Willkommen im D4O-Forum
 

Wichtiger Hinweis für Benutzer die sich hier im Forum registrieren möchten : Es gelten für den Benutzernamen die gleichen Regeln wie auch auf den Servern von D4O !! 

Ihr findet die Forenregeln hier : 
Forenregeln / Leitfaden

Die dunkle Prophezeiung

Hier könnt ihr eure Rollenspiele die den Server Schicksalswind betreffen, weiterführen oder neue anfangen.
Forumsregeln
Bezgl. Urheberrecht

Bitte beachtet, das fremde Texte nicht so einfach benutzt werden dürfen. Es hilft auch nichts, wenn man die Namen ändert oder einzelne Wörter austauscht. Benutzt ihr für eure RP fremde Texte, muss eine Quellenangabe bzw. die Erlaubnis des Erstellers vorliegen.
Bei Verstoß dagegen erfolgen folgende Strafen :

1. Verstoß

Verwarnung des Users, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

2. Verstoß

Forumsperre für ALLE Accounts des Users für 48 Stunden, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

3. Verstoß

Dauerhafte Sperrung sämtlicher Forenaccounts des Users, sowie Löschung der auf das Urheberrecht bezogenen Texte

Dieses betrifft nur eure Accounts hier im Forum und nicht eure Spielaccounts für Die 4te Offenbarung.
Bewerte dieses Thema
Antworten
Naheniel
Landstreicher / Landstreicherin
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Mai 2019, 19:18

Die dunkle Prophezeiung

#1

Beitrag von Naheniel » Mo 27. Mai 2019, 19:47

"Mein Lord, meiner Herrscher, ewiger Gott der Dunkelheit und des Untergangs. Hier stehe ich, Euer untergebener Diener und bringe Euch das Opfer meines Leibes dar. Ich werde für Euch sterben, ich werde für Euch wiedergeboren. Prüfungen werde ich durchschreiten, ich werde durch das Feuer gehen und auferstehen um Eure Kunde zu verbreiten."

Mit jedem der im Gebet gesprochenen Worte schlug er sich selbst mit einer ledernen Peitsche auf den Rücken. Tiefe, blutende Striemen hatten sich bereits gebildet. Diese überdeckten aber nur kurze Zeit die zahlreichen Narben, die sich über viele Jahre angesammelt hatten. Jeder Schlag, der anderen Schmerzensschreie entlockt hätte, ermutigte ihn nur dazu, immer weiter zu machen. Unaufhörlich. Den schon lange fühlte er keinen Schmerz mehr. Nein, viel besser noch: Jede neue Narbe war ein Schritt mehr zu ihm. Zu seinem dunklen Fürsten der ihm seine Kunde so deutlich nahegebracht hatte. Es war ein langer Weg, den er bis hierher gegangen war. Nichts konnte ihn aufhalten. Er hatte es gesehen, er hatte es mit jeder Faser seines Körpers gespürt. Seinen Willen hatte er vernommen und er würde alles daran setzen, um ihn mit aller Macht durchzusetzen. Bereits als kleiner Junge hatte er die Bilder immer wieder vor sich gesehen. Das Chaos, den Untergang, den Tod. Und aus diesem war er hervorgetreten, stark und mächtig wie nie zuvor. Eng an seiner Seite waren seine Jünger getreten, erhoben flammende Schwerter, die jedem, der zögerte für seine Sache zu kämpfen, in Asche verwandelten. Als er seinen Eltern von seinen „Träumen“ berichtete, waren sie entzückt gewesen. Sei selbst schimpften ein ums andere mal um über den Verfall der Kirche, über die Lehren, die immer seichter ausgelegt wurden. Und jetzt war es ihr Sohn, ihr eigen Fleisch und Blut, welches neben dem Einen die Ordnung dieser Welt wieder herstellen sollte. Schon früh unterwiesen sie deshalb ihn in den Doktrinen und den Ritualen und schickten ihn zu den Priestern. Bei ihnen sollte er in die Schule gehen, er sollte lernen, einer von ihnen werden. Doch so weit sollte es nicht kommen. 
 Ein zufriedenes Grinsen zeichnete sich auf seinen Lippen ab, als er an die Worte dachte, die in den Schriften der alten Bibliothek gefunden hatte. Wobei, gefunden hier der falsche Begriff war. ER hatte ihn dorthin geführt. In all seiner Weisheit, hatte er ihn, Naheniel, auserwählt ihm Althea zu Füßen zu legen, damit er es nach Seinen Wünschen formen und gestalten konnte. Und um endlich diese gesamte gottlose Brut von diesem Erdboden zu wischen. Ein für allemal. Denn so stand es geschrieben: 

Brüder sollen sich befehden und einander fällen.
Geschwister wird man sehen, wie sie die Sippe brechen! 
Schwarz wird die Sonne und die Erde sinkt ins Meer,
vom Himmel werden schwinden die Sterne.
Denn der Eine wird kommenund er wird über alle richten.
 

Es erschauderte ihn genüsslich, als er an die Worte zurückdachte. Doch nicht nur waren es Worte gewesen, schon Jahre bevor er auf die Schriften in der alten Bibliothek gestoßen war, hatte er diese Szenarien in seinem Kopf gehabt. Immer und immer kamen sie bei Nachts und später auch bei Tags. Einst war er sich sicher gewesen, dass dies der Ruf der dunklen Priesterschaft gewesen sein musste. Er sollte an ihrer Seite die Kunde des einen Gottes verkünden und über die Inseln tragen. Gelehrig lauschte er jedem einzelnen Wort derer, die sich als die Reinen ausgaben. Er war sich zu jener Zeit sicher gewesen, dass sie es verstehen würden, dass sie die Bilder deuten könnten. Doch nichts davon geschah. Im Gegenteil. Hinter seinem Rücken wurde getuschelt, er wäre nicht ganz bei Sinnen.
Wieso sollte der dunkle Lord denn ausgerechnet zu einem Jüngling wie ihm sprechen? Nein, das wollte und konnte man sich nicht vorstellen. Es musste sich um einen Verrückten handeln. Einem der vielen, die dachten, sie wären die Auserwählten. Es stellte sich Schlussendlich bei einer genaueren Prüfung solcher Personen immer wieder heraus, dass es sich nur um Phantasteleien handelte, ohne Hand und Fuß.
Doch was sollten sie nun mit ihm tun? Zu Anfang hatten sie ihn noch gewähren lassen und ihm seine angebliche Nähe zu Ogrimar gegönnt. Die Priesterschule hatte er mittlerweile fast bis zum Ende durchlaufen, aber sie konnten ihn unmöglich diese Ehre zu Teil werden lassen, einer von den ihren zu werden und seine wahnwitzigen Ideen in die Welt hinaus zu tragen. Welches Licht würde dies auf sie werfen? Schließlich war das Vertrauen der schwarzen Gemeinde gegenüber der Priesterschaft schon seit längerer Zeit etwas angespannt!
Für sie stand fest, dass er kein Priester werden konnte. Vielleicht wäre er als Krieger für ihre Sache geeignet, doch auch das schien ihnen zu gefährlich. Schließlich konnte man nie sagen, wem er seine seltsamen Phantasien noch mitteilte.Deshalb ließen sie ihn vorerst noch weiter in der kleinen Schule gewähren, schlossen ihn aber nach und nach aus gewissen Seminaren aus, die ihn zum Abschluss seines Priesterstudiums bringen sollten.
Doch er vertraute ihnen blind. Denn schließlich waren sie die Priester. Sie waren die Gesandten Ogrimars. Wer war er, dass er an ihren Entscheidungen zweifeln würde? In seinem Eifer war er sich sicher, dass es sich hier nur um eine Prüfung handelte. Er setzte alles daran, seine Lehrer zufrieden zu stellen, er verinnerlichte jedes einzelne Wort der Doktrin immer und immer wieder. Bis er eines Nachts einen neuen Traum hatte.

Eine vollkommen leere Welt, kein Baum, kein Tier kein Grashalm. Nur Dunkelheit und das Nichts umgab ihn. Als er im Nichts einige Zeit umher gewandert war, sah er ein mächtiges Tor vor sich erscheinen. Reich geschmückt mit dunklen Zeichen, die er nicht entziffern konnte, umgeben von einem wabernden kalten Nebel. Als er das Tor berührte um die mächtigen Flügeltüren zu öffnen, zerschnitt eine dunkle Stimme die Stille. Sie war weder männlich, noch war sie weiblich. Sie war weder von dieser, noch von einer anderen Welt. Und doch war sie hier, zum greifen nah und doch unendlich fern: 


Durch mich geht man hinein zum ewigen Schmerz,
Täuschung trieb meinen hohen Schöpfer,
geschaffen haben mich die Allmacht Gottes,
seine Weisheit und der erste Krieg.
vor mir ist kein geschaffen Ding je gewesen,
nur Ewiges - und ich muss ewig leben.
Wenn Ihr eintretet … lasst jede Hoffnung fallen.  

Ohne ein Geräusch öffnete sich das Tor, selbst seine Schritte auf dem polierten Marmor hinterließen keinen Ton. Er betrat einen großen schwarzen Saal, kein Kerzenlicht erhellte den Raum, dennoch erkannte er eine mächtige, jedoch leere Tafel. Selbst der kunstvollste und größte Sitzplatz war leer. Eine tiefe Enttäuschung machte sich in seinem Herzen breit. Er war überzeugt gewesen, dass dies es sich um die Hallen des großen Herrschers handeln musste. Doch wie es schien, war es heute doch nur ein Traum, der ihn in die Irre geführt hatte. Hatte er wirklich geglaubt, der dunkle Lord würde ihn an seine Tafel holen? Ihn? Naheniel? Fast schon musste er laut loslachen. Was war er nur für ein Tor. Er hatte wirklich gehofft...
Plötzlich riss er die Augen auf. Die Stimme, was waren ihre Worte gewesen? Wenn Ihr eintretet … lasst jede Hoffnung fallen. Mit einem Mal brachen tausende Geräusche über ihn herein, Seufzer, Wehklagen, Schreckenslaute, Worte voller Schmerz und hoher Geschrei des Zorns. Verschiedenste Sprachen drangen an sein Ohr, wie sie bittend, flehend und tränenerfüllt nach Erlösung suchten. Hinter ihm versank das Tor, durch das er eben noch getreten war, in einem dunklen Nebel und löste sich in diesem auf. Je lauter, je drängender, je zornerfüllter und verzweifelter die Stimmen wurden, desto gieriger umschloss dieser Nebel nun ihn. Körperlos und kalt. 


Sieh sie Dir an, die Feinde, die Ketzer, die Unwürdigen.
Sie Dir an, die Schatten, die von ihnen geblieben sind.
Sie sie Dir an, diejenigen die sich feig verweigerten dem einzig Wahren. 
Und er sah sie, blutige tränenverzerrte Gesichter, die voller Verzweiflung zu ihm aufblickten. 
Wäre der Geist der lebenden Geschöpfe nicht getrübt von Machtgelüsten, so würden sie aus so vielen Zeichen heraus, den Willen des einen Gottes erkennen. 
Doch die Wege die derzeit gegangen, unterscheiden sich vom göttlichen soweit, wie Eure Erde es von der tiefsten Hölle tut. 
Deshalb stehst Du hier.
Du wurdest geboren, um seinen Willen auszuführen.
Du wurdest erkoren, um ihm zu dienen.
Du wist das Schwert sein, dass die Ungläubigen vernichtet. 


Nachdem die Stimme geendet hatte, öffnete Naheniel seine Augen. Das Nichts und der Nebel waren verschwunden, er befand sich in seinem Zimmer in der Priesterschule. Sein Herz raste und sein Atem ging schnell, als er zurück an die Worte dachte, die soeben zum ihm gesprochen worden waren. Er wurde geboren, um seinen Willen auszuführen...

Eilig zog er sich seine schwarze Robe über und hastete die von Kerzen erleuchteten Flure entlang, bis zu den Räumlichkeiten des Hohepriesters, der sich dann und wann für einige Zeit in die Schule zurückzog, um innere Ruhe zu finden und seinen Geist von den Eindrücken der vollen Städte zu reinigen. Wie es der Zufall wollte – oder konnte es sein, dass es gar kein Zufall war – war er derzeit zugegen. Naheniel pochte mit seiner Faust immer und immer wieder gegen die Türe, bis sie nach einer halben Ewigkeit endlich geöffnet wurde und der Hohepriester ihn verschlafen und verärgert ansah. Aufgeregt drängte Naheniel ihn in den Raum hinein, er konnte jetzt nicht auf Sitte und Gepflogenheiten achten, zu wichtig war das, was er ihm zu sagen hatte. Fast schon überschlug er sich mit seinen Worten, als er erzählte, was er gesehen und gehört hatte. Die Miene des Hohepriesters verfinsterte sich zunehmend.

„Schweig!“ herrschte er ihn an. „du bist nicht mehr nur nicht bei allen Sinnen, Du... Du bist geisteskrank! Wie kannst Du es wagen, den dunklen Lord damit zu beleidigen, zu denken, Du kleiner Wurm wärst von ihm erwählt worden, das Chaos über das Land zu bringen? Du bist nicht einmal ein ausgebildeter Priester. Du wirst auch niemals einer werden! Ein Dümmling bist Du, verzogen von reichen Eltern die meinen, etwas besseres zu sein! Sie hatten wohl gehofft, mit Dir an der Leiter noch ein Stück weiter emporklettern zu können und haben Dich in Deinen dummen kindlichen Phantasien unterstützt. Aber mich, mich täuscht Du nicht. Du bist ein Nichts. Und Du wirst niemals jemand sein. Auch nicht mit deinen ausgedachten Geschichten. Ein Mönch kannst Du werden, das Schweigegelübde ablegen und Dich auf ewig in den Kellern verstecken und über Deine Vergehen und Deine Lügen nachdenken. Mehr wirst Du niemals sein.“
Der Hohepriester begann schallend zu lachen, als er in die wütenden Augen Naheniels blickte. „Du hast doch nicht wirklich gedacht, dass wir Dir die Priesterweihe zu Teil werden lassen? Dass Du diese Ehre erfahren wirst? Ein Lügner wie Du es bist, hat nichts in unseren Reihen verloren.“ Naheniel schluckte schwer bei den Worten, die der Hohepriester vor ihm ausspuckte. Wut machte sich in ihm bereit. Er hatte den Priestern vertraut, ihnen von seinen „Träumen“ erzählt und gehofft, dass sie ihn verstehen und unterstützen würden. Dabei war das Gegenteil geschehen, sie hatten ihn getäuscht.

Da kam es ihm. Der Hohepriester, er hatte Angst. Er hatte Angst, seine Macht über die Priesterschaft und über die Inseln zu verlieren, jetzt da es jemanden gab, der die Worte des großen Herrschers direkt vernommen hatte und sich nicht nur auf alte staubige Bücher berief. Er erinnerte sich an die Worte, die die Stimme zu ihm gesprochen hatte. Wäre der Geist der lebenden Geschöpfenicht getrübt von Machtgelüsten, so würden sie aus so vielen Zeichen heraus, den Willen des einen Gottes erkennen. 
Ein düsteres Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus. Machtgelüste waren es, die den Hohepriester befallen hatten. Es würde Zeit werden, ihn dorthin zu schicken, wo auch all jene waren, die über ihren eigenen Egoismus vergaßen hatten, wem sie eigentlich dienten. Mit einem gekonnten Satz trat er an den Priester heran und legte ihm seine starken Finger um den alten faltrigen Hals und drückte diesen, so fest er konnte, zu. Nur kurz war der Kampf gewesen, zu alt und zu verbraucht war der Priester schon, zu fett gefressen von den weltlichen Gelüsten. Als der letzte Lebenshauch aus seinen Augen wich, flüsterte Naheniel ihm noch leise zu: „Grüßt den dunklen Lord von mir. Aber wer weiß, vielleicht landet Ihr jetzt auch beim Gott der weißen Ketzern, nachdem Ihr seinem Willen nicht folgen wolltet.“ 

Naheniel sah sich noch in dem Zimmer um, ob er noch einige wertvolle Bücher darin entdecken konnte und ließ diese schnell unter seiner Robe verschwinden. Man wusste nie, wer um diese Zeit in den Gewölben unterwegs war. Doch er hatte Glück, niemand begegnete ihm auf seinem Weg nach draußen. Ein letztes Mal sah er sich um zum dem Ort, der ihm die letzten Jahre ein zu Hause gewesen war. Ein trügerisches und verlogenes, wie sich heraus gestellt hatte. Der Zorn und die Wut beherrschten ihn immer noch, als er leise flüsternd einen Feuerregen heraufbeschwor und über die Schule niedergehen ließ. Dann drehte er sich um und ging, ohne sich noch einmal umzublicken, davon. Im Hintergrund hörte er die ersten verzweifelten Schreie und Schmerzenslaute. Doch das einzige was sie in ihm hervorbrachten, war Genugtuung. Chaos soll das Land regieren. Und dies war der erste Schritt.
Der Machtgier der Priester sollte endlich ein Ende gesetzt werden. Die Enttäuschung über deren Verlogenheit würden sie alle bezahlen müssen.
Er würde sie ausmerzen. 
Jeden. einzelnen. von. ihnen. 


Seit diesem Abend waren einige Jahre vergangen, er hatte sich zurückgezogen um den einen alles entscheidenden Kampf vorzubereiten. Doch die Stimme hatte nicht mehr zu ihm gesprochen und er hatte auch keine Bilder mehr gesehen. Aber Naheniel war nicht enttäuscht darüber gewesen. Er wollte nicht der Arroganz erliegen, wie es bereits andere getan hatten, dass nur er der einzige war, der die Aufmerksamkeit des Einen bekam! Deshalb widmete er sich ganz dem Gebet und tat was er konnte, um ihm aufrecht zu dienen und seinen Doktrinen folge zu leisten. Gerade als er sich eine graue Robe über seinen vernarbten Rücken werfen wollte, zog es ihm den Boden unter den Füßen weg und er stand wieder in der alles vereinnahmenden Schwärze, dem Nichts.

Vor Aufregung pochte sein Herz ihm bis zum Halse. Sollte es nun endlich wieder soweit sein? Würde er heute hören, was der Stimme nächster Befehl und Wille war? Aber kein Tor war hier, welches er zu durchschreiten hatte, keine Schmerzenslaute vernahm er. Nur Stille. Beängstigende Stille. Er sah sich um, doch was erwartete er in dem Nichts erkennen zu können? Es kam ihm vor, als würde er Minuten, Tage … Wochen stehen und warten. Warten auf diesen einen entscheidenden Moment. Er versuchte geduldig zu sein, doch fiel ihm das zunehmend schwerer. Nervös strich er sich durch das Haar. War es … war es etwa länger geworden? Mit einer Hand fuhr er sich über das Kinn... ja auch der Bart war gewachsen, merklich. Wie lange stand er hier schon? Wie lange musste er noch stehen? Plötzlich donnerte die Stimme von jenem Tag auf ihn ein. Wie hunderte aufgescheuchter Pferde galoppierte sie über ihn hinweg. 

 
„Das Blut tausender klebt an meinen Händen!
Und Du, Mensch, wagst es mich herauszufordern?
Mein Wort zu verfälschen! Meine von mir erwählten Priester zu töten!
Zweifelst Du etwa an meinen Entscheidungen?“ 

Stille. Naheniel fühlte den Schmerz, den die Worte hinterlassen hatten, an seinem ganzen Körper. Wie tausende Stiche wahnsinniger Wespen hatten sie malträtiert. 
 
„Vernichten sollte ich Dich!
Mein Wort ist Dein Gesetz!
Mein Wort und nicht Deine.
Du wirst Gehorsam und Demut lernen.
Fortan wirst Du gezeichnet sein.
Deine Macht wirst Du teilen bis Du mir den Beweis erbracht hast,
dass du es wert bist, mein Wort zu verkünden. 
Macht für Leben und Blut! 
Und scheint Deine Zeit abzulaufen, wird jenes Wesen, das mit Dir verbunden ist, Deinen Platz einnehmen.

Finde die dunkle Prophezeiung.“ 

Naheniel schnappte gierig nach Luft, als er die Augen aufschlug und sich wieder in seinen Räumlichkeiten befand. Ballast, wie ein schwerer Stein drückte auf seinen Brustkorb. Er war erschöpft, als hätte er tagelang im Stall bei den Bauern gearbeitet und wagte es kaum, sich zu bewegen. Mit seinen Händen tastete er sich ab, so gut es ihm möglich war um zu überprüfen, ob er soweit alle seine Körperteile behalten hatte oder ob etwas gebrochen war. Dabei fühlte er in seinem Nacken ein brennen, als er mit seiner Hand darüber glitt. Blutig waren seine Finger, doch wagte er noch nicht aufzustehen, um das was auf ihn gezeichnet worden war, genauer zu untersuchen. Er schloss voller Erschöpfung die Augen und bevor er in einen traumlosen Schlaf fiel murmelte er tonlos: 

Die dunkle Prophezeiung. 
Bild
So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

Benutzeravatar
-Freya-
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 22
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#2

Beitrag von -Freya- » Do 30. Mai 2019, 21:03

An einer ganz anderen Stelle, inmitten der Hallen der Legion in Lichthafen, saß das kleine Mädchen an einem Tisch, während sie Abschriften anfertigte von jenen Kapiteln, die der Hüter ihr gegeben hatte.

Auch wenn Freya manche Bücher wirklich spannend fand und so manche Texte ihr bekannt vorkamen, obwohl sie sie niemals zuvor gelesen hatte, so war der Unterricht mit Morrigan doch wesentlich lustiger, als die Lehrstunden mit dem Hüter. Immerhin war er der Meinung, dass man durch das Abschreiben die Worte besser verinnerlichte, als durch lesen allein.

Seufzend schaute das Mädchen auf die letzten Worte, bevor sie die Feder beiseitelegte und sorgsam die noch feuchte Tinte mit etwas Sand ablöschte. "Fertig!" rief sie ihm zu, bevor sie tief durchatmete. "Dann geh und iss erstmal etwas, Freya." sagte der Hüter, während er noch einige Einbände einsortierte. "Ich werde mir Deine Arbeiten ansehen und wir sprechen später darüber." Ein Funken Erleichterung huschte über ihre Züge, denn immerhin schien draußen die Sonne und an einem so schönen Tag nur zwischen den Büchern zu sitzen fiel da echt besonders schwer.

Schließlich, vor nicht allzu langer Zeit hatte sie an solchen Tagen stetig am Fluss gesessen und den Tag an sich vorbeiziehen lassen. Aber das auch nur, weil sie nicht gewusst hatte wohin. Doch nun, nun da der einzig Wahre ihr einen Weg aufgezeigt hatte, indem er sie hatte auf Tanuri treffen lassen und die Dinge ihren Lauf genommen hatten, da wollte sie sich dem auch als würdig erweisen. Denn nun hatte sie nicht nur einen Pfad, dem sie folgte, sondern auch so etwas wie eine Familie gefunden.

Sicher, es war nicht ihre echte Familie, aber dennoch, die Tanten und Onkel waren auf ihre Art und Weise für sie wichtig geworden und gaben ihr das Gefühl ein Teil von etwas ganzem zu sein und sie war mehr als dankbar für die Wärme, die man ihr entgegen brachte.. Naja bis auf Tanuri, jene, die sie aufgenommen hatte. Stets wirkte sie einfach nur kühl und unnahbar fern auf sie. Egal, wie sehr sie sich anstrengte. Nur zweimal hatte sie jene nur lächeln gesehen und auch wenn sie stets streng und kalt war, so war sie ihr doch trotz allem die wichtigste.  Doch ihren Ansprüchen Genüge zu leisten war nicht einfach. Un im Augenblick wirkte es sogar fast unmöglich. Jene schien nahezu versessen darauf zu sein, dass sie, die Freya, ihre zweite Prüfung vor dem Herrn ablegen sollte. Aber auch wenn das Mädchen sich bereits den Zugang zum Orakel verschafft hatte, so fühlte sie sich dafür noch nicht bereit. Zumindest war es das, was sie der Tante erzählte.


Sie konnte Tanuri wohl kaum offenbaren, das sie davon geträumt hatte. Dass eine Stimme, warm und samten, sie gewarnt hatte diesen Schritt zu gehen. Dass dies nicht Sein Wille wäre, noch nicht Teil seines göttlichen Planes. Noch wäre die Zeit dafür nicht gekommen. Sich ihm zu widersetzen würde Konsequenzen mit sich bringen. Alles was gegeben wurde, konnte ER ihr auch wieder nehmen. Gnadenlos. Ein Rat sich in Geduld zu üben, bis er selbst sie dafür berief den Schritt zu gehen. Eine Warnung...

Aber würde Tanuri dem überhaupt Glauben schenken? Vermutlich nicht. Nein, keiner würde ihr glauben und es wäre in Tanuris Augen sowieso wieder nur eine dumme und vermutlich frevelhafte Ausrede und würde ihr somit nichts weiter als einen dieser tadelnden Blicke einbringen. Daher beließ Freya es demütig bei der Aussage, dass sie nicht bereit sei und schrieb lediglich in ihr kleines Tagebuch, welches sie unter ihrer Matratze deponiert hatte, was sie in Wahrheit bewegte.

Kurz blickte sie auf die mittlerweile getrocknete Tinte. Nun wahrscheinlich war es leichter ihm gegenüber als würdig zu gelten, als vor Tante Tanu, schoss es ihr durch die Gedanken. Aber sie würde dem Rat folgen, den sie erhalten hatte und vielleicht eines Tages ein drittes Lächeln von ihr ernten, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg sein würde.

"Danke" sagte sie, bevor sie vom Stuhl hüpfte und schnell noch die Schreibutensilien wegräumte. Mit eiligen Schritten flitzte sie aus der Bibliothek hinaus über den Gang, um noch schnell das Buch zu holen, welches sie derzeit las. Oh sie würde sich ihr gegenüber ebenfalls als würdig erweisen und hatte es sich zur Aufgabe gemacht, jedes Buch in den Hallen des Hüters zu lesen. Aber lernen konnte sie auch draußen, bei Sonnenschein, am Fluss, mit den Füßen im kühlen Wasser und ein paar Bonbons in der Tasche.

Die Sachen waren schnell gepackt und der letzte Handgriff war nach ihren dunklen langen Haaren, die sie einfach mit einem kleinen Band zu einem Knoten band. Das Mädchen schloss die Tür von außen hinter sich und rannte über den Flur zum Ausgang der Hallen.

Als sie auf die Straße trat, kitzelte sogleich die warme Sonne an ihrer Nase, woraufhin sie diese verspielt krauste. Grinsend schaute sie über das Treiben auf der Straße, bevor sie sich ihren Weg durch Lichthafen hindurch in Richtung der westlichen Brücke bahnte. Ihre Augen glitten über die Menschen um sich herum, kurz die Kinder wahrnehmend, die früher ihre Familie gewesen waren. Oder auch die Hölle.

Die kleinen gemeinen Bastarde, welche sie oft geärgert hatten, liefen offenbar gerade vor Rolf davon, der zeternd hinter ihnen herlief, da sie offenbar etwas bei Iris gemopst hatten. Für einen Moment überlegte etwas in ihr, ob sie den Kindern ein Bein stellen sollte, damit der Rolf sie einholen konnte. Aber andererseits war sie noch vor ein paar Monaten eine von ihnen gewesen. Eine derjenigen, hinter denen er hergejagt war, nachdem sie hungrig ein paar Äpfel oder Goldmünzen geklaut hatten. Nur die Gunst des Einen hatte sie aus dem Rattenloch herausgeholt.

Ein feines Lächeln huschte über ihre Lippen, bevor das Mädchen ihren Körper straffte und an ihnen vorbei schritt, wobei sie vollkommen unabsichtlich genau in Rolf hineinlief. “Hoppala… passt doch auf.” kam es ein wenig empört, gar erschrocken über ihre Lippen, als sie sich sogleich und fast vornehm den Staub von der Robe strich. “Pass Du doch gefä…" setzte er an, als er aber abrupt seinen Ton mässigte, "Oh Verzeihung, junge Dame!” korrigierte er sich schnell, als er den feinen Stoff der Robe und nicht zuletzt das Wappen darauf sah.

“Nix passiert. Alles gut.” lächelte sie mit einem unschuldigen Zahnlückenlächeln, bevor sie ihm wohlwollend zu nickte und im Augenwinkel noch beobachtete, wie die Kinder hinter einer Ecke verschwanden. “Der einzig Wahre mit Euch.” rief sie ihm hinterher, während er sich schon wieder einen Weg durch die Menschen bahnte, wo er die Kinder aus den Augen verloren hatte.

Mit einem Schulterzucken und nicht zuletzt einem Grinsen auf den Lippen folgte sie der Straße in die andere Richtung. Immerhin wollte sie zum Fluss. Dort entlang, wo der Zirkus vor einiger Zeit campiert hatte. Allerdings nicht, ohne an den Apfelgärten vorbei zugehen. Warum Gold bezahlen, wenn man einfach danach greifen konnte. Schnell und leise huschte Freya durch eine Lücke im Zaun und pflückte sich noch zwei der roten süßen Früchte vom Baum, bevor sie ihren Weg fortsetzte und am Fluss an der Westbrücke ankam. Immerhin hatte sie wirklich mittlerweile Hunger bekommen und das Knurren im Bauch würde beim Lesen stören.

Leise plätscherte das Wasser hier über die moosbehangenen Steine und zwischen dem Gras wuchsen jede Menge wilder Blumen. Es war hier unten einfach um ein vielfaches ruhiger als an dem nördlichen Übergang, dort wo fast jeder die Handelsstrasse nahm. Hier unten verirrten sich selten die Menschen hin, so dass sie hier eine wunderbare Abwechslung zu den mit Büchern vollgepackten Räumen der Legion fand.

Das Mädchen liess sich ins Gras fallen, wo sie zufrieden lächelnd in einen der Äpfel biss und sich einfach nur die Sonne ins Gesicht scheinen liess sowie sich ein paar Minuten Nichtstun gönnte.
 
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

Naheniel
Landstreicher / Landstreicherin
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Mai 2019, 19:18

Re: Die dunkle Prophezeiung

#3

Beitrag von Naheniel » Do 6. Jun 2019, 19:18

Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, wie lange er in diesem traumlosen Etwas gefangen gewesen war. War dies ein Teil seiner Strafe? Normalerweise träumte er immer, wenn auch nicht stets so klar und deutlich, aber niemals war es nur reine Schwärze gewesen.

Keuchend und hustend versuchte er auf die Beine zu kommen. Er zitterte am ganzen Körper vor Erschöpfung. Ja, Ogrimar hatte ihn spüren lassen, wie stark seine Macht war. Und dabei war dies nur eine kleine Kostprobe gewesen. Hatte er ihn wirklich wütend gemacht? Aber warum? Naheniel versuchte seine Augen zu öffnen um sich wieder im Raum orientieren zu können, doch selbst dies schien ihm eine unlösbare Aufgabe zu sein. Er hatte doch nur in seinem Sinn gehandelt. Diejenigen, die seinen Namen mit ihrem Egoismus beschmutzt hatten von dieser Welt gefegt. Er wollte der Priesterschaft die Chance geben, sich neu zu formieren, sich wieder aus dem alten Glanz zu erheben und ganz und gar nach den Doktrinen zu leben.Wie konnte der Herrscher das nur missverstehen?
Oder sollte dies gar eine neue Prüfung seines Glaubens sein? Sollte er erkennen, was der wahre Wille seines Gottes war? Schließlich war er bekannt dafür, dass er es den wahren Gläubigen nicht leicht machte. Doch die, die sich vor ihm bewiesen, durften auf ewig an seiner Seite sein. So hatte er einst folgenden Absatz gelesen: 

Einen Saal seh ich, schwärzer als den Nachthimmel.
Da werden die bewährten Leute wohnen
Und ohne Ende der Ehren genießen 

Er hustete und spuckte etwas Blut aus, als er sich mit aller Kraft vom Boden erhob, nur um sich sogleich auf einem Stuhl wieder niederzulassen. Ungeduldig wischte er einige der auf dem Tisch liegenden Pergamente beiseite, nur um noch weitere freizulegen. 
Was ist diese Prophezeiung? Und wo steht sie geschrieben? 
Mit suchenden Augen überflog er die geschriebenen Worte, wohlwissend, dass er hier darüber nichts finden würde. Denn etwas Geschriebenes über eine Prophezeiung wäre ihm schon längst aufgefallen. Dazu studierte er die Worte viel zu genau. Er wusste wohin er musste.
Die alte Bibliothek, dort würde er mit Sicherheit finden, was er suchte. Doch wusste er nicht, ob er dort noch willkommen war. Seit dem „Vorfall“ in der Priesterschule hatte er sich dort nicht mehr sehen lassen. Die Bibliothekare dort waren eng verbunden mit den Priestern der Inseln und er wusste nicht, was sie von seiner persönlichen Neugestaltung der Kirche hielten. Doch wie es schien, blieb ihm nun nichts anderes mehr übrig.

Mit immer noch zitternden Beinen klammerte er sich an seinen Stab und warf sich einen Mantel über. So musste man sich also fühlen, wenn man alt wurde, dachte er bei sich. Dann verließ er die kleine Hütte, die irgendwo, in irgendeinem Wald lag und machte sich auf den Weg um etwas darüber herauszufinden, was fortan sein Leben bestimmen sollte. 
Bild
So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

Benutzeravatar
-Freya-
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 22
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#4

Beitrag von -Freya- » Mo 10. Jun 2019, 20:53

~Nun gerät das große Rad der menschlichen Existenz erneut in Bewegung. Der Kreis ist fast geschlossen und nähert sich der Zeit des Untergangs und der Wiedergeburt derer die keine Menschen sind.~

Die Zeilen summten leise durch ihre Gedanken, waren sie die letzten, die sie vorhin noch geschrieben hatte. Nun waren ihre Augen geschlossen, während die Sonne warm auf ihre Haut schien. Der Apfel hatte das Knurren erstmal beruhigt und es fühlte sich einfach nur gut an im Gras zu liegen und sie Seele für einen Augenblick baumeln zu lassen, während sie dem Plätschern des Wassers zu lauschte. Ein zufriedenes Lächeln ruhte auf ihren Lippen, als der Wind sanft ihre dunklen Haare über ihr Gesicht blies, welches sie an der Nase kitzelte.

So umfing sie nach einiger Zeit die wohltuende Dunkelheit des Schlafes. Ein beruhigender Schleier, der sich schützend um sie legte und ihren Geist mit sich nahm. Oder vielmehr folgte jener bereitwillig in die Welt aus Träumen und Illusionen, dorthin, wo sie ihrer Fantasie nachgeben konnte und ihr Unterbewusstsein ihr die Dinge zeigte, die sich ihr kindlicher Geist wünschte. Doch sollte es keiner dieser Träume werden.

 


Gerade noch hatte sie das Plätschern des Wassers in ihren Ohren vernommen, doch verblasste dieses schnell und wandelte sich in eine unheimliche Stille, so dass alles, was blieb, das leise Pfeifen des Windes war.

Wind... und war das etwa Schnee? Kurz blinzelte sie oder vielmehr ihr Geist tat es, um sich an das Dämmerlicht zu gewöhnen, welches um sie herum herrschte. Der Himmel schien in einem Blutrot getaucht zu sein, während sie sich um ihre eigene Achse drehte.

Langsam wandte sie sich umher, nach Orientierung suchend wohin es sie verschlagen hatte. Doch erblickte sie nur Ruinen von Mauern.

Wie scharfe gewaltige Zähne schienen sie aus dem Boden zu ragen, bildeten düsterte Silhouetten in dem Licht des sterbenden Tages. Vorsichtig streckte sie die Hand aus, liess die weißen Flocken darauf fallen. Flocken, die sich nicht als Schnee sondern vielmehr als Asche entpuppten.

Langsam ging sie, barfuß den steinernen Gang entlang. Scharfe Steinsplitter bohrten sich dabei in ihre Füße. Doch wenn er es war, der sie hergeführt hatte, dann würde sie keine Schwäche zeigen. Die linke Hand an den Überresten der Mauer machte sie ein paar Schritte, denn noch hatte sie keine Ahnung, wo sie war. "Hallo?" rief sie leise, bevor ihr in den Sinn kam, dass dies vermutlich nicht das richtige Wort war, sofern die dunkle Stimme sie hierher geführt hatte.

Doch sie bekam keine Antwort. Und so sah sie langsam um die Ecke und entdeckte eine Säule. Kurzerhand blieb sie stehen. Der leise pfeifende Wind spielte dabei mit ihrem weißen Kleid und schmückte ihr dunkles Haar mit kleinen Ascheflocken. Sie kannte diese Säulen. Abrupt blickte sie sich um. Natürlich, sie kannte auch diese Gänge. Ihre Augen weiteten sich und sie sah dass es nicht nur Steine waren, die sich spitz in ihre Füße bohrten, sondern auch die Überreste der Zeithüter und zeitlosen Wächter.

War sie allein? Wollte Er ihr etwas zeigen? Und wenn ja, was? Nun, wenn dann würde sie sicherlich im Raum des Orakels eine Antwort bekommen oder einen Hinweis finden. Es musste einen Grund haben, warum er sie genau hierher gebracht hatte. Zumindest sagte dies ihr Gefühl.

Ehrfürchtig und zugleich ein wenig unsicher, was sie tun sollte, ging sie weiter, bahnte sich einen Weg durch geborstenen Stein, Asche und Knochen.

 


... und am Fluss vor Lichthafen, da lag das Mädchen offenbar in einem tiefen Schlaf. Die Sonne wärmte sie und sie schien sorglos ihren Träumen zu folgen.
 
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

Naheniel
Landstreicher / Landstreicherin
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Mai 2019, 19:18

Re: Die dunkle Prophezeiung

#5

Beitrag von Naheniel » Mi 19. Jun 2019, 10:19

Die Bibliothek war schnell erreicht. Dank seiner Runensteintafel, die ihm das Reisen wesentlich erleichterte, war der Weg nur kurz gewesen. Er war überrascht darüber, dass ihm Einlass gewährt wurde. Allerdings war es nur ein Gehilfe, der ihm die schweren Türen in die Bibliothek geöffnet hatte. Den großen Bibliothekaren war er noch nicht begegnet.
Was ihn in diesem Moment auch ganz recht war.
In Gedanken versunken lief er lautlos die zahlreichen Bücherregale ab und strich mit seinen Fingern über die Buchrücken. Eigentlich wusste er nicht, mit welchem dieser Bücher er anfangen sollte. 
Worauf er allerdings hoffte, war die Hilfe des einzig Wahren. Schließlich hatte dieser ihn doch auf diesen Weg geführt. Doch nichts geschah, als er Buchrücken für Buchrücken berührte und die Titel laß. Langsam stieg Zorn in ihm auf.
Er musste sie finden, diese Prophezeiung und wissen, was es damit auf sich hatte.
Was waren das für Worte gewesen?

Deine Macht wirst Du teilen.


Es war eine wirklich schwere Prüfung, die ihm auferlegt worden war.Wenn Ogrimar es als eine Verfehlung sah, dass er die Priester getötet hatte und ihm dafür diese Bürde auferlegt hatte, würde er sie annehmen. Er würde ihm beweisen, dass er die Prophezeiung finden und sie ihrem Schicksal überbringen würde um dann das Band, welches sie verband, wieder zu trennen.
Und dann würde er an Ogrimars Seite stehen und zusehen, wie die Welt wie sie alle kannten im Chaos versank und neu geboren wurde. Ganz im Namen des dunklen Herrn. 
Doch zunächst musste er endlich herausfinden, um was für eine Prophezeiung es sich dabei handelte. Und welchen Nutzen sie bringen würde. Vielleicht war sie ja auch wertvoll für die Diener des Götzengottes. Umso besser, wenn er sie schnell finden und, wenn nötig, vernichten würde.
Mit diesem Gedanken schlossen sich seine Augen und er fiel unsanft auf den kalten steinernen Boden.

Als er dort mit dem Kopf aufschlug, war er schon nicht mehr bei Bewusstsein.
  

Ein dunkler, weiter Gang.
Eine Decke gestützt von mächtigen Säulen.
Rund herum war Asche, die schwarz auf ihn herabfiel. Seine Hände hoben sich prüfend in die Dunkelheit, doch war nichts da, was er greifen konnte. Er blickte hinter sich, doch auch da nur ein endlos scheinender Weg voller Säulen.Wo war er gelandet? Diesen Ort hatte er niemals zuvor gesehen. Er war irgendwie … anders.
Als würde er die Weisheit, die Geheimnisse und alles Wissen dieser Welten in sich tragen.
Und es war wieder nur Stille um ihn herum. Er atmete tief ein und aus, wodurch die schwarze Asche, die schon fast wie Schnee erschien, vor seinem Gesicht zu tänzeln begann.
Als er dem Weg folgen wollte, bemerkte er dunkle Fußabdrücke auf dem Boden. Eine genauere Untersuchung jener ergab, dass sie aus Blut gezeichnet waren. Er neigte seinen Kopf etwas zur Seite und strich mit seinem Zeigefinger über einen der Abdrücke. Es war frisches Blut. Und die Fußabdrücke, sie waren so winzig. Kleiner als die eines erwachsenen Menschen. Was hatte das alles zu bedeuten? 
Verwirrt ging er einige Schritte den Säulengang entlang, bis er in der Ferne einen Schatten ausmachte. Es war nur schwer zu erkennen, um was es sich handeln konnte, zu dicht war der Ascheregen und zu schnell bewegte sich das Wesen vor ihm fort.
Ihm kam es vor, als würde er sich durch einen zähen Brei bewegen, kaum in der Lage, einen Schritt vor den anderen zu setzen. Doch je mehr Schritte er tat, desto unebener wurde der Boden. Als er das Gleichgewicht zu verlieren drohte, sah er nach unten auf seine nackten Füße.
Unter diesen befanden sich weiche Körper, die ihm nicht viel Halt boten.
Viele unbekannte Körper, mit vor Schreck verzerrten Gesichtern und verbrannten Leibern und es roch nach verbranntem Fleisch.
Doch er wollte sich nicht beirren lassen und ging immer weiter und weiter, nicht ohne hier und da ins Schwanken zu geraten.
Denn er musste es sehen, musste sehen, was das Wesen vor ihm war. Aus der Ferne hörte er ein zögerliches "Hallo?", welches die bald schon unerträgliche Stille um ihn herum zerschnitt. 

Noch viel zu weit war sie entfernt, dennoch streckte er die Hand aus, gar so, als würde er sie dadurch greifen können.
Aber er griff nur in die heiße Asche, die nach wie vor auf ihn und auf die Leiber unter ihm herabfiel. 
Bild
So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

Benutzeravatar
-Freya-
Bauer / Bäuerin
Beiträge: 22
Registriert: Mo 5. Feb 2018, 19:11

Re: Die dunkle Prophezeiung

#6

Beitrag von -Freya- » Sa 22. Jun 2019, 20:14

Die Sonne zog ihren Weg, langsam aber stetig über den Himmel und mit ihr wanderten ebenso die Schatten, welche ringsherum von den Bäumen herab auf das schlafende Mädchen geworfen wurden.

Das Mädchen in ihrem Traum... 

 


Freya wusste, es war ein Traum und doch irgendwie auch nicht. Immerhin wusste sie dabei, das sie schlief  und sowas wusste man doch eigentlich nicht, wenn man träumte, oder doch?  Nichtsdestotrotz erschien ihr alles auf unheimliche Weise real und sie spürte eine tiefe Leere in sich, so als hätte alles um sie herum sie verlassen. So als wäre sie vollkommen allein. Ein beklemmendes Gefühl, welches sie antrieb einen Weg hinaus aus diesem Traum zu finden.

Sie legte ihre Hand an eine der geborstenen Wände, liess ihre Finger sanft über den Stein fahren, während sie intuitiv jenem Pfad folgte, den sie trotz ihrer jungen Jahre bereits schon einmal beschritten hatte. Dorthin, wo sie ihr Leben in die Hand des einzig wahren gelegt hatte.
 
Es ergab doch keinen Sinn oder doch? Schritt für Schritt legte das Mädchen durch diese Totenlandschaft zurück, welche sie als den Pfad des Orakels wiedererkannt hatte, zurück.  Einen Weg, den sie dieses Mal vollkommen alleine beschritt.


Mühelos, da sich weder Wächter noch Wände sich ihr in den Weg stellten, erreichte sie die Stufen, welche zur letzten Kammer führten. Jenem schicksalsträchtigen Ort, an dem die Götter den würdigen ein Stück ihrer Macht verliehen.
 
Doch je näher sie diesem zentralen Punkt der Macht gekommen war, desto mehr schlich sich ein mulmiges Gefühl in ihren Bauch. Ein Gefühl, dass sie nicht das sehen würde, was sie hoffte. Ihre kleinen Hände ballten sich zu kleinen Fäusten und sie nahm schnell einen tiefen Atemzug, um den Mut zu finden den Stufen zur Kammer zu folgen, egal, was sie dort erwarten würde. Denn diese Träume hatten stets einen Sinn, eine Botschaft und nur wenn sie ihnen bis zum Schluss folgte, konnte sie aufwachen.
 
Stufe für Stufe ging sie vorwärts. Ein widerwärtiger Geruch stieg dabei in ihre Nase. Etwas süßlich, vielleicht auch metallisch. So genau konnte Freya das nicht wirklich sagen. Es war auf jeden Fall eklig und schien mit jedem Schritt intensiver zu werden.
 
Als sie den Treppenabsatz erreicht hatte, stolperte Freya jedoch beinahe rückwärts und ein stummer Schrei kam über ihre Lippen, während sie ihre Augen weit aufriss.
 
"Nein, nein, nein, Morri... " erschrocken eilte sie vorwärts und beugte sie sich über die schwarze Seraphim, welche am Boden lag.
 
Sie, Lieblingstante, welche ihr das Schreiben beigebracht hatte. Die, die sie so vieles gelehrt hatte und die doch mit ihr zusammen noch das Drachenei ausbrüten musste. Nein!
 
"Morri... !!" rief sie, während sie verzweifelt versuchte ein Lebenszeichen auszumachen. Doch da war nichts. Kein Herzschlag, kein Atemhauch. Hilflos blickte sie sich um. War es das was er ihr androhte? War es das, was er meinte, er würde ihr alles wieder nehmen? Schwer schluckend blickte sie nun auf die anderen Körper, welche mit aufgeschlitzten Kehlen in einem Meer aus Blut lagen.
 
 "Chaos..." flüsterte sie leise. "Sloan..." Der Schmerz an ihren Füssen schien bei dem Anblick vollkommen vergessen, während sie fast schon paralysiert an ihnen vorbeiging.  "Opa.... Ellà...." Freya wollte die Augen schließen. Nein sie wollte das nicht sehen. Sie hatten nichts getan, sie alle waren treu ergeben. Wieso sollte das geschehen? Warum nur? Sie tat doch auch was er verlangte? Sie wollte am liebsten aufwachen, sie wollte das nicht sehen. Und doch hielt etwas sie hier fest. Vielleicht gar ihr eigener Wille, um in Erfahrung zu bringen, was geschehen war, oder würde oder was auch immer.
 
Wie eine bittere Medizin schluckte sie bei dieser Erkenntnis ihre Tränen hinunter. "Es ist nur ein Traum... " sagte sie sich selbst und versuchte die Leichen auszublenden, um den Weg zu Ende zu gehen. und eine Antwort  auf das warum zu bekommen. Doch das Beste kam bekanntlich meistens zum Schluss. Leise flüsterte sie die Namen vor sich her, um vielleicht irgendwo oder irgendwie eine Botschaft zu finden oder einen Hinweis. Einer nach dem anderen kam über ihre Lippen... "... Verlion... Shaya..." bis gedanklich fast jeder, den sie kannte von der gedanklichen Liste verschwunden war. Jeder bis auf....
 
Sanft drang der Fackelschein vom Inneren es Raumes des Orakels zu ihr und spiegelte sich auf der Oberfläche des nassen dunkel verfärbten Marmors wider.
 
Vor ihr lag die allerletzte Kammer und inmitten des Raums lagen drei Körper. Doch soweit kam sie nicht, denn der letzte Name auf ihrer Liste lag bereits direkt vor ihr an der Schwelle. Wer immer nun auch immer die drei im Inneren des Raumes sein mochten, dies spielte in diesem Augenblick keine Rolle mehr, auch wenn ihr erster Blick auf jene gefallen war.  ~Ich kann Dir alles nehmen, was Dir gegeben wurde~  hallte es in ihren Gedanken wider.
 
Mit glasigen Augen beugte sie sich über die Frau, welche mit weit aufgerissenen Augen direkt vor ihr lag und deren dunkelgrüne Robe überall Flecken ihres eigenen Blutes trug. "Tante Tanuri!... nein.. nicht auch Du.. ..."
 
Freya wusste, dass jene ihr etwas bedeutete, egal wie harsch und ungerecht sie manchmal zu ihr war. Immerhin war sie ihr Vorbild, jene, die sie auf den Weg geleitet hatte. Aber der schwere Stein, der nun auf ihrem Herz lastete, zeigte ihr erst wie viel es wirklich war.  Nein das konnte nur ein schlimmer Traum sein. Tanuri war doch mehr als gottesfürchtig.  Das Mädchen kniete sich neben sie, wobei es ihr gleich schien, dass der Saum ihrer weißen Robe sich tief rot von wie Blut verfärbte.

Sanft hob sie ihren Kopf an, welcher sich schwer und schrecklich wirklich anfühlte, um diesen behutsam auf ihrem Schoss zu betten. Auch dabei ignorierte sie das Blut, welches aus der offenen Kehle der Tante sickerte, aber dieses Mal wusste sie ohne den Herzschlag prüfen zu wollen, dass auch sie tot war. Liebevoll strich Freya ihr über die Wange, welche sich eiskalt unter ihrer Hand anfühlte. Das Brennen in ihren Augen erschien ihr fürchterlich, doch sie erlaubte sich nicht zu weinen, während sie hinauf in den blutroten Himmel blickte. Es war ein Traum, eine Warnung, doch wovor. Sie tat, wie ihr gesagt worden war. Hatte bisher ohne Fragen zu stellen oder es anzuzweifeln mit den Konsequenzen gelebt und sich diesen gestellt.  "Wieso?" flüsterte sie leise, fast als würde sie auf eine Antwort hoffen.

 

 
Bild
Die Dunkelheit, ich höre sie in meinen Träumen. Spürbar berührt sie meine Gedanken.
Ganz sanft, frohlockend und doch Verdammnis bringend.
Er wird kommen.

Naheniel
Landstreicher / Landstreicherin
Beiträge: 4
Registriert: Mo 27. Mai 2019, 19:18

Re: Die dunkle Prophezeiung

#7

Beitrag von Naheniel » Di 25. Jun 2019, 20:57

Sein Weg führte ihn immer weiter über die Körper der Toten. Wieviele es wohl waren, über die er mit festem Schritt hinweg trat? Hier und da trat er einen Kopf unsanft zur Seite, wenn ihm dieser im Weg lag. Denn er hatte es eilig, er musste dem, was vor ihm war, näher kommen. Undeutlich und dumpf durchbrach ihre leise Stimme die Stille und immer noch, aus einer schier unendlich scheinenden Ferne, sah er, wie sie sich zu den Körpern am Boden herabbeugte.
Er warf hingegen nur einen achtlosen Blick auf die Toten unter seinen Füßen. Es waren immer wieder die gleichen sich wiederholenden Gesichter. Als er nun genauer hinsah, erkannte er in ihnen seine Mitstudenten aus der Priesterschule.
Aber sie hatten ihm nie etwas bedeutet, weshalb er nicht verstand, weshalb sie nun seinen Weg säumten.
Vielleicht als eine eindrückliche Erinnerung an die Worte Ogrimars?
Noch in Gedanken stolperte er über das dürre Gesicht des Hohepriesters, welchen er so ohne Skrupel erwürgt und in seinem Zimmer zurückgelassen hatte. Doch auch das löste keinerlei Reaktion in ihm aus. Sie alle hatten sich schuldig gemacht. Schuldig daran, das Wort des dunklen Gottes zu ihrem eigenen Vorteil auszunutzen.
Wütend trat er auch gegen dieses Gesicht, doch er trat ins Leere.
Fast schon hatten ihn die ständig wiederkehrenden gleichen Gesichter von seinem eigentlichen Vorhaben abgelenkt. Als er sich suchend umsah, musste er erkennen, dass die Person vor ihm verschwunden war. Er begann zu rennen, lief und lief, immer weiter den Säulengang entlang. Doch dieser nahm kein Ende. Immer wieder aufs Neue wiederholten sich die toten Körper unter ihm, immer wieder lief er an den Säulen vorbei, ohne, dass vor ihm die Gestalt wieder auftauchte.
Rasender Zorn machte sich in ihm breit.
Was sollte das für ein Spiel sein?
Sollte er am Ende doch zum Narren gehalten werden?
Vielleicht war es gar eine Falle des Götzengottes, der ihm seinen Verstand rauben wollte aus Angst, er würde es schaffen, dem dunklen Herrscher den Weg in die Welt zu ebnen damit dieser das Chaos und das Verderben bringen konnte, aus der die Welt wieder neu auferstehen konnte.
Wiedergeboren werden konnte.
Wenn es so sein sollte, dann würde er mit allem was er zu bieten hatte dagegen aufbegehren. 
Sollte es wiederum ein Teil Seiner Prüfung für ihn sein, dann würde er nicht ermüden dabei, sie zu bestehen. Er würde seinen eisernen Willen demonstrieren, keine Angst und kein Zögern zeigen.
Aber der Weg wollte nicht enden. Kraftlos ließ Naheniel sich auf seine Knie sinken und schlug wütend mit seinen geballten Fäusten auf die am Boden liegenden Körper ein. Immer und immer wieder, bis seine Knöchel blutig waren. Die Körper blieben jedoch wie sie waren, verbrannt zwar, aber von seinen Schlägen unversehrt. 
Als er sich seine Hände besah, zerfielen die Leichen plötzlich zu schwarzer Asche. Nur ein Körper lag inmitten des Raumes, nur eine Armlänge von ihm entfernt. Immer noch auf Knien und einer völligen Erschöpfung nahe, rutschte er zu dem Körper hin. Er war wesentlich kleiner und zierlicher als die, die davor hier gelegen hatten und war gekleidet mit einer weißen Robe.
Das Gesicht konnte er nicht erkennen, da es bedeckt von einer schwarzen Haarpracht war, welches sich wie fließendes Lava um das Gesicht legte.

Jegliche Bemühungen das Gesicht von den Haaren zu befreien, wurden zunichte gemacht von noch mehr Haaren. Egal, wie viele er schroff beiseite strich, es war ihm unmöglich, das Gesicht freizulegen. Zornig packte er die Schultern des kleinen Körpers und zog ihn näher an sich heran. Erst da bemerkte er, eine mit Gold verzierte Klinge im Bauch des Mädchens. Mit einem Ruck zog er sie heraus um sie genauer zu untersuchen.
In diesem Moment begann der Körper Flammen zu fangen und brannte lichterloh in seinen Armen. Das schwarze Haar versengte in einem Feuerball, doch noch bevor er nun das Gesicht im Feuer erkennen konnte, war nichts mehr, außer der knöcherne Schädel, davon übrig.
Nur der Dolch befand sich nach wie vor in seinen Händen und ein stechender Schmerz in seinem Nacken erinnerte ihn an das Mal, welches Er als Erinnerung an die Begegnung hinterlassen hatte und die brennenden Narben auf seinem Rücken, welche er selbst an sich hinterlassen hatte um ihn stets an seinen Glauben und seine Treue zu erinnern.
 

Naheniel deutete dies als eindeutiges Zeichen. Als Zeichen dafür, dass er sich auf dem richtigen Weg befand. Er musste nur durchhalten. Also erhob er sich. Die Erschöpfung die sich bis eben noch bleiern auf seine Schultern gelegt hatte war abgefallen. Er schritt den Weg der Säulen entlang, bis ihn endlich eine Treppe in den nächsten Raum führte. Nichts war mehr zu sehen, keine Leichen, keine Asche. Nur die blutigen kleinen Fußabdrücke am Boden unter ihm. Also folgte er ihnen, Schritt für Schritt näherte er sich dem Raum des Orakels. Doch noch davor sah er an der das zierliche Mädchen, wie es an der Schwelle zum nächsten Raum kniete und ihr Körper leicht bebte. Mit vorsichtigen, lautlosen Schritten näherte er sich ihr.
Auch sie hatte schwarzes fließendes Haar, welches ihr Gesicht verbarg. Je näher er ihr kam, desto kälter wurde der Griff des Dolches in seiner Hand. Fast schon unerträglich war die Kälte, die der Griff auf seiner Hand hinterließ, als er direkt hinter ihr stand. Aber er durfte keine Schwäche zeigen, er musste den Schmerz aushalten. Für ihn und vor allem, für sich selbst.
 
Das Kind unter ihm schluchzte, aus einem für ihn nicht erkennbaren Grund. Um die beiden herum war nichts außer der Marmor zu ihren Füßen und die Fackeln, die den Raum spärlich beleuchteten. Aus der Entfernung sah er einen Mann langsam auf sie beide zuschreiten. Aber war es überhaupt ein Mann? Von der Statur her ja, doch war er so vieles mehr, das spürte er sofort. Er musste sich von seiner Faszination losreißen, musste sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren.

So beugte er sich hinab und griff mit seiner freien Hand nach dem schmalen Handgelenk des Mädchens um sie herumzudrehen. Um sie zu erkennen und ihr, so wie es ihm gezeigt worden war, den Dolch in den kleinen Körper zu rammen. Denn nur so konnte man das soeben Geschehene interpretieren. Sie musste durch seine Hand getötet werden.
Aber als er sie berührte, begann die Szenerie um ihn herum zu verschwimmen. Ihr Gesicht entglitt ihm und verwandelte sich zu schmelzendem Wachs. Der Raum verdunkelte sich immer mehr, der Mann, der soeben noch auf sie zugeschritten kam, wurde eins mit der Schwärze des Raumes. Einzig und allein ihr Handgelenk verblieb in seiner Hand, welches er jedoch erschrocken losließ, als an dessen Unterseite das gleiche Mal aufflammte, welches in seinem Nacken gezeichnet war und welches er bisher nur undeutlich in einem Spiegel gesehen hatte. Völlig ungewiss seiner Bedeutung.
 


Als er die Augen öffnete lag er auf dem Boden der Bibliothek. Einer der Bibliothekare hatte sich mit sorgenvollem Gesicht über ihn gebeugt und ihm soeben kaltes Wasser über seinen Kopf geschüttet. Ein zornerfüllter Schrei war durch sämtliche Räume der alten Bibliothek zu hören. Seine Chance... hier war sie gewesen. Zerstört von einem Taugenichts. Voller Wut in sich, versuchte er auf die Beine zu kommen und bemerkte dabei erst, dass er immer noch den Dolch in seiner Hand festhielt.
Bild
So ist denn alles was ihr Sünde, Zerstörung ... 
kurz, das Böse nennt, mein eigentliches Element.
 

Bewerte dieses Thema
Antworten

Zurück zu „Bücherei der Geschichten (Schicksalswind)“