von ihr weg mit leeren toten Augen ins Nichts. Da waren alle die ihr in ihrem Leben eine besondere Stellung einnahmen. Sie alle drehten sich weg von ihr, wenn sie versuchte sie anzusehen, sie sprachen nicht, kalt und abweisend.

Ein Raunen ging durch die Reihen als sich Tanuri aus der Reihe löste und in den Mittelgang stellte, sie ansah mit einem verbitterten nahe zu hasserfüllten entschlossenem Blick. In der Hand eine Klinge und mit einem unnatürlichen Lächeln auf Freya zuschritt. "Wir hätten das vor langer Zeit beenden sollen. DU hättest uns so viel Leid erspart." Formten die Lippen, aber es klang zwar nach ihr, aber dennoch falsch. Nur konnte Freya das wirklich wahrnehmen? Sie näherte sich und die Klinge war sicher nicht dazu da schön auszusehen. Was tun? Weglaufen? Kann sie verstehen was hier passiert.

"Ich kann dir helfen, wenn du mich lässt. Du musst dich nur mir hingeben. Komplett.. hingeben. Dann wird das Leid enden." Flüstert es lockend. Unklar ob der Reif mit ihr sprach oder etwas anderes von woanders her. "So viel Widerstand und dabei ist es so einfach."

Sollte Haedinn sich wieder bewusst werden das er nicht tot war und sein Körper noch ganz, wenn sich das auch nicht so anfühlte, dann sieht er Freya stehen und die Gräfin, welche eine schwarze Aura umgab und ein Geflüster in einer fremden eigenartigen Sprache. Man sieht nicht was sich abspielte, aber Haedinn könnte nun begreifen, dass die Gräfin nicht angewiesen war körperlich zu strafen. Ihre Art war viel tiefer und eingreifender in die Seele der Kinder. Je jünger um so weniger gefestigt waren die kleinen Persönlichkeiten und so mehr ließen sich ihre Realitäten sprengen und ihre Angst nähren. Er hörte nicht was gesprochen wird. Vielleicht sieht er die ein oder andere Geste von Freya in ihrer Illusion und vielleicht sogar ein Wortfetzen. Doch der Kater musste erstmal begreifen, dass der Schmerz den er fühlte seines gerade unschönen Todes nicht wahr ist, sondern eine Folge seines Verstandes, der denkt er muss so fühlen.
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-Freya-
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#1056

Beitrag: # 54480Beitrag -Freya- »

Lautlos ließ sich die Tür öffnen. Nur ein kleiner Spalt, durch den Freya hindurch blickte und nichts als einen finsteren Flur erkannte. Keine Menschenseele, kein Geräusch. Ruhig atmete sie ein und aus, während sie fünf Herzschläge wartete, bevor sie langsam und zögernd in die Dunkelheit trat.

Die Stille um sie herum war bedrückend. Jeder ihrer Schritte war leise, fast lautlos, als hätte sie Angst davor, etwas in der Dunkelheit zu wecken. Vorsichtig tasteten ihre nackten Zehen den kalten Boden ab. Schritt für Schritt, in der steten Erwartung im nächsten Atemzug würde man sie erwischen.

Freyas Blick suchte in der Finsternis nach dem Ursprung des Geräusches. Dem monotonen Klang des Gehstocks, der nun verschwunden war. Wo war es hin? Sie hatte es deutlich gehört, ebenso, wie sie noch immer meinte die Präsenz unmittelbar in ihrer Nähe zu spüren. Eine Aura, die sich eisig in ihren Nacken drängte.

Fröstelnd legte sie ihre Arme um sich, als könnte sie die Wärme irgendwie festhalten. Doch die Kälte, die von ihr Besitz ergriff, ließ sich nicht zurückdrängen. Sie kroch langsam aber sicher über ihre Haut und drang bis ins Mark hinein.

Ruhelos strichen ihre Augen strichen umher, und versuchten das schummrige, flirrende Licht zu durchdringen, das den Flur in schemenhafte Schatten tauchte. Sie hatte das Pochen doch gehört, es konnte nicht einfach verschwunden sein. Wartete die Gräfin hinter der nächsten Ecke oder Tür bereits auf sie oder war es nur ihre Angst, die ihr einen Streich spielte?

Langsam nur bewegte Freya sich vorwärts. Bedächtig schritt ihre zierliche Gestalt einen Fuß vor den anderen. Immer wieder flirrte das Licht auf, wie ein Blitzen, das die Dunkelheit erhellte. Ihre Augen weiteten sich, als sie plötzlich Silhouetten in der Finsternis erkannte. Konturen, die sich schemenhaft von den Wänden abhoben.

Ihr Atem stockte, und sie blieb abrupt stehen. Das Blau ihrer Augen huschte über die Gestalten, welche den Gang säumten. Vorsichtig schritt sie näher heran. Das war unmöglich. Nein, es konnte nicht sein. Es wäre zu schön, zu leicht, um wahr zu sein.

Ihre Hand streckte sich nach der ersten Silhouette aus. „Vater!“ Ihre Stimme war ein verzweifeltes Flüstern, doch als Freya zu ihm aufsah und berührte, wich die Gestalt ihr aus. Ungläubig sah sie zu ihm auf, während ihre Finger durch die Lehre glitten. Auch wenn es ein Trugbild war, so fühlte sich die Ablehnung dennoch ungewöhnlich echt an. Verunsichert ging sie weiter. Jemand musste doch reagieren.

„Liam!“ - „Liadan!“ - „Adrian…“ - „Lorena...“  Jeder Name kam immer blasser über ihre Lippen, als würde ihre Hoffnung mit jedem gesprochenen Wort schwinden, denn ein jeder, dessen Namen sie nannte, wandte sich ab, sogar der Kater mit dem einen Ohr.

Niemand von ihnen sah sie an und ein jeder wich ihrer Berührung aus. Ihre Stimme brach, und sie schluckte bitter, als sie Naheniels Gestalt sah. Das Dunkel seiner Augen, dass sich mit Eiseskälte von ihr fortdrehte und sie mit einer Nichtachtung strafte, die Freya selbst in einer Illusion zu treffen wusste.

Die Stille um sie herum wurde immer erdrückender. Das konnte nicht sein. Unter zittrigem Atem senkte sie ihre Lider, während ihre kleinen Hände sich zu Fäusten ballten und ihre Nägel sich schmerzhaft in ihre Handflächen drückten. Was hatte das zu bedeuten? Träumte sie? War es eine Vision? Oder gar ein neuer Teil jener Hölle, in deren Tiefen sie immer weiter hineinzugleiten schien.

Unsicher hob sie ihre Wimpern, als der Schmerz selbst sie nicht erwachen liess. Ihre Augen wandten sich zurück zu den Silhouetten, die sich im schummrigen, flackernden Licht immer wieder abzeichneten. Deren kalten und leblosen Blicke ihre Rufe zu ignorieren schienen, sodass eine unheimliche Stille die Dunkelheit selbst erfüllte.

Eine Ruhe, die auf harsche Weise plötzlich und unerwartet von einer Stimme durchdrungen wurde. Kalt wie Stahl schnitt sie sich durch das Schweigen und wandte ihre erbarmungslose Schärfe direkt auf das Mädchen.

Erschrocken drehte Freya sich herum. Das Blau ihrer Augen schimmerte glänzend, als sie die Priesterin sah. Ihre erhabene Haltung, die sich inmitten des Gangs im gedämpften Schein fast schon gespenstisch abzeichnete.

„Tanuri …“ Kopfschüttelnd sah Freya zu ihrer Mentorin. Nein. Das konnte nicht sein. Doch bevor sie die Widersinnigkeit darin erkannte, preschten ihre schneidenden Worte auf sie nieder und trafen sie wie unbarmherzige Peitschenhiebe. Es war unmöglich. Worte, die ihr unmittelbar auf den Lippen lagen und doch sah das Mädchen wie gebannt zu ihr hinauf. Kurz nur erspähte sie im unnatürlichen Flirren des Lichts das bedrohliche Aufschimmern der Klinge, welche die Priesterin in der Hand hielt.

Instinktiv wich Freya für jeden Schritt den Tanuri auf sie zukam, einen eigenen Schritt rückwärts. Nie im Leben konnte das wahr sein. Blinzelnd sah sie zu Adrian und Naheniel, welche beide ihre Blicke abgewandt hatten. Das war nicht real. Nein, ganz sicher nicht. Was oder wer auch immer das war, es war sicherlich nicht die Priesterin. Zu viel sprach dagegen, das wusste Freya, auch wenn ihre Augen wie gebannt auf Tanuri ruhten.

„Das würde sie niemals sagen“ Flüsterte das Mädchen, um das Beben in ihrer gedämpften Stimme zu unterbinden. Dennoch sollte es laut genug sein, dass es in der Stille hörbar war. Vielleicht gab es Momente, in denen Tanuri es wirklich gedacht haben mochte, doch wie lange hatte die Priesterin sie beschützt. 

„Wer bist du?“ Mit jedem Schritt, den die Gestalt auf sie zuging, wich Freya weiter zurück. Ihr Herz schlug schmerzhaft in ihrer Brust. Auch wenn sie wusste, dass es nicht wahr sein konnte, doch ihre Gesichter zu sehen, die sie wie Luft behandelten, anstatt ihr zu helfen, fühlte sich so real an, wie die Bedrohung selbst, die auf sie zukam und das Wissen, dass sie, auch wenn sie erwachen würde, allein ihrem Schicksal ausgeliefert war.

Immer wieder sah sie zu den Seiten, wandte sich Verlion, Kenna und Sandro zu. Doch niemand außer Tanuri schenkte ihr Beachtung. Erneut fuhr ihr Blick auf den Dolch. Weder fürchtete Freya den Schmerz noch den Tod. Es gab Schlimmeres als das. Doch durfte sie jetzt noch nicht sterben. Nicht hier und nicht jetzt. Tanuri wusste es. Ihr Leben gehörte dem Einen, und für ihn würde sie es geben, wenn die Zeit gekommen war.

Leise, fast wie ein Flüstern, spürte sie die Stimme in ihrem Geist oder hallte sie gar durch den Gang? Ohne ihren Blick von Tanuri abzuwenden. Oder nein, von dem, was sie Glauben machen wollte, die Priesterin vor sich zu sehen.

„Wenn ich Euch was tun lasse? Was kann so einfach sein?“ Freyas Herz hämmerte schmerzhaft in ihrer Brust, bevor sie auf ihren nackten Füßen Halt machte. Ob sie die Worte ausgesprochen hatte oder sie nur ein Gedanke waren, wusste sie selbst schon nicht mehr. Sie galten dem Flüstern, der fremden Stimme. Ruhig stand sie dort, hielt plötzlich inne, als wäre sie der Flucht leid. Doch war ihr klar, dass es keinen Ausweg gab. Ob sie wollte oder nicht, die Angst hatte sie bereits in ihrem eisernen Griff.

„Was wollt Ihr von mir?" Ihr Puls raste und sie spürte den kalten Frost, der sich wie ein unheimlicher Atemhauch in ihren Nacken legte. Sie musste stark bleiben, durfte sich nicht von der Furcht überwältigen lassen, auch wenn der Gedanke zu kapitulierrn so einfach schien. Wie sollte man keine Angst zeigen? Sich selbst nicht verlieren und zugleich akzeptieren? So viele Ratschläge, doch widersprach der eine dem anderen. Wie sollte das funktionieren? War es nicht leichter, sich einfach seinem Schicksal zu ergeben?

Die Schatten um sie herum wurden dichter. Die Dunkelheit drängte sich näher, doch klammerte sich Freya an den Schmerz in ihren Handflächen, während sie ihren Blick fest auf Tanuri gerichtet hielt, entschlossen nicht länger zu fliehen. „Und wieso?“
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri var Aesir 


Geboren aus dem Wissen einer dunklen Vergangenheit - verblasst mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Haedinn
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#1057

Beitrag: # 54481Beitrag Haedinn »

Das tat weh. Das tat fürchterlich weh. Ist es nicht seltsam, wie etwas, das gar nicht wirklich ist, so real erscheinen kann? Er spürte es, als wäre es greifbar – auf seiner Haut, in seinen Knochen, tief in seinen Muskeln und Nerven. Und dann fühlte er es auch noch in seinem Kopf, als ob eine dornige Klinge durch seine Gedanken streifte. Das Schlimmste aber war diese Stimme. Die Stimme, die in ihm widerhallte, als wäre sie seine eigene, aber das war sie eben ganz eindeutig nicht.

Er fauchte und kratzte sich mit seinen Krallen über seinen Schädel, zu einem Würfel geformt oder nicht, das war ihm zumindest noch möglich, denn es war schließlich die Verzweiflung, die ihn dazu bewog und Verzweiflung konnte sehr viel erreichen. Er wollte diese Stimme abschütteln, aber sie blieb einfach da, verankert in ihm und lachte in sein Gesicht. Ein weiteres Knacken, ein weiteres Zerbrechen – was aber war es genau, das da brach? Sein Verstand? Sein dürrer Körper? Er konnte es selbst schon nicht mehr mit Bestimmtheit sagen.

„Verschwinde! Geh weg!“ Kreischte der Kater, während er mit dem Kampf gegen seinen Körper beschäftigt war, der widersinnige Formen annahm. Niemand aber hörte ihn natürlich, da nichts davon wirklich geschah. Oder doch? Haedinn kannte sich eigentlich ziemlich gut aus mit den verwirrenden Wegen seines eigenen Verstandes. Lange genug war er er selbst, um die Abgründe seiner Seele bis ins Detail erforscht zu haben. Das hier aber war irgendwie anders, es war neu. Es war nicht er selbst, der derzeit die Kontrolle über sich hatte. Das war mal klar. Was aber war es dann?

Könnte er doch nur einen einzigen klaren Gedanken einfangen und festhalten, vielleicht würde er es verstehen. Im Moment aber war da nur diese Qual, die ihn auseinanderbrach, wieder zusammensteckte und an ihm herumformte. Begleitet von dieser hässlichen Stimme, die nicht Frau noch Mann war und tiefer in sein Gewissen drang, als er es eigentlich erlauben mochte, nur um dort alles noch weiter zu verdrehen.

„Gar nichts werde ich!“ Fauchte er leise, aber wahrscheinlich wieder ungehört, während er eine seiner großen Pfoten auf sein Ohr legte. Was war das nur für eine fürchterliche Magie, die seinen Kopf auseinanderzureißen und völlig falsch wieder zusammenzusetzen vermochte? So war er doch gar nicht. Weder das, was ihm gezeigt wurde, noch das, was ihm gesagt wurde. Oder vielleicht doch? Ein gequältes Miauen entwich ihm, und immer noch presste er seinen Körper auf den Boden, als könnte er eins mit ihm werden und sich unsichtbar machen, um kein Teil des Ganzen zu sein.

Seine Form veränderte sich erneut – er wurde zerquetscht, gedrückt, zu einem Ball gemacht und wieder in ein Quadrat gezwängt. Und obwohl dies mit seinem eigenen Körper geschah, sah er alles davon, von außen und auch von innen. Dann war der Spuk plötzlich zu Ende, und er entfaltete sich zu seiner ursprünglichen Form, wenn auch noch sichtlich zerknautscht. Fraglich blieb es aber, ob er diese jemals wirklich verlassen hatte.

Die Stimme, klanglos flüsternd und zugleich durchdringend laut, bestimmte, wie es mit ihm weiterging. „Das will ich aber nicht, und was ich nicht will, das passiert auch nicht!“ Rief er ihr trotzig entgegen. So zumindest vorerst seine Gegenwehr. Er würde sich doch nicht einfach für irgendetwas einspannen lassen. Schon gleich gar nicht für dieses kranke und undurchschaubare Spiel der Gräfin und ihrer Residenz.

Es hatte schon etwas putziges, wie er sich darum versuchte, sich aufzulehnen. Ein kleiner Balsam für sein Selbstbewusstsein, dass er sich nicht kampflos einer Stimme hingab, die seinen Geist bis an die Grenze des Wahnsinns führte – eine Grenze, über die er nun fast gestolpert wäre. Zum ersten Mal konnte er nicht mit Gewissheit sagen, ob er sich in der Realität oder in einem aufgezwungenen Albtraum befand. Haedinn schluckte trocken, seine Zunge fühlte sich an wie Sandpapier, als er sie über seine Nase zog und die feine Haut riss. Ach, auf diese Verletzung kam es nun wirklich auch nicht mehr an.

Vorsichtig wanderte seine schmale Pupille in Richtung des Mädchens. Trotz allem fühlte er sich verpflichtet, auf sie zu schauen, auch wenn er im Aufpassen versagte. Doch, oh Schreck! Sie war fort! War das Kind tatsächlich durch die Tür getreten? Nein, nein, das durfte doch nicht sein. Hatte es nicht gesehen, wie das Verderben nach ihr griff? Mit klapprigen Knochen, schwindeligen Schritten und hängendem Schwanz schlich er, viel zu laut für seine samtenen Pfoten, über den Flur und trat hinter Freya in den Raum.

„Ich denke, ich beziehe dich mit ein.“ Erinnerte er sich an die Worte, gegen die er sich doch gerade noch gewehrt hatte. Die Gräfin, oder was auch immer für ein Geschöpf sie war, musste ihn gar nicht zwingen. Er ging freiwillig. Und wahrscheinlich war es genau das, was die größte Genugtuung verschaffte.


 
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Wie willst du vor dem fliehen, was in deinem Kopf ist?
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Jeremias Rabenherz
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#1058

Beitrag: # 54482Beitrag Jeremias Rabenherz »

Vielleicht war er nur ein Symbol. Ein Anker den ihr Geist schuf, oder aber sie war in seine Zuflucht gekommen. Da wo der alte Rabenherz noch sprechen kann und denken. Das wird sich zeigen, welche der beiden Theorien stimmen. Momentan war er hier und sie ebenso. Unzählige Möglichkeiten. Aber immerhin kein Gefängnis, sondern die Freiheit zugehen wohin sie will.

"Wenn mir kalt ist, dann sorge ich für Wärme, Tanuri." Der Regen der vom Boden nach oben regnet offenbarte das diese Welt sich nicht den Gesetzen irgendwelcher Wissenschaften fügt. Vielleicht war es ein Fiedertraum oder die Erschöpfung hatte sie an den Rand des Nervenzusammenbruchs geführt. In diesen Gedanken und der Frage nach dem wie färbte sich das blauschwarze Wasser leicht rötlich-orange. Ein Lagerfeuer das mitten auf dem Wasser thronte und knisternd Züngelte. Die Farbe alleine, ihr Klang brachte etwas Wärme. Auch wenn sich das blauschwarz mit dem Orange-rot in einer Art komplimtären Tanz verwob, so wurde die Umgebung wärmer. War es wirklich ein Feuer oder der Gedanke und die Erinnerung an ein Feuer? War es die Farbe die diese Wärme auslöste? Farben können mächtig sein, die Wahrhnehmung kann mächtig sein. Erkannte Tanuri wie wichtig es war genau hinzusehen? Die feinen Unterschiede, die Fakten, die Schwächen zu erkennen war nicht immer so leicht. Das Feuer brennt nicht lange, es erlischt und hinterlässt einen kalten Windzug. Ein kurzer Moment der Erleichterung und dann war sie wieder die Enttäuschung.

"Was sind Erinnerungen denn? Erinnerungen sind Erfahrungen die uns wachsen lassen. Jede einzelne Erkenntnis und jeder Schmerz, jede Entscheidung birgt eine Erkenntnis. Wer wenn nicht du selbst kann dir denn helfen im Moment? Besinne dich wer du bist. All deine Erkenntnisse, all dein Wissen, all deine Erfahrungen."

Das klang sicher einfach, aber in Wahrheit war es schwer wirklich die Erkenntnisse zu erkennen, die einem bereits ins Gesicht schlugen.

"Ogrimar ist nie ein Retter gewesen. Er selektiert. Die Schwachen von den Starken, damit die Starken sich erheben und noch Stärker wärden. Selbst in einer verlorenen Schlacht erheben sich die Überlebenden und macht sie weiser als vorher. Einen dieser Generäle gab er seinen Segen für sein göttliches Werk zu sprechen. Du bist eine von vielen in dieser Reihe, die diese Aufgabe erfüllen sollen. Deine Zeit ist nicht gekommen und das weißt du." Die Aufgabe war schwer und oft verlor man sich und seine Wege aus dem Blickfeld. Er war nicht anders gewesen und manches mal war auch er schwach und hatte sich Banalitäten hingegeben, die es eigentlich nicht wert waren seine Zeit damit zu vergeuden. "Es ist nie von Belang das du es ALLEN anderen Recht machen kannst Tanuri. Ihre Meinungen sind völlig irrelevant. Die Doktrin wird oft zitiert aber wenig verstanden."

Er wiegte den Kopf leicht. "Soll ich dir die Wahrheit sagen? Ogrimar ist nicht auf uns angewiesen. Es kümmert ihn nicht wer wie über ihn spricht, warum auch, ist er je zu dir gekommen und hat sich beschwert: Uhh der meint es nicht ernst? Er vernichtet einfach mit einem Schnippen seines Gedanken und lacht uns aus. Aber streitet nicht um Recht oder Unrecht. Die meisten haben vergessen wie GROSS und MÄCHTIG der HERR ist. Er ist doch kein Spielzeug und dann wundern sie sich, dass er sich nicht zeigt oder spricht? Sie benutzen ihn als Ausrede für ihre Streiteien, wenn ihnen die Argumente ausgehen im Konflikt, dass war schon immer so. Ogrimar befiehlt man nicht, mit Ogrimar arbeitet man nicht, man benutzt ihn nicht um Recht zu behalten. Er ist ein GOTT." Letzteres brüllte er ihr fast schon entgegen. "Nur wenn er etwas sieht wird er mit dir arbeiten, dir befehlen und dich erheben. Sonst zerbrichst du unter seiner Macht wie ein Schädel unter dem Stiefel. Er wird nicht zögern seine komplette ach so treue Gemeinde zu opfern, wenn er darin einen Vorteil für sich sieht." Klangte er sie an? Nein. Er stellte in Frage. Er will ihren Glauben wecken und ihre Entschlossenheit. Die sie einst mal wahrhaft gehabt hatte, er glaubte es gesehen zu haben. Nur er weiß das es im Laufe der Zeit schwierig wird, dass die Selbstzweifel einen zermürben und die ganzen Dinge um einen herum - zwar belanglos für die wahre Göttlichkeit - aber durchaus sich einschleichen. Man verliert immer mehr die wahre Bedeutung.

"Wenn dir also kalt ist, mach verdammt noch mal Feuer und dann denken wir darüber nach, was DU tun kannst um seine Aufmerksamkeit würdig zu sein und resignieren gehört nicht dazu."

Er lächelte leicht. "... verstehst du es jetzt? Also ich frage dich noch mal. Du hast ihn bereits überlebt. Was weißt du?"

Vielleicht brauchte sie ihn gerade. Den alten Greis und seine ungeschönte Meinung.
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Rabenvater •  Stammbaum Rabenherz
"Ich diente dem HERRN bis er mich rief, jetzt diene ich ihm erneut."
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Tanuri
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#1059

Beitrag: # 54485Beitrag Tanuri »

 
Nachdenklich zog Tanuri ihre Brauen zusammen und dachte über die Worte des toten Priesters nach. Sekunden, Minuten, womöglich Stunden verstrichen, während sie still und unbeweglich auf dem Wasser stand, welches da war oder auch nicht. Was war schon die Zeit? Eine Erfindung, um sich zurechtzufinden in einer Welt, die Struktur verlangte. Hier aber schien sie nicht wichtig und verlor ihre Gültigkeit. Und wenn etwas seine Gültigkeit verlor, war es auch plötzlich gar nicht mehr von Bedeutung. 
 
"Würde ich darauf hoffen, dass Ogrimar ein Retter wäre, dann wäre ich keine Priesterin, sondern ein dümmliches Anhängsel der hellen Seite. Dächte ich, Ogrimar wäre auf uns niedere Wesen angewiesen, wäre ich längst verloren und zum Scheitern verurteilt." Sie schüttelte ihren Kopf. "Nein, Jeremias, beides glaube ich nicht und will ich auch nicht glauben. Denn dann wäre das, was ich verteidige, mit meinem Wort und meinem Leben eine Lüge." Ihr Blick richtete sich auf das aufflammende Farbenspiel, welches sich in der ewigen Ebene zeichnete.  
 
"Wir sind geboren, um uns den Gesetzen zu unterwerfen, ihm zu dienen, seinem Wort zu gehorchen. Ihn und den Glauben nicht nur anzunehmen, sondern dafür zu leben." Immer noch bewegten ihre Lippen sich nicht, während sie aber trotzdem klar und deutlich zu ihm sprach. Oder zumindest zu dem, was sie dachte, dass er war. Mehr als ein Fiebertraum, mehr als eine Vision, mehr als ein Spiel ihrer Gedanken. Priester waren und blieben, auch wenn ihr Leben verging.

Ihre Schritte trugen sie weiter über das nun rötlich schimmernde Wasser zu ihren Füßen. Sacht berührte sie das, was Jeremias als Wärme schenkte und sich zart an ihren Beinen hinaufwob. Ihre Hände hoben sich und fingen auf ihren Handflächen einige der immer weiter steigenden Wassertropfen ein, die zielstrebig ihren Weg nach oben suchten, immer weiter hinauf, als wüssten sie, wohin sie gehörten und was ihre Aufgabe war. 
 
Unbeirrt, ob der sprechenden Besucher, folgten sie wider jeglicher physikalischen Gesetze der Bestimmung, die ihnen zugedacht war. Ganz so, wie es auch jene taten, die rein in ihrem Glauben waren, frei von Zweifel, frei von Missgunst oder Neid. Eigentlich war alles was zählen sollte, die eigenen Bedürfnisse und das oft zu aufgedunsene Ego nicht über den dunklen Lord und Herrscher zu stellen, sondern nur für ihn zu sein.

Ob dieser Kunstgriff aber all seinen Jüngern gelang? Es war fraglich, wenn man beobachtete, welche Wege eingeschlagen wurden, nur um sich selbst zu profilieren und sich eine Position zu ergattern, die von Lügen gespickt war.

Welchen Wert hatte das aber? Keinen. Denn vor den Göttern, da waren zunächst alle gleich. Es lag an jedem Einzelnen, sich zu beweisen - durch Kampf, durch Geschick, durch Wissen und durch Leidenschaft. Alles sollte und musste ihm allein gelten und erst dann beschritt man die Stufen des wahren Glaubens und wurde zu jemand anderem und erhob sich aus dem Sumpf derer, die nicht verstanden, was der wahre Zweck des Daseins war.

War sie womöglich selbst in diesem Sumpf versunken? 
Weil sie anders sein wollte, etwas anderes forderte? Die Worte des Priesters waren so wahr wie offenbarend. Noch sah Ogrimar eben nicht und das war nicht die Schuld des Meisters, sondern einzig ihre eigene, da sie den Weg der Wirrungen gewählt hatte, anstatt auf dem Pfad zu bleiben, den der Lord für sie gewählt hatte.

Sie hatte gefragt, eine Forderung gestellt und e
s blieb ihr versagt, und das zu Recht, wenn sie es genauer bedachte. Also begann ihr Kampf von vorn, eine Wiedergeburt, um erneut zu lernen und sich zu beweisen und nicht mehr zu fordern und zu wollen, sondern sich hinzugeben für den Einen allein. 
 
Dennoch, in allem war der Priester nicht ganz korrekt mit seinen Aussagen gewesen. "Lasst mich Euch korrigieren, Jeremias." Als seine Stimme lauter geworden war, zuckte sie kurz zusammen. Bisher war er derjenige gewesen, der immer besonnen und ruhiger reagierte. Der kurze Anflug eines Lächelns zeigte sich auf ihrem Mundwinkel, während ihre Augen umher wanderten, als suchte sie ihn, obwohl sie wusste, dass sie ihn doch nicht fand. 
 
"Ogrimar ist nicht nur ein Gott. Er ist König, er ist Herrscher. Er nimmt und er gibt. Er ist Leben und Tod, Chaos und Schöpfung." Ihr Wort verhallte, wurde verschluckt von dem Wasser und den Tropfen, die sich über ihre Hand schmiegten und trotz ihrem Versuch sie zu fangen, ihren Weg fortsetzten. 
 
Tief atmete sie ein, befüllte ihre Lungen mit einer Luft, die nicht existierte und doch ihre Sinne stärkte. "Ogrimar ist Alles." Fest und frei von jeglichem Zweifel sprach sie in die leere Weite hinein. Auch wenn ihr Geist sonst von Unsicherheiten und Ängsten, von Trauer und Müdigkeit getrieben war, niemals würde sie von diesem Wissen, von diesem Verständnis ihres Glaubens abweichen.
 
"Ogrimar ist keine Erinnerung, kein bloßer Gedanke oder eine einfache Präsenz. Er ist der Atem, von dem wir leben. Er ist die Stille, die uns umgibt. Er ist unaufhaltsam und vernichtend. Und ja, es wäre eine Beleidigung seiner wahren Macht, wenn wir annähmen, dass er auf uns angewiesen ist. Wir sind seine Diener, nicht seine Meister." Trotz der inneren Dunkelheit, trotz der sie erdrückenden Melancholie, wusste sie, dass er, Ogrimar, alles durchdrang und alles bestimmte.

Leiser wurde daraufhin ihre Stimme trotzdem und war getragen von der schweren Atmosphäre, die sie umgab. 
"Ich besitze kein Feuer, ich besaß es nie. Was ich aber habe," Tanuri ließ sich hinab auf ihre Knie und berührte mit ihrer Hand das rötliche Wasser, das sich nun zu leichten Wellen aufbäumte, die sich weiter ausbreiteten. Ein Schimmer aus Helligkeit spiegelte sich auf der Oberfläche wider und verschmolz mit dem rötlichen Orange, um mit diesem eins zu werden, "ist Licht." 
 
Eine Weile blieb ihre Aufmerksamkeit auf dem Spiel der warmen Farben gerichtet, als könne sie darin die Antworten auf ihre und auch alle anderen Fragen finden. 
 
"Was ich weiß, ist, dass ich nicht hierher gehöre. Nicht hier, in diese Welt mit Euch und auch nicht dorthin, wo ich gerade bin. Jeder Käfig, der verschlossen ist, kann geöffnet werden. Nur den richtigen Schlüssel muss man eben finden." Ob sie nun auf den Käfig anspielte, in welchem ihr Körper gefangen war, oder auf jenen, in den sie und andere sie sperrten, blieb dabei offen. 
 
"So lange, Jeremias, habe ich gesucht. Aber ich verstand es damals, wie auch heute. Ich verlange nicht und ich erwarte nicht. Was ich somit außerdem weiß, ist, dass ich nicht auf Gnade warten kann. Eine Zeit läuft ab, auch wenn es hier vorerst keine gibt."

 
~~~
Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya Chakai ~~ 
~~ Anführerin der Legion des Schattens ~~ 
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Adrian
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#1060

Beitrag: # 54492Beitrag Adrian »

Nachdem Kenna sich von ihm gelöst hatte, sah Adrian ihr kurz nach. Die Taten des Predigers würden nicht ungesühnt bleiben. Blut für Blut und eine Seele für eine Seele. Aber auch wenn Zorn und Vergeltung unmittelbar aus ihm ausbrechen wollten, um seine heiligen Versammlungshallen in Schutt und Asche zu legen, beherrschte der Magier sich vorerst. Noch hatte der scheinheilige Bastard vielleicht noch einen Nutzen.

Das Tribunal nahte und Tanuri blieb weiterhin verschwunden. Warum jetzt? Weshalb dieser Zeitpunkt? Natürlich wandten sich alle Blicke unmittelbar auf Naheniel. Er wäre ein gefundener Schuldiger, den Adrian persönlich mit größter Freude vor das Urteil des Herrn stellen würde. Doch dieses Vorgehen trug nicht annähernd die Handschrift seines alten Freundes.

Wer also blieb übrig? Wer profitierte am Ende davon? Viele blieben nicht auf der Agenda. An oberster Stelle stand noch der Lichtlakai und sein Gefolge. Wenn man es genau betrachtete, wäre es ein kluger Schachzug, sie im Zentrum zu treffen und am Ende gegeneinander auszuspielen. Allerdings würde er bei genauer Betrachtung dem Wanderpfaffen nicht annähernd ein solches Kalkül zuschreiben. Dennoch war dieser Mann ein Widerspruch in sich.

Zuerst hatte er bei Kenna um ein Ende des Krieges gebettelt und seinen Schoßhund als Tribut gebracht, nur um sich kurz darauf hinterrücks zu rächen, obwohl ihm die Konsequenzen, die daraus resultieren würden, mehr als bekannt waren? Ein gnadenloser Widerspruch, der durch die Entführung der Priesterin unterstrichen werden würde.

Adrian rümpfte unwirsch seine Nase, während er nachdenklich das leere Glas auf der Tischplatte drehte. Der Raum um ihn herum schien sich mit der Schwere seiner Gedanken zu verdunkeln. Selbst die Schatten der Kerzen flackerten, als ob sie von seinem inneren Unmut beeinflusst wurden.

Alleine die Unschuldsbekundungen Etohs waren in Anbetracht von Kennas Geschichte ein Witz. Er hatte keinen Grund, dem winselnden Schoßhund des lichten Gottes zu glauben, und auch wenn bei ihrem Treffen davongekommen war, bei Ogrimar, er würde den scheinheiligen Prediger spüren lassen, welche Folgen nicht nur seine unbedachten Worte, sondern auch sein überhebliches Gebaren haben sollten. Alles jedoch nach Priorität und nicht nach dem Verlangen, das bettelnde Wimmern des Vampirliebhabers nach Erlösung oder Gnade zu hören. Vorerst würde er nur den Druck auf ihn erhöhen.

Langsam löste er seine Hand von dem Glas. Adrian wusste immerhin, dass es unklug war, es noch ein weiteres Mal zu füllen. Stattdessen wandte er sich herum und durchquerte mit wenigen, entschlossenen Schritten den Raum.

Das kühle Blau seiner Augen wanderte zum Nachttisch, dessen Schublade er öffnete. Nicht viel lag darin verborgen, sodass sein Blick unmittelbar auf den kleinen, filigranen Schlüssel aus schwarzem Eisen fiel. Schweigend betrachtete er das kleine Stück Metall, welches im verbliebenen Licht düster schimmerte, bevor er danach griff.

Die Schatten an den Wänden schienen sich zu verdichten und tauchten den Raum in ein düsteres Zwielicht, während er den Schlüssel in seiner Hand hielt. Er wollte keine Möglichkeit und keinen Ort außer Betracht lassen. Kurz strich sein Blick zu Asche, die stumm und aufmerksam in einer Ecke kauerte, ehe der Schlüssel in seiner Tasche verschwand. Adrian wusste jedoch, dass er etwas übersah. Doch was genau, das wollte sich ihm nicht offenbaren.

Die Finsternis schien dichter zu werden, fast greifbar, als Adrian den Raum verließ. Jeder seiner Schritte hallte leise auf dem kalten Steinboden wider, während sein Gesicht eine Maske aus Entschlossenheit und unbarmherziger Kälte trug. Der Dunkelmagier kannte seine Bestimmung, seinen Weg, den Ogrimar für ihn auserkoren hatte, seit er ihn in den Felsendom beordert hatte.

Das kalte, unnachgiebige Leuchten in seinen Augen verriet umso deutlicher seine Entschlossenheit: Er würde nicht ruhen, bis er Tanuri gefunden und den wahren Feind entlarvt hatte. Die Dunkelheit war sein Verbündeter, und mit ihr würde er die Antworten finden, die er suchte. Ganz gleich, welchen Preis er dafür bezahlen musste.

Ogrimar duldete kein Versagen.
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖  Bruder des Verlion Al Saher ✟
❖ Gnade oder Mitleid haben noch nie einen Feind besiegt. ❖
❖ Wahre Finsternis herrscht nur dort, wo kein Licht durchdringt, denn sonst wäre sie nichts weiter als ein Schatten.❖
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Gesichtsloser Erzaehler
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#1061

Beitrag: # 54494Beitrag Gesichtsloser Erzaehler »

Die Gräfin

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Haedinns Alptraum
Weggehen? Nein, wo sie doch gerade erst zusammen gekommen sind. Gerade erst sich kennen gelernt haben. Wie könnte es dann schon vorbei sein. Fühlt es sich nicht schön an, wenn der Körper Dinge tut, die man nicht begreifen kann. Die dem entgegen stehen was man meint das möglich wäre, nur um dann Lüge gestraft zu werden? Sicher mancher glaubt, wenn er nur lange genug behauptet, dass all das nicht real ist, dass er das dann bezwingen kann. Aber seine Sinne zu bezwingen war schwer. Man sieht was man sieht, man fühlt was man fühlt, man schmeckt und riecht und hört unschöne Dinge. Haedinn du selbst hast es in dir.

Wie willst du vor dem fliehen, was in deinem Kopf ist?
Wie willst du vor dem fliehen, was in deinem Kopf ist?"
Die Stimme spricht mit ihm, aber auch nicht. Sie ist lautlos. Sie ist wie ein Gedanke. Wie ein Hauch von Schatten, der sich über das eigene Denken legt, dass es zum eigenen Denken wird. Die Welt wie sie war, wie war sie denn? Ab wann ist man ist man aus der Realität gefallen? Oder doch hinein? Was war real? Was bedeutet das real sein hier?
Haedinn war längst ein Teil davon, ob er wollte oder nicht. Sie existieren zu zweit an einem Ort, aber sehen sich nicht. Sie sind dort und auch wieder an völlig anderen Stellen. Das Zimmer das Haedinn erblickt war bedeckt von altem Schimmel. Es sah nicht so aus als hätte hier lange was gelebt. "Willst du erfahren was geschehen ist?" Wie ein zuckersüsses Versprechen. Eine Einladung. Du warst doch hier. Wieso also nicht zu hören? Vielleicht wird es nützlich sein? Oder es wird dich noch tiefer reißen in den Wahnsinn dieses Ortes. Der lockende Gedanke herauszufinden was einst war oder geworden ist. Dieser Ort war verdorben, dass war offensichtlich. Aber vielleicht gab es dort in der Vergangenheit einen Schlüssel für den Ausgang in der Zukunft? Was denkst du Kater, wie viele gelogene Wahrheiten kannst du tragen. Aber er will dem Mädchen helfen, nicht wahr? Vielleicht war das der einzige Weg.

Freyas Alptraum
Die Mutter ist ein Gott in den Augen eines Kindes. Um so schmerzlicher wenn Ablehnung oder Tadel erfolgt. Wenn die Welt der Liebsten sich gegen einen stellt und sich der Wärme von Familienbanden verweigert. Auch Freya hatte sich nicht wirklich bewegt und war noch immer in diesem Raum. Doch die Welt um sie herum, ihre Sinne werden betrogen. Wie auch Haedinns. Wie als wären sie in Trance und das waren sie vermutlich auch. Sie träumten ohne zu träumen, sie schliefen obgleich sie wach waren.
Die Priesterin schien unbeeindruckt ihres Satzes das sie das nie sagen würde. Schritt für Schritt kam sie näher. Doch das statt das das Kind zurück wich oder sich in der Panik des Fliehens ergab, blieb sie stehen und richtete das Wort an ES.
"Aufgeben, Hingeben, Loslassen!" Die Worte durchzuckten wie bei Haedinn ihren Verstand. Es war als würden viele Stimmen gleichzeitig ihre Gedanken denken. Das es zu ihrem wurde und doch war er fremdartig, ein Parasit, ein Eindringling und etwas was sich ihrer Kontrolle entzog. Es tut weh, wie es seine Fäden in ihrem Verstand zieht und sich mit Widerhaken an ihren Verstand festsaugte. Die Frage nach dem Wollen ist schwierig. Was will so ein Wesen. In der Regel wollen sie fressen und wachsen. Selten Macht. Oft waren sie getrieben von ihren Instinkten oder Zielen die weit über das hinaus gingen allgemeingültig als normal bezeichnet wurde. Alt oder in dieser geboren, einer Welt voller Widersprüche und Dunkelheit. Geboren aus Wahn, vielleicht auch ein wenig aus Hass und Finsternis, die begonnen hatte sich zu formen. So formlos im Dunkeln und formlos in dem Verstand des einzelnen.
"Alles." War eine sehr knappe Antwort auf die Frage. Aber Freya würde niemals sich komplett aufgeben. Leer werden. Dann wäre sie nicht mehr sie und noch weniger wäre sie auf dem Weg den man ihr zugedacht hatte. Sie wäre zerstört und mit ihr würde vieles vergehen. Nein, es war nicht vorgesehen, dass Freya ihr Sein und Ich einem Wesen übergibt und einfach aufhört nicht mehr zu sein. Alles in dem jungen Leib wird sich dagegen entscheiden.
"Weil alles andere schmerzt" Eine logische und fast schon naheliegende Begründung.
"Leben tut weh, jeder einzelne Schritt. Von Geburt bis hin zum Tod. Keine Ruhe. Alles ist ein Weg der Pain. Ein Weg des Leids und der Qualen. Niemals Endend. Ein unbedachtes Wort verletzt mehr als ein Schnitt und doch auch ein Schnitt kann sich entzünden. Kleine tausende Nadelwunden, die sich entzünden, eitern und beginnen zu wachsen. Sie nehmen dich ein, sie foltern dich, Tag für Tag. Du sollst wer sein, ohne zu sein wer du bist. Was ist das für ein Leben. Ich befreie von Schmerz und Leid. Ich befreie von der Qual und du kannst einfach nur sein."
Die Frage war und die sollte sich Freya stellen. Was bedeutet Schmerz im Leben. Was bedeutet es zu sein und was bedeutet es ihn nicht mehr zu haben. Was macht es aus einen, nicht mehr zu leiden und was passiert mit den Erfahrungen.

Während Freya darüber nachsinnen kann hatte Tanuri nicht angehalten. Und sie merkt es jetzt, dass die Klinge sich tief in ihren Bauchraum treibt. Reißen von Fleisch, von Muskeln und Gewebe und das Blut das nach draußen rinnt als die Angreiferin das Messer zurück zieht. "Tausend Tode stirbt man im Leben voller Sein. Wegen Dinge die man nicht braucht. Fühle wie es ist zu sterben, Kind. Fühle wie es noch hunderfach geschehen kann. Weil es schmeckt, dass zarte Sein, schmeckt." Erklärt so einiges warum manche mit leeren Blick tag ein und tag aus ihre Arbeit verrichten. Nie sich beklagen, am Leben und doch innerlich tot, leer und ohne Gefühle. Und während Freya ihren ersten Tod erleidet verschwindet Tanuri mit dem Messer. Löst sich auf in schwarzen Flocken die wie Asche verrinnen und die Gräfin steht vor ihr. Sie lächelte breit und der Schleier ist erhoben. Grüne wilde Augen, keine Pupillen mehr da nur diese Grünen Augen in denen sich was schwarzes windet. Es wirkt wie Würmer. Und so hört ihr kleines Herz das erste mal auf zu schlagen an diesem Ort.

Wie lange sie ohnmächtig war ist unklar, aber sie erwacht in ihrem Bett. Alles in Ordnung. Ihr Körper war wie er sein soll. Sie war weder verletzt noch tot. Aber die Erinnerung daran war real. Wenn sie aufsah, sah sie die Gräfin. Wie gewohnt mit Schleier. "Erst weiß sie das essen nicht zu würdigen und dann kippt sie einfach um. Du solltest jetzt schlafen und vielleicht darüber nachdenken zu gehorchen. Der Ort straft ungehorsam. Wir werden morgen darüber reden, direkt nach dem Morgenapell." Raunte sie und lächelte nicht dabei. Sie würde Freya dann verlassen für einen Moment, damit sie ruhen kann.

Neben Milla die bereits im Bett lag sieht sie auch Haedinn. Der in ihrem Zimmer vor der Wand sitzt und diese anstarrt. Aber Haedinn war noch sehr weit weg geistig. Er war noch nicht ansprechbar.
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Jeremias Rabenherz
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#1062

Beitrag: # 54495Beitrag Jeremias Rabenherz »

Natürlich weiß sie das. Es war auch kein Tadel an sie per se. Es waren bekannte Dinge und doch neigte man dazu sie ab und zu aus den eigenen Augen zu verlieren. Dann wurden Nichtigkeiten höher gesetzt und man gab sich der Routine und dem Trott hin, statt bei dem zu bleiben was ihre Aufgabe war. Ogrimar dienen und sein Wort verbreiten. Er würde lügen, würde er behaupten ihm wäre das nicht passiert. Oft viel zu oft passiert es schnell und schleichend. Ehe man sich versah folgte eine interne Verfolgung die andere und ein Streitgespräch das andere. Die eigentlichen Dinge wurden da das ein oder andere mal vernachlässigt.
"Ein König und Herrscher ja, aber selbst Könige und Herrscher alleine vom Titel sind einem Gott unterworfen. Menschen nennen sich König und Herrscher, Kaiser und Lord. Der Titel wäre seiner Dunklen Herrlichkeit nicht gerecht genug, auch wenn er sich eingebürgert hat. Aber das ist ein Fehler den viele tun, sie setzen mit sterblichen Titeln einen Gott auf unsere Stufe, sie degradieren ihn durch einen dummen nichtssagenden Titel. Denn ja er ist Alles und vor allem überall. Also wenn sich seine Anhänger schon schwer tun ihn anzusprechen ohne seine Existenz herabzuwürdigen wie sollen sie dann lernen mit Demut zu dienen ohne zu einem devoten Sklaven zu werden oder sich dem Dienst verweigern, weil sie zu stolz sind das Knie vor dem Einzig wahren HERRN zu beugen?" Er machte eine Ausladende Geste. "Selbst hier. Wenn keine Gesetze existieren.. was ist es dann? Chaos.. also selbst gerade jetzt in diesem Moment, ist er da." Er  schmunzelte leicht. "Er hört uns zu. Oder vielmehr, er hört dir zu, beobachtet dich."

Er wiegte den Kopf leicht. "Vielleicht solltest du nicht zu wörtlich denken? Du hast kein Feuer in dir? Du irrst dich. Feuer ist Leidenschaft, Zorn, Liebe, Hingabe, Blut, Entschlossenheit und sogar Fanatismus. Feuer ist mehr als ein Element, wie alle Elemente mehr sind als ihre Erscheinung an sich." Er würde ihr aber nicht widersprechen. Licht in der Dunkelheit. Ein ungewöhnliches Handeln aber auch Licht könnte Wärme bringen. "Wie das Feuer hat das Licht eine Eigenschaft die du nun gut gebrauchen kannst. Klarheit. Die Offenbarung der Dinge die im Schatten liegen. Wahrheiten." Die Götter und die Elemente waren nicht zwingend verbunden. Nur weil jemand Ogrimar folgt, war das Licht ihm nicht abgeneigt. Das war Unsinn, die dunklen Priester der schwarzen Heiligkeit waren sogar recht stark im Lichtelement. Es war eben komplexer als man denkt.
"Du hast recht, du gehörst weder hier her noch in die Fänge dieser Kreatur. Ja, die Zeit arbeitet gegen dich." Er umschritt sie langsam und sieht wie das Licht sich in dem grotesken Wasser bricht. Es wirft fragtale Schatten auf sein Gesicht und wird durch die Narben mehrfach verzerrt.
"Wie hat er es geschafft, durch List oder Betrug? Vielleicht solltest du eine List versuchen. Er will was von dir. Was wenn du ihn dazu bringst, seine Pläne aufzugeben und ein anderes Ziel in den Fokus stellst, lüge, aber sei überzeugend. Du darfst nicht zu schwach werden." Die wahre Welt war nicht ehrlich und auch nicht gerecht. Sie lügt und betrügt und Kriege wie Kämpfe sind auch nicht fair. Die Gesetze des Überlebens waren nicht fair. Die Götter waren nicht fair. Amüsant wer glaubte es gäbe sowas wie eine faire Welt.
"Aber die größte Frage, welche du dir stellen solltest. Willst du überhaupt zurück? Wer würde nach dir suchen? Wem bist du .. wert genug? Sei aufrichtig zu dir. Nur so kannst du erkennen wo deine wahren Verbündeten liegen. Für jetzt und für das was kommen wird. Du weißt wenn du hier stirbst, wird niemand erfahren wo du gewesen bist. Noch wissen wir welche schrecklichen Konsequenzen es hat, wenn er seinen Plan verwirklicht. Was daraus entsteht." Er machte eine lange Pause.

"Aber wenn du überlebst wird auch das Folgen haben. Ein alter Feind der sich neu erhebt? Es ist der Beginn, Tanuri. Du wirst Verbündete brauchen." Ein Blitz durchzuckte die Ebene und gab den grotesken Himmel frei, fast wie eine Zustimmung oder ein Lachen. Das Lachen eines Gottes der sich bestens unterhalten fühlte?
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Rabenvater •  Stammbaum Rabenherz
"Ich diente dem HERRN bis er mich rief, jetzt diene ich ihm erneut."
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Maryam
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#1063

Beitrag: # 54500Beitrag Maryam »

 Sie hatte standgehalten. Stunden und auch Tage, auch wenn sich ihr Körper dagegen wehrte und ihr Geist sich auflehnte. Nichts von ihr wollte länger bleiben, als nötig. Es war eine seelische Grausamkeit, zu den Gebetszeiten züchtig und andächtig den verlogenen Worten der Anhänger Ogrimars zuzuhören und diese stoisch schweigend zu ertragen. Sie waren ekelerregend und abstoßend, die Zitate aus einer Doktrin. Gleichzeitig aber waren sie eine Offenbarung dahingehend, wie verdorben die Seelen derer waren, die ihr glaubten.

 Aber Maryam musste sich anpassen, um nicht aufzufallen. Nur so konnte sie so viel wie möglich erfahren. Vor Khoron und Vargus gab sie sich besondere Mühe, sich als Suchende des Glaubens darzustellen. Bisher glaubten sie ihr, obwohl ein gewisses Misstrauen durchaus zu spüren war. Verwunderlich war das bestimmt nicht. Was man so hörte, wusste nämlich niemand, was genau mit Freya geschehen war. Die Sorgen um sie wuchsen zwar, je länger sie fort war und man nichts von ihr hörte, wirklich gehandelt schien aber nicht zu werden.
 Und das, obwohl kein Lebenszeichen von einem Kind doch immer ein schlechtes Zeichen war. Maryam konnte sich nicht vorstellen, dass Freya einfach nur eine Ausreißerin und einem ersten Anflug von pubertären Eigensinnigkeiten gefolgt war. Was sie bisher mitbekommen hatte, war, dass Freya ihre Aufgabe sehr ernst nahm.

 Leider erfuhr Maryam nicht viel, trotzdem versuchte sie durchzuhalten, da jeder kleine Hinweis, jedes unbedachte Wort seitens der Besucher und der Domdiener konnte wertvoll sein konnte.
 Es war für sie aber unbegreiflich, wie ruhig es in dem Felsendom blieb. Anscheinend konnte draußen die Welt zusammenbrechen, die Gläubigen blieben stur in ihren Ritualen festgefahren. Diese Tatsache ließ Maryam nicht nur einmal innerlich mit dem Kopf schütteln. Pah, nein, so etwas gab es für sie nicht. Verschwände jemand von diesem Wert aus ihrem Kreis, es würde alles getan werden, diesen schnellstmöglich wieder zu finden.

 Hier aber sprach man nur hinter vorgehaltener Hand davon und versteckte sich lieber hinter einer Vorsicht, anstatt es laut auszusprechen und dadurch mehrere Anhänger zu erreichen, die vielleicht helfen konnten. Wie arrogant und selbstverliebt dieser Zug wiedermal war.
 Ging es nun um die Adeptin oder war es wichtiger mit Macht und Zwang ein Bild nach außen aufrecht zu halten? So wichtig war sie wohl doch nicht, wenn die Fassade bedeutender war als ihr Auffinden. Noch dazu hatte wohl auch niemand ein größeres Problem damit, fast schon gleichgültig dem Alltag nachzugehen, anstatt die Kräfte darauf zu verwenden, Freya zu suchen. Abfällig musste Maryam feststellen, was das über einen jeden von diesen arroganten Schnöseln aussagte. Eigentlich wäre ihr dies nur recht, da ein jedes verlorene Mitglied ein Gewinn für ihre Seite und ihre Vorhaben war.

 In diesem Fall war es aber ziemlich unpraktisch, dass es sich ausgerechnet um jemanden handeln musste, den Maryam selbst suchte. Läge die Situation nur ein wenig anders, sie hätte sich laut darüber amüsiert und sie alle für ihre Fahrlässigkeit und den Leichtsinn ausgelacht.

 Jetzt galt es eben, einen Vorteil für sich daraus zu ziehen. Bisher war Freya geschützt und behütet gewesen in ihren Reihen. Jetzt war sie es nicht mehr, ganz egal, wo sie sich gerade aufhielt. Maryam musste nur aufmerksam sein und ihre Augen offenhalten und schneller sein als die anderen. Was nicht besonders schwierig erschien, betrachtete man die Trägheit mit der bisher gehandelt wurde. Es war nun ganz allein an ihr, sich schnell ihre Pläne zurechtzulegen und diese umzusetzen. Denn lange hielt sie es in diesem von Neid und hinterhältigen Machenschaften durchzogenen Mauern nicht mehr aus.

 Auch wenn sie sich mit Gebeten und der Zwiesprache zu Artherk versuchte zu stärken und ihren Weg nicht zu verlieren, ekelte sie allein der Gedanke, wieder eine Messe hören zu müssen und sich wieder suchend und nach Führung bittend mit einem unschuldigen, mädchenhaften Lächeln an einen der Tempeldiener zu wenden.

 Sie wollte fort, so schnell wie sie konnte. Ihre Informationen waren aber noch zu mager, um sich mit einem guten Gewissen davonzumachen, die Türen hinter sich zuzuschlagen und nie wieder an diesen Ort zurückkehren zu müssen. Wobei, doch, sie würde zurückkommen. An dem Tag, wenn sie an der Seite des Hüters und seiner Gefolgschaft den Dom niederbrannte und auf den Leichen derer tanzte, die elendig in den Flammen erstickten und verzweifelt bei ihrem angeblichen Gott nach Hilfe ansuchten.

 Der Gedanke beflügelte sie und ließ die Folter ihres Aufenthaltes etwas leichter werden. Gerade fegte sie im Keller des Felsendoms noch die letzten Staubkörner zusammen, als sie die Unruhe wahrnahm, die von oben die Kellertreppe herunterdrang. Achtlos stellte sie den Besen beiseite, schließlich tat sie diese Aufgabe nur, um das Vertrauen des Tempeldieners zu gewinnen und trat neugierig lauschend die Stufen nach oben. Sie hörte die Stimmen vieler, alle irgendwie durcheinander und unpassend laut. Aber was konnte man sich schon von diesen Rüpeln erwarten? Angemessenes Benehmen in einem Gotteshaus anscheinend nicht. Auf Zehenspitzen schlich sie sich näher und lugte hinter dem Mauervorsprung um die Ecke, um mehr von diesem plötzlichen Aufruhr mitzubekommen. Einige der Gesichter waren ihr nicht unbekannt, andere hingegen vollkommen fremd. Was aber war es, das sie alle hier her führte?
Plötzlich legte sich eine Hand auf Maryams Schulter und eine Stimme ließ sie zusammenschrecken. „Es gehört sich nicht zu lauschen.“
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-Freya-
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#1064

Beitrag: # 54501Beitrag -Freya- »

 
Als der dritte Glockenschlag erhallte, stand Freya bereits an jenem Platz, den Milla ihr am Tag zuvor zugeteilt hatte. Kerzengerade stand das Mädchen mit dem Rücken zum Tisch, während das trübe Tageslicht den Raum erhellte. Ein Schein, der ebenso seelenlos wirkte, wie alles in ihrem Umfeld, denn selbst ihr eigener Schatten war regungslos. Das einfache Kleid umspielte Freyas zierliche Statur, wobei der Rock nicht eine kleinste Falte zeigte.

Gehorchen - Ihr Blick war gesenkt, während Freya den leisen Schritten um sich herum lauschte. Gedämpfte Schritte, so gleichmäßig wie unheimlich in ihrem ebenmäßigen Klang. Sie war die erste hier gewesen. Die erste auf den Fluren, sowie auch im Speisesaal. Auch wenn es ihr missfiel, so musste sie die Rolle annehmen. Eine andere Tür zeigte sich ihr nicht.

Ihre Augen folgten den Schatten, welche die an ihr vorbeigehenden Kinder auf den Boden warfen. Ein monotoner einheitlicher Gang, der in einer präzisen Übereinstimmung fast beklemmend wirkte.

Nur gedämpft drangen wenige andere Geräusche an ihr Ohr. Atemzüge, das leise Rascheln von Stoff oder das gedämpfte Knarren von Holzdielen, jedoch keine Stimmen. Eine bedrückende Harmonie, die einer strengen Disziplin folgte.

Auch wenn alles einer genauen Ordnung zu folgen schien, hatte Freya immer wieder das Gefühl, dass einige Blicke sie beiläufig streiften oder sich sogar für einige Momente auf sie legten. Vielleicht war es aber auch eine Einbildung. Ein Trugschluss ihres Gewissens, nachdem das Abendmahl durch sie zuvor vorzeitig beendet worden war.

Es war nur dieses Kribbeln in ihrem Nacken, das an ihrem Geist kitzelte und sie aufsehen lassen wollte. Einem Impuls, gegen den sie jedoch ankämpfte, indem Freya sich dem widmete, was vor ihr lag.

Das lange schwarze Haar umrahmte ihre blässlichen Züge, während ihre Augen auf den Boden gerichtet waren. Still stand sie da, hielt ihre Hände hinauf, während sie die feinen Adern der Maserung in dem Holz betrachtete. Zarte dunkle Adern, die sich durch die Bretter hindurchzogen wie ein Geflecht und mit jeder Faser verbunden schienen.

Leicht nur senkte das Mädchen ihre Lider. Ein zaghaftes Blinzeln, doch auch wenn sie es vermied, ihre Augen vollständig zu schließen, schossen ihr dennoch immer wieder Bilder wie Blitze durch die Gedanken.


Grüne Augen, welche sie stechend und durchdringend ansahen, als würde das windende Dunkel darin sich an ihrem Schmerz und ihren Zweifeln weiden. Grausam und lauernd, als würden sie nur darauf warten, dass sie kapitulieren würde, um nach der Essenz ihrer Seele greifen zu können und sie zu einer willenlosen Marionette zu formen.

Was war ein Traum gewesen? Wahrheit oder Illusion? Alles wirkte so surreal und unerklärbar. So als wäre es eine Schwelle zwischen Realität und Schein.

Sie hatte mit dem Kater das Zimmer verlassen, nur um einem endlos erscheinenden Labyrinth zu folgen, das sie nicht vorwärts hatte kommen lassen. Als wären sie immer geradeaus im Kreis gelaufen. Immer und immer wieder der gleiche Weg. Bis sie ihn fortgeschickt hatte und auf den Flur getreten war.

Der Gang, auf dem sie all diejenigen, die sie ganz gleich auf welche Weise in irgendeiner Form schätzte oder respektierte, erblickt hatte. Nein. Es war ein Trugbild. Doch hatte sie es sich selbst in einer Ohnmacht eingebildet oder war es etwas anderes gewesen, das sie diese Bilder sehen lassen wollte?

Tanuri. Der Dolch. Sie war nicht ausgewichen, als der Dolch der Priesterin sich in ihr Fleisch gedrängt hatte. Schmerz. Freya kannte ihn, ebenso wie das Gefühl des Sterbens. Es war nichts, vor dem sie sich fürchtete. Nicht mehr.

Der Schmerz war das einzig wirkliche. Das greifbare und haltbare, dass sie noch immer spüren konnte, auch wenn sie ihre Augen öffnete. Er durchfuhr sie jedes Mal bis ins letzte Nervenende und hallte mahnend und erinnernd nach. Ein grausames Gefühl, so bekannt und qualvoll, unter dem sie sich jedoch im Angesicht des Todes für einen Augenblick so lebendig und machtvoll fühlte, wie keinen Atemzug zuvor. Es war ihre Bestimmung …

… doch nicht so.

Es war falsch gewesen. Der Dolch hatte sie an derselben Stelle getroffen, als würde er sein Ziel kennen. Wie eine Vorhersehung. Doch dieses Mal war es die falsche Hand gewesen, die ihn geführt hatte. Verschwommen hatte Freya nur durch die wässrigen Augen hindurch in das eiskalt schimmernde Blau der Priesterin gesehen. Stolz, aber dennoch ungebrochen.

Der strenge Blick ihrer Mentorin, der umrahmt wurde von erbarmungslosen Zügen, ehe das Abbild Tanuris vor ihren Augen wie ein Gebilde aus Asche zerfiel. Ihre Gestalt verdunkelte sich, als würde ein düsterer Schatten sich über sie legen. Ein schwarzer Schemen, der sich in dunkle Flocken auflöste, welche sie herumgetanzt und zerstoben in der Dunkelheit, die sich immer weiter um sie herumgelegt hatte.

Auf einmal hatte sich alles vollkommen verkehrt angefühlt. Alles, sogar der Schmerz. Ihre Hände hatten sich an ihren Bauch gelegt. Freya hatte die Wärme gespürt. Das Blut, welches durch ihre Finger gesickert war und den weißen Stoff ihres dünnen Nachthemdchens wie ein unheilvoller Schatten eingefärbt hatte. Es war falsch und sie war hier falsch.

Aus der Finsternis heraus hatte sich die Gräfin manifestiert. Ob aus den Schatten oder den schwarzen tanzenden Flocken konnte Freya nicht mehr sagen. Doch sie erinnerte sich an die Augen, die sie unverhüllt und ohne Schleier angesehen hatten. Ein stechendes Grün, in welchem sich eine verdorbene Finsternis gewunden hatte, während die Züge der Gräfin selbst ein widerwärtiges und grausames Lächeln gezeigt hatte.

War es eine Illusion, die ihr Verstand ihr vorgaukelte, indem er ihre Gedanken und Ängste in Sinnbilder verwandelte. Eine dämonisch anmutende Gräfin, ein falscher Tod? Oder offenbarte die Gräfin ihr das Schicksal, welches sie ihr zugedachte, wenn sie nicht folgen würde? Tausend Tode?

Es war ihr erster Tod hier gewesen, doch Freya kannte den Schmerz bereits. Er hatte sie in Besitz genommen. Reißend stechend, während ihr Herzschlag dagegen ankämpfte und doch mit jedem aufbäumen leiser wurde. Sie fürchtete ihn nicht, denn der Tag, an dem die Finsternis sie nicht mehr freigeben würde, war ihre Bestimmung oder nicht?

Dunkelheit hatte sich über ihre Augen gelegt, das Blau eingenommen und eingefärbt, während sie auf die Knie zusammengesackt war und gespürte hatte, wie ihr letzter Atemzug sie verließ. Das Ende, welches den Schleier von Düsternis über sie geworfen hatte, unter welchem einzig und allein die Stille geblieben war, die sie lautlos mit sich getragen hatte.


~Spüre es ... Spüre es tief in deinem Inneren ... Fühle meinen Schmerz … Diu mirsin~

Ihre Stimme war nur ein leises Wispern gewesen, bevor die Kraft sie endgültig verlassen hatte. Vielleicht war es auch nur ein Gedanke gewesen, ehe die absolute Finsternis sie so tröstlich umfangen hatte. Ein Gedanke an Genugtuung oder auch ein Hilferuf, welcher in der Tiefe ihres Geistes darauf hoffte, dass das, was mit ihr verbunden war, den Nachhall dessen ebenfalls fühlen konnte.

Freya nahm einen tiefen Atemzug, war sie sich sicher, dass es kein Albtraum gewesen war. Als sie erwacht war, hatte der Kater in ihrem Zimmer gesessen. Apathisch und weggetreten. Seine Augen so leer, wie die der meisten um sie herum. Wo war er hergekommen, was war mit ihm geschehen?


Nein, es war keine Einbildung. Sobald sie ihre Augen schloss, wurde verfolgte sie der gnadenlose Blick aus diesen unmenschlichen Augen. Sie mussten hier raus. Irgendwie. Akzeptanz. So schwer es Freya fiel, sich damit abzufinden, so deutlich lag es vor ihr. Es gab nur den einen Weg. Ihre Rolle annehmen. Doch niemals würde sie sich brechen lassen.

So war sie bereits vor dem ersten Glockenschlag vollkommen angekleidet gewesen. Sie hatte sich bereits gewaschen und das schlichte Kleid, das Milla ihr gezeigt hatte, angezogen. Auch wenn sie sich selbst das lange Haar nicht aufwendig hatte flechten oder knoten können, so hatte sie es sich mit hundert Bürstenstrichen glänzend zurecht gekämmt, dass es seidig über ihren Rücken fiel.

Sorgsam hatte Freya jede Falte aus dem Stoff ihres Rockes gestrichen, um bereits kurz vor dem ersten Glockenschlag makellos auf den Flur zu treten. Nichts war wie in der Nacht zuvor gewesen. Jene kleinen markanten Wegmarken waren genau dort wo sie sein sollten, ebenso wie die Treppe.

Aber dennoch musste etwas Wahres in all der Illusion verborgen sein. Haedinn war der Beweis. Oder nicht? Unmittelbar ertönte der vierte Glockenschlag und riss das Mädchen aus ihren Gedanken.

Ohne ihren Blick anzuheben, hielt Freya ihre Hände vor ihren Körper, während unmittelbar eine absolute Stille über den Raum einkehrte. Als würde die Welt den Atem anhalten, lauschte auch Freya ihrem eigenen Herzschlag, wartend auf das pochende Geräusch, welches die unnatürliche Ruhe durchbrechen würde, die sich wie eine unsichtbare Warnung bedrohlich über den Speisesaal gelegt hatte.
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri var Aesir 


Geboren aus dem Wissen einer dunklen Vergangenheit - verblasst mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
Fühlst Du die Macht? Kannst Du sie spüren?
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Naheniel
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#1065

Beitrag: # 54508Beitrag Naheniel »

Das Tribunal - Teil 1

Allein schon die Anklage an der Stadtmauer war eine Farce. Eigentlich nicht wert, seine kostbare Zeit damit zu vergeuden. Gleich, ob die Anklagepunkte der Wahrheit entsprachen oder nicht, mit keiner einzigen Silbe brachte man ihn durch so einen aufgesetzten Schwachsinn ins Wanken. Schon gar nicht, wenn das Tribunal so verlief, wie von ihm vermutet.
 
Manches und noch dazu mancher war eben vorhersehbar und es wäre überraschend, müsste er den Ablauf, den er sich in seinem Kopf zurecht legte, während des Abends tiefgreifender anpassen. Es dürstete ihn nach Herausforderung, allerdings rechnete er nicht damit, dass ihm dieser Gefallen getan wurde. 
 
Selbstsicher betrat Naheniel deshalb den Felsendom, gekleidet in einer einfachen dunklen Hose, einem Leinenhemd und seinem hellen ledernen Mantel, der gefüttert war mit einem dicken Schafspelz. Es war nicht kalt, dennoch war es eben sein spezielles Kleidungsstück und gehörte zu ihm, weshalb er ihn stets bei sich trug.
 
Mit einem von sich überzeugten, aber emotionslosen Lächeln auf einem seiner Mundwinkel schritt er an den Anwesenden vorbei, die sich zu seinen "Ehren" im Felsendom eingefunden hatten. Jeder Schritt wirkte wie eine Demonstration seiner Macht und seines für ihn unumstößlichen Wissens darüber, jedem einzelnen von ihnen weit voraus zu sein. Zumindest war dieses armselige Schauspiel, das sich ihm mit ziemlicher Gewissheit bieten würde, eine willkommene, wenn auch nicht herausfordernde Abwechslung. 
 
Kalt und durchdringend war Naheniels Blick, als er mit diesem Einige von den aufgereihten Möchtegern-Gläubigen streifte.
Stets brüsteten sie sich mit großen, hochtrabenden Worten, die angetrieben waren von noch größeren und noch hochtrabenderen Gedanken. Umgesetzt davon hatte er bisher aber nichts erlebt. Was wiederum ein sehr sicheres Zeichen dafür war, von welchem Geist sie alle wirklich waren.
Was aber kümmerte es ihn? Nach Schwächlingen, Verlierern und jenen, die nur dann anwesend waren, wenn sie ihre Hände an das andere Geschlecht legen konnten, suchte er zur Erreichung seiner Ziele sowieso nicht. 

 
Für einen Moment verweilte Naheniels Aufmerksamkeit auf Syndra.
Sie war anders, sie stellte keine Enttäuschung dar.

Eine Feststellung, die ihn persönlich nicht überraschte, wählte er schließlich sehr genau, wem er sich zuwandte und wem nicht. Und noch dazu auf welche Art und Weise. Er kannte seinen Wert und nur Wenigen vergönnte er, in seiner Nähe zu verweilen. 

 
Natürlich könnte er sie so begrüßen, wie er es sonst auch tat, wenn sie einander sahen und es ihr als seiner Frau an seiner Seite zustand. Jedoch war ihm nicht danach, seine kostbare Zeit nebst diesem lächerlichen Tribunal noch damit zu verschwenden, sich den stets wiederholenden und ermüdend durchschaubaren Kommentaren bezüglich ihrer Beziehung hinzugeben. 
 
Diese kannte er bereits zur Genüge in aller farblosen Gleichtönigkeit. Zusätzlich wusste er, dass Syndra genug Selbstbewusstsein und Vertrauen in sich besaß, um seine Aufmerksamkeit und Berührungen nicht bei jeder noch so kleinen Gelegenheit einzufordern, nur damit sie vor aller Augen beweisen konnte, dass er ihr zugetan war. 
 
Gerne hätte er sie noch länger betrachtet, war sie schließlich der einzige Lichtblick in dieser trostlosen Runde. Trotzdem senkte er seine Lider. Jene Geste war begleitet von einem provokanten Lächeln, das vorerst an niemand Bestimmten gerichtet war. 
 
"Ich nehme es gleich vorweg, Lorena." Langsam legte er seinen Kopf in die Schräge, damit er das Gesicht der Inquisitorin in seinen Fokus nehmen konnte. "Auch wenn Ihr mir freiwillig bestimmt keinen Gefallen tut, tut ihn Euch in diesem Fall zumindest Euch selbst:
Unterlasst für diesen Abend das Augenrollen. Ich kenne es in sämtlichen Ausprägungen und es beeindruckt mich heute genauso wenig wie sonst auch." 

 
Es war amüsant, zu sehen, wer alles erschienen war, um das Tribunal gegen ihn zu verfolgen und vielleicht sogar anzufeuern. Eine bunte Ansammlung von Gestalten, die normalerweise nur in ihren verborgenen Ecken flüstern und hetzen. Vielleicht würden einige von ihnen ausnahmsweise ihre Zungen lockern und nicht nur in ihren abgeschiedenen Räumlichkeiten Charaktere beleidigen, die sie kaum kannten. 

Konnten sie alle mehr, als nur herzuziehen und Dinge zu unterstellen, die auf Neid und Missgunst beruhten, und eingebildetes Halbwissen wie dickbusige Waschweiber auf dem Marktplatz weitertratschen und Versprechungen abgeben, die nicht eingehalten wurden? Wahrscheinlich eher nicht. 
Naheniel wusste sehr genau, dass ein solches Denken reine Illusion war. Natürlich könnte er die Wahrheit aussprechen, aber wozu? Er war kein Moralapostel.
Wahrheiten brachten meist nur mehr boshafte Flüstereien hinter dem Rücken hervor, anstatt den Blick auf das Wesentliche zu lenken und über die eigenen egozentrischen Horizonte hinauszublicken.

 
Einen Hauch von Respekt konnte er zumindest dem weißen Prediger nicht verwehren. Dieser Mann, offensichtlich der einzige in Artherks Gefolge, der den Mut hatte, sich hierher zu wagen, schien tatsächlich so etwas wie Eier zu besitzen. Was auch immer jedoch tatsächlich zwischen den Beinen dieses Priesters baumelte, war nichts, worüber Naheniel sich den Kopf zerbrechen wollte. Es gab sicher andere, die diese Untersuchung mit Freuden übernehmen würden.
 
Vielleicht wollte der Mann etwas lernen. Wenn dem so war, Naheniel war jederzeit zum Geben von Wissen und Können bereit, weshalb er ihn mit eine einfachen Geste seines Zeige- und Mittelfingers heran winkte und ihn einlud, zu bleiben.

Wohl gesonnen schienen ihm nur Wenige zu sein, meinte man doch ihm zu unterstellen, er würde, was auch immer genau, wie ein Spielzeug behandeln.
Dabei waren Spielzeuge doch etwas für kleine Kinder, die man beschäftigt halten musste, damit sie Ruhe gaben. Und völlig gleich, was er in die Hand nahm, das behandelte er alles andere als wie Spielzeug. Ganz im Gegenteil.
Aber damit musste er an dieser Stelle nicht prahlen. Eine Korrektur dieser Annahme überließ er gerne anderen. Oder vielleicht würde diese Erkenntnis ganz von selbst dämmern.

 
Trotz des überaus kläglichen Versuchs, ihm gegenüber die gleiche Überheblichkeit zu zeigen, die er selbst so meisterhaft an den Tag legte, blieb er amüsiert und zeigte sogar höflicherweise ein wenig Überraschung darüber, dass der Dom nicht völlig verlassen geblieben war. 
"Lasst mich anmerken, dass ich durchaus erfreut darüber bin, dass man sich hier einfindet. Und das nur wegen mir."

Sein leises Lachen war heiser und warm, während er erneut seinen Blick schweifen ließ. Amüsant allerdings, dass ausgerechnet seine Schwester, die Hauptklägerin dem Tribunal fernblieb. Was für ein Armutszeugnis für die Kirche das wieder war. Womöglich hatte sie von allein eingesehen, dass ihre Anklage völlig sinnlos war und suchte nun auf andere Weise Freude und Erfüllung, anstatt diesem sogenannten Tribunal beizuwohnen. Er wusste schließlich, was seine Schwester wollte. Vielleicht hatte sie es sich jetzt geholt. 

Das wäre durchaus verständlich. Weitaus weniger verständlich empfand er die Verdächtigung der Inquisitorin, dass er etwas mit dem Verschwinden Tanuris zu tun hatte. Was würde das für einen Sinn ergeben? Keinen. Aber offenbar war diese Schlussfolgerung nicht für jederman logisch.  
 
Als Lorena endlich begann, das Tribunal zu eröffnen, setzte er sich ohne Eile auf die Kirchenbank, platzierte einen Fuß auf die Sitzfläche, zog sein Bein an und legte den Ellenbogen auf sein Knie und hörte sich die Beschuldigungen der Entführung, Gotteslästerung, Bedrohung und Ermordung unschuldiger Glaubensvertreter, sowie auch dem Zuwiderhandeln der Doktrin Ogrimars und sogar noch der Entführung der Priesterin von vor längerer Zeit an.

Ab und an glitt sein Blick zwischen den Anwesenden hin und her und nicht nur einmal lag dabei sein Fokus auf seiner Frau aus dem Norden. Seine Augen erforschten ihre Gestalt, während seine Miene hingegen kein Gefühl preisgab. Die Intensität hingegen, mit der er sie betrachtet, sagte genug über die Verbindung zu ihr aus. Ein Band, das sich nicht nur durch gemeinsame Nächte in einem Bett geknüpft hatte.
Hörbar bedauernd seufzte er und sprach leise zu sich selbst:
"Verdammt, ich sollte ja aufmerksam sein und zuhören…" Mit einem Lidschlag löste er sich von Syndra und sah wieder zu Lorena, derer er sichtlich gelangweilt und mit seinen Fingern spielend wieder sein Interesse zukommen ließ. 

 
Immer noch in seiner bequemen Position verweilend, rekapitulierte er innerlich in aller Ruhe die Worte der Inquisitorin. Dann deutete er ein anerkennendes Zwinkern an, während seine Lippen sich zu einem sachten Lächeln hoben. "Auch wenn es einiger Korrekturen Eurer Ausführungen bedarf, möchte ich nicht kleinlich sein."
Seine Stimme war getragen von einer unverkennbaren Mischung aus Autorität und Gelassenheit. Freundlicherweise gab Naheniel der Inquisitorin die Chance, ihre Ausführungen selbst zu verbessern und eigentlich dringend notwendige Modifikationen anzuwenden, was allerdings nicht angenommen wurde und so begann für ihn, was beginnen musste und was er exakt so vorhergesehen hatte. 

 
"Lasst mich Euch aber einen Ratschlag geben, auch wenn Ihr ihn nicht wollt, Lorena.
Es hätte Euch und Eurem Amt gut zu Angesicht gestanden, wäret Ihr besser vorbereitet gewesen. Oder seid Ihr etwa so beschäftigt, dass Ihr derart schlampig und ungenügend arbeitet, wenn es um so etwas vermeintlich Wichtiges, wie eine Anklage gegen einen Glaubensbruder geht?"

Er zog seinen Arm näher an sich heran und lehnte sein Kinn auf seine Hand, um sich mit seinen Fingern durch den Bart zu streichen. 

 
Bemitleidend zog er seine Brauen zusammen, so dass sich zwischen diesen kleine Fältchen bildeten. "Ich habe mich eigentlich auf einen Abend mit präzisen Argumenten und Beweisen gefreut, muss aber enttäuscht feststellen, dass anscheinend nicht mehr zustande gebracht wurde, als ein blasses, herzerwärmendes Windlein.

Wo sind sie denn, die Klägerin und die Zeugen? Oder dachtet Ihr etwa, eine fadenscheinige Anklage und allein der Klang Eurer Stimme wären ausreichend, damit ich einknicke, mich schuldig bekenne und um Gnade flehe?"
Verschmitzt deutete er ein erneutes, diesmal jedoch sichtlich gewollt überhebliches Lächeln an. 

 
"Läge Eure Konzentration weniger auf Selbstdarstellung und Vorwürfen gegen meinen Charakter als auf der Ergründung von Fakten, ganz so, wie es sich für eine Inquisitorin gehört, könnten wir diese Zusammenkunft bereits jetzt wieder beenden und nach Hause gehen. Aber so… hm…", Naheniel wog seinen Kopf hin und wieder her und auf seinem Gesicht breitete sich ein gerissener Ausdruck aus, "ist es nun an Euch, mir zuzuhören. Habe ich also Eure Aufmerksamkeit, Inquisitorin?" 
Ganz zu seiner Verwunderung überließ Lorena ihm weiterhin mit ihrer stets sichtbaren und nach außen hin getragenen Arroganz das Wort. Schade für sie, denn damit schwand ihre Möglichkeit, diesen Abend doch noch für sich zu entscheiden. 
 
"Zu Euren Anklagepunkten, werte Vorsteherin der Inquisition," leicht zog er seine Nase kraus und ein amüsiertes Glitzern huschte über seine Augen, da jegliche Ehrerbietung hörbar nicht ernst gemeint war. Zusätzlich unterstrichen wurde dies von dem Ausdruck auf seinem Gesicht, das in diesem Moment gekennzeichnet von Spott und Genugtuung war, "habe ich nichts zu sagen. Was ich aber Aussprechen möchte, ist Folgendes:" 
 
Es entsprach der Tatsache, dass diese Versammlung ihn nicht nur unterforderte, sondern ihn noch dazu von Minute zu Minute mehr langweilte. Kurz sah er nochmals mit einem durchdringenden Blick zu Syndra, der er charmant zulächelte. Wenigstens gab es zu dieser Stunde etwas, für das sich der Weg hierher ausgezahlt hatte. 
 
Für einige Atemzüge verweilte seine Aufmerksamkeit auf ihr, bevor er sich wieder mit deutlichem Desinteresse an Lorena wandte. Jedes Wort, das folgte, war gesprochen mit einer Präsenz, die samtig warm, gleichsam aber eine gefährliche Autorität in sich trug.
"Hiermit stelle ich einen Misstrauensantrag gegen die Inquisition der dunklen Kirche seiner einzig wahren Lordschaft." Er gab seiner Stimme, die unüberhörbar einen herablassend, selbstgefälligen Unterton besaß, die Gelegenheit, von allen gehört zu werden und im Felsendom zu verklingen. 


 
Sieh mir in die Augen und sag mir, wen Du dort siehst.
Bist es immer noch Du? Oder bin es nun ich?


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Spürst Du den Hunger nach der Dunkelheit, schreit er bereits in Dir? 
Sag, mache ich Dir Angst oder fühlst Du Dich erst lebendig wegen mir?
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Tanuri
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#1066

Beitrag: # 54513Beitrag Tanuri »

Ihr Blick verharrte auf ihm, auch wenn sie sich immer noch nicht sicher sein konnte, ob er tatsächlich war oder es einfach nur ein Gespinst in ihrem müden und ausgelaugten Kopf war. Erschöpft, das war sie in der Tat. Nicht nur durch die Ereignisse der letzten Wochen, sondern auch durch ihren Geist.

Doch was brachte es, sich zu beklagen? Sollte sie sich etwa jammernd auf den Boden werfen? Natürlich konnte sie das tun. Niemand würde sie daran hindern, auch Jeremias nicht. Aber das wäre unvorstellbar unwürdig für sie. 


Sie wandte ihre Augen von ihm ab, blickte entschlossen geradeaus, als könne sie in dieser leeren Landschaft aus Schatten und Wasser wieder einen Orientierungspunkt finden. Aber solch ein Punkt existierte natürlich nicht, das wäre zu einfach. Auch hier, wo auch immer dieser Ort war, war alles eine Prüfung.

Eine Prüfung, die jeden Tag und jeden Augenblick von Neuem begann. Solange, wie man atmete, solange, wie man lebte - oder eben bereit war zu leben. Aufzugeben bedeutete, nicht nur sich selbst zu verlieren, sondern auch den Willen und den Glauben. Ohne diese war man nichts. Nur mit beidem hatte man einen Grund zu leben. 


"Was diese Kreatur von mir will, ist jenseits dessen, was ich bereit bin zu geben. Will er es mir entreißen, muss er mich zuerst töten. Was denkt Ihr Jeremias? Ist er verrückt genug dazu? Man mag mich persönlich nicht retten wollen, das nehme ich hin. Doch muss man mich rächen, denn das verlangt der Kodex der schwarzen Gemeinde. Ist er des Lebens so überdrüssig, dass er eine ewige Jagd auf seinen Körper willkommen heißt?" Nachdenklich starrte sie weiterhin in die Ferne, fand nichts, aber suchte unbeirrt nach einer für sie passenden Antwort. 
 

"Wenn er es nicht ist…", sie löste sich von ihren Gedanken und suchte nach Jeremias, der immer noch um sie wanderte, "was soll ich ihm bieten? Habe ich denn etwas, was einen derart verirrten Charakter noch interessiert?" 
 
Landru war schon einmal mit einem Angebot an sie herangetreten, eine Fortsetzung des Gesprächs hatte es aber nie gegeben. War dies alles vielleicht doch viel mehr miteinander verknüpft, als sie es derzeit erfassen konnte? War alles ein Zufall oder eben nicht? Nach wie vor blieb es ein Rätsel, warum er ausgerechnet wieder zu ihr kam, um - was es eigentlich genau war, verstand sie nach wie vor nicht - zu erhalten. 
 
Natürlich war sie sich ihres Werts bewusst. Sie war eine Priesterin, auch wenn manch einer ihr diesen Titel missgönnte und ihre Rechtmäßigkeit nicht nur einmal in Frage gestellt wurde. 

Ziemlich lachhaft, wenn man vollbrachte Taten, Leistungen, vor allem aber Ehrlichkeit in Relation zu jener Seite setzte, die sich nur zu gerne darüber ausließ, von welcher Arroganz und angeblich zickiger Marotten man doch beschaffen war. Tatsächlich könnte sie genügend Beispiele anführen, die ein ganz anderes Licht auf vorgefertigte Meinungen werfen würden, wenn nicht alles immer in der Anonymität kaputt geredet würde. Trotz ihrer eigenen Überzeugung für die Integrität in ihrem Amt war die Frage von Jeremias nicht ganz ungerechtfertigt.

"Will ich zurück? Hm…" Mit ihrer Zungenspitze befeuchtete Tanuri ihre Lippen, spürte jedoch ihre eigene Berührung nicht. Anscheinend war hier alles frei von jeglichen Bedürfnissen, Gefühlen und eigenen Sinnen.

"Die eigentliche Frage ist, ob ich zurück muss. Diese kann ich mit einem 'Ja' beantworten. Denn meine Aufgabe ist noch nicht vollbracht. Ich muss Freya beschützen, sie ist der Schlüssel zu allem. Ihr Dasein ist die Zukunft von jenen, die glauben, von jenen, die kämpfen und von jenen, die ihr Leben für das einzig wahre Ziel geben. Ich muss ihr den Weg weisen, bis sie ihn selbst beschreiten kann.
 
Der demonstrative Blitz war längst vergangen, doch seine Spiegelungen flackerten noch immer auf der Ebene. "Ehrlich bin ich immer, Jeremias. Zu anderen ebenso wie zu mir selbst. Deshalb kann ich mit Überzeugung sagen, dass ich nicht weiß, ob ich gesucht werde. Oder viel mehr, ob man mich suchen will." Leicht schüttelte sie ihren Kopf, jedoch ohne Bedauern oder Selbstmitleid.

"Ich kann und werde mich nicht darauf verlassen, meine Bestimmung ist dafür zu bedeutend. Ihr seid tot, Ihr habt einen Blick über das Leben hinaus. Ihr könnt sehen, was den Lebenden verwehrt bleibt. Sagt mir also, finde ich Verbündete, werden sie mir folgen für das Schicksal Freyas - bis in den Tod und darüber hinaus? Und wenn ja, was habe ich zu tun?" 
 
Ihre Stimme verklang, hallte in den Ohren nach und brach sich wie tausend brechende Scherben auf dem klaren, stillen Wasser zu ihren Füßen. Ihr Atem war gleichmäßig und stetig, gab ihr das Gefühl, sich selbst noch längst nicht vergessen zu haben. Leiser, mehr zu sich sprechend und doch auch an ihn gewandt fügte Tanuri flüsternd hinzu. "Und was ist der Weg, den ich dafür gehen muss? Besitze ich genug des lodernden Feuers und der leidenschaftlichen Hingabe, um erfolgreich zu sein?"  

 
~~~
Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya Chakai ~~ 
~~ Anführerin der Legion des Schattens ~~ 
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Landru
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#1067

Beitrag: # 54516Beitrag Landru »

Tribunal

Gewiss war er dreist.
Aber es schadet nicht informiert zu bleiben, selbst wenn er nichts direkt mit dem Tribunal zu tun hatte.

Aber ein solcher Anschlag und Prozess von großem Interesse zog alle möglichen Leute an. Auch er hatte sich zum Felsendom begeben. Aber er provozierte nicht, indem er ihn öffentlich betrat, sondern blieb seitlich des Doms an einen der spitzen Fenster, um es zu verfolgen. Abseits genug um im Tumult des Ereignisses nicht aufzufallen und doch genug um zu hören. Nicht alles und nicht das Gewispher der Anwesenden untereinander, aber die laut gesprochenen Worte der jeweiligen Hauptakteure durchaus. Die Priesterin war nicht da. Na das hätte ihn auch sehr überrascht wäre sie das. Aber noch überraschender ist Aidens Abwesenheit. Er vermutete, dass dieser alles in seiner Macht stehende Tat um die Priesterin zu finden, daher war seine Abwesenheit irgendwie verständlich. Ein schmales Lächeln huschte über die Züge, als das Tribunal dennoch eröffnet wurde. Anklagepunkte wurden verlesen und natürlich wunderte ihn es nicht, dass auch Etoh den Weg hergefunden hatte. Dieser hatte ihm schon einige Male gesagt er fürchtet sich nicht den Felsendom zu betreten, also war das keine wirkliche Überraschung mehr. Er verlor ihn jedoch nach einer Weile aus den Augen.

Er verfolgte es mit Interesse und vor allem verfolgte er den Mann, der sich durchaus geschickt auszudrücken wusste. Das war also der Bruder. Naheniel. Ein interessanter Mann. Nicht zuletzt weil er es wagte aufzubegehren gegen bestehende Strukturen. Wie berechtigt oder unberechtigt, kann er ja nicht sagen, aber ihm gefiel wie dieser Mann agierte. Er war nicht blind zu Anklage erhebung gekommen. Er hatte sich vorbereitet und kannte seine Rechte. Einen Moment stutzte er. Er lächelte leicht. Tribunale. Es war so menschlich, wenn sie versuchten sowas wie eine Demokratie aufrecht zu erhalten, Rechtsprechung und Schuldzuweisungen. Jeder sprach die Wahrheit aus der Sicht des Lügners. War dem nicht so? Die Lüge war eine Ansicht der Wahrnehmung und Auslegung. Eine 9 auf einem Blatt Papier geschrieben kann aus einem anderen Blickwinkel eine 6 sein und beide hätten Recht aus ihrer Sicht. Hierarchien waren schwierig. Aber er hatte gelernt zu knien und zu dienen, um das Privileg der Herrschaft zu begreifen. War dieser Mann ein Herrscher? Er schien zumindest Ambintionen zu haben. Für einen kleinen Mann war er viel zu laut und viel zu raffiniert. Vielleicht kommt die Zeit an der sie mal miteinander sprechen. Er empfand eine klare Hierarchie besser. Der Herrscher weiß sich durchzusetzen ohne zu sagen das er der Herrscher ist. Er würde nie Kain anzweifeln, andere ihn nicht, wieder andere tun das, aber bezahlen für ihre Zweifel entsprechend einen Preis, je nachdem wie sehr es stört und trotzdem funktionierte es. Jeder kannte seinen Platz und wenn einer ihn vergaß wurde darauf verwiesen. Demokratie war so ein Gebelle um die Wahrheit und wer hatte am Ende recht? Der am lautesten bellte oder der am besten mit Kodex und Doktrin umgehen kann? Wer am innigsten in Gebeten Ogrimar auf Knien anhimmelte? Wer hatte also recht über Glauben zu urteilen? Immer wieder faszinierend und deshalb war er gerne dabei. Dieses Possenspiel sich anzuschauen hatte was von Theater.

So wie es aussah wusste Naheniel genau was er tat und wenn seine scharfen Augen ihn nicht trüben, tat er es mit einer sadistischen Freude. Einen Misstrauensantrag gegen die Inquisitorin. Es wunderte ihn immer noch, dass sie scheinbar geschwiegen hatte. Aber das war nicht seine Baustelle. Er war mehr interessiert wie das ganze seine Wendung nahm als er Etoh um die Ecke des Domes kommen sah. Ein wenig Geplänkel, beiläufiges erwähnen der Lage des Fensterplatzes und schließlich die Frage der Fragen als Etoh sich nach der Feder erkundigt und ob es Samoels wäre. Wieso fragte er das? Etoh bekam keine wirkliche Auskunft, außer das Landru darauf bestand, dass er nicht wüsste wessen Feder das ist, wenn Etoh diese doch hält. "Was habe damit zu tun, ihr haltet sie in den Händen?" Berechtigte Frage. So einfach wäre es nicht. Niemand plant über Wochen um es mit einer Frage seine 'Verbrechen' zu gestehen. Auch weitere Fragen die Etoh in die Richtung der Priesterin stellte führten ihn wohl kaum auf befriedigende Spur.

Misstrauensantrag. Aiden nicht vor Ort und ein Etoh der verzweifelt versucht seine Unschuld zu beweisen und die Wahrheit herauszufinden.
Er kam nicht umhin das sich ein Mundwinkel zu einem zufriedenem Lächeln verzog.
Doch es war ja noch nicht vorbei.
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
"Es widerspricht meiner Moral, mich an eure zu halten!"
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Gesichtsloser Erzaehler
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#1068

Beitrag: # 54518Beitrag Gesichtsloser Erzaehler »

Die Gräfin


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Es ging seine geordnete Bahnen. Soweit Zeit hier eine Rolle spielte. Es gab einen Tages Rhythmus aber für Haedinn war es immer noch der gleiche eklige Moment. Sie hatte ihn quasi in seinen Alptraum eingesperrt. Soll er dem Mädchen nicht weitere dumme Ideen in den Kopf setzen. Er war beschäftigt und für Freya nur eine apatische Hülle bis jetzt. Vielleicht findet er den Weg aus seinem Labyrinth irgendwann, aber wann, war unklar. Oder er findet mehr zu der Geschichte heraus. Er wurde schießlich gefragt. Aber wie lange das dauerte, blieb offen.

Der Geschmack des Kindes war erstaunlich unbefriedigend. Als wäre es nichts neues, nicht erschreckend genug gewesen, um diese süsse Verzweiflung zu fördern. Aber es war in Ordnung, solange sie irgendwann mit Erfolg das Kind meistbietend verkaufen konnte. Diese Art der Bestrafung diente war immer noch effektiv. Die zweite Art würde Freya auch noch kennen lernen. Unweigerlich. Niemand war perfekt und niemand konnte alles schaffen ohne Fehler zu machen.

Es schien sich nichts verändert zu haben. Die Jungen und Mädchen standen aufgereiht da und keine Spur von Schimmel. In diesem Haus gab es scheinbar keine wirkliche Freude, nur die Pflicht und eben Tränen der Verzweiflung. Freya war stark und sie wusste das zum Teil auch. Sie war jetzt bereits an einem Punkt wo manche Seele total erschüttert gewesen wäre. Sie nicht. Sie passt sich an, sie fügt sich, sie ahnt vielleicht das die Auktion ihre Chance war zu entkommen. Die große Auktion von der gesprochen war und worauf sich einige freuten, weil sie dann gehen dürfen. Jetzt wurde diese Freude greifbar. Jetzt ergab sie einen Sinn.

Es wirkte nicht so als hätte Milla groß was mitbekommen. Sie lächelte ihrer Kragenschwester zu und nickte fast ein wenig erleichtert, dass Freya im Moment sichtlich teilnahm. Sie die Regeln gelesen hatte. Es folgte das Eintreten der Gräfin, die Kontrolle, die diesmal ohne weitere Vorkommnisse ablief. Am Tafelende ließ sie den Blick über die Heranwachsenden gleiten. "Guten Morgen. Ich hoffe ihr hattet einen erholsamen Schlaf. Möchte jemand bei Tisch etwas vorbringen?" Sie klang sogar recht höflich. Angenehm, da war er wieder dieser Widerspruch zum dem was wohl in der Frau hauste. Im Moment schien niemand was sagen zu wollen. "Nun denn. Jason, ich wünsche das du nach dem Frühstück statt im Stall in der Schreinerei arbeitest. Du wirst entsprechend ausgestattet. Freya, nach dem Mal wirst du mit mir kommen. Wir beginnen deine Ausbildung. Julia du wirst bei dem Doktor vorstellig. Er ist heute im Haus." Damit setzte sie sich und das Mal begann.

Das Frühstück war nicht schlecht. Es war keine Mahlzeit die irgendwie mies war. Es war mehr als Brei und es gab reichlich. Die Gräfin schien wert auf eine gute Ernährung zu legen. Die Frau selbst ließ sich ebenso Zeit beim Frühstück. Unterbrechungen wie letztens waren eher die Ausnahme. Aber wenn sie zu stande kamen war diese Unterbrechung wirkungsvoll Um so mehr genossen gerade alle das Frühstück und die Zeit die sie dafür hatten. Es wurde nicht geredet während des Mahls. Nur das klappern von Geschirr und Besteck, wie das Gießen von Wasser und Milch waren zu hören. Es hatte fast was harmonisches.

Nach durchaus einer Stunde großzügigen Frühstückes erhob sich die Gräfin von ihrem Platz. Die Anwesenden unterbrachen ihr Mahl, die meisten waren aber fertig und daher erhoben sie sich augenblicklich.
 
"Wir dienen mit Eifer, Sorgfalt und Gehorsam!"
War Freya diesmal eine Stimme in dem Mantra? Oder schwieg sie?

Danach verließ die Gräfin den Saal und winkte Freya mit sich. Es ging durch durch den Flur im Erdgeschoss zu einem weiteren Raum. Dieser Raum war erstaunlich neutral eingerichtet, auffällig war der Tisch und darauf befanden sich mehrere Teller und viel Besteck und viele Gläser. "Nun ein Mädchen das vermutlich von jemanden erstanden wird, der Einfluss und Macht sollte die Knigge kennen. Ich bringe dir bei, zu wissen das man mit einem Fischmesser keine Kartoffeln isst, wie man ist und in welcher Reihenfolge. Ich bringe die bei wie man sich verhält bei Tisch und Hofe. Wir werden aus dir einen perfekten Gast machen. Sieh es dir an.. hast du das schon mal gesehen?" Sie deutete auf den großeingedeckten Essplatz.

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Jeremias Rabenherz
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#1069

Beitrag: # 54521Beitrag Jeremias Rabenherz »

Er war nie offensichtlich gestorben und doch konnte man das fast so nennen. Je nachdem wie man Sterben benennt und erkennt. Seine sterbliche Hülle war nicht mehr, nur hier. Also konnte er ja nur ein Gedanke sein. Eine Erinnerung, ein Ratgeber oder? Was aber wenn ein Teil doch weiter zieht, weil der HERR eine neue Aufgabe gefunden hatte. Als Wächter, vielleicht als einer der stillen Beobachter im Zwielicht und den Welten die keine lebendige Seele lange sehen kann. Das seine Essenz sich zum Tier auf die sterbliche Ebene bewegen kann sprach zumindest dafür.

Niemand weiß wo er geblieben war. Es war sein Geheimnis. Er hatte sein Vermächnis an sie weiter gegeben wie jene vor ihm an ihn. Er tat es weil er in ihr das Potenial gesehen hatte, diese Widrigkeiten, Zwietracht, scharfen Zunge und Ablehnung zu überstehen und die Gemeinde für sich zu gewinnen. Es war stets ein Kampf der Akzeptanz. Des Verdienstes. Sie hatte sich bereits bewiesen und war dem Pfad loyal und aufrichtig gefolgt. Vielleicht war er deshalb hier, um in einer Situation des Zweifels beizustehen. Und wenn es einfach nur ein Echo seiner Selbst war. Was machte es für einen Unterschied? Der Tod war nie das Ende, nie vollkommen das aufhören einer Existenz. Sie wissen das. Araknor wusste das lange bevor überhaupt jemand an Kreaturen wie ihr Gefängniswärter glaubte. Sie waren immer schon da gewesen, der Lich war der größte Beweis für die Existenz des Untodes. Wie war diese Existenz im Sinne des Glaubens zu bewerten? Was nicht für den Herrn war, war dagegen und damit nicht weiter wichtig. Entbehrlich und Abtrünnig. "Ich schätze er ist so verrückt ja. Diese Kreatur lebt abseits der Normen die du als wichtig erachtest. Ihr glaubt er fürchtet eine Jagd oder Rache? Ich denke nicht. Ich weiß er hat bereits ganze Feldzüge gegen die schwarze Gemeinde geführt. Zusammen mit seinem Vater und der gesamten untoten ketzerischen Brut. Unterschätz ihn nicht. Er weiß wie man Krieg führt, dass wird ihn nicht abhalten. Dein Titel ist ihm egal." Einen Moment schwieg der Alte. "Ich schätze er wird dich umbringen oder zu etwas machen was in diesem Alptraum weiter existiert. Du hast es gesehen und weißt demnach das es keine leeren Drohungen sind. Die Frage ist was will er damit. Was für ein Plan ist es das er deine .." Er sprach es nicht aus. Er will anregen zum Nachdenken. Überlegen und Schlüsse ziehen sichern Überleben.

"Ich gebe zu die Situation ist schwierig. Er hat klar geäußert was er will. Das zu geben ist keine Option, zu sterben auch nicht, also können wir nur.. versuchen ihn reinzulegen. Zu Bluffen. Es mag nicht in deinen Charakterzügen liegen, aber wie weit gehst du um zu überleben. Wie weit würdest du lügen, wie weit würdest du eine Maske aufsetzen, wenn du überleben könntest. Wir wissen beide, dass manchmal eine List und eine Fassade mehr bewirkt als stur an Prinzipien festzuhalten. Hier geht es nicht länger darum einen Ungläubigen von dem Fehlverhalten zu überzeugen, sondern darum dich heile aus dem Käfig zu bringen oder in eine Vorteilhaftere Position. In eine wo.. du handeln kannst und nicht blockierst bist." Weiter Gedanken die er ihr gibt um zu überlegen. Reine Gedankenreisen, lauter Möglichkeiten, vielleicht Abwägungen, Entscheidungen zu treffen.

"Freya ist dabei zu wachsen Tanuri. Ich darf nicht sagen wo sie ist, aber ich denke das weißt du bereits. Der Herr führt auf den Pfad und meine Einmischung wäre falsch. Es würde es verschlimmern. Es muss den irdischen Weg gehen." Er hatte sie schließlich gesehen, er hatte sie gesprochen. Er weiß wo sie war, aber ihm waren die Hände gebunden. Nichts konnte einen Geist zwingen zu reden. Es waren andere Fesseln die ihn daran hinderten.
"Du musst für sie leben Tanuri, was bedeutet das Sterben noch keine Option ist." Ihre Frage was sie tun sollte. Tja, er wird ihr kaum eine Lösung präsentieren. "Oh ja das Feuer besitzt du. Du zweifelst manchmal, aber eigentlich weißt du das es da ist. Es muss gefördert werden und manchmal muss man auch ein wenig Öl rein gießen. Du bist ihr wichtig und egal welche Erfahrungen sie macht auf ihrem Weg, sie wird dich brauchen, wenn sie zurück kehrt und ihre Entscheidung trifft."
Gut oder schlecht? Was von beiden wird es sein? War das gute am ende das schlechte oder das schlechte das gute, egal wie man dreht oder wendet. Der Tag X wird kommen und dann wird alles was geschehen ist, die Entscheidung über die Zukunft beeinflussen und von einem Mädchen troffen.

"Sie ist deine Aufgabe und das weißt du. Du hast es selbst gesagt."
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Rabenvater •  Stammbaum Rabenherz
"Ich diente dem HERRN bis er mich rief, jetzt diene ich ihm erneut."
<<Die Tugend nistet, wie der Rabe, mit Vorliebe in Ruinen.>>
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Adrian
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#1070

Beitrag: # 54527Beitrag Adrian »

Alles in der Hütte sah genauso aus, wie sie verlassen worden war. Die Kerzen waren abgebrannt und die Becher standen noch immer auf dem Tisch. Die Reste des Weins waren bereits eingetrocknet. Schlampigkeit und Unordnung waren keine Eigenschaften Tanuris, weshalb der Dunkelmagier davon ausging, dass die Priesterin vermutlich nicht zurückgekehrt war.

Langsam nur hatte er sich durch die Zimmer gearbeitet, auch wenn Adrian nicht wusste, was er sich davon tatsächlich versprach. Allerdings verschwand niemand einfach spurlos und irgendeinen Anhaltspunkt musste es geben.

Es war nicht seine Art, herumzuschnüffeln. Ein solches Gebaren überließ er normalerweise anderen und holte sich die Informationen von ihnen, die er brauchte. Doch war die Priesterin nicht irgendjemand, weshalb er niemand anderem diese Aufgabe übertragen hatte.

Nicht einmal Kenna hatte er hierbei in sein Vertrauen gezogen, was sein Ziel sein würde. Weder hatte er die Zeit noch besaß er die Muße erneut eine Diskussion über Gerüchte oder Mutmaßungen seiner Begierden auszufechten. Hierbei ging es um weitaus mehr.

Auch wenn sie es abstreiten würde, Adrian war sich der Anspannung bewusst, welche die Jägerin unmittelbar heimsuchte, wenn die Priesterin zum Thema wurde oder den Raum betrat. Er hatte nie erwartet, dass sie beide Freunde werden würden. Doch abgesehen davon, dass Kenna mit ihm ein Bett teilte, setzte der Dunkelmagier nach ihrem Beitritt zur Legion gegenseitigen Respekt und Loyalität unmittelbar voraus. Alles andere würde nur von Schwäche zeugen, die er nicht tolerierte.

So gab es ohne jeden Zweifel Hürden und Aufgaben genug, denen sie sich zuwenden konnte, sodass er niemandem diktieren musste, was er zu tun hatte, um ihren Zielen näher zu kommen und dem Willen Ogrimars zu dienen.

Das Tageslicht schimmerte nur schwach durch die kleinen Fenster der Hütte, als Adrian schweigend über den Tisch gebeugt die herumliegenden Pergamente überflog. Mit einer beherrschten Gelassenheit sichtete er die Pergamente über die seine Finger sich leise raschelnd bewegten. Aufzeichnungen und Schriften zu der Prophezeiung. Übersetzungen, Texte, Abschriften aus der Doktrin. Seine eisblauen Augen glitten über die Schriftstücke vor ihm, ohne eine Ahnung zu haben, was er sich tatsächlich davon versprach zu finden.

Doch blieb die weiße Feder von Asche seine einzige Fährte bisher.

Die Schatten der Efeuranken draußen warfen ein unheimliches Muster auf die Holzwände, während das leise Knarzen des Hauses die Stille durchbrach. Mit einer fließenden, fast zeremoniellen Bewegung griff Adrian nach einer Flasche Wein und goss sich ein halbes Glas ein. Sein Blick richtete sich konzentriert auf all die Pergamente, während seine Stirn von einer dunklen Falte gezeichnet wurde.

Die bloße Vorstellung, dass die weiße Gemeinde zu einer solchen Tat fähig sein sollte, erschien Adrian absolut lächerlich. Immerhin war der Prediger kaum in der Lage selbst Entscheidungen zu fällen. Stattdessen versteckte er sich hinter seiner kleinen Herde, um sie nicht nur in diesem Bezug nicht um ihre Meinung bitten, sondern scheinbar war es ihm ein Bedürfnis, sich ihren Segen erteilen zu lassen.

Ein Hauch von Zynismus zeichnete sich auf seinen Zügen ab, während sein Blick weiterhin über die Zeilen glitt. Bei dem Gedanken selbst, wie wenig er tatsächlich der weißen Gemeinde es zutraute, eine solche Tat zu planen, geschweige denn zu vollbringen, kräuselten sich seine Lippen zu einem schwachen verächtlichen Lächeln. Wenn die Feder jedoch eine Täuschung war, was war dann geschehen?

Etoh wollte scheinbar unbedingt die weiße Weste, die er vorgab zu tragen, sauber halten. Eine Möglichkeit, die der Dunkelmagier ihm tatsächlich bot, wobei er jedoch keine Skrupel hatte, den rückgratlosen Pfaffen einfach zu benutzen. Die lichte Gemeinde wollte Frieden und warf dafür beherzt ihre eigenen Mitglieder dem Feind zum Fraß vor, um einen Krieg zu beenden. Da war doch sein freundliches Angebot nichts Unbekanntes oder Verwerfliches.

Nach dem für ihn noch nicht ganz schlüssigen Übergriff auf Kenna konnte der Priester sich sogar mehr als glücklich schätzen, wenn sich ihm die Gelegenheit bot, einen direkten Vergeltungsschlag unmittelbar abwenden zu können.

Schweigend hob Adrian das Glas und drehte es leicht, um den blutroten Schimmer des Weins im Licht zu betrachten. Weisheit war eine Tugend, die er bei seinem Besuch in der lichten Gemeindehalle stark anzweifelte, nachdem der Priester die Großzügigkeit seiner Offerte nicht erkennen konnte. Doch erlaubte er dem Prediger gern, ihn mit ein wenig Bedenkzeit eines Besseren zu belehren. Der erste Eindruck mochte täuschen und wenn er nicht der Narr war, für den er ihn bisweilen hielt, konnte er sich durchaus beweisen.

Seine Augen funkelten kalt, als Adrian einen Schluck von dem Wein nippte, um das Glas anschließend abzustellen. Mit einem gewissen Nachdruck würde er herausfinden, ob der Priester nur ein tratschendes Waschweib im Sonntagskleid war oder ob er tatsächlich den Arsch in der Hose hatte und Taten hinter seinen Worten standen.

Es war schon eine Ironie des Schicksals, als er daran dachte, dass seine Suche nach der Priesterin ihn direkt zu Etohs kleinem Mädchen geführt hatte. Auch wenn Adrian es bevorzugt hätte, von Lord Mordenthal etwas anderes zu hören, als dass jener Tanuri länger nicht gesehen hatte, war die Information über den ungebetenen Gast fast eine Einladung, dem weißen Priester zu demonstrieren, dass er jedes seiner Worte mehr als ernst meinte.

Adrians Augen glitten zurück zu den Zeilen der Pergamente, während sein Gesichtsausdruck keine Emotion verriet. Die Erinnerungen an das junge Mädchen in den düsteren Gewölben hinterließen lediglich ein dunkles Aufglimmen in seinen Augen.

Was für ein illustrer Anblick dieses lichte, unschuldige Geschöpf doch gewesen war, dort unten in der Dunkelheit. So mutig und ebenso verloren. Umgeben von Finsternis war die Furcht des jungen Mädchens spürbar gewesen. Allerdings musste er der jungen Frau zugestehen, dass sie dennoch tapfer bemüht war, ihre Angst zu verbergen. Ihr aufgeregter Herzschlag und der stockende Atem, als die Schatten sie eisig umgarnt hatten, waren jedoch verräterisch genug gewesen, um sie zu durchschauen.

Hoffentlich wusste der Prediger Adrians Zurückhaltung zu schätzen. Ihm sollte bewusst sein, dass der Dunkelmagier das zarte Mädchen mit den goldenen Locken jederzeit leicht in die Dunkelheit hätte zerren können. Sie zu schänden oder zu töten, wären dabei nur die harmlosesten Gedanken. Doch stattdessen hatte Adrian sie mit einem schlichten Gruß an ihren Vater entlassen.

Nachdenklich fuhr Adrians Finger über den Rand des Glases. Gefühle machten verletzlich, und Kinder machten angreifbar. Angst war ein gnadenloser und unsichtbarer Feind. Ein Instinkt, den sie alle kannten, doch nur die wenigsten wussten mit ihm umzugehen.

Das Tribunal hatte sicherlich bereits begonnen, wenn es nicht sogar schon beendet worden war. Ein lächerliches Unterfangen, es überhaupt ohne Anklägerin durchzuführen.

Dies war jedoch nicht seine Schlacht, auch wenn einige sicher diesem Trugschluss erliegen und sich ihr Maul zerreißen würden. Ein Spektakel, das die großen Namen wortschwingend ausfechten durften, die sich bei solchen Gelegenheiten damit brüsteten, seinem Willen und der Kirche zu dienen.

Naheniel würde diese Aufmerksamkeit in jeder Weise zweifelsfrei auskosten und genießen. In der Hinsicht war Adrian sich genauso sicher, wie in dem Punkt, dass, auch wenn sein alter Freund nichts mit dem Verschwinden Tanuris zu tun hatte, er sehr genau wusste, wie er sich diesen Umstand zunutze machte.

Bei zu vielen lagen persönliche Dispute und unangebrachter Stolz schwerer in der Waagschale, als ein Angriff auf den Glauben. Ein Fakt, welcher für ihn unmittelbar bei Freyas Verschwinden deutlich geworden. Hatte jemand sie vermisst, gar gesucht oder war es ihm einfach entgangen?

Aber vielleicht würde es einigen die Augen öffnen, wenn sie den unmittelbaren Konsequenzen ihrer Überheblichkeit und der Egozentrik ins Antlitz sahen.

Er hatte seinem alten Freund unmittelbar den Krieg erklärt hatte. Keine Anklage, keine Verhandlung. Nur ein Urteil vor Ogrimar. Gnadenlos, ohne Umschweife. Leben oder Tod. Sieg oder Fall. Taten statt Worte.

Kühl fuhr sein Blick über die Zeilen, die er in einem kleinen ledergebundenen Buch gefunden hatte. Jeder tat das, was getan werden musste.

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Dass man sich Ogrimars Willen nicht entziehen konnte, wusste Adrian allzu deutlich. Man überschritt keine Grenzen oder sah das Licht der Erkenntnis, ohne den Preis dafür zu bezahlen.

Es waren viele Nächte vergangen, seit er im Tempel angekommen war, um in seinem Namen ihr Leben und ihre Seele an die irische Gewalt zu binden. Schicksale verwoben sich und der Lord wurde nicht müde darin, sie auf die Probe zu stellen.

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 Das Licht zu schützen und zu führen. Es waren ihre Worte und doch waren die Interpretationen alter Überlieferungen so vielseitig wie zahlreich.

Wie sollte er sie verdammt nochmal finden? Verflucht, was übersah er nur.

„Ich kann dir all das geben, was du willst, was du tief in dir begehrst. Dir helfen, zu tun, was getan werden muss. Du musst nur danach greifen" Flüsterte eine verheißungsvolle Stimme in seinen Gedanken. Ein unmenschliches Flüstern, das tausende Stimmen in sich barg und scheinbar genau wusste, wie stark sein inneres Verlangen war und wie viel es ihn kostete, der Verlockung zu widerstehen. Ein Wispern, welches ihn bereits im Felsendom versucht hatte in seinen Bann zu ziehen.

Es war wie ein Schatten, der sich über seinen Blick legte. Eine Finsternis, in die er hineinsah, als seine Finger wie von selbst durch die Luft strichen und die Dunkelheit, die seine Gestalt im verbliebenen Sonnenlicht warf, teilte. Tödlich schimmerte die Klinge auf, die seine Hand in der Schwärze selbst berührte. Kaltes Metall. So eisig, dass Adrian spürte, wie es unter seinen Fingerkuppen brannte.

„Ich weiß, du spürst es. Leugne nicht deinen Willen." Es war wirklich verführerisch zu glauben, dass es so einfach sein könnte. Aber war es das je? Keine Zweifel. „Tu es einfach." 
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✟ Oberhaupt der Familie Al Saher ❖  Bruder des Verlion Al Saher ✟
❖ Gnade oder Mitleid haben noch nie einen Feind besiegt. ❖
❖ Wahre Finsternis herrscht nur dort, wo kein Licht durchdringt, denn sonst wäre sie nichts weiter als ein Schatten.❖
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Naheniel
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#1071

Beitrag: # 54529Beitrag Naheniel »

Das Tribunal - Teil 2

Den Vampir vor dem Fenster bemerkte er nicht. Schade eigentlich, denn wahrscheinlich hatten sie so einiges gemeinsam. Naheniel war nicht wie seine Schwester, die sich stur an auferlegten Konformitäten und Zwänge hielt, um der Kirche und deren Anhängern zu gefallen und bloß keine Fehler zu begehen und zuwider der Doktrin zu handeln.

Dabei war es doch nur ein Buch, nicht geschrieben von einem Gott, sondern nur von Menschen, die davon überzeugt waren, das Wort Ogrimars zu verkünden. Das waren eigentlich jene, die angeklagt werden sollten. 


Glaubte er? Das tat er. Mit Blut und mit Leben. Er war geboren für Ogrimar, er war die Verkörperung dessen, was die Prophezeiung als neue Macht vorhersagte. Er war dazu geschaffen, das Götterkonstrukt neu auszurichten. Als das, was er war, bestimmte er aber selbst die Gesetze und Regeln, in denen er sich bewegte.
Niemand sonst. 

 
Ein Vampir konnte dabei allerdings äußerst nützlich sein. Ein Feind der Kirche und somit Tanuris und ihrer Anhängerschaft begrüßte er gerne als einen Freund.

Was womöglich auch der weiße Priester so sah. Oder war dieser einfach nur sehr wandelbar in seiner Solidarität?

Solidarität. Ein äußerst interessantes wie auch faszinierendes Wort, wenn man es genau betrachtete. 
Offenbar war es nämlich keines, das den meisten Anwesenden tatsächlich in vollem Umfang begreiflich war. Wie wandelbar so viele in ihrem Charakter waren, nur um zu gefallen und für irgendjemand, der in keinster Weise besser war, eine Relevanz zu haben, ganz gleich, wie hinterhältig und falsch man dabei vorging.
Aber, so war es das Gesetz der Gerechtigkeit, ein jeder war noch gefallen. Früher oder später. 

 
Ob sich zusätzlich die Gelegenheit ergab, dass er den Vampir kennenlernte? Es würde sich zeigen. Interessant könnte eine derartige Begegnung durchaus werden. Für beide Parteien. 


...


Eigentlich hatte Naheniel damit gerechnet, dass sein Antrag nicht in seinem vollen Umfang verstanden wurde, trotzdem war er in gewisser Weise doch überrascht, wie vehement seine Worte ignoriert wurden und Lorena sich dazu entschloss, sich darum zu bemühen, ihn lächerlich dastehen zu lassen und seinen Antrag zu übergehen, indem sie ihm sofort die Schuld der zuvor ausgesprochenen Anklagepunkte unterschwellig zusprach. Unbefangenheit? Anscheinend ein Fremdwort für die Inquisition.
 
"Anscheinend habt Ihr die Tragweite meiner Worte nicht ganz begriffen.
Deshalb führe ich es gerne nochmals genauer aus. Hört also gut zu, damit Ihr auch alles versteht und verinnerlicht. Ich werfe den Mitgliedern und vor allem der Sprecherin der Inquisition Befangenheit, fehlende Neutralität und Voreingenommenheit vor."


Als seine Stimme erstarb, ließ er langsam sein Bein von der Kirchenbank sinken, nur um sich gleich darauf völlig entspannt zu strecken und in aller Ruhe fortzufahren. "Alarmierende Anzeichen weisen darauf hin, dass Integrität und Unabhängigkeit entweder nicht länger gegeben sind oder noch niemals vorhanden waren." Direkt und durchdringend war Naheniels Blick, während er die Inquisitorin mit einer Mischung aus Arroganz und Überlegenheit betrachtete. 
 
Kühl blieb sein Gesichtsausdruck, als er sich endgültig von der Kirchenbank erhob, um sich zu seiner imposanten Größe aufzubauen. Seine dunkle Aura, die nach der Finsternis in den Ecken und der geworfenen Schatten griff, erfüllte den Raum mit einer Dominanz, die man förmlich mit jeder Faser spüren konnte und die davon zeugte, dass er sich sehr bewusst über seine Kontrolle war. 
 
"Die äußerst prekäre Lage, in welche diese Institution sich mit ihrem Schriftwerk und der Nichtachtung von Verfahrensregeln manövrierte, sieht vor, dass das Prinzip der Schuldvermutung anzuwenden ist." 
 
Seine Augen, von einem funkelnden, klaren und heiteren Blau, wanderten kurz umher und blieben schlussendlich verhaftet an jene, die sich freiwillig ihrer Fehlbarkeit preisgab und ihm mit verschlossenen, oder eigentlich doch ziemlich offenen Augen, bereits zum zweiten Mal ins Messer gelaufen war.

"Ich bin ja von äußerst großzügiger Natur, weshalb ich gerne Aufklärung gebe, was das für Euch bedeutet. Keine Sorge, ich halte mich kurz."
Mit der ihm anhaftetenden, steten Selbstsicherheit die einen gewissen Hauch der Erheiterung in sich trug, strich er sich über sein Kinn und legte forschend und herausfordernd seinen Kopf leicht zur Seite. 

"Es ist an der Inquisition, ihre Unschuld und Rechtschaffenheit zu beweisen und mich als Antragsteller von ihrer rechtmäßigen Legitimation zu überzeugen."

Ein listiges Lächeln schob sich auf seine Züge und zeichnete eines seiner Grübchen unter seinen blonden Bart. Wie herzerweichend es doch war, dass die Jägerin so schnell für die Inquisitorin in die Bresche sprang. Erwartete sie für ihre Anmerkung, er müsse einer Abstimmung über das Verhalten der Inquisition Zeit geben und diese bis dahin weiter agieren lassen, lobende und anerkennende Worte? Hoffentlich doch nicht von ihm. 
Hofiert wurde sie bereits von genug anderen und es war offensichtlich, dass sie auf ihn nur sehr wenig Wert legte. 
Wie viel man sich doch verbaute, wenn man sich auf festgefahrene Einschätzungen und vermeintliche Zugehörigkeiten von Persönlichkeiten fixierte und noch dazu dachte, etwas und jemanden, rein auf Vermutungen basierend zu durchschauen, nur um damit weitläufig hausieren zu gehen. 
 
"Es ist zuvorkommend, dass Ihr darauf hinweist, Kenna. Selbstverständlich wird eine ausführliche Schrift an den Mauern zu finden sein. Trotzdem möchte ich eine Sache anbringen, um Eurer und jener Meinung der Inquisitorin gleich Einhalt zu gebieten.
Denn, so wie mir scheint, wurde es noch immer nicht ganz verinnerlicht, auf welcher Basis mein Antrag fußt."


Für einige Sekunden schwieg er, strich sich übertrieben nachdenklich mit seinen Fingerspitzen über seine bärtige Wange und tat, als müsse er tatsächlich seine Worte zunächst wählen. Dabei standen sie schon fest, bevor er überhaupt den Felsendom an diesem Abend betrat. 

"Es liegt der Verdacht nah, dass fehlende Neutralität, persönliche Meinungen und Motive in die Entscheidungsfindung der Inquisition einfließen. Noch dazu wurde die korrekte Vorgehensweise eines Tribunals nicht eingehalten, sondern die Anklage meiner Schwester unrechtmäßig erweitert." 
 
Es war nicht zu übersehen, dass Naheniel seinen Auftritt in vollen Zügen genoss. Er war ein Darsteller seiner Vorzüge, seines Könnens und seines Wesens. Dazu stand er auch, warum auch nicht? Bisher war er es schließlich nicht gewesen, der sich zu Fehltritten verleiten ließ.
Nahm er es genau, war er an diesem Abend nur hier, um sich die Aufmerksamkeit aller zu sichern und darauf zu warten, dass alle ihre Augen auf ihn richteten. 

"Solange mein Misstrauensantrag besteht und dieser nicht vollständig widerlegt wurde, kann von der Schuld der Inquisition ausgegangen werden. Diese ist somit ab heute als handlungsunfähig anzusehen und deshalb nicht länger qualifiziert, Klage gegen mich zu führen." 
 
Kühl und gelassen sprach er, während er sich Kenna und Lorena mit eleganter Selbstsicherheit näherte und sie mit der durchdringenden Farbe seiner Augen musterte. Die dunklen Schatten des Felsendoms flossen auf dem Boden in die Richtung ihres Meisters und folgten ihm bei jedem Schritt. 

"Selbstverständlich wird den Mitgliedern der Institution der Inquisition und ihrer Sprecherin genug Zeit anberaumt, um sich für ihre eigene Anhörung, soweit es zu dieser kommt, gewissenhaft vorzubereiten." 
 
Nach wie vor war das freche Lächeln auf seinen Mundwinkeln nicht verschwunden und die diebische Freude über seinen Auftritt spiegelte sich in seinem gesamten Ausdruck wider. "Bis die Wahrheitsfindung abgeschlossen ist und ein Urteil bezüglich meines Antrags gefällt wurde, erkenne ich weder die Inquisition noch das Tribunal als rechtmäßig an."

Für einen kurzen Moment schwieg er und sprach weitaus leiser, jedoch für die Umstehenden gut hörbar weiter. "Und Lorena? Seid mir nicht Gram. Wärt Ihr mir ebenbürtig, hättet Ihr es genauso gemacht."
Neckisch war das folgende Zwinkern aus seinen Augenwinkeln und so schloss er mit einer Frage ab, die keiner weiteren Antwort mehr bedurfte. "Noch Fragen?" 
 
Fragen gab es anscheinend nicht, nur hörbare Verständigungsprobleme. Obwohl er es schon klar und deutlich gemacht hatte: Eine Inquisition, belastet durch solche Anschuldigungen und das Einleiten eines Verfahrens wegen Befangenheit und fehlender Neutralität, war nicht länger handlungsbefugt.

Trotzdem wurde so getan, als wäre sie unantastbar und noch dazu dachte man, das Tribunal könne einfach fortgesetzt werden.
 

Das Denken seines Gegenübers würde er nicht einschränken, die Handlungen hingegen sehr wohl. Also wies er ein letztes Mal darauf hin, dass es von ihm keine Antworten auf die Vorwürfe seiner Schwester und schon gleich gar nicht auf die vollkommen aus der Luft gegriffenen weiteren Anschuldigungen geben würde, bis seine eigene Anzeige gegen die Inquisition vollständig geklärt war.

So schenkte er Lorena ein strahlendes Lächeln und sah nochmals in die Runde. "Ich bedanke mich für das Interesse, schließlich weiß ich, dass es zeitweise wohl etwas mühsam war, allem zu folgen. Zum Ende hin hat es aber doch gefruchtet, wie mir scheint."

Der diebisch freche Ausdruck auf seinem Gesicht wurde nun umso deutlicher, da Naheniel rein gar nichts an seiner Selbstsicherheit eingebüßt hatte, obwohl das mit Gewissheit der Wunsch so einiger an diesem Abend gewesen war. "Sollte mein Schriftwerk an den Mauern doch noch Fragen aufwerfen, man weiß, wo man mich findet.

Auf bald die Damen und Herren, wir sehen uns bestimmt wieder." 

Er verschmolz nicht wie sonst mit einem Schnippen seiner Finger mit den Schatten. Stattdessen ging er, wie jeder andere, durch die Flügeltüren des Felsendoms. Es bereitete ihm Freude, die Aufmerksamkeit auf sich zu spüren. 
Über seine Schulter hinweg sah er zurück und warf der Nordfrau ein einladendes Zwinkern zu und verzog seine Mundwinkel zu einem schelmischen, recht eindeutigen Grinsen bevor er endgültig verschwand. 


 
Sieh mir in die Augen und sag mir, wen Du dort siehst.
Bist es immer noch Du? Oder bin es nun ich?


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Spürst Du den Hunger nach der Dunkelheit, schreit er bereits in Dir? 
Sag, mache ich Dir Angst oder fühlst Du Dich erst lebendig wegen mir?
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-Freya-
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#1072

Beitrag: # 54531Beitrag -Freya- »

Regeln und Riten. Das gesamte Prozedere erinnerte sie an die Abläufe seinerzeit im Waisenhaus. Damals hatte sie es geschafft zu entkommen und einen Weg gefunden, dem monotonen Teufelskreis zu entfliehen und ein vollkommen neues Leben zu beginnen.

Durchaus war Freya damit vertraut. Sie musste sich den Gegebenheiten anpassen und ihre Rolle einnehmen. Sie ins Blut übergehen lassen, bis sich eine Gelegenheit bot, dem Fluch oder Magie, mit der die Gräfin hier herrschte, zu entkommen.

Ruhig atmete das Mädchen, während die Gräfin das Wort ergriff. Höflich und gehoben, sodass der erste Eindruck durchaus vermitteln konnte, dass ihr die Kinder, die sie um sich scharte, wichtig wären. Freya lauschte den Worten, während ihr gesenkter Blick über Brot und Milch hinwegfuhr.

„Freya…“ Als sie ihren Namen hörte, senkte sie nur kurz ihre Lider. Es war keine Überraschung, hatte die Gräfin es in der Nacht selbst bereits angekündigt. Der einohrige Kater war keine Einbildung ihrer Träume gewesen. Er saß ohne jeden Zweifel an der Wand ihres Zimmers und starrte diese weggetreten an.  Hätte sie ihn nur einfach fortgeschickt, hätte er nur auf sie gehört. Nun waren sie beide hier vermutlich gefangen. Und was die Konsequenzen sein würden, darüber wollte sie nicht nachdenken, waren Absoloms Worte nicht sonderlich ermutigend gewesen.

Ohne eine Miene zu verziehen, folgte Freya den anderen in ihrem Handeln und ließ sich in einer lautlosen Bewegung auf den Stuhl gleiten, bevor sie einige verirrte Strähnen hinter ihr Ohr strich, welche ihre blassen Züge wie schatten umrahmt hatten. Keine Schwäche zeigen.

Die Atmosphäre hatte sich merklich gewandelt und schien fast lebendig zu sein, obwohl niemand ein Wort sprach. Ein unheimlicher Wandel, der nicht greifbar war, aber dennoch in der Luft lag. Brot stand auf dem Tisch, ebenso wie Milch und Wasser, wovon sich jeder bediente, ohne, dass es in einem Chaos endete.

Schweigend aß Freya ebenfalls ihr Frühstück. Genauso stumm wie alle anderen und goss sich lediglich zu ihrem Brot ein Glas kühles Wasser ein. Fast beiläufig jedoch glitt ihr Blick dabei immer wieder über die Züge der anderen, die manierlich, aber dennoch ausgiebig ihre Mahlzeit zu sich nahmen. Einer strengen Disziplin folgend, aber dennoch ohne Eile und sogar in einer gewissen Harmonie, die in einem absoluten Widerspruch zu dem stand, was sie beim Abendmahl gespürt und gesehen hatte.

Gerade als Freya einen Schluck Wasser trinken wollte, erhob sich jedoch die Gräfin. Unmittelbar ließ das Mädchen das Glas wieder sinken. Lautlos und unberührt stellte sie es wieder auf dem Tisch ab, nur um sich in einer fließenden Bewegung zu erheben.

Anpassung und Akzeptanz waren unerlässlich, weshalb sich die langen Wimpern im selben Moment senkten und ihr Blick sich auf das Wasserglas legte.

„Wir dienen mit Eifer, Sorgfalt und Gehorsam!"

Stumm nur formten ihre Lippen die Worte, doch schien es nach außen hin, als hätte Freya sich dem Mantra angeschlossen. Vielleicht hatte sie es sogar und war sich dessen selbst nicht einmal bewusst.

Als das Mädchen ihren Blick wieder hob, bemerkte sie die bedeutungsvolle Geste der Gräfin, die ihr andeutete, unmittelbar zu folgen. Abermals holte Freya tief Luft. Es war vorhersehbar. Ihre Augen glitten über den Schleier hinweg, während in ihren Erinnerungen das schimmernde, verdorbene Grün auftauchte.

Ihr Ausflug war nicht unbemerkt geblieben und sie war vielleicht noch mehr in ihren Fokus geraten. Leugnen war sinnlos, saß der Kater für jeden sichtbar in ihrem Zimmer, sodass Rebellion und Widersprüche sie nur in tiefere Schwierigkeiten führen.

Diszipliniert senkte sie erneut ihre Wimpern und entließ die Luft leise aus ihren Lungen, bevor sie der Gräfin mit langsamen Schritten folgte und dabei die wenigen Falten, die sich in den Stoff ihres Kleides gelegt hatten, glatt zu streichen.

Der Gedanke, dass die Gräfin ihr die letzte Nacht vor Augen führen würde, schnürte ihr den Magen zusammen. Dennoch versuchte sie, sich nichts anmerken zu lassen. Lautlos berührten ihre weichen Stiefel den Boden, als sie der Frau durch den Flur folgte, um in einem ziemlich schlichten Raum hineinzutreten.

Er wirkte beinahe karg und wenig schmuckvoll, sodass der Bick eines jeden eintretenden unmittelbar auf den Tisch gelenkt wurde. Ein ungewöhnlicher Raum, um die Geschehen der Nacht anzusprechen, geschweige denn sie zu rügen oder zu strafen.

Sacht strich sich Freya sich das Haar aus dem Gesicht, als die Stimme der Herrin der Tränen sich erhob und auf das Gedeck deutete, welches fein säuberlich und in Perfektion scheinbar angeordnet dort ruhte.

Kein Wort über den Kater oder ihren Versuch zu fliehen? Irritiert sah sie für einen Wimpernschlag zu der Gräfin. Wollte die Gräfin sie auf die Probe stellen? Erwartete sie etwa, dass sie dazu etwas sagen würde und den Anfang machte oder sollte sie tatsächlich nur schlicht ihre Frage beantworten?

Bedacht machte Freya einen Schritt auf den Tisch zu und beäugte das Geschirr, Besteck und Gläser. Der Gedanke, dass für jede Speise ein eigenes Besteck notwendig war, erschien ihr unsinnig. Wer hatte festgelegt, dass ein Buttermesser nicht auch zum Schneiden einer Kartoffel taugte? Warum gab es Gabeln mit drei Zinken und andere mit vieren? Diese Fragen hatten für sie nie wirkliche Bedeutung gehabt.

„Ja und nein.“ Ihre Stimme war leise, wollte sie nicht, dass jene Verwunderung darin hörbar wurde, welche die Szenerie in ihr auslöste. Ganz gleich, welche Umstände jedoch um sie herum herrschten, sie hatte nicht vor sich einen Fehler zu erlauben.

Einfluss und Macht. Auch wenn es ein Déjà-vu für Freya war, so war diese Auktion der Weg hinaus und genau die Tür, nach der sie suchte. Vielleicht würde sie auf diese Weise die Prinzessin finden oder, so unwahrscheinlich es auch klang, jenen, der sich Herrscher der Welten nannte.

Ein ketzerischer Titel in ihren Augen, doch spielte es keine Rolle, wenn er sie nach Hause bringen konnte. Der Zweck heiligte die Mittel. Über alles andere würde Ogrimar selbst urteilen und richten.

„Man lehrte mich, dass das Besteck von außen nach innen benutzt werden soll.“ Noch immer war ihre Stimme gesenkt, um keine Form von Anspannung preiszugeben, sondern eine schlichte Ruhe zu verkörpern. Etwas, das ihr nicht einfach fiel. Mit jedem Atemzug, der ihre Lungen füllte, rechnete Freya damit, dass die Gräfin von einer Sekunde auf die andere ihren Fluchtversuch ansprechen würde.

Leicht fuhr sich das Mädchen über ihre Lippen, während ihre Augen, umrahmt von dem dunklen Schleier ihrer Haare, über den Tisch wanderten. „Und bei den Gläsern war bisher nur jenes für Wasser für mich von Relevanz.“

Tatsächlich wusste sie nicht mehr darüber zu sagen. Nicht wirklich, sodass Freya mit einem einzigen Wimpernschlag zu der Gräfin sah. Auch wenn es ihr widerstrebte, sie musste ihre Rolle spielen, sie fühlen und beherrschen. Erneut hatte sie das Gefühl das grüne Schimmern unter dem Schleier sehen zu können. Ein Blick, der sie zur Rechenschaft zog - ein Trugbild . Eine Einbildung, bei der sie unweigerlich kurz schlucken musste, ehe sie ihre Antwort als vollständig erklärte und ihren Blick respektvoll senkte. „Herrin.“
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♦ Stolze Tochter ihres Ziehpapas Ninian Chakai & ihrer Ziehmutter Caidith Chakai ♦
♦ Kleiner Keks ihrer großen Ziehschwestern Mahaba, Namayah, Lysiana & ihres möglicherweise fiesen Ziehbruders Liam Chakai ♦
Adeptin der dunklen Kirche Ogrimars unter ihrer Mentorin Tanuri var Aesir 


Geboren aus dem Wissen einer dunklen Vergangenheit - verblasst mein altes Leben im Schatten einer neuen Zeit
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Tanuri
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#1073

Beitrag: # 54532Beitrag Tanuri »

Jemanden reinlegen? Das entsprach nicht ihrer sonstigen Art. Nicht, weil sie solche Handlungen verurteilte, sondern eine Täuschung hier und da war unvermeidlich, um ein höheres Ziel zu erreichen. Nein, es lag vielmehr daran, dass sie nicht die nötige Geschicklichkeit dafür besaß. Sie war keine Strategin, keine Meisterin der großen Intrigen. Dafür hatte sie andere um sich geschart, die diese Fähigkeiten mit Bravour beherrschten. Personen, die genau wussten, wann welcher Trick zum Einsatz kommen musste.

Wie sehnsüchtig sie in jenem Moment darauf hoffte, es gäbe genau jetzt einen bestimmten Menschen, an den sie all das abgeben konnte. Was wäre der geschickteste Zug, um Landru erfolgreich in die Irre zu leiten, damit sie ihren Käfig verlassen konnte? 
Nicht für sich selbst, ihr Leben war für sie noch nie von Bedeutung gewesen. Aber wie der alte Priester schon wiederholend feststellte: Sie hatte eine Aufgabe. 
 

Es klang so simpel. wie aber den Vampir dazu bringen, einer falschen Spur zu folgen? Reichte eine Lüge oder ein Vortäuschen durch das Verstecken ihres wahren Gesichts? Das Gesicht, das sie selbst schon lange nicht mehr kannte.  

„Eine Maske…“ Sie konnte sich ein spöttisches Lachen nicht verkneifen. „Ihr seht vieles, Priester. Dann habt Ihr sicher bemerkt, dass ich immer eine Maske trage.“ Langsam, bedächtig schloss sie die Augen und dachte über die Maske nach, hinter der sie sich verbarg und was sie einst für jemanden enthüllt hatte. Viel hatte sie gegeben, war weit geflogen, mit den finsteren Schwingen der Schatten, die sie in die Dunkelheit begleiteten. Der Sturz aber war unvermeidlich gewesen. 
 
"Ich bin verleugnet und verraten." Es war ein Wispern, das ihre Lippen verließ, das begleitet war von einem ebenso leisen Seufzen. Tanuri hatte nicht vergessen, was sie verstecken und verbergen musste, auch wenn es letztlich nichts verändert hatte.

Eine Szene, längst vergangen und doch so präsent, als wäre sie soeben erst geschehen, breiteten sich die damalig gesprochenen Worte und dazugehörigen Geschehnisse in ihren Gedanken aus und ließen einen unangenehmen, ziehenden Schmerz an ihrem Unterleib spüren.
"Pflichten erfüllen und unsere Rollen wieder einnehmen. Das ist es doch, was Du von mir erwartest." 
 
Sie kniff ihre Augen zusammen, lief vor der Vergangenheit davon und suchte Zuflucht im Hier und Jetzt, auch wenn es ebenso wenig greifbar war wie die das, was einst geschehen war. Ob sie die Worte ihrer Erinnerung laut ausgesprochen hatte oder nicht, konnte sie nicht sagen. An diesem Ort war nichts wirklich und doch gleichzeitig alles wahr. 
 
"Lügen sind mir nicht fremd, Jeremias. Denn Lügen - das wisst Ihr selbst am besten - dienen nicht nur der Täuschung, sondern auch dem Schutz." Die Macht der Lügen hatte sie selbst gespürt und sich ihrer bedient. Jetzt, in dieser Stille und der gemeinsamen Einsamkeit, in welcher kein Einfluss und keine sie einnehmende Aura auf sie wirkte, wurde ihr erneut bewusst, dass wahrscheinlich vieles in ihrem Leben auf eben diesen basierte. Wobei, nein, das war nicht ganz korrekt. 

Tanuri hatte versucht, Wahrheiten für sich zu behalten und Wege um diese herum zu finden, um andere - um Freya - zu beschützen.

Was wäre geschehen, wenn das Mädchen von der familiären Verbindung zu Naheniel erfahren hätte? Es wäre nicht mehr zu erklären gewesen, warum Tanuri diese vermeintliche Freundschaft, die Naheniel dem Kind suggerierte, strikt ablehnte. 
 
So war es auch nur ein Verbergen gewesen, weder Freya noch allen anderen über die Jahre nichts von der wahren Bestimmung ihrer Adeptin und somit von dem Schlüssel zu erzählen. Denn, so wie man jetzt sah, verkomplizierte es alles. Das Mädchen sollte so lange wie möglich ein normales Leben führen. Behüten aber? Nein, das war nie Tanuris Absicht gewesen.

Behüten machte schwach, den Körper, wie auch den Geist. Und Schwäche war nichts, womit Freya ihr Schicksal erfüllen konnte. Den richtigen Moment hatte es aber, ganz gleich, wie sehr Tanuri darauf gewartet und ihn hinausgezögert hatte, auch nie gegeben. 
 
Letztendes gab es so vieles, was man der Priesterin als Lüge vorwerfen konnte, und doch konnte sie sich an kein absichtlich täuschendes Wort erinnern. Selbst ihre Besuche bei Kadir fußten auf keiner Lüge, sondern waren nur ein Verschwinden, ein Flüchten vor dem, was zwischen ihren Fingern zerrann. 

War sie zu weit gegangen mit ihrem Versuch, alles nur mit ihrer eigenen Sturheit zusammenzufügen? Dieser Gedanke schwelte seit langem in ihr und wuchs zu einem dröhnenden Vorwurf in ihrem Kopf. Es war ihr Versagen, ihre Schuld, dass Freya nun dort war, wo sie war. Weit weg von ihrer Hand, die sie nur zu gerne nach dem Mädchen ausstrecken würde, um sie festzuhalten und an sich zu ziehen. Und das, obwohl sie jene Nähe, die nicht nur körperlich war, dem Kind nie gestattet hatte. 
 
Eines aber, das gab es, was sie einst nicht durch geschickte Wahl ihrer Worte umschiffte. Denn dieses eine Mal hatte es keiner Verschleierung der Wahrheit bedurft. 

"Wirst Du bleiben?" Es war die Frage Freyas, die deutlich in ihrem Geist widerhallte. Geschehen kurz nach jener Zeit, als Tanuri sich aus der Welt ihres Bruders befreit hatte. Eine Frage, so einfach und gleichzeitig mit einer solchen Komplexität, dass das Mädchen sie womöglich gar nicht begriff. Oder etwa doch?
War es nicht genau das, was sie alle bisher unterschätzt hatten? Dass Freya wesentlich mehr verstand, wesentlich mehr sah und mehr überblickte, als man ihr zutraute, einzig, weil sie im Körper eines Kindes steckte? 
 
Diesmal wusste Tanuri, dass sie jene Antwort, die sie damals Freya gegeben hatte, laut und für Jeremais hörbar aussprach. "Und so bleibe ich, führe Dich, bis zu jenem Tag, an dem Du die Tore öffnest und der Gott des Chaos Deine Hand ergreift, um erneut zu herrschen und Tod und Verderben über all jene zu bringen, die es wagten zu zweifeln. Nicht nur an ihm."

Wie schon damals, senkte sie ihre Stimme. Der Klang war ungewohnt warm, allerdings begleitet von einer berechnenden Sicherheit, die über die Ebene aus Wasser und schimmerndem Grau hörbar war. "Sondern auch an Dir, Freya." 
 
Es war ein Versprechen, ein Schwur. Weder das eine, noch das andere würde sie je brechen.

"Es ist mir gleich, welcher Lügen oder Tricks ich mich bedienen muss. Was auch immer nötig ist, werde ich tun, um nicht nur den Vampir von seinem Vorhaben abzulenken, sondern auch Freya aus den Fängen Naheniels und seiner gottlosen Kreation zu befreien. Kostet es meine Ehre, meinen Glauben, mich selbst und mein Leben, so gebe ich all das gern."

Sie drehte sich um ihre eigene Achse, suchte den Blick des Rabenvaters, der hier, sowie auch dort war. "Sagt mir, was ich tun soll. Ich frage nicht nach dem 'Warum', sondern einzig nach dem 'Wie'."
~~~
Ja, mein Herr und Meister, ich bin Deine Dienerin!
Lege Deine Finger auf meine Lippen und berühre mit Deiner Hand meine Zunge
auf dass ich Deinen Willen und Dein Wort verkünde!


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~~ Priesterin der dunklen Kirche und Mentorin ihrer Adeptin Freya Chakai ~~ 
~~ Anführerin der Legion des Schattens ~~ 
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Der Waechter
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#1074

Beitrag: # 54534Beitrag Der Waechter »

Dunkelheit und Zwielicht. Niemand konnte sich verstecken. Keine Seele konnte vor dem Unvermeidlichen fliehen.

In der endlosen Leere der unbekannten Sphäre kehrte eine erdrückende Stille ein. Eine Ruhe, die so greifbar wie bedrohlich wirkte, als würde ein unmittelbarer Sturm über ihnen aufziehen.

Normalerweise formte sich das Zwielicht aus den Tiefen eines Unterbewusstseins heraus, doch hier war nichts außer einer schwarzen Fläche, die sich wie ein endloses Meer aus dunklem Wasser erstreckte. Eine grenzenlose Leere, getränkt von ungeweinte Tränen.

Der Himmel darüber war ebenso schwarz, durchzogen von schimmernden Grautönen, die an verblassende Nordlichter erinnerten. Ein Schein, dessen Schlieren sich am Horizont unscheinbar versammelt hatten und immer deutlicher zu werden schien.

„Waisenkind.“ Ein eisiger Klang, der kalt und grausam die Ebene erfasste. Tief und dröhnend, wie Donner, der um sie herum widerhallte, sodass das Wasser unter ihren Füßen sich kräuselte.

Etwas kam aus dem Licht auf sie zu. Näherte sich ihnen. Langsam, als wäre Zeit ein bedeutungsloser Faktor an diesem Ort.

Am fernen Horizont erhob sich das Licht immer deutlicher. Grell und schneidend setzte es sich langsam, aber machtvoll gegen die Dunkelheit durch und erhob sich in einem fast majestätisch, wie die Sonne im Morgengrauen gegen die Finsternis, um jene in die Schatten zu drängen.

„So viele Jahre habe ich darauf gewartet“, erklang das Dröhnen erneut. Näher jedoch als zuvor. Die Stimme war überall zu hören und doch schien sie von einem bestimmten Punkt auszugehen.

Eine Silhouette trat aus dem blendenden Licht hervor, umgeben von seinem strahlenden Schein. „Und nun endlich ist der Tag gekommen.“

Sie kannte die Stimme noch, nicht wahr? Ganz bestimmt. Er erinnerte sich zu gut an das Mädchen, dessen Geist er versucht hatte zu brechen. Ihr Wimmern und ihr Schreien. Ihre Gegenwehr sich dem Licht zu beugen. Doch konnte sie sich ebenfalls entsinnen? Oder hatte sie versucht zu vergessen. Ihre gemeinsame Zeit, ihren armseligen Widerstand gegen ihn?

„Das Gossenkind ohne Tränen, das glaubt, die Dunkelheit könnte obsiegen.“ Abschätzig konzentrierte er seine Worte auf sie allein, unbeeindruckt von dem Rabenpriester an ihrer Seite, der selbst nicht mehr als ein Schatten oder am Ende nur eine tröstliche Erinnerung zu sein schien. „Du hast doch nicht wirklich geglaubt, du könntest dich ewig verstecken? Dich und das Wissen um den Schlüssel?“

Priesterin. Doch was sollte man anderes von einem Gott, wie Ogrimar erwarten? Niedertracht und Abschaum gesellten sich zueinander, solange sie einander nützlich waren.

Alles in ihm wollte auflachen, dass das kleine Gossenbalg aus dem Kerker nun eine Würdenträgerin sein sollte. Er konnte nicht bestreiten, dass ihr Wille ebenso wie ihr Glaube stark gewesen waren. Es hatte ihn damals sogar beinahe beeindruckt, wie viel sie bereit war zu ertragen. Wie viel Schmerz und Qual ihr Körper und ihr Geist erduldet hatten. So viel, dass er fast gewillt gewesen war, sie von ihrem Elend zu erlösen. Doch hatte er damals schon erahnt, dass sie ihn früher oder später zu ihm führen würde und davon abgesehen Gnade walten zu lassen. Es war der Lauf der Dinge, da sich die Prophezeiung früher oder später offenbaren musste und eine klägliche Wahl, die Ogrimar ihnen als Gegenspieler brachte.

Aber vielleicht konnte sie sich diese Gnade an diesem Ort selbst gewähren. Ihrem Schmerz und der Qual ihrer Seele ein Ende bereiten in der Vergessenheit, da sie versagt hatte.

„Es ist zu spät“, sprach er mit der Schärfe einer Klinge, die die Dunkelheit wie ein Schwert teilte und ihr mir unerbittlicher Härte entgegenschlug. Voller Verachtung überragte seine Silhouette die Priesterin und blickte auf sie hinab, wie dereinst auf das kleine Mädchen herab. Ein Urteil, gefällt im Namen des Lichts.

„Ich habe nicht nur dich, sondern auch endlich den Schlüssel gefunden“, flüsterte er leise, doch die gnadenlose Gewissheit, dass er die Wahrheit sagte, sollte sich tief in die Splitter ihrer Seele brennen. Qualvoll und unvergesslich, wie das helle Licht, das ihn umgab. 

Ein Schein, der immer heller und blendender wurde. Schmerzhaft grell, als würde man in die Sonne selbst hineinblicken. Ein Aufleuchten, unter dem sich seine Gestalt in einem weißen Nebel auflösen sollte, der nach und nach in der Dunkelheit verschwand. Zurück blieb nur der Hall seiner Stimme.

Ein unbarmherziger Hall, der die Wahrheit offenbaren sollte, dass ihn nur noch ein winziger Schritt zurückhielt, um sein Werk zur Vollendung zu bringen.
„Freya.“
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Landru
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#1075

Beitrag: # 54535Beitrag Landru »

Tribunal

Er verfolgte den Schlagabtausch so gut es ging. Seit Etoh sich zu ihm gesellt hatte, war es unruhiger, er konnte nicht uneingeschränkt alles mitbekommen. Es war sicher ein Ärgernis, aber nicht zu ändern. Er blieb dem weiße Priester gegenüber neutral. Denn er hatte es immer wieder deutlich gemacht, auf keiner Seite der Götter zu stehen. Sie waren für ihn stets eine Notwendigkeit. Es brauchte Schatten wie Licht, damit beide ihren Sinn überhaupt hatten. Genauso wie es das Böse gegeben muss um Helden zu schaffen. Wie es die Lüge geben muss, damit die Wahrheit belohnt werden kann. Er hatte sich entschieden seine Ziele über alles zu stellen und die des Clans selbstredenend, denn es gab nichts was in seinem Leben sonst einen Sinn hätte. Seine Ambitionen warum und was er verfolgte mag manchen erstmal ein Rätsel sein. Es gab aber ein Ziel, ein höheres Ziel als einfach Unfrieden zu stiften. Es gab einen Grund, warum er tat wieso er es tat. Wer weiß ob es je von Belang wird.

Das Tribunal hatte sich dem Ende zugeneigt. Es gab hier nichts mehr zu hören und zu sehen. Aber es war spannend dem ganzen zu zuhören. Es war faszinierend und sicher wird Tanuri ein kleines Update sehr angenehm finden. Wie sie das wohl kurz vor ihrer Metamorphose aufnehmen wird? Sie wird sicher mit vielen Gedanken in ihre neue.. - wenn es nach ihm ging - vollkommene Existenz zu schreiten. Das Zwillingskind das nie leben sollte, findet endlich ihre Bestimmung. Natürlich war das seine Meinung, seine Ansicht, die sich kaum mit denen der anderen decken würde.

Er hatte sich von Etoh verabschiedet und verließ den Felsendom mit einem Lächeln. Etoh mag was ahnen, aber er kann es nicht beweisen. Nach all den Wochen, Monaten und Zeiten die verstrichen waren, sank die Glaubwürdigkeit an einen unsichtbaren Feind zu glauben. Es war wie dieses Spiel mit dem es war der unbekannte Mann am Fenster, der nie gesehen und nie gehört wurde. Er hatte ihre Schwäche der nicht guten Kommunikation genutzt und auch die Wirren der Situation vorher nun für seine Zwecke eingebaut. Natürlich wird das nicht so bleiben. Früher oder später wird sein Name in irgendeiner Form ins Spiel gebracht. Ob es jedoch dann noch rettet?

Nach so vielen Fehlschlägen war er dem Ziel nun wirklich nahe. Es wurde langsam Zeit und Tanuri sollte mittlerweile geschwächt genug sein. Hunger und Durst, vermutlich auch die geistige Erschöpfung. Die Magie, welche sie noch wirken könnte, wäre keine Gefahr für ihn. Es braucht schon mehr als ein Fünkchen und ob sie das noch bewerkstelligen konnte? Er blickte einen Moment auf die eigenen Hände, mehr Klauen als wirkliche Finger, unnatürliche Krallen, die in die geschuppte knöchrige fast ledrige Haut seiner Hände übergingen.

Als er noch ein Kind der Nacht war begann Takhisis ihn zu unterrichten. Sie tat es mit Freude und gleichsam mit Lust. Sie sah dem hilflosen vampirischem Kind am Boden zu wie er sich abmühte die verwachsenen Finger zu trennen. Es tat höllisch weh. Diese Fähigkeiten waren nicht mit Heilung im Sinne von nettem Lichtwirbeln und ein paar süssen Formeln zu vergleichen. Es war Wille, Handwerk und Schmerz. "Sieh an, es zeigt sich nun endlich was deinem Blute liegt. Es lernt sich besser am eigenen Leib. Außerdem solltest du den Schmerz als deinen Verbündeten annehmen. Du wirst ihn nie von deiner Seite weichen sehen. Er gehört dazu, Kind." Er hasste sie in dem Moment dafür.
Seine Erzeugerin war da unnachgiebig.
"Ist es nicht faszinierend wie der eigenen Körper zu deinem Feind wird. Er wird jetzt oft Dinge tun die du nicht willst." Flüstert sie säuselnd. Sie wirkte erstaunlich menschlich äußerlich, dafür das sie zu weit mehr in der Lage wäre. Sie könnte ihren ganzen Körper in eine völlig neue Form bringen. Aber sie hatte bis auf einige Auswüchse kein Verlangen danach gehabt. Vielleicht auch, weil ein Teil von alter Magie mit der anderen Fähigkeit kollidierte. Es war kompliziert. Fähigkeiten waren launisch. Manche Blutslinien waren eindeutig, aber die seine hatte zwei Ausprägungen die beide durchschlagen konnten. Vielleicht wollte sie testen ob er in der Lage sein würde, Fleisch zu formen oder doch eher die alte koldunische Magie beherrschen würde. Er war anfangs zu beidem nicht in der Lage. Weder Magie noch irgendwas von Formerei zeigte sich. Als wäre er ein Kind mit Handicap, dass einfach nicht in der Lage war zu lernen oder das Blut war unentschlossen.
Heute war das erste Mal ein Zeichen als die Finger verschmolzen und er geistig die Augen verdrehte, weil diese Antwort nun bedeutete noch mehr zu leiden. Wer sich schon mal mit Sekundenkleber irgendwas zusammen geklebt hatte - nur um einiges 'fester' - kann man sich das vorstellen wie sehr es riss, als er sich die Finger wieder trennen musste. Ab diesem Tag hörte der Schmerz nicht mehr auf. Jeder Schritt, jede Bewegung, jede Berührung tat einfach weh. Seine Existenz war Schmerz und jede Lehre war damit verbunden nicht wahnsinnig zu werden, weil es stets ein Akt war. Jeder Eingriff, jede Handlung, jede Formerei war ein zupfen an Nerven und Fasern, Zellen und Sehnen, die keinesfalls in irgendeiner Form schmerzlindernd waren. Wie eine OP ohne Nakose. Nacht für Nacht. Die Nerven verenden langsam, der Geist stumpft ab. Der Schmerz wird ein gern gesehener Gast und irgendwann ist es normal. Da ist dieses Gefühl  nicht länger unangenehm, sondern eine Folge der Existenz. Eine Notwendigkeit und eine Normalität. Wäre sie fort, wäre es furchtbar.
"Du wolltest nie wieder schwach sein, Kind. Es hat dir zugesetzt das dieses kleine unscheinbare Frauenzimmer dich in einer Kirche abgestochen hat, nicht war. Du solltest dafür sorgen, dass dies nie wieder passiert." Die verbale Ohrfeige saß. Er konnte nicht leugnen das ihn das lange sehr gekränkt hat. So schwach gewesen zu sein, dass dieses einfache Stück Metall so vernichtende Folgen hatte.
Er hatte dafür gesorgt, dass es nie wieder passieren kann.


Der Blick von den Krallen ging zurück auf den Weg. Takhisis. Er verdankte ihr viel. Aber am Ende hat das Kind den Lehrer übertroffen.
Mit diesem teils grausamen Lächeln setzte er seine Weg fort. Er hatte noch einen Gast und dieser soll die Offenbarungen der Verwandlung kennen lernen.
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Sohn seiner Lordschaft Kain und der Lady Enoia Vykos
"Es widerspricht meiner Moral, mich an eure zu halten!"
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