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Die dunkle Prophezeiung

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Naheniel
Knecht / Magd
Beiträge: 9
Registriert: Mo 27. Mai 2019, 19:18

Die dunkle Prophezeiung

#1

Beitrag von Naheniel » Mo 27. Mai 2019, 19:47

"Mein Lord, meiner Herrscher, ewiger Gott der Dunkelheit und des Untergangs. Hier stehe ich, Euer untergebener Diener und bringe Euch das Opfer meines Leibes dar. Ich werde für Euch sterben, ich werde für Euch wiedergeboren. Prüfungen werde ich durchschreiten, ich werde durch das Feuer gehen und auferstehen um Eure Kunde zu verbreiten."

Mit jedem der im Gebet gesprochenen Worte schlug er sich selbst mit einer ledernen Peitsche auf den Rücken. Tiefe, blutende Striemen hatten sich bereits gebildet. Diese überdeckten aber nur kurze Zeit die zahlreichen Narben, die sich über viele Jahre angesammelt hatten. Jeder Schlag, der anderen Schmerzensschreie entlockt hätte, ermutigte ihn nur dazu, immer weiter zu machen. Unaufhörlich. Den schon lange fühlte er keinen Schmerz mehr. Nein, viel besser noch: Jede neue Narbe war ein Schritt mehr zu ihm. Zu seinem dunklen Fürsten der ihm seine Kunde so deutlich nahegebracht hatte. Es war ein langer Weg, den er bis hierher gegangen war. Nichts konnte ihn aufhalten. Er hatte es gesehen, er hatte es mit jeder Faser seines Körpers gespürt. Seinen Willen hatte er vernommen und er würde alles daran setzen, um ihn mit aller Macht durchzusetzen. Bereits als kleiner Junge hatte er die Bilder immer wieder vor sich gesehen. Das Chaos, den Untergang, den Tod. Und aus diesem war er hervorgetreten, stark und mächtig wie nie zuvor. Eng an seiner Seite waren seine Jünger getreten, erhoben flammende Schwerter, die jedem, der zögerte für seine Sache zu kämpfen, in Asche verwandelten. Als er seinen Eltern von seinen „Träumen“ berichtete, waren sie entzückt gewesen. Sei selbst schimpften ein ums andere mal um über den Verfall der Kirche, über die Lehren, die immer seichter ausgelegt wurden. Und jetzt war es ihr Sohn, ihr eigen Fleisch und Blut, welches neben dem Einen die Ordnung dieser Welt wieder herstellen sollte. Schon früh unterwiesen sie deshalb ihn in den Doktrinen und den Ritualen und schickten ihn zu den Priestern. Bei ihnen sollte er in die Schule gehen, er sollte lernen, einer von ihnen werden. Doch so weit sollte es nicht kommen. 
 Ein zufriedenes Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als er an die Worte dachte, die in den Schriften der alten Bibliothek gefunden hatte. Wobei, gefunden hier der falsche Begriff war. ER hatte ihn dorthin geführt. In all seiner Weisheit, hatte er ihn, Naheniel, auserwählt ihm Althea zu Füßen zu legen, damit er es nach Seinen Wünschen formen und gestalten konnte. Und um endlich diese gesamte gottlose Brut von diesem Erdboden zu wischen. Ein für allemal. Denn so stand es geschrieben: 

Brüder sollen sich befehden und einander fällen.
Geschwister wird man sehen, wie sie die Sippe brechen! 
Schwarz wird die Sonne und die Erde sinkt ins Meer,
vom Himmel werden schwinden die Sterne.
Denn der Eine wird kommenund er wird über alle richten.
 

Es erschauderte ihn genüsslich, als er an die Worte zurückdachte. Doch nicht nur waren es Worte gewesen, schon Jahre bevor er auf die Schriften in der alten Bibliothek gestoßen war, hatte er diese Szenarien in seinem Kopf gehabt. Immer und immer kamen sie bei Nachts und später auch bei Tags. Einst war er sich sicher gewesen, dass dies der Ruf der dunklen Priesterschaft gewesen sein musste. Er sollte an ihrer Seite die Kunde des einen Gottes verkünden und über die Inseln tragen. Gelehrig lauschte er jedem einzelnen Wort derer, die sich als die Reinen ausgaben. Er war sich zu jener Zeit sicher gewesen, dass sie es verstehen würden, dass sie die Bilder deuten könnten. Doch nichts davon geschah. Im Gegenteil. Hinter seinem Rücken wurde getuschelt, er wäre nicht ganz bei Sinnen.
Wieso sollte der dunkle Lord denn ausgerechnet zu einem Jüngling wie ihm sprechen? Nein, das wollte und konnte man sich nicht vorstellen. Es musste sich um einen Verrückten handeln. Einem der vielen, die dachten, sie wären die Auserwählten. Es stellte sich Schlussendlich bei einer genaueren Prüfung solcher Personen immer wieder heraus, dass es sich nur um Phantasteleien handelte, ohne Hand und Fuß.
Doch was sollten sie nun mit ihm tun? Zu Anfang hatten sie ihn noch gewähren lassen und ihm seine angebliche Nähe zu Ogrimar gegönnt. Die Priesterschule hatte er mittlerweile fast bis zum Ende durchlaufen, aber sie konnten ihn unmöglich diese Ehre zu Teil werden lassen, einer von den ihren zu werden und seine wahnwitzigen Ideen in die Welt hinaus zu tragen. Welches Licht würde dies auf sie werfen? Schließlich war das Vertrauen der schwarzen Gemeinde gegenüber der Priesterschaft schon seit längerer Zeit etwas angespannt!
Für sie stand fest, dass er kein Priester werden konnte. Vielleicht wäre er als Krieger für ihre Sache geeignet, doch auch das schien ihnen zu gefährlich. Schließlich konnte man nie sagen, wem er seine seltsamen Phantasien noch mitteilte.Deshalb ließen sie ihn vorerst noch weiter in der kleinen Schule gewähren, schlossen ihn aber nach und nach aus gewissen Seminaren aus, die ihn zum Abschluss seines Priesterstudiums bringen sollten.
Doch er vertraute ihnen blind. Denn schließlich waren sie die Priester. Sie waren die Gesandten Ogrimars. Wer war er, dass er an ihren Entscheidungen zweifeln würde? In seinem Eifer war er sich sicher, dass es sich hier nur um eine Prüfung handelte. Er setzte alles daran, seine Lehrer zufrieden zu stellen, er verinnerlichte jedes einzelne Wort der Doktrin immer und immer wieder. Bis er eines Nachts einen neuen Traum hatte.

Eine vollkommen leere Welt, kein Baum, kein Tier kein Grashalm. Nur Dunkelheit und das Nichts umgab ihn. Als er im Nichts einige Zeit umher gewandert war, sah er ein mächtiges Tor vor sich erscheinen. Reich geschmückt mit dunklen Zeichen, die er nicht entziffern konnte, umgeben von einem wabernden kalten Nebel. Als er das Tor berührte um die mächtigen Flügeltüren zu öffnen, zerschnitt eine dunkle Stimme die Stille. Sie war weder männlich, noch war sie weiblich. Sie war weder von dieser, noch von einer anderen Welt. Und doch war sie hier, zum greifen nah und doch unendlich fern: 


Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerz,
Täuschung trieb meinen hohen Schöpfer,
geschaffen haben mich die Allmacht Gottes,
seine Weisheit und der erste Krieg.
vor mir ist kein geschaffen Ding je gewesen,
nur Ewiges - und ich muss ewig leben.
Wenn Ihr eintretet … lasst jede Hoffnung fallen.  

Ohne ein Geräusch öffnete sich das Tor, selbst seine Schritte auf dem polierten Marmor hinterließen keinen Ton. Er betrat einen großen schwarzen Saal, kein Kerzenlicht erhellte den Raum, dennoch erkannte er eine mächtige, jedoch leere Tafel. Selbst der kunstvollste und größte Sitzplatz war leer. Eine tiefe Enttäuschung machte sich in seinem Herzen breit. Er war überzeugt gewesen, dass dies es sich um die Hallen des großen Herrschers handeln musste. Doch wie es schien, war es heute doch nur ein Traum, der ihn in die Irre geführt hatte. Hatte er wirklich geglaubt, der dunkle Lord würde ihn an seine Tafel holen? Ihn? Naheniel? Fast schon musste er laut loslachen. Was war er nur für ein Tor. Er hatte wirklich gehofft...
Plötzlich riss er die Augen auf. Die Stimme, was waren ihre Worte gewesen? Wenn Ihr eintretet … lasst jede Hoffnung fallen. Mit einem Mal brachen tausende Geräusche über ihn herein, Seufzer, Wehklagen, Schreckenslaute, Worte voller Schmerz und hoher Geschrei des Zorns. Verschiedenste Sprachen drangen an sein Ohr, wie sie bittend, flehend und tränenerfüllt nach Erlösung suchten. Hinter ihm versank das Tor, durch das er eben noch getreten war, in einem dunklen Nebel und löste sich in diesem auf. Je lauter, je drängender, je zornerfüllter und verzweifelter die Stimmen wurden, desto gieriger umschloss dieser Nebel nun ihn. Körperlos und kalt. 


Sieh sie Dir an, die Feinde, die Ketzer, die Unwürdigen.
Sie Dir an, die Schatten, die von ihnen geblieben sind.
Sie sie Dir an, diejenigen die sich feig verweigerten dem einzig Wahren. 
Und er sah sie, blutige tränenverzerrte Gesichter, die voller Verzweiflung zu ihm aufblickten. 
Wäre der Geist der lebenden Geschöpfe nicht getrübt von Machtgelüsten, so würden sie aus so vielen Zeichen heraus, den Willen des einen Gottes erkennen. 
Doch die Wege die derzeit gegangen, unterscheiden sich vom göttlichen soweit, wie Eure Erde es von der tiefsten Hölle tut. 
Deshalb stehst Du hier.
Du wurdest geboren, um seinen Willen auszuführen.
Du wurdest erkoren, um ihm zu dienen.
Du wist das Schwert sein, dass die Ungläubigen vernichtet. 


Nachdem die Stimme geendet hatte, öffnete Naheniel seine Augen. Das Nichts und der Nebel waren verschwunden, er befand sich in seinem Zimmer in der Priesterschule. Sein Herz raste und sein Atem ging schnell, als er zurück an die Worte dachte, die soeben zum ihm gesprochen worden waren. Er wurde geboren, um seinen Willen auszuführen...

Eilig zog er sich seine schwarze Robe über und hastete die von Kerzen erleuchteten Flure entlang, bis zu den Räumlichkeiten des Hohepriesters, der sich dann und wann für einige Zeit in die Schule zurückzog, um innere Ruhe zu finden und seinen Geist von den Eindrücken der vollen Städte zu reinigen. Wie es der Zufall wollte – oder konnte es sein, dass es gar kein Zufall war – war er derzeit zugegen. Naheniel pochte mit seiner Faust immer und immer wieder gegen die Türe, bis sie nach einer halben Ewigkeit endlich geöffnet wurde und der Hohepriester ihn verschlafen und verärgert ansah. Aufgeregt drängte Naheniel ihn in den Raum hinein, er konnte jetzt nicht auf Sitte und Gepflogenheiten achten, zu wichtig war das, was er ihm zu sagen hatte. Fast schon überschlug er sich mit seinen Worten, als er erzählte, was er gesehen und gehört hatte. Die Miene des Hohepriesters verfinsterte sich zunehmend.

„Schweig!“ herrschte er ihn an. „du bist nicht mehr nur nicht bei allen Sinnen, Du... Du bist geisteskrank! Wie kannst Du es wagen, den dunklen Lord damit zu beleidigen, zu denken, Du kleiner Wurm wärst von ihm erwählt worden, das Chaos über das Land zu bringen? Du bist nicht einmal ein ausgebildeter Priester. Du wirst auch niemals einer werden! Ein Dümmling bist Du, verzogen von reichen Eltern die meinen, etwas besseres zu sein! Sie hatten wohl gehofft, mit Dir an der Leiter noch ein Stück weiter emporklettern zu können und haben Dich in Deinen dummen kindlichen Phantasien unterstützt. Aber mich, mich täuscht Du nicht. Du bist ein Nichts. Und Du wirst niemals jemand sein. Auch nicht mit deinen ausgedachten Geschichten. Ein Mönch kannst Du werden, das Schweigegelübde ablegen und Dich auf ewig in den Kellern verstecken und über Deine Vergehen und Deine Lügen nachdenken. Mehr wirst Du niemals sein.“
Der Hohepriester begann schallend zu lachen, als er in die wütenden Augen Naheniels blickte. „Du hast doch nicht wirklich gedacht, dass wir Dir die Priesterweihe zu Teil werden lassen? Dass Du diese Ehre erfahren wirst? Ein Lügner wie Du es bist, hat nichts in unseren Reihen verloren.“ Naheniel schluckte schwer bei den Worten, die der Hohepriester vor ihm ausspuckte. Wut machte sich in ihm bereit. Er hatte den Priestern vertraut, ihnen von seinen „Träumen“ erzählt und gehofft, dass sie ihn verstehen und unterstützen würden. Dabei war das Gegenteil geschehen, sie hatten ihn getäuscht.

Da kam es ihm. Der Hohepriester, er hatte Angst. Er hatte Angst, seine Macht über die Priesterschaft und über die Inseln zu verlieren, jetzt da es jemanden gab, der die Worte des großen Herrschers direkt vernommen hatte und sich nicht nur auf alte staubige Bücher berief. Er erinnerte sich an die Worte, die die Stimme zu ihm gesprochen hatte. Wäre der Geist der lebenden Geschöpfenicht getrübt von Machtgelüsten, so würden sie aus so vielen Zeichen heraus, den Willen des einen Gottes erkennen. 
Ein düsteres Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Machtgelüste waren es, die den Hohepriester befallen hatten. Es würde Zeit werden, ihn dorthin zu schicken, wo auch all jene waren, die über ihren eigenen Egoismus vergaßen hatten, wem sie eigentlich dienten. Mit einem gekonnten Satz trat er an den Priester heran und legte ihm seine starken Finger um den alten faltrigen Hals und drückte diesen, so fest er konnte, zu. Nur kurz war der Kampf gewesen, zu alt und zu verbraucht war der Priester schon, zu fett gefressen von den weltlichen Gelüsten. Als der letzte Lebenshauch aus seinen Augen wich, flüsterte Naheniel ihm noch leise zu: „Grüßt den dunklen Lord von mir. Aber wer weiß, vielleicht landet Ihr jetzt auch beim Gott der weißen Ketzern, nachdem Ihr seinem Willen nicht folgen wolltet.“ 

Naheniel sah sich noch in dem Zimmer um, ob er noch einige wertvolle Bücher darin entdecken konnte und ließ diese schnell unter seiner Robe verschwinden. Man wusste nie, wer um diese Zeit in den Gewölben unterwegs war. Doch er hatte Glück, niemand begegnete ihm auf seinem Weg nach draußen. Ein letztes Mal sah er sich um zum dem Ort, der ihm die letzten Jahre ein zu Hause gewesen war. Ein trügerisches und verlogenes, wie sich heraus gestellt hatte. Der Zorn und die Wut beherrschten ihn immer noch, als er leise flüsternd einen Feuerregen heraufbeschwor und über die Schule niedergehen ließ. Dann drehte er sich um und ging, ohne sich noch einmal umzublicken, davon. Im Hintergrund hörte er die ersten verzweifelten Schreie und Schmerzenslaute. Doch das einzige was sie in ihm hervorbrachten, war Genugtuung. Chaos soll das Land regieren. Und dies war der erste Schritt.
Der Machtgier der Priester sollte endlich ein Ende gesetzt werden. Die Enttäuschung über deren Verlogenheit würden sie alle bezahlen müssen.
Er würde sie ausmerzen. 
Jeden. einzelnen. von. ihnen. 


Seit diesem Abend waren einige Jahre vergangen, er hatte sich zurückgezogen um den einen alles entscheidenden Kampf vorzubereiten. Doch die Stimme hatte nicht mehr zu ihm gesprochen und er hatte auch keine Bilder mehr gesehen. Aber Naheniel war nicht enttäuscht darüber gewesen. Er wollte nicht der Arroganz erliegen, wie es bereits andere getan hatten, dass nur er der einzige war, der die Aufmerksamkeit des Einen bekam! Deshalb widmete er sich ganz dem Gebet und tat was er konnte, um ihm aufrecht zu dienen und seinen Doktrinen folge zu leisten. Gerade als er sich eine graue Robe über seinen vernarbten Rücken werfen wollte, zog es ihm den Boden unter den Füßen weg und er stand wieder in der alles vereinnahmenden Schwärze, dem Nichts.

Vor Aufregung pochte sein Herz ihm bis zum Halse. Sollte es nun endlich wieder soweit sein? Würde er heute hören, was der Stimme nächster Befehl und Wille war? Aber kein Tor war hier, welches er zu durchschreiten hatte, keine Schmerzenslaute vernahm er. Nur Stille. Beängstigende Stille. Er sah sich um, doch was erwartete er in dem Nichts erkennen zu können? Es kam ihm vor, als würde er Minuten, Tage … Wochen stehen und warten. Warten auf diesen einen entscheidenden Moment. Er versuchte geduldig zu sein, doch fiel ihm das zunehmend schwerer. Nervös strich er sich durch das Haar. War es … war es etwa länger geworden? Mit einer Hand fuhr er sich über das Kinn... ja auch der Bart war gewachsen, merklich. Wie lange stand er hier schon? Wie lange musste er noch stehen? Plötzlich donnerte die Stimme von jenem Tag auf ihn ein. Wie hunderte aufgescheuchter Pferde galoppierte sie über ihn hinweg. 

 
„Das Blut tausender klebt an meinen Händen!
Und Du, Mensch, wagst es mich herauszufordern?
Mein Wort zu verfälschen! Meine von mir erwählten Priester zu töten!
Zweifelst Du etwa an meinen Entscheidungen?“ 

Stille. Naheniel fühlte den Schmerz, den die Worte hinterlassen hatten, an seinem ganzen Körper. Wie tausende Stiche wahnsinniger Wespen hatten sie malträtiert. 
 
„Vernichten sollte ich Dich!
Mein Wort ist Dein Gesetz!
Mein Wort und nicht Deine.
Du wirst Gehorsam und Demut lernen.
Fortan wirst Du gezeichnet sein.
Deine Macht wirst Du teilen bis Du mir den Beweis erbracht hast,
dass du es wert bist, mein Wort zu verkünden. 
Macht für Leben und Blut! 
Und scheint Deine Zeit abzulaufen, wird jenes Wesen, das mit Dir verbunden ist, Deinen Platz einnehmen.

Finde die dunkle Prophezeiung.“ 

Naheniel schnappte gierig nach Luft, als er die Augen aufschlug und sich wieder in seinen Räumlichkeiten befand. Ballast, wie ein schwerer Stein drückte auf seinen Brustkorb. Er war erschöpft, als hätte er tagelang im Stall bei den Bauern gearbeitet und wagte es kaum, sich zu bewegen. Mit seinen Händen tastete er sich ab, so gut es ihm möglich war um zu überprüfen, ob er soweit alle seine Körperteile behalten hatte oder ob etwas gebrochen war. Dabei fühlte er in seinem Nacken ein brennen, als er mit seiner Hand darüber glitt. Blutig waren seine Finger, doch wagte er noch nicht aufzustehen, um das was auf ihn gezeichnet worden war, genauer zu untersuchen. Er schloss voller Erschöpfung die Augen und bevor er in einen traumlosen Schlaf fiel murmelte er tonlos: 

Die dunkle Prophezeiung. 
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So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

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-Freya-
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#2

Beitrag von -Freya- » Do 30. Mai 2019, 21:03

An einer ganz anderen Stelle, inmitten der Hallen der Legion in Lichthafen, saß das kleine Mädchen an einem Tisch, während sie Abschriften anfertigte von jenen Kapiteln, die der Hüter ihr gegeben hatte.

Auch wenn Freya manche Bücher wirklich spannend fand und so manche Texte ihr bekannt vorkamen, obwohl sie sie niemals zuvor gelesen hatte, so war der Unterricht mit Morrigan doch wesentlich lustiger, als die Lehrstunden mit dem Hüter. Immerhin war er der Meinung, dass man durch das Abschreiben die Worte besser verinnerlichte, als durch lesen allein.

Seufzend schaute das Mädchen auf die letzten Worte, bevor sie die Feder beiseitelegte und sorgsam die noch feuchte Tinte mit etwas Sand ablöschte. "Fertig!" rief sie ihm zu, bevor sie tief durchatmete. "Dann geh und iss erstmal etwas, Freya." sagte der Hüter, während er noch einige Einbände einsortierte. "Ich werde mir Deine Arbeiten ansehen und wir sprechen später darüber." Ein Funken Erleichterung huschte über ihre Züge, denn immerhin schien draußen die Sonne und an einem so schönen Tag nur zwischen den Büchern zu sitzen fiel da echt besonders schwer.

Schließlich, vor nicht allzu langer Zeit hatte sie an solchen Tagen stetig am Fluss gesessen und den Tag an sich vorbeiziehen lassen. Aber das auch nur, weil sie nicht gewusst hatte wohin. Doch nun, nun da der einzig Wahre ihr einen Weg aufgezeigt hatte, indem er sie hatte auf Tanuri treffen lassen und die Dinge ihren Lauf genommen hatten, da wollte sie sich dem auch als würdig erweisen. Denn nun hatte sie nicht nur einen Pfad, dem sie folgte, sondern auch so etwas wie eine Familie gefunden.

Sicher, es war nicht ihre echte Familie, aber dennoch, die Tanten und Onkel waren auf ihre Art und Weise für sie wichtig geworden und gaben ihr das Gefühl ein Teil von etwas ganzem zu sein und sie war mehr als dankbar für die Wärme, die man ihr entgegen brachte.. Naja bis auf Tanuri, jene, die sie aufgenommen hatte. Stets wirkte sie einfach nur kühl und unnahbar fern auf sie. Egal, wie sehr sie sich anstrengte. Nur zweimal hatte sie jene nur lächeln gesehen und auch wenn sie stets streng und kalt war, so war sie ihr doch trotz allem die wichtigste.  Doch ihren Ansprüchen Genüge zu leisten war nicht einfach. Un im Augenblick wirkte es sogar fast unmöglich. Jene schien nahezu versessen darauf zu sein, dass sie, die Freya, ihre zweite Prüfung vor dem Herrn ablegen sollte. Aber auch wenn das Mädchen sich bereits den Zugang zum Orakel verschafft hatte, so fühlte sie sich dafür noch nicht bereit. Zumindest war es das, was sie der Tante erzählte.


Sie konnte Tanuri wohl kaum offenbaren, das sie davon geträumt hatte. Dass eine Stimme, warm und samten, sie gewarnt hatte diesen Schritt zu gehen. Dass dies nicht Sein Wille wäre, noch nicht Teil seines göttlichen Planes. Noch wäre die Zeit dafür nicht gekommen. Sich ihm zu widersetzen würde Konsequenzen mit sich bringen. Alles was gegeben wurde, konnte ER ihr auch wieder nehmen. Gnadenlos. Ein Rat sich in Geduld zu üben, bis er selbst sie dafür berief den Schritt zu gehen. Eine Warnung...

Aber würde Tanuri dem überhaupt Glauben schenken? Vermutlich nicht. Nein, keiner würde ihr glauben und es wäre in Tanuris Augen sowieso wieder nur eine dumme und vermutlich frevelhafte Ausrede und würde ihr somit nichts weiter als einen dieser tadelnden Blicke einbringen. Daher beließ Freya es demütig bei der Aussage, dass sie nicht bereit sei und schrieb lediglich in ihr kleines Tagebuch, welches sie unter ihrer Matratze deponiert hatte, was sie in Wahrheit bewegte.

Kurz blickte sie auf die mittlerweile getrocknete Tinte. Nun wahrscheinlich war es leichter ihm gegenüber als würdig zu gelten, als vor Tante Tanu, schoss es ihr durch die Gedanken. Aber sie würde dem Rat folgen, den sie erhalten hatte und vielleicht eines Tages ein drittes Lächeln von ihr ernten, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg sein würde.

"Danke" sagte sie, bevor sie vom Stuhl hüpfte und schnell noch die Schreibutensilien wegräumte. Mit eiligen Schritten flitzte sie aus der Bibliothek hinaus über den Gang, um noch schnell das Buch zu holen, welches sie derzeit las. Oh sie würde sich ihr gegenüber ebenfalls als würdig erweisen und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Buch in den Hallen des Hüters zu lesen. Aber lernen konnte sie auch draußen, bei Sonnenschein, am Fluss, mit den Füßen im kühlen Wasser und ein paar Bonbons in der Tasche.

Die Sachen waren schnell gepackt und der letzte Handgriff war nach ihren dunklen langen Haaren, die sie einfach mit einem kleinen Band zu einem Knoten band. Das Mädchen schloss die Tür von außen hinter sich und rannte über den Flur zum Ausgang der Hallen.

Als sie auf die Straße trat, kitzelte sogleich die warme Sonne an ihrer Nase, woraufhin sie diese verspielt krauste. Grinsend schaute sie über das Treiben auf der Straße, bevor sie sich ihren Weg durch Lichthafen hindurch in Richtung der westlichen Brücke bahnte. Ihre Augen glitten über die Menschen um sich herum, kurz die Kinder wahrnehmend, die früher ihre Familie gewesen waren. Oder auch die Hölle.

Die kleinen gemeinen Bastarde, welche sie oft geärgert hatten, liefen offenbar gerade vor Rolf davon, der zeternd hinter ihnen herlief, da sie offenbar etwas bei Iris gemopst hatten. Für einen Moment überlegte etwas in ihr, ob sie den Kindern ein Bein stellen sollte, damit der Rolf sie einholen konnte. Aber andererseits war sie noch vor ein paar Monaten eine von ihnen gewesen. Eine derjenigen, hinter denen er hergejagt war, nachdem sie hungrig ein paar Äpfel oder Goldmünzen geklaut hatten. Nur die Gunst des Einen hatte sie aus dem Rattenloch herausgeholt.

Ein feines Lächeln huschte über ihre Lippen, bevor das Mädchen ihren Körper straffte und an ihnen vorbei schritt, wobei sie vollkommen unabsichtlich genau in Rolf hineinlief. “Hoppala… passt doch auf.” kam es ein wenig empört, gar erschrocken über ihre Lippen, als sie sich sogleich und fast vornehm den Staub von der Robe strich. “Pass Du doch gefä…" setzte er an, als er aber abrupt seinen Ton mässigte, "Oh Verzeihung, junge Dame!” korrigierte er sich schnell, als er den feinen Stoff der Robe und nicht zuletzt das Wappen darauf sah.

“Nix passiert. Alles gut.” lächelte sie mit einem unschuldigen Zahnlückenlächeln, bevor sie ihm wohlwollend zu nickte und im Augenwinkel noch beobachtete, wie die Kinder hinter einer Ecke verschwanden. “Der einzig Wahre mit Euch.” rief sie ihm hinterher, während er sich schon wieder einen Weg durch die Menschen bahnte, wo er die Kinder aus den Augen verloren hatte.

Mit einem Schulterzucken und nicht zuletzt einem Grinsen auf den Lippen folgte sie der Straße in die andere Richtung. Immerhin wollte sie zum Fluss. Dort entlang, wo der Zirkus vor einiger Zeit campiert hatte. Allerdings nicht, ohne an den Apfelgärten vorbei zugehen. Warum Gold bezahlen, wenn man einfach danach greifen konnte. Schnell und leise huschte Freya durch eine Lücke im Zaun und pflückte sich noch zwei der roten süßen Früchte vom Baum, bevor sie ihren Weg fortsetzte und am Fluss an der Westbrücke ankam. Immerhin hatte sie wirklich mittlerweile Hunger bekommen und das Knurren im Bauch würde beim Lesen stören.

Leise plätscherte das Wasser hier über die moosbehangenen Steine und zwischen dem Gras wuchsen jede Menge wilder Blumen. Es war hier unten einfach um ein vielfaches ruhiger als an dem nördlichen Übergang, dort wo fast jeder die Handelsstrasse nahm. Hier unten verirrten sich selten die Menschen hin, so dass sie hier eine wunderbare Abwechslung zu den mit Büchern vollgepackten Räumen der Legion fand.

Das Mädchen liess sich ins Gras fallen, wo sie zufrieden lächelnd in einen der Äpfel biss und sich einfach nur die Sonne ins Gesicht scheinen liess sowie sich ein paar Minuten Nichtstun gönnte.
 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#3

Beitrag von Naheniel » Do 6. Jun 2019, 19:18

Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, wie lange er in diesem traumlosen Etwas gefangen gewesen war. War dies ein Teil seiner Strafe? Normalerweise träumte er immer, wenn auch nicht stets so klar und deutlich, aber niemals war es nur reine Schwärze gewesen.

Keuchend und hustend versuchte er auf die Beine zu kommen. Er zitterte am ganzen Körper vor Erschöpfung. Ja, Ogrimar hatte ihn spüren lassen, wie stark seine Macht war. Und dabei war dies nur eine kleine Kostprobe gewesen. Hatte er ihn wirklich wütend gemacht? Aber warum? Naheniel versuchte seine Augen zu öffnen um sich wieder im Raum orientieren zu können, doch selbst dies schien ihm eine unlösbare Aufgabe zu sein. Er hatte doch nur in seinem Sinn gehandelt. Diejenigen, die seinen Namen mit ihrem Egoismus beschmutzt hatten von dieser Welt gefegt. Er wollte der Priesterschaft die Chance geben, sich neu zu formieren, sich wieder aus dem alten Glanz zu erheben und ganz und gar nach den Doktrinen zu leben.Wie konnte der Herrscher das nur missverstehen?
Oder sollte dies gar eine neue Prüfung seines Glaubens sein? Sollte er erkennen, was der wahre Wille seines Gottes war? Schließlich war er bekannt dafür, dass er es den wahren Gläubigen nicht leicht machte. Doch die, die sich vor ihm bewiesen, durften auf ewig an seiner Seite sein. So hatte er einst folgenden Absatz gelesen: 

Einen Saal seh ich, schwärzer als den Nachthimmel.
Da werden die bewährten Leute wohnen
Und ohne Ende der Ehren genießen 

Er hustete und spuckte etwas Blut aus, als er sich mit aller Kraft vom Boden erhob, nur um sich sogleich auf einem Stuhl wieder niederzulassen. Ungeduldig wischte er einige der auf dem Tisch liegenden Pergamente beiseite, nur um noch weitere freizulegen. 
Was ist diese Prophezeiung? Und wo steht sie geschrieben? 
Mit suchenden Augen überflog er die geschriebenen Worte, wohlwissend, dass er hier darüber nichts finden würde. Denn etwas Geschriebenes über eine Prophezeiung wäre ihm schon längst aufgefallen. Dazu studierte er die Worte viel zu genau. Er wusste wohin er musste.
Die alte Bibliothek, dort würde er mit Sicherheit finden, was er suchte. Doch wusste er nicht, ob er dort noch willkommen war. Seit dem „Vorfall“ in der Priesterschule hatte er sich dort nicht mehr sehen lassen. Die Bibliothekare dort waren eng verbunden mit den Priestern der Inseln und er wusste nicht, was sie von seiner persönlichen Neugestaltung der Kirche hielten. Doch wie es schien, blieb ihm nun nichts anderes mehr übrig.

Mit immer noch zitternden Beinen klammerte er sich an seinen Stab und warf sich einen Mantel über. So musste man sich also fühlen, wenn man alt wurde, dachte er bei sich. Dann verließ er die kleine Hütte, die irgendwo, in irgendeinem Wald lag und machte sich auf den Weg um etwas darüber herauszufinden, was fortan sein Leben bestimmen sollte. 
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So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#4

Beitrag von -Freya- » Mo 10. Jun 2019, 20:53

~Nun gerät das große Rad der menschlichen Existenz erneut in Bewegung. Der Kreis ist fast geschlossen und nähert sich der Zeit des Untergangs und der Wiedergeburt derer die keine Menschen sind.~

Die Zeilen summten leise durch ihre Gedanken, waren sie die letzten, die sie vorhin noch geschrieben hatte. Nun waren ihre Augen geschlossen, während die Sonne warm auf ihre Haut schien. Der Apfel hatte das Knurren erstmal beruhigt und es fühlte sich einfach nur gut an im Gras zu liegen und sie Seele für einen Augenblick baumeln zu lassen, während sie dem Plätschern des Wassers zu lauschte. Ein zufriedenes Lächeln ruhte auf ihren Lippen, als der Wind sanft ihre dunklen Haare über ihr Gesicht blies, welches sie an der Nase kitzelte.

So umfing sie nach einiger Zeit die wohltuende Dunkelheit des Schlafes. Ein beruhigender Schleier, der sich schützend um sie legte und ihren Geist mit sich nahm. Oder vielmehr folgte jener bereitwillig in die Welt aus Träumen und Illusionen, dorthin, wo sie ihrer Fantasie nachgeben konnte und ihr Unterbewusstsein ihr die Dinge zeigte, die sich ihr kindlicher Geist wünschte. Doch sollte es keiner dieser Träume werden.

 


Gerade noch hatte sie das Plätschern des Wassers in ihren Ohren vernommen, doch verblasste dieses schnell und wandelte sich in eine unheimliche Stille, so dass alles, was blieb, das leise Pfeifen des Windes war.

Wind... und war das etwa Schnee? Kurz blinzelte sie oder vielmehr ihr Geist tat es, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen, welches um sie herum herrschte. Der Himmel schien in einem Blutrot getaucht zu sein, während sie sich um ihre eigene Achse drehte.

Langsam wandte sie sich umher, nach Orientierung suchend wohin es sie verschlagen hatte. Doch erblickte sie nur Ruinen von Mauern.

Wie scharfe gewaltige Zähne schienen sie aus dem Boden zu ragen, bildeten düsterte Silhouetten in dem Licht des sterbenden Tages. Vorsichtig streckte sie die Hand aus, liess die weißen Flocken darauf fallen. Flocken, die sich nicht als Schnee sondern vielmehr als Asche entpuppten.

Langsam ging sie, barfuß den steinernen Gang entlang. Scharfe Steinsplitter bohrten sich dabei in ihre Füße. Doch wenn er es war, der sie hergeführt hatte, dann würde sie keine Schwäche zeigen. Die linke Hand an den Überresten der Mauer machte sie ein paar Schritte, denn noch hatte sie keine Ahnung, wo sie war. "Hallo?" rief sie leise, bevor ihr in den Sinn kam, dass dies vermutlich nicht das richtige Wort war, sofern die dunkle Stimme sie hierher geführt hatte.

Doch sie bekam keine Antwort. Und so sah sie langsam um die Ecke und entdeckte eine Säule. Kurzerhand blieb sie stehen. Der leise pfeifende Wind spielte dabei mit ihrem weißen Kleid und schmückte ihr dunkles Haar mit kleinen Ascheflocken. Sie kannte diese Säulen. Abrupt blickte sie sich um. Natürlich, sie kannte auch diese Gänge. Ihre Augen weiteten sich und sie sah dass es nicht nur Steine waren, die sich spitz in ihre Füße bohrten, sondern auch die Überreste der Zeithüter und zeitlosen Wächter.

War sie allein? Wollte Er ihr etwas zeigen? Und wenn ja, was? Nun, wenn dann würde sie sicherlich im Raum des Orakels eine Antwort bekommen oder einen Hinweis finden. Es musste einen Grund haben, warum er sie genau hierher gebracht hatte. Zumindest sagte dies ihr Gefühl.

Ehrfürchtig und zugleich ein wenig unsicher, was sie tun sollte, ging sie weiter, bahnte sich einen Weg durch geborstenen Stein, Asche und Knochen.

 


... und am Fluss vor Lichthafen, da lag das Mädchen offenbar in einem tiefen Schlaf. Die Sonne wärmte sie und sie schien sorglos ihren Träumen zu folgen.
 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#5

Beitrag von Naheniel » Mi 19. Jun 2019, 10:19

Die Bibliothek war schnell erreicht. Dank seiner Runensteintafel, die ihm das Reisen wesentlich erleichterte, war der Weg nur kurz gewesen. Er war überrascht darüber, dass ihm Einlass gewährt wurde. Allerdings war es nur ein Gehilfe, der ihm die schweren Türen in die Bibliothek geöffnet hatte. Den großen Bibliothekaren war er noch nicht begegnet.
Was ihn in diesem Moment auch ganz recht war.
In Gedanken versunken lief er lautlos die zahlreichen Bücherregale ab und strich mit seinen Fingern über die Buchrücken. Eigentlich wusste er nicht, mit welchem dieser Bücher er anfangen sollte. 
Worauf er allerdings hoffte, war die Hilfe des einzig Wahren. Schließlich hatte dieser ihn doch auf diesen Weg geführt. Doch nichts geschah, als er Buchrücken für Buchrücken berührte und die Titel laß. Langsam stieg Zorn in ihm auf.
Er musste sie finden, diese Prophezeiung und wissen, was es damit auf sich hatte.
Was waren das für Worte gewesen?

Deine Macht wirst Du teilen.


Es war eine wirklich schwere Prüfung, die ihm auferlegt worden war.Wenn Ogrimar es als eine Verfehlung sah, dass er die Priester getötet hatte und ihm dafür diese Bürde auferlegt hatte, würde er sie annehmen. Er würde ihm beweisen, dass er die Prophezeiung finden und sie ihrem Schicksal überbringen würde um dann das Band, welches sie verband, wieder zu trennen.
Und dann würde er an Ogrimars Seite stehen und zusehen, wie die Welt wie sie alle kannten im Chaos versank und neu geboren wurde. Ganz im Namen des dunklen Herrn. 
Doch zunächst musste er endlich herausfinden, um was für eine Prophezeiung es sich dabei handelte. Und welchen Nutzen sie bringen würde. Vielleicht war sie ja auch wertvoll für die Diener des Götzengottes. Umso besser, wenn er sie schnell finden und, wenn nötig, vernichten würde.
Mit diesem Gedanken schlossen sich seine Augen und er fiel unsanft auf den kalten steinernen Boden.

Als er dort mit dem Kopf aufschlug, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein.
  

Ein dunkler, weiter Gang.
Eine Decke gestützt von mächtigen Säulen.
Rund herum war Asche, die schwarz auf ihn herabfiel. Seine Hände hoben sich prüfend in die Dunkelheit, doch war nichts da, was er greifen konnte. Er blickte hinter sich, doch auch da nur ein endlos scheinender Weg voller Säulen.Wo war er gelandet? Diesen Ort hatte er niemals zuvor gesehen. Er war irgendwie … anders.
Als würde er die Weisheit, die Geheimnisse und alles Wissen dieser Welten in sich tragen.
Und es war wieder nur Stille um ihn herum. Er atmete tief ein und aus, wodurch die schwarze Asche, die schon fast wie Schnee erschien, vor seinem Gesicht zu tänzeln begann.
Als er dem Weg folgen wollte, bemerkte er dunkle Fußabdrücke auf dem Boden. Eine genauere Untersuchung jener ergab, dass sie aus Blut gezeichnet waren. Er neigte seinen Kopf etwas zur Seite und strich mit seinem Zeigefinger über einen der Abdrücke. Es war frisches Blut. Und die Fußabdrücke, sie waren so winzig. Kleiner als die eines erwachsenen Menschen. Was hatte das alles zu bedeuten? 
Verwirrt ging er einige Schritte den Säulengang entlang, bis er in der Ferne einen Schatten ausmachte. Es war nur schwer zu erkennen, um was es sich handeln konnte, zu dicht war der Ascheregen und zu schnell bewegte sich das Wesen vor ihm fort.
Ihm kam es vor, als würde er sich durch einen zähen Brei bewegen, kaum in der Lage, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Doch je mehr Schritte er tat, desto unebener wurde der Boden. Als er das Gleichgewicht zu verlieren drohte, sah er nach unten auf seine nackten Füße.
Unter diesen befanden sich weiche Körper, die ihm nicht viel Halt boten.
Viele unbekannte Körper, mit vor Schreck verzerrten Gesichtern und verbrannten Leibern und es roch nach verbranntem Fleisch.
Doch er wollte sich nicht beirren lassen und ging immer weiter und weiter, nicht ohne hier und da ins Schwanken zu geraten.
Denn er musste es sehen, musste sehen, was das Wesen vor ihm war. Aus der Ferne hörte er ein zögerliches "Hallo?", welches die bald schon unerträgliche Stille um ihn herum zerschnitt. 

Noch viel zu weit war sie entfernt, dennoch streckte er die Hand aus, gar so, als würde er sie dadurch greifen können.
Aber er griff nur in die heiße Asche, die nach wie vor auf ihn und auf die Leiber unter ihm herabfiel. 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#6

Beitrag von -Freya- » Sa 22. Jun 2019, 20:14

Die Sonne zog ihren Weg, langsam aber stetig über den Himmel und mit ihr wanderten ebenso die Schatten, welche ringsherum von den Bäumen herab auf das schlafende Mädchen geworfen wurden.

Das Mädchen in ihrem Traum... 

 


Freya wusste, es war ein Traum und doch irgendwie auch nicht. Immerhin wusste sie dabei, das sie schlief  und sowas wusste man doch eigentlich nicht, wenn man träumte, oder doch?  Nichtsdestotrotz erschien ihr alles auf unheimliche Weise real und sie spürte eine tiefe Leere in sich, so als hätte alles um sie herum sie verlassen. So als wäre sie vollkommen allein. Ein beklemmendes Gefühl, welches sie antrieb einen Weg hinaus aus diesem Traum zu finden.

Sie legte ihre Hand an eine der geborstenen Wände, liess ihre Finger sanft über den Stein fahren, während sie intuitiv jenem Pfad folgte, den sie trotz ihrer jungen Jahre bereits schon einmal beschritten hatte. Dorthin, wo sie ihr Leben in die Hand des einzig wahren gelegt hatte.
 
Es ergab doch keinen Sinn oder doch? Schritt für Schritt legte das Mädchen durch diese Totenlandschaft zurück, welche sie als den Pfad des Orakels wiedererkannt hatte, zurück.  Einen Weg, den sie dieses Mal vollkommen alleine beschritt.


Mühelos, da sich weder Wächter noch Wände sich ihr in den Weg stellten, erreichte sie die Stufen, welche zur letzten Kammer führten. Jenem schicksalsträchtigen Ort, an dem die Götter den würdigen ein Stück ihrer Macht verliehen.
 
Doch je näher sie diesem zentralen Punkt der Macht gekommen war, desto mehr schlich sich ein mulmiges Gefühl in ihren Bauch. Ein Gefühl, dass sie nicht das sehen würde, was sie hoffte. Ihre kleinen Hände ballten sich zu kleinen Fäusten und sie nahm schnell einen tiefen Atemzug, um den Mut zu finden den Stufen zur Kammer zu folgen, egal, was sie dort erwarten würde. Denn diese Träume hatten stets einen Sinn, eine Botschaft und nur wenn sie ihnen bis zum Schluss folgte, konnte sie aufwachen.
 
Stufe für Stufe ging sie vorwärts. Ein widerwärtiger Geruch stieg dabei in ihre Nase. Etwas süßlich, vielleicht auch metallisch. So genau konnte Freya das nicht wirklich sagen. Es war auf jeden Fall eklig und schien mit jedem Schritt intensiver zu werden.
 
Als sie den Treppenabsatz erreicht hatte, stolperte Freya jedoch beinahe rückwärts und ein stummer Schrei kam über ihre Lippen, während sie ihre Augen weit aufriss.
 
"Nein, nein, nein, Morri... " erschrocken eilte sie vorwärts und beugte sie sich über die schwarze Seraphim, welche am Boden lag.
 
Sie, Lieblingstante, welche ihr das Schreiben beigebracht hatte. Die, die sie so vieles gelehrt hatte und die doch mit ihr zusammen noch das Drachenei ausbrüten musste. Nein!
 
"Morri... !!" rief sie, während sie verzweifelt versuchte ein Lebenszeichen auszumachen. Doch da war nichts. Kein Herzschlag, kein Atemhauch. Hilflos blickte sie sich um. War es das was er ihr androhte? War es das, was er meinte, er würde ihr alles wieder nehmen? Schwer schluckend blickte sie nun auf die anderen Körper, welche mit aufgeschlitzten Kehlen in einem Meer aus Blut lagen.
 
 "Chaos..." flüsterte sie leise. "Sloan..." Der Schmerz an ihren Füssen schien bei dem Anblick vollkommen vergessen, während sie fast schon paralysiert an ihnen vorbeiging.  "Opa.... Ellà...." Freya wollte die Augen schließen. Nein sie wollte das nicht sehen. Sie hatten nichts getan, sie alle waren treu ergeben. Wieso sollte das geschehen? Warum nur? Sie tat doch auch was er verlangte? Sie wollte am liebsten aufwachen, sie wollte das nicht sehen. Und doch hielt etwas sie hier fest. Vielleicht gar ihr eigener Wille, um in Erfahrung zu bringen, was geschehen war, oder würde oder was auch immer.
 
Wie eine bittere Medizin schluckte sie bei dieser Erkenntnis ihre Tränen hinunter. "Es ist nur ein Traum... " sagte sie sich selbst und versuchte die Leichen auszublenden, um den Weg zu Ende zu gehen. und eine Antwort  auf das warum zu bekommen. Doch das Beste kam bekanntlich meistens zum Schluss. Leise flüsterte sie die Namen vor sich her, um vielleicht irgendwo oder irgendwie eine Botschaft zu finden oder einen Hinweis. Einer nach dem anderen kam über ihre Lippen... "... Verlion... Shaya..." bis gedanklich fast jeder, den sie kannte von der gedanklichen Liste verschwunden war. Jeder bis auf....
 
Sanft drang der Fackelschein vom Inneren es Raumes des Orakels zu ihr und spiegelte sich auf der Oberfläche des nassen dunkel verfärbten Marmors wider.
 
Vor ihr lag die allerletzte Kammer und inmitten des Raums lagen drei Körper. Doch soweit kam sie nicht, denn der letzte Name auf ihrer Liste lag bereits direkt vor ihr an der Schwelle. Wer immer nun auch immer die drei im Inneren des Raumes sein mochten, dies spielte in diesem Augenblick keine Rolle mehr, auch wenn ihr erster Blick auf jene gefallen war.  ~Ich kann Dir alles nehmen, was Dir gegeben wurde~  hallte es in ihren Gedanken wider.
 
Mit glasigen Augen beugte sie sich über die Frau, welche mit weit aufgerissenen Augen direkt vor ihr lag und deren dunkelgrüne Robe überall Flecken ihres eigenen Blutes trug. "Tante Tanuri!... nein.. nicht auch Du.. ..."
 
Freya wusste, dass jene ihr etwas bedeutete, egal wie harsch und ungerecht sie manchmal zu ihr war. Immerhin war sie ihr Vorbild, jene, die sie auf den Weg geleitet hatte. Aber der schwere Stein, der nun auf ihrem Herz lastete, zeigte ihr erst wie viel es wirklich war.  Nein das konnte nur ein schlimmer Traum sein. Tanuri war doch mehr als gottesfürchtig.  Das Mädchen kniete sich neben sie, wobei es ihr gleich schien, dass der Saum ihrer weißen Robe sich tief rot von wie Blut verfärbte.

Sanft hob sie ihren Kopf an, welcher sich schwer und schrecklich wirklich anfühlte, um diesen behutsam auf ihrem Schoss zu betten. Auch dabei ignorierte sie das Blut, welches aus der offenen Kehle der Tante sickerte, aber dieses Mal wusste sie ohne den Herzschlag prüfen zu wollen, dass auch sie tot war. Liebevoll strich Freya ihr über die Wange, welche sich eiskalt unter ihrer Hand anfühlte. Das Brennen in ihren Augen erschien ihr fürchterlich, doch sie erlaubte sich nicht zu weinen, während sie hinauf in den blutroten Himmel blickte. Es war ein Traum, eine Warnung, doch wovor. Sie tat, wie ihr gesagt worden war. Hatte bisher ohne Fragen zu stellen oder es anzuzweifeln mit den Konsequenzen gelebt und sich diesen gestellt.  "Wieso?" flüsterte sie leise, fast als würde sie auf eine Antwort hoffen.

 

 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#7

Beitrag von Naheniel » Di 25. Jun 2019, 20:57

Sein Weg führte ihn immer weiter über die Körper der Toten. Wieviele es wohl waren, über die er mit festem Schritt hinweg trat? Hier und da trat er einen Kopf unsanft zur Seite, wenn ihm dieser im Weg lag. Denn er hatte es eilig, er musste dem, was vor ihm war, näher kommen. Undeutlich und dumpf durchbrach ihre leise Stimme die Stille und immer noch, aus einer schier unendlich scheinenden Ferne, sah er, wie sie sich zu den Körpern am Boden herabbeugte.
Er warf hingegen nur einen achtlosen Blick auf die Toten unter seinen Füßen. Es waren immer wieder die gleichen sich wiederholenden Gesichter. Als er nun genauer hinsah, erkannte er in ihnen seine Mitstudenten aus der Priesterschule.
Aber sie hatten ihm nie etwas bedeutet, weshalb er nicht verstand, weshalb sie nun seinen Weg säumten.
Vielleicht als eine eindrückliche Erinnerung an die Worte Ogrimars?
Noch in Gedanken stolperte er über das dürre Gesicht des Hohepriesters, welchen er so ohne Skrupel erwürgt und in seinem Zimmer zurückgelassen hatte. Doch auch das löste keinerlei Reaktion in ihm aus. Sie alle hatten sich schuldig gemacht. Schuldig daran, das Wort des dunklen Gottes zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen.
Wütend trat er auch gegen dieses Gesicht, doch er trat ins Leere.
Fast schon hatten ihn die ständig wiederkehrenden gleichen Gesichter von seinem eigentlichen Vorhaben abgelenkt. Als er sich suchend umsah, musste er erkennen, dass die Person vor ihm verschwunden war. Er begann zu rennen, lief und lief, immer weiter den Säulengang entlang. Doch dieser nahm kein Ende. Immer wieder aufs Neue wiederholten sich die toten Körper unter ihm, immer wieder lief er an den Säulen vorbei, ohne, dass vor ihm die Gestalt wieder auftauchte.
Rasender Zorn machte sich in ihm breit.
Was sollte das für ein Spiel sein?
Sollte er am Ende doch zum Narren gehalten werden?
Vielleicht war es gar eine Falle des Götzengottes, der ihm seinen Verstand rauben wollte aus Angst, er würde es schaffen, dem dunklen Herrscher den Weg in die Welt zu ebnen damit dieser das Chaos und das Verderben bringen konnte, aus der die Welt wieder neu auferstehen konnte.
Wiedergeboren werden konnte.
Wenn es so sein sollte, dann würde er mit allem was er zu bieten hatte dagegen aufbegehren. 
Sollte es wiederum ein Teil Seiner Prüfung für ihn sein, dann würde er nicht ermüden dabei, sie zu bestehen. Er würde seinen eisernen Willen demonstrieren, keine Angst und kein Zögern zeigen.
Aber der Weg wollte nicht enden. Kraftlos ließ Naheniel sich auf seine Knie sinken und schlug wütend mit seinen geballten Fäusten auf die am Boden liegenden Körper ein. Immer und immer wieder, bis seine Knöchel blutig waren. Die Körper blieben jedoch wie sie waren, verbrannt zwar, aber von seinen Schlägen unversehrt. 
Als er sich seine Hände besah, zerfielen die Leichen plötzlich zu schwarzer Asche. Nur ein Körper lag inmitten des Raumes, nur eine Armlänge von ihm entfernt. Immer noch auf Knien und einer völligen Erschöpfung nahe, rutschte er zu dem Körper hin. Er war wesentlich kleiner und zierlicher als die, die davor hier gelegen hatten und war gekleidet mit einer weißen Robe.
Das Gesicht konnte er nicht erkennen, da es bedeckt von einer schwarzen Haarpracht war, welches sich wie fließendes Lava um das Gesicht legte.

Jegliche Bemühungen das Gesicht von den Haaren zu befreien, wurden zunichte gemacht von noch mehr Haaren. Egal, wie viele er schroff beiseite strich, es war ihm unmöglich, das Gesicht freizulegen. Zornig packte er die Schultern des kleinen Körpers und zog ihn näher an sich heran. Erst da bemerkte er, eine mit Gold verzierte Klinge im Bauch des Mädchens. Mit einem Ruck zog er sie heraus um sie genauer zu untersuchen.
In diesem Moment begann der Körper Flammen zu fangen und brannte lichterloh in seinen Armen. Das schwarze Haar versengte in einem Feuerball, doch noch bevor er nun das Gesicht im Feuer erkennen konnte, war nichts mehr, außer der knöcherne Schädel, davon übrig.
Nur der Dolch befand sich nach wie vor in seinen Händen und ein stechender Schmerz in seinem Nacken erinnerte ihn an das Mal, welches Er als Erinnerung an die Begegnung hinterlassen hatte und die brennenden Narben auf seinem Rücken, welche er selbst an sich hinterlassen hatte um ihn stets an seinen Glauben und seine Treue zu erinnern.
 

Naheniel deutete dies als eindeutiges Zeichen. Als Zeichen dafür, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Er musste nur durchhalten. Also erhob er sich. Die Erschöpfung die sich bis eben noch bleiern auf seine Schultern gelegt hatte war abgefallen. Er schritt den Weg der Säulen entlang, bis ihn endlich eine Treppe in den nächsten Raum führte. Nichts war mehr zu sehen, keine Leichen, keine Asche. Nur die blutigen kleinen Fußabdrücke am Boden unter ihm. Also folgte er ihnen, Schritt für Schritt näherte er sich dem Raum des Orakels. Doch noch davor sah er an der das zierliche Mädchen, wie es an der Schwelle zum nächsten Raum kniete und ihr Körper leicht bebte. Mit vorsichtigen, lautlosen Schritten näherte er sich ihr.
Auch sie hatte schwarzes fließendes Haar, welches ihr Gesicht verbarg. Je näher er ihr kam, desto kälter wurde der Griff des Dolches in seiner Hand. Fast schon unerträglich war die Kälte, die der Griff auf seiner Hand hinterließ, als er direkt hinter ihr stand. Aber er durfte keine Schwäche zeigen, er musste den Schmerz aushalten. Für ihn und vor allem, für sich selbst.
 
Das Kind unter ihm schluchzte, aus einem für ihn nicht erkennbaren Grund. Um die beiden herum war nichts außer der Marmor zu ihren Füßen und die Fackeln, die den Raum spärlich beleuchteten. Aus der Entfernung sah er einen Mann langsam auf sie beide zuschreiten. Aber war es überhaupt ein Mann? Von der Statur her ja, doch war er so vieles mehr, das spürte er sofort. Er musste sich von seiner Faszination losreißen, musste sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

So beugte er sich hinab und griff mit seiner freien Hand nach dem schmalen Handgelenk des Mädchens um sie herumzudrehen. Um sie zu erkennen und ihr, so wie es ihm gezeigt worden war, den Dolch in den kleinen Körper zu rammen. Denn nur so konnte man das soeben Geschehene interpretieren. Sie musste durch seine Hand getötet werden.
Aber als er sie berührte, begann die Szenerie um ihn herum zu verschwimmen. Ihr Gesicht entglitt ihm und verwandelte sich zu schmelzendem Wachs. Der Raum verdunkelte sich immer mehr, der Mann, der soeben noch auf sie zugeschritten kam, wurde eins mit der Schwärze des Raumes. Einzig und allein ihr Handgelenk verblieb in seiner Hand, welches er jedoch erschrocken losließ, als an dessen Unterseite das gleiche Mal aufflammte, welches in seinem Nacken gezeichnet war und welches er bisher nur undeutlich in einem Spiegel gesehen hatte. Völlig ungewiss seiner Bedeutung.
 


Als er die Augen öffnete lag er auf dem Boden der Bibliothek. Einer der Bibliothekare hatte sich mit sorgenvollem Gesicht über ihn gebeugt und ihm soeben kaltes Wasser über seinen Kopf geschüttet. Ein zornerfüllter Schrei war durch sämtliche Räume der alten Bibliothek zu hören. Seine Chance... hier war sie gewesen. Zerstört von einem Taugenichts. Voller Wut in sich, versuchte er auf die Beine zu kommen und bemerkte dabei erst, dass er immer noch den Dolch in seiner Hand festhielt.
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#8

Beitrag von -Freya- » Do 27. Jun 2019, 14:52

*doppelt gepostet - daher einmal gelöscht*
Zuletzt geändert von -Freya- am Sa 29. Jun 2019, 21:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#9

Beitrag von -Freya- » Do 27. Jun 2019, 14:52

Es blieb ein Traum und dennoch, spürte das Mädchen, wie jemand ihre Hand packte. Ein eiserner Griff, der sie zwang sich zu jenem herumzudrehen. Noch immer rannen stumme Tränen über ihre Wangen, doch vielmehr aus Zorn, aus Wut oder auch Trotz, denn sie erwartete nicht weniger als eine Antwort auf ihre Frage, nachdem sie doch alles getan hatte, was man von ihr verlangt hatte. Wieso?! Warum sollten sie alle sterben?

Doch bevor sie etwas entgegnen konnte oder gar eine Antwort von ihrem Gegenüber bekam, löste sich bereits der Griff um ihr Handgelenk und jene Gestalt verschwamm mit der Dunkelheit, welche sich über sie legte. Nur kurz konnte sie im matten Lichtschein noch blondes Haar erkennen und im Schatten dessen ein furchteinflößendes Glimmen in den Augen ihres Gegenübers, bevor er vollkommen in  der Dunkelheit verschwand. Das konnte doch nicht wahr sein. Aufgebracht wandte sie sich in der Finsternis herum. Er war weg. Oder sie.. oder was auch immer es gewesen war.

"Warst Du das?" fragte sie unbedarft hitzig ins nichts hinein, als würde sie jemanden irgendwo in dem Nichts um sie herum vermuten, der ihr darauf antworten würde . Doch noch während sie sich um ihre eigene Achse drehte, auf der Suche nach diesem Jemand, tat sich der Raum in einem schummrigen Licht wieder vor ihr auf. So als habe jemand die Fackeln nach und nach entzündet konnte sie den Raum in seiner Ehrfurcht gebietenden Perfektion wieder erkennen. Unversehrt und auch die Toten schienen fort.  "Vielleicht bin ich ja unwürdig, weil ich das nicht verstehe, aber was hat das mit Tanuri und den anderen zu tun. Was verlangst Du? Was soll ich tun?"

Vor ihr trat das Orakel aus den Schatten. Kurz senkte das Kind den Blick demütig in Ehrfurcht vor jenem. Sollte sie nun doch eine Antwort bekommen? Hatte man sie doch wahrgenommen? Ruhig ging sie einen Schritt vor, dann einen weiteren, bevor sie plötzlich stehen blieb. "Keinen Schritt weiter! Du solltest nicht hier sein... " erklang es düster und gleichzeitig warnend in ihren Gedanken. Worte, von denen Freya wusste, dass sie nicht von dem Orakel kamen. Doch war es nicht die körperlose Stimme, welche sie plötzlich und abrupt innehalten liess, sondern ein gleißender Schmerz, der sie sogleich daraufhin durchfuhr.


Ihr Blick senkte sich langsam und mit weit aufgerissenen Augen hinab, während das warme Licht um sie herum langsam einer erneuten Finsternis wich. Einer Finsternis, die sie auf die Knie zwang,. Ihre Hände legten sich auf ihren Bauch und sie konnte in den Schatten und unter ihrem eigenen Blut nur kurz den Blick auf dein Griff eines goldenen Dolches erhaschen, bevor die Welt um sie herum vollkommen verschwamm.

 




Die Sonne neigte sich bereits in Richtung des Horizonts, als Freya erwachte.  Erschrocken über das, was sie gesehen hatte, fuhr sie hoch und setzte sich aufrecht hin. Ihr erster Blick galt dabei ihrem Bauch, denn sie konnte noch immer spüren, wie der Dolch sie durchbohrt hatte. Aber da war kein Dolch, kein Blut, so dass sie erleichtert aufatmete und kurz die Augen schloss, um sich von dem Schreck zu erholen. Es hatte sich so wirklich, so real, aber gleichzeitig alles andere als richtig angefühlt.

Würde das alles geschehen, wenn sie sich seinem Willen widersetzte? Wenn sie es wagen würde vor das Orakel zu treten, um sein Geschenk zu empfangen? Und wem gehörte die Hand, welche sie so harsch herumgerissen hatte.

So viele Fragen. Aber wem sollte sie diese stellen? Wen nach der Bedeutung des ganzen fragen? Kurz fuhr sie sich durchs Haar als eine gelöste Strähne in ihr Gesicht fiel. Die Erwachsenen würden sie doch sowieso nicht ernst nehmen. Ganz sicher nicht.  Und der Opa, der so nett war, war nicht aufzufinden. Das war doch einfach zum verrückt werden. Ihre Hand griff gedankenverloren nach einem Kiesel, der im Gras lag und den sie nachdenklich in ihrer Hand herumdrehte. Was war denn mit ihrer Hand. Sie war ganz grau, als hätte sie in Asche gefasst. Wo kam das her... 

Erschrocken warf sie den kleinen Stein in den Fluss, während sie an diesen selbst herantrat, um ihr Spiegelbild in der Wasseroberfläche zu betrachten.  Vorsichtig hockte sich das Mädchen an den Rand des Ufers und blickte auf den schillernden Fluss, ihr eigenes Abbild zu sehen. Sie war unversehrt, Ogrimar sei Dank, aber da waren überall kleine Flocken auf ihrem Haar, so als hätten Schneeflocken sich auf ihren Kopf gesetzt.  Mit weit erschrockenen Augen schaute sie auf ihr Ebenbild, während die Kreise, welche der Stein auf der Oberfläche des Wassers hinterlassen hatte, dieses erreichte und es bereits verzerrte. Asche. Sie hatte schon öfter geträumt, aber niemals hatte es Spuren hinterlassen.

Aber würde das den Tanten ausreichen. Nein ganz bestimmt nicht. Vermutlich wäre in deren Augen alles nur eine Ausrede dafür, dass sie herumlief wie ein Dreckspatz.

Schnell wusch sie sich den grauen Film von ihren Händen, um die Spuren zu beseitigen, bevor jemand sie so sah. Es war schon hart genug, sich bislang der zweiten Wiedergeburt zu entziehen. Noch mehr Ärger um ihre kleine Person, und Tanuri würde sie bestimmt ins Waisenhaus bringen. Nein, sie musste das alleine irgendwie hinbekommen. Und wenn sie alle auf Abstand hielt, vielleicht  würde dann auch keiner dort sterben. Noch während sie den Dreck von ihren Fingern abperlen liess, traf sie eine Entscheidung.


Es gab nur einen Weg oder einen Ort, um Antworten zu finden. Entschlossen stand sie auf und blickte kurz auf die Wasseroberfläche, wo der Stein versunken war, bevor sie nach ihrer Tasche griff und sich auf den Weg machte, um die Vorbereitungen dafür zu treffen.
 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#10

Beitrag von Naheniel » Sa 29. Jun 2019, 15:09

Sein Kopf dröhnte, gar so, als hätte er des Nachts zuvor zu viel vom Met gekostet. Und doch war er ganz klar. Das was er da gesehen hatte, dieses Kind vor sich auf dem Boden. Das Mädchen, welches das gleiche Mal trug. Er strich sich mit einer Hand über den Nacken, was den Bibliothekar besorgt fragen ließ, ob denn alles in Ordnung mit ihm sei. Naheniel hatte seine Anwesenheit schon fast wieder vergessen. Er könnte ihm nun in seiner gewohnt fahrigen Art antworten. Aber gerade jetzt würde er die Bibliothekare und das, was sie behüteten, noch dringender brauchen als zuvor. Er musste herausfinden, wo er sich bis vor wenigen Minuten noch befunden hatte. Seine Hoffnung war, dass er dort auch dieses Mädchen finden würde.
Wenn sie es war, mit der er „verbunden“ war, wie es ihm gesagt wurde, dann würde sie vielleicht auch wissen, was es mit dieser Prophezeiung auf sich hatte. Also legte er ein betont freundliches Lächeln auf und sagte: „Nein, alles in Ordnung. Ich muss wohl kurz das Bewusstsein verloren haben. Es muss an diesem Wetter liegen..“
Bei seinen Worten ließ der den Dolch in seiner Hand unauffällig in einen Beutel an seiner Hüfte verschwinden.
Der Bibliothekar nickte wissend und trat einen Schritt zurück. „Ach, wem sagt Ihr das? In meinem Alter fühlt man bereits jede kleine Temperaturschwankung. Aber Ihr seid eigentlich noch viel zu jung für so etwas... Ihr solltet mehr trinken!“
Mit diesen Worten geleitete er Naheniel in eine kleine Kammer, die recht spärlich eingerichtet war, jedoch alles beinhaltete, was man für ein Leben brauchte. Auf einem kleinen runden Tisch stand ein Krug mit klarem, kalten Wasser, welches der Bibliothekar seinem Gast in einen Becher schenkte.
„Aber jetzt erzählt mir, junger Mann, was treibt Euch in unsere Bibliothek? Der Anblick von jungen Wissenssuchern ist in letzter Zeit etwas seltenes geworden. Die Zeiten haben sich geändert, allen ist das Schnelle, das Einfache immer wichtiger geworden...“ Noch während der Bibliothekar weiterplapperte trank Naheniel einen großen Schluck von dem kühlen Getränk und dachte einige Augenblicke nach, was von den pochenden Kopfschmerzen deutlich erschwert wurde.

Dieses Mädchen in seiner Vision. Es war nicht wie gewöhnliche Visionen in denen er wusste, dass Personen die sich darin aufhielten ein Teil dessen waren, was er sehen sollte. Bei ihr war es anders gewesen.
Sie war … sie war wirklich gewesen.
Sie war nicht Teil seiner Vision, sie war die Vision.
Aber bedeutete das im Umkehrschluss, dass er auch in ihrer Vision gewesen war? Dass sie ihn gesehen hatte? Dass sie ALLE Visionen teilten? Allein der Gedanke daran, ließ Übelkeit in ihm aufkommen. Das konnte nicht sein, nein, es durfte nicht sein. Er war mit Ihm verbunden gewesen, so lange wie er zurückdenken konnte. Es war seine Bestimmung gewesen, die Wünsche seines Herrn zu sehen und ihnen zu gehorchen.
Aber vielleicht war es auch gar nicht Sein Wille, dass dieses Kind, dieses kleine unwürdige Kind, dass noch nicht einmal zu einer Frau herangewachsen war, mit ihm verbunden war.

Vielleicht war dies nur eine List des Götzengottes und seinen widerlichen Dienern.
Eine List um den einzig Wahren zu schwächen.Aber wieso ein Kind? Und warum dieses Mal? Diese Kopfschmerzen! Er konnte so nicht denken. Harsch fuhr er sich mit einer Hand durch sein Haar, was den Bibliothekar in seinen Erzählungen inne halten ließ: „Verzeiht, ich rede mal wieder zu viel, nicht wahr?“ er lächelte etwas verlegen, bevor er Naheniel noch etwas Wasser nachschenkte. „Was Ihr mir noch nicht verraten habt, was führt Euch hier her?“
Was genau war es denn, das ihn hergeführt hätte? Vor der Vision war ihm das Wichtigste gewesen, herauszufinden, was die dunkle Prophezeiung bedeutete. Aber er musste vorsichtig sein. Vorsichtig mit seinem Wissen gegenüber jemandem, den er nicht kannte.
Aber etwas so subtiles, wie nach einem Ort zu fragen, das würde wohl keine Aufmerksamkeit erregen. Denn wenn er dort dem Mädchen begegnen würde, so wie es ihm die Vision gezeigt hatte, dann würde er von ihr erfahren, was er wissen wollte. Koste es was es wolle.
Bei diesen Gedanken ließ er seine Hand prüfend in seinen Beutel verschwinden um sicher zu gehen, dass sich der Dolch dort noch immer sicher und versteckt befand.
Und wenn er sich das Wissen angeeignet hatte ... dann würde er diese Verbindung trennen. 

„Ich bin auf der Suche nach alten Karten. Karten über Althea und deren Gebäude. Mir wurde einst von einem besonderen Säulengang erzählt …“ noch bevor er enden konnte setzte der Bibliothekar ein strahlendes Lächeln auf, da er sich sicher war, dem jungen Mann helfen zu konnte. 
„Säulengänge gibt es so einige. Ganz spontan würde mir die Höhle des Nomaden einfallen. Kein netter Ort, das kann ich Euch sagen... eklige kleine Biester leben dort.“ Noch bevor der Bibliothekar weitersprechen konnte, schüttelte Naheniel seinen Kopf.
„Nein, dort war sonst niemand..“
sogleich hielt er inne, als er merkte, dass der Bibliothekar verwirrt aufsah. „Ich meine, so wie es mir erzählt wurde, handelte es sich um einen recht ruhigen Ort. Und auf diesen Raum folgte eine Treppe hinab, weiter in einen leeren Gang. Nach diesem betritt man wohl einen Raum, in dem sich ein weiß gekleideter Herr befindet.“
„Aaaaaah!“ noch strahlender begann der Bibliothekar nun zu lächeln. „Ach, wieso ich darauf nicht gleich gekommen bin! Das muss einfach das Alter sein. Oder die Tatsache, dass mich noch nie jemand danach gefragt hat, weil es eigentlich... Nun, jeder kennt diesen Ort als das Orakel.“ Aufgeregt stand er auf und bat Naheniel, sich kurz zu gedulden. Bereits nach wenigen Augenblicken kam er zurück mit einem recht schlanken Buch in einem unauffälligen Einband. „Hier, das ist alles, was über das Orakel niedergeschrieben steht. Es ist nicht viel, wie Euch vielleicht bereits aufgefallen ist. Das liegt daran, dass wir nicht viel darüber wissen und das Wissen, welches wir über das Orakel erlangen, nicht niedergeschrieben werden kann. Jeder der es bisher versucht hat, ist kläglich daran gescheitert. Aber einige Karten wurden aufgezeichnet … und das hier.“ Der alte Mann schlug die erste Seite auf, auf der folgendes in schwungvollen Buchstaben niedergeschrieben stand: 

 
Drum sollst Du, zu Deinem eigenen Heil,
jemanden auserwählen,
Du sollst ihm folgen, er soll Dich führen,
von hier aus Dich zu diesem ewigen Ort geleiten! 


Du wirst Verzweiflung hören,
und sehen von Schmerz gezeichnete Gesichter,
die alle ihre Unwürdigkeit beklagen. 

Aber sehen wirst Du auch die,
die zufriedendurch das Feuer wandeln,
weil die Prüfung sie bestanden.

Wenn Du zu diesen empor willst steigen,
 An dieser Stelle folgten einige unleserliche Zeilen, bevor es mit der selben schwungvollen Schrift weiterging:
Doch merke Dir, Du armer Geist,
betrüge nicht die Götter, die da herrschen,
mit falschen Bekenntnissen!
Denn sie verbieten jenen Seelen,
die ihre Gesetze missachten und sie täuschen,
ihre Städte zu betreten. 

Oh, sei da glücklich, wenn Sie dich dafür auserkoren! 


Nahezu zärtlich ließ Naheniel seine Fingerkuppen über die geschriebenen Worte gleiten. Das Orakel.
Natürlich hatte er davon gehört und gewusst, dass er eines Tages vor es treten musste um seine Treue dem Einen zu schwören.
Doch bei diesen Zeilen wurde ihm erst recht bewusst, welche Macht von dem Orakel ausging.
Es war der letzte Wächter, vor den Göttern. Und es schien durch und durch neutral zu sein.
Welch seltsamer Gedanke, dass etwas, was als letzter Schutz zwischen einem Menschen und den Göttern stand ohne jeglichen eigenen Glauben, ohne Wertung war. 
Er hatte schon fast den Bibliothekar vergessen, der immer noch neben ihm stand. „Glaubt Ihr, das ist es, was Ihr gesucht habt? Ich kann Euch dieses Buch aus hoffentlich verständlichen Gründen nicht mitgeben. Aber eine Abschrift von einigen Karten abfertigen … nun das ließe sich mit Sicherheit machen, so fern Ihr genug Zeit mitgebracht hat. Ich habe einen guten alten Freund, der ist recht gut bekannt mit einem kleinen verwöhnten Rotzlöffel, die sonst den ganzen Tag wohl nichts zu tun hat außer zu malen und Dinge abzuschreiben. Dann und wann kommt er hier vorbei und lässt sich ein wenig über die Jugend dieser Zeiten aus, sie sind einfach nicht mehr so gelehrig wie einst... Bevor ich wieder abschweife, ich bin mir sicher, dass er für Euch eine Abschrift der Karten in Auftrag geben würde... und das Kind... ein ehemaliges Straßenmädchen wenn ich nicht irre, freut sich bestimmt über den ein oder anderen Goldtaler.“
Naheniel erhob sich und lehnte das Angebot mit einem schroffen Wink ab.
Das war nicht nötig. Der Weg hatte sich in sein Gedächtnis gebrannt. Außerdem war er nicht auf die Räume selbst aus, sondern viel mehr auf das, was sie beinhalten würden.
Dafür würde er keine Kritzeleien von einem unbedeutenden Kind benötigen. Er hatte alles bei sich, was er benötigte. Fast schon unhöflich bedankte er sich bei dem Bibliothekar und ließ diesen sichtlich ratlos zurück, als er sich zielstrebig in Richtung des Herzes des Schicksals begab. 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#11

Beitrag von -Freya- » Mo 1. Jul 2019, 21:40

Mit schnellen Schritten eilte Freya zurück in die Stadt, auch wenn ihre Füße fürchterlich schmerzten und mit jedem Mal, da sie den Boden berührten, hinterließen sie das Gefühl sie würde über Scherben laufen. "Au, verdammt..."

Kurz verzerrten sich ihre Gesichtszüge von dem unangenehmen Schmerzen, die sie so gut es ging zu ignorieren versuchte. Relativ unauffällig verschmolz sie in der Menschenmenge der Straßen, da ihr aschgrauer Aufzug sie nun nur wie eines der vielen Straßenkinder aussehen liess. So eilte Freya ein wenig humpelnd kurzerhand durch die Gassen bis zum Haus der Legion.  

Leise öffnete sie die Tür und versuchte sich möglichst lautlos über den Flur hinweg zu ihrem Zimmer zu schleichen. Vorsichtig spähte sie über den Flur. Doch die Tanten konnte sie nirgends sehen, was erleichternd war, denn so musste sie nicht nach Ausreden suchen und ihnen eine Lüge auftischen, denn einer solchen würden sie sicher eher Glauben schenken, als der Wahrheit selbst. Was frustrierend genug erschien.

Freya warf ihre Tasche auf ihr Bett, bevor sie sich selbst auf den Boden plumpsen liess und eilig ihre Stiefel auszog. Na große Klasse.  Nun da sie ihre blutigen Fußsohlen sah, taten diese noch mehr weh. Aber sie musste doch Antworten finden. Wer wusste, was passieren würde, wenn sie das nächste Mal einschlafen würde. -Oh!- Erschrocken über die Möglichkeiten schluckte sie schwer. Nein, sie musste zum Orakel und Antworten finden, wie das aufhörte. Was sie tun konnte oder eben falsch gemacht hatte. Sie musste es erfahren, ehe der Dolch in ihrem Bauch selbst vielleicht noch real werden würde.

Vorsichtig stand sie auf und hob die Waschschüssel und das saubere Tuch, welches daneben lag hinunter auf den Boden. Sorgsam tauchte sie das Tuch in das kühle Wasser und fuhr damit über ihre Füße, nur um festzustellen, dass überall kleine Einschnitte waren. Das konnte unmöglich ein Traum gewesen sein, stellte Freya abermals für sich selbst fest. Immerhin, wie sonst konnten sie ihre Füße von Schnitten übersäht sein, obwohl sie ihre Schuhe nicht ausgezogen hatte? Aber wenn es keine Einbildung gewesen war, wer ... wer war dann dieser jemand gewesen, der versucht hatte sie zu töten und wieso?

Noch während sie ihre Füße betrachtete, klopfte es an ihre Tür. "Freya?" hörte sie die warme Stimme von Mila, der guten Seele des Haues, welche sich darum kümmerte, dass saubere Wäsche im Schrank lag und das Essen auf dem Tisch stand. Zu jener huschte sie in der Regel nach ihrem Unterricht beim Hüter und aß für gewöhnlich etwas Vernünftiges und löcherte sie mit Fragen, bevor sie zu ihrem Unterricht zurückkehrte. Heute jedoch hatte sie wohl komplett die Zeit vergessen. Verflucht noch eins.


"Moment Mila... " schnell stand sie auf und wollte geschwind alles unters Bett schieben, bevor sie zur Tür gehen würde, als diese sich bereit öffnete. „Wo warst Du denn, Kind? Der Hüter ist auch schon ganz aufgelöst..."  fragte sie ein wenig streng, doch die Erleichterung, dass das Mädchen da war, schwang dennoch in ihrer Stimme mit, bis sie sich umsah und die Schale mit dem rötlichen Wasser und das blutige Tuch entdeckte.  "Bei seiner dunklen Lordschaft. Was hast Du denn da angestellt Kind?!" fragte sie nun sorgenvoll, wobei die Strenge in ihrer Stimme verschwand.

Nicht schnell genug konnte sie die Sachen unter das Bett schieben, so dass sie nur unschuldig zu Mila aufsah, als könne sie kein Wässerchen trüben.

"Nix . Es ist alles gut. Das bekomm ich schon hin." antwortete Freya, als ob wirklich nichts gewesen sei. Aber die Fußspuren, die sie auf dem Boden hinterlassen hatten, weckten in Mila ein anderes Gefühl. "Das sehe ich, Kleines. Setz Dich aufs Bett und lass mich mal sehen." antwortete jene mit deutlichem Nachdruck in der Stimme, der bereits aussagte, dass sie keinen Widerspuch Freyas zulassen würde.  Seufzend setzte Freya sich daher auf ihr Bett, wo Mila die Beine der kleinen anhob,  um unter ihre Füße zu schauen.

"Beim dunklen Vater, wie hast Du das denn nur wieder angestellt... " murmelte sie prüfend, bevor sie sich wieder aufrichtete und das Mädchen ansah.

"Warte kurz, ich hole ein wenig Salbe" Schnell eilte die ältere Frau los, während Frey überlegte, ob sie sich einfach davon stehlen sollte, bevor jene zurückkam. Immerhin würde sie es bestimmt den Tanten petzen und ebenso wahrscheinlich würde Mila sie nicht zum Orakel gehen lassen. Gerade wollte sie von der Matratze rutschen, als jene doch wieder mit wehenden Röcken und einem Salbentopf in den Händen zurück ins Zimmer geeilt kam. "Junge Dame, egal was Du vorhast, so gehst Du nirgendwo hin." Mit einem Schmollmund saß  Freya auf dem Bett, während die Frau nun vor ihrem Bett kniete und ihre Fußsohlen fachmännisch säuberte und versorgte. "Bist Du durch einen Scherbenhaufen gelaufen?" fragt sie derweil, um dem Kind zu entlocken, was für einen Unsinn es wohl angestellt haben mochte. "Nein über Knochen Mila." kam es abrupt über ihre Lippen. "Hach Kind." seufzte Mila, welche nebenher das Tuch weglegte und die kleinen Einschnitte mit Salbe versorgte. "Knochen, natürlich." fügte jene ungläubig an, da sie eher vermutete, dass Freya irgendwo etwas runtergeworfen hatte und dann in ihrer Panik beim Verwischen der Spuren mitten durch die Scherben gelaufen sein musste. "Ja wirklich und da war Asche und alle waren tot." versuchte das Mädchen zum ersten Mal sich jemandem anzuvertrauen. Doch wie nicht anders erwartet liess Mila sie nicht weiterreden, sondern  schüttelte nur schmunzelnd mit dem Kopf über die Fantasie des Kindes. "Du musst einfach besser aufpassen, Freya. Wenn Lady Tanuri das mitbekommt, dann gibt es ein Donnerwetter. Und erst recht, wenn sie erfährt, dass Du eigentlich beim Hüter hättest sein müssen, um zu lernen."

Aufpassen, klar. Sie würde nächstes Mal, wenn sie einschlief, darauf aufpassen, was sie träumte. Aber das konnte sie ja nicht so sagen. Mila glaubte ihr das ja mit den Knochen schon nicht, von daher würde sie den Rest auch als Spinnerei abtun. "Sag es nicht Tanuri. Es passiert sicher nicht wieder. Versprochen!" entgegnet sie stattdessen mit reumütiger Miene, obwohl sie wusste, dass es durchaus jederzeit erneut geschehen konnte. Zumindest solange, bis sie eine Antwort darauf hatte, wieso, warum und weshalb.

"Nein. Das bleibt unser kleines Geheimnis, Freya."  bekam sie zur Antwort, auch wenn der Blick  beim Anblick der vielen kleinen Einschnitte weich geworden war, so ruhte dennoch etwas Tadelndes in ihm. "Ausnahmsweise. Und nun wasch Dir mal den Dreck aus dem Gesicht und zieh Dir etwas sauberes an." Das Mädchen nickte zustimmend, unsicher, ob sie glaubwürdig wirkte, denn eigentlich lag es ihr mehr als fern die Erwachsenen so schamlos anzuflunkern, aber sie hatte keine andere Wahl. "Ich wasche sie später, bevor die Herrschaften etwas sehen."

"Danke..." lächelte Freya mit ihrem unschuldig wirkenden Zahnlückenlächeln, bevor Mila sie erstmal wieder alleine liess. Als die Tür ins Schloss fiel,  hüpfte sie vom Bett und versuchte aufzutreten. Das fühlte sich schon etwas besser an. Auch wenn es noch immer weh tat, aber es war auszuhalten. Schnell machte sie sich sauber, kämmte sich die restliche Asche aus dem Haar und streifte sich eine neue Robe über, bevor sie das dreckige Zeugs unter ihr Bett schob, damit es nicht jedem gleich ins Auge fiel. Dann folgten die Stiefel. Ganz vorsichtig zog sie jene über und schnürte sie zu. „... das geht...“ murmelte sie zu sich selbst, auch wenn es etwas drückte, da Mila ihr ihr um die eingesalbten Füße ein dünnes Tuch gebunden hatte.

Fast lautlos drückte  Freya die Tür auf und steckte ihren Kopf durch den Spalt, um zu sehen, ob die Luft rein war, wobei sie erleichtert feststellte, das weder Mila noch sonst irgendjemand zu sehen oder hören waren. So trat sie leise und auf Zehenspitzen hinaus. Nur das, was sie am Körper trug dabei, huschte sie über den Flur hinweg zur Tür, die nach draußen auf die Straße führte. Kurz  nur drehte sie sich herum, blickte auf den Gang. Es war sicherlich falsch, aber sie musste ihrem Gefühl folgen. Auch wenn sie jemanden um Rat hätte fragen wollen würde. Es schien niemand da zu sein.

So ging Freya hinaus und machte sich ebenso zielstrebig auf den Weg, welcher sie zum Herz des Schicksals führte. Ihre Füße schmerzten, aber wenn das sie abhalten sollte, dann war es ein armseliger Versuch. Er hätte ihr auch antworten können, aber nein, stattdessen hatte jemand ihr einen Dolch in den Körper gerammt. Zwar nicht wirklich, aber trotzdem hatte sie das Gefühl, das ihren Körper dabei im Traum durchzogen hatte, nicht vergessen.

Sie zweifelte nicht an ihm, dem einen, im Gegenteil. Aber wenn er ihr diese Träume brachte, dann war es auch ihrer Meinung nach auch ihr Recht zu erfahren, was sie bedeuten sollten. Warum sie den Tod und die Zerstörung sah und weshalb er sie so konsequent vom Orakel fernhalten wollte. Warum hatte er sie ausgerechnet sie dafür auserwählt, sie ein einfaches Straßenmädchen.

Es glich einer Erleichterung, als sie die versunkenen Wälder hinter sich gelassen hatte und über die unsichtbare Brücke schritt. Kurz verschnaufte sie und zog ihre Stiefel aus, um das Tuch in jenen mit kühlem Wasser auszuwaschen, da der Marsch die Schnitte an manchen Stellen wieder aufgehen hatte lassen. Barfuß schritt sie durch das Gras und hinterließ unabsichtlich dabei feine rötliche Spuren. "Du könntest mir auch so antworten, aber nein. Das wäre zu leicht. Aber ich werde Dir schon beweisen, dass ich Deiner Antworten würdig bin.” murmelte sie fest entschlossen vor sich hin, während sie die kühlen feuchten Tücher in die Stiefel legte und sich diese wieder überzog.

Ihr Blick wanderte zu dem Schrein, wobei sich ihr Magen leicht zusammenzog und ein Gefühl des Unwohlseins sie beschlich. Aber egal, wie schlimm die Bilder in ihren Gedanken noch aufflammten, sie würde sich nicht abschrecken lassen, da sie sicher war, hier auf des Rätsels Lösung zu stoßen.


"Mein dunkler Vater. Ich würde für Dich sterben und doch wolltest Du, dass ich für Dich lebe. Mein Eid bindet mich und mein Glaube an Dich lässt mich hoffen, dass Du mir den richtigen Weg zeigen wirst und ich Antworten auf meine Fragen finden werde. So ich Deiner würdig bin."

Energisch erhob sich das Mädchen und legte die letzten Meter zurück, bevor sie sich im Herz des Schicksals wiederfand. Die ehrfurchtgebietende Macht des Orakels legte sich dabei auf seine friedvolle Art über sie und es gab nicht die geringsten Anzeichen für jene Untergangsstimmung, die sie in ihren Träumen gesehen hatte. Der Himmel war klar, das Gras und die Bäume in ihrem satten Grün. Kein Dämmerlicht, keine Asche. Nur die ausgewogene neutrale Aura jenes Ortes, der den Göttern selbst so nahe lag.

Freya folgte dem kleinen Pfad der zum Eingang selbst führte und holte den kleinen Elfenbeinschlüssel hervor. Vielleicht war es auch genau das, was er verlangte - huschte es durch ihre Gedanken. Dass sie das Gegenteil dessen tat, und dass sie allen Widerständen und Gefahren zum Trotz hierher kam und ihre Ängste und Zweifel dabei hinter sich liess, um sich so die Antworten zu verdienen.

Abermals nahm Freya einen tiefen Atemzug und ballte ihre Hände energisch zu kleinen Fäusten.  Nein sie war nicht so weit gekommen, um wieder mit sich zu hadern oder neue Fragen aufzuwerfen. Sie war hier, um den Grund für die Träume und die Warnungen zu finden, weshalb sie mit Entschlossenheit das Haus des Orakels betrat und sich auf den Weg durch die Kammern der Prüfungen machte.
 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#12

Beitrag von Naheniel » Fr 5. Jul 2019, 14:14

Der Weg durch die versunkenen Wälder war für ihn alles andere als leicht gewesen. Doch er erreichte den Strand, vielleicht mit einigen Narben mehr, doch diese würden nur beweisen, dass er für seinen Gott keine Schmerzen scheute. Es packte ihn doch ein wenig die Ehrfurcht, als er vor den Säulen stand, die ihm den weiteren Weg über das Meer wiesen. Nur noch wenige Schritte treten ihn nun vom Orakel. Lange hatte er auf diesen Augenblick gewartet. Selbstverständlich wusste er, was es bedeutete, in das Orakel einzutreten. Aber er wusste, dass es einen erst zu sich rief, wenn man vor ihm als würdig galt.
Bisher hatte ihn der Ruf des Orakels nicht erreicht. Bis zu seiner letzten Vision, als das Orakel selbst auf ihn zugeschritten kam. 

Tief sog er nun die Meeresluft ein und schloß seine Augen, als er den ersten Schritt auf das Meerwasser wagte. Das Wasser zu seinen Füßen fühlte sich wie der feste Boden an, den er so eben verlassen hatte. Und doch war es weich, als würde er sich auf einem Federkissen fortbewegen. Schon bald hatte er die andere Seite erreicht und hielt kurz inne, jedoch ohne zurückzublicken.
Er wollte keine Unsicherheit zeigen, kein Zögern in seinem Handeln. Denn er zögerte nicht und niemals war er sich einer Sache sicherer gewesen.
Und wenn seine Vision recht behielt, würde er dort diesem Mädchen begegnen. Vielleicht war sie der Schlüssel, zu der Prophezeiung, die es für ihn galt zu finden. Außerdem würde er schon bald seinem Ziel näher sein, vor seinem Gott stehen und ihm sein eigenes Leben als Opfer darbringen.

… aber was dann mit diesem Kind geschehen würde … Auf ewig würde er diese Verbindung zu ihr nicht dulden. 

 
In seinen Gedanken versunken, hatte er nicht bemerkt, wie ihn seine Füße zunächst bis ins Herz des Schicksals getragen hatten und er nun vor einem großen, beeindruckenden Gebäude stand, welches von einer hohen steinernen Mauer umgeben war. Und doch war es nur gesichert mit einer einfachen Holztüre. Als er diese genauer untersuchte, stellte er erstaunt fest, dass in ihrem Schloss ein kleiner Elfenbeinschlüssel steckte.
Offenbar hatte bereits vor ihm jemand das Orakel betreten und diesen vergessen. Aber wer würde etwas so kostbares vergessen?

Als er mit seiner rechten Hand danach griff um ihn aus dem Schloss zu ziehen, spürte er die gleiche Eiseskälte, wie sie bereits der Dolch in seiner Vision hinterlassen hatte.
Impulsiv wollte er seine Hand zurückziehen, um den eisigen, jedoch brennenden Gefühl zu entkommen, hielt dem jedoch stand und zog den Schlüssel aus dem Schloss, nachdem er die Türe nach innen aufgedrückt hatte. 
Mit einem bedrohlichen, dunklen Lächeln auf den Lippen betrachtete er nun den Schlüssel in seiner Hand um ihn sogleich vollends in dieser verschwinden zu lassen.
Der brennende Schmerz der Kälte den er dabei hinterließ, lässt ihn schon fast genussvoll aufstöhnen. 

Sie ist hier.

 Mit diesem Gedanken und noch immer diesem gefährlichen, triumphalen Lächeln auf den Lippen, betrat er den ersten Raum des Orakels.  
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#13

Beitrag von -Freya- » So 7. Jul 2019, 16:25

Entschlossen drängte das Mädchen ihre inneren Dämonen beiseite und bahnte sich den Weg durch das erste Haus des Orakels. Dabei stellte Freya jedoch erleichtert fest, dass nichts von dem, was sie gesehen hatte, durch ihr Erscheinen, eingetroffen war. Vielleicht war es wirklich nur eine Prüfung ihres Willens und ihrer Entschlossenheit. Zumindest der Gedanke daran bestärkte Freya darin wider Erwarten doch mit diesem Besuch des Orakels  vielleicht sogar das richtige zu tun. Keine gruselige Stimme, die einem eine Gänsehaut verlieh, keine zerstörten Kammern und keine Leichen. Es war alles so, wie es stets gewesen war und sein sollte. Zeitlos und unberührt.

Ein kleines Lächeln stahl sich dabei auf ihre Lippen, während ihre Fingerspitzen über die Mauern strichen, an denen sie vorbei kam. Den Weg zu finden, war nicht schwer. Nicht, wenn man ihn zuvor bereits schon einmal gegangen war und ihn kannte. Nur die Wächter des Orakels, die sich einem entgegen stellten waren noch immer eine Herausforderung, zumindest, wenn man nicht schnell genug war, die Kammern zu durchschreiten oder die Schlüssel für die Türen nicht dabei hatte.

Da sie die Prüfungen auf den Inseln bereits abgelegt hatte, hatte Freya schon einige Zeit auf den Ruf des Orakels gewartet, auf den Befehl des einzig wahren, der sie auffordern würde vor ihn zu treten.  So hatte sie auch die Schlüssel bereits allesamt gesammelt und an einem kleinen Ring in ihrem Beutel zusammengebunden sicher verstaut, wodurch sie recht schnell die letzten Tür erreichen konnte, die sie hinaus zu den Zeitwächtern führen sollte.

Ihre kleine Hand legte sich auf die Türklinke, bevor sie tief durchatmete und noch einmal kurz in sich ging. Noch immer keine Stimme, keine Trümmer, keine Toten, stellte sie erleichtert fest, während sie dennoch kurz die Augen schloss, aus dem Zweifel heraus, was sie in dem Orakelgarten erblicken würde. Ein kurzer Moment, in dem die Bilder ihres Traumes in ihren Gedanken aufblitzten, so als wären sie eine Vorahnung, eine Warnung, welche doch alsbald verloschen waren, sobald sie ihre Lider anhob.

Die Sonne kitzelte sie an der Nasenspitze und sie blickte hinter der geöffneten Tür auf das saftige Grün des Grases und die majestätischen Zeithüter in Gestalt von mächtigen Baumriesen. ~puh~  Es war alles, wie es immer sein sollte.

So trat sie hinaus in die wärmende Sonne und lächelte fast vor Genugtuung, dass nichts passiert war, bevor sie sich an den Hütern vorbeischlängelte um zu dem eigentlich Refugium des Orakels zu gelangen.

Ein nicht unbedingt weiter Weg, jedoch anstrengend genug, wenn die Baumwesen sie entdeckten. Es kostete viel an Magie und Konzentration sich den Weg hindurch zu bahnen, sofern man unaufmerksam war. So war Freya umso erleichterter, als sie auch diesen Teil ohne großartige Vorkommnisse oder unerwarteter Hürden hinter sich lassen konnte.

Kurz lehnte sich das kleine Mädchen von innen an die Tür und atmete tief durch. War das nun Erleichterung darüber, dass sich bisher nur alles als böser Traum herauskristallisiert hatte? Vielleicht war es auch ihre eigene Furcht, die ihr diese vermeintlichen Vorahnungen geschickt hatte. Vielleicht hatte Tante Tanuri ja Recht und sie war einfach noch nicht bereit.

Aber nun stand sie hier. Und sie war nicht so weit gegangen und hatte sich ihren Ängsten gestellt, um nun mit dieser vermeintlichen Erkenntnis umzudrehen. Sie wollte Gewissheit.

Entschlossener als zuvor wanderte sie den langen Gang entlang und auf trat das Portal zu. Sie würde hier entweder eine Antwort finden oder ihrer Furcht trotzen und den Segen des einzig wahren ein zweites Mal für sich einfordern.  Ja genau. Und wenn sie es sich vielleicht alles nur eingebildet hatte, dann würde sie, die Freya, nun beweisen, dass sie das Opfer des Lebens und die Angst vor dem Tod immer wieder überwinden würde, um ihm zu dienen.

So schloss sie die Augen und schritt energisch hindurch. Das Kribbeln der Magie umfing sie und trug Freya in die nächsten Prüfungskammern. Als das Kitzeln dessen sie langsam verließ, hob sie ihre Wimpern und sah sich kurz zufrieden um. Ein kurzer Wimpernschlag in dem all ihre Entschlossenheit jäh aus ihren Zügen verschwand.

Der undeutliche Schatten einer Seraphim verließ in diesem Moment die Kammer und auch wenn sie nur die Äußerlichkeiten kurz und grob hatte wahrnehmen können, ließen diese sie für einen Moment Halt suchend zurücktaumeln. Halt suchend lehnte Freya sich an die Wand. Schwarzes Haar, dunkelgrüne Robe. Ne, das konnte nicht sein, oder vielleicht doch. "Tanuri?" rief sie hinterher, doch es kam keine Antwort, außer der hohle Nachhall ihrer eigenen Stimme auf dem leeren Gang.

Ein riesiger Stein legte sich beklemmend auf ihre Brust, während sie auf die geschlossenen Türen starrte und überlegte, ob ihre Fantasie ihr einen Streich spielte, oder aber sie an dieser Stelle dabei war, eine Grenze zu überschreiten, die der Eine ihr auferlegt hatte. Vielleicht erzürnten ihn auch ihre Gedanken und ihrem trotzigen Verhalten.

Ihre kleinen Hände ruhten auf dem Stein der Mauern, an die sie gelehnt stand, so als würde dieser ihr Kraft und Halt verleihen. Das Gefühl einer nahenden Finsternis, die sich auch über sie legen würde, suchte sie heim. "Wovor willst Du mich warnen, dunkler Vater." flüsterte sie leise, fast einer Anrufung gleich. Doch auch dieses Mal ahnte sie, dass ihrer Frage keine Antwort folgen würde. Wie auch, denn bislang hatte sie die Stimme fast ausschließlich nur in ihren Träumen vernommen. Dennoch wartete sie einen Moment. Einen Augenblick, um nicht zuletzt auch allen Mut zusammen zu nehmen, um den Weg weiterzugehen, wissend, dass sie damit vielleicht sogar seinen Zorn auf sich ziehen konnte. 
 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#14

Beitrag von Naheniel » Di 9. Jul 2019, 19:18

Ohne wirklich zu wissen wohin, ging er seinen Weg durch die Räume des Orakels.
Wie an einer unsichtbaren Schnur gezogen, öffnete er Tür um Tür und drängte sich an den mächtigen Drachen vorbei, die mit Feuer auf ihn spien. Doch Feuer war auch sein Element und so ließ er einen mörderischen Feuerregen auf die Drachen niederprasseln.
Fast schon friedlich schien ihm da der Orakelgarten, den er plötzlich betrat.
Doch die Ruhe sollte trügerisch sein, als die ersten Bäume mit ihren knorrigen Ästen in schnellem Tempo auf ihn zutraten und versuchten, ihn mit Blitzen zu bezwingen. Sie ließen sich eindeutig nicht so einfach von seinen Zaubern beeindrucken, und anstatt unter seinen Feuerbällen zu verbrennen, wurden sie noch wütender und deckten ihn mit noch weiteren schmerzhaften Zaubern ein.
Aber er kämpfte sich den Weg durch den grünen Garten des Orakels, bis er endlich wieder Zuflucht zwischen schützenden Mauern fand. Doch dieser Schutz war trügerisch, sollten doch schon gleich zahlreiche weitere Drachen mit ihrem Höllenfeuer auf ihn losgehen. 
 Als er auch diese hinter sich gelassen hatte, wartete auf ihn ein schimmerndes Portal. Vorsichtig ließ er seine Hand entlang der kühlen Oberfläche gleiten und trat einen Schritt näher heran. Auf der anderen Seite erkannte er durch einen trüben Schleier einen weiteren Raum mit mehreren Türen.
Und ein junges Mädchen, dass ihm den Rücken gekehrt hatte. Ihr langes schwarzes Haar zeichnete sich hart auf der weißen Robe ab, die sie trug.
Die dunklen Schwingen des Herrn schienen fast ein wenig zu groß und zu mächtig für ihren kleinen Körper zu sein. Es war einfach zu leicht gewesen, sie zu finden. Sollte es das etwa schon gewesen sein?
Aber was hatte er erwartet? Dass die Erde sich vor ihm und dem Kind auftat, Ogrimar selbst vor ihn trat und ihm nun seinen Willen bekundete? Dass die apokalyptischen Reiter auf ihren Todesrössern herbeigaloppiert kamen um mit ihm gemeinsam das Ende der Zeit einzuläuten, nun, da er sie gefunden hatte?
Nun, der Gedanke schien zwar recht anregend, aber er müsste wohl auf dem Boden der Tatsachen bleiben. So war es also nur dieses kleine Etwas, in diesem Raum voller Türen, das völlig alleine und verlassen dort stand. Es ist wohl doch an ihm, die richtige Entscheidung zu treffen.
So durchschritt er das Portal, um kurz danach ihre leise Stimme zu hören.

Warnen? Du Dummes Ding. Er wird Dich nicht warnen. Er hat Dich geradewegs zu mir geschickt.

Sie war zum greifen nah. Die Gelegenheit seinen Arm von hinten um ihren zarten Hals zu legen und ihr zuzusehen, wie die Lebensgeister sie verließen. Aber er durfte sein Ziel nicht aus den Augen verlieren, so lästig ihm diese Verbindung auch war.Und so stand er plötzlich hinter ihr, legte ein freundliches, fast schon entschuldigendes Lächeln auf als er sich leise räusperte.

 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#15

Beitrag von -Freya- » Do 11. Jul 2019, 12:32

Freyas Schwingen zuckten erschrocken hoch, als sie ein Räuspern hinter sich vernahm. Im ersten Augenblick spielte ihre Fantasie dabei fast verrückt. Der kleine Körper spannte sich vollkommen an und sie stand kerzengerade mit weit aufgerissenen Augen da. Sollte sie sich umdrehen? Hatte er sie wirklich gehört? Oh weia. Und wenn ja, war er nun sauer, dass sie seinen göttlichen Befehl ignoriert hatte?

Ganz langsam drehte sich Freya herum, unsicher, was sie erwarten würde. Es konnte ja eigentlich  so vieles sein und doch erschien es ihr, als wäre das Räuspern die Antwort auf ihre Frage. Oder zumindest der Anfang dessen. Oder sowas.

Vielleicht war es aber auch nur ein Zufall. Trotzdem war sie wachsam und schaute nur langsam an der dunkelgrünen Robe des Mannes hinauf, der offenbar durch das Portal getreten sein musste und hinter ihr aufgetaucht war.

Das erste, was ihr ins Auge stach, war die Tatsache, dass er keine Schwingen trug. Also wenn es der Eine wäre, dann hätte er sicherlich welche, oder? Aber konnte sie sich da wirklich sicher sein? Oh weh. Wie peinlich. Ihr Blick musterte ihn weiter. Er war groß und hm ja, das Lächeln auf seinen Zügen wirkte keinesfalls verärgert, eher freundlich und nett.

Kurz krauste sich ihre Nase in der Unsicherheit, wie sie reagieren sollte. War es nun eine göttliche Antwort, dann würde sie genau drüber nachdenken müssen, was sie nun sagte. Aber andererseits, wenn er nur ein einfacher Diener des Herrn war, der seine Prüfung gerade zufällig in diesem Augenblick ablegen wollte, wäre es peinlich ihm diese ganzen Fragen zu stellen, die ihr auf der Seele brannten.

Also tat sie erstmal das, was sie am besten konnte, um die Situation für sich in den Griff zu bekommen. Mit unschuldiger Miene lächelte das Mädchen zu ihm hinauf, wobei sie seinen Blick streifte. Hm diese Augen. Sie hatten irgendetwas vertrautes, aber was? Nachdenklich, aber ohne dabei das Lächeln aus ihren Zügen verschwinden zu lassen, trat Freya einen Schritt zur Seite, um den Weg freizugeben. "Ogrimar zum Gruße." sagte sie leise, um die unheimliche Stille zu brechen, die sich zwischen ihnen aufbaute.

Hm, wenn es Zufall war, dann ging er seinen Weg vermutlich einfach weiter. Wobei... oh weia. Vielleicht würde es hier beginnen, mit ihm. Wenn das wirklich vorhin die Tante Tanu war und er ihr nun Richtung Orakel folgte, um die Welt daraufhin auf den Kopf zu stellen, was dann?

Abermals hefteten sich ihre strahlend blauen Augen an seinen Blick, der jedoch nicht feindlich oder bösartig wirkte. Trotzdem. Eines war klar. So oder so, sie würde nun den Weg weitergehen müssen. Nur zur Sicherheit. Und ohne sich etwas anmerken zu lassen. Ja genau.  So deutete sie auf den Gang, den sie nun freigegeben hatte. "Tschuldigung, wenn ich im Weg stand." Vielleicht bildete sie sich das alles auch nur ein und es fehlte ihr an Schlaf, aber falls es nicht so wäre, nun dann würde sie es bestimmt bereuen, wenn sie sich dem nicht in den Weg gestellt hätte.
 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#16

Beitrag von Naheniel » Sa 13. Jul 2019, 10:18

Das erschrockene Zusammenzucken war ihm nicht entgangen. Wäre diese Begegnung unter anderen Umständen, hätte ihn das höchst erfreut. Doch heute musste er sich zusammennehmen und diese Seite in sich auf die Seite schieben, fürs erste zumindest. 
„Dem dunklen Herrscher zum Gruße, kleine Lady!“ er tippte sich kurz an die Stirn, bevor er sich vor ihr verneigte.
Er widerstand dem Drang in seinen Beutel nach dem Griff des Dolches zu suchen. Dieser würde ihm gewiss anzeigen, ob sie die Person aus seiner Vision war. Aber eigentlich brauchte er diese Bestätigung nicht.
Die Spannung die sich in dem Raum aufbaute war deutlich zu spüren und unmissverständlich. Ogrimar hatte ihn geführt. Genau hier hin, an diese Stelle mit diesem Kind. Mehr als diese Gewissheit brauchte er nicht.  

„Aber nein, Ihr steht mir nicht im Weg. Eher bin wohl ich es, der Euch gestört hat. Es war auch wirklich unhöflich, einfach so hinter Euch zu erscheinen. Aber wisst Ihr, ich kenne mich in diesen Räumlichkeiten nicht aus …
Da war ein Portal und plötzlich stand ich hier und nun weiß ich gar nicht, wohin ich eigentlich gehöre.“
Mit einem fast schon verlegenen Blick kratzte er sich am Kopf und sah hilfesuchend den Gang mit den vielen Türen hinab. 
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#17

Beitrag von -Freya- » Sa 13. Jul 2019, 18:54

Ja, lächeln war erst einmal immer eine gute Methode, während sie nachdenken konnte, was sie nun tun sollte.

Beim Grott, wieso war sie überhaupt auf die Schnapsidee gekommen. Oder war das nun eine Fügung, dass sie das gesehene Schicksal abwenden sollte? Bei den ganzen Gedanken drehte sich die Welt und Freya war froh wenigstens einen Halt an der steinernen Wand zu finden. Aber sie lächelte immer hübsch weiter.  Denn wer würde hinter dem Lächeln auf einem Kindergesicht schon so verworrene Gedanken vermuten oder gar, dass jenes sein Gegenüber als das Böse auserkoren hatte? Niemand.

Hinter all der Unschuld, welche sie nach außen hin offenbarte, taxierte das Blau ihrer Augen den Mann jedoch von oben bis unten und musterte ihn mehr als genau. Das freundliche Lächeln, die Verlegenheit in seiner Stimme, welche nicht zuletzt sich auch seinem Blick wiederspiegelte. Hm, aber kein Messer und kein Dolch. Huch.. vielleicht sollte sie ihm etwas antworten. Die Stille, die sich erneut aufbaute, war irgendwie gruselig oder bildete sie sich das auch nur ein? Doch was sollte sie am besten zu ihm sagen? 'Hat er Dich geschickt? Oder willst Du die Tante Tanu umbringen, vielleicht sogar alle?' Nein so konnte sie wohl kaum vorgehen.

Zeit schinden oder im Zweifel ihm das reden überlassen war sicherlich der bessere Weg. Also was hatte er noch gleich gesagt? Ach ja. Er hatte sich entschuldigt und sie eine Lady genannt. Oh man, so hatte sie noch niemand angesprochen und allein die Betitelung liess sie gefühlt um mindestens drei Zentimeter wachsen. Aber sie durfte sich keineswegs von ihm einwickeln lassen. Nein, weder von solchen tollen Titeln, noch von diesem netten Lächeln. Nicht, solange sie nicht wusste, wer er war und was er vorhatte. Immerhin hatten Morrigan, Tanuri und all die anderen Tantchen sie oft genug vor Fremden gewarnt.

"Oh schon gut." setzte sie an seine Worte an, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Etwas in ihr hoffte vielleicht sogar darauf einen Zusammenhang zu ihm und ihren Träumen zu finden, um sich selbst sagen zu können, dass sie nicht überschnappte. Aber auf den ersten Blick war da gar nix. "Wohin Ihr gehört... nun das entscheidet der dunkle Herrscher, wenn es soweit ist." antwortete sie ihm mit einem aufmunternden Lächeln.


Toll Freya. So schlau war er sicherlich auch selbst und dich wird er als kleines Dummerchen abstempeln, aber naja was sollte sie ihm darauf aber auch sonst antworten oder daher reden.

Klar könnte sie ihm als treue Dienerin des Herrn dabei helfen die Scherben, welche die Drachen in den Räumen hüteten, richtig zusammen zu setzen. Ihre Schwingen als Zeichen des Segen des Herrn waren Beweis genug dafür, dass sie den Weg in das Herz des Orakels kannte und er wäre ja nicht der erste, dem sie hindurchhalf. Aber dann wäre er eventuell direkt hinter Tanu und ... Nein!  Mit einem Wimpernschlag streifte sie den Gedanken fort. Da war die Sache mit dem Dummerchen ganz bestimmt der bessere Weg.

Immerhin musste er sich so oder so noch als würdig erweisen und diesen Weg erst einmal beschreiten, um den Segen des Herrn zu erlangen. Und wenn er nur einen Gedanken daran hegte eine Gläubige wie ihre Tante Tanu zu töten, nun dann würde der einzig wahre ihn sicherlich an dieser Aufgabe scheitern lassen und dafür in den tiefsten Höllenkreisen zerschmettern. Also hieß es wohl weiter lächeln.

"Hm wie es aussieht, seid Ihr wohl das erste Mal auf dem Weg zum Orakel. Also ums kurz zu machen,  diese Türen, und was dort hinter auf Euch wartet, sind Eure nächste Prüfung." erklärt sie nur schlicht, wobei sie auf den Gang mit den sechs, vor Blicken verschlossenen Durchgänge deutete. Ihr Blick glitt über die Türen, deren Reihenfolge sie selbst sich genau eingeprägt hatte, denn jene war neben dem Erlegen der Drachen entscheidend. Sicherlich war auch ihm bewusst, dass sie den Weg kennen musste, aber wie sagte Tanuri immer zu ihr? Man muss sich selbst als würdig erweisen. Und wenn er sich dabei vor Ogrimar als der potentielle zukünftige Massenmörder der Diener des Herrn aus ihren Träumen offenbarte, dann würden seine Überreste die Drachen wenigstens satt machen. 
 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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Naheniel
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Re: Die dunkle Prophezeiung

#18

Beitrag von Naheniel » Di 16. Jul 2019, 11:30

Konnte es wirklich sein, dass es dieses Mädchen war, welches er in seiner Vision gesehen hatte? Sie war so... unbedarft und ahnungslos zu sein. Fast schon schüchtern wirkte sie auf ihn, wie sie ihm in knappen aber höflichen Worten erklärte, was er zu tun hatte. Er runzelte etwas die Stirn, was sie hoffentlich als Verwirrung deuten würde.
Warum sollte Ogrimar ihm dieses Kind ans Bein binden wollen?
Und warum sollte ausgerechnet sie der Weg zur Prophezeiung sein?
Sie war noch nicht einmal an nähernd zu einem jugendlichen Mädchen herangereift. Was sollte sie von dieser Welt schon wissen, was sollte sie über ihren gemeinsamen Gott wissen. Auch wenn sie die schwarzen Schwingen trug, aber das sagte heute bekanntlich nicht mehr viel aus.
Aber im Moment musste er einfach darauf vertrauen, dass der dunkle Herr in richtig geführt hatte. Denn dieser, das stand zweifellos fest, irrte nicht.

Auch ihm viel auf, dass er viel zu lange geschwiegen hatte. Ein weiteres verlegenes Lächeln huschte über sein Gesicht und er strich sich verunsichert über seinen kurzen Bart. 


„Und was ist es, was da hinter den Türen auf mich wartet? Wisst Ihr, junge Dame...“ nun lächelte er sie aus seinen strahlend hellblauen Augen an, die nicht darauf vermuten ließen, was für ein Charakter hinter ihnen steckte „Ihr braucht Euch mit Sicherheit keine Sorgen um Euer Leben machen, denn Ihr seht ziemlich stark in Eurer Magie aus. Schon allein, dass Ihr die schwarzen Zeichen tragt, kennzeichnet Euch als eine treue Dienerin die mit Sicherheit geschützt vom Segen des Herrn ist. Ich allerdings …“ fast schon mutlos blickte er auf sich hinab „Nun, meine Macht ist noch nicht sonderlich groß. Wie euch aufgefallen sein sollte, haben die letzten Drachen denen ich begegnete so einige Brandspuren auf meiner Robe hinterlassen und …“ nun setze er ein gewinnendes Lächeln auf bevor er laut zu lachen begann „Und diese seltsamen Bäume dort draußen haben meine Frisur auch ganz schön durcheinander gebracht.“ Er deutete auf sein verwuscheltes, kurzes, blondes Haar. „Wenn man es sich recht überlegt, stelle ich eine recht armselige Vorstellung dar. Ob mich das Orakel so überhaupt zu sich hineinlässt, wage ich ja schon fast zu bezweifeln.“ 
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So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

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Re: Die dunkle Prophezeiung

#19

Beitrag von -Freya- » Mi 17. Jul 2019, 20:38

Sorgen? Na er hatte gut reden. Hätte er gesehen, was sie gesehen hatte, dann würde er wohl kaum so etwas zu ihr sagen. Dann hätte er die Hosen ganz bestimmt voll, sich so weit in verbotenes Gebiet zu wagen. Aber sie hatte ja unbedingt hier herkommen wollen, also durfte sie nun auch nicht rumheulen. 

Naja und um ehrlich zu sein, für einen Mörder sah er eigentlich fast schon zu nett aus. Seine angesengte Robe, das verwuschelte Haar, putzigen Bartstoppeln. Aber was hatten sie die Tanten und nicht zuletzt auch Bücher und Geschichten gelehrt? Traue nicht dem, was Du siehst. Er konnte durchaus ein sogenannter Wolf im Schafspelz sein konnte, wie in dem einen Märchenbuch. Da war es vermutlich gut, dass er ihre Magie als mächtig ansah, auch wenn sie selbst zweifelte, dass es genügen würde, wenn sich die Dinge bewahrheiten würden, die sich ihr offenbart hatten

Aber was, wenn sie sich nun täuschte? Was wenn sie hier gerade einem aufrechten Diener des Herrn ihre Hilfe verweigerte? Sündigte sie dann nicht mit ihrem Handeln? Immerhin, wenn ER sie gewarnt hatte, würde ER ihr doch gerade jetzt ein Zeichen geben, denn ansonsten müsste sie ja jeden verdächtigen. Oder nicht? Moah, warum sagte er nix, wenn es mal wichtig war? Zumindest für sie. War er nu bockig? So sehr sie ihrer inneren Stimme auch lauschen wollte, sie schwieg. Vielleicht war er aber auch wirklich so richtig stinksauer, weil sie hier war und damit jede seiner Warnung ignoriert hatte und nun liess er sie die Konsequenzen spüren.

Freya musste kurz schlucken. Der Gedanke war eines, denn ihr wurde bewusst, dass sie bevor sich diese unheimliche Stille nochmal erneut aufbauen konnte, schnell etwas antworten sollte. "Drachen." setzte sie an, bevor sie sich kurz räusperte. "Hinter jeder der Türen bewachen Drachen eine Scherbe. Man darf aus jedem Raum nur eine Scherbe holen und es muss in der richtigen Reihenfolge geschehen, ansonsten zerfallen sie in Euren Händen zu Staub." erläuterte sie vorerst schlicht und pflichtgemäß die Dinge, die ihn hier erwarten würden. Na damit hatte sie doch ihrer Pflicht genüge getan oder nicht? Komm schon Herr, nur ein klitzekleines Zeichen, irgendetwas, das einen Hinweis darauf gab, besser auf dem Absatz kehrt zu machen oder dem Onkel da zu helfen. Dieses Mal würde sie ganz bestimmt auf ihn gehorchen. Versprochen!

Die innere Stille währte weiterhin. Kurz griff sie in ihre Tasche. Verdammt. Sie hatte ihre Bonbons vergessen. Auch das noch, und das wo sie doch nun so unruhig und unsicher wurde. Also durchatmen und denken. Wenn er der 'jemand' aus ihrem Traum wäre und der einzig wahre sie hatte warnen wollen, dann würde er ganz sicher dafür sorgen, dass sie ihn erkennen würde. Und da war... kurz sah sie sich um... rein weg gar nichts. Kein Zeichen oder Anschein dessen. Keine blitzenden Augen, kein böser Blick, kein goldener Dolch. Nur ein Onkel, der den Segen des Herrn ersucht. Letzte Chance ein Zeichen zu geben, dunkler Lord. Komm schon... Eins, zwei, drei... Ok. Dann nicht, Also Schluss mit dem Verfolgungswahn.

"Versucht es zuerst mit der Tür." Ihre kleine Hand hob sich leicht empor ihr, während sie kurz mit sich hadernd seinen Blick ein letztes Mal suchte und schlussendlich doch mit ihrem kleinen schlanken Finger auf die korrekte Tür zeigte. Hoffentlich war das nun nicht ein weiterer Fehler.
 
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Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

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